Vom Olympia-Gold zur globalen Fitness-Revolution
mit Moritz Fürste, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von HYROX, zweifacher Hockey-Olympiasieger
Zusammenfassung

Moritz Fürste hat im Hockey zweimal Olympiagold geholt und mit HYROX danach eine eigene Sportart erfunden. Zu Beginn der Folge geht es um seine Jugend in Hamburg, um die eine Chance bei einem Turnier in Chennai, ohne die er nie in den WM-Kader gerutscht wäre, und um die Fähigkeit, im entscheidenden Moment zu liefern. Dazu kommt die Angst vor dem Karriereende: Ein Teamkollege sagte ihm 2012, dass ihm nach dem Aufhören 5.000 Euro netto im Monat fehlen. Seitdem hat Mo die Zeit nach dem Sport geplant.
Die Idee zu HYROX entstand aus einer Statistik auf der FIBO: Viele Menschen nennen Fitness ihre Sportart, obwohl es dafür gar keinen Wettkampf gibt. Mo beschreibt HYROX als modernen Trimm-dich-Pfad aus acht Kilometern Laufen und Functional-Fitness-Workouts. Das erste Event sollte im Hamburger Volkspark stattfinden. Weil der HSV erstmals in der zweiten Liga spielte und die Saison früher begann, platzte der Termin, und HYROX zog in die Messehalle. Daraus wurde das Konzept eines Wintersports zwischen Oktober und April. Bei der Auswahl der Übungen flogen Monkey Bars und Box Jumps raus: zu wenig zugänglich, zu riskant oder zu aufwendig zu bewerten.
„Wir wollten immer einen Wettkampf bauen, den keiner abbrechen muss …“
Im Business-Teil nennt Mo Zahlen: knapp eine Million Teilnehmer im Kalenderjahr 2025, ein Durchschnittsticket von 125 bis 130 Dollar, rund 8.000 lizenzierte Gyms und Partnerschaften etwa mit Puma und Red Bull. Die ersten drei Jahre war HYROX komplett gebootstrapped, Ende 2019 stieg Infront als Minderheitsgesellschafter ein, weil sich sonst niemand für ein analoges Event-Business interessierte. Heute ist die Nachfrage das Problem: HYROX hätte in diesem Jahr drei Millionen Tickets verkaufen können, ist in 18 Monaten von 50 auf 230 Mitarbeitende gewachsen und wächst vor allem über zusätzliche Event-Tage statt neue Standorte.
Zum Schluss geht es um Medien und die Zukunft: Mo setzt auf Reichweite statt Pay-per-View, will die TV-Produktion nach dem Vorbild der NFL im eigenen Haus behalten und HYROX für die Olympischen Spiele 2032 in Brisbane ins Rennen schicken. 46 Prozent der Teilnehmenden weltweit sind Frauen, und die Messbarkeit der Zeiten macht aus einem Event eine Sportart. Verkaufen wollen er und Christian Toetzke in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht.
Zahlen aus der Folge
4 weitere Zahlen
Worüber am meisten gesprochen wurde
Kapitel
- 00:00Trailer & IntroIntro
- 01:18Jugend, Hockey und die eine Chance in ChennaiProfisport & Karriereende
- 06:28Mentale Stärke: Wie man im richtigen Moment performtProfisport & Karriereende
- 10:33Karriereende: Orientierungslosigkeit & der „zweite Tod“ im SportProfisport & Karriereende
- 14:19Einstieg ins Unternehmertum & Purpose-FragenGründung & Produkt
- 16:27Was ist HYROX? Der moderne Trimm-dich-PfadGründung & Produkt
- 19:51Entstehung von HYROX: Von der Fitnessbeobachtung zur IdeeGründung & Produkt
- 20:51Die Lücke im Markt: Warum HYROX mehr als nur ein Event istGründung & Produkt
- 22:16MVP & erstes Event: Von der Vision zur MessehalleGründung & Produkt
- 25:38Bewegungsauswahl mit System: Warum es keine Monkey Bars und Box Jumps gibtGründung & Produkt
- 27:46Abgrenzung zu CrossFit: Ein Wettbewerb für alleGründung & Produkt
- 29:21HYROX – was heißt das eigentlich? Der Name & seine MythenSportart, Marke & Medien
- 31:13Gründerteam & Rollen: Wer macht was bei HYROXGründung & Produkt
- 33:32Einnahmequellen: Tickets, Lizenzen, Merch & SponsorenGeschäftsmodell & Finanzierung
- 38:30Gibt’s HYROX-Profis? Die Elite 15 & ihre BedeutungGeschäftsmodell & Finanzierung
- 41:39Investoren, VC & WachstumsschmerzenGeschäftsmodell & Finanzierung
- 49:09Infrastruktur für den Sport: Trainingsformate & StudiosWachstum & Skalierung
- 52:33Der Weg zur eigenen Liga & möglichen Olympia-PerspektivenSportart, Marke & Medien
- 54:31Make everyone feel like an Olympic athlete: Die Race-ExperienceSportart, Marke & Medien
- 56:50Community-Frage: Wird HYROX zum Mannschaftssport?Wachstum & Skalierung
- 59:07Globaler Hype & Expansion: Vom deutschen Start zur WeltbühneWachstum & Skalierung
- 01:02:34HYROX als Plattform: Gyms, Brands & PartnerGeschäftsmodell & Finanzierung
- 01:04:33Markenaufbau & Medienstrategie: Von Insta bis ESPNSportart, Marke & Medien
- 01:08:44Sport-Dokus und das Vorbild Drive to SurviveSportart, Marke & Medien
- 01:11:26HYROX langfristig: Die Vision einer neuen SportartSportart, Marke & Medien
- 01:15:2646 Prozent Frauen und Mixed DoublesSportart, Marke & Medien
- 01:19:06Exit? Warum Mo und Christian nicht verkaufen wollenExit & Gründer-Mindset
- 01:20:19Tipps für Gründer:innen: Was zählt wirklich?Exit & Gründer-Mindset
- 01:21:37Persönlicher Blick: Unternehmertum als TeamsportExit & Gründer-Mindset
- 01:23:54Abschluss: Einladung zur Community & letzte GedankenExit & Gründer-Mindset
Key Learnings
- 1
Plane die Karriere danach, solange du noch oben bist
2012 sagte ein Teamkollege zu Mo, ihm fehlten nach dem Aufhören morgen 5.000 Euro netto im Monat. Mo rechnete nach: Das sind rund 9.000 brutto, und so viel verdienen nicht viele. Deshalb hat er dual studiert, Bachelor und Master gemacht und schon im Olympia-Zyklus bis 2016 etwa 20 Stunden pro Woche in einer Werbeagentur gearbeitet, um nie bei null zu stehen.
10:33 · Karriereende: Orientierungslosigkeit & der „zweite Tod“ im Sport - 2
Mach aus dem, was Leute sowieso tun, einen Wettkampf
HYROX hat nichts neu erfunden: Laufen, Schlitten schieben und Burpees machen die Leute ohnehin im Gym. Mo vergleicht es mit Golf: Wer jahrelang auf der Driving Range Bälle schlägt, freut sich, wenn endlich jemand einen Platz mit Löchern baut. Die Lücke fand das Team über eine Statistik auf der FIBO, nach der viele Fitness als ihre Sportart nennen, obwohl es dafür keinen Wettkampf gab.
16:27 · Was ist HYROX? Der moderne Trimm-dich-Pfad - 3
Das Event selbst ist dein bestes Marketing
Beim ersten Event in der Hamburger Messehalle waren rund 650 Leute am Start, viele davon eingeladen, und Mo hat die ersten drei Jahre alle Events selbst moderiert. Wichtiger als die Zahl war, dass es stattgefunden hat: Danach gab es Bilder statt nur Erzählungen. Auch das erste Event in Miami Beach 2018 mit rund 290 Teilnehmern machte es leichter, HYROX in einem neuen Markt zu erklären.
22:16 · MVP & erstes Event: Von der Vision zur Messehalle - 4
Bau ein Produkt, das niemand abbrechen muss
Jede Übung musste drei Prüfungen bestehen: Ist sie für die breite Masse machbar, ist sie sicher, und lässt sie sich ohne eigenen Kampfrichter pro Teilnehmer bewerten? Monkey Bars flogen raus, weil viele das eigene Körpergewicht über Schulterhöhe nicht halten können. Box Jumps flogen raus, weil sie auf die Dauer gefährlich sind. Schon die Wall Balls brauchen einen Judge pro Person; zwei weitere solche Workouts hätten bei großen Rennen 300 Judges bedeutet.
25:38 · Bewegungsauswahl mit System: Warum es keine Monkey Bars und Box Jumps gibt - 5
Gib den Leuten Zugang zum Sport, nicht nur zum Event
Wer beim London Marathon kein Ticket bekommt, läuft trotzdem weiter. Wer bei HYROX drei Jahre lang kein Ticket bekommt, ist raus. Deshalb will HYROX mit den Gyms Training, Test-Workouts und Challenges anbieten, damit die Leute die Sportart auch ohne Startplatz betreiben können. Die Nachfrage ist da: Mo sagt, sie hätten in diesem Jahr drei Millionen Tickets verkaufen können.
49:09 · Infrastruktur für den Sport: Trainingsformate & Studios - 6
Wachse über Tage statt über Standorte
Ein Event-Setup steckt in elf 40-Fuß-Containern, und davon gibt es weltweit zwölf. Statt immer neue Städte zu eröffnen, verlängert HYROX bestehende Events: Die Zahl der Events wuchs laut Mo von 60 auf 90, die Event-Tage von 120 auf 160. Für die kommende Saison plant er 110 Events und 350 Event-Tage. Das spart neue Venue-Mieten und bringt Skaleneffekte.
59:07 · Globaler Hype & Expansion: Vom deutschen Start zur Weltbühne - 7
Setz auf Reichweite statt auf die Paywall
Mo hält nichts davon, eine junge Sportart für kurzfristige Erlöse hinter Pay-per-View zu packen. Lieber hat er 150.000 Leute, die das WM-Rennen in den ersten 24 Stunden auf YouTube sehen und teilen, als 10.000 Hardcore-Fans, die je 10 Euro zahlen. Den nächsten Schritt sieht er in der eigenen TV-Produktion nach dem Vorbild der NFL, mit Partnern nur für die Distribution.
01:04:33 · Markenaufbau & Medienstrategie: Von Insta bis ESPN - 8
Messbarkeit macht aus einem Event eine Sportart
Obstacle Races wie Tough Mudder sind für Mo Bucket-List-Events: Man macht sie einmal und postet die Schlammfotos. Jeder Sport definiert sich dagegen über Messbarkeit. Wer bei HYROX gelaufen ist, schaut sich danach seine Split-Zeiten an und überlegt, wie er beim nächsten Mal besser wird. Schon vor fast zwei Jahren hatte die Website rund eine Million Hits im Monat, weil Leute immer wieder ihre Zeiten verglichen.
01:11:26 · HYROX langfristig: Die Vision einer neuen Sportart
Zitate

„Wir haben nichts neu erfunden, wir haben das Rad nicht neu erfunden, wir haben ja nicht Laufen oder Schlittenschieben erfunden.“„Wir wollten immer einen Wettkampf bauen, den keiner abbrechen muss …“„Ich halte überhaupt nichts von diesen Pay-Per-View-Ideen, Sportarten aufgrund von kurzfristigen Kommerzialisierungserlösen hinter irgendeine Paywall zu packen. Für uns geht es nur um Reach.“„… jeder Sport definiert sich immer durch Messbarkeit …“„Heute will ich eher als was anderes wahrgenommen werden, weißt du, das hat sich total gedreht. Ich bin der Gründer von HYROX und der ehemalige Nationalspieler.“Über den Gast

Moritz Fürste
Moritz „Mo“ Fürste war Hockey-Nationalspieler: 2006 Weltmeister, Olympiagold 2008 in Peking und 2012 in London, dazu Bronze 2016. Schon während der aktiven Zeit hat er dual studiert, Bachelor und Master gemacht und parallel rund 20 Stunden pro Woche in einer Werbeagentur gearbeitet. Im Januar 2017 saß er mit seinem damaligen Chef Michael Trautmann und dem Event-Experten Christian Toetzke zusammen, im April 2017 gründeten die drei HYROX in Hamburg. Mo und Christian führen das Unternehmen operativ als geschäftsführende Gesellschafter; Mo verantwortet Marketing, Kommunikation und Marke sowie Team und HR.
