Silicon-Valley-Insider: AI, Startups und die Zukunft des Lernens
mit Christian Byza, Serial Founder, Gründer von learn.xyz und Mitgründer von OMR
Zusammenfassung

Feliks spricht mit Christian Byza, der seit rund zwölf Jahren im Silicon Valley lebt, live von Berlin nach San Francisco. Es ist die erste Folge, die Feliks allein moderiert. Christian erzählt vom House of AI, seinem Co-Working- und Eventspace mit rund 600 Quadratmetern. Er hat ihn gebaut, um die „Serendipity of Silicon Valley“ zu erhöhen: Gründer mieten Schreibtische, VCs und Acceleratoren veranstalten dort Events, deutsche Reisegruppen zahlen 1.500 Dollar für einen Vortrag. Das bringt laut Christian rund 250.000 Euro Umsatz im Jahr, ist profitabel und bezahlt ihm als Early Stage Founder die Miete.
Dann geht es um die Stimmung in der Stadt: DeepSeek, Perplexity, die Haltung der Tech-Szene zu Trump und warum Christian San Francisco wegen Opportunity, Talent und Wetter für den perfekten Ort hält. Er erzählt von seiner WhatsApp-Gruppe mit 90 deutschen Papas, vom J1-Visum, mit dem er eine Designerin oder einen Designer aus Deutschland holen will, und von kulturellen Unterschieden: Smalltalk an der Supermarktkasse auf der einen Seite, der deutsche Mittelstand als Vorbild auf der anderen.
Im Kern der Folge steht learn.xyz. Die Plattform macht Lernen im Job so spielerisch wie eine Sprach-App, Unternehmen laden eigene Dokumente hoch und erstellen daraus in Sekunden Kurse. Christian beschreibt den Weg dorthin: eine Lernplattform für Krypto, erste AI-Experimente vor dem ChatGPT-Moment, eine Consumer-App mit 100.000 Usern in wenigen Wochen, die nach Weihnachten einbrach, und den Schwenk zu B2B. Als zwei große Enterprise-Deals platzten, setzte das Team auf Designpartner und hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme 17 Kunden.
Zum Schluss blicken die beiden auf die frühen OMR-Jahre zurück, vom Online-Marketing-Frühstück über die Große Freiheit 36 bis in die Messehallen, wo die Aussteller das Marketing übernahmen. Christian nennt Geschäftsideen, die er spannend findet: Nachfolge im Mittelstand, eine private Müllabfuhr, Kinderhotels und bessere Software für Linktracking. Am Ende erklärt er sein Motto „No Bad Days“, das er von Satya Nadella übernommen hat.
Transparenzhinweis: Feliks sagt in der Folge, dass sein Microfund W3 Fund an Christians Startup beteiligt ist.
Zahlen aus der Folge
4 weitere Zahlen
Worüber am meisten gesprochen wurde
Kapitel
- 00:00Das House of AI: Ein Ort der BegegnungSan Francisco & Silicon Valley
- 05:06Die Dynamik der AI-Startups in San FranciscoSan Francisco & Silicon Valley
- 06:29Politische Stimmung und Tech-IndustrieSan Francisco & Silicon Valley
- 16:02Die deutsche Community im Silicon ValleySan Francisco & Silicon Valley
- 18:24Die Herausforderung der Rekrutierung in San FranciscoSan Francisco & Silicon Valley
- 19:24Kulturelle Unterschiede und Mindset zwischen Deutschland und den USASan Francisco & Silicon Valley
- 28:38Die Entwicklung von LearnXYZ: Ein innovativer Ansatz für Lernen im Joblearn.xyz & B2B-Vertrieb
- 44:38Herausforderungen im B2B-Vertrieb und Designpartnerschaftenlearn.xyz & B2B-Vertrieb
- 50:39Zielgruppen und ideale Kundenprofile für die Lernplattformlearn.xyz & B2B-Vertrieb
- 54:55Die Entwicklung von OMR und der LernplattformOMR & Events
- 01:01:42Die Transformation der Event-LocationOMR & Events
- 01:13:39Wachstum und Herausforderungen im Bootstrap-BusinessOMR & Events
- 01:15:21Innovative Geschäftsideen und TrendsGeschäftsideen
- 01:25:05Das Motto "No Bad Days" und positive EinstellungMindset
Key Learnings
- 1
Schaffe einen Ort, an dem Zufall passiert
Christian wollte die „Serendipity of Silicon Valley“ erhöhen, also die Chance, dass interessante Leute zu ihm kommen, ohne dass er Aufwand treiben muss. Mit dem House of AI hat er einen Raum gebaut, in dem Gründer Schreibtische mieten und VCs und Acceleratoren Events veranstalten. Deutsche Reisegruppen zahlen ihm für einen Vortrag 1.500 Dollar, und danach werden laut Christian oft drei von ihnen Kunde.
