60 Millionen Umsatz, 10 Länder, ein Exit

mit Marlena Hien, Mitgründerin von Bears with Benefits

14. August 2026 · 90 Min

Zusammenfassung

Marlena Hien hat mit Vitamin-Gummis 60 Millionen Euro Umsatz aufgebaut, ohne VC. Ihr Playbook: Amazon zuerst, Packaging fürs Suchergebnis, Handel vor dem eigenen Shop und ein Exit mit je einem Drittel Cash, Earnout und Rückbeteiligung.

Marlena Hien im Gespräch im Founder-Mode-Studio

Marlena Hien hat 2018 in München mit ihrer Mitgründerin Laurence Bears with Benefits gegründet. Die Idee kam aus einem Drogerieregal in New York: In den USA waren Nahrungsergänzungsmittel als Gummis damals schon ein Riesending. Die beiden kamen aus einer Agentur, hatten viel für Konsumgüter-Konzerne gearbeitet und wollten eine Marke bauen, die von Anfang an digital gedacht ist. Heute, acht Jahre später, macht die Firma 60 Millionen Umsatz in zehn Ländern inklusive USA, ist profitabel und in Europa Marktführer bei Supplement Gummies.

Der erste Kanal war Amazon, weil Marlenas Mann dort früher neue Marken auf Seller Central gebracht hatte. Ihr größter Hebel war das Packaging: Sie haben das Design direkt in die Amazon-Suchergebnisse gesetzt und so lange angepasst, bis es im Thumbnail heraussticht und die Biotin-Dosierung lesbar ist. Nach vier Monaten und 50 verkauften Packungen am Tag gewannen sie einen Startup-Wettbewerb von Douglas, danach kamen dm, Rossmann und Bipa von selbst. Erst mit dem Cashflow aus dem Handel startete der eigene Shop, vier Wochen vor dem ersten Lockdown. Ihre überraschende Erkenntnis: Handel und Amazon bringen mehr Gewinn als D2C, weil im eigenen Shop Meta und Influencer die Marge abschöpfen.

Marlena erzählt offen, wie hart der Supplement-Markt ist. Die Health-Claim-Verordnung erlaubt nur wenige Aussagen, und die erste Abmahnung forderte 250.000 Euro, als die Firma gerade 30.000 Euro im Monat umsetzte. Gestartet sind die beiden mit 25.000 Euro für die GmbH. VCs fragten sie, warum sie überhaupt profitabel seien, und trauten ihnen keine 10 Millionen Umsatz zu. Also blieben sie beim Bootstrapping und verkauften 2022 für einen mittleren achtstelligen Betrag: ein Drittel sofort, ein Drittel Earnout auf Umsatz mit maximal 35 Prozent Marketingkosten, ein Drittel Rückbeteiligung.

Im letzten Teil geht es um Vereinbarkeit: Das Douglas-Listing und der positive Schwangerschaftstest kamen in derselben Woche, am Tag der dm-Listung war Marlena vormittags beim Store-Check und nachmittags im Kreißsaal. Sie spricht darüber, wann sie gemerkt hat, dass jemand anderes den Job besser kann, wie sie heute mit Panda Ventures investiert und welche Kategorien sie spannend findet: Oral Care, Personal Care für Tweens und Supplements als Begleiter für Abnehmspritzen.

Worüber am meisten gesprochen wurde

Anteil an der Gesprächszeit, berechnet aus den Kapitel-Längen (ohne Intro).
Vereinbarkeit & Rollenwechsel
29 % · 25 Min
Amazon, Handel & D2C
21 % · 18 Min
Investments & neue Ideen
16 % · 14 Min
Bootstrapping & Exit
15 % · 13 Min
Supplements & Recht
10 % · 8 Min
Gründung & Produkt
8 % · 6 Min
Gesprächsverlauf

Kapitel

  1. 00:00Trailer & IntroIntro
  2. 05:36Vitamin-Gummis aus München: Die Idee kam aus einem Drogerieregal in New YorkGründung & Produkt
  3. 12:00Der größte Amazon-Hack: Packaging fürs Suchergebnis statt fürs RegalAmazon, Handel & D2C
  4. 17:41Amazon, Douglas, eigener Shop: Warum der Handel mehr Gewinn bringtAmazon, Handel & D2C
  5. 29:55Abmahnung über 250.000 Euro, bei 30.000 Euro MonatsumsatzSupplements & Recht
  6. 38:24Was Marlena sich in VC-Gesprächen anhören mussteBootstrapping & Exit
  7. 45:46Der Exit: Kaufpreis, Cash, Earnout, RückbeteiligungBootstrapping & Exit
  8. 51:26Vormittags DM-Store-Check, nachmittags KreißsaalVereinbarkeit & Rollenwechsel
  9. 01:02:26Der Moment, in dem sie wusste: Jemand anderes kann den Job besserVereinbarkeit & Rollenwechsel
  10. 01:16:11Oral Care, Tweens, GLP-1: Was sie heute bauen würdeInvestments & neue Ideen

Key Learnings

  1. 1

    Gestalte dein Packaging fürs Amazon-Thumbnail

    Bears with Benefits hat das Packaging direkt in die Amazon-Suchergebnisse auf dem Desktop gesetzt und geprüft, ob es für die wichtigen Keywords heraussticht. Der Inhaltsstoff musste in der ersten Sekunde lesbar sein. Weil 10.000 Mikrogramm Biotin ein wichtiges Longtail-Keyword war, haben sie das Produkt sogar auf diese Dosierung hin entwickelt und sie mit hohem Kontrast vorn draufgedruckt.

    12:00 · Der größte Amazon-Hack: Packaging fürs Suchergebnis statt fürs Regal
  2. 2

    Lass deine Community die Produkte bestimmen

    Jeden Freitag gab es auf Instagram eine Sprechstunde, in der Follower Fragen und Produktwünsche in einen Fragensticker schreiben konnten. Jedes der ersten zehn Produkte kam aus diesen Antworten. Auch welche Auslandsmärkte sie angehen, haben die Gründerinnen aus der Community abgeleitet.

    12:00 · Der größte Amazon-Hack: Packaging fürs Suchergebnis statt fürs Regal
  3. 3

    D2C hat nicht automatisch die beste Marge

    Bei Bears with Benefits bringen Handel und Amazon mehr Gewinn als der eigene Shop. Im Handel gibst du die Handelsmarge ab, hast aber kaum Marketing-, Logistik- und Paymentkosten. Im D2C-Geschäft bist du laut Marlena mit 35 Prozent Marketingkosten ein Rockstar, realistisch sind eher 50 Prozent oder mehr. Der eigene Shop lohnt sich trotzdem, weil du dort ein breites Sortiment zeigen und höhere Warenkörbe erreichen kannst.

    17:41 · Amazon, Douglas, eigener Shop: Warum der Handel mehr Gewinn bringt
  4. 4

    Kämpf um das richtige Regal, nicht nur um die Listung

    Bei dm steht das Haarprodukt von Bears with Benefits nicht im unübersichtlichen Nahrungsergänzungsregal, sondern bei den Trockenshampoos im Shampoo-Regal, einem der meistbesuchten Regale im Drogeriemarkt. Dafür haben die Gründerinnen eine gute Marge gegeben, ohne lange zu verhandeln, und den Platz als Marketing-Placement betrachtet. Marlenas Erfahrung: In den Handel reinzukommen ist leichter denn je, dort zu bleiben schwerer denn je.

    17:41 · Amazon, Douglas, eigener Shop: Warum der Handel mehr Gewinn bringt
  5. 5

    Hol dir früh einen guten Lebensmittelrechtler

    Supplements anzumelden ist einfach, aber der Markt reguliert sich über Abmahnungen von Wettbewerbern, Verbraucherschutzverbänden und Behörden. Nach der Health-Claim-Verordnung darfst du nur zugelassene Sätze verwenden, für Kollagen oder Ashwagandha gibt es gar keine. Schon ein Made-in-Germany-Claim oder eine zu kleine Schrift kann teuer werden. Marlenas erste Abmahnung über 250.000 Euro kam bei 30.000 Euro Monatsumsatz; danach war der Anwalt quasi auf Kurzwahl.

    29:55 · Abmahnung über 250.000 Euro, bei 30.000 Euro Monatsumsatz
  6. 6

    Konsumgüter sind meist kein VC-Case

    Marlena hält Bootstrapping im Konsumgüterbereich für machbar: Starte nicht mit teurem D2C, sondern auf Amazon, finde den Product-Market-Fit und lerne. Eine kleine Runde am Anfang ist in Ordnung, aber der Weg muss sofort in Richtung Profitabilität gehen statt von Runde zu Runde. Wer viel VC-Geld nimmt, braucht später einen sehr großen Exit, und davon gibt es in Europa nur wenige.

    38:24 · Was Marlena sich in VC-Gesprächen anhören musste
  7. 7

    Definiere Ziele immer im Paar

    Der Earnout von Bears with Benefits hing am Umsatz, aber mit einer Grenze von 35 Prozent Marketingkosten. So konnten die Gründerinnen nicht einfach Wachstum mit Werbebudget kaufen. Genau diese beiden Kennzahlen gaben sie als KPIs ans Team weiter. Ergebnis: 120 Prozent Wachstum im Jahresvergleich, die oberste Earnout-Stufe wurde bei Weitem übertroffen.

    45:46 · Der Exit: Kaufpreis, Cash, Earnout, Rückbeteiligung
  8. 8

    Erkenne, wann jemand anderes den Job besser macht

    Marlena sieht sich als Zero-to-One-Gründerin, ihre beste Zeit war die Phase mit 5 bis 15 Leuten. Mit wachsendem Team, Strukturen und People Management wurde es für sie schwerer. Der entscheidende Punkt kam, als sie sich hätte weiterentwickeln können, es aber nicht mehr wollte. Die heutige CEO kam über die Empfehlung einer Business Angel, und die Übergabe fühlte sich vor allem nach Erleichterung an.

    01:02:26 · Der Moment, in dem sie wusste: Jemand anderes kann den Job besser

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Ihre erste Abmahnung: 90 Seiten, 250.000 Euro Strafandrohung. Sie machten damals 30.000 Euro Umsatz. Im Monat.

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Zahlen aus der Folge

60 Millionen
Umsatz von Bears with Benefits 2026
10
Länder, inklusive USA
50 Stück am Tag
Amazon-Verkäufe nach vier Monaten
250.000 Euro
Summe in der ersten Abmahnung, bei 30.000 Euro Monatsumsatz
25.000 Euro
Startkapital für die GmbH-Gründung
mittlerer achtstelliger Betrag
Kaufpreis beim Exit 2022
je ein Drittel
Cash, Earnout und Rückbeteiligung
120 %
Wachstum im Earnout-Jahr

Zitate

Marlena Hien lacht
„Weil wer hat denn eigentlich die Marge? Meta hat die Marge, Influencer haben die Marge“
Marlena Hien
„Also ich glaube, es ist leichter, denn je in Retail reinzukommen, schwerer, denn je dort zu bleiben.“
Marlena Hien
„Deswegen, am Ende sind Konsumgüter kein VC-Case.“
Marlena Hien
„Wenn du deine eigenen Operations nicht kennst, dann kannst du deine Firma nicht groß werden lassen, dann kannst du sie nicht skalieren.“
Marlena Hien
„you can have it all, but not at the same time.“
Marlena Hien

Über den Gast

Marlena Hien

Marlena Hien

Mitgründerin von Bears with Benefits · Bears with Benefits

Marlena Hien ist die Tochter eines Münchner Notars, hat Kommunikationswissenschaft studiert und rund zehn Jahre in einer kleinen Agentur gearbeitet, an der sie sich auf Rat ihres Vaters beteiligt hat. 2018 hat sie mit Laurence, die sie damals in der Agentur eingestellt hatte, Bears with Benefits gegründet: hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel als Gummibärchen, gestartet auf Amazon und ohne Venture Capital aufgebaut. Heute macht die Marke 60 Millionen Euro Umsatz in zehn Ländern inklusive USA und ist in Europa Marktführer bei Supplement Gummies. 2022 haben die Gründerinnen an einen französischen Strategen verkauft, der selbst Private-Equity-finanziert ist, und sind rückbeteiligt. Inzwischen ist Marlena operativ ausgestiegen, bleibt aber das Gesicht der Brand, investiert mit Laurence über Panda Ventures als Business Angel und gibt Seminare an der TU München.

Häufige Fragen

Was ist Bears with Benefits?

Bears with Benefits verkauft hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel in Form von Gummibärchen, etwa mit Biotin für die Haare. Marlena Hien und Laurence haben die Marke 2018 in München gegründet. Heute ist sie in zehn Ländern inklusive USA erhältlich, macht 60 Millionen Umsatz und ist in Europa Marktführer bei Supplement Gummies.

In welcher Reihenfolge hat Bears with Benefits seine Vertriebskanäle aufgebaut?

Erst Amazon, dann der Handel, dann der eigene Shop. Nach rund vier Monaten auf Amazon gewann die Marke einen Startup-Wettbewerb von Douglas und bekam eine deutschlandweite Listung. Danach kamen dm, Rossmann und Bipa auf die Gründerinnen zu. Mit dem Cashflow aus dem Handel startete der D2C-Shop, kurz vor den Corona-Lockdowns.

Warum hat Bears with Benefits kein Venture Capital aufgenommen?

Die Gründerinnen haben mit Business Angels und VCs gesprochen, aber nur halbherzig, weil sie das Geld nicht brauchten und ihre Unabhängigkeit behalten wollten. VCs fragten, warum sie überhaupt profitabel seien, und die Term Sheets mit Liquidationspräferenzen empfand Marlena als gründerfeindlich. Stattdessen nutzten sie unter anderem einen Corona-KfW-Kredit und Revenue-Based Financing.

Wie war der Exit von Bears with Benefits strukturiert?

Die Gründerinnen haben 2022 an einen französischen Strategen verkauft, ein Brandhouse vor allem mit Pharmacy-Marken, das selbst Private-Equity-finanziert ist. Der Kaufpreis war ein mittlerer achtstelliger Betrag. Ein Drittel wurde sofort gezahlt, ein Drittel als Earnout auf den Umsatz des Folgejahres mit maximal 35 Prozent Marketingkosten, ein Drittel war eine Rückbeteiligung.

Welche Consumer-Themen findet Marlena Hien heute spannend?

Sie sucht nach Regalen, die seit 20 Jahren gleich aussehen. Konkret nennt sie Oral Care, Personal Care für Tweens, also Kinder zwischen 8 und 13 Jahren, und Supplements als Begleiter für GLP-1-Abnehmspritzen, die Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Muskelabbau adressieren. Pitches von Supplement-Gründern kann sie wegen ihres Wettbewerbsverbots aktuell nicht annehmen.

Erwähnt in der Folge

Firmen, Personen und Produkte aus dem Gespräch
  • AmazonFirmaErster Vertriebskanal von Bears with Benefits, später Wechsel ins Vendor-Modell
  • DouglasFirmaStartup-Wettbewerb, den die Gründerinnen gewannen; der Preis war eine deutschlandweite Listung
  • Tina MüllerPersonSchirmherrin des Douglas-Wettbewerbs, die Bears with Benefits unterstützt hat
  • dmFirmaDrogeriekette, bei der das Haarprodukt im Shampoo-Regal steht
  • RossmannFirmaDrogeriekette, die nach der Douglas-Listung von selbst auf die Marke zukam
  • BipaFirmaÖsterreichische Drogeriekette, ebenfalls inbound gelistet
  • HariboFirmaHat Amazon damals ignoriert, sodass junge Marken bei Gummibärchen vorn ranken konnten
  • Sunday NaturalFirmaBeispiel für eine Supplement-Marke, die über gutes SEO zu Wirkstoffen wächst
  • Max WittrockPersonVon ihm stammt das Bild der Marktforschung, aus der immer Vanilla Ice Cream herauskommt
  • Lea-Sophie CramerPersonInvestierte bei Marlenas erstem Angel-Investment mit; ihr Name schafft Vertrauen auf dem Cap Table
  • RegulateProduktBreathwork-App, in die Marlena investiert hat
  • Panda VenturesFirmaKleiner Fonds von Marlena und Laurence, benannt nach dem Projektnamen im Exit-Prozess
  • artemFirmaOral-Care-Marke von Diana zur Löwen, Beispiel für Innovation im Zahnpasta-Regal
  • IM8FirmaSupplement-Marke mit David Beckham, laut Marlena eine Ausnahme unter den Celebrity-Brands
  • TU MünchenFirmaHier gibt Marlena Seminare und Case Studies für Gründerinnen und Gründer

Transkript

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00:00 Trailer & Intro

00:00 Feliks Eyser: Stand heute, 2026, acht Jahre nach Gründung, wo steht die Firma?

00:03 Marlena Hien: 60 Millionen Umsatz.

00:04 Feliks Eyser: Krass.

00:04 Marlena Hien: In zehn Ländern inklusive der USA. Profitabel, in Europa Marktführer.

00:08 Feliks Eyser: Wow.

00:08 Marlena Hien: 2018 bis 2022. Das war ja VC-Hochzeit. Ich habe ja auch wirklich sämtlichen Respekt vor. VC ist verloren, ehrlich gesagt. Du wurdest wirklich nicht ernst genommen, wenn du nicht ein Funding hattest. Dann warst du eine fixe Idee, aber du warst kein Start-up. Wie ihr macht es allein, aber habt ihr keinen Investor? Was ist denn, wenn wir die 5 Millionen nehmen? Das liegt ja nicht auf dem Konto, das muss auch gespendet werden. Mehr Spend, mehr Burn und Probleme. Profitabilität. Im Zweifel wird es heute gar nicht mehr geben. Ich sehe schon viele Start-ups, die damals das Geld genommen haben, obwohl sie es vielleicht nicht gebraucht hätten. Die sind heute in einer absoluten Pattsituation. Irgendwann ist es uns blöd geworden. Du kannst dir auch nur so und so viele Absagen anhören. Million Umsatz. Okay, jetzt habt ihr 5 Millionen Umsatz. Auf Zählen werdet es nicht schaffen. Hey, was denn zeigen wir es jetzt? Natürlich schaffen wir das. Wir schaffen es auch alleine. Und dann sehen wir halt mal, ja? Wer hier zuletzt laut.

00:55 Feliks Eyser: Für wie viel habt ihr verkauft?

00:57 Marlena Hien: Einen mittleren achtstelligen Betrag. Und wenn ich noch was. Supplements machen müsste, dann würde ich machen.

01:03 Feliks Eyser: Uh, find ich super. Lena, ich hab deinen LinkedIn-Post. Steht drin: Wer bin ich eigentlich ohne mein Unternehmen? Diese Frage habe ich mir vor dem Exit nicht ernsthaft gestellt. Heute weiß ich, ich hätte es tun sollen. Wer bist du ohne dein Unternehmen?

01:21 Marlena Hien: Ich glaube, ich kann es immer noch nicht so richtig beantworten. Noch nicht. Ich stelle mich immer noch vor als die Gründerin von Bears with Benefits. Und Das bin ich ja auch noch, das werde ich ja auch immer sein.

01:31 Feliks Eyser: Das muss immer sein. Den Founder-Titel gibt man nie ab.