Häufige Fragen
Was ist HYROX?
HYROX ist ein Fitness-Wettkampf, den Moritz Fürste, Christian Toetzke und Michael Trautmann 2017 in Hamburg gegründet haben. Ein Rennen besteht aus acht Kilometern Laufen, unterbrochen von Functional-Fitness-Workouts wie Ski-Ergometer, Schlitten schieben, Burpees, Lunges und Wall Balls. Mo nennt es den modernen Trimm-dich-Pfad: Übungen, die die Leute sowieso im Gym machen, als Wettkampf verpackt. Man kann einzeln, im Double oder in der Staffel zu viert starten.
Wie verdient HYROX Geld?
Die größte Einnahmequelle sind Tickets: Im Kalenderjahr 2025 hatte HYROX knapp eine Million Teilnehmer bei einem Durchschnittsticket von 125 bis 130 Dollar. Dazu kommen Partnerschaften, etwa mit Puma, Red Bull, Amazfit und Myprotein, Merchandise und Lizenzen: Rund 8.000 Gyms weltweit zahlen im Schnitt etwa 120 Dollar im Monat, um HYROX-Training anbieten zu dürfen.
Wie wurde HYROX finanziert?
Die ersten drei Jahre war HYROX komplett gebootstrapped, die Gründer haben selbst investiert. Im Dezember 2019 reichte das Geld für die globale Expansion nicht mehr. Eine Family-and-Friends-Runde kam nicht zustande, Startup-Szene und VCs interessierten sich laut Mo nicht für ein analoges Event-Business. Eingestiegen ist schließlich Infront, ein Schweizer Sportrechte-Unternehmen, als Minderheitsgesellschafter mit einem Weg zur Mehrheit.
Was bedeutet der Name HYROX?
Nicht „Hybrid Rockstar“, auch wenn das in viralen Videos behauptet wird. Laut Mo war der Name eine Business-Entscheidung: Gesucht war ein Begriff, der sich weltweit schützen lässt und in jedem Markt gleich ausgesprochen wird. Weil fast jeder phonetische Begriff schon geschützt war, fiel die Wahl auf diese Buchstabenkombination.
Wird HYROX olympisch?
Mo hält das für sehr realistisch. HYROX erfüllt noch nicht alle Kriterien, arbeitet aber intensiv daran, bei den Olympischen Spielen 2032 in Brisbane auf dem Programm zu stehen. Bisher spricht für ihn nichts dagegen, dass das unter dem Namen HYROX passiert. Es sei aber gut möglich, dass es für 2032 noch nicht klappt.
Wollen die Gründer HYROX verkaufen?
Nein. Laut Mo haben inzwischen alle möglichen Investoren angerufen, aber er und Christian Toetzke wollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht verkaufen und HYROX nicht verlassen. Die Gesellschafterstruktur sei allerdings komplex, weil ihr Investor selbst zum Verkauf steht.
Erwähnt in der Folge
- HYROXFirmaMos Fitness-Wettkampf und Firma, um die sich die ganze Folge dreht.
- Christian ToetzkePersonMitgründer und Event-Experte, führt HYROX operativ mit Mo und verantwortet Business Development und neue Märkte.
- Michael TrautmannPersonMos früherer Chef in der Werbeagentur und dritter Mitgründer, hat sich operativ früh zurückgezogen.
- InfrontFirmaSchweizer Sportrechte-Unternehmen, das Ende 2019 als Minderheitsgesellschafter eingestiegen ist.
- CrossFitFirmaFür Mo eine Trainingsmethodik, keine Sportart; die CrossFit Games sind deutlich technischer.
- PumaFirmaEiner der strategischen, globalen Partner von HYROX.
- Red BullFirmaEbenfalls langfristiger globaler Partner.
- AmazfitFirmaChinesischer Wearable-Hersteller mit Uhren und Tracking-Tools, Partner von HYROX.
- MyproteinFirmaNutrition-Marke aus Großbritannien, gehört zur The Hut Group, laut Mo Hauptsponsor.
- Tough MudderFirmaBeispiel für ein Bucket-List-Event ohne Zeitmessung, im Gegensatz zu einer echten Sportart.
- IronmanFirmaVergleich in der Exit-Frage: 2015 für 650 Millionen von Providence Equity gekauft.
- Drive to SurviveSendungFormel-1-Doku als Vorbild für Storytelling rund um die HYROX-Athleten.
- Hunter McIntyrePersonHYROX-Athlet aus der Doku über das Rennen in Las Vegas 2022.
- London MarathonProduktGegenbeispiel: Wer kein Ticket bekommt, läuft trotzdem weiter. Bei HYROX fehlt dieser Zugang noch.
Transkript
00:00 Trailer & Intro
00:00 Moritz Fürste: Ich hatte die eine Chance in den fünf Spielen da in Chennai. Hätte ich da nicht performt, der ganze Rest der Geschichte würde sich völlig anders erzählen, weil ich wäre niemals in den WM-Kader gerutscht, weil dann kriegst du nicht nochmal im WM-Jahr eine Chance. Ich sag dir eins, ich höre jetzt auf, morgen fehlen mir 5000 Euro netto. Wer zahlt mir jetzt 5000 Euro netto? Egal, auch wenn es dreieinhalb sind, auch die kriegst du nicht mal eben so, wenn du mit Hockey aufgehört hast, konstant wieder. Das ist auch, glaube ich, der Kern des Erfolgsrezeptes. Wir haben eigentlich Sachen, die die Leute sowieso schon gemacht haben, in der Sportart übersetzt.
00:36 Feliks Eyser: Das heißt, das war auch quasi so der Unlock-Moment, dass ihr quasi gesagt habt, okay, die Leute, die eh die ganze Zeit Burpees machen und Schlitten schieben, lass die doch mal um die Wette Burpees machen und Schlitten schieben.
00:45 Moritz Fürste: Ja, im Grunde genommen genau.
00:47 Feliks Eyser: Willkommen bei Founder Mode, dem Entrepreneurship-Podcast mit mehr Kalorienverbrauch als 100 Wall Balls. Wir sprechen heute mit Mo Fürste, dem Gründer von HYROX, dem Sportphänomen, das international die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wir sprechen mit Mo darüber, wie er nach seiner Profisportkarriere und drei Olympia-Goldmedaillen als First-Time-Founder die Firma HYROX gegründet und die Sportart erfunden hat und welche Learnings sich aus dem Profisport ins Unternehmertum übertragen lassen. Viel Spaß. Hi Mo, schön, dass du da bist. Ich respektiere ja Leute, die in einem Bereich im Leben zu den Top-Performern gehören und an die Spitze gekommen sind. Du hast es gleich zweimal geschafft. Du hast im Sport als Athlete drei Goldmedaillen gewonnen, drei Olympiamedaillen gewonnen.
01:18 Jugend, Hockey und die eine Chance in Chennai
01:31 Moritz Fürste: Zweimal Gold, einmal Bronze.
01:33 Feliks Eyser: Wolltest du mich schon korrigieren?
01:34 Moritz Fürste: Ich habe es noch geschafft.
01:35 Feliks Eyser: Aber drei Medaillen insgesamt. Und in der Businesswelt bist du auch gerade dabei, die Goldmedaille zu gewinnen. Mit HYROX, der Sportart und der Firma, die du gestartet hast. Nimm uns doch mal ein bisschen mit, jemand wie du, der in zwei unterschiedlichen Bereichen krass weit oben mitspielt. Wie sah deine Jugend aus? Wie kann man sich das vorstellen, wie du aufgewachsen bist?
01:56 Moritz Fürste: Aufgewachsen? Ich habe einen Bruder. Der ist zwei Jahre jünger als ich. Wir stehen uns sehr nahe, haben eigentlich unser ganzes Leben zusammen verbracht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch tatsächlich jetzt, nachdem man dann irgendwann Anfang der 20er-Jahre ausgezogen ist, beruhen wir noch sehr, sehr viel Zeit zusammen. Meine Mutter ist allein, mein Vater ist ganz früh gestorben, als wir neun waren. Ich war neun, mein Bruder sieben. Und dann war es also ein spezieller Haushalt. Und Sport war immer der Club. Bei uns war es der Hockey-Club, war immer der Mittelpunkt des Lebens. Eigentlich zweite, fast schon häufig erste Heimat. Den ganzen Tag war verbracht, haben dann nicht nur Hockey gespielt. Auch Tennis, Fußball, Basketball, was auch immer. Mit so der Crew. War ja auch noch, kann man sich ja heute gar nicht mehr vorstellen, war ja noch die Vor-Handy-Zeit, irgendwie im Mitte, Ende der 90er. Zumindest, ich hatte erst relativ spät, eins im 16 oder so. Davor sind wir hier in der Straße rumgefahren. Die Jungs sind abgeholt und sind mit denen auf den Sportplatz gefahren. Ja, das war eigentlich meine gesamte Jugend. Ich habe früh Tennis gespielt, auch eher ambitionierter. Es gibt so die Story, ist auch keine Story, aber es ist die Wahrheit. Ich habe mit den beiden Zweriff-Brüdern, der eine ist viel jünger als ich, aber der ältere, mit dem habe ich viel doppelt zusammen gespielt. Die kommen aus dem gleichen Club und aus dem gleichen Ort hier im Norden von Hamburg. Ja, habe ich bei dem Vater, bei dem Vaterzweriff auch lange trainiert und wollte da auch irgendwie so meinen Weg machen. Das war jetzt nicht Richtung, ich war noch nicht so auf dem Weg, Profi zu werden. Dafür war ich noch zu jung, aber es war zumindest ambitioniert und ich war auch, glaube ich, ganz gut. Und dann musste ich mich irgendwann wegen der Schule für eine Sportart entscheiden. Dann hat meine Mutter gedrängt und dann ist es Hockey geworden. Ja, und ab dann eigentlich, das war aber erst so mit 15 und dann, ab dann begann so Hockey-Fokus. Da habe ich dann relativ spät auch erst, so mit 17, 18, so richtig Blut geleckt in Bezug auf, dass das vielleicht mal Richtung Nationalmannschaft oder so Endziele gehen kann. Das zieht sich wie so ein roter Faden durch mein Leben, dass dann, ich bin sehr opportunistisch und das war dann immer so,
04:04 Moritz Fürste: wenn eine Opportunity sich oder irgendeine Möglichkeit sich ergeben hat, dann habe ich das halt gemacht oder versucht zu machen. Aber wenn nicht, dann eben auch nicht. Also ich war so nicht der klassische, oh, ich bin, ich will mal ein Nationalspieler werden, sondern bei mir war es wirklich so, ich habe einfach Hockey gespielt und dann hat mir mega Spaß gemacht. Und als dann irgendwann auf einmal der Sprung kam, da ist ein Platz in der Bundesligamannschaft frei, dann habe ich so, krass, was der hat das geschafft, das könnt ihr ja vielleicht auch schaffen. Und dann, zack, bin ich all hingegangen und das Gleiche, so geht das immer weiter. Ich habe mich nie so richtig bei der Nationalmannschaft gesehen. Ich habe ganz spät erst alle normalen Sportler, auch in anderen Sportlandspielen, U16, U18 und so weiter. Nationalmannschaften, ich habe mein erstes Länderspiel in der U21 gemacht, da war ich auch schon 21. Also ganz, ganz spät und bin dann aber innerhalb von einem Jahr von der U21 direkt in Herrn Arcada gerutscht und auch dann in dem Jahr 2006 schon direkt Weltmeister geworden. Also das war dann alles relativ steil so, aber bis dahin war es immer eher so, ja, wenn sich die Chance ergibt, bin ich da und das habe ich, muss man sagen, das ist wahrscheinlich dann so der größte Skill, das habe ich eigentlich immer hinbekommen, in dem Moment, wo es dann so darauf ankam, dann auch zu überzeugen. Also es waren nicht viele Chancen, die ich hatte. Ich habe Chancen bekommen, es waren nicht viele, aber die habe ich dann halt genutzt. Also das ist ein plakatives Beispiel aus dem Hockey-Kontext und damit beendet ich dann die Jugendeinleitung war, dass ich wurde 2005 im Dezember, also nur kurz meine Nationalmannschafts-Arcada-Karriere, das war mein erstes Länderspiel und im August 2006 bin ich Weltmeister geworden mit der deutschen Mannschaft und im Dezember 2005 wurde ich nicht nominiert für so ein Six-Nation-Turnier in Indien, in Chennai, Madras. Und dann hat sich dort vor Ort einer, am ersten Trainingstag einer der besten Mittelfeldspieler verletzt und dann wurde ich angerufen, ob ich hinterherfahren kann. Und dann bin ich alleine nach Indien geflogen, vier Tage nach der Mannschaft, die waren schon alle da, hatten schon das erste Spiel gespielt. Ja, dann habe ich aber fünf Spiele echt, also für die Verhältnisse abgerissen, habe ein Tor geschossen, habe ein paar vorbereitet, habe für so einen jungen Spieler einfach, ich habe einfach performt. Und das war die eine Chance. Hätte ich da nicht performt, wäre der ganze Rest der Geschichte würde sich völlig anders erzählen,
06:14 Moritz Fürste: weil ich wäre niemals in den WM-Kader gerutscht, weil dann kriegst du nicht nochmal in WM-Jahre eine Chance. Ich hatte die eine Chance in den fünf Spielen da in Chennai. Und davon gibt es so ein paar mehr Storys über die Zeit, ja.