- 2
Orchestriere deine Intros
Christians Hack für Termine mit VCs, Journalisten oder Talenten: Er sorgt dafür, dass mehrere Leute der Person am selben Tag schreiben, dass sie sich mit ihm treffen soll. Wenn dir fünf Leute an einem Tag dasselbe sagen, hältst du es für Zufall. So kam learn.xyz auch zu Berichten in Handelsblatt, Wirtschaftswoche und TechCrunch.
- 3
Speichere jeden Kontakt mit Kontext
In seinem ersten Job bekam Christian den Rat, jeden Menschen, den er kennenlernt, in einen Rolodex zu packen. Heute fügt er jeden auf LinkedIn hinzu und schreibt immer eine Nachricht dazu, damit er Jahre später noch weiß, woher er die Person kennt. Sein Satz dazu: „message is a date, connection is the marriage“.
- 4
Hör auf den Pull deiner Kunden
Die Consumer-App von learn.xyz kam in wenigen Wochen auf 100.000 User und brach nach Weihnachten ein, weil die Leute im Januar ins Fitnessstudio gehen und Urlaub buchen. Gleichzeitig fragten immer wieder Unternehmen nach einer Corporate-Version. Das Team wehrte sich zuerst, baute dann aber das B2B-Produkt, weil es dort einen harten Use Case und Zahlungsbereitschaft sah.
- 5
Verlass dich nicht auf einen einzigen Champion
Während der Produktentwicklung jagte learn.xyz zwei riesige Deals, eine große Unternehmensberatung und eine sehr große Suchmaschine. Bei der Beratung ging der Champion plötzlich in Rente, bei der Suchmaschine hatte der Ansprechpartner am Ende keine Entscheidungsgewalt. Im Oktober stand das Team ohne einen einzigen Kunden da.
- 6
Arbeite mit Designpartnern statt nur mit Kunden
Nach den geplatzten Deals setzte sich das Team ein Ziel: mindestens zehn Kunden bis Ende November, sonst muss etwas anderes her. Die Designpartner zahlen, bekommen aber einen eigenen Slack-, Teams- oder WhatsApp-Kanal und alle zwei Wochen einen Call. Als zwei Kunden ein besseres User Management wollten, zeigte das Team am Montag Mockups und lieferte am Donnerstag aus.
- 7
Lass andere dein Marketing multiplizieren
Als OMR in die Messehallen zog, wuchs das Event laut Christian von 3.500 auf 16.000 Besucher. Der Trick: eine Messe mit vielen Ausstellern. Die wollen ihre eigenen Kunden einladen und übernehmen damit das Marketing für dich.
- 8
Finde Ideen in dem, was dich nervt
Christian und sein Mitgründer führen eine Liste mit Dingen, über die sie sich aufregen. Daraus entstehen Ideen wie ein besseres Tool für Linktracking, weil Branch für sie veraltet und langsam ist, oder Kinderhotels mit echten Familienzimmern statt vier Leuten in einem Kingsize-Bett. Feliks fasst es so zusammen: Schau, wofür du schon bezahlst und was trotzdem schlecht funktioniert.
Über den Gast
Christian Byza
Christian Byza hat OMR mit Philipp Westermeyer mitgegründet und lebt seit rund zwölf Jahren in San Francisco. Nach der Übernahme seines damaligen Hamburger Arbeitgebers durch Adobe ging er ins Headquarter, danach holte ihn LinkedIn, wo er sich zunächst um das Deutschlandgeschäft kümmerte und später als Produktmanager arbeitete. Vor rund drei Jahren gründete er learn.xyz, eine AI-gestützte Lernplattform für Unternehmen, die sich wie eine Sprach-App anfühlt. Nebenbei betreibt er das House of AI, einen Co-Working- und Eventspace mit rund 600 Quadratmetern, und moderiert den Podcast OMR Silicon Valley Update.
Häufige Fragen
Was ist learn.xyz?
learn.xyz ist eine AI-gestützte Lernplattform für Unternehmen, die Christian Byza vor rund drei Jahren in San Francisco gegründet hat. Sie fühlt sich an wie eine Sprach-App, ist mobil und stark gamifiziert. Unternehmen laden eigene Inhalte hoch, etwa ein Mitarbeiterhandbuch oder ein Gesetz, und erstellen daraus in Sekunden Kurse mit Quizfragen. learn.xyz selbst hat keinen Zugriff auf die Inhalte der Kunden.
