Vom Zeitungsjungen zum Unternehmer und Investor

mit Roman Kirsch, Serienunternehmer, Investor und Gründer der Rapid Pioneers Group

15. November 2024 · 88 Min

Zusammenfassung

Roman Kirsch über Zeitungsrouten als ersten Roll-up, den Blitz-Exit von Casacanda an Fab.com, 60.000 Euro für Amorelie, warum Community und Brand die neuen Burggräben im Consumer-Geschäft sind und wie er mit The Global Talent Remote-Talente aus Südafrika vermittelt.

Roman Kirsch erzählt im Founder-Mode-Gespräch (Remote-Aufnahme)
Roman Kirsch erzählt im Founder-Mode-Gespräch (Remote-Aufnahme)

Roman Kirsch ist zu Gast bei Feliks und Co-Host Moritz Blees, Feliks ist dabei aus Bali zugeschaltet. Los geht es mit den ersten Side-Hustles: Roman hat als Jugendlicher Zeitungen ausgetragen, nachdem sein Vater ihn in den Herbstferien vertreten und dafür sieben statt drei Stunden gebraucht hatte, drei, vier weitere Routen dazugekauft und die Arbeit an andere verteilt. Danach kaufte er reduziertes Parfum bei Douglas und verkaufte es bei eBay weiter. Seine Beobachtung: Viele Gründer im E-Commerce waren früher eBay- oder Amazon-Händler, viele im Content-Bereich Party-Hoster.

Dann erzählt Roman seinen Weg zum Gesellschafter. Mit 23 gründete er in Berlin den Shoppingclub Casacanda für Möbel und Wohnaccessoires. Als Rocket Internet mit Westwing die Seite kopierte, zogen VCs ihre Termsheets zurück, und innerhalb von 48 Stunden kam stattdessen Fab.com mit einem Übernahmeangebot, größtenteils in Aktien. Mit dem Geld aus dem Exit investierte er gemeinsam mit einem Freund rund 60.000 Euro in Amorelie. Kein VC durfte das Thema damals anfassen, Facebook und Google sperrten die Werbekonten, also wuchs die Firma über TV und wurde nach zwei Jahren an ProSiebenSat.1 verkauft.

Feliks Eyser lacht im Gespräch mit Roman Kirsch (Remote-Aufnahme)
Feliks Eyser lacht im Gespräch mit Roman Kirsch (Remote-Aufnahme)

Im Mittelpunkt steht Romans Modell zwischen Gründer und Investor. Mit der Rapid Pioneers Group baut er Firmen als Company Studio mit auf und investiert daneben als Angel, am liebsten in Menschen, mit denen er gern arbeitet, und in Themen, die ihn reizen. Am Beispiel LAP Coffee erklärt er, wie sich seine These vom Preisthema zur Community-Marke gedreht hat, warum E-Commerce heute kein Tech- und BI-Spiel mehr ist und warum erfolgreiche Consumer-Marken am Ende auf allen Kanälen, in Stores und auf Events stattfinden. Moritz nennt das das Ende der Aufmerksamkeitsarbitrage, Feliks erzählt von einer HYROX-Class auf Bali.

Zum Schluss geht es um Experience-Businesses wie Padel, Playtomic und WeRoad, um günstige Preise mit Prestige, um das gemeinsame Investment in EterniTeam, das KMU-Nachfolgen mit Mitarbeiterbeteiligung löst, und um Romans neues Unternehmen The Global Talent Dazu erklärt er seine beiden Frameworks: Balance over Time und Regret Minimization.

Zahlen aus der Folge

60.000 Euro
Romans Investment in Amorelie (gemeinsam mit einem Freund), für rund 12 bis 15 Prozent
52.000
Mitglieder, die Casacanda relativ schnell erreichte
48 Stunden
nach den zurückgezogenen Termsheets, bis sich mit Fab.com das Blatt wendete
10 bis 12 D-Mark
Stundenlohn beim Zeitungsaustragen
3 weitere Zahlen
60 bis 80 %
geringere All-in-Kosten für Kunden von The Global Talent
Top 3 bis 5 %
der Bewerber, die die Vorauswahl von The Global Talent bestehen
100 bis 200
Mitarbeiter: ab dieser Größe sind Growth-Startups die Kernzielgruppe von The Global Talent

Worüber am meisten gesprochen wurde

Anteil an der Gesprächszeit, berechnet aus den Kapitel-Längen (ohne Intro).
Global Talent & Frameworks
30 % · 27 Min
Side-Hustles & Exits
27 % · 24 Min
Company Building & Angel Investing
21 % · 18 Min
Consumer, Community & Offline
17 % · 15 Min
Unternehmensnachfolge
5 % · 4 Min
Gesprächsverlauf