06:28 Mentale Stärke: Wie man im richtigen Moment performt
06:28 Feliks Eyser: Also eine deiner Skills ist, zu erkennen, wann der Moment ist, wo du da sein musst und dann auch da zu sein?
06:33 Moritz Fürste: Ich würde tatsächlich sagen, dass ich das kann. Ich glaube aber, dass das insgesamt, wenn wir jetzt noch kurz beim Sportkontext bleiben, ich glaube, dass das tatsächlich der Unterschied zwischen Weltklasse und sehr, sehr, sehr gut ist. Die Weltklasse-Spieler können, egal in welcher Sportart, im entscheidenden Moment exakt das abrufen, was nötig ist, um Spiele zu gewinnen. Ein bestes Beispiel aktuell ist Novak Djokovic. Der ist bei Weitem nicht mehr der beste Spieler der Welt. Aber in diesen Matches, One-on-One, wenn es darauf ankommt, wenn der Tiebreak spielt, auf einmal bei 4-4 kann er nochmal einen Gang hochschalten und gewinnt den Tiebreak trotzdem gegen den 20 Jahre jüngeren, viel fitteren Spieler auf der anderen Seite. Und da gibt es viele Beispiele von, wenn man sich mal, also die entscheidenden Finals von irgendeiner Sportart, wovon ihr Fan seid, wenn ihr euch mal die wichtigsten Spiele anguckt, die Top-Spieler werden in den entscheidenden Spielen immer irgendwie den Unterschied machen. Selbst beim Fußball wirst du selten haben, dass ein WM-Finale von jemandem entschieden wird, den du gar nicht so auf dem Schirm hattest und dachtest so, oh krass, kommt auch mal vor, aber sehr selten. Und diesen Unterschied ausmachen zu können, das ist, glaube ich, ein sehr, sehr krasser Skill.
07:43 Feliks Eyser: Das ist so ein feiner Unterschied, gerade beim Tennis. War das nicht Nadal, der gemeint hat, ich gewinne 52 Prozent der Punkte?
07:50 Moritz Fürste: Federer, Federer.
07:52 Feliks Eyser: Federer. Dieser Unterschied, der macht es aus. Und wie kultivierst du diesen Skill, in genau dem Moment da zu sein, abzuliefern?
08:01 Moritz Fürste: Ja, das ist inhaltlich schwer. Das ist einfach jedes Mal wieder, wenn es, also wie gesagt, es ist ein bisschen unterschiedlich jetzt, Kontext Sport und Business, aber im Sportkontext ist es halt, dieses einfach Grundvertrauen in die eigene Stärke, in dem Moment, wenn wieder ein olympisches Finale oder ein ganz wichtiges Spiel anstammt, reinzugehen und zu sagen, let's go. Ich weiß genau, was ich da mache. Ich weiß genau, was ich tun muss. Du hast halt, jeder hat natürlich so seinen eigenen Angang. Ich habe super viel visualisiert immer früher. Also ich habe die ganze Nacht vorher nicht geschlafen, vor wichtigen Spielen habe ich mir immer vorgestellt, wie mein Gegenspieler auf dem linken Fuß, wie ich ihn erwischen muss, wie der verteidigt, wie der Torwart sich verhält, wenn ich da eine Standardsituation gegen den habe.
08:44 Feliks Eyser: Bist du es vor deinem inneren Auge durchgegangen, statt zu schlafen?
08:47 Moritz Fürste: Ja, also sagen wir so, das waren meine Gedanken und die haben mich gar nicht schlafen lassen, stundenlang. Das war aber nicht schlimm, das ist dann für die eine Nacht okay. Ich habe vom olympischen Halbfinale vielleicht eine Stunde gepennt, also lag die ganze Zeit nachtwach. Aber das ist dann eben die Art der Verarbeitung oder Vorbereitung sozusagen darauf. Andere haben das völlig anders, andere legen sich hin, pennen zwölf Stunden und gehen dann topfit ausgeruht rein und das ist deren Geheimnis. Das ist aber für das eine Spiel, für die einmal bei uns 70 oder jetzt 60 Minuten, egal. Grundsätzlich solltest du schon mehr schlafen als Spitzensportler, aber für das eine spezielle Match ist es wirklich irrelevant.
09:27 Feliks Eyser: Okay, und dann nochmal auf deine Karriere, wir haben ja jetzt mit den Anfängen angefangen, der Rest ist ja so ein bisschen Geschichte, also 2008 Gold in Peking, 2012 Gold in London. War das die Aktion mit der MS Deutschland, wo dann hinterher die renoviert werden musste?
09:42 Moritz Fürste: Ja, genau, ob sie renoviert werden musste, sind wir da hingestellt, aber ja, das war die Story.
09:46 Feliks Eyser: Was ist das für eine Geschichte? Also mein Verständnis war, dass die ausgeliehen wurde an das Hockey-Team, um zu feiern und es bei dieser Feier dann etwas ausschweifender wurde.
09:58 Moritz Fürste: Ja, ja, ja, das ist inhaltlich so richtig. Wir haben da auf dem Schiff oben die Goldfeier gehabt, aber wir sind zwei Tage später mit dem ganzen Olympischen Team, mit 400 Leuten mit dem Schiff von London nach Hamburg zurückgefahren. Da gibt es auch so ganz spektakuläre Bilder. Also das Schiff fuhr noch, so viel war sicher. Also die haben es schlau als PR-Gag genutzt. Uns war es eigentlich auch egal. Das Einzige, was mich immer ein bisschen daran gestört hat, ist, dass eigentlich mehr Leute diese MS Deutschland Geschichte kannten, als die Tatsache, dass wir Gold gewonnen haben. Das fand ich wohl der Sache immer nicht so gerecht. Aber das war auch so ein bisschen typisch deutscher Boulevard. Und war okay. Also es war eine witzige Story und war eine geile Feier.
10:33 Karriereende: Orientierungslosigkeit & der „zweite Tod“ im Sport
10:33 Moritz Blees: Ja, das glaube ich, das glaube ich. Und dann 2016 nochmal Bronze und 2018 hast du dann deine Karriere beendet. Und es gibt ein Zitat von dir, was ich schön fand, nämlich als Sportler stirbt man zweimal. Einmal in dem Moment, wo du keine Karriere beendest und einmal dann, naja, wenn man halt stirbt. Und nehme ich mal mit zu diesem Moment, so nach dem Sport vor dem, was mache ich jetzt eigentlich? Also wie lange hast du dich darauf vorbereitet? Wie war dein Weg da?
11:06 Moritz Fürste: Ja, also relativ lang. Man muss ja auch sagen, als Sportler stirbt man zweimal. Ich glaube, das gilt tatsächlich für jeden Sportler, egal welche Sportart. Aber es gibt schon deutlich Unterschiede, die sich primär natürlich auf die finanzielle Grundsituation beziehen. Also wenn du eine Sportart machst, bei der du komplett ausgesorgt hast für die nächsten Generationen noch, wenn du jetzt nicht bescheuert bist, dann ist das nochmal ein anderes Ende als in einer Sportart, in der das finanziell nicht ausreicht, wo du also komplett, und das sind ja die meisten Sportarten, wo du komplett in eine andere Form der Karriere wechselst. Weil so richtig ausgesorgt, ausgesorgt in dem Sinne, haben ja wirklich die wenigsten Spitzensportler in Deutschland.
11:54 Feliks Eyser: Also finanziell wärst du wahrscheinlich besser beim Tennis geblieben?
11:58 Moritz Fürste: Ja, kann sein. Wobei, wenn man sich damit ein bisschen beschäftigt und weiß, dass da außerhalb der Top 50 oder 80 eigentlich kaum einer Geld verdient, dann ist die Frage, ob das Risiko nicht auch zu hoch ist. Aber du hast grundsätzlich recht. Wenn ich da auch irgendwann mal zu einem der Besten der Welt gekommen wäre, dann wäre das finanziell definitiv besser gewesen. Aber das war ja nie der Antrieb. Und zumindest glaube ich, dass das selten der Antrieb ist bei Sechsjährigen, die sich für eine Sportart entscheiden. Aber inhaltlich ist es so, dass ich dieses Ende, das hat mich sehr, ich habe so ein Buch geschrieben, in dem ich das auch relativ deutlich versucht habe zu erklären. Mir hat 2012 ein Freund, mit dem ich in Nationalmannschaft zusammen gespielt habe, der ist nur ein Jahr älter als ich, aber der hatte dann den Sprung da in die Nationalmannschaft nicht nochmal geschafft. Und dann hat er mir so gesagt, so ey, ich sag dir eins, ich will jetzt auf, morgen fehlen mir 5000 Euro netto. Also der hat über das Hockeyspielen, hat der mit Sponsoring und Sporthilfe und irgendwie, ich weiß nicht, was da noch dabei war, hat er so 5000 Euro netto verdient. Und dann meinte er, und ich sag dir, wer verdient 5000 Euro netto? Wer zahlt mir jetzt 5000 Euro netto? Und da habe ich dann angefangen, darüber nachzudenken. Da war ich ja noch Ende 20 oder so. Habe noch nebenbei studiert gehabt und so weiter. Und habe dann auch gesagt, krass ey, hast du mal angefangen so ein bisschen zu googeln, 5000 netto, 9000 brutto. Wer verdient so 9000 brutto? Das sind nicht so viele. Und dann wird die Luft schon dünn. Und das war für mich immer so ein, also jetzt nicht so ein Angstmacher, aber es war zumindest immer so ein Thema, was ich immer im Kopf hatte. Ich dachte, ich hatte nicht 5000 netto, also nicht so viel, aber insgesamt war es so, ja okay, egal, auch wenn es dreieinhalb sind, auch die kriegst du nicht mal eben so, wenn du mit Hockey aufgehört hast, konstant wieder. Und ich war super privilegiert, also obwohl ich jetzt nicht ein Million gemacht habe, aber was brauche ich, ich brauchte mit Mitte 20 auch nicht mehr
14:01 Moritz Fürste: als das, was ich hatte, ja, meine Wohnung bezahlen, mein Auto bezahlen, ab und zu mit den Jungs feiern gegangen und was weiß ich. Und das hat mich immer so ein bisschen angetrieben zu sagen, ich will eigentlich aufpassen, dass ich niemals in so eine Gap falle, also wo ich wirklich so kurz so bei Null stehe quasi und dann gucken muss, was jetzt passiert. Und deswegen habe ich mein duales Studium gemacht, Bachelor gemacht, Master gemacht, habe dann angefangen, schon parallel noch zu dem 2016er Olympia-Zyklus, habe ich parallel angefangen, in der Werbeagentur zu arbeiten, so 20 Stunden, weil ich immer gesagt habe, ja, dann geht es da vielleicht weiter. Ja, und dann kam wieder die Opportunity mit der Gründung nach 2016, den Olympischen Spielen, als ich dann damals noch in der Werbeagentur arbeitend mit meinem damaligen Chef, Michael Trautmann, man sich im Grunde genommen von mir getrennt hat, also man hat mir zwar einen anderen Job angeboten, lange Tour, aber das war nicht meine Welt, da wollte ich nicht bleiben und dann haben wir uns getrennt und dann saß Michael nicht zusammen.