01:33 Marlena Hien: Den Founder-Titel gibt man nie ab, den kann einem auch keiner nehmen. Und ich bin ja auch noch im Auftrag des Unternehmens tätig und bin immer noch das Gesicht der Brand. Deswegen ist es, glaube ich, auch noch okay. Je mehr die Monate und Jahre jetzt ins Land ziehen, desto mehr fragt man sich natürlich, was wird in Zukunft auf der Visitenkarte stehen. Und werde ich vielleicht irgendwann auch einfach mal als Marlena Hien auf eine Konferenz eingeladen und nicht als die Gründerin von Bears with Benefits.

01:56 Feliks Eyser: Brauchst du noch eine Visitenkarte?

01:57 Marlena Hien: Ja, doch. Also ich komme noch nicht in den Raum und jeder weiß, wer ich bin. Ich finde, man hat es über die Jahre schön gesehen, dass es mehr geworden ist. Klar, gerade auch unter Frauen, wo wir mit dem Produkt eben auch einfach sehr präsent sind. Aber ja, doch, brauche ich glaube ich schon noch. Aber was ich mit dem Post auch sagen wollte, ist eigentlich, dass man im Gespräch mit anderen GründerInnen ja auch sehr viel hört, dass ganz viele nach dem Exit oder Nach dem operativen Ausstieg in ein totales Loch fallen und halt nicht mehr gebraucht werden jeden Tag, der Kalender auf einmal leer ist. Das verspüren schon sehr, sehr viele.

02:34 Feliks Eyser: Wie war dein persönliches Loch? Gab's es?

02:36 Marlena Hien: Es gab es ehrlich gesagt gar nicht so richtig. Nach dem Exit schon gleich gar nicht. Da haben wir eigentlich weitergemacht wie bisher, sind ja auch noch ein paar Jahre in der Geschäftsführung geblieben. Aber auch jetzt nach dem operativen Ausstieg, ich habe mich zum einen natürlich direkt ins nächste Projekt geschmissen, was in dem Fall Ausbau war. Aber eben auch, weil ich die Kinder hatte und halt diese. zweite Rolle als Mutter schon hatte und das ist jetzt irgendwie so wirklich literally der Grund, morgens aufzustehen, weil die Frühstück von mir haben wollen. Das interessiert jetzt herzlich wenig, wo ich gerade in meinem Leben stehe und dass ich eigentlich nicht mehr arbeiten müsste. Sondern die wollen es immer noch von mir und ich glaube, das hat es aufgeregt.

03:10 Feliks Eyser: Ist auch witzig, ich habe so ein Unternehmerforum, so meine Jungs, die quasi alle Firmen gegründet haben, wo wir uns seit 15 Jahren einmal im Monat treffen, quasi so meine Peergroup quasi, und dann haben wir neulich auch ein Gespräch geführt: so hier, Purpose, was macht man eigentlich? Viele haben die Firma verkauft und so. Und der eine hat gesagt, ja, also Wenn du Kinder hast, dann stellst du dir diese Purpose-Frage ja auch nicht mehr. Weißt du, das ist für die Kinder los. Und wenn die sagt, ich brauche irgendwie Purpose im Leben, wenn du Kinder hast. Und ich nehme es auch so wahr.

03:30 Marlena Hien: Ja, stimme ich komplett zu. Die Kinder sind der Purpose.

03:33 Feliks Eyser: Ja. Gehst du denen auf die Nerven, wenn du so viel zu Hause bist oder sind die happy?

03:37 Marlena Hien: Die sind, glaube ich, happy. Die sind ja tagsüber in der Einrichtung, in Kita und Kindergarten oder jetzt bei Schulächer.

03:44 Feliks Eyser: Betreuungseinrichtung.

03:46 Marlena Hien: Und dadurch nehmen die das, glaube ich, nicht so wahr. Ich fahre die da hin und dann meistens fahre ich auch gar nicht mehr nach Hause zurück, meistens habe ich schon irgendwas zu tun.

03:53 Feliks Eyser: Was muss ich über deine Kindheit, über deine eigene Kindheit wissen, um zu verstehen, was für eine Gründerin du geworden bist, 2018, als du angefangen hast mit deiner Firma?

04:00 Marlena Hien: Ich glaube, ich bin sehr behütet aufgewachsen. Also mir hat es an nichts gefehlt. Akademikerhaushalt, mein Vater war Notar in München, Gründerinnen sagt das was. Da geht der Lifecycle eines Startups los und im besten Fall endet er da auch. Ja, ich war die älteste von drei Kindern, also die älteste Tochter, die sich alles erkämpfen muss und die auf der alle Erwartungen lasten. Das glaube ich schon. Also wir hatten schon einen gewissen Leistungsdruck zu Hause und so. Lob und Anerkennung gab es für gute Leistungen, gerade auch Schulisch. Das schon, aber gerade mein Vater hat mir auch immer Perspektiven eröffnet. Also ich habe mich dann ja gegen ein Jurastudium entschieden, obwohl das alle immer gedacht haben. Und habe Kommunikationswissenschaft studiert, irgendwas mit Medien, wie man so schön sagt. Und habe dann in einer super kleinen Agentur angefangen, direkt nach dem Studium. Und für halt kein Gehalt, wie das da so ist, sehr wenig Gehalt. Und nach ein paar Jahren hat mein Vater zu mir gesagt, okay, wenn du da jetzt bleiben willst, wenn du da was reißen willst. Man musste dich heteiligen. Und das war für mich so, hä? Was? Fahrt, das hat nicht drüber nachgedacht.

05:09 Feliks Eyser: Okay, also du hast Unternehmertum auf eine Weise vorgelebt bekommen, so Notar ist er erstmal auch selbstständig, so muss irgendwie, also ähm Gucken, dass da Kunden reinkommen. Richtig. Gut bezahlt. Denke ich jedes Mal, wenn ich so eine Rechnung sehe. Aber ist ja durchaus unternehmerisch. Okay, er hätte gesagt, hier angestellt sein ist das eine, aber quasi Equity aufbauen, Anteile aufbauen, ist das andere.

05:29 Marlena Hien: Exakt.

05:29 Feliks Eyser: Ist interessant.

05:30 Marlena Hien: Und dann habe ich das gemacht mit seiner Unterstützung. Und das war der erste Schritt ins Unternehmertum und alles andere kam daher.

05:36 Vitamin-Gummis aus München: Die Idee kam aus einem Drogerieregal in New York

05:36 Feliks Eyser: Erklär mal Bears with Benefits für jemanden, der das noch nie gehört hat.

05:40 Marlena Hien: Ja. Wer ist das Benefits? Ich habe übrigens auch welche dabei.

05:43 Feliks Eyser: Soll ich dabei? Zeig euch. Ich habe noch nie einen gegessen. Ich esse mal gerne einen.

05:46 Marlena Hien: In neun von zehn Podcasts vergesse ich, sie mitzubringen, aber jetzt können wir mal.

05:50 Feliks Eyser: Geil, wir sind zehn von zehn.

05:51 Marlena Hien: Okay.

05:52 Feliks Eyser: Okay, mega. Amazing Hair. Also, ich sehe Biotin ist hier drin. Das ist ein Gummibärchen.

05:58 Marlena Hien: Kann ich es aufmachen? Gerne. Genau, also es sind Nahrungsergänzungsmittel, auch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel in Form Von Gummis. Das haben wir nicht erfunden. Das war in den USA bereits ein Riesending, damals 2018. Ich habe es auch ehrlich gesagt da gesehen. Ich war privat, danke gerade nicht.

06:16 Feliks Eyser: Kannst du die noch essen? Ich kann die essen, ich esse die auch jeden Tag.

06:19 Marlena Hien: Nee, nee. Nur beim Sprechen nicht unbedingt, ja?

06:22 Feliks Eyser: Good point. Aber sprich du mal weiter?

06:25 Marlena Hien: Ja, ist super wichtig, dass die gut schmecken. Das ist ja der ganze Punkt. Nee, also ich war privat in den USA, in New York, hab da irgendwie bei CVS im Regal gesehen: ah krass, hier gibt es ja alle Nahrungsvergänzungen irgendwie in Gummiform und das ist ja mega smart. Weil ganz viele Leute haben ja Probleme damit, Tabletten zu schlucken oder auch einfach keine Lust drauf. Es fühlt sich ja immer irgendwie nach medizinischen Ziehen an und nach was Negativen. Du weißt aber andersrum auch bei Supplements geht es wirklich um Consistency, darum langfristig dran zu bleiben und das auch irgendwie erstmal auf Und dann ist das ja hier mega best of both worlds. Du hast irgendwie einen kleinen Treat im Alltag.

06:55 Feliks Eyser: Es macht Spaß, es macht Freude und dann vergisst du es auch nicht.

06:58 Marlena Hien: Und gleichzeitig ist es ein Megaträgermedium für jede Art von Vitamine und Nahrungsgänzungsmittel. Muss auch gar nicht erst von Magen aufgebrochen werden. Du hast es direkt in den Pektin here, so ohne jetzt technisch zu werden. Ich fand's mega Laurence, meine Co-Founderin, auch. Also, da waren wir uns irgendwie direkt einig, dass das geil ist.

07:16 Feliks Eyser: Ihr könntet euch aus dem Agenturumfeld.

07:18 Marlena Hien: Ja, ganz genau. Sie hat mich damals eingestellt. Also sie war die Frau vom Gründer oder am Anfang noch Freundin vom Gründer der Agentur. Wir haben lange Jahre zusammengearbeitet. Wir wussten, dass wir ein super Team sind. Und dann kam irgendwann so der Punkt, wo wir gesagt haben: wir arbeiten wahnsinnig viel im Konsumgüterbereich. Wir stoßen immer wieder an dieselben frustrierenden Stellen. Ja, wenn zum Beispiel für Danone gearbeitet, da ist dann, da kommt dann die Marktforschung. Und nach der Marktforschung ist jede Idee kaputt und irgendwie zu Wie hat hier Max Wittrock gesagt? Vanilla Ice Cream ist das, was wieder rauskommt. Also es ist einfach nur noch lame. Es hat nie ein Edge. Es ist nie digital von vornherein gedacht. Und da dachte ich mir, boah, dann probieren wir es doch mal selber. Schauen wir mal, wie weit wir kommen. Und hier war das Produkt, da war unsere Idee, und dann geht es auch noch darum, eine schöne Brand zu kreieren. Und das war ja nun unser Pforte.

08:09 Feliks Eyser: Krass. Jetzt heute mal Vorspul auf Stand heute, 2026, acht Jahre nach Gründung. Wo steht die Firma?

08:15 Marlena Hien: 60 Millionen Umsatz.

08:17 Feliks Eyser: Krass.

08:17 Marlena Hien: In zehn Ländern inklusive der USA.

08:20 Feliks Eyser: Wow.

08:20 Marlena Hien: Also, ja, das hat sich ganz gut entdeckt.

08:22 Feliks Eyser: Sehr profitabel?

08:23 Marlena Hien: Profitabel. In Europa Marktführer.

08:26 Feliks Eyser: Okay. Marktführer in der Kategorie Supplement Gummies. Ja. Okay, genau. Und jetzt kann man sagen, geil, so eine Supplement Brand Wenn sie funktioniert, weiß mal, hat hohe Margen, ist logistisch, ist einfacher, als irgendwie so eine dreiteilige Eckcouch zu verschicken, so. Also Gibt so ein paar Sachen, wo man sagt, ist ja ein cooles Geschäftsmodell. Auf der anderen Seite ist es aber super hart. Also weil der Markt ist ja extrem umkämpft. Viele wollen da rein, es gibt Lohnhersteller, die füllen dir jede Pille in irgendeiner Weise ab. Also Wie setzt man sich da durch?

08:54 Marlena Hien: Richtig. Also ja, die Einstiegshürden scheinen erstmal wahnsinnig niedrig, deswegen gehen auch viele in den Markt. Alles, was du gerade gesagt hast, ist richtig. Es ist ein Produkt, was du immer wieder bestellst im Idealfall. Das heißt, du hast die Retention eigentlich gleich eingebaut. Auf dem Papier erstmal alles mega. Haben wir auch so gesehen, obwohl wir, das waren eigentlich alles so added Bonuses. Das war jetzt gar nicht so unser Businessplan, diese ganzen Sachen. Wir fanden einfach das Produkt so spannend. Und wir wollten ja damals. Was für Amazon machen. Wir hatten ja überhaupt keinen Plan. Es war nie der Plan, hier eine europaweite D2C-Brand aufzubauen. Das kam dann irgendwie alles zu unserer Wege. Wir dachten erstmal Amazon. Amazon ist. Wie kam es zu Amazon? Ja, mein Mann hat bei Amazon, das war sein erster Job nach dem BBL-Studium, der war so New Accounts Manager bei Amazon. Der hat Brands ongeboardet auf Seller Central für zwei, drei Jahre. Zum Zeitpunkt der Gründung war er da schon gar nicht mehr, aber dadurch habe ich gesehen: ah ja, guck mal, da kommen immer, da kommen neue Brands, das sind alles irgendwelche jungen Menschen mit so ein paar SKUs und da kannst du wirklich Was reißen relativ schon.

09:57 Feliks Eyser: Stockkeeping Unit, so Produkte im Grunde, also da kommen Brands rein, die listen was und es funktioniert. Ist ja interessant, den Einblick in den Maschinenraum zu haben. Also Auch so ein Grund, warum Leute anfangen der Karriere VC werden können, zu sagen, geil, da sehe ich erstmal irgendwie tausend Businesspläne und kriege erstmal Einblick so, was funktioniert, was funktioniert nicht. In dem Fall, weil dein Mann quasi drin hat gesehen, 1000 Brands, was funktioniert, was funktioniert nicht.

10:15 Marlena Hien: Richtig. Und wir dachten, ja, okay, also das kriegen wir jetzt ja irgendwie auch noch hin. Amazon, muss man auch echt sagen, wurde schwerst vernachlässigt zu dem Zeitpunkt. War ja schon eine riesen E-Commerce-Maschinerie, aber die traditionellen Brands haben sich ja alle ein bisschen zu gut dafür gefühlt.

10:29 Feliks Eyser: Ich hab da teilweise besser gerankt, wenn jemand Gummibärchen eingegeben hat als Haribo und so weiter. Ja, also die Story stimmt.

10:35 Marlena Hien: Und das lag einfach nur daran, dass Haribo Amazon ignoriert hat und dann kommen halt irgendwelche Reseller mit einem Shitty Produktlisting. Und dann kannst du dich halt mit einem guten Produktlisting tatsächlich vorne dran setzen. Ist heute so wahrscheinlich nicht mehr möglich. Die meisten Großen haben es inzwischen auch geschnallt, wie wichtig dieses Ökosystem ist, aber. Das wurde schon viel gesnappt damals, sowohl von großen, bekannten Brands als auch von neuen Brands, die gesagt haben: Nee, da kannst du ja keine Brand aufbauen, ja, es muss irgendwie die ToC passieren. Aber warum nicht? Du hast eine riesige Reichweite, eine riesige Sichtbarkeit, der Traffic ist schon da, du hast das gesamte Frontend, du hast die Logistik, so what's not to love, du kannst es halt wirklich mal Auch für Marktforschung benutzen. Du baust ein MVP, wirfst es drauf, da hast du wirklich keine großen Einstiegskosten oder Einstiegshürden und dann kannst du halt iterieren mit dem ganzen Feedback, was du bekommst. Weil du kannst viele Zahlen auslesen und du bekommst sofort Reviews. Und das hilft dir alles, dieses Produkt zu verbessern und irgendwie marktfähig zu machen.

11:31 Feliks Eyser: Was musstet ihr anders machen als Amazon First Brand im Vergleich zu einer Brand, die D2C Direct to Consumer anfängt, über einen eigenen Shop verkauft oder die in Retail geht? Also, was waren die Amazon-Spezifischen? Sachen, die ihr umgesetzt habt?

11:42 Marlena Hien: Also ganz ehrlich, ich habe mir damals ein Buch bestellt, das war so Seller Central for Dummies. Blöd gesagt, hieß glaube ich anders, aber egal. Selbst Thema. Und habe erstmal geguckt. Ja, gut, was musst du machen? Wie muss so eine Produktdetaise aussehen? Wie muss die gepflegt sein? Was sind irgendwie die wichtigen Dinge? Da machst du eine gute Keyword-Recherche. Und schreib seine Texte, aber was für uns, glaube ich, der größte Amazon-Hack war, war das Packaging, also der Look von diesem Produkt Wenn du damals an Supplements denkst, es war ja noch nicht so der krasse Halbmarkt. Es gab eigentlich so die etablierten Brands und dann gab es ein paar erste mehr so Öko-Brands, die ins. Mit grünen Blättern, die so da reingegangen sind. Aber es war eigentlich erstmal alles weiß. Und wir haben, als wir dieses Packaging entwickelt haben, hatten wir immer Die Amazon Search Overview-Seite auf dem Desktop und haben das da reingesetzt und haben guckt, wie guckt das im Thumbnail aus, knallt das da raus für dieses Keyword, für dieses Keyword. Wie sieht die Suchergebnisse aus und knallt mein Produkt da raus? Das erste war noch. Pink-Orange, also wesentlich greller, knalliger ist das eben auch noch. Und das hat rausgeknallt. Ach krass, okay, das scrollt jemand durch und bleibt hängen. Ja, und wir haben geguckt, kannst du herlesen, kannst du Biotin lesen? Verstehst du in der ersten Sekunde was dieses Produkt mir sagen soll, und was wenn Inhaltsstoff ist, den ich vielleicht gerade gesucht habe in der Suchergebnisleiste. Wir haben direkt gesehen, okay Biotin, 10. 000 MCG, das ist irgendwie das Longtail-Keword, Mikrogramm, in dem Fall. Also die Dosierung beim Biotin war tatsächlich wichtig. Also haben wir das Produkt so entwickelt, dass es dieser Dosierung entsprochen hat. Und haben das Biotinklar gut lesbar, hoher Kontrast da vorne draufgeknallt. Das waren, glaube ich, wirklich so die Hacks am Anfang, die für gesorgt haben, dass das auch geklickt wird. Wurde und dass die Leute da irgendwie Aufmerksamkeit drauf bekommen haben. Weil du weißt ja, Aufmerksamkeit ist irgendwie das höchste Gut heute. Scroll, scroll, scroll. Da klickst du drauf.

12:00 Der größte Amazon-Hack: Packaging fürs Suchergebnis statt fürs Regal

13:28 Feliks Eyser: Ihr habt Reverse engineert vom Amazon-Algorithmus und von den Produktseiten. Ja. Wie können wir auffallen?

13:32 Marlena Hien: Und rein zufällig hat das Ganze dann auch im Shell funktioniert.

13:36 Feliks Eyser: Ja, okay, das könnte man auch sagen: Du gehst durch den Supermarkt durch und willst Zahnpasta verkaufen, schaust dir das Zahnpasta-Regal an, wie sieht das alles aus? Und kannst du überlegen, okay, wie steche ich jetzt hervor? Absolut. Okay. Du hast geschrieben, Community ist unser größtes Kapital.

