TV-Rekord, Millionen-Funding & das Comeback

mit Jenni Baum-Minkus, Gründerin und Geschäftsführerin von gitti

21. August 2026 · 87 Min

Zusammenfassung

Alle fünf Löwen wollten investieren, 315.000 Euro Umsatz an neun Verkaufstagen, rund zehn Millionen Euro Funding: Jenni Baum-Minkus über gitti, ihren Burnout und den Weg zurück zum Kern.

Jenni Baum-Minkus im Gespräch im Founder-Mode-Studio

Die Idee zu gitti kam aus einer Frage: Was würdest du machen, wenn du keine Angst hättest? Jennis erster Gedanke war Glitzernagellack, und lange war ihr genau das peinlich. Geholfen haben zwei Sätze von außen: Verena Pausder sagte ihr, sie solle mal ihre Handbremse lösen, und Stephanie Caspar erinnerte sie daran, dass Millionen Menschen jeden Tag Nagellack benutzen. Weil die Kosmetiklabore auf ihre Mails nicht antworteten, flog sie einfach hin. Die ersten Muster blätterten ab wie Streuselkuchen, nach anderthalb Jahren startete gitti mit vier Produkten.

Den Launch hat Jenni komplett über Instagram aufgebaut und dabei jedes Problem öffentlich geteilt. Die erste Charge war in weniger als zwei Stunden ausverkauft, daraus entstand eine Drop-Logik: Der Shop war fast immer geschlossen und machte im ersten Jahr an neun Verkaufstagen ein bisschen mehr als 315.000 Euro Umsatz. Bis heute ruft sie jede Woche fünf Kundinnen an, um zu verstehen, was funktioniert.

Dann der Absturz. In drei Jahren wuchs gitti von null auf siebeneinhalb Millionen Euro, gleichzeitig überging Jenni zwei Jahre lang die Signale ihres Körpers. Sie arbeitete bis vier Tage vor der Geburt ihrer Tochter Vollzeit, war sieben Wochen danach zurück und landete mit einem Burnout in der Klinik. Parallel gingen die großen Wetten der rund zehn Millionen Euro Funding nicht auf: Lippenstift, Make-up und Gesichtspflege verwässerten die Positionierung, die Kosten pro Neukundin explodierten, und auch die Internationalisierung in Europa zündete nicht.

Zurück im Unternehmen hat Jenni gitti radikal auf den Kern Nagel zurückgeführt, die Gesichtspflege im Sommer 2025 gestoppt und das Make-up auf die Core Essentials reduziert. Sie erklärt die drei Regeln, nach denen der Handel funktioniert, warum Absagen an Retailer manchmal klüger ist und warum sie heute so klar Nein sagt. Inzwischen wächst gitti bei den Neukundinnen um 100 Prozent zum Vorjahr, und der Mai war der stärkste Monat der Firmengeschichte.

Worüber am meisten gesprochen wurde

Anteil an der Gesprächszeit, berechnet aus den Kapitel-Längen (ohne Intro).
Burnout & Mental Health
24 % · 20 Min
Launch & Community
16 % · 14 Min
Sortiment & Internationalisierung
16 % · 13 Min
Turnaround & Führung
16 % · 13 Min
Idee & erstes Produkt
13 % · 10 Min
Retail
8 % · 6 Min
Fundraising
8 % · 6 Min
Gesprächsverlauf

Kapitel

  1. 00:00Trailer & IntroIntro
  2. 04:17Warum Jenni ihre eigene Idee peinlich fandIdee & erstes Produkt
  3. 09:28Ohne einen Kontakt in die Kosmetikbranche: Wie das erste Produkt entstandIdee & erstes Produkt
  4. 14:35Der Onlineshop, der fast immer geschlossen war: 315.000 Euro an neun VerkaufstagenLaunch & Community
  5. 28:10Burnout und Klinik: Die Signale, die sie zwei Jahre lang übergangen hatBurnout & Mental Health
  6. 47:59Alle fünf Löwen wollten investieren, am Ende kam kein Deal zustandeFundraising
  7. 50:39Warum sie einen Teil der rund zehn Millionen aus Ego eingesammelt hatFundraising
  8. 54:10Warum der Sprung von Nagellack auf Lippenstift und Gesichtspflege nicht funktioniert hatSortiment & Internationalisierung
  9. 01:07:34Douglas, dm und das Regal: Die drei Regeln, nach denen Retail funktioniertRetail
  10. 01:13:54Der Turnaround: Wie Jenni das Ruder bei gitti zurückgeholt hatTurnaround & Führung

Key Learnings

  1. 1

    Wenn keiner antwortet, fahr hin

    Jenni hat wochenlang jedes europäische Patent zu Kosmetikprodukten gelesen und dann große Labore angeschrieben, mit ihrer privaten Mailadresse. Niemand hat reagiert. Also ist sie hingeflogen und stand ohne Termin am Empfang. Beim zweiten Anlauf bekam sie ein Treffen. Die ersten Muster fielen beim Test mit Freundinnen im Wohnzimmer komplett durch, sie hat jede Kritik am Flipchart notiert und weitergemacht. Nach anderthalb Jahren und einem Laborwechsel hatte sie vier Produkte für den Launch.

    09:28 · Ohne einen Kontakt in die Kosmetikbranche: Wie das erste Produkt entstand
  2. 2

    Nimm deine Community auf die Reise mit

    Jenni hat vor dem Launch auf Instagram alles geteilt, auch Fehler wie halb gefüllte Flaschen oder falsch gedruckte Flyer. Die Follower gaben Tipps, kamen vorbei und halfen beim Etikettieren und Verschicken. Als der Shop öffnete, war die erste Charge in weniger als zwei Stunden weg. Daraus entstand die Drop-Logik: An neun Verkaufstagen kamen im ersten Jahr ein bisschen mehr als 315.000 Euro Umsatz zusammen.

    14:35 · Der Onlineshop, der fast immer geschlossen war: 315.000 Euro an neun Verkaufstagen
  3. 3

    Frag nach dem Moment, in dem es sich gut angefühlt hat

    Jenni liest jeden Kundenkommentar und ruft jede Woche fünf Kundinnen an. Ihre Leitfrage: Als du gitti das letzte Mal genutzt hast, was war der Moment, in dem du dich richtig gut gefühlt hast? So erfährt sie, dass es bei brüchigen Nägeln nicht nur um Nagellack geht, sondern darum, sich wieder zu trauen, die Hände zu zeigen. Kundinnen entscheiden bei neuen Farben mit.

    14:35 · Der Onlineshop, der fast immer geschlossen war: 315.000 Euro an neun Verkaufstagen
  4. 4

    Nimm die Signale deines Körpers ernst

    Zwei Jahre lang hatte Jenni keine Periode mehr und hielt das für einen Vorteil, sie schlief wenig und saß morgens um vier am Schreibtisch. Am Hochzeitsmorgen arbeitete sie noch E-Mails weg, bis vier Tage vor der Geburt ihrer Tochter arbeitete sie Vollzeit und war sieben Wochen danach zurück. Es endete mit einem Burnout und einem Klinikaufenthalt. Ihr Rat: Nimm dir immer wieder einen Moment, um in dich hineinzuhorchen, und sei es nur dreimal tief durchatmen.

    28:10 · Burnout und Klinik: Die Signale, die sie zwei Jahre lang übergangen hat
  5. 5

    Hol Geld zum richtigen Zeitpunkt, nicht aus Trotz

    Die ersten Business Angels waren für Jenni kein Ego: Sie brachten Know-how, Netzwerk und Cash, bei Mirko Caspar saß sie auch mal heulend beim Mittagessen. Beim Venture Capital war es anders. Ihr wurde gesagt, als Frau, allein und First-Time-Founder bekomme sie kein Geld. Ihre Reaktion: jetzt erst recht. Heute würde sie genauer schauen, wann sie welches Geld aufnimmt, damit es der Firma zum richtigen Zeitpunkt den Schub gibt.

    50:39 · Warum sie einen Teil der rund zehn Millionen aus Ego eingesammelt hat
  6. 6

    Eine scharfe Positionierung lässt sich nicht beliebig dehnen

    Für die Kundinnen war gitti gesunder Nagellack, keine natürliche Beauty-Marke. Lippenstift, Make-up und Gesichtspflege brachten neue Labore und enorme Komplexität, die Kosten pro Neukundin explodierten. Selbst ein Lippenstift ohne Titandioxid, einen Stoff, der in Lebensmitteln längst verboten ist, interessierte niemanden. Jennis Lektion: Kill your Darlings. Die Gesichtspflege hat sie im Sommer 2025 gestoppt, beim Make-up blieben nur die Core Essentials.

    54:10 · Warum der Sprung von Nagellack auf Lippenstift und Gesichtspflege nicht funktioniert hat
  7. 7

    Geh erst ins Regal, wenn du abverkaufen kannst

    Große Retailer sprechen junge Marken schnell an, aber im Regal kannst du untergehen. Jennis drei Regeln: Erstens brauchst du einen Pull-Effekt, also Nachfrage, die du vorher über D2C aufgebaut hast. Zweitens muss das Produkt im Regal sofort verstanden werden, ohne Gründerstory. Drittens ist Retail eine Partnerschaft, in der du auch Umsatz an den Partner abgibst. gitti hat lange gewartet und steht heute bei Douglas neben der Eigenmarke.

    01:07:34 · Douglas, dm und das Regal: Die drei Regeln, nach denen Retail funktioniert
  8. 8

    Gib eine klare Richtung vor und sag Nein

    Als Jenni zurückkam, war das Team verzettelt, jeder fing irgendwo etwas an. Statt alle abzuholen, hat sie einen klaren Fahrplan vorgegeben: zurück zum Kern Nagel, alles, was darauf einzahlt, wird gemacht, alles andere sofort gestoppt. Auch den Launch-Kalender hat sie ausgedünnt. Dafür musste sie den Glaubenssatz ablegen, das nicht zu können und nicht zu dürfen, obwohl sie die Firma inside out kennt und die größte Anteilseignerin ist.

    01:13:54 · Der Turnaround: Wie Jenni das Ruder bei gitti zurückgeholt hat

Zahlen aus der Folge

unter 2 Stunden
bis die erste Charge ausverkauft war
über 315.000 €
Umsatz an neun Verkaufstagen im ersten Jahr
7,5 Mio. €
Umsatz nach drei Jahren, gestartet bei null
3,50 €
Kosten pro Neukundin in der Anfangszeit
über 3 Mio. €
Seed-Runde nach der Höhle der Löwen
ca. 10 Mio. €
insgesamt eingesammeltes Kapital
100 %
Wachstum bei Neukundinnen zum Vorjahr
20 %
Anteil des Handels am Umsatz

Zitate

Jenni Baum-Minkus lächelt
„Aber irgendwo hinzugehen und zu sagen, das was anscheinend mein Lebenspurpose ist, zu verbessern, ist Nagellack, war lange Zeit super, super schwierig.“
Jenni Baum-Minkus
„… ich kann den Karren so krass in den Dreck fahren, das glaubst du nicht. Die Scheiße spritzt rechts und links. Ich kriege den wieder raus.“
Jenni Baum-Minkus
„… du hast keinen Co-Founder, also du bist alleine und du bist Frau und du bist First-Time-Founder, keiner investiert in dich. Und das war natürlich dann so, wie du sagst mir nicht, was nicht geht. Jetzt erst recht.“
Jenni Baum-Minkus
„Und dann so viel Arbeit und Zeit und Geld und dann zu entscheiden, stoppen wir. Das war hart, das habe ich dann 2025 im Sommer gemacht, aber das war richtig.“
Jenni Baum-Minkus
„Du hast schon was erreicht, dass dich jemand anfragt, aber die Arbeit fängt erst dann an, weil du musst abverkaufen.“
Jenni Baum-Minkus

Über den Gast

Jenni Baum-Minkus

Jenni Baum-Minkus

Gründerin und Geschäftsführerin von gitti · gitti

Jenni Baum-Minkus hat gitti 2018 in Berlin allein gegründet, ohne Kontakte in die Kosmetikbranche. Davor war sie Konzernkind: Ihr erster Job war bei Henkel, zuletzt arbeitete sie im HR bei Coca-Cola. gitti macht Nagelprodukte ohne die Inhaltsstoffe, die früher selbstverständlich drin waren, sie selbst nennt es „Skincare for Nails“. Die erste Charge war in weniger als zwei Stunden ausverkauft, in drei Jahren wuchs der Umsatz von null auf siebeneinhalb Millionen Euro. Bei der Höhle der Löwen wollten alle fünf Löwen investieren, insgesamt hat sie rund zehn Millionen Euro eingesammelt. Nach einem Burnout, zwei Restrukturierungen und der Rückbesinnung auf den Kern Nagel ist gitti heute in jeder Douglas-Filiale in Deutschland und der Schweiz, die Kids-Linie steht bei dm.

Häufige Fragen

Was ist gitti?

gitti ist eine Marke für Nagelprodukte, die Jenni Baum-Minkus 2018 in Berlin allein gegründet hat. Sie beschreibt sie als „Skincare for Nails“: Nagelprodukte, die so gut sind, dass du sie dir auch auf die Haut schmieren könntest, ohne die Inhaltsstoffe, die früher üblich waren. Neben Nagellack gibt es Pflegelacke, die den Nagel beim Tragen stärken, und mit gitti Kids eine Linie für Kinder.

Wie ist der Start von gitti gelaufen?

Jenni hat anderthalb Jahre am ersten Produkt gearbeitet und ist mit vier Produkten gestartet. Die Community hat sie vorher auf Instagram aufgebaut. Die erste Charge war in weniger als zwei Stunden ausverkauft, danach war der Shop immer nur so lange offen, bis die Ware weg war. Im ersten Jahr kamen so an neun Verkaufstagen ein bisschen mehr als 315.000 Euro Umsatz zusammen.

Was ist bei der Höhle der Löwen passiert?

Bei der Höhle der Löwen wollten alle fünf Löwen in gitti investieren, das hatte es in der Sendung vorher noch nie gegeben. Am Ende kam kein Deal zustande. Etwa eine Woche nach der Ausstrahlung verkündete Jenni eine Seed-Runde über ein bisschen mehr als drei Millionen Euro von btov, Grazia und Business Angels.

Warum hat die Expansion von gitti nicht funktioniert?

Mit den rund zehn Millionen Euro Funding sollte gitti auf Make-up und Gesichtspflege ausweiten und in Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und die Nordics gehen. Für die Kundinnen blieb gitti aber gesunder Nagellack, die Kosten pro Neukundin explodierten und jede neue Kategorie brachte neue Labore und viel Komplexität. Auch im Ausland griff das deutsche Playbook nicht. Jenni hat die Gesichtspflege im Sommer 2025 gestoppt, das Make-up reduziert und zweimal restrukturiert.

Wie wichtig ist der Handel für gitti?

Der Handel macht laut Jenni 20 Prozent des Umsatzes aus, ist sehr profitabel und wächst. gitti ist in jeder Douglas-Filiale in Deutschland und der Schweiz, in Premium-Kaufhäusern wie KaDeWe, Oberpollinger und Breuninger, die Kids-Linie steht bei dm. Mit Douglas gibt es exklusive Sets und einen Platz im Adventskalender.

Wie hat Jenni Baum-Minkus ihren Burnout erlebt?

Rückblickend gab es lange Warnsignale: zwei Jahre keine Periode, kaum Schlaf, Arbeit am Hochzeitstag und bis vier Tage vor der Geburt. Sie hat sie übergangen, weil sich die Phase wie ein Rausch anfühlte. Nach dem Klinikaufenthalt haben ihr Therapie und Körpertherapie geholfen. Heute trennt sie Arbeit und Zeit mit ihrer Tochter klar und ist die Stunde vor dem Schlafen nicht am Laptop oder Handy.