14:19 Einstieg ins Unternehmertum & Purpose-Fragen
15:00 Feliks Eyser: Der hatte ich quasi nach draußen befördert, aber ins Unternehmertum. hat gesagt, hier, der Job ist nicht das Richtige, aber da gibt es eine andere Opportunity?
15:08 Moritz Fürste: Jein, also es war im Grunde genommen so, man hat mir in dieser Agentur einen anderen Job angeboten, konkret, und den wollte ich aber dann nicht machen, weil das passt, also das war nicht so meine Welt einfach. Ich hatte vorher da so Sportmarketing-Themen gemacht, das hat aber nie so richtig funktioniert. Und dann haben wir uns einfach gesagt, okay, dann passt das nicht, alles klar, ciao. und dann habe ich mich mit Michael zusammengesetzt und habe überlegt, wen wir in den letzten Jahren Spannendes kennengelernt haben, mit dem man mal über Business-nah reden kann. Und dann kam das Gespräch auch mit Christian Toetzke zustande, den wir früher in anderen Unternehmungen zu tun hatten. Ja, und dann ging das alles ganz schnell. Wir haben, ich glaube, am 10. Januar 2017 zusammengesessen, haben am 2. April die Firma gegründet, die damals noch 2, 3, 4 verschiedene Dinge vorhatte, aber sind dann relativ schnell innerhalb von 6 Monaten eigentlich zum One-Trick-Pony geworden. Und das war so die Entstehungsgeschehe. Sorry, Moritz, habe ich es ein bisschen schon vorgegriffen, aber also der Übergang zum Karriereende war so diese Phase, in der ich einfach so intrinsisch getrieben mir klar war, ich habe 2015 meine erste Tochter geboren, also das spielt ja auch noch eine wesentliche Rolle, dass irgendwie klar war, du kannst jetzt nicht noch Hockey so lange spielen, wie du willst, weil es Spaß macht und dann guckst du mal, was danach kommt, sondern es war immer klar, ich muss jetzt schauen, wie geht es weiter.
16:27 Was ist HYROX? Der moderne Trimm-dich-Pfad
16:27 Feliks Eyser: Dann nimm uns nochmal mit zu HYROX. HYROX ist zum einen eine Sportart, aber auch ein Business. Wie erklärst du deiner Oma beides? Erstmal die Sportart und dann das Geschäftsmodell.
16:35 Moritz Fürste: Ich glaube, das ist gar nicht so kompliziert. Also ich glaube, wenn du die Sportart erklärst, dass da grundsätzlich ein kommerzielles Unternehmen hintersteckt, das ist auch gar nicht so relevant. Also ich finde, der Fokus liegt voll darauf, wir entwickeln diese Sportart, wir entwickeln diese Plattform in der Welt des Sports und unser Antrieb im Background ist, das unternehmerisch zu treiben und wir müssen immer den schmalen Grad finden zwischen unternehmerischem Erfolg, wie man auch immer den definiert, aber gleichzeitig eben wirklich aufzupassen, dass man die Sportart nicht ausverkauft und dass man es nicht auf Kosten der Sportart macht. Und das machen wir auch. Wir haben sehr, sehr viele Entscheidungen, die du business-technisch gegeben mit, falls anders machen würdest, weil du sie eher so in the long run sehen und glauben, dass das langfristig uns erfolgreich macht. Ich gebe mal so ein paar kleine Beispiele, aber wir haben schon im ersten Jahr, als wir noch tiefe Verluste geschrieben haben, und wir haben verhältnismäßig viel Preisgeld gezahlt für das Top-Segment der Athleten. Das würdest du sicherlich nicht machen, wenn es dir nur auf die wirtschaftliche Optimierung geht, aber es war früh klar, dass man diesen Top-Bereich etablieren muss, wenn man wirklich eine Legit-Image-Sportart sein will. Und da gibt es auch ganz viele andere Facetten, aber...
17:53 Feliks Eyser: Wie läuft eine Race heute ab? Wie bereiten sich Leute darauf vor? Wenn da jemand noch nie was von HYROX gehört hat und sagt, okay, worauf muss ich mich einstellen? Was passiert da?
18:03 Moritz Fürste: Ja, ich glaube, man muss sich einfach damit beschäftigen. Ich bin auch so ein bisschen weg davon gegangen, immer so dieses, ja, das sind übrigens acht Workouts und acht Kilometer laufen, weil selbst wenn ich das jetzt sage und jemand hört das zum ersten Mal, das wird nicht reichen. Man muss sich damit wirklich beschäftigen. Das ist eine lange Phase an Consideration, die die Leute eingehen, wenn sie zum ersten Mal davon hören, bis sie vielleicht irgendwann mal ein Ticket kaufen. Und niemand, der heute jetzt hier das zum ersten Mal bei euch hört, wird morgen sagen, oh, ich kaufe mir ein Ticket. Von daher bin ich da relativ entspannt und sage einfach, guckt euch in Ruhe an, sprecht mal mit jemandem, der es vielleicht schon mal gemacht hat. Geht mal auf die Website, guckt euch bei Instagram oder auf Social ein paar Sachen an und wenn es euch catcht, dann let's go. Aber inhaltlich ist es halt eigentlich der moderne Trimmlichpfad. Wir haben den Trimmlichpfad in eine Sportart übersetzt. Also eine Mischung aus Laufen und Functional Fitness Workouts. Also eigentlich Sachen und das ist auch, glaube ich, der Kern des Erfolgsrezeptes. Wir haben eigentlich Sachen, die die Leute sowieso schon gemacht haben, in eine Sportart übersetzt. Also das muss man sich so ein bisschen vorstellen, wie wenn die Menschen ihr Leben lang Golfbälle auf einer Driving Ranch hauen und dann kommt irgendwann einer und sagt, ach so, hier ist übrigens so ein Platz. Ich habe auf einem grünen Park so Löcher in den Boden gemacht und da musst du jetzt den Ball einfach über 500 Meter reinhauen und dann zählst du die Schläge und die sagen, super, ich schlage ja hier seit sieben Jahren immer Golfbälle mit verschiedenen Schlägern. Verstehst du, also so interpretieren wir das. Die Leute haben alle schon Fangschweb Fitness trainiert, die sind alle Endurance. Wir haben nichts neu erfunden, wir haben das Rad nicht neu erfunden, wir haben ja nicht Laufen oder Schlittenschieben erfunden. Wir haben einfach die Sachen zusammengepackt, die die Leute sowieso im Gym machen und haben das als Wettkampf zusammengepackt. Und ich glaube, das hat zwar ein bisschen gedauert, aber seit der Tipping Point erreicht ist, verbreitet sich das eben auch sehr schnell, weil die Leute merken, krass, das trainiere ich ja sowieso schon seit zehn Jahren und kann ja auch hier bei dem Event mal mitmachen.
19:51 Entstehung von HYROX: Von der Fitnessbeobachtung zur Idee
19:51 Feliks Eyser: Das heißt, das war auch quasi so der Unlock-Moment. Also ich habe mal gelesen, dass 52 Prozent der Menschen sagen, dass Fitness ihre Sportart ist und dass ihr quasi gesagt habt, okay, die Leute, die eh die ganze Zeit Burpees machen und Schlitten schieben, lasst die doch mal um die Wette Burpees machen und Schlitten schieben.
20:08 Moritz Fürste: Ja, im Grunde genommen genau. Also wir haben diesen Stat, 2017, glaube ich, auf der FIBO gelesen bei irgendeinem Vortrag, wo wir saßen und dann haben wir uns wirklich angeguckt und gesagt, hä, das macht mir überhaupt keinen Sinn. Du kannst doch nicht sagen, dass was deine Sportart ist, wenn es da überhaupt keinen Sport gibt. Also, weil das Trainieren ist für mich, also der Wert, aus der ich komme, ich kann nicht, also ich würde nicht sagen, ich bin Hockeyspieler, wenn ich nie in meinem Leben an einem Spiel teilgenommen habe. Würde ich vielleicht sagen, ich trainiere ab und zu Hockey oder so, aber du willst ja irgendwann dann auch deine Sportart mal machen und genauso mit dem Insight sozusagen, das war unser, das war das Why, genau mit dem Ansatz sind wir so reingegangen und haben gesagt, wir müssen da oder da ist offensichtlich eine Lücke in der Sportwelt, lass uns die schließen.
20:51 Die Lücke im Markt: Warum HYROX mehr als nur ein Event ist
20:51 Feliks Eyser: Das klingt jetzt im Nachhinein total offensichtlich, und darüber nachdenkt, naja krass, natürlich brauchst du einen Sportart, natürlich musst du Zeiten messen, aber wie war der Moment, als du das zum ersten Mal realisiert hast, zu sagen, krass, da ist eine Lücke und das macht auch keiner?
21:03 Moritz Fürste: Naja, also erstmal finde ich, dass eigentlich alle, alle erfolgreichen Startup-Business-Konzepte im Nachhinein irgendwie immer sehr logisch wirken und man denkt so, aha, klar, lass mal eine Website bauen, wo alle Suchbegriffe auftauchen, die die Leute eingeben, dann haben wir alle Informationen für die, naja, macht sich ein bisschen, nein, aber der Moment war natürlich nicht so, weil die Geschichte erzählt sich rückwärts viel besser, natürlich war das jahrelang auch immer noch Zweifel und dann kommt zum ersten Mal wieder in 600 Leute und dann denkt man, oh krass, geil, ein paar Leute da und jetzt läuft's und dann führst du wieder Monate nichts, dann kriegst du Absagen von Sponsoren, dann kriegst du Absagen von potenziellen Partnern und was auch immer, irgendwelche Leute erzählen dir, dass es niemals was wird, dann sagt der Dritte, ah ja, gute Idee, weißt du, es geht die ganze Zeit, ist ja so ein Up and Down und du, ich glaube, das ist ja auch das Erfolgsrezept einfach, wenn du da selber nicht hundertprozentig von überzeugt bist und daran glaubst, dann wird das ganz schwer, das erfolgreich umzusetzen und ich glaube, das ist so, das haben wir immer gemacht, aber es war jetzt nicht so in dem Moment, dass wir das so gedacht haben, so bang, das wird, so ja, das erzählt sich jetzt wirklich rückwärts doch deutlich besser.
22:16 MVP & erstes Event: Von der Vision zur Messehalle
22:16 Feliks Eyser: Erzähl mal von eurem MVP, Minimum Viable Product, du hast gesagt, 600 Leute waren in dieser Halle in Hamburg, schon mal smart, eine Halle auszuwählen wahrscheinlich und das nicht outdoor zu machen. Wie sah das erste Event aus? Wie habt ihr diese Übungen ausgewählt? Wie seid ihr rangegangen, die allererste Competition durchzuführen?
22:30 Moritz Fürste: Ja, MVP in meiner Welt ist der most valuable player, aber das erste Event, das ist eigentlich witzig, weil die Story, ich weiß gar nicht, ob wir die schon so auf der Zeta haben, aber die Story ist so, dass wir 2017 den, wir wollten das erste Event eigentlich im Hamburger Volkspark stattfinden lassen, also outdoor, das ist so ein Park direkt hinterm Stadion und das war die Idee und dann spielte der HSV bekanntermaßen aber zum ersten Mal nicht in der in der ersten Liga, sondern in der zweiten.
23:07 Feliks Eyser: Hätte ja keiner denken können, dass das je passieren würde.