13:53 Marlena Hien: Wahnsinnig nah an der Community aufgebaut und mit der Community. Also wir haben das direkt, Instagram, das war so unser Kanal, wir haben immer so die Zielgruppe definiert, okay, das sind Millennials, ähm Vielleicht auch Frauen, die gerade Mütter werden, so wie wir halt selber auch. Wir haben es ja auch ein bisschen für uns gemacht. Wo findest du die erstmal? Auf Instagram. Deswegen war das so der Social-Media-Kanal unserer Wahl und haben da halt mit Content- und Followeraufbau begonnen und haben ehrlich gesagt jede Produktentwicklung an dieser wachsenden Community abgetestet. Also wir hatten immer Freitagssprechstunde, da konnte jeder im Fragensticker seine Fragen reinschreiben oder seine Produktideen. Und jedes der ersten zehn Produkte kam aus diesem Fragensticker eigentlich raus. Wir haben ausgewertet, was wird denn am häufigsten genannt? Was suchen die Leute, was wollen die Leute. Das war mega wichtig. Wir haben auch eine ganze Sprechstunde, als wir da eine Ernährungswissenschaftlerin abort hatten, haben wir so eine ganze One-on-One-Sprechstunde angeboten. Die haben teilweise eine Stunde mit der telefoniert. Null skalierbar haben wir auch kein Cent mitverdient, aber wahnsinnig wichtiger Input, Feedback von den Kunden halt auch wirklich das zu bekommen. Und so haben wir Produkte entwickelt, so haben wir Auslandsmärkte bestimmt, das kam alles irgendwie so aus der Community raus.

15:02 Feliks Eyser: Und das heißt primär online, primär Instagram und Kommunikation heißt, ihr habt eine Frage in den Raum gestellt und hat Antworten gekriegt. Also quasi nicht, ich bespiele die Community 1 zu N wie Newsletter. sondern ich frage, was wollt ihr haben, was findet ihr gut.

15:14 Marlena Hien: Und unsere allererste Angestellte nach eineinhalb Jahren war auch eine Social Media Managerin, weil wir schon gesehen haben, wir müssen davon mehr machen. Und das war jetzt noch nicht der klassische Founder-Content, also es ist ja heute, heute musst du als Gründerin dich ja quasi schon vor die Kamera stellen. Das war jetzt noch nicht so. Wir haben das auch nicht total gescheut, aber es war überhaupt nicht auf uns basierend. Ja, wir wollten immer eine Brand von Frauen für Frauen sein, das war uns auch wichtig. weil die Zielgruppe eben auch so total weiblich ist. Aber wir waren nie so im Zentrum der Brand, würde ich sagen.

15:43 Feliks Eyser: Was würdest du heute, wenn dich eine Gründerin fragt, also hey, ich bin bei Null und baue eine Consumer Brand und ich will auch eine Community aufbauen? Was gibt es dir heute auf dem Weg? Was vielleicht anders ist als damals?

15:52 Marlena Hien: Ja, ich finde das schon. Dieses Community First, was einige gerade fahren, finde ich mega spannend. Also die Laura Ditscher zum Beispiel von Nulla. Ich finde das. Wusste ich jetzt gar nicht. Finde ich halt mega geil, noch vor dem Launch schon so Community aufzubauen und irgendwie jetzt. 5000 oder mehr Follower zu haben, bevor irgendjemand auch nur dieses Produkt überhaupt mal kaufen konnte.

16:18 Feliks Eyser: Die macht Energy Drinks für Frauen, das ist der Kontext. Also Healthy Energy, Low Sugar und

16:23 Marlena Hien: Also nochmal viel krasser, ja, alleine in der Produktentwicklung vorher schon so stark andere Menschen oder eben aus der Zielgruppe andere Frauen mit einzubeziehen. ziehen. Also das ist schon ein Lehrstück, finde ich.

16:33 Feliks Eyser: Ja, die sagt im Pitchstack gibt es einen Slide, da steht drauf so mein Co-Founderinnen sind 200 Frauen. Und das stimmt. Also so die in diesen WhatsApp-Gruppen, das ist echt eine Aktivität. Also das ist crazy. Die schicken da immer, die schicken da diese brennenden Herzen immer und kommentar. Das ist doch geil, so. Also die züchtet sich da. Da so eine Follower-Armee ran auf eine positive Weise, dass sie dann auch sagen kann: guck mal, hier ist ein Lounge, kommentiere da mal drunter und so weiter. Was ja auch für den Algorithmus gut ist, einfach quasi eine Schwungmasse von ein paar hundert Frauen in dem Fall zu haben, die sie supporten können.

16:58 Marlena Hien: Ja, also das ist next level. Kudos, echt.

17:01 Feliks Eyser: Okay, witzig, dass du dir hast. Freut mich natürlich, haben wir nicht abgesprochen. Jetzt hören wir über Channels. Also, wir haben über Amazon gesprochen, da seid ihr gestartet, so später auch D2C gegangen, was eine interessante Reihenfolge ist. Quasi erst über den Marktplatz, dann über den Shop und jetzt auch große Retail-Präsenz. Wie schaust du jetzt im Nachhinein auf die Reihenfolge dieser Channels? Die Frage stellen sich ja viele solch direkt den Handel, stellt sich die Laura übrigens auch, kriegt jetzt Anfragen von irgendwelchen Edeka-Märkten. Und so, und überlegt sich so, soll ich mich das lüsten lassen oder nicht? Oder soll ich nur über meinen eigenen Shop verkaufen oder vielleicht in Pilatesstudios? Ich weiß es. Also so, was gibst du der Lauer auf dem Weg, wenn es um die Auswahl der Kanäle geht?

17:38 Marlena Hien: Erstmal immer Ja sagen.

17:40 Feliks Eyser: Ja sagen?

17:41 Amazon, Douglas, eigener Shop: Warum der Handel mehr Gewinn bringt

17:41 Marlena Hien: Ja, ich finde schon. Also zu Sichtbarkeit würde ich niemals Nein sagen. Und ein Handel ist auch erstmal immer Sichtbarkeit. Wir haben uns fast schon als Marketing. Tool gesehen für uns. Unser Weg war ja tatsächlich erst Amazon, dann Retail, dann D2C. Das wäre auch gar nicht anders gegangen. Wir haben damals, wir haben so vier Monate auf Amazon verkauft. und 50 Stück am Tag dann irgendwie verkauft. Also es war schon eine ganz schöne Baseline. Da hat mir ein Freund geschickt: Hey, hier gibt es einen Startup-Wettbewerb bei Douglas. Die suchen jetzt irgendwie junge Beauty-Brands. Das wäre doch was für euch, ihr seid doch eine junge Beauty-Brand. Ja, okay, cool. Einsendeschluss übermorgen. Dann klopfen wir jetzt mal ein Pitchsteck hier irgendwie raus, ja? Haben uns beworben, haben das Ding gewonnen. Tina Müller, Schirmherrin, hat uns dann auch total protegiert. Das war mega geil. Wir wussten nicht, was es zu gewinnen gibt. Es gab zu gewinnen eine deutschlandweite Listung bei Douglas. Was hast du danach herausgefunden? Ja. Und wer sind wir denn jetzt zu sagen, nee, also ich möchte strategisch eigentlich gerade die Dossi machen. Das wäre ja schön blöd gewesen, und mit welchem Geld überhaupt? Also diese Douglas-Listung, das war natürlich eine sechsstellige Bestellung.

18:48 Feliks Eyser: Das ist ja der Punkt. Du brauchst Working Capital so, du bist da in tausenden Filialen und so oder in hunderten Filialen wahrscheinlich.

18:53 Marlena Hien: Und da war der Cash. Und dann haben wir halt echt ein Jahr lang das gemacht. Und von Douglas, ehrlich gesagt, mit der Sichtbarkeit von Douglas kam DM, kam Rossmann, kam Bipa in Österreich, das kam inbound zu uns. Deswegen, eins bedingt das andere und das hat uns dann wirklich den Cashflow eingebracht, um überhaupt die D2C machen zu können. Also wir haben dann schon gesehen, ja, das ist jetzt alles super cool, aber du bist in einer hohen Abhängigkeit gerade von Zwei Channels, die dir das auch jeden Tag wieder wegnehmen können, wenn sie lustig sind.

19:20 Feliks Eyser: Das hätte die große Gefahr. Sagst du bei Amazon? Ja, das ist gut, um zu starten, aber so Amazon macht auch Basic Brands, also quasi die Eigenmarken und so weiter. Die können nicht runterlisten im Zweifel, die wollen dann Geld für Ad Spend. Also so, du bist in einer massiven Abhängigkeit. Da hast du gesagt, okay, das müssen wir hätten auf eine Weise.

19:38 Marlena Hien: Ganz genau, das wollten wir diversifizieren, wirklich. Wir haben gesagt, okay, dann ist doch jetzt D2C jetzt der Moment gekommen. Jetzt können wir uns das leisten, überhaupt mal einen Shop hinzustellen und eben auch Kundenakquisition zu betreiben, ist ja klar, dass du die in Traffelt dann erstmal einkaufen musst. Und dann hatten wir halt wieder wahnsinniges Timing-Glück, weil wir diesen Shop gelauncht haben in Deutschland. Ich glaube, vier Wochen später kam Corona, kamen die Lockdowns und dann ist natürlich der Retail erstmal wup.

20:05 Feliks Eyser: Abgekackt und E-Commerce halt völlig abgegangen.

20:09 Marlena Hien: Da kam dann wirklich die große Welle, die wir definitiv auch mitgeritten sind. Und erst jetzt ziehst du halt wieder die Verschiebung langsam zurück zu einer Multi-Channel-Welt. Für uns war das immer gut so, dass wir diesen Split hatten. Auch wenn wir zwischenzeitlich bei 80 Prozent D2C waren, hatten wir immer Amazon und den Handel auch stabilisierend, war das mehr. EBITDA bringt, ehrlich gesagt, mehr Profit für uns bringt als D2C.

20:33 Feliks Eyser: Wirklich? Wieso ist das so? Weil man sollte ja meinen, also viele sagen ja, D2C ist super, weil du kannst die ganze Marge, da hast du die Herstellermarge und die Handelsmarge. Jetzt sagst du, Anne. Mein Gewinn ist höher auf den Plattformen, die selber Händler sind. Warum?

20:45 Marlena Hien: Ja, weil das ein Truckschluss ist. Weil wer hat denn eigentlich die Marge? Meta hat die Marge, Influencer haben die Marge, ja. Dein Marketingspand wächst und wächst halt. Also wenn du Heute 35 Prozent Marktingkosten bei D2C hast, bist du ein Rockstar. Wahrscheinlich gehst du gerade eher Richtung 50 Prozent oder mehr. Wahrscheinlich bist du auf der ersten Order gar nicht mehr profitabel. Das hast du halt nicht im Handel und bei Amazon. Im Handel, ja, du gibst die Handelsmarge ab, aber dann kommt ja nichts mehr. Du hast keine Marketingkosten. Ja, wenn du cool drauf bist, gibst du den 5. Prozent, du machst mal hier unter irgendwie einen Handzettel oder eine Promo. Du hast keine Logistikkosten, keine Nennenswerte, schiebst da die Palette rein, genau, fertig. Du hast keine Paymentkosten, ja, also diese ganzen Dinge. Du hast relativ nie. Keine Return, wenn du es gut verhandelst. Du hast relativ niedrige Personalkosten, ehrlich gesagt. Das kannst du, also wenn du jetzt nicht gerade Apotheke machst oder auch so ganz kleinteiligen LEH für Drogerie. Haben wir selber gemacht das ganze erste Jahr. Jeden Lieferschein, das ist ja nicht viel.

21:41 Feliks Eyser: Das ist interessant, weil die These in genau dieser Zeit, so 2020, 2021, die Zeit der D2C-Brands, so weil alle gesagt haben, ja, ich kaufe meine Matratze jetzt online und meinen Koffer und meine Brille und was auch immer, gibt es in jeder Kategorie mehrere Brands, die auch groß geworden sind Sind, die Funding aufgenommen haben, können wir auch gleich drüber reden. Aber die These war ja immer: okay, wenn du deine Kunden direkt adressierst, dann hast du die Daten von denen, dann kannst du ein besseres CRM machen, dieen E-Mail schicken und so weiter und du hast im Endeffekt eine bessere Marge, aber es hat sich so entwickelt, dass du sagst: Nee, die ganze Marge ist eigentlich Bei Meta und Google und so weiter angekommen.

22:07 Marlena Hien: Ich befürchte, ja. Deswegen eine schöne Mischkalkulation. Ist eigentlich gut, weil andererseits kannst du halt über Handel nicht so krass wachsen. Die Skalierbarkeit ist ein bisschen kleiner, weil der Shell-Space begrenzt ist. Du musst halt viel mehr kämpfen, um da jetzt irgendwie eine breite Produktpalette reinzukriegen. Das ist halt Vorteil D2C. In deinem eigenen Shop kannst du stellen, was du willst. Die Leute kaufen mehr als ein Produkt, du kannst hohe Warenkörbe erreichen. Wir kaufen dann halt nicht eins für 25 Euro, sondern mindestens zwei für 50 Euro plus. Da kommen da halt die Margen her.

22:37 Feliks Eyser: Wie bleibt man im Retail drin? Weil gefühlt sind die ja super offen, Produkte initial zu listen und auszuprobieren und die haben alle ihre Startup-Programme und also Gefühlt testen die super viel, aber wie kriege ich Sinn da jetzt auch über mehrere Jahre auch einen guten Platz im Regal zu behalten?

22:53 Marlena Hien: Ja, agree. Also ich glaube, es ist leichter, denn je in Retail reinzukommen, schwerer, denn je dort zu bleiben. In unserem Fall war es fast schon so eine Art Nicht-Angriffspakt.

23:02 Feliks Eyser: Was heißt das?

23:03 Marlena Hien: Also große FMCG-Giganten Wir haben ja einen Außendienst, ja, haben ja Leute, die quasi so im täglichen Kontakt mit dem Retail stehen. Wir hatten das gar nicht. Wir haben das Produkt initial da reingebracht, ich nehme es einfach DM als Beispiel, du machst am Anfang eine Testlistung, stehst du normalerweise auf so einem Thementisch, musst dich da durchsetzen. Also, wenn sich dann das gut verkauft, dann hast du eine Chance auf die permanente Regallistung.

23:25 Feliks Eyser: Welche KPIs schauen die sich an, wenn du da im Review bist nach zwei Wochen? Was sagen die?

23:31 Marlena Hien: Also die haben eine gewisse Menge geordert und gucken, ob das weggegangen ist oder dann auch rumsteht. Was ist da gut und was ist schlecht? Boah, das kann ich dir nicht sagen. Ich weiß gar nicht mehr, was die erste Order war. Kann ich dir nicht mehr sagen. Ich weiß noch ziemlich genau, was beim Teleshopping die KPI ist, nämlich 1000 Euro Umsatz pro Minute. Aber bei DM Weiß ich es gar nicht mehr, auf was die.

23:50 Feliks Eyser: Aber es sind auch teilweise so ein oder zweistellige Zahlen. Es ist nicht so, dass du da 100 Units am Tag verkaufst, sondern es ist teilweise so irgendwie 5 bis 20 oder sowas, oder?

23:58 Marlena Hien: 30 am Tag bei dem Thementisch, wenn ich mich jetzt recht erinnere. Bin ich aber nicht lügen. Ja, genau. Und dann haben wir eben auch mit dem Haarprodukt, und das war, glaube ich, auch irgendwie unser großes Glück, wir sind mit diesem Haarprodukt ins Haarregal gekommen. Das war der Einkäufer, der uns damals angesprochen hat, weil wir noch gar keine großartig größere Produktpalette hatten. Und wir stehen bis heute da bei den Trockenshampoos im Shampoo-Regal.

24:22 Feliks Eyser: Du stehst nicht im Nahrungsergänzungsregal, sondern du stehst neben dem Shampoo.

24:26 Marlena Hien: Und das ist halt eines der höchst frequentiertesten Regale im ganzen Drogeriemarkt. Das ist für uns einen unfassbaren Wert, dass wir da drinstehen können. Und nicht bei allen im Nahrungsergänzungsmittelregal, was eine Shitshow ist, ehrlich gesagt. So bunt und unaufgeräumt und oft ist es halt auch im Untergeschoss oder so, hat gar nicht mehr so die Frequenz. Und das ist halt super für uns. Wir haben ihnen halt eine gute Marge gegeben, haben da gar nicht groß rumverhandelt und haben gesagt, das ist jetzt hier eigentlich ein Marketing Placement, das darf da stehen.

24:54 Feliks Eyser: Und da seid ihr dann auch der Einzige in der Kategorie, die da steht. Ah, okay. Jetzt ist natürlich auch wieder optimiert von der Regalfläche, wenn man da drauf schaut, okay, wie falle ich auf? Also erstens bin ich eine komplett andere Kategorie. Richtig. Ich bin keine Spülung, sondern ich bin ein Gummibärchen. Da gucken Leute erstmal hin und dann kannst du das Packaging natürlich optimieren und da ist ein Bär drauf. Ach, verstanden, okay. Was hast du über Verhandlungen gelernt mit Retailern? Du bist eine gute Verhandlerin, habe ich mir sagen lassen. Wer sagt das? Ich hab meine Quellen.

25:20 Marlena Hien: Das ist witzig. Ich würde von mir selbst sagen, ich bin eine miserable Verhandlerin. Das ist mir nämlich super unangenehm. Ach du, das ist ja, also wie kannst du da gar nicht verhandeln? Du kriegst einen Margenvorschlag und dann kannst du noch einen Gegenvorschlag machen, was du besser findest. Aber das ist schon sehr, sehr narrow. Und über UVPs darfst du sowieso nicht sprechen.

25:40 Feliks Eyser: Das ist ja bei Todesstrafe verboten.

25:43 Marlena Hien: Deswegen, das ist halt immer so ein bisschen rumgeeierer. Ich muss ganz ehrlich sagen, es gibt über den Handel und über die Verhandlungen ja krasse Horrorstories, ne? Die sperren dich in einen Raum ohne Getränk und lassen dich ja drei Stunden warten, was ich nicht alles gehört habe. In der Situation waren wir nie und wir waren auch nie in Karlsruhe oder wo die Firmsätze so sind. Bei Bipa waren wir mal in Wien tatsächlich, aber das war ein sehr angenehmes Gespräch. Also, das fand ich voll in Ordnung.

26:10 Feliks Eyser: Okay. Und Wie kann man da, also über was redest du da eigentlich? Über die Marge zum einen, ja, aber auch so, in welchem Regal stehe ich? Gibt es Promo-Möglichkeiten? Gibt es einen WKZ-Werbekostenzuschuss? Also, was sind so die Variablen, die so ein Gespräch überhaupt?

26:23 Marlena Hien: Wir haben nur ehrlich gesagt relativ deutlich gemacht, wir könnten euch diese Marge geben, aber darüber hinaus ist nicht wie Spielraum. Und das meinte ich vorhin mit Nicht-Angriffspakt. Die haben die genommen und haben uns in Ruhe gelassen, was jetzt irgendwelche Promos angeht. Und wir haben sie in Ruhe gelassen, was Preiserhöhungen angeht, zumindest für viele Jahre. Bei anderen Retailern war es anders. Da haben wir dann auch Promos gemacht. Auch Amazon würde ich inzwischen auch als Retailer betrachten, weil wir da auch in den Vendor irgendwann gewechselt sind. Das heißt, die kaufen auch direkt bei uns ein. Da wiederum machen wir super viele Promos, die haben halt ständig irgendwelche Prime Day, Black Friday, Spring Deals, you name it.