Erwähnt in der Folge

Firmen, Personen und Produkte aus dem Gespräch
  • Die Höhle der LöwenSendungAlle fünf Löwen wollten in gitti investieren, ein Novum in der Sendung. Einen Deal gab es nicht.
  • Grace AcceleratorFirmaAccelerator, an dessen allererster Kohorte Jenni teilnahm und den sie am Ende gewonnen hat.
  • Verena PausderPersonRiet Jenni, ihre Handbremse zu lösen, ein Satz, der für sie viel verändert hat.
  • Stephanie CasparPersonEhemalige Digitalvorständin von Axel Springer, erinnerte Jenni an den Impact eines Produkts, das Millionen täglich nutzen.
  • Mirko CasparPersonEhemaliger CEO von Mister Spex und Business Angel bei gitti.
  • btov PartnersFirmaVC-Investor in der Seed-Runde nach der Höhle der Löwen.
  • Grazia EquityFirmaVC-Investor in der Seed-Runde nach der Höhle der Löwen.
  • ShopifyToolShopsystem, über das gitti gestartet ist, mit einem Ton bei jeder Bestellung.
  • GlossierFirmaUS-Beauty-Brand, die damals als großer D2C-Case galt.
  • DouglasFirmaPremium-Handelspartner, gitti steht in jeder Filiale in Deutschland und der Schweiz.
  • dmFirmaDrogeriekette, in der die Linie gitti Kids verkauft wird.
  • noolaFirmaEnergy Drink für Frauen von Laura Dittscheid, die früher bei gitti gearbeitet hat.
  • HenkelFirmaJennis erster Arbeitgeber, mit der Kampagne „Breaks are boring“.

Transkript

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00:00 Trailer & Intro

00:00 Jenni Baum-Minkus: Mir hat jemand die Frage gestellt: Was würdest du machen, wenn du keine Angst hättest? Ich war ein bisschen angetrunken und der erste Gedanke in meinem Kopf war halt so: Glitzernagelack. Und ich dachte: Boah, das kannst du ja auf gar keinen Fall sagen. Ja, hab ich mal rausgefunden, wie toxisch das sein kann und dachte: Boah, irgendwie muss man das besser machen können. Nagelprodukte, die so gut sind, dass du dir die auf die Haut schmieren könntest. Und es hagelte eigentlich nur negatives Feedback. Das hat überhaupt nicht funktioniert. Du hast es aufgetragen. Das Schlimmste war: Der ist getrocknet und dann ist der so wie so ein Streuselkuchen direkt so auseinander geblättert. Du hast keinen Co-Founder, also du bist alleine und du bist Frau und du bist First-Time-Founder. Keiner investiert in dich. Ey, du sagst mir nicht, was nicht geht. Jetzt erst recht. Jetzt erst recht. Was mir wirklich geholfen hat, ist einmal hardcore hinzufallen. Der Körper war einfach Fight and Flight, aber mach's halt weiter.

00:46 Feliks Eyser: Muss ja.

00:46 Jenni Baum-Minkus: Muss ja, so. Aber der Körper hat die Anzeichen schon längst gezeigt, dass da natürlich was auf ist. Ich bin auch schwanger geworden, hab bis vier Tage vor der Geburt Vollzeit gearbeitet. Fliegend und bin sieben Wochen nachher Vollzeit wieder zurück. Der Preis war zu hoch. Das ist auch eine meiner Superpowers. Ich kann den Karren so krass in Dreck fahren, das glaubst du nicht. Die Scheiße spritzt rechts und links. Ich krieg den wieder raus. Das weiß ich.

01:19 Feliks Eyser: Jenny, kannst du mir noch eine Geschichte erzählen, wie du mit dem Zylinder Fundraising gemacht hast?

01:25 Jenni Baum-Minkus: Ja, also du weißt ja, ich bin First-Time-Founder und ich war damals einfach wahnsinnig aufgeregt vor jedem potenziellen Investor-Gespräch, was ich hatte. Und nicht nur, dass ich praktisch jeden Begriff damals erstmal googeln musste, wenn dann irgendwie jemand so gesagt hat, ja, convertible oder so. Und ich immer so, ja, erst mal dann so. Und ich glaube aber, um einfach in so ein Setting zu kommen, dass ich leichte Gespräche führen kann, habe ich mir dann damals, ich bin eine sehr fleißige Festivalgängerin und hatte so ein Outfit mit so einem Zylinder und habe mir dann irgendwie diesen Zylinder aufgezogen. Und wir hatten damals im Prenzlauberg so eine ganz kleine Remise, die war mini klein drin. Und ich bin dann immer draußen, so vor der Remise auf und ab gelaufen, bei dem Gespräch mit dem Zylinder drauf. Aber es hat mir einfach so ein bisschen das Gefühl, hey, am Ende des Tages ist eh alles nur so. Es ist manchmal auch so ein bisschen wie Monopoly. Und ich glaube, ich war locker rein in den Gesprächen. Ich meine, ich habe auch zu der Zeit mit dir gesprochen. Du müsstest das eigentlich besser beurteilen können, wie ich gewirkt habe.

02:27 Feliks Eyser: Ja, ich weiß nicht. Als wir gesprochen haben, hattest du einen Zylinder an oder nicht? Aber also die Idee finde ich so geil, sich selber so ein bisschen Selbstbewusstsein aufzusetzen oder so zu tun, als wäre das ein Spiel auch ein Stück weit.

02:38 Jenni Baum-Minkus: Ja, ich glaube, Leichtigkeit dem Ganzen zu geben. Ich glaube vielleicht, bei dir hatte ich das nicht, weil wir hatten ja das von Mallorca und so irgendwie, aber ich glaube grundsätzlich, wenn du da auf einmal mit jemandem sprichst, aus meiner Erfahrung, okay, Leute, super erfahren in der Industrie oder irgendwie selber gegründet, dann hat das mir irgendwie so eine Spur Leichtigkeit gegeben und ich konnte, glaube ich, auch ja, ich konnte wahrscheinlich auch ein bisschen besser einfach verhandeln, weil ich das alles ein bisschen lockerer genommen habe.

03:07 Feliks Eyser: Was macht Gitti heute, wenn es jemand noch nie gehört hat? Wie erklärst du es?

03:11 Jenni Baum-Minkus: Gitti ist Skincare for Nails. Ich würde sagen, wir machen, musst dir vorstellen, Nagelprodukte, die so gut sind, dass du dir die auf die Haut schmieren könntest.

03:22 Feliks Eyser: Mache ich aber nicht. Ich schmier's mir nicht auf die Haut.

03:23 Jenni Baum-Minkus: Genau, und das ist der Punkt. Früher, musst dir vorstellen, waren Nagelprodukte wahnsinnig chemisch und eine lange Zeit waren auch Inhaltsstoffe drin, die tatsächlich im Verdacht standen, krebserregend zu sein, sich auf deinen Hormonhaushalt auswirken können, etc. Und all das haben wir praktisch rumgedreht. Also du musst dir, ich hatte mal eine schöne Beschreibung dafür. Du stell dir mal vor, du gehst in irgendwie so ein Sternerestaurant und isst das geilste Tiramisu in deinem gesamten Leben. Also du denkst dir so, boah, das erste bisschen so oft in der Zunge zerfließt. Und du spürst eigentlich schon Zucker, Sahne etc. So geile Beauty-Produkte machen wir. Nur das alles halt ohne Zucker, ohne Sahne, richtig gesund.

04:05 Feliks Eyser: Ach geil, okay. Man kennt das von früher. Ich erinnere mich, wenn meine Mom da so Nagellack gemacht hat. Das hat so gerochen, also man ist da so ein bisschen high geworden.

04:10 Jenni Baum-Minkus: Ja, genau. Das war früher und das machen wir halt alles nicht. Ich glaube, das ist am einfachsten, zu erklären, was wir tun.

04:17 Warum Jenni ihre eigene Idee peinlich fand

04:17 Feliks Eyser: Ich habe einen LinkedIn-Post von dir ausgedruckt. Ich muss die Sachen ausdrucken, um sie zu verstehen. Ich sehe auch nicht mehr so gut in meinem Alter. Du hast geschrieben, am Anfang habe ich mich manchmal sogar dafür geschämt. Nagellack? Kann das wirklich das sein, wofür ich alles gebe? Bei einem NTV-Interview hast du mal gesagt, meine Idee war mir peinlich.

04:36 Jenni Baum-Minkus: Ja. Ja, also du kennst ja die Geschichte. Es kam ja so irgendwie, ich habe das nicht geplant, Gitti zu gründen, sondern mir hat jemand die Frage gestellt, was würdest du machen, wenn du keine Angst hättest? Ich war ein bisschen angetrunken und der erste Gedanke in meinem Kopf war halt so Glitzernagellack. Und ich dachte, boah, das kannst du ja auf gar keinen Fall sagen. Aber geile Frage, muss ich drüber nachdenken. Und dann bin ich ja in der Nacht nach Hause, habe mich meinen Rechner gesetzt, habe das erste Mal in meinem Leben über Nagellack recherchiert, rausgefunden, wie toxisch oder giftig das sein kann. Das ist ja lange Zeit schon her, als ich damit gestartet habe. Und dachte, boah, irgendwie muss man das besser machen können. Und ich beschreibe diese Nacht so wirklich, als hätte mich ein Blitz getroffen. Ich war wie obsessed, hat mal jemand zu mir gesagt. Weil ich war so, ich wollte alles darüber verstehen. Jede Inhaltsstoffe, die Ausdruckung auf den Körper, auf die Umwelt, alles. Und ich konnte nicht anders als weiterzuarbeiten oder auch diese Produkte zu entwickeln. Aber gleichzeitig fand ich das natürlich auch mega peinlich, Nagelack. Ich hätte gedacht, warum konnte ich nicht irgendwie Weltfrieden oder irgendwas. Aber es ist bis heute Nagellack. Aber irgendwo hinzugehen und zu sagen, das was anscheinend mein Lebenspurpose ist, zu verbessern, ist Nagellack, war lange Zeit super, super schwierig. Also ich hatte gerade so eine Kohorte von einem Accelerator bei mir, wo ich damals auch drin war. Und ich habe denen auch noch gesagt...

06:08 Feliks Eyser: Grace Accelerator, oder?

06:10 Jenni Baum-Minkus: Genau, Grace, die waren letzte Woche bei mir zu Besuch und ich meinte, am ersten Tag, als ich damals daran teilgenommen habe und ich habe ja die allererste Kohorte auch gewonnen nachher, habe ich zu denen gesagt, ich wollte nach Hause gehen. Ich habe mich nicht getraut, diesen Nagellack, ich hatte so ein Nagellack-Sample in der Hosentasche, ich habe mich nicht getraut, den rauszunehmen. Ich habe abends zu meinem Mann gesagt, ich kann morgen auf gar keinen Fall wieder hingehen, weil alle haben natürlich erzählt von diesen riesengroßen Tech-Ideen und welche Märkte man alle revolutionieren. Und ich dachte so, boah, ich habe diesen Nagellack, ich kann das nicht bringen. Und ich glaube, was vielleicht zwei Gespräche, die wirklich einen Unterschied gemacht haben, war einmal damals ein Gespräch mit Verena Pausder, wo die so zu mir gesagt hat, ey boah, ich höre dir zu und denke mir einfach nur so, löse mal deine Handbremse. Ja, also irgendwie, als würde ich mich die ganze Zeit selber ausbranden. Und Stephanie Caspar, die ehemalige Digitalvorständin von Axel Springer, hat zu mir gesagt, es ist unfassbar, dass du dich so klein machst, weil dieses Produkt wird tagtäglich von Millionen Menschen auf dieser Welt benutzt und das machst du besser. Was ist das für ein Impact? Und ich glaube, da habe ich langsam mal so angefangen, okay, das ist so verständlich, ist irgendwie so Nagellack und auch Beauty, ist ja irgendwie so ein bisschen weich, weiblich, irgendwie gefühlt lächerlich. Damals dachte ich so und ich so, nee, ich bewege da wirklich was extrem Großes.

07:33 Feliks Eyser: Krass. Erstmal die Frage, was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest, dass es stark, die dich beeinflusst hat? Und dann aber auch das Feedback von außen. Hey, du läufst hier auf Handbremse oder die andere Frage. Das hat doch einen Impact. Wie wirst du dir selber dann quasi die Erlaubnis gegeben, da groß zu denken, all in zu gehen? Imposter-Syndrom haben ja viele Founders. Sagen, bin ich gut genug? Ist meine Idee groß genug? Alle anderen machen das irgendwie besser, schneller, höher, weiter. Raisen mehr, machen mehr Umsatz, was auch immer. Wie ist dein mentales Modell mittlerweile mit ein bisschen Abstand?

08:00 Jenni Baum-Minkus: Ja, also ich würde sagen, einen riesigen Vorteil, den ich für mich habe, ist diese unfassbar intrinsische Motivation. Also ich saß ja damals nicht da und habe gedacht, wie werde ich jetzt möglichst schnell reich, sondern es war einfach, boah, Nagelack, ich will das besser machen. Und das ist wie eingeimpft. Ich glaube, das treibt mich immer an, weiterzumachen. Und du kennst ja auch die Geschichte, Höhen, aber auch verdammt viele Tiefen, irgendwie immer weitermachen zu wollen. Ich glaube, diese intrinsische Motivation ist das, was mir so viel Kraft gibt. Aber ich brauche anscheinend auch die Spiegelung von außen, wo mir mal jemand hilft und sagt, nach dem Motto, das war ja so handreichen, löst doch mal die Handbremse. Das war ihr einer Satz. Und ich bin nach Hause gegangen und ich habe gedacht, boah ja, jetzt mache ich es. Also das war irgendwie, und das ist irgendwie schön. Das habe ich also beiden auch mal, oder öfters tatsächlich auch gesagt, was manchmal so ein Treffen oder vermeintlich für die ja so eine Aussage, an die sie vielleicht gar nicht mehr erinnern konnten, was das für einen Impact eigentlich auf mein

09:10 Feliks Eyser: Leben hatte. Mega. Shoutout an Verena. Ja.

09:14 Jenni Baum-Minkus: Und an Stephanie.

09:16 Feliks Eyser: Und es gibt ja viele Fonderte daraus, die sagen, hey, ich habe da irgendwas in mir drin, ich sehe ein Problem, ich will irgendwas besser machen. Ich will ein besseres Fahrrad für Kinder bauen, einen neuen Energy Drink rausbringen. Ich will eine bessere Schokolade produzieren. Wie kommen wir jetzt zu einem MVP, zu einem Minimum Viable Product bei so einem physischen Produkt? Du kamst ja nicht aus dieser Branche. Du wusstest ja nicht, wen hast du als erstes angerufen. Wie macht man das quasi, wenn man ein physisches Produkt bauen will, zu überlegen, wie funktioniert das denn eigentlich?