23:09 Moritz Fürste: Das hätte zu dem Zeitpunkt ja keiner denken können, genau, die Odds waren nicht so hoch und dann begann dadurch die Zweitligasaison früher und dadurch war unser Termin gecancelt, der da im Hamburger Volkspark geplant war für, ich glaube Mitte August irgendwann oder Anfang August oder irgendwie sowas und dann haben wir so überlegt, ja okay scheiße, wir können das nicht mehr im Volkspark machen und dann ist diese Idee in die Halle zu gehen, in die Messehalle eigentlich nur aufgrund der Absage durch den HSV entstanden, weil sie eben nicht konnten. Was und daraus ist aber dann ganz schnell der Kern des Business-Konzepts entstanden, nämlich dass wir ein Wintersport sind, der im Grunde genommen eher zwischen und gerade in der Startphase war das richtig, der zwischen Oktober und April stattfindet, also dann, wenn keine Triathlons, Marathons und so weiter anstattführen, weil zu dem Zeitpunkt, wir haben in Deutschland gestartet, waren das so unsere gedanklichen Konkurrenzprodukte, das hat sich inzwischen anders entwickelt, aber damals war das, und dann dachten wir, wollen wir nicht mit den Triathlons konkurrieren und den Leuten, die dafür trainieren, sondern wir gehen und dann können die Leute schön einen Alternativsport und dann haben wir, aber haben sofort gewusst, wir brauchen halt 10.000 oder mehr Quadratmeter Fläche, da kommen in Hamburg auch nicht viele Hallen in Frage, haben wir die Messehalle gebucht, haben da echt richtig Geld investiert, weil ich meine, wir buchen heute immer noch die gleiche Messehalle, also es ist nicht so, dass wir jetzt irgendwie ein Upgrade gemacht haben, ein paar mehr Leuten, aber ja und haben dann, dann haben wir alle Freunde und Bekannte angefragt und ein paar so Gyms aus der Umgebung haben das auch schon verstanden und waren dann auch heiß und haben ihre Mitglieder mitgebracht und ja, waren da irgendwie 650 Leute beim ersten Event am Start, ich habe die ersten drei Jahre noch die Events immer alle moderiert, selber noch, wir sind jetzt in Gyms gefahren und haben irgendwelche, ich habe morgens um neun Hamburger Norden irgendwo beim Gym mit 20 Mammis, zusammen den erklärt, was ein Ski-Ergometer ist und wie man Schlitten schiebt und so und den haben gesagt, die haben da eingeladen und natürlich haben wir im ersten Jahr da mehr oder weniger alle eingeladen, aber es war ein Footprint und es hat halt stattgefunden
25:10 Moritz Fürste: und du konntest danach Bilder zeigen und hast nicht immer nur drüber geredet und das war, das haben wir sehr schnell gemerkt, dass unser bestes Marketing-Tool das Event an sich ist, also wir haben teilweise nachher 2018 wirklich Events gemacht, wir haben in Miami ein Event gemacht, da waren glaube ich 290 Teilnehmer, das erste in Miami Beach, South, Beach, aber auch da wieder, wir hatten ein Event gemacht, es war da auf der Straße, es gab Fotos davon und das war deutlich einfacher, das dann in dem Markt zu erzählen, als wenn du immer nur drüber redest.
25:38 Bewegungsauswahl mit System: Warum es keine Monkey Bars und Box Jumps gibt
25:38 Feliks Eyser: Du hast gerade gesagt, so ein Race besteht daraus, du läufst achtmal einen Kilometer, dazwischen machst du die Übungen, also Schlitten schieben, Ski-Erg zum Beispiel, Burpees, Lunges und so weiter. Welche Übungen haben es nicht in das Produkt geschafft? Was wolltet ihr aufnehmen, was es fast geschafft hätte, aber mittlerweile nicht Teil der Races?
25:54 Moritz Fürste: Ja, also einige, wir haben schon quer durch die Beet getestet und haben dann auch viel so mit Sportwissenschaftlern unserer Head of Sports, der Mintra Tilli, zusammen viele verschiedene Aspekte beleuchtet und am Ende sind die, das No kam immer entweder aus der Kategorie Accessibility, also ich gebe mal ein Beispiel zum Monkey Bars, das ist ein Workout, wo du dich so lange hangelst, oben, das ist in der Masse für den weiblichen Körper nicht schaffbar, weil, also, das gibt ganz viele Frauen, die können Monkey Bars machen, aber wenn du jetzt dieses, wir wollten ja Massenprodukt werden, Everybody, und es gibt viele Frauen, die können das eigene Körpergewicht oberhalb der Schulter, also übrigens, ich tue mich auch schwer, aber bei Frauen in der Masse insgesamt ist es schwierig, oberhalb der Schulter das eigene Körpergewicht zu halten, das haben wir dann mit Sportwissenschaftlern analysiert und herausgefunden. Wir wollten immer einen Wettkampf bauen, den keiner abbrechen muss, ja, also es war für uns nicht ein Obstacle Race, wo du sagst, ja, dann gehst du halt außen rum, sondern es ist ein Wettkampf und wenn du dann da nicht durchkommst, dann bist du raus und das geht nicht. Also fiel sowas raus oder Boxjumps fielen raus, weil, das ist das zweite Thema, ist so eine Mischung aus Risk und Judgeability, weil wir brauchten Workouts, die nicht für jeden Teilnehmer einen eigenen Judge bedeuten, weil du sonst natürlich bei, man sieht es ja bei den Wallballs, das ist das letzte Workout bei HYROX, da brauchst du jeweils einen individuellen Judge. Wenn man sich jetzt vorstellt, wir hatten noch zwei von diesen Workouts, wo man einen individuellen Judge braucht, wirklich im One-to-One, dann wäre das operativ sehr, sehr schwer, weil dann bräuchtest du bei den größten Rennen auf einmal schon 300 Judges nur für diese drei Workouts. Das war also auch ein Kriterium, wie können wir Workouts kreieren, die überschaubar sind in der Masse und trotzdem so ein Schiedsrichterverhalten haben. Boxjumps zusätzlich auch noch verhältnismäßig gefährlich auf die Dauer, wenn du da 100 Stück machen sollst und dann fällt es dir irgendwann und crackst du deinen Enkel oder fällt es dann noch runter oder was auch immer. Also das waren so alles Kriterien, an denen wir das Ganze angegangen sind.
27:46 Abgrenzung zu CrossFit: Ein Wettbewerb für alle
27:46 Feliks Eyser: Das wäre auch mein Verständnis, wie ich HYROX wahrnehme relativ jetzt zu Crossfit Games, die es ja vorher schon gab, dass die, also ich würde sagen, vier von fünf Übungen, die bei so einem Crossfit Game gemacht werden, würde ich jetzt nicht verletzungsfrei ohne weiteres hinbekommen, muss ich mal an der Stelle sagen. Also es ist deutlich technischer.
28:07 Moritz Fürste: Ja, ja, nein. Also das ist aber auch der wesentliche Unterschied. Crossfit ist eine Trainingsmethodik. Crossfit ist kein Sport, ist keine Sportart. Du kannst dich für die Crossfit Games ja auch nicht anmelden. Du kannst dich für die Open anmelden. Das ist eine digitale Competition, sondern die Besten sich auch für diese Games qualifizieren können. Aber das ist kein Mass-Panticipation-Event in dem Sinne. Es ist ein Mass-Panticipation-Event, basierend auf der Sportmethodologie des Crossfit-Trainings, was sich sehr aus Gymnastik, Gewichtheben zusammensetzt. Ist aber sehr technisch. Es ist wirklich für die Top, Top, Top. Und ich bin sehr müde, dass das Vergleich ist, weil der Vergleich ist ungefähr so wie ein 1500 Meter Laufen mit 100 Meter Sprintvergleichen. Es ist beides Laufen, aber es sind zwei völlig verschiedene Sportarten, die völlig verschiedene Skills bedeuten. Also ein guter 1500 Meter Läufer wird auch eine relativ gute 100 Meter Zeit laufen, aber er wird niemals Weltmeister. Und so ungefähr kannst du es auch bei uns vergleichen. Ein guter Crossfitter wird bei HYROX durchkommen und wird keine Probleme haben mit den Workouts, vielleicht eher schon mit dem Laufen, aber er wird niemals Weltmeister. Das sehen wir auch. Und andersrum genau das Gleiche. Ein guter HYROX Athlete wird bei Crossfit auch sich gut anstellen, aber wird niemals eine Chance haben, die Games zu gewinnen.
29:21 HYROX – was heißt das eigentlich? Der Name & seine Mythen
29:21 Feliks Eyser: Was sind ansonsten Mythen rund um HYROX, mit denen wir mal aufräumen müssten?
29:24 Moritz Fürste: Der Name ist wirklich der größte Mythos, aber den werde ich nicht auflösen, weil ich finde es total lustig. Da passiert auf Social Media wirklich eine Menge.
29:31 Feliks Eyser: Da gibt es ein Geheimnis drumherum, was du hütest oder wie? Was ist der Mythos?
29:36 Moritz Fürste: Nö, das Geheimnis, ich weiß nicht, wo er es kam, aber vor anderthalb Jahren oder so kamen auf einmal die ersten Videos sind viral gegangen, wo Leute gesagt haben, dass HYROX Hybrid Rockstar bedeutet. Und dann sind da die Videos zu kreiert worden, wie die Leute, dass sie das so furchtbar finden, Hybrid Rockstar und so weiter. Und wir saßen wirklich da und sagten, es hat gar nichts damit zu tun. Und wir fanden es aber lustig und haben das bis jetzt weitestgehend unkommentiert gelassen. Wir haben immer mal gesagt, so wie ich jetzt sage, dass es wirklich gar nichts damit zu tun hat. Wir haben damals wirklich erst, zwar wie so eine Business-Entscheidung. Wir haben einfach geguckt, was kann man global schützen? Welcher Begriff funktioniert global? Welcher Begriff wird global gleich ausgesprochen? Weil du ja nicht willst, dass das irgendwie in jedem Markt anders ausgesprochen wird, wenn du so eine neue Brand implementierst. Und der globale Markenschutz ist relativ komplex. Also es ist jetzt nicht so, dass da noch wahnsinnig viele Lücken sind. Es ist das Gefühl, dass jedes, zumindest phonetische Wort, jeder phonetische Begriff ist irgendwie geschützt. Naja, und dann haben wir uns für diese Kombination der Buchstaben entschieden, die jetzt HYROX heißen. Aber auf jeden Fall heißt es nicht Hybrid Rockstar.
30:41 Feliks Eyser: Also damit kann ich aufbauen. Ihr seid die zweite Hamburger Firma, die sich gegen dieses Rockstar-Image werdet, oder? Westermeyer auch. Das hieß doch mal Online-Marketing Rockstars ganz früh und er tut ja alles dafür, dass das nicht mehr so ist und OMR heißt.
30:52 Moritz Fürste: wir wehren uns gar nicht dagegen. Wir sind völlig fein mit dem Begriff Rockstar. Wir haben nur gesagt, dass die Begründung des Namens HYROX nicht Hybrid Rockstar bedeutet. Das ist einfach nie gefallen.
31:03 Feliks Eyser: Ich bin voll auf diese Ente reingefallen im Übrigen. Ich war mir hundertprozentig sicher, dass es wirklich von Hybrid Rockstars kommt. Aber gut, dass wir es aufgeräumt haben, Moritz. Sehr gut. Ihr habt zu dritt gegründet. Du hast erzählt, Michael, dein ehemaliger Chef, der hat eine Rolle gespielt, ist jetzt nicht so operativ involviert. Christian und du, ihr macht das operativ. Christian hat auch ein Background in Sportevents. Wie ergänzt ihr euch zu zweit, zu dritt und welche Rolle habt ihr?
31:13 Gründerteam & Rollen: Wer macht was bei HYROX
31:30 Moritz Fürste: Ja, also operativ machen Christian und ich das eigentlich fast von Anfang an zu zweit. Michael hat natürlich gerade am Anfang mit seinem Netzwerk unterstützt. Er hat sich dann aber operativ relativ schnell rausgezogen. Inzwischen gibt es ja auch unterschiedliche Anteilssituationen auch als am Start. Aber Christian und ich sind operativ sozusagen ein Lead, genau als geschäftsführende Gesellschafter und teilen uns relativ straight auf. Also ich mache hauptsächlich das ganze Thema Marketing, Kommunikation, Marke und dazu viel intern gerichtete Themen, also Team, Employer, HR und so weiter. Und Christian ist sehr im Business Development unterwegs, also sowohl das Event, das Produkt an sich weiterzuentwickeln, als auch die Emerging Markets, neue Märkte und so weiter. neue Firmengründungen in den ganzen Märkten. So sind wir eigentlich aufgeteilt und dann haben wir auf unser C-Level noch so ein bisschen verteilt die Tasks.
32:27 Feliks Eyser: Und er hatte, Christian hatte davor Ironman gemacht, glaube ich, oder war da in der führenden Rolle?
32:32 Moritz Fürste: Genau, er war bei Lagardère, dem Vermarkter angestellt, nachdem er seine erste Firma an die verkauft hatte und war dann eine Zeit lang verantwortlich bei Wanda Sports, ein chinesischer Konzern für, ja, im Grunde genommen alle Event-Konzepte. Und das hat er aber nur ein Jahr gemacht, bevor wir dann gekundet haben.
32:52 Feliks Eyser: Okay, und kam aber aus der Organisation von solchen Events, ne?
32:56 Moritz Fürste: Ja.