26:57 Feliks Eyser: Und das heißt, da fragen die dann: Hey, können wir hier Rabatt geben oder macht ihr da mit?

27:01 Marlena Hien: Genau.

27:02 Feliks Eyser: Du hast mir gesagt, der Supplementsmarkt, wir haben ein bisschen drüber gesprochen, ist auch eine Schlangengrube auf eine Weise.

27:07 Marlena Hien: Ja.

27:07 Feliks Eyser: Hast du mir im Vorgespräch gesagt?

27:10 Marlena Hien: Ja, ist so. Also wird, glaube ich, unterschätzt. Wir haben vorher gesagt, es gibt niedrige Einstiegsbarrieren. Also man denkt erstmal, das wird ja auch immer so gern gesagt: Der Supplement-Markt in Deutschland ist überhaupt nicht reguliert. Das ist Wilder Westen, da kann jeder erst mal rein mit einem Produkt. Würde ich ein bisschen widersprechen. Also, es stimmt, du kannst ein Produkt erstmal auf den Markt schmeißen und musst nur eine Anmeldung ausfüllen dazu. Recht viel mehr wird nicht geprüft, aber der Markt reguliert sich dann relativ schnell selbst. Also gerade in Deutschland geht es halt ziemlich schnell, dass du Abmahnungen einfahren wirst für irgendeinen Makel, den dein Produkt mit Sicherheit auch haben wird. Und das bekommst du von Wettbewerbern, das bekommst du von Verbraucherschutzverbänden, das bekommst du vom Landratsamt. Also es gibt tatsächlich mehrere Ja, Gegner, sage ich jetzt mal, die da regulierend wirken auf diesem Markt.

28:00 Feliks Eyser: Erklär mal, wie die alle angreifen. Die greifen unterschiedlich an.

28:03 Marlena Hien: Die greifen alle postalisch an. Und unter dem Deckmännchen von Anwaltskanzleien. Muss man dann erstmal rausfinden, von wem es eigentlich kommt. Also ja, es gibt ein paar Fallstrecke. Also der größte ist auf jeden Fall die Health Claim Verordnung, die Europäische Health Claim Verordnung.

28:20 Feliks Eyser: Dass du nicht sagen darfst, guck mal, wenn du dieses Gummibärchen isst, dann werden deine Haare voller oder wie auch immer. Das wäre jetzt schlecht.

28:25 Marlena Hien: Korrekt, ja. Alles was ich sagen darf, ist beispielsweise, Biotin trägt zum Erhalt normaler Haare bei. Also ein schöner Behördensatz, mit dem sich jetzt erstmal nicht besonders viel Anfangen lässt. Genau, das wird halt auf europäischer Ebene für jedes Vitamin, für jeden Mineralstoff, für jeden Kofaktor, egal was, festgelegt, was du sagen darfst und was eben auch nicht. Und für ganz viele Stoffe gibt es überhaupt keine Health Claims. Also, um mal ein paar Hits der letzten Jahre zu nennen: Kollagen, Ashwagandha, kein einziger Health Claim zugelassen auf europäischer Ebene. Das heißt, sobald du den Mund aufmachst, bist du eigentlich abmahnfähig mit deinem Produkt. Manche segeln da härter am Wind als andere auf jeden Fall, aber. Immer schön, kommt mal wieder eine neue Influencerin mit ihrer Supplement Brand auf den Markt und sagt hier so, ich als Mutter empfehle mein Omega-3-Gummi, weil das meinen Kindern beim ADHS hilft. Zack Ab, Mann. Fällst du vom Stuhl, ja? Zack, Ab, Mann und wir haben sie nie verschickt, ehrlich gesagt. Ich halte das für schlechtes Karma. Wir haben uns da echt rausgehalten, aber der Markt regelt das. Und dann kriegst du so einen Brief, was steht da drin? Dann kriegst du so ein 90-seitiges Dokument in der Regel, ja, wo irgendjemand sich. Abgearbeitet hat an jedem einzelnen Detail, das ist schon Wahnsinn, dann ist da meistens eine rasend hohe Summe erwähnt, die an Strafzahlungfällig wird, wenn du das jetzt nicht so unterschreibst und unterlässt für die Zukunft. Also das ist Wahnsinnig einschüchternd am Anfang.

29:49 Feliks Eyser: Wie bist du damit umgegangen, als du zum ersten Mal so ein 90-seitiges Ding da auf dem Tisch hattest? Was stand da für eine Summe drin?

29:55 Abmahnung über 250.000 Euro, bei 30.000 Euro Monatsumsatz

29:55 Marlena Hien: 250. 000 Euro. Bei irgendwie 30. 000 Umsatz gerade im Monat und das kam auch relativ schnell. Es war, glaube ich, nur auf der Amazon-Produktdetail-Seite basierend, was mir da schon irgendwie alles an falsch. Aussagen drauf hatten. Also klar, am Anfang haute ich das um, aber dann bist du halt dazu gezwungen, dir auch relativ schnell einen guten Lebensmittelrechtler zu besorgen und Irgendwann ist es nur noch Montag, Anwalt auf Speeddial. Einfach weitergeleitete E-Mail, Kommentarlos. Hier ist wieder was Neues. kümmere dich drum.

30:28 Feliks Eyser: Also was Meta, was Meta im Marketing abzwackt, äh, so verdienen die Anwälte auf beiden Seiten bei den Abmahnungen.

30:33 Marlena Hien: Ja, es bleibt nicht aus. Und ich meine, das sind die allen Sachen, ja, ähm, wenn du irgendwie einen falschen Health Claim drauf hast, oder auch Produktkennzeichnung, Labelkennzeichnung. Gibt es natürlich viele Fallstricke, eine viel zu kleine Schrift oder was weiß ich oder irgendeine.

30:46 Feliks Eyser: Was kann da zu klein sein?

30:47 Marlena Hien: Pflicht, alles kann zu klein sein. Also du würdest mich bund an. Da kriegst du. Bilder, wo jemand mit einem Lineal hier neben dem und einem Mikroskop, das irgendwie daneben hält und sagt Das ist jetzt aber keine 3,3 mm groß. Das muss aber so und so sein. Und gerade wenn du im Handel bist, die laufen da rum und ziehen Proben. Gucken sich das exakt an. Es sind aber auch so banale Sachen, wie das wir in Deutschland herstellen. Und da ein Made-in-Germany Claim hergestellt in Deutschland draufschreiben. Das darfst du aber gar nicht, wenn du nicht beweisen kannst, dass nicht jede einzelne Zutat des Produktes auch in Deutschland hergestellt wurde. Was natürlich gar nicht möglich ist. Die Stärke oder was weiß ich, ich würde immer aus China kommen. Also es gibt wirklich tausend Sachen, die man falsch machen kann und es wird immer noch was gefunden, auch wenn du denkst, jetzt müssen wir ja irgendwann mal rechtlich sicher sein. Ja, das bleibt echt nicht aus. Aber es gab eben auch krasse Sachen. Es gab auch wirklich Klagen von Pharmakonzernen, wo dann irgendwie der In-house-Jurist gerade Lust hat, kleine Start-ups fertig zu machen. Und total unfundierte Klageschriften schickt. Und dann hast du wirklich so einen Prozess, so ein Gerichtsverfahren und musst Gutachter beauftragen. Ja, und der Anwalt hat auch mal richtig was zu tun, nicht nur auf eine Abmahnung zu antworten. Und ähm Dann gewinnst du das in erster Instanz und es kommt aber nochmal eine Berufung. Und zweifelt am Ende entscheidet das in Deutschland ein Richter, der sieht hier auch nur Gummibärchen mit Vitaminen. Kenne ich nicht, mag ich nicht, finde ich im Zweifel auch erstmal schlecht. Das kann dir halt immer passieren. Und dann ist deine Geschäftsgrundlage weg. Ist halt super gefährlich. Und es hat uns schon irgendwann Angst gemacht, ganz ehrlich.

32:26 Feliks Eyser: Wie kann man sich da absichern als Founder? Oder ist das einfach Teil des Deals, wenn du in dem Bereich unterwegs bist?

32:32 Marlena Hien: Ehrlich gesagt, das ist Teil des Deals. Ich glaube, damit haben wir auch alle zu kämpfen. Krass. Also Socken verkaufen ist manchmal einfacher.

32:38 Feliks Eyser: Okay, da kommt die Verbraucherzentrale nicht. Ich weiß es nicht. Müssen wir Johannes von Schnocks mal fragen.

32:44 Marlena Hien: Es gibt bestimmt so Bündchen-ISO-Werte oder so.

32:49 Feliks Eyser: Welcher Teil der Kritik an der Supplement-Branche ist gerechtfertigt?

32:54 Marlena Hien: Also ja, es steht und fällt mit den Health Claims. Viele gehen viel zu wild rein, ja. Oder nehmen halt eine kleine Herstellerstudie und basieren darauf die wildesten Claims. Und da gibt es. Sehr, sehr große Player, die sich sehr, sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben und wo das komplett einkalkuliert ist, dass da immer irgendwie fünf Verfahren parallel laufen.

33:14 Feliks Eyser: Okay.

33:15 Marlena Hien: Das ist de facto so. Und wenn jemand sagt: hier in Melatonin, ähm Das heilt Krebs, ja. Oder verhindert Krebs, weil du ja in Schichtarbeit ein höheres Krebsrisiko hast und wenn du Melatonin nimmst, kannst du aber schneller einschlafen, wenn du außerhalb deiner Schichtarbeit schlafen bist. Boah! Das ist schon hart an den Haaren herbeigezogen, aber das ist alles da gewesen, auch von großen Playern.

33:35 Feliks Eyser: Krass. Ja. Wie arbeiten Brands da drum rum? Ich frage mich ja, wenn du keine Health Claims machen kannst. Was ich oft sehe, auf Supplement-Seiten ist so Vorher-Nachher und so Customer-Testimonials und so weiter. Da schiebst du natürlich so ein bisschen die Beweisung. zum Kunden und gibt es ja quasi einfach nur wieder, was der gesagt hat. Also ist das so der way to go oder wie arbeiten Brands da in einem legalen Framework?

33:54 Marlena Hien: Also Influencer, Leute, die auf ihren Kanälen in deinem Namen sprechen und von ihren persönlichen Erfahrungen berichten, das ist auf jeden Fall ein Weg. Haben wir ja auch sehr stark gesehen. Ganz ohne ist es auch nicht. Also, du kannst auch Second Party sozusagen dafür zur Verantwortung gezogen. Weil du bezahlst ja auch ein Stück weit.

34:12 Feliks Eyser: Also Performance-Based oder irgendwie fix oder wie auch immer.

34:14 Marlena Hien: Ganz genau, das gleiche gilt für Ärzte. Also empfohlen von Dr. XY geht auch nicht. Hast du auch gleich wieder irgendwie ein Thema? Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Du bist ein bisschen darauf angewiesen, dass die Leute auch selber recherchieren, ja, und so einen Wirkstoff auch einfach mal bei Google eingeben oder inzwischen in die AI. Und das ist, glaube ich, unter anderem das Geheimnis von einem Sunday Natural, um das jetzt mal zu nennen. Dass sie auf Google so gut gerankt haben und dass SEO-mäßig so gut angestellt haben.

34:41 Feliks Eyser: Für die Wirkstoffe.

34:42 Marlena Hien: Dass wenn die Leute nach einem Wirkstoff bereits gesucht haben, also gerade schon rausgefunden haben, was er eigentlich tut und was er kann. Dann halt direkt auch mit dem Listing da zu sein. Da musst du auf deiner eigenen Seite gar nicht mehr viel sagen.

34:54 Feliks Eyser: Weil du den Trust von Google quasi erbst ein Stück sagen: Okay, wenn du bei Google oben bist, dann wird das schon irgendwie gut sein.

34:59 Marlena Hien: Weil der Konsument bereits informiert zu dir kommt. Und wo du nicht mehr diese Education-Arbeit leisten musst, die du nicht leisten darfst.

35:08 Feliks Eyser: Wenn dich die heutige Founder Mode-Folge gefällt, oder? euch jemals eine Founder Mode-Folge gefallen hat, dann drückt den Abo-Button, um nächsten Freitag darauf hingewiesen zu werden, dass es eine neue Folge gibt, wo wieder spannende Erfahrungen, Storys und Insights drin sind, mit denen ihr euer Unternehmen aufs nächste Level bringen könnt. Drückt den Abo-Button und wir sind euch für immer dankbar. Bei uns war Bootstrapping zuerst keine bewusste Entscheidung, niemand hat uns ernst genommen. Was als Limitation begann, wurde unser größter Hebel.

35:37 Marlena Hien: Ja. Es war nie der Plan, also wir hatten ja nie den Plan, ein großes Start-up zu gründen, deswegen haben wir uns auch über die Finanzierung überhaupt keine Gedanken gemacht. Wir waren nicht mehr Anfang 20, wir kamen nicht von der Uni. Es war okay für uns, da einfach mal ein bisschen Geld selber reinzustecken.

35:52 Feliks Eyser: Wie viel habt ihr reingesteckt?

35:53 Marlena Hien: Ja, die GmbH-Gründung.

35:55 Feliks Eyser: 25.

35:55 Marlena Hien: 000, oder? Genau, hat erstmal gereicht. Und ehrlich gesagt, ja, über Amazon haben wir daraus direkt 50. 000 gemacht und so weiter und so fort. Also das hat halt echt ganz gut funktioniert bei uns. Und dann kam natürlich der Moment mit dieser ersten großen Douglas-Order. Da musste nochmal ein Darlehen gegeben werden. Das habe ich dann gemacht. Aber die Orde war ja da. Es war ja klar, wir müssen nur irgendwie diese 60 Tage überbrücken, bis sie bezahlt wird.

36:18 Feliks Eyser: Und du hattest Ersparnisse und hast gesagt, okay, gut. Richtig.

36:21 Marlena Hien: Da habe ich mir gar keine großen, also im Nachhinein überhaupt keine großen Gedanken drüber gemacht. Das ist ja jetzt eine 60-Tage Zwischenfinanzierung. Da machen wir irgendwie zweieinhalb Prozent drauf, gut ist. Ja, das war unser Weg des Bootstrappings, aber natürlich ist das später auch schwieriger geworden. Ja, je mehr du dann wächst, wir sind ja jedes Jahr. Hundert, hundertfünfzig Prozent gewachsen. Die Warenvorfinanzierung alleine wird natürlich irgendwann kritisch und erfordert größere Summen, die du auch auftreiben musst.

36:48 Feliks Eyser: Du denkst, okay, du wächst, alles ist super, du machst mehr Umsatz, aber damit wächst natürlich auch die Liability auf der anderen Seite, weil das Lagerwert ist. wird größer und du brauchst genau das zu Boostworking Capital.

36:56 Marlena Hien: Ganz richtig. Und es war da eine Zeit lang insofern Bootstrapping wieder Willen, als das ja 2018 bis 2022, das war ja VC-Hochzeit. Es waren ja wirklich diese crazy Zeiten, wo jeder Geld eingesammelt hat. Es lag irgendwie auf der Straße und du wurdest wirklich Als Start-up nicht ernst genommen, wenn du nicht ein Funding hattest. Dann warst du eine fixe Idee, aber du warst kein Startup. Hat dich das beschäftigt? Total! Wir dachten ja irgendwie, also es ist uns auch wirklich im Alltag begegnet, dass jemand gesagt hat, wie, ihr macht das alleine, aber habt ihr keinen Investor? Ja, aber die und die haben gerade das und das eingesammelt. Das war so präsent auch. Ja, okay, dann sind wir wohl nicht. Dann brauchen wir das wohl auch. Und irgendwann dachten wir auch, dann nimmt es halt jemand anderes. Also dann zieht halt auch jemand an uns vorbei mit einer gleichen Idee. Es ist ja per se jetzt erstmal nicht schützenswert, holt sich die fünf Millionen und knallt die raus und zieht vielleicht an uns vorbei. Da hatten wir natürlich schon auch Sorge vor. Dann haben wir halt angefangen, diese Gespräche zu führen und sie anzunehmen und mit Business Angels und VCs zu sprechen. Ich glaube, aber auf der anderen Seite haben wir das aber total halbherzig gemacht. Weil wir ja auch unsere Freiheit und unsere Selbstbestimmung total geliebt haben und gar nicht abgeben wollten, weil wir das Geld ja auch nie so wirklich gebraucht haben. Deswegen glaube ich, wir waren in der Zeit schrecklich schlechte Fundraiser und schlechte Verhandler. Weil wir eigentlich gar keinen Bock drauf hatten, aber auf der anderen Seite dachten, wir müssen doch. Und uns auch ehrlich, so viel Mist anhören mussten in dieser ganzen Phase.

38:22 Feliks Eyser: Was war das Absurdeste, was ihr euch an Gehört habt?

38:24 Was Marlena sich in VC-Gesprächen anhören musste

38:24 Marlena Hien: Also ich meine, es ist halt erstmal diese Grundthese, wie ihr seid profitabel, warum das denn? Also, wenn ihr halt Profit macht, dann fragt man irgendjemand, wie viel. Lass das mal lieber sein.

38:35 Feliks Eyser: Am Ende beim Verkaufen noch ein Event Multiple, ganz schlecht.

38:37 Marlena Hien: Was ist denn das denn? Ganz genau.

38:39 Feliks Eyser: Dann muss ja einen Gewinn bewertet.

38:41 Marlena Hien: Das ist ja nur ganz falsch, ja.

38:43 Feliks Eyser: Oder auch wirklich so von oben herab.

38:45 Marlena Hien: Das heißt nur, ihr wächst nicht schnell genug. Wir so, okay. Wir dachten immer, ein Unternehmen soll irgendwie Profit machen. Ich dachte, das wäre irgendwie der ganze Sinn der Sache. Ey, ehrlich, also das war krass. Wir haben uns auch, ich meine, das hat man schon echt gemerkt. Viele haben da erstmal so ein rosa Produkt hier, Gummibärchen, zwei Frauen. Und warum sprecht ihr eigentlich nur Frauen an? Was soll denn das? Warum macht ihr denn den Markt so klein? 50 Prozent der Weltbevölkerung, verstehe, das ist natürlich kein richtiger Addressable Market.

39:12 Feliks Eyser: Das ist übrigens so witzig, auch bei Laura, wie du es gerade sagst: adressiert auch Frauen. Okay, ist die Hälfte der Weltbevölkerung. Also auf Facebook und auf Instagram. Die ganze Zeit Kommentare von Männern, so die dann sagen, hier hast du eine BWL-Vorlesung nicht aufgepasst, da, wieso schneidest du die Hälfte der Zielgruppe ab? So viel Spaß bei der Insolvenz. Das geht den ganzen Tag so. Männer fühlen sich extrem getriggert von Traumprodukt. Aber das ist ja voll für den Algorithmus mega geil. Geil. Also wir kommentieren ja die ganze Zeit. Super, da werden die Post ausgespielt. Wir drehen das hier so jujitsu-mäßig um quasi. So nehmen die Kommentare, veröffentlichen die dann wieder so da. Finden es die Frauen wieder gut und so. Das ist also Das ist ja Rage-Bait auf eine total verrückte Weise.