09:28 Ohne einen Kontakt in die Kosmetikbranche: Wie das erste Produkt entstand

09:43 Jenni Baum-Minkus: Also ich glaube, wahrscheinlich heute fragst du Claude. Aber damals, bei mir ging es los, dass ich wirklich wochenlang in so einer, also wenn ich, ich glaube nochmal einen Schritt zurück. Wenn ich von was überzeugt bin, dann bin ich sehr nerdy. Dann kann ich nicht aufhören. Dann will ich alles verstehen. Ich habe dann über Wochen lang noch so Excel-Tabellen aufgesetzt und habe jeglichen, also ich habe jedes Patent in Europa zu Kosmetikprodukten gelesen und wollte jeden Inhaltsstoff verstehen, welche Auswirkungen der eigentlich auf den Körper hat und auf die Umwelt. So habe ich angefangen. Das war ein Riesendokument. Da war noch gar nicht am Anfang so, oh, da ist ein Produkt. Und dann kam halt so jemand, der sagt, jetzt hast du so viel recherchiert, was machst du damit? Und ich so, ich könnte ja ein Produkt machen. Und dann habe ich mir praktisch theoretisch überlegt, ja, wie müsste denn so ein Produkt aussehen? Und Nagellack, also für dich, vielleicht als nicht so häufiger Nutzer, ist extrem kompliziert, also technisch. Weil du musst dir ja vorstellen, das ist ja ein Produkt, das ist flüssig in der Flasche, aber sobald du es auf den Nagel aufträgst, soll es super schnell trocknend, extrem deckend sein. Das heißt, du hast zum Beispiel einen roten Nagellack, du willst ja jetzt nicht dreimal drüber streichen, sondern du willst direkt einen tollen roten Abstrich auf deinem Nagel haben. Dann soll das glänzen und dann soll das extrem lange halten. Und das alles wollte ich jetzt machen in Natürlich. Also habe ich mir überlegt, wie das aussehen sollte. Also auch ein bisschen, vielleicht ein bisschen naiv. Ja, so wie könnte man das denn machen? Und dann habe ich Labore angeschrieben. Die sind in der Kosmetikindustrie. Ungefähr so groß wie Coca-Cola in der Getränkeindustrie. Und dann auch noch ganz geil für dich einfach. Was habe ich mir damals eigentlich gedacht? Mit meiner E-Mail-Adresse. Weißt du, die noch so deine private E-Mail-Adresse. Vorname, Nachname und Geburtsjahr.

11:33 Feliks Eyser: Adweb.de, Adhotmail.

11:34 Jenni Baum-Minkus: Nee, war schon mit Google. Aber ich dachte mir gleich.

11:37 Feliks Eyser: Okay, das ist seriös.

11:38 Jenni Baum-Minkus: Das war total. Okay, hat sich natürlich kein Mensch gemeldet. Ich sage mir sowieso. Dann bin ich ja hingeflogen.

11:47 Feliks Eyser: Okay, aber das ist ja krass. Stopp. Ja. Weil an dem Punkt sagen ja viele, dann schreibe ich noch meine E-Mail. Vielleicht probiere ich an. Da trennt sich ja vielleicht so ein bisschen die Sprache vom Weizen. Zu sagen, okay, jetzt pass mal auf.

11:59 Jenni Baum-Minkus: Ja, dann habe ich so gedacht, ey Mann, ihr seid so blöd. Für mich war da schon so, boah, das ist doch eine Riesen-Opportunity. Jemand muss mich anhören. Hingeflogen, am Empfang, beim ersten Mal keine Chance.

12:11 Feliks Eyser: Hat das da keinen Termin, oder was?

12:13 Jenni Baum-Minkus: Nee, keinen Termin. Es hat ja niemand reagiert. Niemand. Ich habe gesagt, ich muss jetzt, wenn muss ich vor Ort sein. Ich habe gesagt, ich muss mit jemandem sprechen. Dann bin ich da hin. Die so, ja, nee. Und dann meinte sie so, das Einzige, was wir machen können, sie können jetzt hier sich die Kontaktdaten mitnehmen. Ich sage Bescheid. Sie können noch mal eine E-Mail schreiben, das noch mal erklären. Das habe ich dann noch mal gemacht. Und dann war so, okay, wir können uns treffen. Dann bin ich noch mal hin. Dann habe ich das vorgestellt. Und der dachte nur so, ich glaube, der hat gedacht, ich bin ein Freak. Aber irgendwie, keine Ahnung, dachte er vielleicht, okay, Freak, let's try. Dann habe ich das mit denen probiert. Aber das war eine komplette Katastrophe. Also ich habe dann die ersten Muster erhalten, war natürlich mega stolz, die ersten Muster, die man nach Hause schickt. Ich hatte dann auch direkt schon sämtliche Freundinnen eingeladen zu so einem Produkttesting-Roundtable. Ich hatte ja kein Büro, also im Wohnzimmer. Ich hatte dann damals noch so ein schönes Flipchart aufgestellt. So alle saßen da mit dem Sample, haben die so aufgetragen und es hagelte eigentlich nur negatives Feedback.

13:17 Feliks Eyser: Hat nicht funktioniert das Produkt, oder?

13:19 Jenni Baum-Minkus: Nein, es hat überhaupt nicht funktioniert. Du hast es aufgetragen, es hat überhaupt nicht, die Farbe ging also mäßig auf den Nagel, aber das Schlimmste war, der ist getrocknet und dann ist der so wie so ein Streuselkuchen direkt so auseinander geblättert. Aber ich weiß, ich stand da, habe mir das alles angehört. Ich habe das alles so aufs Tippschott gemacht, was ich so verbessern muss. Es war nicht, dass ich dachte, ich habe einen schlechten Job gemacht. Es war einfach nur okay, muss ich verbessern, verbessern, verbessern. Und was immer schon alle gesagt haben, boah, die Farbauswahl, also die Farben, die ich mir so gedacht habe oder angemessert, das fanden sie gut. Und long story short, ja, mit dem ging es nicht weiter. Dann habe ich tatsächlich, irgendwann hat er mir Dokumente geschickt. Und auf ein Dokument war ein anderer Supplier. Und über den habe ich dann ein anderes Labor gefunden. Also irgendwie immer weitermachen bin ich dann bei einem gelandet, der dann gesagt hat, pass mal auf, finde ich irgendwie spannend. Und mit dem habe ich dann die erste Charge auf den Markt gebracht.

14:13 Feliks Eyser: Wie lange hast du dich da durchgehustelt, bis du diese erste Charge, die funktioniert hat, in der Hand hattest?

14:18 Jenni Baum-Minkus: Also anderthalb Jahre hat das gedauert. Dann hatte ich drei Farben. Und einen, das nennt man so, du machst erst so eine Grundierung auf den Nagel. Und dann nachher so einen Abschluss. Also insgesamt hatte ich vier SKUs zum Launch.

14:33 Feliks Eyser: Krass.

14:34 Jenni Baum-Minkus: Ja.

14:35 Der Onlineshop, der fast immer geschlossen war: 315.000 Euro an neun Verkaufstagen

14:35 Feliks Eyser: Und du hast dir das, auch eine Story, die sich bei mir eingeprägt hat, in so eine Art Drop-Logik verkauft. Du hast mir erzählt, dein Online-Shop, der war dann immer geschlossen. Ich dachte, wie geil ist das? Also so ist das jetzt Genius oder quasi, warum ist der Online-Shop zu?

14:47 Jenni Baum-Minkus: Ja, also ich meine, damals, erst mal vielleicht ein Privileg hatte ich natürlich. Ich war da ja vorher was ganz anderes gemacht. Ich war davor wirklich so Konzernkind, Coca-Cola, HR. Ich glaube, ich hatte das Glück, weil der Job war natürlich ganz cool. Den hatte ich gekündigt. Ich hatte so ein bisschen Savings. Das heißt, ich konnte mich selber so gut über Wasser halten. Aber ich hatte ja jetzt nicht Riesengeld, da irgendwie so eine Marketingkampagne zu starten. Das heißt, das Einzige, was ich halt damals gemacht habe, ich habe von Anfang an halt auf Instagram, das wäre jetzt acht Jahre, das sehr, krass. Auf Instagram da meinen Account aufgemacht und hatte am Anfang irgendwie sieben Follower, sechs Freunde und jemand, der sich...

15:31 Feliks Eyser: Die aus dem Wohnzimmer im Flipchart?

15:33 Jenni Baum-Minkus: Weiß ich noch gar nicht, ob die alle schon Instagram hatten. Hab da halt irgendwie immer so erzählt, was ich mache etc. Und glaube, ich hab so meine ersten Follower da aufgebaut und dann war aber klar, ich war eine One-Women-Show. Ich saß, dann bin ich ins Esszimmer. Ich habe das Esszimmer bekommen, da war mein Arbeitsplatz, da war dann auch die Ware, da war alles und ich hatte diesen Shopify-Store und es war am Anfang so, okay, ich wollte, dass der praktisch bekannt ist und an dem Tag launche ich. Deswegen war vorher, konnte man sich auf ein Newsletter anmelden und ich habe dann halt immer über Instagram alle mitgenommen, alle Ups und Downs, was man ja, keine Ahnung, habe ich die erste Charge bekommen, dann waren die nur halb gefüllt, die Flaschen Und so, alle Leute haben es mitbekommen. Und dann habe ich den Shop geöffnet, weil ich dachte, eigentlich launche ich jetzt. Da war nicht im Kopf, ich habe so eine Drop-Logik. Es war eigentlich am Anfang so, okay, bis dahin können Leute meiner Reise schon folgen. Ich öffne den Shop und mal gucken. Und was aber an dem Tag passiert ist, ist, ich saß da zu Hause vor diesem Shopify und ich so, ach, ruf noch meine Mama an und sag so, ja, gleich geht's los. Ich drücke hier auf Start. Da hatte ich ja so eine E-Mail raus, an meine, die sich da schon subscribed hatten, an die Subscriber-Liste. Und dann dachte ich so, boah geil, jetzt ist der Shop ja offen. Und dann dachte ich so eigentlich, boah, was passiert denn eigentlich jetzt, wenn keiner bestellt? Und ich bin mit der so am sprechen und auf einmal höre ich nur so Bing, Bing, Bing, Bing. Und ich so, Mama, ich muss auflegen, ich weiß nicht, was das ist.

17:09 Feliks Eyser: Da stehen Kunden im Shop.

17:11 Jenni Baum-Minkus: Ja, und ich hatte irgendwie da Sound halt eingestellt, dass bei jedem Verkauf halt ein Ton kam. Und dann gibt es so ein View in Shopping World, wo du halt so Deutschlandkarte siehst. Und dann sehe ich halt, wie so Kreise sich bilden. So irgendwie Hamburg, München, Duisburg, Köln, Berlin und ich nur so. Und in weniger als zwei Stunden war die komplette erste Charge ausverkauft. Und darüber ist dann im ersten Jahr tatsächlich diese Genius-Drop-Logik entstanden. weil maximal 24 Stunden und dann war immer die Ware ausverkauft, die ich halt damals hatte. Und dann habe ich im ersten Jahr an neun Tagen ein bisschen mehr als 315.000 Euro Umsatz gemacht damals.

17:56 Feliks Eyser: Krass. Getrieben durch Instagram und Building in Public, würdest du heute sagen, so eine Disziplin machen viele Founder. So damals, wenn wir acht Jahre zurückgehen, so hat das keiner gemacht. Da war das ja neu, dass du da dokumentierst, wie du da im Wohnzimmer stehst.

18:08 Jenni Baum-Minkus: Und sämtliche Failures, also ich war, heute ist ja schon cool, wenn man einfach Content sieht und dann Licht und der richtige Ton und so alles. Ich war da, ich habe einfach, ich habe gedacht am Anfang, das war auch gar nicht so intentional, also überlegt, glaube ich so, oh, ich baue da jetzt eine Community. Ich habe sehr oft einfach auf meine Intuition gehört, was ich gut anfühlte. Und ich war ja alleine und ich dachte, okay, wenn ich das einfach mit Leuten teile, ich habe super viele Rückmeldungen bekommen. Leute haben mir auch gesagt, hey, keine Ahnung, hatte ich einen Flyer falsch gedruckt. Und die so, ja, du musst es dann praktisch anders auswählen, diesen Druckbereich. Und ich war so, ich war halt mit allen Sachen nicht allein. Ja, ich meine, heute machst du, fragst du ChatGPT. Aber das war halt, ja genau, die haben mitgeholfen. Und die kamen zu mir nach Hause, weil damals habe ich die Produkte dann ja auch noch alle selber gelabelt, selber verschickt. Und ich brauchte irgendwie, haben Leute einfach geholfen. Die fanden es irgendwie einfach cool, bei was dabei zu sein.

19:14 Feliks Eyser: Heute, wenn man mit Leuten aus dem Umfeld spricht, die sagen so Community Building, das ist so eine von deinen Superpowers. Ich glaube, da ist mehrere, aber Community Building gehört dazu. Gib mir mal so die Mini-Masterclass in der Rückschau, jetzt acht Jahre später. Was hast du gelernt über Community Building? Was andere Founder sich abschauen können bei dir?

19:31 Jenni Baum-Minkus: Also ich glaube Nummer eins, dass ich immer sehr, sehr nah am Kunden bin. Also wirklich verstehe, was sind deren Probleme, was suchen die, was muss gelöst werden. Und damals glaube ich einfach der sehr nahe Austausch und halt schon sehr früh halt dann immer eingeladen Frauen, bei der Nutzung zugeschaut, gehört, was passt, was fehlt. Heute lese ich jeden einzelnen Kommentar durch den Kunden und zurückmelden bezüglich auf Produkte, um einfach wirklich zu verstehen, was ist das Problem oder wir laden nach wie vor Kunden zu uns ein. Ich spreche mit denen, rufe in der Woche fünf Kunden an, um nachzuvollziehen, okay, was hat gut funktioniert, was nicht. Ich glaube, ich bin einfach sehr, sehr nah am Kunden.

20:19 Feliks Eyser: Hast du eine gute Frage, die man denen stellen kann in solchen Gesprächen, die Erkenntnisse liefert?

20:23 Jenni Baum-Minkus: Ja, für mich ist immer so, als du Gitti das letzte Mal genutzt hast, was war der Moment, wo du dich richtig gut gefühlt hast? Und dann kommt entweder, wir haben gerade eine neue Serie auf dem Markt gemacht, das sind Pflegelacke, die gleichzeitig den Nagel stärken während des Tragens und dann ist so wirklich, ich musste mich nicht mehr schämen, meine Hände zu zeigen. Und du denkst dir so, ja, aber wenn du wirklich so sehr dünne und brüchige Nägel hast, manchmal ist dann auch die Nagelhaut eingerissen oder so, es führt dann dazu, dass sich Frauen einfach nicht trauen, also unsere Zivu ist natürlich überhaupt nicht trauen, ihre Hände auf den Tisch zu legen. Und das ist natürlich, weißt du, also das ist nicht mehr, da sprichst du nicht nur von Nagelack, sondern das ist auch Zugehörigkeitsgefühl. Also weil in dem Moment, wo du dich nicht traust, dich zu zeigen, bist du irgendwie auch nicht so richtig Teil des Umfeldes, wo du gerade bist. Also wirklich da reinzugehen, finde ich spannend. Also ich glaube, dieses sehr nah an dem Kunden zu sein ist super relevant, den Kunden auch wirklich mit einzubeziehen. Wir machen ja viele Produkte, Drops, Launches, wo Kunden die Farben mit entscheiden, wo ich Rückmeldung kriege, welche Farben müssen noch gelauncht werden. Also die haben wirklich so ein Mitbestimmungsrecht. Und ich finde, was den Untersuching gemacht hat, ob du wirklich eine Community hast, ist so, bist du wirklich authentisch mit dem, was du da baust. Also ich glaube, Leute merken das sehr gut. Ist das jetzt ein Tool, um oder ist da jemand oder eine Marke auch generally interessiert daran, eine Bewegung zu starten? Ich finde, das ist einfach was, was man spürt.

22:10 Feliks Eyser: Müssen bei einer guten Community die Leute auch untereinander interagieren oder reicht es, wenn die dir Feedback geben, du mit denen in Kontakt bist und es sozusagen eine Beziehung ist zwischen der Firma und den Einzelpersonen oder hast du das Gefühl, man muss ja auch zusammenbringen, Events veranstalten? Also was macht ihr in die Richtung?