32:56 Feliks Eyser: Weil wenn ich jetzt von außen auf euch als Team drauf gucke, so, ne, ein Werber gründet mit einem Hockey-Nationalspieler, der auch quasi in der Werbeagentur gearbeitet hat und der Head of Sports-Marketing war eine Firma, dann würde ich sagen, okay, ich glaube denen total, dass die die Events vollbekommen, aber kriegen die die Events dann ausgerichtet?
33:14 Moritz Fürste: Ja, genau, das war auch genau der Ansatz. Christian ist absoluter Event-Experte. Ich glaube so von der Idee und vom Mindset her, glaube ich nicht, dass es viele auf der Welt gibt, die da mehr Insights haben für die Umsetzung von Sport-Events. Und deswegen haben wir auch an diese Kombination so geglaubt.
33:32 Einnahmequellen: Tickets, Lizenzen, Merch & Sponsoren
33:32 Feliks Eyser: Dann lass uns doch vielleicht mal über die Business-Seite sprechen. Ich habe verstanden, du stellst die Sportart mehr in Mittelpunkt und auf der anderen Seite musst du bei den Events die Leute bezahlen, musst du die Locations anmieten. Das ist ein Riesenaufwand, der dahinter steckt, solche Events zu organisieren. Ich habe eine Quizfrage für euch beide und zwar habe ich probiert auszurechnen, wie die Chance ist, die Goldmedaille im Business zu gewinnen. Im Sport ist es so 1 zu 500, also von professionellen Athleten hast du so eine 0,2-prozentige Chance, eine Goldmedaille zu gewinnen. Im Firmengründen, was glaubt ihr, wie viel Umsatz muss man machen, um unter den Top 0,2% zu kommen? Also die Goldmedaille um Umsatz zu gewinnen.
34:11 Moritz Fürste: Ich habe keine Ahnung.
34:12 Feliks Eyser: Moritz, du bist der Mann für die Schätzfragen.
34:16 Moritz Blees: Ja, also mein erster Guess war 10 Mio Umsatz.
34:22 Feliks Eyser: Da bist du noch nicht auf dem Treppchen.
34:24 Moritz Fürste: Ich hätte 100 gesagt.
34:26 Feliks Eyser: Ja, du bist nah dran. Du bist nah dran. Also es sind so, ChatGPT sagt so um die 150, ist natürlich schwer nachzuvollziehen, aber mit 70 Mio. Umsatz gewinnst du die Bronze-Medaille, bei 100 Mio. hast du Silber und 150 Mio. da bist du unter den Top 0,2% aller Firmen. Also hast quasi die Business-Gold-Medaille gewonnen. Wo steht HYROX auf dem Treppchen aktuell? Kannst du uns einen Überblick über das Business und die Zahlen geben? Hast du die Goldmedaille schon?
34:50 Moritz Fürste: Wir haben uns jetzt in den letzten Jahren in umsatztechnisch das ja verhältnismäßig transparent allein dahingehend, dass man die Teilnehmerzahlen bei uns wie sie, wenn man wollte, nachgucken kann. Insofern mache ich da jetzt mal ein bisschen Geheimnis drauf.
35:09 Feliks Eyser: Wer das wollte, würde man sagen, sind wahrscheinlich so 600.000, 700.000, sowas?
35:13 Moritz Fürste: Das waren es in der letzten Saison, genau, für das Jahr, Kalenderjahr 25, aber hatten wir jetzt eine knappe Million Teilnehmer.
35:20 Feliks Eyser: Wow. So das Durchschnittsticket kann man ja auch nachgucken in allen Märkten. Würde ich mal schätzen, irgendwas über 100 Euro.
35:30 Moritz Fürste: Ja, liegt so bei 125, 130 Dollar im Schnitt. Also kannst du sagen, dass wir uns so langsam Richtung Gold entwickeln. Haben wir noch ein paar andere Revenue Streams neben dem reinen Ticketverkauf.
35:46 Feliks Eyser: Was sind andere Revenue Streams?
35:48 Moritz Fürste: Ja, also ganz wichtiger in dem Business grundsätzlich sind Partnerships. Wir haben wirklich strategisch langfristige globale Partnerschaften, insbesondere mit Puma und Red Bull. Amazfit ist ein wearable, chinesischer wearable Hersteller mit Uhren und diesen Tracking-Tools fürs Training und so weiter, insbesondere. Und dann haben wir nochmal Protein, eine Firma aus UK, die gehört zu The Hut Group, großer E-Commerce-Retailer, auch Nutrition-Bereich, auch in anderen Bereichen, aber vor allen Dingen auch da. Und dann eben noch viele lokale Partnerschaften. Also das ist ein wichtiger Revenue Stream. Und dann ist Merchandise inzwischen ein Riesenthema für uns geworden, ein ganz, ganz wichtiger Part. Und wir haben vor allen Dingen aber dieses Gym-Lizenz-Thema. Also wir haben ca. 8000 globale Gyms, die eine HYROX-Lizenz haben und Training anbieten dürfen dadurch. Und das ist auch ein sehr wichtiger Revenue Stream für uns geworden.
36:43 Feliks Eyser: Das war übrigens die Story, wie ich zu HYROX gekommen bin. Das habe ich dir erzählt neulich, Mo, beim Dinner. Da war ich auf Bali in Uluwatu auf der Halbinsel, bin da in das lokale Gym gegangen. Da stand da, dienstags ist HYROX-Tag. Da dachte ich, das ist ja krass. Das ist doch was Deutsches. Und da habe ich diesen HYROX-Workout gemacht auf Bali in so einem Outdoor-Gym bei 30 Grad Außentemperatur, 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Und mir ist der Schweiß literally aus der Schuhsohle rausgelaufen. Danach, ich dachte, was ist das denn? Da habe ich gedacht, okay, jetzt muss ich mal bei so einer Competition mitmachen. Das war mein Onboarding. Durch eins von diesen 8000 Partner-Gyms war ich auf all places. Und mir hat der Typ in Südafrika erzählt, er zahlt für die Lizenz so umgerechnet in etwa 250 Euro im Monat. Kann das stimmen? Das ist ja scheinbar zu viel.
37:29 Moritz Fürste: Also im Grunde genommen kostet, die Lizenz kostet eher so 120 Dollar im Monat.
37:34 Feliks Eyser: Okay.
37:35 Moritz Fürste: Das ist eigentlich so der Schnittpreis. Es gibt eine abgegradete Lizenz, das nennen wir das HYROX Performance Center, wo wir dann mit dem Gym zusammen, das limitieren wir aber auch auf so 500.000 Einwohner pro Performance Center. Und da bauen wir dann aber wirklich zusammen mit dem Gym komplett HYROX rein quasi. Also alles unser Equipment, Branding und so weiter. Ein bisschen abgegradete Version.
37:58 Feliks Eyser: Wie viele gibt es von denen? Es sind nicht so viele, oder?
38:01 Moritz Fürste: Ich glaube, dass es davon noch nicht mehr als 10 gibt global. Da haben wir jetzt gerade angefangen. Wir haben in UK jetzt einen Vertrag unterschrieben mit einem Gymketten Provider, die 50 von denen aufmachen über ganz England. Aber das geht jetzt so gerade los, dieses zweite Segment.
38:18 Feliks Eyser: Okay, spannend. Das heißt, also wir nehmen mit über 100 Millionen an Ticket Sales, über 10 Millionen an Licensing. Dazu kommt noch Merch und dazu kommt noch Partnerships.
38:29 Moritz Fürste: Das ist akkurat.
38:30 Gibt’s HYROX-Profis? Die Elite 15 & ihre Bedeutung
38:30 Feliks Eyser: Wenn wir aus jetzt Vermarktbarkeit uns das Ganze angucken, wie läuft denn so eine HYROX Saison? Weil du hattest ja eben gesagt, dass viel Preisgeld ausschütten an die Pro Athletes oder an die Athleten für euch total wichtig war oder ist. Gibt es denn Pro Athletes?
38:51 Moritz Fürste: Ja, also die Pro Pro Schiene, also die, ich sage mal, wir nennen das bei uns Elite 15, die 15 besten Männer und Frauen, sowohl im Einzel- als auch im Double. Die Hälfte davon sind inzwischen Vollprofis. Die machen nichts anderes mehr. Die leben aber nicht nur vom Preisgeld. Sie leben natürlich vor allen Dingen von Endorsement Deals, Sponsorships und sowas. Aber auch die Art und Weise, wie sie jetzt als Coach gebucht werden oder als Athlet per se. Die bauen ihre eigenen Businessmodelle, ob das digitale Trainingscamps sind und solche Geschichten da drauf. Also das sind die richtigen Profis, die trainieren wie Vollprofis eher mehr. Machen ihre 10, 12 Einheiten die Woche und machen nichts anderes, als HYROX Profi zu sein.
39:34 Feliks Eyser: Und wenn ich jetzt bei diesem Elite 15 teilnehme und da jetzt, keine Ahnung, Sechster werde, was ist denn mein Preisgeld?
39:39 Moritz Fürste: Also es gibt vier Major Races. Du könntest auch sagen so Weltcup-Rennen in anderen Sportarten und die Weltmeisterschaften. Und dann gibt es noch drei Regional Championships. Also insgesamt gibt es acht von diesen Rennen. Das Preisgeld ist bei denen, ist noch gar nicht verkündet, aber du kannst ungefähr sagen, dass du so im Ballpark zwischen 3.000 und 8.000 Euro liegst als Sechster.
40:03 Feliks Eyser: Okay, also zusätzlich brauche ich schon Sponsoren, damit ich, also ich kann von dem Preisgeld an sich eher schlecht leben.
40:10 Moritz Fürste: Nee, das wird eng. Also dann müsstest du schon wirklich alle Majors und die WM gewinnen. Dann würdest du im Jahr wahrscheinlich so irgendwas um die 60.000, 70.000 Dollar rausgehen. Aber dann müsstest du auch alles gewinnen.
40:22 Feliks Eyser: Moritz, ich sponsor dich. Ich übernehme es. Ich finanziele dir die Karriere, wenn du dir als Ziel setzt, unter die Top 15 zu kommen. Moritz hat gerade erzählt, er ist umgezogen, wohnt jetzt neben der Tartan-Bahn. Das ist schon mal der erste Schritt.
40:35 Moritz Blees: Das stimmt.
40:35 Feliks Eyser: Wie sollte Moritz trainieren, wenn er ambitioniert ist? Mein Ziel ist in zwei Jahren bei der Weltspitze mitzulaufen?
40:41 Moritz Fürste: Zum Glück kümmere ich mich ums Business und nicht um die Weltspitze.
40:44 Feliks Eyser: Ob wir Christian fragen?
40:46 Moritz Fürste: Naja, ich glaube auch, das ist keine gute Idee. Aber es gibt bestimmt ein paar Athleten, die du fragen kannst. Aber du musst auf jeden Fall sehr, sehr schnell laufen können. Das ist unerlässlich.
40:55 Feliks Eyser: Es ist am Ende doch eine Race.
40:58 Moritz Fürste: Absolut, absolut. Es ist am Ende eine Race. Die Top-Leute, also wenn ich jetzt bei den Männern schaue, die laufen da schon so Kilometer-Splits unter 3,30 für dieses Rem, die achtmal. Das ist schon ein schnelles Tempo.
41:11 Feliks Eyser: Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass man dazwischen ja noch irgendwie ein paar Workouts macht. Das ist wirklich krass. Schaffst du das auf dem Fahrrad, Moritz? Ein 3,30er-Schnitt?
41:18 Moritz Blees: Ausschließlich aus dem Fahrrad. Also ich glaube, ich könnte genau einen Kilometer mit 3,30er-Schnitt laufen, glaube ich.
41:23 Feliks Eyser: Meinst du, das müssen wir ausprobieren?
41:25 Moritz Blees: Also ich glaube, ich schaffe das nicht. Also ein Kilometer? Schon schnell, aber...
41:31 Feliks Eyser: Okay, wir probieren das mal. Wir machen ein Experiment für die Founder-Mode-Community und dokumentieren das und gehen auf deine Tartanbahn und probieren mal einen Kilometer bei 3,30 zu laufen und rufen den Krankenwagen schon mal. Wie habt ihr euch am Anfang finanziert? Was musste denn das erste Event reinstecken in Hamburg? Und habt ihr Geld geraced? Seid ihr gebootstrapped? Erzähl mal über die finanzielle Seite, wie man sowas aufbaut.