39:48 Marlena Hien: Ich kann das immer gar nicht glauben, dass die wirklich Zeit aus ihrem Tag draus nehmen, um das dort runterzukommen.

39:52 Feliks Eyser: Ja, das sind NPCs, haben wir vorhin darüber geredet. Ich glaube nicht, dass das wirkliche Menschen sind. Ich glaube, das sind so wie im Computerspiel, so die Statisten sitzen da und kommentieren.

40:00 Marlena Hien: nie bekommen, weil wir immer Meta direkt nur auf Frauen ausgespielt haben. Damit haben wir uns das ein bisschen erspart. Vielleicht war es auch ein Fehler, vielleicht wäre das auch witzig gewesen. Ich habe das zum ersten Mal gemerkt, als wir dann diesen. die, die, die Pressemitteilungen zum Exit rausgegeben haben, dann hat Gründerszene das veröffentlicht. Und da meine auf Facebook Kommentare drunter. Also Was soll denn der Scheiße? Die hätten mal lieber putzen gehen sollen. So unterste Schublade.

40:25 Feliks Eyser: Oh mein Gott.

40:26 Marlena Hien: So hart fraunfeindlich auch, dass du dir dachtest, okay, wow.

40:29 Feliks Eyser: Das sind keine Real, das sind NPCs, ich sag's dir, das sind keine Menschen. Irgendwas stimmt da nicht.

40:33 Marlena Hien: Hoffen wir es mal, ja. Genau, wo waren wir gerade?

40:36 Feliks Eyser: Beim Fundraising. Und ihr habt dann, ihr seid, wer hat in Gesprächen drin? Irgendwann gab es den Punkt, dass ihr euch bewusst dagegen entschieden habt, zu sagen. Wir haben diese ganzen Gespräche und ihr habt denen dann aktiv abgesagt. Was war der innere Dialog oder euer euer Co-Founder-Meeting, wo ihr gesagt habt, nee, komm. Wir gehen jetzt den Bootstab weg All in und wir beschäftigen uns gar nicht mehr mit Geldraising.

40:54 Marlena Hien: Ja, genau das. Also ich ist es uns irgendwie irgendwann ist es Blöd geworden. Also, du kannst dir auch nur so und so viele Absagen anhören und so und so viele Ja, ist jetzt okay. Jetzt habt ihr hier eine Million Umsatz, okay, jetzt habt ihr 5 Millionen Umsatz. Auf 10 werdet ihr es nicht schaffen. Das schaffen noch einige, aber das werdet ihr nicht schaffen. Das macht wirklich viel. So relativ abschätzend. Und dann haben wir gesagt, hey, was denn zeigen wir es jetzt? Natürlich schaffen wir das. Wir schaffen es auch alleine. Wir suchen uns jetzt alternative Fundingmöglichkeiten. Wir nehmen jetzt hier irgendwie so ein. Corona, KfW-Kredit, Revenue-Based Financing kam relativ stark in der Zeit, weil es ja noch Niedrigzinsphase war. Wir kriegen das jetzt auch so laufend hin. Und dann sehen wir halt mal, ja? Wer hier zuletzt lacht. Also, das hat uns am Ende auch wirklich angefeuert, das halt dann alleine hinzukriegen.

41:36 Feliks Eyser: Geil, diese Revenge Energy.

41:38 Marlena Hien: Ja, es war schon eine harte Revenge Energy, muss ich echt sagen. Und wir fanden auch. Ich meine, jetzt hier irgendwie ein paar Angels, die auch mit Know-how da was reinbringen, da spricht ja überhaupt nichts dagegen. Aber die VCs, ähm Immer wenn dann da doch so ein Term Sheet kam und man da so ein bisschen Bedingungen verhandelt hat, ich fand das halt auch echt fies, was da drin stand. Also, so Thema Liquiditätspräferenzen und so. Das war auch so founderfeindlich. Teilweise, damit haben wir uns einfach nicht wohl gefühlt.

42:05 Feliks Eyser: Lass mal gut verstehen, was das heißt. Das sind so Klauseln, wenn man die zum ersten Mal liest, und dann kann man es nicht richtig einordnen. Heute ist geil mit AI, da kannst du es in Cloud reinschmeißen. Er sagt dir, ist das marktüblich oder nicht? Dann sagt er, nein. Wenn die Lickpref nicht anrechenbar ist oder was auch immer, da gibt es dann so spezifische Regelungen, dann ist es schlecht.

42:21 Marlena Hien: Ich hatte Gott sei Dank mein Notar zu Hause.

42:23 Feliks Eyser: Okay, gut, praktisch.

42:25 Marlena Hien: Das hat sehr viel geholfen. Nee, und wir haben auch echt gemerkt, was würde denn jetzt passieren? Was ist denn, wenn wir jetzt die 5 Millionen nehmen? Das liegt ja nicht auf dem Konto, das muss auch gespendet werden. Das heißt, mehr Spend, mehr Burn. Unprofitabilität und im Zweifel wird es uns heute gar nicht mehr geben. Also ich sehe schon viele Startups, die damals das Geld genommen haben, obwohl sie es vielleicht nicht gebraucht hätten. Die sind heute in einer absoluten Putz-Situation.

42:48 Feliks Eyser: Das ist interessant. Wir haben neulich mit Jenny von Gitti gesprochen und die hat Geld in der Zeit gerast und sagt, heute in der Rückschau, ja, wahrscheinlich war es zu viel, weil wir haben dann halt so viele Initiativen gestartet, hier noch ins Ausland expandieren, hier weitere Produkte, hier mehrere Channels und sondern hast du natürlich. Auf der einen Seite die Verlockung, also diese ganzen Sachen zu machen, weil du hast ja die Kohle, auf der anderen Seite auch den Druck, weil du willst sie ja ausgeben, also und die Kompanie jetzt gedreht, so, aber Podcast muss man reinhören. Wenn unser Podcast online geht, dann ist der wahrscheinlich auch schon online, aber die ist ja durch ein echtes Teil der Tränen gelaufen.

43:18 Marlena Hien: Das glaube ich sofort. Weil, wenn du erstmal unprofitabel bist, ist es nicht so einfach wieder zu drehen. Also wenn der Tanker erstmal fährt, ist das schwer aufzuhalten. Und ich glaube, viele sind heute, da ist noch, da liegt noch Geld auf dem Konto, alles gut, aber du bist grenzprofitabel, es ist halt nicht verkaufbar. Und Irgendwann dragt sich das halt auch so raus. Also, wir hätten da leicht rein tappen können in die Falle. Und ich bin froh, dass wir es nicht gemacht haben und dass wir es auch so geschafft haben und uns halt auch immer. voll fokussieren mussten darauf. Also immer wirklich, also jedes Produkt hatte seinen Sinn, jeder Markt hatte seinen Sinn, jeder Channel. Wir konnten auch nicht overboard gehen, wir mussten das immer mega performance getrieben machen. Für jeden Euro oben rein mussten irgendwie zwei unten rauskommen. Zum Zeitzeiten nicht funktioniert.

43:59 Feliks Eyser: Und andersrum gedacht, im FMCG-Bereich bei Fast Moving Consumer Goods, wann ist Bootstrapping der falsche Weg?

44:06 Marlena Hien: Bei Fast Moving Consumer Goods, ey ganz ehrlich, das ist zu schaffen. Dann fängst du halt nicht mit D2C an, das ist ja genau das. Klar, da hast du hohe Einstiegskosten, da musst du jeden Kunden erstmal einkaufen. Dann nimm einen anderen Weg. Dann starte auf Amazon und schau erstmal, ob du ein Produkt magst. fit hast und lern erstmal. Und wenn du da gar keinen Umsatz machst, vielleicht hast du ihn noch einfach nicht. Vielleicht ist das Produkt noch nicht ganz richtig, dann arbeite nochmal dran. Also ich finde bei, also wie gesagt, gegen Seedstrapping. Nicht jeder hat die Mittel, um erstmal überhaupt die Gründung reinzugeben und die erste Produktbestellung und so weiter. Alles fein, sich am Anfang eine kleine Runde einzusammeln, aber der Weg muss sofort Richtung Profitabilität gehen. Nicht so, nächste Runde, nächste Runde. Das halte ich bei Konsumgittern für Quatsch.

44:47 Feliks Eyser: Das ist, glaube ich, ein gutes Stichwort: Seedstrapping zu sagen: Ja, gut, vielleicht brauche ich ein bisschen Geld, vielleicht brauche ich 50. 000, vielleicht 100. 000, vielleicht sogar eine halbe Million. Das kann ich von Privatpersonen raisen. Das raise ich in der Regel von Angels, nicht von Funds. Nam ich den Vorteil, das sind Leute, die verfügen über ihr eigenes Geld, die entscheiden auch anders als einen Fonds, der fremdes Geld verwaltet. Und die haben auch eine ganz andere Exit-Erwartung. Plus man kann sagen, wenn da 500 Euro reingeflossen sind, immer die Firma am Ende selbst für 5 Millionen verkauft, für 10 Millionen verkauft, dann sind ja alle happy. Also dann kriegt man es ja irgendwie hin, dass die alle einen guten Return machen. Wenn erstmal 5 Millionen oder 10 Millionen reingeflossen sind. Dann zwinge ich mich ja selber auch dazu, die Firma für 100, 200, 300 Millionen zu verkaufen und habe diese Pfadabhängigkeit. Flo Heinemann sagt immer Pfadabhängigkeit. Wenn ich Venture Capital raise, habe ich diese Abhängigkeit auf diesem einen Pfad jetzt.

45:31 Marlena Hien: Ganz genau. Und wie viele von diesen Exits gibt es denn? In Deutschland, in Europa, die könnte ich ja an einer Hand abzählen. Also die Wahrscheinlichkeit ist halt so, so, so gering. Von den Kleinen gibt es viel, viel mehr. Deswegen, am Ende sind Konsumgüter kein VC-Case. Wenn man es mal so runterdampfen will.

45:46 Der Exit: Kaufpreis, Cash, Earnout, Rückbeteiligung

45:46 Feliks Eyser: Für wie viel habt ihr verkauft?

45:49 Marlena Hien: Die Parteien am Stillschweigen vereinbart über den Kaufpreis. Für einen mittleren achtstelligen Betrag.

45:55 Feliks Eyser: Okay, okay. Ihr habt damals so 15 Millionen Umsatz gemacht oder so? Genau. Und in der Kategorie, also so sagen wir Food-Beverage-Bereich, so sind Multiples auf dem Umsatz meistens so zwischen 2 und 5x, 5 wäre schon hoch, 2 wäre vielleicht ein bisschen niedrig, sagen wir mal 3x und bist du irgendwie bei. 40, 50 Millionen oder so, das ist meine Serviettenrechnung.

46:12 Marlena Hien: Okay.

46:14 Feliks Eyser: Wir lassen das mal so stehen. Und das Geile ist, du teilst die Summe durch zwei und fertig. Korrekt. Mega!

46:22 Marlena Hien: Das war natürlich schön, ja? Völlig richtig. Da habe ich dann auch meine 150. 000 Darlehen endlich wieder rausbekommen.

46:30 Feliks Eyser: Und noch ein bisschen mehr.

46:31 Marlena Hien: Noch ein bisschen mehr. Nein, ähm. Natürlich war das der Wahnsinn. Also ich glaube auch, dieses ganze VC-Getöns, das ging dann so schleichend über schon mehr in Richtung Exit-Prozess und Ich habe ja wirklich sämtlichen Respekt vor VCs verloren, ehrlich gesagt. Und vor den Leuten da. Ich habe mich dann bei den PEs wesentlich wohler gefühlt. Ich habe gedacht. Boah, die stellen ja mal die richtigen Fragen.

46:54 Feliks Eyser: Wie siehst du im Vergleich zu PEs? Die PEs kaufen die ganzen Firmen, Private Equity, die kaufen Mehrheiten, wie sie es machen Minderheiten. Okay, wie sagst du dich bei denen?

47:00 Marlena Hien: Vor allem Profitabilität. Die gucken dann auf genau diese Werte und gucken irgendwie auch mal wirklich in den Maschinenraum. von so einem Startup und da hat man gesehen, okay, die interessiert es jetzt auch gar nicht, ob das Produkt rosa ist und ob es nur für Frauen ist und was weiß ich. Die gucken auf die nackten Zahlen und auf die Elementzahlen. Stunden rechts. Und dann hat das auf einmal funktioniert. Da wurden wir ernst genommen und dann haben wir da einen schönen Prozess gemacht. Auch in schnellen.

47:24 Feliks Eyser: Man sagt ja, Firmen werden gekauft und nicht verkauft. War das bei euch auch so?

47:30 Marlena Hien: Ja, also wir haben ja einen tollen Partner gefunden, muss ich sagen. Wir haben ja nicht an Private Equity verkauft, sind das nicht so in erster Linie, wenn man einen Strategen verkauft aus Frankreich, der wiederum Private Equity Owned ist. Brandhouse mit anderen Brands, hauptsächlich Pharmacy Brands aus Frankreich, ähm und das war wir sind rückbeteiligt Also es war ganz wichtig, dass wir als Founder auch drin bleiben, zumindest fürs Erste, committed bleiben, weitermachen.

47:56 Feliks Eyser: Von so einem Kaufpreis, wie viel geht in die Rückbeteiligung? Wie viel ist Cash?

48:00 Marlena Hien: Also bei uns war, darüber kann ich sprechen, es war ein Drittel Sofortpayment sozusagen, ein Drittel Earnout aufs nächste Jahr. Gestaffelt auch nochmal und ein Drittel war die Rückbeteiligung.

48:11 Feliks Eyser: Was sind die Kriterien für den Earnout? Was musst du da im nächsten Jahr erreichen?

48:15 Marlena Hien: War bei jedem Bieter ein bisschen unterschiedlich tatsächlich. Also eine Earnout-Komponente hatte eigentlich jeder mit drin. Oft war es EBITDA-based, entweder aufs laufende Jahr oder dann aufs nächste oder auf beides, je nachdem, alles Verhandlungswache. In unserem Fall war es Umsatz.

48:32 Feliks Eyser: Obswechseljahr.

48:33 Marlena Hien: Und allein das fanden wir total geil, weil auch das ist irgendwie Founder-Friendly, Startup-Friendly. Wir wollten unser Wachstum weiterhin sehen. Ja, nicht nur, dass wir es jetzt melken und irgendwie maximal EBITDA rausbekamen. Das war direkt so ein Kriterium, wo wir gesagt haben: ja, geil, mit dem Umsatz waren wir uns halt sicher, dass wir das nochmal reißen können. Es war auch okay, also auch die niedrigste Stufe wäre wirklich machbar gewesen. Wir sind halt nochmal 120% gewachsen hier over hier. Also wir haben die oberste Stufe bei Weitem übertroffen.

48:59 Feliks Eyser: Das hört man auch nicht so oft.

49:00 Marlena Hien: Nee, hört man tatsächlich nicht so oft.

49:02 Feliks Eyser: Was hat es mit dir gemacht, dieses eine Incentive zu haben? Ich frage mich, wir haben einmal eine Firma gekauft und da haben wir gedacht, wir sind schlau, wir machen im ersten Jahr einen Umsatz-KPI, im zweiten Jahr EBITDA. Du denkst, ja, im ersten Jahr willst du wachsen, danach willst du Geld verdienen, hat der Founder, hat im ersten Jahr, hat Sales Leute eingestellt, am Fließbaren, Riesenorganisationen. Die waren alle völlig ineffizient, aber haben ja einen weiteren Euro reingebracht. Am 31. 12. hat er die alle rausgeschmissen. Wirklich. So, und dann war der: Ja, okay, es gibt diesen Warren Buffett Satz: So, show me the incentives, I show you the behavior. Und in dem Fall war es radikal. Also Ist ja auch schwer, so ein Founder zu steuern. Was hat es mit dir gemacht, diese eine KPI zu haben?

49:43 Marlena Hien: Also, wir waren echt confident, dass wir das schaffen können. Tatsächlich hatten wir noch eine Restriktion: 35% Marketingkosten.

49:51 Feliks Eyser: Das ist gut, ihr hätten Kennzahl ein paar gehabt, quasi maximier den Umsatz unter der Voraussetzung. Du könntest sonst auch 120% ausgeben.

49:58 Marlena Hien: Genau, wir hätten jetzt nicht in völlige Unprofitabilität dafür uns stürzen können, was über die Marketingkosten ja absolut gegangen wäre. Das war die Restriktion und ehrlich gesagt. Das waren dann die KPIs, die wir dem Team ausgegeben haben, darauf waren alle inzentiviert, ja, dass wir diesen Umsatz schaffen mit diesen Marketingkosten. Und boom, also.

50:15 Feliks Eyser: Okay, das ist clever. Das ist so ein Learning, das ist so eins von diesen Golden Nuggets, so quasi Kennzahlen immer im Paar zu definieren. Zu sagen, guck mal, das eine, was auch ein Stück weit das andere ausschließt, also Gegensätze zu haben, so mach den Umsatz hoch, aber unter Voraussetzung, das hätten wir machen sollen bei der Firma, die wir gekauft haben. Weil dann haben wir irgendwann, der hat ja auch einen Businessplan abgegeben, also und da waren da gewisse Kosten drin, dann machen wir irgendwann ein Review und sagen, okay, du hast jetzt hier doppelt so viel ausgegeben, wie das in deinem Businessplan steht, dann hat er gesagt Ja, ist doch super. Wir konnten die Vertriebsleute schon früher einstellen. Ist doch top, dass wir so gut voranstellen.

50:41 Marlena Hien: Ja, das ist geil, echt. Hat er uns das auch noch positiv verkauft? Also, ich meine, das hätten wir niemals gemacht. Wir sind viel zu ehrlich und zu nett, glaube ich. Aber wir sind natürlich auch in diese Falle getappt, dann erstmal nicht mehr diese krassen Cash-Restriktionen zu haben. Und dann zu sagen, ah, das Team, die mussten jetzt so Lean arbeiten die ganze Zeit, jetzt darf das mal ein bisschen wachsen, jetzt darf wieder mal seine Wunschliste abgeben und wir stellen ein paar mehr Leute ein und wir Onboarden noch ein ERP, machen hier mal einen Beratungs, was weiß ich. Also, das ist halt schon wie auch beim EC, sobald das Geld da ist, fängst du es an, für Dinge auszugeben, die du eigentlich nicht brauchst. Und da muss man schon sehr drauf achten. Dass du trotzdem focus bleibst und eigentlich diesen leanen Startup Way of Working nicht aufgibst.

51:26 Vormittags DM-Store-Check, nachmittags Kreißsaal

51:26 Feliks Eyser: Was war für dich der größte Struggle im Aufbau deiner Firma? Was war das härteste in der Rückschau?

51:32 Marlena Hien: Also für mich war es schon die Vereinbarkeit. Ich habe ja in der Zeit zwei Kinder bekommen.

51:39 Feliks Eyser: Douglas Listing und Schwangerschaftstest im selben Monat, hast du mal erwähnt. Wow.

51:45 Marlena Hien: Ja, ist richtig, in der gleichen Woche sogar. Krass. Und dann DM-Listing ging live, der Thementisch. Am Tag der Geburt von meinem ersten Sohn, weiß ich noch. Ich bin vormittags zum Store-Check und nachmittags ging die wehen los.