Kapitel

  1. 00:00Sidehustles & der Weg zum GesellschafterSide-Hustles & Exits
  2. 23:47Company-Building & aktive DealsCompany Building & Angel Investing
  3. 42:02Internationale Cases & Aufmerksamkeits-ArbitrageConsumer, Community & Offline
  4. 47:39Offline-Experience-BusinessesConsumer, Community & Offline
  5. 54:01Sind günstige Preise in Zukunft relevanter?Consumer, Community & Offline
  6. 57:03Investmentcase EterniUnternehmensnachfolge
  7. 01:01:29Was macht Roman Kirsch operativ?Global Talent & Frameworks

Key Learnings

  1. 1

    Bau dir deinen eigenen Deal statt dich in teure Runden einzukaufen

    Roman hat bei Fab gesehen, dass die Kategorie hinter Amorelie funktioniert, und daraus gemeinsam mit einem Bekannten aus dem Uni-Umfeld einen eigenen Deal gebaut, statt als Angel in eine fremde Runde zu gehen. Feliks fasst die Vorteile zusammen: ein Insight, den kaum jemand hatte, kein Wettbewerb mit anderen Angels und deshalb ein signifikanter Anteil für ein vergleichsweise kleines Ticket.

  2. 2

    Investiere in Menschen, mit denen du gern arbeitest

    Romans Angel-These ist simpel: Findet er die Person cool, gibt sie ihm Energie, und reizt ihn das Thema inhaltlich? Gründer, die er schon über Jahre kennt, etwa ehemalige Mitarbeiter, kann er schneller einschätzen. Das zählt, weil für eine Entscheidung oft nur eine Woche bleibt.

  3. 3

    Als Angel ohne Track Record: Sei zuerst hilfreich

    Wer noch keine großen Investments vorzeigen kann, sollte Gründern Analysen oder konkrete Vorschläge schicken, rät Roman. Feliks ergänzt, dass sich kaum jemand ein paar Stunden für ernsthaftes Feedback nimmt. Wer es tut, ist laut den beiden besser als 99 Prozent der anderen.

  4. 4

    Im Consumer gewinnen heute Community und Marke

    Vor zehn Jahren war E-Commerce ein Tech-, BI- und Performance-Marketing-Spiel. Shopify und No-Code haben die Technik commoditized, Google und Facebook sind laut Roman fast eine Blackbox. Heute setzen sich Teams durch, die Community und Brand verstanden haben, und die müssen auf allen Kanälen präsent sein: Amazon, Handel, eigene Stores, Pop-ups und Events.

  5. 5

    Achte auf Experiences, für die Menschen gern Geld ausgeben

    Romans These: Menschen geben mehr für gemeinsame Erlebnisse aus, während der Anteil für Sachgüter sinkt. Health, Travel, Sports und Entertainment wachsen. Beispiele aus der Folge sind Padel mit der Buchungs- und Community-App Playtomic, WeRoad mit Gruppenreisen nach Alterskohorten und HYROX mit Classes und großen Events.

  6. 6

    Günstiger Preis plus Prestige ist eine starke Kombination

    Roman nennt das aus der Beauty-Welt bekannte Prinzip Masstige: ein Preis, den sich viele leisten können, verbunden mit einer Marke, mit der man gern gesehen wird. Wer die coolere Brand, die bessere Community und den besseren Preis hat, hat laut Roman eine Win-win-Strategie.

  7. 7

    Gründen statt kaufen, wenn es um Marken geht

    Auf Feliks' Frage, warum er keine Firmen kauft, sagt Roman: Er will sich in seine Unternehmen verlieben, und eine Marke mit Community von Grund auf zu bauen ist oft leichter, als die DNA einer bestehenden Firma umzubiegen. Search Funds, Private Equity oder Roll-ups hält er eher bei KMU und Handwerk für sinnvoll.

  8. 8

    Denk in Balance over Time und Regret Minimization

    Roman sieht sein Leben als Zehnkampf: Beruf, Freunde, Familie und Gesundheit müssen nicht jeden Monat im Gleichgewicht sein, aber über die Jahre. Dazu fragt er sich, was er in 10 bis 40 Jahren bereuen würde, nicht getan zu haben. Moritz ergänzt, dass Regret Minimization mit mehr Erfahrung auch heißen kann, etwas bewusst nicht zu machen.

Über den Gast

Roman Kirsch

Roman Kirsch

Serienunternehmer, Investor und Gründer der Rapid Pioneers Group · Rapid Pioneers Group, The Global Talent, Casacanda, Amorelie, Lesara

Roman Kirsch ist 1988 geboren, in Hamburg aufgewachsen und hat an der WHU und der London School of Economics studiert. Schon als Schüler hat er Zeitungsrouten zusammengelegt und Parfum aus Sonderangeboten bei eBay weiterverkauft. Direkt nach dem Studium gründete er in Berlin mit zwei Kommilitonen den Möbel-Shoppingclub Casacanda, den das US-Unternehmen Fab.com nach wenigen Monaten übernahm. Danach baute er Amorelie mit auf, das ProSiebenSat.1 kaufte, und gründete den Fashion-Händler Lesara. Heute baut er mit seiner Holding und seinem Company Studio, der Rapid Pioneers Group, Consumer-Firmen auf, investiert als Business Angel und hat mit The Global Talent ein Unternehmen gestartet, das Marketing- und Sales-Talente aus Südafrika und Argentinien remote an Tech-Firmen in Europa und den USA vermittelt.