41:39 Investoren, VC & Wachstumsschmerzen
41:51 Moritz Fürste: Ja, nee, wir waren komplett gebootstrapped. Die ersten drei Jahre haben wir selber investiert. Ehrlicherweise weiß ich tatsächlich nicht mehr genau, was die Kosten für das erste Event waren, aber das liegt schon auf jeden Fall eine sechsstellige Summe irgendwo im unteren Drittel des sechsstelligen Bereiches.
42:11 Feliks Eyser: 100 bis 200, 300, 300 K. Die Halle zu mieten oder was ist das Teure?
42:15 Moritz Fürste: Ja, das ganz Teure ist die Halle zu mieten für Aufbau, Abbau und den Eventtag und dann natürlich die Logistik dahinter und so weiter. Also ich würde mal so schätzen 150 bis 200 K war das erste Jahr.
42:25 Feliks Eyser: Und wie ist das so aus der Liquidität? Hast du das meiste Geld aus dem Ticketvorverkauf schon eingenommen, bevor du die zahlen musst oder musst du das irgendwie vorstrecken?
42:33 Moritz Fürste: Naja, also damals haben wir überhaupt keine Tickets verkauft. Von daher, damals war, wie gesagt, alles selbstfinanziert über die ersten drei Jahre. Heute ist das ein sehr angenehmer Zustand, dass wir die Events ja meistens sechs bis neun Monate vorher ausverkaufen und dann dementsprechend die Liquidität komplett da ist. Das ist ein großer Vorteil des Businesses, dass du eigentlich immer Cashflow positiv wirst, also sobald du halt profitabel geworden bist, klar. Aber dann, ab dann ist es eigentlich positiv.
43:04 Feliks Eyser: Und dieses Investment, das ihr da aufgenommen habt, von wem war das und warum? Also was war die Idee dahinter?
43:10 Moritz Fürste: Ja, das war eigentlich, wir waren dann 2019 im Dezember soweit, dass wir in Deutschland so unsere vier, fünf Events gemacht hatten, in den USA unsere ersten gemacht hatten, aber wir gemerkt haben, dass insbesondere für die globale Expansion jetzt mehr Cash nötig ist. Wir haben das dann versucht, selber zu machen, haben auch so ein bisschen Family and Friends-Runden versucht, wo sich viele von heute in den Arsch beißen, also wir auch am Ende, aber...
43:33 Feliks Eyser: Die sie nicht gemacht haben?
43:35 Moritz Fürste: Ja, insgesamt, also es hat eigentlich keiner gemacht. Wir haben eigentlich gar kein Geld gefunden, irgendwie aus den Bereichen und haben dann einen mit Infront, so ein Schweizer Unternehmen, die für den Sportrechte-Bereich unterwegs sind, aber auch so ein paar Events-Serien in Deutschland haben, die haben dann von der Größenordnung für die auch kein großes Ticket haben, die dann investiert und sind Minority-Shareholder geworden zu dem Zeitpunkt mit so einer Road-to-Majority. Ja, ich habe eine ganz klare Policy für mich, aber auch für uns als Company, dass es gibt no regrets, du fällst deine Entscheidung immer auf Basis der Informationen, die dir zur Verfügung stehen und dann musst du damit leben, dass das vielleicht irgendwann mal rückwärts erzählt, wie da alles anders klingt. Damals war das definitiv nicht die falsche Entscheidung. Wir wollten was anderes, wir haben es nicht hinbekommen, es hat keinen interessiert. Jetzt ist die Situation, wie sie ist und es ist alles fein und da gibt es auch Bewegungen, aber in der jetzigen Situation ist es so, wie es ist. Aber es war schon krass, ich habe das auch schon ein paar Mal erzählt. Also wir sind so, als wenn du willst, als deutsches, als Hamburger Start-up völlig außerhalb des Radars von jeglichen, sei es deutsche, geschweige denn international, aber auch vor allen Dingen deutscher Start-up-Szene oder PE-VC-Bereich völlig unterm Radar geflogen. so ein analoges Event-Business hat niemanden interessiert. Ehrlicherweise sehr, sehr lange nicht. Also eigentlich bis vor einem halben Jahr haben wir nie, ein Dreivierteljahr haben wir nie von irgendjemandem aus dem Segment jemals was gehört. Seitdem täglich, aber bis dahin völlig unterm Radar geflogen.
45:17 Feliks Eyser: Was hat sich geändert? Haben die Leute irgendwann durchgerechnet? Ah krass, 600.000 Teilnehmer, 120 Dollar, das ist ja ein echtes Business oder gab es was anderes, was sich geändert hat?
45:27 Moritz Fürste: Ja, ja, genau das. Also in meinen Augen genau das. Die Leute haben den globalen Erfolg gesehen, die haben gesehen, wie schnell die Tickets ausverkauft sind, was für Potenziale da noch drin liegen und so weiter und seitdem melden die sich. Ich bin teilweise tatsächlich überrascht, wie spät und teilweise auch jetzt noch, also wir klingen teilweise jetzt noch Anrufe, wo du denkst, Bro, this is very late to the party. Aber ja, nee, das hat sich ganz klar mit den Zahlen gedreht, also hundertprozentig und auch der globalen Awareness, dann hast du da, gibt es da mal relevante Artikel oder doch mal einen Auftritt oder irgendwelche Paper, die irgendwas schreiben und das hat sich schon, ist schon sehr gewachsen in der Awareness.
46:09 Feliks Eyser: Was sind deine Learnings in Bezug auf die, auf die Finanzierung? Was würdest du heute anders machen? No Regrets ist schon mal ein gutes Framework. Was gibst du Leuten auf dem Weg, wo du sagst, da würde ich jetzt mal drüber nachdenken, wenn man in der Situation ist wie du in 2019?
46:21 Moritz Fürste: Naja, ich kann ja gar nicht richtig, ich kann ja nicht den Leuten sagen, wo sie ihr Geld investieren sollen. Wir konnten damals nicht viel anders machen. Wir haben, aber deswegen sage ich in Regrets, klar, wenn wir jetzt irgendwie noch ein bisschen mehr persuasive irgendwie unsere Community, eigenen Freundeskreis überredet hätten, vielleicht hätte man dann eine andere Lösung gehabt. Auf der anderen Seite ist das alles Butterfly-Effekt, weil ich weiß auch nicht, dann kam Covid zwei Jahre, dann weiß ich nicht, wie wir dann reagiert hätten. Ich habe da keine Tipps, weil wir haben alles versucht und das hat halt nur geklappt. Und bei anderen Konzepten ist es mal andersrum. Manche Leute kriegen die Kohle hinterher geschmissen, aber das Produkt ist vielleicht gar nicht so gut und dann müssen sie sich so beweisen. da würde ich niemandem Rat geben wollen und dann versuchen, den Weg zu gehen, der sich anbietet.
47:13 Feliks Eyser: Und jetzt seid ihr mit diesem Weg ja auch wahnsinnig erfolgreich, muss man sagen. Also über 100 Millionen Umsatz, alles permanent ausverkauft jetzt gerade. Ich versuche immer noch, an Tickets für Valencia zu kommen. Dann müssen wir im Nachgang an diesen Pott nochmal drüber nachrufen. Und daraus mal über, was ist denn der schmerzhafteste Wachstumsschmerz, den ihr gerade habt? Also ich könnte mir vorstellen, dass es diese Events zu organisieren nicht so einfach ist. Es gibt auch Kritik an HYROX, dass Leute sagen, es ist schwerer, an HYROX Tickets zu kommen als an Taylor Swift Konzert. Auch gute Presse.
47:53 Moritz Fürste: Ja, das ist nicht die schlechteste.
47:56 Feliks Eyser: Also was sind da die Sachen, die wehtun aktuell?
48:01 Moritz Fürste: Ja, also wir befinden uns, wie ja eigentlich jedes, wir sind es glaube ich, aber immer mal wieder, aber wir befinden uns gerade in so einer Transition-Phase. Wir sind, wir wachsen gerade raus aus dem Event-Konzept, was so Leute, ja, wir sind kein Event-Experience-Event mehr, sondern wir werden tatsächlich eine Sportart. Und das merken wir an allen Ecken und Enden, die Plattformen. Also es ist da inzwischen zu einer Plattform geworden sozusagen, ja. Verschiedenste Business-Modelle an verschiedenen Enden, analog, digital, über die B2B-Partner, teilweise auch sogar diese B2B-2C-Direct-Approaches, dass wir kommunizieren ganz viel direkt über die Gyms und wollen gar keine eigenen Trainingskonzepte bauen zum Beispiel, aber haben dann natürlich wieder Kooperationen. Also das ist so ein großer Transition-Part. Und wenn du sagst, der größte Pain ist eigentlich, wir müssen und sind sehr intensiv dabei, das ganze Thema weiterzudenken vom, okay, wir haben Events und wir können da ganz viele Tickets verkaufen, wir können da noch viel mehr verkaufen, wir müssen die Events größer machen, damit da mehr Leute hin können, das ist klar, aber es geht schon auch noch darüber hinaus, weil wir, wenn du dich als Sportart verstehst, dann musst du den Leuten auch die Möglichkeit geben, die Sportart zu machen. Was ich damit meine ist, wenn du Tennis spielst oder du kriegst über drei Jahre nirgendwo ein Court gebucht, dann hörst du irgendwann auch Tennis zu spielen, what's the point? Und hier ist es ein bisschen vergleichbar, also der London Marathon hat kein Problem, wenn sich eine Million Menschen für den London Marathon anmelden wollen, aber man kriegt nur 50, es gibt nur 50.000 Tickets, das ist für den London Marathon egal, weil die Leute können trotzdem laufen gehen, das ist ja deren Sport und die machen ihr Bucketlist Event London Marathon dann eben in zwei Jahren oder drei Jahren, das ist nicht ganz so entscheidend. Bei uns ist es anders, weil wenn, wie gesagt, du drei Jahre kein Ticket bekommst, dann bist du raus und wir wollen eben da Konzepte jetzt schaffen und etablieren, die den Leuten noch das Race näher bringen, ohne immer nur auf das Race Ticket vom großen Event angewiesen zu sein. Wir wollen quasi
49:09 Infrastruktur für den Sport: Trainingsformate & Studios
50:03 Moritz Fürste: diese Training Courts schaffen, das ist ein großes Konzept von uns, nur noch eher näher mit den Gyms zusammenarbeiten, wirklich so HYROX, Test, Workouts, Challenges anzubieten, solche Geschichten. Da sind wir in einer konzeptionellen Phase uns weiterzuentwickeln, weil wir könnten, wir hätten dieses Jahr drei Millionen Tickets verkaufen können, nur so schnell kannst du vom Event her gar nicht wachsen. Also das ist unmöglich. Du brauchst dann ja auch die Leute, die du da hinterherziehen musst, die so ein Event dann umsetzen, kannst du einfach die dreifache Menge an Plätzen anbieten und das musst du langsam aufbauen. Wir sind von 50 Mitarbeitern auf 230 gewachsen in den letzten 18 Monaten. Das geht alles nicht. Viel schneller kannst du das alles nicht machen und deswegen müssen wir diesen schmalen Grad finden, weil ja, die Presse ist cool und das geht auch ein, zwei Jahre gut, aber irgendwann musst du eben Supply-Demand schon auf ein gewisses Level bringen, dass der Hebel nicht 10x ist, sondern vielleicht Dreiecks und dann kannst du damit auch arbeiten.
51:03 Feliks Eyser: Du hast neulich geschrieben, what is leadership? Managing the joy of growth with the challenges of growing. Was haben für dich die letzten 20 Tage von der HYROX Saison gemeinsam mit den letzten 20 Minuten von der Race?