51:59 Feliks Eyser: Nicht dein Ernst. Vormittags am Thementisch und nachmittags im Kreissaal.

52:03 Marlena Hien: Richtig. Tja, so ist das dann. Ja, und ich auf der einen Seite sage ich eine Selbstständigkeit, ist das Beste, was du haben kannst, wenn du Karriere und Kinder. Machen kannst, weil du hast die Selbstbestimmung, das auch einfach selbst zu planen. Und ich glaube, es ist wesentlich einfacher, seine Corporate-Karriere weiterzuverfolgen. Auf der anderen Seite, und ich glaube, den Struggle kennt jeder Hast du halt immer ein schlechtes Gewissen an irgendeiner Front. Du hast immer das Gefühl, du bist an beiden Fronten nicht genug. Du bist nicht genug für die Kinder da, du bist nicht genug fürs Business da, du könntest an allen Ecken und Enden mehr machen. Und ich hatte auch immer irgendwie die Angst, dass mir einer der Bälle runterfällt beim Jonglieren, dass ich irgendwas einfach total verkacke. Also ich entweder einen wichtigen Business-Termin verpasse oder die Kinder vor der Kita stehen und nicht abgeholt werden. You drop the ball. Das war so eine konstante Angst, die ich hatte. Und ich habe mich auch total vernachlässigt in der Zeit. Du kannst das schon jonglieren, diese beiden Themen, aber es gibt immer irgendwas, was runterfällt.

53:05 Feliks Eyser: In meinem Fall war es

53:06 Marlena Hien: Jede Form von Self-Care, Sport. Ich habe nichts davon gemacht. Ich habe nur zwischen diesen beiden Welten gelebt. Oder auch eine Partnerschaft. Ich bin natürlich abends nicht mit meinem Mann auch auf ein Glas Wein in die Küche gegangen, sondern ich habe mir einen Laptop gesetzt. Das ist halt dann irgendwie auch nötig. Und jeder, der sagt: Wenn du nur gut genug organisiert bist, ist das alles easy. Der lügt in meinen Augen. Es ist ein Struggle, immer. Ich bereue 0,0, ich bin so dankbar, dass ich beides gleichzeitig machen konnte, aber es war mein größter Struggle.

53:36 Feliks Eyser: Und wenn heute eine Gründerin vor dir steht und sagt, ich habe schon ein Kind oder ich will ein Kind haben und trotzdem diese Firma gründen oder gerade deswegen auch die Firma gründen, um selbstbestimmt zu sein, sie fragt dich Hand aufs Herz, sag mir mal wirklich Wie es ist und was kannst du mir mitgeben? Was sagst du ihr?

53:52 Marlena Hien: Ja, machen. Dann doch wieder, ne? Nein, man darf davor auch keine Angst haben. Man muss es auf sich zukommen lassen und für mich ist es 0,0 Kriterium, jetzt irgendwo nicht zu investieren oder so. Wir hatten jetzt auch schon den Fall, dass eine von zwei Gründerinnen ihr zweites Kind bekommen hat. Die Frauen, die ich heute kennen, lerne, die sind so ambitioniert, die kommen super schnell zurück. Du merkst gar nicht, dass sie weg sind. Teilweise zu schnell. Also, ich sage dann auch echt: relax mal ein bisschen. Überleg dir das gut, ja. Also. Mach ruhig noch zwei Monate. Ich sehe es wirklich 0,0 als Limitation machen.

54:27 Feliks Eyser: Und so praktische Tipps, die du dann auf dem Weg gibst, zu sagen, gut, wie.

54:31 Marlena Hien: Ja, aber was sind die praktischen Tipps? Ich meine, klar musst du irgendwie schauen, dass du dein Village hast. In meinem Fall war es, dass wir mit meinen Eltern hinterhergezogen sind an den Stadtrand und ich die irgendwie einen Kilometer weiter hatte.

54:41 Feliks Eyser: Das habt ihr gemacht, okay.

54:42 Marlena Hien: And that my mama mega viel geholfen hat, or I den Tag einfach dort verbracht had, and then so my calls. And that Klar, das braucht es schon. Alleine wirst du es nicht reißen können. Auch Augen auf bei der Partnerwahl. Sag ich da immer. Also schau, dass du auch irgendwie Partner findest. Der nicht sagt, mein Job wird immer wichtiger sein und Kinderpflege ist irgendwie Frauensache, sondern der auch gewillt ist, Care-Arbeit irgendwie fährt sich mit.

55:06 Feliks Eyser: Habt ihr euch dann irgendwann abgewechselt oder wie war so der Disagreement?

55:09 Marlena Hien: Nee, ehrlich gesagt nicht, weil mein Mann tatsächlich in der Festeinstellung war und auch So ehrlich muss man auch sein, wesentlich mehr verdient hat als ich so im laufenden Business.

55:16 Feliks Eyser: Jetzt nicht mehr.

55:17 Marlena Hien: Jetzt nicht mehr.

55:19 Feliks Eyser: Grüß an deinen Mann. Um bekannterweise.

55:24 Marlena Hien: Sehr gut. Nee, also ähm, das war schon okay und er war auch fairerweise wirklich in einer Immobilienbranche, im Unternehmen, war es jetzt auch ein bisschen Wo es jetzt nicht normal war, 600 Elternzeit zu nehmen, sagen wir es mal so. Und es war auch völlig okay. Wie gesagt, wir hatten unser Village, wir haben uns organisiert bekommen. Und wir hatten immer wieder Phasen, die Exit-Phase zum Beispiel. Da haben wir ganz klar gesagt, ich bin jetzt Prio, ein halbes Jahr. In dieser Zeit muss ich in der Lage sein, jedes Meeting anzunehmen, jederzeit irgendwo hinfliegen zu können, egal wann, wie, wo. And you will make that happen. Und es hat auch genauso funktioniert. Natürlich gibt es da Phasen, wo du das machen musst. Aber dennoch, es geht allein darum, dass diese Bereitschaft da, als dem anderen auch Space zu geben. Das muss jetzt nicht 9 to 5 sein, sondern auch darüber hinaus einfach auch Dinge mitzudenken, sich auch um Dinge mitzukümmern. Da würde ich schon die Augen noch offen halten.

56:15 Feliks Eyser: Wie hast du deinen Resilienzmuskel trainiert? Resilienz ist ja auch eine Sache, die man trainieren kann. Leute um dich rum sagen, du bist ja resilient. Das hat die Denise gesagt, deine PR-Managerin, die deinen LinkedIn-Account betreut. Denise Haberkamp, kleiner Shoutout. Wie trainiert man Resilienz?

56:32 Marlena Hien: Ich habe die nie aktiv trainiert, muss ich dir ganz ehrlich sagen. Ich würde auch unterschreiben, dass ich ein sehr resilienter Mensch bin und dass ich gerade. Stress in der Arbeit immer als positiven Stress wahrgenommen habe, meistens. Und mir das Spaß gemacht hat und mir Energie gegeben hat, mehr als es mir geraubt hat.

56:49 Feliks Eyser: Welcher Glaubenssatz steckt da dahinter?

56:52 Marlena Hien: Schwer zu sagen, ich bin schon mit einem Glaubenssatz aufgewachsen, dass Leistung wichtig ist und von mir verlangt wird. Also der Satz beim Psychologen heißt: Ich muss leisten, um geliebt zu werden. Ob es jetzt so heavy ist, weiß ich gar nicht, aber klar, das war schon irgendwie ein Anspruch bei uns zu Hause.

57:12 Feliks Eyser: Und das kann aber auch einen Druck auslösen.

57:13 Marlena Hien: Das kann Druck auslösen, absolut. Ich muss halt sagen, mir ist es auch immer relativ leicht. Gefallen. Ich musste mich jetzt nicht massiv ins Zeug legen, um irgendwie ein gutes Abi zu schreiben oder ein gutes Studium hinzulegen. Gott sei Dank Ich hätte zum Beispiel sportlich nie die Leistung bringen können. Ich bin fundamental unsportlich, ja. So gut wie allen Sportarten. Wenn mein Vater darauf Wert gelegt hätte, hätten wir ein Problem gehabt. Dann sähe er sich wahrscheinlich heute auf der Couch. Aber ähm Ich weiß nicht, so ist mir immer vieles auch zugeflogen und hat gut für mich funktioniert. Und wie gesagt, deswegen habe ich, glaube ich, auch immer gerne gearbeitet und es hat mir Spaß gemacht und ich habe diesen Stress gar nicht so negativ wahrgenommen. Und das ist, glaube ich, ein Zeichen von Resilienz. Klar, man kann auch Dinge dafür tun, ja, man kann meditieren, man kann Breathwork machen, man kann, weiß ich nicht, journalen oder Projektmanagement-Tools nutzen, um sich zu organisieren.

58:03 Feliks Eyser: Hast du solche Habits oder irgendwelche

58:05 Marlena Hien: Routinen, ich versuche da jetzt reinzufinden. Also ich bin ja jetzt im The Year of Self Care auf jeden Fall. Ich werde nächstes Jahr 40. Tatsächlich ist es gerade mein erklärtes Ziel, in der besten Form meines Lebens zu sein, mental und körperlich, für diesen 40. Geburtstag. Und ja, jetzt probiere ich mich schon ein bisschen aus.

58:24 Feliks Eyser: In solchen Habits.

58:25 Marlena Hien: Also, wir haben ja ein Ane Breath. Work-App investiert, in Regulate vor ein paar Monaten und das finde ich super spannend. Ich hatte vorher schon mal so hier und da ein paar Touchpoints damit, aber ich habe es jetzt nicht wirklich aktiv angewendet, aber ich finde es Mega spannend, was man damit erreichen kann.

58:40 Feliks Eyser: Mit Björn Keulen neulich hier gesprochen im Podcast. Kennst du den? Der hat Invincible Bands gemacht und ist so voll auf dem Breathwork-Trip und hostet selber Retreats und baut da ein spannendes Business quasi. Also nicht digital, sondern in der physischen Welt.

58:53 Marlena Hien: Ja, auch man denkt ja erstmal, dass es irgendwie Voodoo, aber es ist überhaupt nicht. Es ist ja auch total durch Studien belegt, was es auswirken kann im Körper. Da geht es ja letztlich auch einfach um Sauerstoff-Level. Finde ich super spannend. Das ist eigentlich ein einfaches Tool, weil ich werde nie die Person sein, die sich eine Stunde auf die Meditationsmatte setzt und an die Wand startet oder irgendeinen Retreat macht, wo du auf zwei Quadratmetern im Dschungel sitzt. Man hört ja die wildesten Geschichten. Aber so ein bisschen atmen zwischendrin.

59:20 Feliks Eyser: Es hat was Meditatives, aber es ist eine Aktivität. Also du steuerst ja was.

59:24 Marlena Hien: Genau, du kannst dich hoch und runter regulieren im Wesentlichen. Du kannst deine Performance steigern, du kannst aber auch deine Entspannung steigern, ja, oder allgemein Resilienz einfach für Stresslevel und da aktiv regulierend eingreifen. Finde ich mega.

59:37 Feliks Eyser: Was machst du noch außer Breathwork?

59:38 Marlena Hien: Was sind so Pilates?

59:40 Feliks Eyser: Auf so diesen Geräten?

59:42 Marlena Hien: Ja. Tatsächlich. Kleines Trendopfer.

59:45 Feliks Eyser: Ah ja. Auch ein geiles Business. Haben wir ein paar Mal drüber gesprochen schon im Podcast. Diese Studios. Hast du da auch schon investiert? Gibt's ein paar Ketten, oder?

59:53 Marlena Hien: Genau. Nee, hab ich nicht. Ja, Riesentrend gerade, alles was Brick and Mortar ist. Oder wie hast du es jetzt? Four Walls.

1:00:01 Feliks Eyser: Four Walls, ja. Genau, früher hieß es genau Brick and Mortar.

1:00:03 Marlena Hien: Ja. Also, ich finde es ja super, dass wir nach Corona zu irgendeiner Form von Normalität zurückkehren. Aber mit dem Leiden des E-Commerce, dem Aktuellen, siehst du halt, dass es auf der anderen Seite dann wieder nach oben geht.

1:00:15 Feliks Eyser: Leute wollen sich treffen. Leute, wo man sich treffen.

1:00:17 Marlena Hien: Ich habe auch das Gefühl, das ist wirklich eine reine Vermutung, aber die Leute verbringen weniger Zeit an ihren Handys. Wenn ich mir gerade die Kennzahlen von einigen Influencern angucke und wie die Reichweiten einbrechen, dann ist das vielleicht ein Indikator dafür. Dass die Leute entweder mehr Zeit auf anderen Apps verbringen, das ist mit Sicherheit auch so, aber vielleicht verbringen sie auch einfach mehr Zeit weg vom Handy, was sehr, sehr schön wäre.

1:00:35 Feliks Eyser: Ist auch mal gut. Und während deiner Zeit als operative Founderin, was würdest du sagen? Was war die persönliche Veränderung, die du durchlaufen musstest, um das Wachstum deiner Firma zu ermöglichen? Wie bist du persönlich an der Aufgabe gewachsen und hast dich geändert?

1:00:55 Marlena Hien: Ich bin, glaube ich, jemand, der diese Zero-to-One-Phase sehr gut begleiten kann und machen kann. Das habe ich inzwischen für mich festgestellt. Es gibt. Diese magische Zeit eines Startups so zwischen 5 und 10 Mitarbeitern, 5 und 15 Mitarbeitern vielleicht.

1:01:11 Feliks Eyser: Ist die geilste Zeit. Also ist die geilste Zeit.

1:01:13 Marlena Hien: Witzigerweise sind sich da die meisten einig. Wo du noch alle, alle sitzen in einem Raum, jeder kriegt alles mit.

1:01:20 Feliks Eyser: Du musst nicht durchkommunizieren, alle arbeiten an den gleichen Projekten, ganz genau, abends machst du zwei Flaschen Cremement auf.

1:01:26 Marlena Hien: Du brauchst nicht eine Präsentation mit deinen Leitwerten oder was weiß ich, weil du lebst sie einfach. It is what it is und jeder zieht mit. Und in der Phase ist es mir auch leicht gefallen, das vorzuleben und die Leute mitzureißen. Das war einfach völlig intrinsisch. Und ich finde halt in dem Moment, wo du wächst und es mehr und mehr Personal wird und du gezwungen bist, Strukturen einzuziehen, auch Hierarchien einzuziehen. Und das viel aktiver vorleben musst, ja, und viel aktiver die Leute da eben auch mitziehen und motivieren musst, habe ich schon gemerkt, dass es mir immer weniger liegt. Also, das war auf jeden Fall meine Growth Zone, wo ich aus meiner Komfortzone raus musste. In diesem ganzen Thema People Management. Und ich habe das auch gemacht bis zu einem gewissen Grad. Und ich habe mich auch angestrengt Darin besser zu werden und Dinge zu machen, die ich eigentlich nicht gerne tun würde. Ich habe eigentlich überhaupt keine Lust, One-on-Ones zu machen und irgendwie ein Feedback zu geben. Ich wollte einfach, dass die Leute gut funktionieren und ansonsten sogar mal meinen Zeug arbeiten. Aber ich habe auch gemerkt, Als der Punkt da war, wo ich keinen Bock mehr hatte, mich da weiterzuentwickeln. Wo ich irgendwie gesagt habe: ich könnte das jetzt noch weiter lernen und besser werden, aber ich will es eigentlich gar nicht. Und das ist vielleicht auch der Punkt, wo du sagen musst, dann ist jemand anderes jetzt besser für den Job geeignet.

01:02:26 Der Moment, in dem sie wusste: Jemand anderes kann den Job besser

1:02:42 Feliks Eyser: Das ist bei mir auch so. Also ich denke genau das Gleiche. Und hab dann auch immer gedacht. Also am Anfang, du brauchst ja keine Führungsfähigkeiten. Wenn fünf Leute da im Raum sind, musst du ja jemanden führen, die verstehen, was los ist. So musst du halt nicht irgendwelche OKR-Meetings und All Hands und was weiß ich was machen, sondern es ist ja quasi ein Team und und Sehr viel funktioniert impliziert, irgendwann brauchst du diese Führungsfähigkeit. Ich habe dann auch diesen Struggle gehabt zu merken: ah fuck, ich bin da ja gar nicht gut drin. Leute sagen: Ja, also du kommunizierst nicht gut, ich weiß nicht, wohin die Firma sich entwickeln soll, mir fehlt die Vision. Was für eine Vision müssen wir arbeiten. Und dann habe ich auch angefangen, Bücher zu lesen, Seminare zu machen, mit anderen Foundern zu sprechen und diese Muskel zu trainieren bei mir. Ich dachte mir dann auch immer, ja gut, vielleicht Bin ich bei einer Schulnote 4 bis 5 und ich krieg's jetzt irgendwie hin auf eine 3 bis 4. Und wenn ich mich richtig anstrenge und quäl, dann komme ich auf eine 3 plus. Aber irgendwie ist es doch einfacher, jemanden zu heiren, der eine 1 bis 2 ist.

1:03:29 Marlena Hien: Ja.

1:03:29 Feliks Eyser: Und die haben ja auch Bock drauf. Es gibt ja genug Leute, die mögen One-on-Ones und die mögen wiederkehrende Tätigkeiten und die mögen diese ganze Kommunikation.

1:03:36 Marlena Hien: Genau so ging es mir auch.

1:03:38 Feliks Eyser: Wie bist du dann damit umgegangen?

1:03:40 Marlena Hien: Ja, ich glaube, ich habe halt irgendwann gemerkt, okay, der Punkt ist da. Und der Punkt war bei Laurence und mir auch an derselben Stelle, da muss man sagen, wir hatten da jetzt nicht komplementäre Skills, in dem Sinne, dass sie gesagt haben, cool, jetzt ist meine Phase gekommen, jetzt mache ich hier weiter. Nee, wir waren beide. Zero to One Founder, glaube ich. Du, und uns wurde die Tür halt irgendwann aufgemacht von Seiten des Eigentümers. Oder wir haben ein bisschen dran getreten auch vorher, dass vielleicht Zeit ist. Wir haben gar keine Ausschreibung gemacht damals, sondern Auch unsere jetzige CEO fiel uns so ein bisschen in die Hände über eine Empfehlung von einer Business Angel, die wir gut kannten, und haben direkt gesagt: Oh, guck mal, das macht ja total Sinn. Die hat ja genau das Skillset, das uns irgendwie gerade fehlt. Wäre das nicht eine gute Idee? Und dann war der Punkt halt gekommen, wo wir die Transition gemacht haben.

1:04:30 Feliks Eyser: eine gute Entscheidung. Man hat ja dann so ein bisschen diese verrückten Founder, die ja sowieso irgendwie selbstbestimmt sind und auch ein Stück weit unemployable. Ich würde auch immer sagen, ich bin kein guter Mitarbeiter in irgendeiner Organisation. Also und gleichzeitig sagst du gut. Wenn du so einen Konzern führst, ich hätte dann Schröer verkauft an die Außenwerbefirma und saß dann in diesen MA-Meetings auf der anderen Seite vom Tisch und hab da so ein bisschen zugehört, wie die darüber nachgedacht haben, Firmen zu kaufen. Und dann haben die sich halt auch so Fragen gestellt, so sinngemäß, ja, wenn ich dem Geschäftsführer sage, springen, springt der. Dann sagst du, sehr gut, ein angestellter Geschäftsführer, ein Manager, der springt. So ein Founder mit 20 Millionen auf dem Konto, der sagt im Zweifel halt fuck you. Also die Steuerbarkeit, die Steuerbarkeit von so einer Person ist ja auch ein Thema und dann hast du natürlich auch andere Sachen, irgendwie Reporting-Anforderungen und so weiter und also Oft merkt man dann so, ja.