22:25 Jenni Baum-Minkus: Voll. Also ich glaube, dieses auf der einen Seite natürlich mit uns der Kontakt, das hilft jetzt für die Produktentwicklung, aber für die untereinander sich zu vernetzen, sich auszutauschen. Ich glaube, was jetzt viel mehr kommt, ist bei uns wirklich wieder physische Events, beziehungsweise unsere Facebook-Community ist schon groß, dass man sagt, okay, da tauschen die sich untereinander aus. Weil ich glaube, dann passiert ja auch die Magic. Interessant, auch bei Beauty-Produkten ist es so, dass wirklich Nummer eins, wie entdeckst du eigentlich ein neues Beauty-Produkt ist, hat es dir eine Freundin empfohlen. Weil es gibt halt so viele Produkte am Markt, aber wem vertraust du? Du vertraust deiner Freundin. Und ich glaube, das ist natürlich eine Power für uns, dann auch mit einer starken Community. Du hast allein gegründet.

23:13 Feliks Eyser: One-Woman-Show, zumindest in der Company. Das klingt so, als hättest du hunderte von Frauen gehabt, die mitgeholfen haben mit der einen oder anderen Varianten. aber als Gründerin warst du erstmal alleine. Wie gehst du mit der Einsamkeit um, die mit Gründen insgesamt einhergeht, aber für Solo-Founder nochmal krasser wirkt?

23:32 Jenni Baum-Minkus: Ich glaube, das hat lange gedauert, dass ich das überhaupt verstanden habe, dass ich da auch alleine bin mit vielen Dingen. Und ich habe ja in der Zeit auch immer mal wieder mit reingabt, sogar zeitweise eine Co-Geschäftsführerin und Leute, die natürlich auf der Management-Ebene Sparingspartner sind, aber was es wirklich bedeutet, wenn du so eine Vision hast, was du bauen möchtest und jemand von Anfang an nicht damit bei ist, dann kann der das nie nachvollziehen und ich glaube, ich habe heute immer noch keine Lösung für mich gefunden, wie ich eigentlich damit umgehe, dass viele Punkte sind, wo ich einfach alleine mit der Entscheidung bin. Ich glaube, es ist einfach de facto, ich glaube, ich muss einfach mehr akzeptieren, dass es einfach so ist und dass es auch ein Teil dieser Geschichte ist.

24:33 Feliks Eyser: Was ist für dich das Härteste daran? Ist es die Entscheidung, allein zu treffen? Ist es weniger Bandbreite zu haben? Ist es das Gefühl, nicht zu haben, es gemeinsam zu machen, mehrere Schultern zu haben? Ist es was ganz anderes?

24:45 Jenni Baum-Minkus: Im Gegensatz, ich mag total gerne Entscheidungen treffen, weil ich habe eine Vision von dem, was ich bauen möchte und es hilft sehr gut, dass ich dann auch sagen kann, okay, ich muss jetzt nicht unbedingt an der Stelle direkt alle abholen, sondern ich kann schnelle Entscheidungen treffen. Es ist eher gesamt ich als Person. Also es gibt ja Jenny als Gründerin und Geschäftsführung von Gitti, aber als Person trage ich halt viel und ich glaube, das kann halt niemand nachempfinden, was das eigentlich bedeutet. Für mich mit all den Rollen, dann nämlich habe ich eine Rolle irgendwie Mutter und Partnerin und ich auch selbst, aber was das bedeutet, diese Rolle so alleine zu tragen. Ich glaube, das ist eher dieses so, manchmal das Bedürfnis oder ich habe das Bedürfnis, dass jemand nachvollziehbar ziehen könnte, was das bedeutet, was ich auch trage. Aber vielleicht geht das uns allen so, dass das gar nicht geht.

25:55 Feliks Eyser: Ja, ich war auch Solo-Founder. Dann später zweiten Geschäftsführer reingeholt. Der ist dann auch lange geblieben. Das hat in dem Fall gut funktioniert. Ich denke mir, auf der einen Seite hat es ja auch was Positives, schnell zu sein, die Entscheidung zu treffen, die sofort umzusetzen, sich nicht mehr abstimmen zu müssen und natürlich auch den Nummer-eins-Risikofaktor im Startup zu eliminieren, nämlich Co-Founder-Konflikt. Das ist ja Nummer eins Grund, warum Firmen scheitern. Und dann startest du zu zweit oder zu dritt und dann bist ein Team, dann hast du irgendwie, zoffst du dich irgendwie, ein halbes Jahr ist die Company gelähmt, dann geht eine Person raus, dann musst du die ersetzen. Also da scheitern ja auch ganz viele Companies da dran. Ich glaube, erstmal legitim zu sagen, okay, das Risiko nimmt man ein Stück weit raus. Aber ich glaube, gerade dann ist es halt umso wichtiger zu überlegen, okay, was ist mein Support-System sozusagen, so Mentoren, Advisor, andere, Founder, also quasi zu überlegen, wie kann ich mir da einfach mehr Stabilität brauchen, weil ich weiß, ich bin da halt auch ein bisschen allein auf Warteflur.

26:47 Jenni Baum-Minkus: Ja, das auch. Oder ich glaube jetzt für meine persönliche Reise auch darauf achten, dass ich immer eine gute Verbindung zu mir selbst habe. Weil klar, du hast immer Leute, die dir Sparing vom Außen geben und das ist super hilfreich, aber am Ende des Tages ist das ja auch mein Leben und das muss sich auch für mich gut anfühlen in allem. Und ich glaube immer, diesen Raum haben, dass man auch wieder so mit seiner inneren Stimme sich connecten kann. Die war ja zum Beispiel, finde ich, für mich rückblickend einer der Erfolgsfaktoren, warum Gitti so erfolgreich geworden ist. Ich habe ja intuitiv die Sachen gemacht, vom ganzen Anfang an. Und irgendwie hat es ja dazu geführt, dass es gut geworden ist. Und ich glaube, das ist für mich so, das ist für mich relevant, dass ich, obwohl ich weiß, dass ich mit vielen Dingen, dass ich die alleine tragen muss, dass ich immer Raum habe, irgendwie immer wieder mich mit mir selbst zu verbinden. Was will ich denn da eigentlich auch? Weil, weißt du, dann ist es oftmals im Außen, alle wollen was von dir und alle haben andere Haltungen und jetzt ist sowieso die ganze Zeit 24-7, wirst du mit irgendwas beschadet, dann ist es ja manchmal so, man hört ja gar nicht mehr, was man eigentlich selber möchte. Und so dieser inneren Stimme auch wieder so eine Lautstärke geben. Und dann noch Grenzen setzen, weißt du, das möchte ich. Und das fässert, das glaube ich so für meine Reise sehr.

28:10 Burnout und Klinik: Die Signale, die sie zwei Jahre lang übergangen hat

28:10 Feliks Eyser: Was hat dir dabei geholfen, diese innere Stimme besser zu hören?

28:14 Jenni Baum-Minkus: Was mir wirklich geholfen hat, ist einmal, würde ich sagen, hardcore hinzufallen. Also du kennst es ja, ich war ja auch eine Zeit draußen, ich war in der Klinik, ich hatte ein Burnout. Und das war so auf sehr harte Weise erleben, was ist, wenn ich den Kontakt zu mir selbst verliere. Und dann Gott sei Dank halt dort mit unterschiedlichen Sachen, Therapie, aber vielleicht auch Körpertherapie etc. überhaupt wieder so mir einen Zugang zu mir selbst zu schaffen. Und damit ich wieder mit dieser Energie, mit der Klarheit, mit dem Fokus auch wieder zurückkommen kann zu Gitti und die nächste Phase einleuten kann. Ich hätte es mir gewünscht, ich hätte es ein bisschen sanfter gelernt.

29:01 Feliks Eyser: Das ist eine harte Lektion.

29:04 Jenni Baum-Minkus: Oder vielleicht sogar öfters im Leben, dass man denkt, in den schwierigsten Phasen lernt man irgendwie aber doch am meisten.

29:12 Feliks Eyser: Wie hat sich dieser Burnout angekündigt?

29:15 Jenni Baum-Minkus: Rückblickend, interessanterweise, denke ich, vielleicht gab es ein anderes Ereignis, aber ich erinnere mich an ein Board-Meeting mit unserem Beirat und da wurden irgendwie Marketing-Kampagnen gezeigt und so. Und da sagte jemand aus dem Beirat, der so, hm, okay, und das ist Gitti? Und ich saß da nur so und hab da so drauf geguckt und ich dachte, nee, was ist das. Und ich glaube so, da habe ich kurz gemerkt, dass ich das glaube ich gar nicht mehr alles gerade so aufnehmen konnte. Also jetzt kann ich sehr schnell, ich kann sofort sagen, ja geht hinein, so was passt uns, was nicht, aber rückblickend, und ich weiß nicht, vielleicht hat es dann da Vorzeige, aber war das so, wo ich so dachte, oh, ich glaube es war off. Du hast dich

30:00 Feliks Eyser: disconnected gefühlt, zu dir selber, aber auch zu der Company?

30:03 Jenni Baum-Minkus: Zu mir selber, zu der Company und gemerkt, irgendwas ist auf jeden Fall off track. aber zu dem Zeitpunkt habe ich noch nichts umgesetzt dann. Das war jetzt nicht so, ich merke irgendwas ist komisch und ich muss irgendwas machen. Ich weiß nur rückblickend das war so ein Moment, wo ich dachte, irgendwie ist mir das ein bisschen unwohl gerade, aber mach es halt weiter. Weitermachen.

30:31 Feliks Eyser: Muss ja.

30:33 Jenni Baum-Minkus: Weitermachen. Geht schon.

30:35 Feliks Eyser: Hast du andere Zeichen, wo du heute sensibler drauf schaust oder was auch andere Fahne mitnehmen können, zu sagen, oh ja, das ist ein Zeichen, aber bevor ich die mal ignoriere, sollte ich mal kurz Pause drücken und überlegen, was das eigentlich bedeutet, die du jetzt im Nachhinein erkennst, aber in der Situation nicht erkannt hast?

30:48 Jenni Baum-Minkus: Also viele körperliche Zeichen. Ich hatte de facto zwei Jahre meine Periode nicht mehr. Das war aber damals, dachte ich so, boah, ist ja super, ja, weil ihr kennt, ne? Als Mann kann man es nicht nachempfinden, dann ist einfach im Monat so ein paar Tage, wo man einfach irgendwie off ist. Aber das hatte ich ja nicht mehr. Ich war ja einfach, die war weg. Also war gefühlt, vier Wochen kann ich gleiche Leistung geben. Selbst für meine Verdauung. Also ich hätte, dass man ganz normal auf Toilette geht jeden Tag, war für mich nicht mehr. Also ich glaube, der Körper war einfach fight and flight. Aber das habe ich wahrgenommen und dachte halt so, ich hatte ja immer noch diese, ich habe ja nie gedacht, ich muss machen. Es war gleichzeitig auch so wie so ein Rausch. Es war so schön. Also ich habe so viel bewegt in so einer kurzen Zeit. Also als jemand noch nie gegründet. Kein Kontakt zur Startup-Industrie. Beauty so highly competitive. Und auf einmal launcht du ein Produkt und wog Deutschland bis Japan, redet da drüber. Und irgendwie, weißt du, in drei Jahren von null auf siebeneinhalb Millionen Euro. Das war so bang. Was habe ich denn da gemacht? Und es war auch wie so ein Ich will weitermachen, aber der Körper hat die Anzeichen schon längst gezeigt, dass da natürlich was offen ist. Bis ich das aber erst mal gemerkt habe, dass ich da irgendwie was ändern muss, das hat bestimmt noch eineinhalb Jahre gedauert. Habe ich auch da noch so weitergemacht.

32:33 Feliks Eyser: Der Körper sendet die Alarmsignale, irgendwo geht da so ein rotes Lämpchen an im Cockpit, Schaut da kurz rüber und registriert es auch, aber ist eigentlich auf einem ganz anderen Film. Die fliegt da gerade die Rakete. Keine Zeit da drauf zu achten.

32:44 Jenni Baum-Minkus: Und es war so, ja.

32:47 Feliks Eyser: Der nächste Launch, der nächste Pitch.

32:49 Jenni Baum-Minkus: Ja, die nächste Runde. Es war halt einfach, es war halt auch Euphorie. Es war Euphorie. Ich habe dann auch lange Zeit sehr wenig nur geschlafen, aber ich dachte einfach, boah geil, ich wache ja morgens um vier auf.

33:05 Feliks Eyser: Bin ich noch produktiver?

33:06 Jenni Baum-Minkus: Ich bin sofort am Schreibtisch und war so, krass, ich muss auch sagen, ich habe wirklich viel geschafft. Also es ist so, ich habe wirklich in der Zeit, dachte ich so, ich war wahnsinnig produktiv. Und es fühlte sich in der Wahrnehmung damals auch alles total richtig an.

33:27 Feliks Eyser: Ich glaube, man kann es ja auch ein Stück weit erzwingen, eine Weile lang. Ich glaube, man kann sich auch ein Stück weit erzwingen, nicht krank zu werden. Bei mir habe ich das Gefühl, wenn ich so eine Woche habe, jetzt so ein Recording nach einem anderen tausend Termine, da werde ich nicht krank. Aber der Klassiker ist, an dem ersten Tag, wo du in Urlaub fährst oder wo du Stress nachlässt, Adrenalin runtergeht, boom.

33:42 Jenni Baum-Minkus: Ja, ja. Aber das habe ich gar nicht zugelassen. Ich bin zu der Zeit gar nicht, ich bin sogar, ich habe ja dann geheiratet, ich habe an dem Tag irgendwie, ich glaube für viele Frauen ja Hochzeitskleid aussuchen, das war für mich alles, ja nee. An dem Tag habe ich dann morgens früh mein Kleid abgeholt, das war falsch genäht, da habe ich gedacht, ist jetzt egal, hinten aufmachen, zunähen, so, bin an dem Morgen früh aufgestanden und habe dann noch gesagt, ich muss noch was wegarbeiten. Hast du ein paar E-Mails gemacht? Ich habe noch gedacht, während der Hochzeitsreise, das muss ich aber jetzt machen, also rückblickend denke ich mir natürlich so, wieso habe ich mir nicht mal einen Moment Pause gegönnt, das wäre jetzt nicht auf die Gesamtlaufzeit, da wäre nichts hinten runtergefallen. Aber ich war einfach, ich wollte das einfach so. Das fühlte sich richtig an. Ja, und ich glaube, wo es irgendwann körperlich wirklich nicht mehr ging, ich bin in der Zeit, ich bin jetzt ja 42 und da war natürlich irgendwann klar, oh, was kommt mit Kindern? Und meine damalige PR-Beraterin Und dann hat ihre Tochter, oder wollte ihre Tochter, war so ein Prozess, Kinder, und sagte zu mir, denk mal drüber nach, ob du nicht später irgendwann bereust, wenn du jetzt keine Kinder kriegen würdest. Weil das war für mich ja zu dem Zeitpunkt, keine Kinder. Und dann dachte ich so, ja okay. Und dann dachte ich so einfach, ja okay, mache ich. Aber ich hatte ja gar keine Tage. Also dann dachte ich, okay, ich muss jetzt zum Arzt. Ich brauche noch Hormontherapie. Spritzen. und dann war so, okay, wie kann ich jetzt die Chance erhöhen? Insemination, bin auch schwanger geworden, habe bis vier Tage vor der Geburt Vollzeit gearbeitet, was für mich Minimum zwölf Stunden am Tag waren, liegend in den letzten Tagen und bin sieben Wochen nachher Vollzeit wieder zurück. Und das hat mir nachher der Preis war zu hoch.