Häufige Fragen

Wer ist Roman Kirsch?

Roman Kirsch ist Serienunternehmer und Investor aus Berlin. Er hat den Möbel-Shoppingclub Casacanda gegründet, der an Fab.com verkauft wurde, Amorelie mit aufgebaut und den Fashion-Händler Lesara gegründet. Heute baut er mit der Rapid Pioneers Group Consumer-Firmen auf, investiert als Angel und hat The Global Talent mitgegründet.

Wie kam es zum Exit von Casacanda?

Kurz bevor eine Finanzierungsrunde stand, kopierte Rocket Internet mit Westwing die Website, und die VCs zogen ihre Termsheets zurück. Nachdem TechCrunch darüber berichtet hatte, meldete sich innerhalb von 48 Stunden Fab.com und bot an, gemeinsam das Europageschäft aufzubauen. Der Verkauf wurde größtenteils in Aktien bezahlt.

Wie ist Roman bei Amorelie eingestiegen?

Bei Fab gehörte eine passende Produktkategorie zu den stärksten, und Roman hatte dazu einen Business Case in der Schublade. Gemeinsam mit einem Freund investierte er rund 60.000 Euro für etwa 12 bis 15 Prozent. Weil kein VC einsteigen durfte und die Werbekonten gesperrt wurden, wuchs Amorelie über TV und wurde nach zwei Jahren an ProSiebenSat.1 verkauft.

Was macht The Global Talent?

Das Unternehmen sucht, trainiert und betreut Marketing- und Sales-Talente in Südafrika und Argentinien, die remote für Tech-Firmen in Europa und den USA arbeiten. Roman nennt es Talent as a Service: Die Firma kümmert sich um Verträge und Compliance, nimmt nur die besten 3 bis 5 Prozent der Bewerber und bildet laufend weiter, etwa im Umgang mit AI.

Was ist EterniTeam?

EterniTeam will das Nachfolgeproblem deutscher KMU lösen: Firmen, für die sich kein Nachfolger findet, sollen nicht schließen oder verramscht werden, sondern langfristig in die Hände der Mitarbeiter übergehen, etwa im Dachdeckerbetrieb, im Friseursalon oder in der Autowerkstatt. Feliks und Roman sind beide investiert.

Was meint Roman mit Balance over Time?

Roman vergleicht das Leben mit einem Zehnkampf: Es bringt nichts, der beste CEO zu sein, wenn Gesundheit, Freunde oder Familie auf der Strecke bleiben. Nicht jeder Monat muss ausgeglichen sein, aber über die Jahre sollte er in alle Bereiche investieren, die ihm wichtig sind.

Erwähnt in der Folge

Firmen, Personen und Produkte aus dem Gespräch
  • Rapid Pioneers GroupFirmaRomans Holding und Company Studio, mit dem er Consumer-Firmen aufbaut.
  • CasacandaFirmaRomans erste Gründung, ein Shoppingclub für Möbel, an Fab.com verkauft.
  • Fab.comFirmaUS-Unternehmen, das Casacanda übernahm, um das Europageschäft aufzubauen.
  • Rocket InternetFirmaKopierte Casacanda mit Westwing, worauf VCs ihre Termsheets zurückzogen.
  • AmorelieFirmaRomans frühes Investment, wuchs über TV und ging an ProSiebenSat.1.
  • FitviaFirmaD2C-Marke von Romans früherem Mitarbeiter Sebastian Merkhoffer, einer der ersten verkauften Influencer-Marketing-Cases.
  • FJ LabsFirmaUS-Investor, dessen Studio-Deals laut Roman die höchsten Renditen bringen.
  • LAP CoffeeFirmaKaffeekette, an der Roman sein Umdenken vom Preis- zum Community-Thema erklärt.
  • Flash CoffeeFirmaSüdostasiatisches Kaffeemodell an Metrostationen, das Roman zunächst für nicht auf Deutschland übertragbar hielt.
  • HYROXFirmaFitness-Wettkampfformat, dessen Class Feliks auf Bali mitgemacht hat.
  • PlaytomicProduktPadel-App, die Buchungen mit Community und Spielstärke-Score verbindet.
  • WeRoadFirmaItalienischer Anbieter von Gruppenreisen nach Alterskohorten, laut Roman stets profitabel.
  • EterniTeamFirmaLöst KMU-Nachfolgen über Mitarbeiterbeteiligung, Feliks und Roman sind investiert.
  • The Global TalentFirmaRomans neues Unternehmen für Remote-Talente aus Südafrika und Argentinien.

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