1:05:12 Marlena Hien: Ja, klar. Wenn du erst mal Widerredelistest und sagst, nee, finden wir aber anders, merken die auch irgendwann so: also die werden langsam ein bisschen störrisch hier. Und es gab auch den Moment vor zwei Jahren, als klar war, dass wir USA launchen werden. Da stand mal so kurz die Idee im Raum, dass einer von uns nach New York geht und jetzt USA aufbaut und einer Europa weiterführt. Und da waren wir beide so, no.

1:05:35 Feliks Eyser: Kein Abenteuer.

1:05:36 Marlena Hien: Nicht mehr, wir sind irgendwie settled. Ja, und ich glaube, das war auch der Moment, wo unser Eigentümer gemerkt hat, ah, mit denen ist jetzt nicht mehr so ewig. Zu rechnen.

1:05:46 Feliks Eyser: Das war genau der Moment. Du hast einen LinkedIn-Post geschrieben. Hier, dein bester LinkedIn-Post überhaupt. 424 Likes haben wir analysiert. Hat Denise bestimmt auch ein bisschen geholfen. Mein persönlichstes, äh. Aus acht Jahren Gründung, die Erkenntnis, nicht mehr die beste Person für den Job zu sein. Was war genau der Moment? Wo standest du? Wie sah der Raum aus? Wann hat sich die Erkenntnis breit gemacht, nicht mehr die richtige Person zu sein?

1:06:09 Marlena Hien: Naja, ich glaube, das ist schon eine Erkenntnis, die langsam wächst, als dass einen jetzt auf einmal der Blitz trifft. Und man weiß, oh, ich sollte ich mal da anderes einstellen. Ja, ich weiß noch, dass es ein Meeting in Paris gab und wir irgendwie schon mit so einem mulmigen Gefühl dahin geflogen sind. Ich weiß noch, Laurence' Oura-Ring im Taxi hat auf einmal einen Notfall ausgeschlagen. Nicht dein Ernst. Und das war eigentlich auch das Meeting, wo sie sagten: So people miss you. Ihr seid nicht mehr so anwesend, wie ihr sein solltet. Wollen wir jetzt mal langsam irgendwie gucken. Ich weiß, dass sich einfach in uns eine große Erleichterung breit gemacht hat. Und das war so das Gefühl, das gesagt hat, ah, das ist richtig. Das ist in jeder Hinsicht positiv, was wir hier gerade besprechen. Und das ist genau der richtige Schritt jetzt. Und dass das resoniert, ist auch klar, ja, weil das ist ja nicht nur ein GründerInnen-Thema, sondern das kennt ja jeder. Das kennst du auch, wenn du einen Job kündigst nach vielen Jahren und den nächsten Schritt machst. Das ist dann auch so ein Abschied. Oder wenn du eine Partnerschaft beendest, das sind ja alles dieselben Prozesse. So ein schleichendes Bewusstwerden, das ist nicht mehr ganz richtig hier und das geht vielleicht besser.

1:07:16 Feliks Eyser: Ist am Anfang mulmig und dann befreiend. Ja. Der Oura-Ring hat den persönlichen Exit vorhergesagt. Das wird mein LinkedIn Post.

1:07:25 Marlena Hien: Da ich auch mein sehr erfolgreich, ich würde sagen, mein eigentlich erfolgreichster LinkedIn Post, der ist aber schon ein bisschen her über ein Jahr. War mein Oura-Ring, der immer, das war auch so ein Screenshot, der immer angezeigt hat, dass ich vormittags im Büro, im Wellness bin, quasi, in völliger Entspannung und morgens und nachmittags mit den Kindern kommen die Stresslevel, ja.

1:07:43 Feliks Eyser: Das würde mein Orient.

1:07:44 Marlena Hien: Um mal zu zeigen. Wenn du mal in Ruhe im Büro sitzt, einen Kaffee trinkst, der nicht kalt wird und ein erwachsenes Gespräch führst, das kann auch recht entspannt sein.

1:07:52 Feliks Eyser: Das ist krass mit kleinen Kidsker. Ich denke auch immer, der Montag ist der neue Freitag. Korrekt, endlich wieder. Endlich wieder ein Zoom call. Oh mein Gott. Klingt auch ein bisschen fies, aber ist ja ein Stück weit so, genau. Hattest du Mentoren oder Mentorinnen, von denen du gelernt hast? Da host, deine Kofahrin war eines?

1:08:10 Marlena Hien: Ja, definitiv. Meine Größe, auf jeden Fall. Großes Vorbild für mich. Ich habe mein Einstellungsgespräch damals geführt.

1:08:16 Feliks Eyser: Was ist dir hängen geblieben von ihr, was du sonst nicht gelernst?

1:08:19 Marlena Hien: Ich hatte das fand sie einfach so cool. Sie war cool, girl. So relaxed. Und sie hatte ja damals auch schon so ein kleines, so ein Unterwäsches-Startup und ähm. Ich fand irgendwie alles cool an ihr, aber ich habe dann natürlich viel mehr darüber hinaus von ihr gelernt. Ihre Arbeitsweisen, sie ist nicht umsonst der Terrier genannt.

1:08:39 Feliks Eyser: Der Terrier.

1:08:39 Marlena Hien: Ja. Scheiße, sie sich so Dinge festbeißen kann.

1:08:42 Feliks Eyser: Ich hätte mal eine Anwaltin, habe ich so genannt. Ich glaube, sie wäre bestimmt auch eine gute Anwältin geworden.

1:08:47 Marlena Hien: Also, sie kann sich wahnsinnig in Dinge festbeisen und Deep Dives machen und lässt sich halt nicht abspeisen mit so. Das ist halt jetzt so. Die Zahlen sind gerade schlecht, weil das Wetter ist so gut. Es ist halt gerade ein bisschen Sommerpause. Nein. Höchstwahrscheinlich kannst du graben, graben, graben und findest noch ein paar andere Fehler, an denen es gerade liegt.

1:09:03 Feliks Eyser: Das sind geile Founder.

1:09:04 Marlena Hien: Da ist total ihre größte Eigenschaft und ihr größter Skill, glaube ich. Ich bin ein bisschen mehr pragmatisch. Ich habe vielleicht auch oft was Beschwichtigendes reingebracht, wenn sie mehr Highs und Lows hatte. Also das hat schon sehr gut gematcht. Aber du ganz ehrlich, rückblickend in diesen zehn Agenturjahren, ich habe alles von ihr gelernt, was ich kann.

1:09:22 Feliks Eyser: Für wen bist du heute das, was Laurence für dich war?

1:09:27 Marlena Hien: Ich versuche es zu sein jetzt für junge Gründerinnen. Ich versuche es zu sein im Rahmen von der TU München beispielsweise, an der Unternehmertum, darf ich öfter mal ein Seminar geben, eine Case-Study machen und mich irgendwie eine Stunde löchern lassen von den Studierenden. Die dort ja meistens irgendwie entweder bereits gegründet haben oder begleitet werden oder planen, das zu tun. Und das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Ich treffe mich auch mit vielen anderen Gründerinnen, also ich glaube, ich bin generell ein offenes Buch. Was fragen die dich? Was so verschiedene Themen angeht. Es kommt total darauf an, in welcher Phase sie gerade stecken. Also ja, oft geht es um Vereinbarkeit und wie hast du dies und jenes gemacht? Es geht viel um den Excel-Prozess. Also, wenn das relevant wird. Ehrlich gesagt sind wir ja. Teil der wenigen weiblichen Gründerin, die ein Unternehmen verkauft haben. Da gibt es leider, leider wirklich wahnsinnig wenige davon. Eben auch nicht gemischte Founder-Team, sondern wirklich rein weibliche. Das heißt, da kommen viele Anfragen dann zu uns. Da bin ich auch immer wirklich happy, mich drüber zu unterhalten und drüber zu sprechen, wie dieser Prozess auch für uns aussah. Also wer von bis

1:10:29 Feliks Eyser: Wenn dir eine Gründerin ihr Business pitcht, was ist die erste Frage, die du erstellst, um rauszufinden, ob es für dich ein Investment sein könnte?

1:10:36 Marlena Hien: Wozu sie mein Geld braucht.

1:10:39 Feliks Eyser: Die Bootstrapperin investiert in Startups, muss man auch sagen. Okay, was ist da los?

1:10:43 Marlena Hien: Ja, also wie gesagt, Seedstrapping macht Sinn. It's okay, spricht erstmal nichts dagegen. Ich glaube auch, es ist tief in uns drin der Wunsch gewesen, was ans Ökosystem zurückzugeben. Ich sehe mich in Zukunft jetzt nicht als Business Angel, als meinen Hauptjob. Das wird es nicht werden. Aber wahrscheinlich ist ein frisch geexiteter Founder die Nummer 1-Zielscheibe. Wenn es um Mains Investments geht. Also, wenn ich ein Founder wäre auf der Suche nach Investments, dann würde ich mich mal umgucken, wer gerade. Ein Exit gemacht hat.

1:11:18 Feliks Eyser: Genau, Cash ist frisch da. Die Leute denken, mir gehört die Welt, ich weiß alles.

1:11:22 Marlena Hien: Da hast du sehr gute Chancen. Also unser erstes Investment war auch so sechs Monate nach dem Exit und die DD war so. Ah, Lea-Sophie Cramer investiert auch. Okay.

1:11:34 Feliks Eyser: Der Trust, der sich vererbt wie bei Google auf die Brands, in dem Fall die Lea auf dem Captable.

1:11:39 Marlena Hien: Ganz genau.

1:11:40 Feliks Eyser: Und wenn du fragst, wozu brauchst du mein Geld, was ist die Antwort, mit der man sich direkt disqualifiziert?

1:11:46 Marlena Hien: Also ich mag keine VC-Modelle, ja, wirklich, wo es dann nur drum geht, nächste Runde, nächste Runde und in zehn Jahren ist irgendwie vielleicht der Weg zur Profitabilität. Das macht für mich überall. überhaupt keinen Sinn, gerade weil wir ja dann auch wieder im Konsumgüterumfeld viel unterwegs sind mit unseren Angel Investments. Ich mag es auch nicht, direkt so einen riesen Teamaufbau zu sehen. Also ich brauche fünf Leute für XY, weil ich schon finde Gerade in der heutigen Zeit mit AI, du kannst sehr viel erstmal selbst machen.

1:12:13 Feliks Eyser: Ihr habt die erste Million selbst gemacht. Zu zweit. Zu zweit. Nebenher. Ohne AI.

1:12:20 Marlena Hien: Ohne AI tatsächlich noch, ja. Aber auch einfach mit Fleiß, so blöd es klingt, ja. Es ist halt Arbeit, aber ich bin der festen Überzeugung. Wenn du deine eigenen Operations nicht kennst, dann kannst du deine Firma nicht groß werden lassen, dann kannst du sie nicht skalieren. Du musst alles irgendwie mal selbst gemacht haben, um das zu verstehen, um den Maschinenraum zu verstehen. Kannst du mal einen Freelancer dazu holen? Klar. Aber wenn du nicht verstehst, wie auch Marketingkanäle funktionieren, wie willst du denn dann das überblicken und irgendwie wachsen lassen, das ist schon super wichtig, das alles erstmal selbst zu machen. Und echt nun of it is Rocket Science. Schon gar nicht in Zeiten von AI.

1:12:53 Feliks Eyser: Welche Antwort hat dich überzeugt auf die Frage, wofür brauchst du mein Geld? Erzähl mal von den letzten Investments, die du gemacht hast.

1:12:58 Marlena Hien: Also ganz klar, es ist halt wirklich Basic Setup und Warenvorfinanzierung.

1:13:01 Feliks Eyser: Okay.

1:13:02 Marlena Hien: Das ist es erstmal. Und dann möchte ich, wenn ich auf den Businessplan schaue und relativ Straighten Weg zur Profitabilität sehen.

1:13:08 Feliks Eyser: Siehst du Businesspläne?

1:13:09 Marlena Hien: Ja, natürlich.

1:13:10 Feliks Eyser: In welcher Form hättest du die gerne? Also schaust du eine App. Bist du ein Excel oder ein Word-Dokument?

1:13:15 Marlena Hien: Nein, Excel-Dokument.

1:13:16 Feliks Eyser: Okay.

1:13:16 Marlena Hien: Also nicht, dass ich jetzt Der krasse Finance-Nerd wäre, wirklich nicht. Aber ich kann inzwischen den Businessplan lesen.

1:13:23 Feliks Eyser: Worauf schaust du da als erstes in der Excel?

1:13:25 Marlena Hien: Äh, Umsatzentwicklung und dann unten die EBITDA-Entwicklung. Der nächste Monate und Jahre? Das würde mich schon interessieren. Und auch ist das realistisch? Ist es zu viel oder ist es zu wenig? Was sind die Annahmen dahinter? Hat die Person eine gute Einschätzung davon, was ihre Kacke ist? Sein werden, ihre Kundenakquise kosten oder ist das vielleicht ein bisschen far off? Denkt die, sie wird in einem Jahr 20 Millionen machen? Wahrscheinlich eher nicht. Steht da drin, dass sie nur 200. 000 macht? Finde ich unterambitioniert. So, ich möchte schon, dass da ein Grundverständnis da ist für die KPIs und ich sagen kann, ja, das ist plausibel, wenn alles super läuft, kann das so passieren.

1:14:03 Feliks Eyser: Ja, ich finde auch immer, es ist ja auch eher ein Test gar nicht so sehr auf, ist dieser Plan jetzt korrekt oder nicht. Ich meine, das ist eh die Zukunft, das kann eh keiner seriös sagen, aber die Frage dahinter ist ja eher Mit welchen Annahmen gehst du rein? Wie ist die Denkweise? So bist du da abgeklärt oder total naiv? Also so ist ja eher quasi die Frage des Handwerks, wie schaust du auf dein eigenes Business?

1:14:20 Marlena Hien: Ja, völlig richtig. Fairerweise, ich habe ja schon gesagt, ich sehe da nicht unbedingt unsere Zukunft drin. Wir haben einen kleinen Fonds aufgesetzt, der alle Ross und ich zusammen und ein bisschen interessiert.

1:14:30 Feliks Eyser: Wie viel wollt ihr investieren? Die Panda Ventures. Panda Ventures, ja.

1:14:33 Marlena Hien: Projekt Panda war unser erster Projektname für. Die Bärchen, war auch unser im MA-Prozess, machst du ja auch ein Projekt.

1:14:41 Feliks Eyser: Nichts über den Codenamen, dass du ICE nicht über den Firmennamen sprichst.

1:14:45 Marlena Hien: Ganz genau. Der war dann auch sofort Panda, haben wir uns noch einmal angeguckt. Banner. Und so ist die Ventures auch entstanden. Ja, also wir haben ein paar Investments gemacht, aber wie gesagt, ich sehe da nicht unbedingt unsere Zukunft drin, weil Das haben hier ja auch schon klügere Menschen gesagt. Du musst schon auch gewillt sein, dann da ein Portfolio aufzubauen von 30, 40 Investments, damit es überhaupt langfristig Sinn ergibt. Das sind wir, glaube ich, nicht. Auch nochmal weitere Runden mitzugehen, auch das sind wir nicht unbedingt. Und wenn ich dann halt leider auf die Bewertungen sehe, mit denen wir schon rein starten. Pre-Revenue, wenn da schon so hohe Zahlen stehen, dann denke ich mir auch wieder, wo soll denn da für mich ein Business Case draus werden? Jetzt verwässert das noch dreimal und für wie viel willst du dann irgendwann verkaufen? Dann brauchst du ja wieder 100 Millionen Exit. Damit das noch irgendwie Sinn ergibt am Ende des Tages. Also ich tue mir echt ein bisschen schwer mit dem Modell.

1:15:33 Feliks Eyser: Und zu Company Building, also im Sinne von, du bist so eine Art Co-Founderin, aber mit Geld und kannst deine Erfahrung auch einbringen, aber hast dafür auch einen höheren Stake als du der typische Angel sind das Themen, die du dir anschau Oder wie denkst du über sowas nach?

1:15:44 Marlena Hien: Ja, also habe ich so das Thema Advisory Shares, ja. Dass man sowas macht, finde ich schon spannend. Ist jetzt noch nicht dazu gekommen, ehrlich gesagt. Aber klar, es gibt immer mal wieder Modelle, wo ich schon sage. Finde ich richtig spannend.

1:15:58 Feliks Eyser: Gib mir die Modelle. Was findest du spannend? Wenn du sagst, morgen neu gründen mit allem, was du heute weißt, was sind coole Themen. Du musst ja nicht mal selber machen. Hier hören viele Leute zu, die suchen Ideen, dann können wir das zusammen investieren. Oder eben Panda Ventures. Was sind die coolen Themen im Consumer-Bereich, wo du sagst, oh, da müssen wir mal hinschauen.

01:16:11 Oral Care, Tweens, GLP-1: Was sie heute bauen würde

1:16:15 Marlena Hien: Genau, also erstens mein Herz hängen am Consumer-Bereich, auf jeden Fall. Das sind die Sachen, die ich spannend finde. Ich gehe auch nach wie vor mit offenen Augen durchs Drogeriemarktregal. Ich finde immer, das ist eigentlich die beste Inspiration, zu gucken, welche Regale sind eigentlich unterinnoviert, sehen seit 20 Jahren gleich aus, sind vielleicht von zwei, drei Playern dominiert und wo kann man halt auch mal irgendwie mit Innovation rein Oder auch wo kann man einfach was umrenten für eine andere Zielgruppe. Das sind eigentlich die spannenden Modelle Ich sehe das aktuell im Bereich Oral Care, Mundpflege, Mundhygiene, ganz klar. Da gibt es schon erste Themen. Also es gibt erste Doctor Brands in München, Dr. Katharina Bruce zum Beispiel. Die schafft das, eine Zahnfasta mit echt clean Ingredients für. 25 Euro, glaube ich, zu verkaufen.

1:16:57 Feliks Eyser: 25 Euro für eine Zahnpasta. Das geht doch nur in München.

1:17:01 Marlena Hien: Ich würde sagen, ihr Shop sagt was anderes, aber.

1:17:03 Feliks Eyser: Okay, good point.

1:17:05 Marlena Hien: artem von Diana zur Löwen.

1:17:07 Feliks Eyser: Diana zur Löwen auch schon Podcast habe ich sofort gesagt, yes. Hast du investiert?

1:17:11 Marlena Hien: Nee.

1:17:11 Feliks Eyser: Okay.

1:17:12 Marlena Hien: Wir haben uns danach getroffen, aber da habe ich es vorgesagt.

1:17:15 Feliks Eyser: Wie machst du das Sachets? Da nimmst du so ein Pullwork.