36:00 Feliks Eyser: Was gibst du der Jenny von damals mit?

36:04 Jenni Baum-Minkus: Heute viel Verständnis, weil sie wusste das in dem Zeitpunkt einfach nicht besser. Und auch viel Mitgefühl. Also jetzt kann ich das sagen, es gab eine Zeit, da habe ich mich dafür abgestraft.

36:26 Feliks Eyser: Das ist dann das Nächste, dass du sagst, okay, du bist da so im krassen Execution-Modus, da fallen viele Sachen hinten runter, ach, ich sollte mal wieder Sport machen, das ist die softeste Variante, meine Beziehungen leiden drunter, meine Kinder leiden, also du bringst ja irgendwie Opfer. Und der nächste Gedanke ist dann zu sagen, ja scheiße, was bin ich denn hier für eine Mutter, Vater, Partner, was auch immer, sondern bist ja wieder im Negativen drin, weil man allen Ansprüchen gerecht werden will gleichzeitig.

36:49 Jenni Baum-Minkus: Aber das war natürlich auf einmal, ich konnte nicht, auf einmal kommt ein Kind und alles ändert sich. Und das habe ich auch gefühlt, also das habe ich wahrgenommen. Aber ich war noch in diesem Autopiloten, der ja da funktionieren muss. Und ich glaube, da ist es gekommen, dass einfach das Gefühl oder das Bedürfnis clashte gegen diese, was ich mir da so angezogen hatte, von dem ich dachte, das ist der Weg ja auch, um erfolgreich zu sein oder das umzusetzen, was ich von der Vision, die ich habe. Und das ist so stark aufeinander geklechtet. Und da brauchte ich viel Zeit, das ja auch zu verstehen oder auch mit mir sanft zu sein, dass ich das heute überhaupt so sagen kann. Also wahrscheinlich hättest du mich vor einem Jahr gefragt, dann wäre noch nicht so viel Verständnis dafür da gewesen, dass das so ist.

37:44 Feliks Eyser: Und was hat dir dabei geholfen jetzt im Nachhinein?

37:49 Jenni Baum-Minkus: Definitiv natürlich auch Therapie, viele Gespräche, viel auch Körpertherapie, weil ich gemerkt habe, dass bei mir ganz viel auch im Körper festgehalten hat. Und ja, es ist am Ende des Tages so viel Arbeit an einem selbst. Und was aber so schön ist, weil heute ist interessant, also kann ich sagen, Gitti war noch nie so erfolgreich wie heute. Ich habe mich noch nie so bei mir gefühlt und auch bei dem, wo ich genau weiß, das sind meine Stärken, das kann ich extrem gut. Ich würde auch sagen, dass ich heute somehow all das balanciere und viel achtsamer oder verständnisvoller mit mir bin von all diesen Rollen, all diesen Dingen, die ich trage. Also am Ende habe ich wahnsinnig viel davon mitgenommen und auch gelernt. Aber ja, es hört wahrscheinlich auch nicht auf. Wenn wir in dem Jahr sprechen, gibt es wahrscheinlich nochmal eine Dimension oder ein Fünf.

38:57 Feliks Eyser: Tausende von V9 hören bei der Episode zu, aber viele von euch wissen gar nicht, dass man den Channel abonnieren kann, um die nächste spannende Folge kommenden Freitag nicht zu verpassen. Wenn ihr die nicht verpassen wollt, dann drückt den Abo-Button und wir sind euch für immer dankbar. Meinst du, du musstest durch dieses Tal durchgehen und wieder an den Punkt zu kommen, wo du jetzt bist?

39:17 Jenni Baum-Minkus: Ich glaube, wie ich unterwegs war, was ich da so gewählt hatte, war das, glaube ich, erkennbar, dass das nicht nachhaltig ist. Ich glaube, da gab es nicht, du kannst mal kurz aussteigen. Ich glaube, ich musste so voll Karacho einmal gegen die Wand. Aber eine Sache, von der ich es so weiß, das ist auch eine meiner Superpowers. ich kann den Karren so krass in den Dreck fahren, das glaubst du nicht. Die Scheiße spritzt rechts und links. Ich kriege den wieder raus. Das weiß ich. Das ist so. Das ist auf jede, aber wirklich auf jeden Bereich in meinem Leben bezogen, weiß ich, das ist wirklich, das ist Jennys Superpower. Einer meiner Superpower.

40:06 Feliks Eyser: Und damit einhergehend aber natürlich auch das Risiko. Wenn ich weiß, dass es so ist, dann fahre ich vielleicht nicht so vorsichtig.

40:12 Jenni Baum-Minkus: Ja, ja, ja. Also ich glaube, das jetzt, okay, sag niemals nie, vielleicht ist auch manchmal ein bisschen das Alter oder so, dass ich jetzt achtsamer bin oder ich einfach weiß bestimmte Sachen, ja, schön, dass du das denkst, dass das so sein müsste, ich glaube das anders oder dass ich auch einfach mir auch mittlerweile natürlich total vertraue in der Rolle, die ich in der Firma habe, ja, ich kenne unser Business inside out, ich weiß, was ich aufgebaut habe und damals war das natürlich, ja klar, wenn du das noch nie gemacht Wie gesagt, kommt von, du trägst ein Zylinder, wenn du mit Leuten sprichst, hin zu, jetzt ist da natürlich total viel Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Das war eine lange Reise, da hinzukommen.

41:00 Feliks Eyser: Glaubst du, es gibt so unteachable lessons, die man selber gespürt haben muss, um sie zu verinnerlichen? Ich denke mir das manchmal, wenn ich mit jungen Faunern arbeite, dann probiere ich ja auch zu sagen, komm, geh mal in Urlaub, mach mal Pause. es ist im Sinne der Company, wenn du irgendwie frischer bist. Meine besten Entscheidungen habe ich getroffen, wenn der Kalender leer war, wenn ich woanders war. Probiert es ein bisschen so rational rüberzubringen. Aber ich merke, das geht links rein, rechts raus. Sagen die, was will der mir jetzt erzählen? Also ich merke, das ist unteachable auf eine Weise.

41:30 Jenni Baum-Minkus: Bestimmt schon, aber vielleicht auch natürlich ja, ich würde dir auf jeden Fall zustimmen, aber vielleicht auch, was kriegt man für Vorbilder oder welche Vorbilder prägen einen. Ich weiß, das war mein erster Job bei Henkel. Da gab es eine Employer Branding Kampagne über den gesamten Campus. Da stand, Breaks are boring. Das ist halt auch die Frage, okay, natürlich mancher, was lebt, also wie zeigt man, wie geht das? Und ich finde zum Beispiel, heute wird es so wahnsinnig viel über Nervous System Regulation und was das bedeutet gesprochen. Ich glaube, ja, ich hoffe oder wünsche mir, dass nicht jeder diese Erfahrung machen muss, sondern dass man manchmal vielleicht auch einfach so sieht, oh, ah ja, das sehe ich bei dem Person, der das gemacht hat, muss ich nicht unbedingt direkt machen, vielleicht justiere ich vorher was.

42:26 Feliks Eyser: Es gibt irgendwie beides Gefühl. Es gibt ein bisschen mehr Achtsamkeit. Leute machen Sport, trinken weniger Alkohol, sind gesund. Also diesen Strom nehme ich von auf der anderen Seite. aber schon auch so Silicon Valley geprägt, Hustle Culture, 996, 100 Stunden sind sustainable, hat ein Gast hier neulich gesagt, der zieht durch, der baut auch eine geile Company. Damit die Frage ist halt nur, es ist halt so lange sustainable, bis es nicht mehr sustainable ist.

42:52 Jenni Baum-Minkus: Und das ist auch natürlich für jeden anders. Jede Lebensphase ist anders. Und es kann ja auch mal sein, dass man das paar Monate macht, aber die Frage ist, wer kann das über Jahre oder was für ein Setup bist du da? Ich meine, am Ende des Tages jede Geschichte ist unique. Wir alle sind so.

43:10 Feliks Eyser: Was gibt es so Fondern auf dem Weg, die gerade in diesem Hustle drin sind? Die sagen, ja, Obsession ist so meine Superpower und die Ambition und so, aber ich weiß noch nicht, wie ich mit der dunklen Seite sozusagen davon umgehe.

43:21 Jenni Baum-Minkus: Ich glaube, dieses wirklich mit sich selbst in Kontakt bleiben. Wirklich mit dem, weil ich finde, also im Kontakt bleiben bleibe ich nicht hier oben, ja, Ego, sondern wirklich mal Bauchgefühl. Kurz mal hören, weil es ist alles immer so laut und so und dann denkt der Kopf noch ja, ja, noch mehr und wenn man sich aber einfach mal einen Moment Ruhe nimmt oder ist ja auch manchmal nur ein paar Mal tief ein und aus, dann hatte ich jetzt, als ich hingekommen bin, ja, irgendwann der Tag, hab ich dir erzählt, eigentlich so voll nervig und da dachte ich ganz kurz, so einmal kurz und irgendwie merkt man, man fährt runter und dann mal kurz so reinhorchen und dann hab ich gemerkt, oh, ich freu mich, ich freu mich, dass ich hier sein kann, ich freu mich mit dir zu sprechen und so und der Advice wäre, sich den Moment zu nehmen, nochmal so in sich selber hineinzuhorchen.

44:11 Feliks Eyser: Kurz innehalten.

44:12 Jenni Baum-Minkus: Ja.

44:13 Feliks Eyser: Kurz durchatmen. Ja. Nicht das Handy nehmen. Was ich als erstes mache, die E-Mails immer checken, Slack checken, irgendwas könnte passiert sein, Dopamin.

44:20 Jenni Baum-Minkus: Ja, ja, voll, voll, voll. Ja, ja, voll. Weiß ich auch genau, wenn man das sagt, aber wenn man dann einmal so kurz so... Das finde ich übrigens ganz geil an Kindern, weil wenn du wirklich mit dem Kind im Moment bist, dann bist du einfach da. Und dann merkst du auch, irgendwann melke ich dann, oh, jetzt werde ich auch ein bisschen müde, ah ja, entspannt, ah ja, jetzt könnte ich auch besser schlafen.

44:40 Feliks Eyser: Schaffst du das komplett? Ich erwische mich da immer so, dass ich dann mit den Kids unterwegs bin und probiere da zu sein, aber irgendein Background-Thread in meinem Kopf sagt dann immer noch, hier, musst du den Podcast vorbereiten, hier, dies Investment, da wartet gerade einer auf Feedback zum Businessplan. Also irgendwie diese Background-Threads, die laufen bei mir immer. Und ich glaube, ich bin besser darin geworden, mich da jetzt nicht zu judgen. Im Sinne von, ich bin da jetzt irgendwie so sauer, weil ich irgendwie hier nicht da bin. Aber so richtig 120 Prozent mich drauf einlassen, fällt mir manchmal schwer.

45:08 Jenni Baum-Minkus: Ich höre das auch, auf jeden Fall. Aber ich kann mich besser drauf einlassen. Aber natürlich auch diese Geschichte geprägt. Heute ist es so, wenn ich weiß, ich bin mit meiner Tochter, dann bin ich mit meiner Tochter. Und ganz witzig, wenn ich das so zulasse, dann mein Spiel, also ist heute ganz anders. Ich merke auch, was so ein Kind in mir ist. Dann bin ich im Spiel. Und dann kann ich das so lassen. Aber wenn ich dann zum Beispiel aus der Tür raus bin oder im Büro, dann ist anderer Schalter.

45:38 Feliks Eyser: Wie hast du es geschafft, diesen Schalter zu installieren? So wie ich das Gefühl habe, viele Leute laufen durchs Leben, inklusive mir. Das Licht ist nie ganz an, nie ganz aus. Es ist so flickering dazwischen. Und ich glaube, das ist ein scheiß Zustand. Da denke ich mir so, wie komme ich da hin, zu sagen, entweder bin ich da auf eins oder auf null. Wie hast du diesen Schalter kultiviert bei dir?

45:59 Jenni Baum-Minkus: Ja, ich glaube, das kommt zurück zu diesem, was ich gemerkt habe, was mich innerlich immer unruhig gemacht hat, ist, wenn ich versucht habe, alles gleichzeitig zu machen. Da habe ich richtig gemerkt, wie kirre ich bin und egal, was ich gemacht habe, fand ich nichts geil. Ich fand die Sachen, die ich bei der Arbeit erledigt habe, nicht geil. Ich fand mich auch als Partnerin in solchen Phasen nicht cool. Ich fand mich nicht als Mama cool. Und dann war so, nee, ich entscheide mich jetzt. Ich möchte jetzt gerade mit meiner Tochter spielen. Und klar kommt dann, gestern Abend hatte ich noch spät, muss ich was rausschicken. Das kommt dann. Aber dann kann ich wirklich sagen, okay, schicke ich nachher raus, wenn sie schläft. Und ich lasse mich dann wirklich ein. Wahrscheinlich braucht es auch Übung wie alles im Leben. Und das genauso, wie wenn ich in der Firma bin. Früher war dann gleich, dann habe ich noch hier was an der Seite. Manche Leute sagen, ich bin dann so schlecht, mich zurückzumelden bei WhatsApp oder so. Aber heute kann ich das liegen lassen. natürlich tickern mich tausend Leute an und wollen irgendwas dann sag ich so, nee, jetzt bin ich bei der Arbeit jetzt erledige ich das vielleicht habe ich an dem Tag keine Zeit, mich irgendwo zurückzumelden weil am Abend bin ich mit meiner Tochter und dann bin ich auch müde und dann schlafe ich und das bedarf auch Training und natürlich dann auch das Aushalten dass man nicht auf jedem Kanal irgendwie responsive ist also ich glaube, wenn du gerade ich habe irgendwie 70 ungelesene WhatsApp-Nachrichten das ist halt so

47:22 Feliks Eyser: Ich glaube, das ist auch so eine gute Erkenntnis, wenn man in so einer Position ist, wenn ständig Leute was von einem wollen, zu sagen, ja, ich muss ja auch nicht auf alles reagieren. Also, mein E-Mail-Inbox ist ja nicht meine To-Do-Liste. Ich will ja keine crowdsourced To-Do-Liste von irgendwelchen Leuten, die mir schreiben. Also, ich habe meine eigenen Prioritäten. Also, das fällt mir auch schwer. Aber im Grunde ist es ja so. Also, nur weil mir jetzt jemand schreibt, muss ich nicht antworten.

47:44 Jenni Baum-Minkus: Ja, genau. Und früher habe ich sehr schnell dann reagiert. Dann will der noch einer was und die noch und dann, keine Ahnung, du bist noch bei LinkedIn und dann bist du noch bei Instagram und dann denkst du, wann soll ich das denn alles machen? Ich kann das heute besser liegen lassen.

47:59 Alle fünf Löwen wollten investieren, am Ende kam kein Deal zustande

47:59 Feliks Eyser: Erzähl mal von Fundraising. Guck mal hier, ich hab noch einen LinkedIn-Post von dir.

48:05 Jenni Baum-Minkus: Geil, das war bei die Höhle der Löwen. Das war geil. Da hab ich echt mal TV-Geschichte geschrieben.

48:10 Feliks Eyser: Das find ich so krass. Alle fünf Löwen wollten investieren. Das gab's davor noch nie, dass du in der Show warst und alle gesagt haben, wir wollen da rein. Aber du schreibst auch, und das war wahrscheinlich das letzte an dieser Reise, das sich leicht angefühlt hat. Also da hat sich auch schon was angekündigt, schon darüber gesprochen. Erzähl mal, wie Fundraising weiterging. Du hast ja keinen Deal angenommen aus der Show, aber danach hast du alle outraced.