Was ist das House of AI?
Das House of AI ist Christians Co-Working- und Eventspace in San Francisco mit rund 600 Quadratmetern auf zwei Etagen, Außenbereich, Podcaststudio und DJ-Booth. Rund 20 Gründer arbeiten dort, VCs und Acceleratoren veranstalten Events. Laut Christian macht das Side-Business rund 250.000 Euro Umsatz im Jahr und ist profitabel. Den Namen nennt er offen einen Marketing-Begriff: Niemand will im learn.xyz-Office arbeiten, aber jeder will ins House of AI.
Was sind Designpartner bei learn.xyz?
Designpartner sind zahlende Kunden, die eng mit dem Team zusammenarbeiten, um das Produkt zu schärfen. Sie starten für drei Monate, bekommen einen eigenen Slack-, Teams- oder WhatsApp-Kanal und alle zwei Wochen einen Call. Die ersten zehn zahlten 500 Dollar im Monat, nach drei Monaten wird der Preis anhand der Mitarbeiterzahl neu verhandelt.
Wie ist OMR entstanden?
Christian wollte nach dem Studium in Hamburg eine Konferenz starten. Ein gemeinsamer Freund brachte ihn mit Philipp Westermeyer zusammen, und die beiden machten als Test ein Online-Marketing-Frühstück mit rund 200 Gästen. Danach holte Philipp ihn als Mitgründer zur OMR. Für die erste richtige Konferenz rechneten sie mit 100.000 Euro Umsatz als Ziel, später zogen sie von der Großen Freiheit 36 über das Hafentheater in die Messehallen.
Welche Geschäftsideen findet Christian Byza spannend?
Christian nennt die Nachfolge im deutschen Mittelstand, wo viele Firmen mit Millionenumsätzen keine Erben haben, und verweist auf Florian Adomeit von AMBER und DEALCIRCLE. Dazu kommen „Mom and Pop“-Geschäfte wie eine private Müllabfuhr in den USA, Kinderhotels mit echten Familienzimmern, alkoholfreies Bier, das richtig gut schmeckt, und bessere Software für Linktracking.
Was bedeutet „No Bad Days“?
Christian hat das Motto von Microsoft-Chef Satya Nadella übernommen, für den er nach eigener Aussage bei LinkedIn quasi direkt gearbeitet hat. Die Idee: Im Job bleibst du positiv, weil es im Leben darauf ankommt, dass du, deine Familie und deine Freunde gesund sind. Sagt ein Kunde ab, geht es eben weiter. Christian gibt zu, dass ihm das nicht immer gelingt, und lässt sich von seinem Team daran erinnern.
Erwähnt in der Folge
- OMRFirmaMarketing-Festival aus Hamburg, das Christian mit Philipp Westermeyer mitgegründet hat.
- Philipp WestermeyerPersonOMR-Gründer; holte Christian nach dem Online-Marketing-Frühstück als Mitgründer dazu.
- DeepSeekProduktChinesisches AI-Modell, das zur Zeit der Aufnahme das Gesprächsthema in San Francisco war.
- PerplexityFirmaHat DeepSeek laut Christian innerhalb eines Wochenendes integriert.
- Holger LuedorfPersonEx-Yahoo und Foursquare, für Christian die Hauptinspiration, wieder Unternehmer zu werden.
- Rene ReinsbergPersonCelo-Gründer, der Christian 100.000 Dollar anbot, um eine eigene Firma zu starten.
- Reid HoffmanPersonLinkedIn-Gründer; Christian gewann ein Lunch mit ihm bei einem Product Offsite.
- Brian JohnsonPersonLongevity-Unternehmer, dessen Motto „Don't die“ Christian zitiert.
- PelotonFirmaBekam anfangs kein Geld von VCs in San Francisco, die lieber draußen Rennrad fahren.
- Florian AdomeitPersonBaut mit AMBER und DEALCIRCLE einen Marktplatz für Nachfolge im Mittelstand.
- FamiluxFirmaFamilienhotels als Beispiel für Christians Idee, mehr kindgerechte Hotels zu bauen.
- BranchToolLinktracking-Tool, das learn.xyz nutzt und das Christian veraltet und langsam findet.
- Satya NadellaPersonMicrosoft-CEO, von dem Christian das Motto „No Bad Days“ übernommen hat.
- OMR Silicon Valley UpdateSendungChristians Podcast, in dem er Deutsche im Valley interviewt; die zweite Staffel startet im Februar.