1:17:18 Marlena Hien: Produkten. Aber da gerade das Roupting reinzugehen, ein Markt, der wirklich davon irgendwie Procter und was weiß ich total beherrscht ist, wo seit Jahren keine Innovation stattgefunden hat, wo du Die Ingredients scheiße, wenn man mal ehrlich ist. Wenn du mal hinten drauf guckst, sind da ganz viele Sachen drin in der klassischen Zahnpaste, die sind sehr schlecht für dich und deinen Körper. Also du kannst clean reingehen, du kannst functional reingehen. Es gibt im Ausland schon Modelle, wo zum Beispiel Probiotika zugesetzt sind in die Zahnpasta, die dann für die Mundflora oder über die Schleimhautschen aufgenommen werden. Du kannst mit ganz anderen Geschmäckern reingehen. Wir haben hier irgendwie Spermint als Standard Flavor für Zahnpasta. Du kannst alles machen. Also, da ist, glaube ich, die Chance gerade wide open, um etwas früher reinzugehen.

1:18:00 Feliks Eyser: Ja, und du sagst, wenn du sowas beurteilst, würdest du sagen, es ist ein bisschen boring, es ist unterinnoviert, hast du gesagt, so sehr eingespielt und quasi so hygienisch-medizinisch und das könnte mal irgendwie ein bisschen cooler. Disruptance hat bisher keiner gemacht.

1:18:11 Marlena Hien: Genau, einfach teilweise ist es ja wirklich nur so ein lifestyligerer Approach. Also, ich meine, gucken, wir sehen es ja ständig. Im Supplement Markt sehen wir es ständig. Es gibt keine Innovation im Supplement-Markt, wenn wir ehrlich sind. Ab und zu findet man jemand ein neues Trägermedium. Super. Aber was die Wirkstoffe angeht, wir kennen alles seit Jahrzehnten oder sogar seit Jahrhunderten. Es geht eigentlich immer nur darum, klar, es gibt neue Studienerkenntnisse. Das zu nehmen und auf eine neue Zielgruppe zu framen. Guck dir die Elektrolyte-Drinks gerade an. Das kennen wir seit Ewigkeiten. Das haben wir uns in der Apotheke geholt, wenn wir wieder Magen-Darm-Grippe aus dem Kindergarten irgendwie daheim hatten.

1:18:42 Feliks Eyser: Oder zu viel getrunken haben am Abend davor?

1:18:44 Marlena Hien: Ja, gar nicht so wirklich. Das ist halt schon wieder der neue Ansatz. Auf einmal kam raus, das ist ja auch ganz gut für einen Kater. Also können wir es doch direkt als Antikata-Mittel vermarkten. Oder als Performance-Unterstützung für Sportler. Das ist einfach nur ein Rebranding für eine neue Zielgruppe. Das Produkt ist exakt das gleiche geblieben.

1:18:59 Feliks Eyser: Finde ich auch wirklich geil. Ich habe heute Morgen einen Drill getrunken. Wir hatten ja hier David Ross und mit anderen Schüler zusammen macht er diese Brand. Ich finde es super. Ich denke ja, ich nehme da einen Schluck aus Mittelmeer, weil das halt so salzig schmeckt. Aber ich finde es für einen Sport und für einen Podcast, ich habe irgendwie das Gefühl, das ist gut. Aber ich trinke ja Salz und ich denke mir so, wie geil, wie die das hinkriegen, dass sie mir so ein Päckchen Salz von 3 Gramm für 1 Euro verkaufen. Holy shit. Und ich find's auch noch geil. Louche hatten wir auch hier im Podcast so, die beiden Mädels, die das machen, in ein bisschen anderen Kategorien.

1:19:29 Marlena Hien: Gut, ja, der mag das spannend, aber gibt es jetzt auch schon ein paar. Ich finde noch wahnsinnig spannend. Personal Care für Tweens. Für was? Tweens sind 8- bis 13-Jährige. Also die Gruppe vor den Teenagern. Vor allem Mädchen natürlich, immer wenn es um Personal Care geht. Es ist, Kinder kommen immer früher in die Pubertät heutzutage. Die werden auch immer früher natürlich irgendwie so in den Sog von Social Media reingezogen. Und wenn du dich mal am Wochenende in den DM-Markt stellst, bist du mal wieder so. Gruppen von jungen Mädchen sehen, die da abhängen und ihr ganzes Taschengeld ausgeben für Produkte, die überhaupt nicht für ihre Haut geeignet sind. Da ist gerade auch ein großer Gap, wirklich für Personal Care, für Hautpflege, aber auch schon für dekorative Kosmetik, die keine Kinderschminke ist, die aber gute clean ingredients hat, die auf diese Haut auch abgestimmt ist. Wird gerade eine ganz neue Zielgruppe geschaffen oder die gibt es halt jetzt. Das, was vor 20 Jahren die Teenager waren, ja, wo dann Claire Sil reinkam oder ein BB-Johncare, das sind jetzt diese Tweens. Da gibt es, glaube ich, auch gerade eine massive Marktchance. Und das geht hin bis zu so First Period-Kids und solche Sachen. Das kannst du in jede Richtung spielen. Das finde ich super, super spannend. Würde ich mir gerade definitiv angucken. Und wenn ich nochmal Supplements machen müsste.

1:20:49 Feliks Eyser: Jetzt.

1:20:50 Marlena Hien: Dann würde ich gerade GLP One Companions machen.

1:20:55 Feliks Eyser: Uh, wie super. Abnehmspritze.

1:20:57 Marlena Hien: Also Abnehmspritze greift um sich, ne? Die Pille kommt ja auch nächstes Jahr raus, dann wird es noch mal ein Stück mehr demokratisiert. Wir wissen aber, dass es mit Nebenwirkungen einhergeht. Zum einen die Spritze selbst, zum anderen dann durch die rapide Abnahme. Also du hast irgendwie Norder, Schwindel, du hast Verdauungsbeschwerden, du hast Haarausfall, du hast vielleicht Muskelspund. Das sind alles ganz klassische Themen, die du heute schon durch Nahrungsergänzungsmittel sehr gut targetieren kannst. Da könntest du jetzt wunderbar mit einer Brand reingehen, die genau auf diese Zielgruppe Targeted, die irgendwie so drei komplexe mitgibt, genau auf diese Themen abgestimmt, da sehe ich gerade eine Riesenchance für eine geile Brand. Habe ich bisher nichts gesehen. In den USA? Glaube ich, gibt es schon eine, aber selbst da, also ist mir jetzt noch keine bekannt, die da gerade irgendwie schon richtig groß ist.

1:21:43 Feliks Eyser: Gibt's bestimmt schon, aber hier. Ja, wir haben ja eine GP One-Folge gemacht mit einem Arzt hier auch in den USA. Ist ja krass, die Quote von Leuten, die Schmaratmenspritzen genommen haben, ist ja irgendwie 20, 30 Prozent der Bevölkerung. Oder sowas ja gut ist. Wo du sagst, okay, gut, die nehmen ab, den Kalorienbedarf. geht runter, viele von den chronischen Erkrankungen können dadurch präventiv gelöst werden und so weiter. Also glaube ich eines der größten Wundermittel in Anführungszeichen. Absolut. Der letzten Zeit, aber geht damit einher, dass du sagst, gut, du nimmst weniger Kalorien zu dir, musst dann gucken, dass deine Nährstoffe gedeckt sind, dass Protein auch gedeckt ist. Es ist super schwer, genug Protein reinzukriegen, wenn du einfach weniger isst.

1:22:15 Marlena Hien: Genau, und möchte ich da jetzt 15-Nahres Ergänzungsmittel dafür verschrieben bekommen? Nein, ich hätte gerne irgendwie zwei oder drei Komplexe, die die wichtigsten Themen abdecken und dann kannst du hier wirklich Trittbrettfahrer eines der größten globalen Gesundheitstrends sein.

1:22:27 Feliks Eyser: Okay, finde ich geil. Oral Care, Tweens, habe ich mir ein neues Wort gelernt. Und GLP One Companions. Okay, wenn in dem Bereich was machen will, soll ich mir melden. Schick meine Nachrichten dann.

1:22:37 Marlena Hien: Ja, also Wer mir bitte keine Nachricht schicken soll, ist Gründer von Supplement Brands, weil ich habe mein Non-Compiert. Das ist eine LinkedIn-Message, die ich ungefähr dreimal die Woche eintippe. Danke für dein Pitchsteck, es tut mir leid, ich habe ja noch Compete.

1:22:48 Feliks Eyser: Wie lange Geld dann wie bitte dann noch compete noch?

1:22:50 Marlena Hien: Noch eine Weile, glaube ich, solange wir reinvestiert sind, auf jeden Fall.

1:22:54 Feliks Eyser: Was denkst du zu dem Trend? Ich glaube, das ist auch eine starke Meinung. So, Celebrity-Brands gründen Consumer-Marken. Also gibt es da genug Beispiele. Im Supplements-Bereich ist eine der aktuellsten wahrscheinlich IM8 mit David Beckham zum Beispiel. Das ist jetzt irgendwie rot und nicht mehr grün, aber im Grunde ist es quasi quasi auch wieder ein bisschen alter Wein und neuen Schläuchen. Es gibt ja immer wieder, dass Celebrities entweder ihre eigenen Brands starten oder sich dranhängen an eine bestehende Brand. Was ist dein Take darauf? Wenn wir alle dieser Firmen starten, würdest du es von Anfang an mit einer Influencerin, mit einem Influencer machen?

1:23:25 Marlena Hien: Es kommt ein bisschen drauf an. Also, wenn die Influencerin nur Brandface sein möchte Ja, und dass so ein Media for Equity Deal ist am Ende des Tages, halte ich davon nicht so Rasen viel. Die wird beschränken, wie viele Posts sie davon macht und das tritt sich dann irgendwann auch aus. Und wir haben selber gemerkt, der Influencer kann so groß sein, wie er will und so tollen Brandfit haben erstmal auf dem Papier. Der kann auch total im Boden. Das kann überhaupt nicht funktionieren. Und hast du eine Menge Geld versenkt und du hast irgendwie überhaupt nichts davon als Brand. Ist uns selber oft genug passiert. Da ist es immer die Schlagzahl, die Menge, die es am Ende des Tages ausmacht. Deswegen, das würde ich nicht machen. Wenn eine Influencerin dann einen relevanten Business-Gedanken dahinter hat, ja, und auch wirklich gewillt ist, da als Co-Geschäftsführerin aktiv zu sein, langfristig und auch genau weiß, was das mit sich bringt, ja, so ein Start-up, dass du da nicht im ersten Jahr irgendwie Geld rausziehen kannst. Dann ist das was anderes, aber das tun halt die wenigsten. Also ich glaube, viele denken wirklich, jetzt ist Zeit, die Reichweite zu kapitalisieren. Und warum soll ich da eigentlich immer nur einen kleinen Cut kriegen? Kann ich doch auch gleich selber machen und wir haben genug gesehen, die damit auch wirklich an die Wand gefahren sind. Gerade so im Fashion und auch im Konsumgüterbereich. So einfach ist es dann halt doch wieder nicht. Und ich meine, gerade im Profisport ist es ja absurd, ja. Also jeder, der irgendwie seine Profikarriere beendet. Bringt im nächsten Moment eine Supplement-Brand auf den Markt oder eine Proteinbar-Brand. Ich verstehe schon, dass es naheliegend ist und dass du dich viel damit beschäftigt hast im Laufe deiner Karriere. Aber ich glaube echt, viel davon ist White Label. Da schreibt dir jemand: Hey, Bock auf eine Opportunity, wir managen das alles für dich und tun so, als ob das deine Brand wäre. Ja. Und ich glaube, das fällt öfter, als dass es funktioniert. IM8, vielleicht eine rühmliche Ausnahme. Die sind ja schon auf über 100 Millionen Revenue, soweit ich weiß.

1:25:05 Feliks Eyser: In kurzer Zeit, im Jahr 2 oder 3 oder so.

1:25:07 Marlena Hien: Ja, das sage ich jetzt okay, Haken dran. Ist auch fair, AG Bond hat funktioniert, da kam nochmal ein Gegenspieler dazu. Aber da die Kommunikation, die ich gesehen habe, ohne die jetzt vollständig analysiert zu haben, war auch immer ohne David Beckham. Also, da gab es genug Ads, die auf andere Themen abgezielt sind und die ihn gar nicht mitgeschleppt haben. Das muss man jetzt gar nicht unbedingt wissen, dass das seine Brand ist. Und das ist natürlich gut, sich davon auch gar nicht so abhängig zu machen, sondern Das erstmal auch parallel aufzubauen. Das Gefühl habe ich schon.

1:25:34 Feliks Eyser: Ja. Okay. Also du würdest sagen, eine Person, die sich einbringt, die das nicht quasi als so eins von vielen Merchandise-Produkten sieht, sondern sagt, komm, das ist wirklich mein Ding.

1:25:41 Marlena Hien: Ja, die muss den Willen haben, das auch über Jahre durchzuziehen, auch wenn das erstmal null Euro bringt.

1:25:46 Feliks Eyser: Ja. Würdest du das mit einer Celebrity machen oder mit mehreren? Ich hab tatsächlich gestern gerade mit David T. gesprochen, genau der Frage. So, würdest du lieber eine so Leuchtturm Celebrity nehmen oder so fünf, die vielleicht ein bisschen kleiner sind?

1:25:57 Marlena Hien: Also, das sehen wir ja auch gerade, der Celebrity Investor, und why not? Also wenn ich mir Bears angucke aus München, die Porridge Company, die ja Harry Kane und jetzt aber auch Sally von Sallys Welt. Also ganz verschiedene, die alle für sich Sinn machen, für eine Co-Creation und das Gesicht irgendwie auf die Packen zu packen, aber die auch eben wirklich investiert sind. Das ist jetzt schon ein relevanter Case, ja. Das können die noch ein paar Mal machen. Warum soll ich denn irgendeinen VC mit an Bord nehmen, wenn ich auch eine sehr reiche Einzelperson mit einer hohen Reichweite mit an Bord nehmen kann, die eine Audience mitbringt, die am Produkt nochmal mitwirken kann? For die that's einfach an angel investment is, finde ich durchaus spannend, ja, warum nicht?

1:26:33 Feliks Eyser: Was sollte Laura machen mit ihren Female Energy Drinks? Was würdest du ihr mitgeben zum Thema Celebrity Partnerschaften?

1:26:38 Marlena Hien: Yeah, why not? Also, when sie da eine Runde macht, dann finde ich das schon super spannend. Ist auch ein bisschen der Höhle der Löwen-Effekt, ja. Ähm, da auch direkt einen Celebrity-Investor mit einer gewissen Strahlkraft zu haben. Also wenn du schon weißt, du wirst Runden machen, wollen oder müssen. Auch der Lea-Sophie-Cramer-Effekt, wie wir ihn vorher hatten, der existiert ja. Hängt sich dann jeder dran, gucke ich nicht mehr ganz so genau auf den Businessplan.

1:27:00 Feliks Eyser: Lea ist dem nächsten Podcast. Bleib dran. Jetzt abonnieren, dass ihr den Lea-Sophie-Cramer-Effekt halt. Nicht verpasst, wenn die Folge in ein paar Wochen rauskommt.

1:27:08 Marlena Hien: Liebe Gerisse.

1:27:11 Feliks Eyser: Was ist eine Wahrheit, für die du stehst, die viele andere nicht teilen? Was ist dein Contrarian Belief?

1:27:19 Marlena Hien: Um zurück aufs Thema Vereinbarkeit zu kommen, you can have it all, but not at the same time.

1:27:26 Feliks Eyser: Okay

1:27:27 Marlena Hien: Das ist schon was, wofür ich sehr stehe. Ich sehe oft gegenteilige Meinungen. Wenn du dich nur irgendwie gut genug organisierst, kannst du alles haben als Frau heute. Du musst es nur genug wollen. Das sehe ich nicht. Da will ich ehrlich sein. Das hat bei mir nicht funktioniert. Das passiert bei so vielen anderen nicht. Ich glaube, die Dinge folgen irgendwie sequentiell aufeinander, aber es wird immer Standpeine geben, die leiden und die du nicht haben kannst.

1:27:51 Feliks Eyser: Vervollständige den Satz. Der Exit hat mir alles gegeben, außer Purpose.

1:27:56 Marlena Hien: Den nimmt er dir erstmal.

1:27:58 Feliks Eyser: Den nimmt er dir.

1:28:00 Marlena Hien: Da musst du dir einen anderen suchen.

1:28:02 Feliks Eyser: Und der muss jetzt wieder aktiv suchen.

1:28:05 Marlena Hien: Ich habe den schon gefunden aktuell in meiner Familie, in meinen Kindern. Wir haben es ja eingangs gesagt. Das ist der stehende Purpose. Ich bin dankbar, dass der da war. Als Fallback, wenn man so will. Aktuell ist mein Purpose, irgendwie die beste Mutter für meine Kinder zu sein. Seis, indem ich ausgeglichen bin und so wenig gestresst wie möglich und so gesund wie möglich. Das ist jetzt mein Purpose, aber irgendwann wird bestimmt auch wieder ein Business Purpose hinzukommen.

1:28:29 Feliks Eyser: Kannst du dir vorstellen, nochmal voll aktiv zu gründen?

1:28:32 Marlena Hien: Ja, ich kann es mir schon vorstellen, aber nicht jetzt. Also, jetzt ist nicht die Zeit. Jetzt ist dieses Kapitel erstmal abgeschlossen und jetzt ist eben Zeit für die Kinder, Zeit für mich, Zeit für Familie und wenn die größer sind, das geht ja schnell genug und mich vielleicht auch nicht mehr so brauchen, dann kann auch wieder Zeit für Business sein und dann kann ich mir das durchaus noch mal vorstellen, ja. Aber ich muss es auch nicht. Ich muss mir nichts mehr beweisen.

1:28:55 Feliks Eyser: Finde ich gut.

1:28:56 Marlena Hien: Das finde ich schon auch wichtig. Weil ich bin so dankbar dafür, wie alles gelaufen ist. Es war in vielerlei Hinsicht ein Best-Case-Szenario. Wir sind so oft offene Türen eingerannt. Wir hatten so viel Timing und Glück. Und ich will nicht sagen, dass wir nicht Skill hatten und das nicht gut gemacht haben. Das haben wir ganz bestimmt. Aber ich würde niemals verkennen, wie viele Faktoren damit reinfließen, damit das so funktioniert und an wie vielen Stellen es auch hätte schief gehen können. Ich bilde mir nicht ein, dass wir die krassesten Frauen der Welt sind und dass ich das jetzt einfach so reproduzieren kann. Deswegen finde ich das auch gut.

1:29:26 Feliks Eyser: Lena, schön, dass du da warst. Wo finden Leute dich online? Wer soll sich melden? Wer soll sich nicht melden?

1:29:31 Marlena Hien: Also keine Supplement Founder auf der Suche nach Investment, es bringt gerade nichts. Du melden darf sich jeder gerne, wahrscheinlich am besten auf LinkedIn. der Bock hat, irgendwie an die Themen anzuknüpfen, die wir heute so besprochen haben. Ich bin available für Lunch, für Keynotes Für Bordseeds. Also, ja, wer Lust hat, meldet euch. Von Biss.

1:29:54 Feliks Eyser: Schön, dass du da warst. Vielen, vielen Dank für die Einladung.

1:29:57 Marlena Hien: Danke dir.

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