48:30 Jenni Baum-Minkus: Ja, witzigerweise war das, das kam dann tatsächlich zeitgleich, dass irgendwie die Ausstrahlung, dann dieses Ereignis und eine Woche später war eigentlich das Announcement, das war ein bisschen mehr als drei Millionen, habe ich dann damals eingesammelt von btov, Grazia und ein paar Business Angels.

48:55 Feliks Eyser: Also die ersten beiden sind VC-Funds, institutionelle Investoren und dann Privatpersonen.

48:58 Jenni Baum-Minkus: Genau.

48:59 Feliks Eyser: Drei Millionen geraced im ersten Schritt.

49:00 Jenni Baum-Minkus: Genau. Beziehungsweise das war schon die Seed. Ich hatte schon eine Pre-Seed gemacht. Und es war, ich meine zurückblickend auf das, ich habe das ja vorhin zu dir erzählt, von Null auf siebeneinhalb Millionen in dieser kurzen Zeit mit Nagellack. Ja, da war natürlich bei allen, es war noch mal eine Zeit, da war es natürlich sehr heiß, gerade Consumer-Sachen zu machen. Da gab es Glossier, diesen riesen Case aus den USA.

49:30 Feliks Eyser: Da gab es andere D2C-Brands, da gab es die Matratzen, Casper und so weiter, Warby Parker, Away, die für Koffer. Also da gab es eine ganze Kohorte von D2C-Brands, wo alle gesagt haben, ah krass, es wird keine Retailer mehr geben, die Kunden kaufen alle online, die Brands sehen alle cool aus. Shopify war jetzt durch die Decke gegangen, das war so diese Zeit.

49:46 Jenni Baum-Minkus: Ja genau und das war, wir hatten early on, wir hatten CACs von 3,50 Euro.

49:52 Feliks Eyser: Akquisitionskost, also ein Kunde hat euch 3,50 Euro gekostet.

49:55 Jenni Baum-Minkus: Das ist ja so.

49:57 Feliks Eyser: Und hat für 20, 30 Euro eingekauft.

49:59 Jenni Baum-Minkus: Ja, 35, damals war der Warenkorb noch nicht so optimiert, aber du dachtest ja eigentlich, ja geil. Und natürlich das mit Nagellack und da kam natürlich schnell die Assumption, okay, mit dieser Positionierung, die wir ja haben, Kosmetik besser zu machen oder gerade auch Farbkosmetik, dachte man, okay, die kann das ja von Nagel auf Make-up ausweiten. Und dann war natürlich, boah, das wird ja eine...

50:26 Feliks Eyser: Das wird der nächste Beauty-Konzern.

50:27 Jenni Baum-Minkus: Das wird der nächste Beauty-Konzern.

50:28 Feliks Eyser: Milliarden Umsätze.

50:29 Jenni Baum-Minkus: Ja, genau. Fast.

50:31 Feliks Eyser: Fast. Du bist auf dem Weg.

50:33 Jenni Baum-Minkus: Ja, ja, ja. Und wie gesagt, ich kann gut diesen Karren da immer rausholen.

50:39 Warum sie einen Teil der rund zehn Millionen aus Ego eingesammelt hat

50:39 Feliks Eyser: Du hast aus Ego-Gründen geraced, hast du mir im Vorfeld erzählt. Was heißt das?

50:44 Jenni Baum-Minkus: Ich glaube, das was am Anfang, vielleicht muss man das unterscheiden, ich glaube, was nicht Ego war, war meine ersten Investments, Business Angel Investments, weil das waren einfach Leute, von denen ich so dachte, boah, die haben so Know-how irgendwie. Das ist ja so ein bisschen wie wir jetzt zu sprechen. Man sucht sich auch Leute aus, mit denen kann man direkt beim Mittagessen quatschen. Man muss da jetzt nicht eine förmliche E-Mail schreiben oder so, sondern man kann die Sachen ganz direkt fragen. Ich weiß noch, dass ich damals mal mittags heulen beim Mirko Caspar, der ehemalige CEO von Mister Spex, der ist auch bei mir investiert. Und im Beirat saß ich mittags zu dem, ich weiß nicht, wie ich das machen soll. Das war einfach so cool. Weißt du, aber solche Leute an Bord zu haben, die dir auf der einen Seite natürlich wahnsinnig viel Know-how, Expertise, Netzwerk geben und aber noch Cash. Bingo, das war nicht Ego. Ich glaube, was dann schon mich so ein bisschen gekitzelt hat, war in dem Accelerator-Programm, was ich ja vorhin gesagt habe, Grace. Damals war schon so, ja und dann VRaced und dann natürlich ein bisschen Angel und dann Venture Capital. Und dann war da immer so zu mir, ja nicht für dich. Und ich habe das damals, glaube ich, nicht verstanden in der Logik von alleine aus meinem Geschäftsmodell heraus, hätte ich besser bootstrappen können. Dann hätte aber wahrscheinlich auch alles länger gedauert. Ja, aber ich könnte das ja auch beschleunigen. Und dann war natürlich immer so klar, aber hey, du hast keinen Co-Founder, also du bist alleine und du bist Frau und du bist First-Time-Founder, keiner investiert in dich. Und das war natürlich dann so, wie du sagst mir nicht, was nicht geht. Jetzt erst recht. Jetzt erst recht. Und ich glaube, das war so initial. Und dann glaube ich, heute würde ich achtsamer schauen, wann ich welches Geld aufnehme, um wirklich der Company zum richtigen Zeitpunkt den Boost zu nehmen.

52:47 Jenni Baum-Minkus: Aber ja.

52:48 Feliks Eyser: Du hast in Summe 10 Millionen geraced etwa.

52:50 Jenni Baum-Minkus: Ja. Und das ging auf zwei Aspekte. Also Nummer eins war, wir sind ja mit Nagel gestartet. Und dann war das Verständnis, okay, die Positionierung, die wir in Nagel haben, Tiramisu macht das geilste Tiramisu, aber gesund, das könnt ihr ja auch übertragen auf Make-up und auf Skincare, also Marken-Stretch, Portfolio-Erweiterung. Und gleichzeitig unsere Kernmärkte waren Deutschland, Österreich, Schweiz. Ey, das könnte doch jetzt auch Frankreich, Italien, Spanien, Nordics etc. Also Internationalisierung. Das waren die zwei Aspekte, die natürlich auch durch die Runden erfüllt werden sollten.

53:32 Feliks Eyser: Das klingt doch erstmal gut. Klingt erstmal gut, ja. Wir haben den Playbooks, funktioniert. Wir haben die Presse, wir sind hier bei Höhle der Löwen. Jeder feiert es. Wir akquirieren Kunden für drei Euro. Die bringen uns irgendwie 35. Mega gut. Jetzt lass uns das mal copy und pasten in andere Kategorien, in andere Länder. Also Excel ist erstmal geduldig, hat ein Mentor mir mal gesagt. Zu einem Excel kannst du sagen,

53:50 Jenni Baum-Minkus: copy, paste, zähle auf. Macht so viel Sinn. Oh geil, ne? Und vielleicht auch rückblickend, gerade wenn man es ja noch nicht gemacht hat, klingt das erstmal ganz logisch. Kann ich aber sagen, hat nicht funktioniert. Also, willst du wissen? Oder nicht? Auf jeden Fall.

54:08 Feliks Eyser: Auf jeden Fall.

54:10 Warum der Sprung von Nagellack auf Lippenstift und Gesichtspflege nicht funktioniert hat

54:10 Jenni Baum-Minkus: Ja, hat nicht funktioniert. Also Nummer eins, der Gedanke, die Positionierung, die wir bei Nagel haben, auf Make-up, also alles Farbkosmetik im Gesicht und auch auf Pflege, Gesichtspflege zu beziehen, das war vielleicht zu bold. Weil ich glaube, was wir komplett unterschätzt haben, ist, nur was es heißt, Nagel so clean zu machen, heißt es noch gar keine Ahnung, dass du weißt, wie machst du das bei Lippenstift, bei Mascara, bei einem Blush. Das sind ja alles wieder neue Labore. Du musst immer wieder heraus verstehen, was ist denn das Problem eigentlich mit diesem Produkt. Also das bringt eine unfassbare Komplexität einher, die ich auch unterschätzt habe.

54:59 Feliks Eyser: Du hast ja erzählt, wie du dich reingenerdet hast, dass du die Patente gelesen hast und so weiter. Du brauchst ja auf eine gewisse Weise so Founder-Energy dafür, das zu machen und dich so tief in diese Details reinzufräsen.

55:09 Jenni Baum-Minkus: Ja.

55:10 Feliks Eyser: Ist auch schwer zu delegieren.

55:11 Jenni Baum-Minkus: Dann sagst du, okay, dann heiern wir halt jemanden.

55:14 Feliks Eyser: Aber es ist was anderes, glaube ich, wenn ein Founder das macht. Und ich glaube, deswegen kriegt man es auf der Produktseite vielleicht nicht so einfach hin.

55:20 Jenni Baum-Minkus: Also wir haben es auf der Produktseite hingekriegt. Wir hatten die Produkte, aber es war unfassbar komplex und auch sehr langwierig, das zu machen. Ich hätte mir das viel einfacher vorgestellt. Dann hatten wir aber die Produkte. Und dann war aber so, okay, kann eigentlich die Positionierung, wie der Kunde ja gerade schon Gitti wahrnimmt, das eigentlich wahrnehmen, also übertragen, dass Gitti ist nicht nur Nagel, sondern Gitti macht jetzt auch viel mehr. Und da haben wir uns überschätzt. Also für die Leute war Gitti gesunder Nagellack oder natürlicher Nagellack. Für die war nicht Gitti ist eine natürliche Beauty-Marke. Das heißt, unsere Customer Acquisition Kost sind explodiert. Wir hatten auch nicht mehr so eine scharfe Positionierung. Bei Nägel haben wir ein wirkliches Problem gelöst. Als wir angefangen haben, war das Produkt, das herkömmliche Produkt, war toxisch. Und wir haben gesagt, ey, du trägst es auf, zwei Stunden nach dem Auftragen kannst du die Toxine in deinem Körper nachmessen. Hier ist clean.

56:27 Feliks Eyser: Das war so

56:28 Jenni Baum-Minkus: Problem, Solution, das war klar. Bei den anderen Sachen wurde das alles schon vager. Wir haben auch krasse Innovationen gehabt. Zum Beispiel, da gebe ich ein Beispiel, Lippenstifte. In Lippenstifte sind Produkte enthalten, die sind längst in der Lebensmittelindustrie verboten. Weil wenn du die isst, ist ganz klar krebserregend. Das ist aber im Lippenstift, darf das noch genutzt werden. Jetzt denkst du dir, das ist ja bescheuert. Wie kann denn was in der Lebensmittelindustrie noch erlaubt sein? weil Lippenstift, du hast es auch nur, du leckst es immer ein bisschen drüber. Das ist so die Behauptung, wenn du es jeden Tag im ganzen Jahr trägst, hast du so anderthalb Kilo, die du so Lippenstift einfach so konntest. Und dann haben wir diese Produkte, und das war unfassbar kompliziert, das nennt man Titaniumdioxid, haben wir den ersten Lippenstift auf den Markt gebracht, ohne diesen Inhaltsstoff.

57:19 Feliks Eyser: Den du essen kannst.

57:20 Jenni Baum-Minkus: Das hat sich kein Mensch für interessiert. Weil das war so, ja, aber ist ja nicht verboten. und wir konnten irgendwie, das, was bei Nagel so einhergehend war, war nicht übertragbar auf die anderen Produkte. Auch nicht selbst bei so einem, wo wir gesagt haben, okay, das ist ja, wow, das ist ja eigentlich one on one, aber es gibt einfach schon zu viele Produkte, die das trotzdem haben, die super sind, die Leute lieben das, hat nicht funktioniert. Und ich glaube, also wirklich diese Positionierung, auch Customer-Facing mitzutragen, das hat nicht funktioniert. Und wenn du es dir dann so ganz mal banal vorstellst, also stell dir mal vor nur so einen Instagram-Kantar, du machst halt so Nagelprodukte, zeigst halt immer die Farbe auf dem Nagel und auf einmal zeigst du aber Lippen. Dann zeigst du Augenbrauen. Dann willst du auch noch Pflege machen und bei Pflege musst du ja sehr technisch eher über Inhaltsstoffe konfrontieren. Dann siehst du ja oftmals diese Brands, die sind dann eher so ein bisschen chemisch angeauft wie so Labor. Das hat alles gar nicht zusammengepasst und das hat einfach unfassbar viel Komplexität erschaffen, Kosten und am Ende des Tages überhaupt nicht die Return, weil die CACs sind explodiert. Ja, und das Gleiche, glaube ich, auch einfach mit der Internationalisierung. Eine französische Kundin ist so anders als eine skandinavische und ich glaube, wir haben dann schnell Länder aufgemacht und kamen immer von diesem Ah ja, diesem Blueprint, wie haben wir das denn in Deutschland gemacht? Und da war natürlich auch viel meine Story oder

58:50 Feliks Eyser: deine Brand, deine Kommunikation. Du sprichst aber nicht Schwedisch. Genau, ich spreche nicht Schwedisch.

58:54 Jenni Baum-Minkus: ich spreche nicht Französisch, ich kleide mich anders als eine Französin, ich kleide mich anders als eine Spanierin. Und all das war so, das hat halt nirgendwo so richtig gezuckt.

59:05 Feliks Eyser: Das ist interessant, auch was du vorhin erwähnt hast, das ist Gitti, das ist nicht Gitti, also dieser Taste, sagen ja viele heute. Du brauchst ja als Fauna eine Welt, wo AI irgendwie alles generieren kann, das ist ja ein Skill, wieder den Geschmack zu haben, rauszufinden, was ist gut, was ist schlecht, was passt, was nicht. Das hast du natürlich aus einer deutschen Perspektive total intuitiv drauf. Aber keine Ahnung, was in Paris abgeht. Also so musste da sein. Wahrscheinlich, so stelle ich es mir vor.

59:29 Jenni Baum-Minkus: Ja, also ich glaube, europäische Internationalisierung haben wir zu dem Zeitpunkt, das war einfach, hat nicht funktioniert. Ich glaube, heute wiederum, was für uns ganz spannend ist, sind tatsächlich die USA, aber das ist nochmal ein anderes Thema. Aber damals so zurückkommt, von Geld geraced und wie wächst du jetzt eigentlich in der nächsten Zeit, waren da die Assumption, die in Excel so genial aussehen, haben dann in der Realität nicht so direkt gegriffen.

59:55 Feliks Eyser: Was ist hier die Lektion?

59:57 Jenni Baum-Minkus: Lektion ist Kill Your Darlings. Ich habe dann schon, also man muss sich vorstellen, wir haben dann so eine Gesichtspflegeserie entwickelt und das waren echt geile Produkte. Also wenn du mal richtig krasse Gesichtspflege haben willst, dann habe ich noch ein paar Samples. Das ist aber nicht geflogen. Und dann so viel Arbeit und Zeit und Geld und dann zu entscheiden, stoppen wir. Das war hart, das habe ich dann 2025 im Sommer gemacht, aber das war richtig. Und auch beim Make-up zu sagen, okay, wir hatten damals ein relativ breites Portfolio. Okay, das funktioniert nicht. Wir behalten aber die Core Essentials, die funktionieren im Cross- und Upsell für uns. Und das zu reduzieren, also dieses Kill Your Darlings. Und einhergehend natürlich damals mit der Internationalisierung war auch schneller Teamaufbau. Auch dann zu merken, wenn es nicht funktioniert, schnell die Reißleine ziehen. Ich kenne auch Founder, die haben das zu spät gemacht. Darauf ist dann natürlich auch die Company kaputt gegangen, weil irgendwann kann das nicht mehr stemmen, wenn du so eine hohe Burner hast und dann bist du irgendwie insolvent, sondern dann zu sagen, okay, wir müssen restrukturieren. Und das ist nie schön, wenn du viele Leute entlassen musst. Das habe ich jetzt zweimal gemacht. Und dann aber zum richtigen Zeitpunkt das auch zu machen, damit du einfach wieder als Company atmen kannst und sehen kannst, okay, wie geht es jetzt von da aus weiter?

1:01:24 Feliks Eyser: Wie ist da heute dein mentales Modell zwischen dem Extrem, ja, man muss sich einfach durchbeißen, wenn es nicht klappt, dann habe ich es halt noch nicht richtig probiert. Das ist ja auch eine Qualität, die man braucht. Versus kill your darlings, willst du auch nicht am ersten Tag machen, wenn es nicht klappt sozusagen. Aber diese Entscheidung muss man im Zweifel schnell treffen. Aber viele sind in so einer Zwischenphase und sagen, ja, wenn es richtig gut ist, ist die Entscheidung klar, wenn es richtig schlecht ist, ist die Entscheidung auch klar. Viele dieser Situationen befinden sich ja irgendwo in einer Grauzone dazwischen. Wie schaust du da heute auf solche Entscheidungen?

1:01:54 Jenni Baum-Minkus: Also zum Beispiel sind für mich die USA sowas dazwischen bei uns. Die haben wir dann gelauncht. Und nach dem ersten Jahr, wo wir einfach gesagt haben, okay, rein Branding, direkt fünf Beauty Awards in den USA gewonnen, wir hatten direkt Momentum. Das war so, bam. Melissa Woodhub, das war eine der größten Conscious Beauty Influencer aus den USA, hat ihre Gelnägel runtergenommen, hat Gitti getragen. Wir waren so, geil. Das war doch der Moment, den wir damals in Deutschland hatten. Sowas wollen wir. Im zweiten Jahr dann paid angeschaltet und dann auf einmal saß du wie so ein kleiner, wie so ein Hockeystick und du dachtest so, mein Gott, we are on it. Der ist dann abgefallen und da ist so, da war er für mich gerade not kill it, aber pause it. Sich gerade auf andere Sachen nochmal zu fokussieren. Woher kommt gerade der Wachstum? Und jetzt einen neuen Test starten mit neuen Assumptions. Also ich glaube, es war damals ganz klar, die Zahlen lügen ja nicht. Die Zahlen bei Skincare haben gesagt, wir verbrennen Geld. Und wir Energie und das waren Hard Facts. Beim Make-up war das schon auch so ein bisschen diffuser. Aber da war einfach alles, was der Company wieder Fokus und Klarheit gibt, war reduzieren. Also dann haben wir gesagt, okay, dann weg. Das hilft uns. Und das gleiche jetzt halt auch mit der USA, wo wir so irgendwie sagen, okay, ich schreibe das noch nicht ab. Ich glaube, es braucht einfach nochmal so einen Refokus. Aber in der Zwischenzeit lieber gerade wirklich mal Pauseknopf drücken, gucken, reorganisieren und dann nochmal mit einem neuen Setup nochmal angreifen. Ja.

1:03:42 Feliks Eyser: Du schaust dir da ehrlich in die Augen und sagst, okay, auf der einen Seite, die zahlen so, die sind schlecht, wir verbrennen Geld. Auf der anderen Seite so, irgendwas ist da, du spürst, da könnte was sein, vielleicht müssen wir das nochmal anders machen. Und man muss ja auch sagen, USA, wenn du das gewinnst, der Preis ist ja riesig. Also wenn du das knackst, hast du ja auf jeden Fall mehr gewonnen als in Schweden.

1:03:59 Jenni Baum-Minkus: Aber es ist halt auch verdammt, also es ist hart. Alles ist teurer, die CAC sind natürlich extrem hoch. Ich glaube, dieses damals, also um es dir wirklich plastisch zu machen, wir sind halt auch reingegangen mit den klassischen Nagellacken und Farblacken und haben aber dann, da gab es so diesen Moment, wo wir dachten, das zieht an, aber dann die Erkenntnis, die USA sind, ist ein Salonmarkt. Frauen gehen einfach in den Salon, die denken jetzt nicht an eine Marke und machen sich das zu Hause. Und da mussten wir erstmal verstehen, okay, was wäre für uns ein guter Engel, als Marktantritt nochmal zu gucken, wie können wir wirklich wachsen, haben unterschiedliche Tests machen. Und gerade die neuen Produkte, die wir jetzt haben, Da geht es ja viel um, was ich vorhin gesagt habe, Pflege. Wir haben ein geniales Produkt entwickelt, wie du in 14 Tagen deine dünnen und brüchigen Nägel wieder stark und gesund bekommst. Und mit solchen Sachen dann nochmal wieder einen neuen Test zu starten.

1:05:01 Feliks Eyser: Jetzt haben wir darüber gesprochen, an die gleiche Zielgruppe andere Produkte zu verkaufen, gleiche Zielgruppe in anderen Ländern zu finden. Beides nicht so gut funktioniert. Jetzt kannst du noch sagen, okay, gleiches Produkt an eine andere Zielgruppe. Erklär mal, geht die Kids? Was ist das für eine Story?

1:05:13 Jenni Baum-Minkus: Ah ja, Gitti Kids. Ich meine, das ist natürlich ein bisschen entstanden durch ich in der Schwangerschaft und natürlich das Gedanke, okay, als Mama, was machst du denn jetzt? Kinder fragen, wollen irgendwie Nagellack tragen. Und tatsächlich daraus, dass die Momfluencer, also die Influencer, die Mütter geworden sind, tatsächlich eine unserer stärksten Gruppen sind im Influencer-Markt, die für uns am profitabelsten sind. Und dann war irgendwie die logische Folge, okay, dann erweitern wir das in der Extension und machen Kids. Das sind so 10% des Umsatzes. Das ist jetzt nicht, damit wachsen wir nicht, aber ist in der Schlussfolgerung, wir sind die Nagelmarke, ist das für mich eine logische Erklärung in der Erweiterung des Portfolios. Natürlich nach einer Zeit, wie gesagt, auch die Phase, wo ich nicht so präsent war. Und natürlich in den Phasen, wo wir uns verzettelt haben, ist das so zurückkommender Stärke. Und wir haben jetzt gerade irgendwie 100% New-Customer-Wachstum, Year-over-Year. Wie gesagt, der Mai, der Revenue und EBITDA, stärkste Monat in der gesamten Gitti-Historie. Es ist so, ja, ist gut. Aber da kommt noch mehr. Yeah!

1:06:36 Feliks Eyser: Jenny's back on track.

1:06:38 Jenni Baum-Minkus: Nach den Irrungen und Wirrungen

1:06:40 Feliks Eyser: der Vergangenheit ist doch mega geil. Dass du dich da durchgekämpft hast, Wahnsinn. Was das von dir abverlangt hat.

1:06:46 Jenni Baum-Minkus: Ja, aber es gibt auch viel zurück. Geil, dass ich letztens einen handgeschriebenen Zettel von einer Kundin bekommen habe. Man kennt es noch so, diese DIN A4-Blöcke mit den kleinen Kästchen. Wirklich handgeschrieben mit Kuli ans Büro, wie krass diese Produkte ihr Leben verändern. Und wenn du dann sowas siehst, dass sich jemand die Zeit nimmt. In unserem Zeitalter, wo alles immer so schnell, schreibt einen Brief, schickt ihn an uns und sagt so, danke, diese Produkte lassen mich besser fühlen. Das ist schon geil. Mega.

1:07:18 Feliks Eyser: Das ist geil, so ein Produkt zu haben, wo du merkst, wenn die die Kundinnen es nutzen, so ein Feedback kriegst.

1:07:23 Jenni Baum-Minkus: Ich meine, wir sind ja jetzt wirklich in jeder Douglas-Filiale in Deutschland, in der Schweiz, wenn du dann so reingehst und siehst da so, oder Heinemann am Flughafen, dann siehst du da so, dass das schon...

01:07:34 Douglas, dm und das Regal: Die drei Regeln, nach denen Retail funktioniert

1:07:34 Feliks Eyser: Ja, sehe ich immer, wenn ich da in Berlin rumfliege. Erzähl mal von Retail, da haben wir noch gar nicht drüber gesprochen. Das ist ja nochmal quasi die vierte Kategorie. Also jetzt nimm das Produkt, was du hast, verkaufst dann die gleiche Zielgruppe, aber nimm einen anderen Absatzkanal. Du bist gestartet, D2C, Direct Consumer, kann online bestellen. So, jetzt erzählst du mir, du bist bei Douglas gelistet. Wie relevant ist das im Umsatz?

1:07:53 Jenni Baum-Minkus: Total. Also ich meine, es ist für uns ein sehr profitabler Channel, macht 20% des Umsatzes aus, aber wachsend. Und es ist natürlich für uns, also Nagelwark ist eigentlich ein Pulse Purchase. jemand sieht das, sieht eine Farbe, sieht was an, kauft es, ist natürlich gigantisch jetzt so eine Retail-Präsenz zu haben. Also wir haben ja Douglas ist unser Premium-Partner und gerade für die erwachsenen Nagellacke, dann sind wir natürlich noch in den Premium-Departner-Stores, also KaDeWe, Oberpollinger, Breuninger, unsere Kids-Linie ist bei dm, also sind da in jedem Channel vertreten, aber das ist natürlich, gibt es nochmal der Brand richtig Ja, auch Power und Visibilität.

1:08:39 Feliks Eyser: Und was für andere Regeln der Physik gelten da jetzt? Weil ich komme auch eher aus dem Online-Marketing. Ich kann verstehen, okay, du machst Performance-Marketing, kaufst die Klicksar irgendwie bei Meta, schickst sie hin, hast ein Conversion-Rate und so weiter. Machst Personal Brand, machst Instagram, machst Influencer, hast ein Funnel, das versteht man ja. Was sind die Regeln der Physik im Retail? Was muss man machen, dass das funktioniert? Und was können andere Founder da von deiner Story lernen?

1:08:59 Jenni Baum-Minkus: Ja, also ich würde sagen, Nummer eins, wirklich unfassbar relevant ist dieser Pull-Effekt, dass du vom Regal abverkaufst. Weil heutzutage natürlich die großen Retailer, die sprechen schnell alle die jungen Marken an. Die wollen auch was Innovatives, was Cooles. Und eine junge Marke denkt dann schnell, ach geil, mache ich. Damit kannst du aber untergehen. Also wir haben sehr lange gewartet, weil ich immer gesagt habe, ja, das ist gut, aber wir sind nicht ready, weil du musst auch abverkaufen. Und darauf zu stehen, also Retail zu stehen, ist einfach. wirklich die Ware abzuverkaufen, dass du die Kündigung dafür musst du halt diese Nachfrage kreiert haben. Da musst du die Brand kreiert haben, da muss das Produkt klar sein. Und das ist natürlich das Geile, das kannst du heute über D2C. Kannst erklären, kannst die Marke aufbauen etc. Also diesen Pull-Effekt. Dann Nummer zwei, Retail ist halt brutal anders in der Kommunikation. Das Produkt muss da auf dem Shelf sofort verstanden werden. Du musst jetzt online, ich habe tausend Bildchen im Shop und kann das noch erklären. Da stehst du am Regal.

1:10:06 Feliks Eyser: Deine Founder-Story noch erzählen.

1:10:07 Jenni Baum-Minkus: Genau, überall. Du kannst erzählen, erzählen. Und du bist im Regal und du musst knallhart, musst der Kunde sofort verstehen, warum soll ich x Prozent mehr, weniger zahlen? Was ist das Produkt? Was gibt mir das? Also einfach diese Art der Kommunikation zu verstehen. Und Nummer drei, ganz wichtig für mich, das ist eine Partnerschaft. Gerade wenn natürlich auch D2C gewachsen ist, Jetzt kannst du dir vorstellen, Google, Branded Search etc. Du wächst ja auch mit deinem Partner. Das heißt, auch heute geben wir bestimmt auch Revenue ab an die Search, an unsere Partner. Also dass man nicht von so einem Mindset kommt, ja, trotzdem steuere ich hier meine harten D2C KPIs weiter, sondern du willst ja auch, dass dein Produkt gekauft wird bei deinen Partnern und das gemeinsam weiterzumachen. Und dann fliegt es. Also wir sind ja jetzt, wir haben kleiner bei Douglas angefangen, jetzt sind wir wirklich die Brand neben der Douglas Eigenmarke. Wir sind im Douglas Adventskalender, wir machen exklusive Sets zusammen mit Douglas und das hat sich alles in der Zeit in dieser Partnerschaft zusammen entwickelt. Aber natürlich, weil wir nach wie vor Gas geben, diese Nachfrage zu gehören. Ich glaube auch immer besser werden am Point of Sale mit der Kommunikation. Und das ist wirklich so, man baut da was zusammen auf und dann ist es geil. Aber nicht, also ich glaube heute ist es so, dieses so schnell, manchmal kriege ich so LinkedIn-Nachricht, ja, wir wurden jetzt angefragt und wir können direkt schon so, dann sage ich immer so, wirklich sich das genau überlegen, weil erst, also da zu stehen ist schon mal geil. Du hast schon was erreicht, dass dich jemand anfragt, aber die Arbeit fängt erst dann an, weil du musst abverkaufen. Und das, glaube ich, wird schnell mal übersehen, wie essentiell das ist. Das Produkt verkauft sich nicht von alleine einfach.

1:12:00 Feliks Eyser: Ihr seid jetzt hier im achten Jahr, habt sieben Jahre Zeit gehabt, Awareness zu schaffen. Leute haben euch schon mal gehört, irgendwie online. Erkennen es dann wieder, sagen, okay, wir haben es schon mal gesehen. Aber das kann man, also genau, ich nehme mit, man kann das auch zu früh machen. Das ist heute ein Grußteil übrigens von Laura Dittscheid.

1:12:14 Jenni Baum-Minkus: Ach geil. Oh, ja, ja, ja. Ist so ein großer Fan von dir. Das ist so geil. Ich meine, sie war ja dann bei Gitti. Dann ist ja zu Hurt, zu Chew. Und dann jetzt selber gegründet.

1:12:26 Feliks Eyser: Ja, selber gegründet. Coole Faunerin, macht noola. Energy Drink für Frauen. Die These ist, Energy Drink ist irgendwie männlich und ungesund. Die springen ja aus dem Weltall und fahren Monster Trucks. Das ist ja so ein bisschen das Branding von Energy Drink und voller Zucker und so weiter. Und sie macht das für Frauen in gesund quasi mit noola. Und hat jetzt aber genau diese Anfragen auf dem Tisch, wo sich Retailer melden. Wo jetzt irgendjemand von einem großen Supermarktkette da schreibt. hey, wir würden dich da gerne listen, stellt sich jetzt die Frage, soll ich es machen oder nicht? Die hat jetzt 20.000 Frauen knapp auf der Warteliste, die das Produkt quasi erstmal online kaufen wollen. Was rätst du ihr? Sollte sie es machen, sollte sie es nicht machen?

1:12:59 Jenni Baum-Minkus: Also ich würde jetzt sagen, nein, weil das ist wie mit allem im Leben. Es ist ein bisschen immer, finde ich, so ein bisschen wie im Dating. Also es wird immer noch interessanter, wenn du auch jetzt absagst. Der Lied wird nicht cold. Fundraising übrigens auch. Fundraising, genau so. Das Beste für VCs, denen zu sagen, Ja, auch für ein Retail. Weil das ist natürlich so ein cooles Kompliment natürlich auch in dem Moment. Aber sich das wirklich überlegen, weil auch von der Supply Chain her, wenn du das abfuckst, dann bist du auch ganz schnell wieder draußen. Da muss eine Company auch ready sein, sowas stemmen zu können. Also von daher, das als Kompliment nehmen, weitermachen.

1:13:42 Feliks Eyser: Und sich auch trauen, Nein zu sagen. Ja. Zu wissen, ich verprell dann niemanden. Das ist ja die Angst, die man dann hat, zu sagen, ich sag ihm das irgendwie ab. Aber zu wissen, nee, nee, nee, dann will er eigentlich morgen umso mehr.

1:13:51 Jenni Baum-Minkus: Ja, natürlich, ja. Okay, geil.

01:13:54 Der Turnaround: Wie Jenni das Ruder bei gitti zurückgeholt hat

1:13:54 Feliks Eyser: Wie hast du Gitti dann wieder so umgebaut, dass es dir Spaß macht, da drin zu sein, so wie es geht dir heute versus an dem Punkt, wo du warst, du saßt in dem Board-Meeting, so ist das Gitti, ist das nicht Gitti? Du hast mir gesagt, du hattest ja den Punkt, dass du dich so gefühlt hast, wie ich will selber nicht mehr in meiner eigenen Company sein. Du hast dich entfremdet gefühlt. Welche Hebel musstest du intern umlegen, um das Ruder wieder in die Hand zu nehmen.

1:14:16 Jenni Baum-Minkus: Ja, ich musste dieser Stimme Raum geben. Ich glaube, ich musste mir das ich musste mir wieder den Raum zurückgeben. Das war natürlich auch, du musst dir vorstellen, also Startphase geil, dann also Internationalisierung nicht, Portfolioerweiterung nicht, oh, dann ist die auch noch, fällt die auch noch aus. Da war ich natürlich auch unsicher, dann zu sagen so, als ich wieder zurückkam, so, jetzt nehme ich aber mal wieder das Ruder in die Hand, weil ich weiß jetzt den Weg nach vorne. Das bedarf dann so einem Moment und das war wirklich so ein Moment, wo ich so gedacht habe, nee, das geht hier alles voll in die falsche Richtung. Und dann kam diese Power und dann war so, nee. So, ich habe einen Fahrplan, ich weiß, was richtig ist. Repositionierung, also eigentlich zurück, zurück zu dem Kern, wer ist Gitti? Ja, Nagel, alles im Nagelbereich. Wir machen wirklich so wie Nagellack, wie Hautpflege. Das ist unsere Core. Den Rest weg, klattern und dann auch sich im Moment so ein bisschen wieder so eine Entscheidungsmacht zurückholen. Ich glaube auch im Team, weil ich bin immer kleiner geworden, dann wirklich so zu sagen, nein, das ist jetzt der Fahrplan. Das machen wir und all das machen wir nicht. Es war mehr so zu sagen, das machen wir nicht mehr, das machen wir nicht mehr. Das war ja Skincare war ein Teil. es war Make-up, weniger machen, kompletter Focor auf den Nagel. Auch den Lounge-Kalender, den wir hatten, ausdünnen, nur wo ich verstehe, okay, ein Produkt löst ein Problem, das zu machen. Und das natürlich auch gleich in unterschiedliche Richtungen von Stakeholdern. Das war schon ein Prozess, das ging los letztes Jahr im Herbst. Ja, ist wahrscheinlich jetzt noch ongoing.

1:16:08 Feliks Eyser: Was hast du darüber gelernt, angesprochen, die Stakeholder mitzunehmen. Du hast Mitarbeiter, du hast Kundin, du hast Shareholder, die investiert sind bei dir und so weiter. Von Einzelpersonen wie die Mirko bis zu VC-Funds und so weiter. Was hast du in der Kommunikation gelernt, die mit ins Boot zu holen?

1:16:26 Jenni Baum-Minkus: Ich glaube, an der Stelle war es nicht mitholen, sondern an irgendeiner Stelle war es nein, stopp, so geht es nicht weiter. Und dann wirklich zu sagen, weil ich glaube, es war so, wir hatten uns so verloren so im bestimmten Sinne und jeder also jetzt wahrscheinlich auch viel im Team, jeder fängt da was an und da was an. Das war wirklich, da war ich schon sehr klar in der Kommunikation. Das ist der Fahrplan. Das machen wir und alles, was darauf einzahlt, in eurem Bereich, do it. Aber alles, was nicht darauf einzahlt, killen wir sofort. Ich glaube, das war ein bisschen eine andere Art und Weise, als ich hole mal alle irgendwo ab Wo steht ihr? Ich glaube, da waren wir, wir brauchten in dem Moment wirklich so, ich weiß nicht, ich denke immer, dann denke ich immer so an so Tauchgänge, die ich gemacht habe, wo wirklich so da irgendwie, hat der Tauchlehrer gesagt, so Leute, so funktioniert das jetzt hier, dass ihr seid in Zweier-Setups, das kann passieren, das machen wir jetzt in der Zeit und da unten in dem Bereich könnt ihr euren Fun haben. So, dass, finde ich, braucht es. Klarheit in Richtung angeben. direkt zu sagen, aber zwei Minuten danach, also Beispiel, keine Ahnung, Kommunikation in unserem Beirat, jemand sagt, hey, sollten wir nicht das machen, dann merke ich schon, ne, oft zahlt eigentlich nicht drauf an, bin noch kurz so ja und dann merke ich ganz kurz, nee, stopp, nein. Intern, mit meinem Team, mit den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite, auch ganz klar, wenn ich merke, es war, zum Beispiel, ich mache sehr viel Content, auch für unsere Apps. Tage sind voll, Tage liegen sie lang, meine Energy ist low.

1:18:39 Jenni Baum-Minkus: Sage ich ganz klar so, jetzt stopp. Ich bin jetzt nicht mehr erreichbar. Ich fokussiere mich jetzt gerade auf Energie zurückholen. Können wir morgen drüber sprechen. Da kann die Welt noch so schnell. Wir sind ja, ich bin ja kein Herzchirurg. Das ist immer, man denkt immer so, ist alles so super, super, super witzig, aber ich rette kein Leben.

1:19:00 Feliks Eyser: Die Investorin meinte auch eines ihrer Prinzipien ist, we're not saving lives here. Ja, wir machen venture capital, investieren da in KI-Modelle und so weiter. Vom Modell her zu sagen, ja gut, am Ende ist es doch nicht so wichtig, so lass uns mit einem gewissen Abstand, mit einer gewissen Lockerheit rangehen. Also ja, ist es wichtig, aber es ist was anderes, ob du in ein Flugzeug fliegst.

1:19:18 Jenni Baum-Minkus: Ja, und da bin ich sehr direkt, was vielleicht auch aktuell noch, weil das ist nicht, war jetzt nicht wahrscheinlich so direkt assoziiert mit meiner Persönlichkeit, diese Klarheit und auch dieses direkte Abgrenzen und Nein sagen in vielen Bereichen, aber das ist für mich gerade essentiell. Das ist, glaube ich, auch einer der Doktoren, warum Gitti gerade auch so abgeht.

1:19:46 Feliks Eyser: Welchen Glaubenssatz musstest du ablegen, um das zu erlauben? Klar, Nein zu sagen?

1:19:51 Jenni Baum-Minkus: Nach dem Motto, ich kann das nicht und ich darf das nicht. Also ich kann das nicht im Sinne, das immer mittragen, ja, ich bin jetzt kein Harvard Alumni. Ich war in keiner der Top-Business-Schools. Ich habe das nicht alles schon fünfmal gemacht. Und auch so, was will ich denn jetzt eigentlich fordern? Ja, wieso? Doch, ich verstehe diese Firma inside out. Ich denke diese Firma. Ja, ich verstehe unsere Kunden. Und ja, natürlich, ich darf das, weil ich bin die größte Anteilseignerin dieser Firma. Und das ist das, was ich baue. Also ja, wenn ich ich wäre dann.

1:20:33 Feliks Eyser: Du bist in weiten Weg gekommen von ich schäme mich

1:20:38 Jenni Baum-Minkus: für meine Idee. Ja, stimmt. Oh, jetzt kriege ich jetzt schön von was alle Phasen durchgeheult. In diesem Podcast. Ja.

1:20:51 Feliks Eyser: Genau, vorne wurde es immer alle sieben Phasen von was auch immer.

1:20:56 Jenni Baum-Minkus: What a day.

1:20:57 Feliks Eyser: What a day. Aber kannst du nachher Nein sagen, wenn noch irgendjemand was von dir will? Ja, ja. Ich bin auf jeden Fall froh, dass du Ja gesagt hast. Nochmal so ein bisschen Reflexion, diese Reise nochmal quasi, wenn man es von außen jetzt sieht, okay, krass, sieben Jahre, acht Jahre, krass, krass weiterentwickelt. Andere Leute um dich herum beschreiben dich als fast schon süchtig nach Feedback. Also du sehnst dich ja auch nach Entwicklung auf eine Weise. Was für eine App läuft da auf deinem mentalen Operating System, was Feedback angeht von außen, dieser Wunsch nach Persönlichkeitsentwicklung?

1:21:29 Jenni Baum-Minkus: Ja, also vielleicht ganz am Anfang habe ich dir auch erzählt, dieses so, wo ich die Produkte getestet habe mit den Mädels da am Tisch und alle sagen was Schlechtes und mich hat das jetzt nicht, ich hätte ja auch dann zu sagen, kann ich nicht, mach ich nicht, hör auf. Ich habe irgendwie so ein Zyst, also irgendwas schaltet sich da bei mir an. Feedback und je kritischer und härter, desto besser, weil dann, boah krass, daran kann ich ja arbeiten. Deswegen mag ich so gerne dieses so, ja was Nettes, das ist gut. Das kann ich jetzt, heute sehe ich das auch besser selber, aber alles wo du mir sagst so, ey, achte mal darauf, mach das, schau doch mal hier, das. Dann ist so, ah ja, cool, habe ich nicht gesehen. Und damit wachse ich. Und ich meine, ich glaube jetzt so, auch für mich die Erkenntnis dieser Reise, natürlich wächst diese Firma, aber auch mein persönlicher Wachstum. Ja, wow, krass.

1:22:22 Feliks Eyser: Wow, ja, krass. Was für Tools haben dir da noch weiter geholfen? Also Burnout-Klinik ist quasi die Keule, aber gibt es Sachen im Alltag, bestimmte Hexroutinen, Werkzeuge, die dir auf der Reise geholfen haben?

1:22:35 Jenni Baum-Minkus: Also ich meditiere nicht im klassischen Sinne so, aber ich bin schon jemand, der so, wenn ich was mache, habe ich gemerkt, ich bin jemand, der sehr achtsam Dinge macht. Ich glaube, ich sitze nicht da und bin ruhig, aber keine Ahnung, wenn ich jetzt irgendwie aufräume, zum Beispiel ist für mich so eine Sache. Wenn ich aufräume, dann räume ich auf, aber ich glaube, das ist für mich eine Achtsamkeitsübung, da komme ich irgendwie runter. Und ich habe früher immer gedacht, warum räume ich denn jetzt eigentlich noch auf? Aber es ist für mich irgendwie, dann fahre ich runter, das ist im Alltag, das mache ich einfach gern. Ich räume alles wieder nach rechts, nach links und so. Und dann merke ich, komme ich runter. Oder dieses wie vorhin, ganz pragmatisch, wirklich, als ich da unten war, bevor ich Leander getroffen habe.

1:23:19 Feliks Eyser: Aus so einem Team.

1:23:20 Jenni Baum-Minkus: Ja, genau. Dann war nur kurz mal so, dreimal so tief einatmen, ausatmen. Cool. Und dann kam auch die Freude, dich zu sehen. Das ist gar nichts so was Großes. Oder halt abends mittlerweile ganz klar, dass ich nicht, also die Stunde bevor ich ins Bett gehe, bin ich nicht am Laptop, bin ich nicht am Handy. Also entweder liest meine Tochter ein Buch vor oder ich lese was im Buch oder ich gieße die Blumen auf dem Balkon oder so. Irgendwie, ja. Ja. Ist aber jetzt nicht so, ich habe jetzt keinen Longevity-Hack oder sowas.

1:24:01 Feliks Eyser: Was hat dich das Gründen über dich als Mensch gelehrt, was du vorher nicht wusstest?

1:24:07 Jenni Baum-Minkus: Also diese unfassbare Resilienz, dieses immer wieder aufstehen, weil ich meinte auch immer wieder, selbst wenn es richtig, richtig schwer ist, weiß ich, okay, ich finde irgendwie einen Weg, auch wenn vielleicht der Wagen nachher nicht mehr da stand, wo er mal war, als er reingefahren ist, aber ich kriege alles wieder irgendwie so auf den Weg. unfassbare Energie, die ich habe. Ja, für auch fürs Leben, so grundsätzlich, so für die Freude an dem, was ich mache, was ich schaffe, was ich kreiere und meine Kreativität. Ich glaube, das ist so, dass ich beim Gründen verstanden habe, warum war ich eigentlich so unglücklich im Corporate? Das ist für mich auch ein Ausleben meiner Kreativität. Also weil ich was gestalten kann, weil ich was formen kann, weil ich was was zu beitragen kann. Und das findet jetzt alles Platz.

1:25:06 Feliks Eyser: Was würdest du deinem 2018er Ich mit auf den Weg geben? Frisch gekündigt, aus dem Corporate-Job raus. Du sitzt dann mit deinem Flipchart und deinen Leuten und baust das erste Produkt, wenn du einen Satz auf die Postkarte schreiben könntest und die Jenny am ersten Tag der Gründung. Was steht drauf?

1:25:23 Jenni Baum-Minkus: Ja, einfach so, dass schon gerade so macht, wie sich das in dem Moment gut anfühlt. Weil rückblickend, auch wenn das nicht immer einfach war und bestimmt auch viele Situationen dabei wurden, wo ich dachte, okay, auf die hätte ich verzichten können, wäre ich niemals diese Person, die ich jetzt bin. Und ich finde mich selber richtig gut.

1:25:47 Feliks Eyser: Ich finde dich auch gut. Und ich bin so froh, dass du wieder on track bist und freue mich so für dich nach diesem Tal, was du da durchlaufen hast. Also krass Respekt, wie du das durchgezogen hast, aber auch die Offenheit, in der du das geteilt hast. Vielen Dank, dass du hier warst.

1:25:59 Jenni Baum-Minkus: Danke, danke dir.

1:26:00 Feliks Eyser: Wo finden Leute dich online? Wer soll sich bei dir melden, Jenny?

1:26:03 Jenni Baum-Minkus: Bei LinkedIn findet ihr mich auf jeden Fall. Also ich glaube, alle, die Themen haben rund um selber Consumer Brands, wie skaliert man eigentlich D2C, wie bin ich eigentlich erfolgreich im Retail und wie schaffe ich eigentlich auch ein Produkt auf den Markt zu bringen, das wirklich ein Problem löst und nicht nur einen schönen Lifestyle-Aspekt hat. weil wenn man wirklich eine Firma aufbauen möchte, dann braucht es ein bisschen mehr. LinkedIn ist auf jeden Fall der richtige Platz.

1:26:34 Feliks Eyser: Danke Jenny.

1:26:34 Jenni Baum-Minkus: Danke dir.

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