51:21 Moritz Fürste: Ja, die, also ich würde sagen, ja doch, das kann man schon so ein bisschen vergleichen, weil es sich alles so auf dieses Highlight zuspitzt. Bei uns ist das die Weltmeisterschaft dann zum Ende des Jahres, wo nochmal das ganze globale Team zusammenkommt, wo wir ganz, ganz viele, also für mich ist die Weltmeisterschaft halt rund um Duo Meetings, weil halt die ganze, das ganze globale Team da ist, man alle diese Gespräche führen kann und ich hatte da glaube ich vier Tage, in vier Tagen 40 Meetings oder so über eine Stunde oder länger. Aber das ist ja auch schön und es macht auch Spaß und es ist dann nochmal die Möglichkeit, alles sozusagen zusammenzubringen und so ist es beim Race eigentlich auch. Also die letzten 20 Minuten in meinem HYROX Race ist eigentlich dann, wenn man aus den Farmers Carry rauskommt und sich denkt, okay, geil, jetzt ist es wirklich nur noch zweimal laufen und diese beiden Workouts, die ich persönlich auch beide mag, deswegen ist es immer ganz, ganz gut. Mein Lieblings Workouts sind die Wall Balls, weil ich das einfach am meisten trainiere und macht mir Bock und deswegen denke ich mir immer so, insbesondere wenn ich in die Lunges reinlaufe, denke ich mir mal, okay, jetzt kommen und nur noch die Lunges und dann noch ein Run und dann machen wir Feierabend hier. Insofern, das passt schon eigentlich, kann man schon vergleichen.
52:28 Feliks Eyser: Nur noch zehn Meetings, nur noch fünf Partner.
52:31 Moritz Fürste: Ja, genau so ungefähr.
52:33 Der Weg zur eigenen Liga & möglichen Olympia-Perspektiven
52:33 Feliks Eyser: Eine der krassesten Sachen, die du im anderen Podcast gesagt hast, fand ich, du bist dir 100% sicher, dass Fitnessracing zur olympischen Disziplin wird. Erzähl uns darüber. Wenn du morgen eingeladen bist beim IOC, beim olympischen Komitee, das ist dein One-Shot, da bist du gut drin, wie ist dein Pitch und was forderst du auch von denen?
52:55 Moritz Fürste: Ja, den Shot hatte ich schon. Da war ich schon. Also ich will da jetzt gar nicht so drauf eingehen, weil es ist, das wird auch in der Presse teilweise viel zu hoch gespielt. Das ist absolut nicht unrealistisch. Oder andersrum gesagt, das ist sehr, sehr realistisch. Die olympischen Spiele sind in dem Sinne ein relativ offener Wettbewerb. Es gibt gewisse Anforderungen und Kriterien, die du erfüllen musst und davon erfüllen wir noch nicht alle. Aber die sind absolut machbar und wir arbeiten da sehr intensiv dran und werden unseren Shot nehmen für die olympischen Spiele 2032 in Brisbane auf dem Programm zu stehen.
53:38 Feliks Eyser: Mit HYROX oder unter der Kategorie Fitnessracing? Wie glaubst du, dass eine Brand da präsent sein kann?
53:43 Moritz Fürste: Bis jetzt spricht nichts dagegen, dass das nicht HYROX sein kann. Am Ende des Tages ist das eine Sportart. Das ist eben das Schöne. Wir haben in ganz vielen Bereichen meines Businesses Themen, die einfach noch nie da waren. Es hat noch nie jemanden eine Sportart erfunden und die dann zu den olympischen Spielen gebracht. Insofern hat sich auch die Frage noch nie gestellt, ob eine Marke, ich habe da viel drüber gelesen, auch auf Social, was die Leute an Kommentaren schreiben, das ist alles Blödsinn. Es gab so noch nicht, es gab noch nicht die Möglichkeit, dass jemand eine Sportart privat erfunden hat und die sich dann auch so durchgesetzt hat. Von daher, wir werden die Gespräche führen. Im Moment spricht nichts dagegen, dass das auch unter dem Namen HYROX sein kann. Und wenn das dann irgendwann das Kriterium ist, dann werden wir auch das diskutieren. Es ist gut möglich, dass das für 32 noch nicht klappt. Es ist aber absolut nicht ausgeschlossen.
54:31 Make everyone feel like an Olympic athlete: Die Race-Experience
54:31 Moritz Blees: Nochmal zurück zu dieser olympischen Experience. Also du hast ja mehrfach an Olympia teilgenommen und eine andere Sache, die ich gelesen habe von dir, ist make everyone feel like an Olympic athlete. Ist das aus der Customer Experience rausgedacht? Also ich bin in Köln gelaufen, Felix ist in Berlin gelaufen. Ich muss sagen, das stimmt, das waren die größten Rennen, die ich bisher gelaufen habe. Aber was hast du dir abgeguckt?
54:57 Moritz Fürste: Es geht mehr um also das gesamte Look and Feel, wie die Halle aufgebaut ist, wie du als Athlet, also deswegen ja, Customer Experience, wie du in den Starttunnel gehst, wie das so kondensst, so diese Gruppe an Leuten, die jetzt gleich zusammen startet und dann dieses da rauskommen aus dem Block, dann die Leute, die dich anfeuern, weil du halt sehr nah an der Strecke dran bist, ja, die ganze Zeit. Dann das ganze Setup mit, dass du irgendwie deinen Namen da auf einem Screen siehst, wenn du da vorbeiläufst und im Ziel dein Name oben aufpoppt mit deiner Landesflagge und du da dein Foto machen kannst im Ziel und so weiter. Also die Idee war einfach, den Leuten so viel, wie es geht, so dieses Gefühl eines Professional Athletes zu geben, auch wenn sie eigentlich in zwei Stunden 28 sich irgendwie durchs Rennen geschleppt haben. Und das finde ich das Schöne, dass die Appreciation so per se in der Customer Experience für diese Person genau die gleiche ist. Du hast zum Beispiel ja, unvermeidbar beim Marathon zum Beispiel, ist das ähnlich, weil du hast erstmal das gleiche Rennen, ja. Also ich laufe auch in der Stadt in gleiche Strecke wie die Superstars. Das ist erstmal schon mal ein geiles Gefühl. Aber natürlich hast du eine andere Experience, wenn du jetzt bei Stunde sieben durchs Ziel läufst oder bei Stunde drei, wo noch irgendwie der ganze Rathausmarkt voll ist oder was auch immer, ja. Das ist bei uns natürlich auch bedingt so. Aber inhaltlich ist zwar die Idee, immer den Leuten so ein professionelles Gefühl zu geben, dass es einfach was ganz Besonderes ist, da mitzumachen. Branding, die ganze CI, alles ist darauf ausgelegt, das sehr, sehr hochwertig zu gestalten für so ein großes Eventkonzept. Wir haben eine Menge Geld und Zeit und auch Ideen rein investiert, wie wir das alles machen, damit das alles irgendwie cool aussieht und die Leute das Gefühl haben, dass hier hat man sich richtig Mühe gegeben, um uns eine geile Experience zu machen. Wir könnten ja auch alles einfach nur mit irgendeinem rot-weißen Absperrband machen anstatt mit Banden und Low Fences, die Branding drauf haben und so weiter und dann würde das Rennen auch funktionieren, aber das war von vornherein.
56:50 Community-Frage: Wird HYROX zum Mannschaftssport?
56:50 Feliks Eyser: Wir hatten eine Community-Frage von unserem Buddy Georg Wolf, der auch schon viele Races gelaufen ist und der fragt, du kommst ja selber aus dem Teamsport, HYROX ist sowohl ein Solosport, kannst alleine teilnehmen, als auch in einem Double zu zweit oder einem Relay zu viert. Es ist noch kein Mannschaftssport, man kann jetzt nicht mit einer Mannschaft von 20 Leuten antreten und Punkte sammeln. Ist das eine Sache, an die ihr denkt? Wie kann HYROX mehr zum Mannschaftssport werden?
57:11 Moritz Fürste: Ja, also es ist auf jeden Fall sind das Konzepte, die wir auch schon auf dem Schirm haben, auch schon mal angefangen haben zu durchdenken. Das kann auch gerade so in dem Gym-Kontext irgendwann mal total Sinn machen, dass man da sowas etabliert. Im Moment wollen wir uns sehr fokussieren. Wir haben da eine Menge Tasks und Aufgaben. Auch da wieder, das finde ich immer ganz spannend zu diskutieren, auch weil es gibt ja so einen schmalen Grad zwischen, wenn du halt kein Sales-Problem hast, also du brauchst nicht in dem Sinne, weil die Nachfrage so hoch ist, zwingend jetzt mit dem Fokus auf Top-of-Funnel unbedingt arbeiten, weil das in der Word-of-Mouth und so weiter automatisch passiert, dann musst du halt immer aufpassen, dass du die Prioritäten richtig setzt in Bezug auf, was jetzt die nächsten Steps sind. Und bevor wir zum Beispiel sowas machen, will ich erstmal daran arbeiten, dass die, alle, die jetzt gerade ein Ticket haben wollen, dass die erstmal die Chance haben zu racen oder in irgendeiner Form anders Kontakt zum Sport bekommen, bevor wir uns für die, die ein Ticket bekommen haben, nochmal weitere kreative Konzepte überlegen. Verstehst du? Also das ist so ein bisschen so ein Trade-off. Man kann das schon alles auch gleichzeitig machen, aber im Fokus haben wir jetzt erstmal da eine Menge Bretter zu bohren und Berlin wird nächstes Jahr glaube ich sieben oder neun Tage lang sein, das Event.
58:27 Feliks Eyser: Wirklich? Dieses Jahr waren es was?
58:30 Moritz Fürste: Drei Tage.
58:30 Feliks Eyser: Holy shit.
58:30 Moritz Fürste: Ja. Wir haben in London im November, in London Excel, wir haben in neun Minuten 45.000 Tickets für das Event verkauft. Also das Wachstum ist ja noch, ist noch lange, also ist noch weit weg vom Peak, ja. Und deswegen ist unser Fokus gerade eher darauf, das auf der einen Seite anzubieten, auf der anderen Seite aber auch klar oder hinzubekommen, dass es dann auch smooth läuft und dass diese Events funktionieren und dass die Leute alle auch eine gute Experience haben. Aber zurück zu der Beantwortung deiner Frage, diese Ideen in die Richtung zu denken, das tun wir. Es ist bei uns aber gar nicht Prio 1.
59:07 Globaler Hype & Expansion: Vom deutschen Start zur Weltbühne
59:07 Feliks Eyser: Was ich in Berlin auch so krass fand, war, wie international die Teilnehmer waren. Also du hast natürlich Deutsche getroffen, aber es waren auch super viele aus England, aus Frankreich, aus Spanien und so weiter. Das Gefühl, die reisen ja mit den Events mit, die haben diese Rucksäcke, wo dann 20 Abzeichen drauf sind, wo die quasi teilgenommen haben in Europa. Fand ich beeindruckend.
59:24 Moritz Fürste: Wir haben so zwischen 30 und 60 Prozent Leute, die nicht aus dem Gastgeberland kommen.
59:30 Feliks Eyser: Krass. Aus dem Land? Also nicht nur nicht aus der Stadt, sondern nicht aus dem Land?
59:34 Moritz Fürste: Dein Quest nach Tickets in Spanien scheitert hauptsächlich an Engländern und Amerikanern. Da fliegen ungefähr 40 Prozent Engländer ins Event rein.
59:43 Feliks Eyser: Wie der Beach Club auf Mallorca. Das Problem sind nicht die Spanier. Aber das Ding ist ja auch, also du tust, also du sprichst dir die ganze Zeit von dem Word of Mouth und dieser Word of Mouth ist nach meinem Verständnis aber ja eher Word of Social Media und ihr könntet ja auch mehr Events veranstalten, die würden dann aber wahrscheinlich diese visuelle Qualität verlieren. Also du hättest nicht mehr so geile Locations, diese Locations würden nicht mehr so gut ausgestaltet werden und mein Verständnis ist, dass ihr ja gerade deswegen an Kapazitätsgrenzen kommt, weil ihr eine Experience gebaut habt, die es wert ist, geteilt zu werden und das nicht schnell genug skaliert bekommt.
1:00:27 Moritz Fürste: Was ist schnell genug?
1:00:28 Feliks Eyser: Nicht in der Geschwindigkeit, wie die Nachfrage da ist.
1:00:32 Moritz Fürste: Also es ist die Frage, was ist schnell genug? Ja, ja, nee, verstanden, würde ich jetzt nicht widersprechen. Also es ist richtig, wir könnten mehr Events machen, aber dann auch wieder nicht, weil die Events muss eben auch irgendjemand machen und du darfst man da auch nicht vergessen, wir haben dieses Event Setup, was man bei einem Event sieht, ich meine, im Detail ist, das interessiert die Leute natürlich nicht, aber es liegt Teil der Wahrheit. Das sind so elf Container, elf 40-Fuß-Container, auf denen so ein Event Setup ist, davon haben wir zwölf global und die rotieren halt rum und die haben halt nur eine begrenzte Möglichkeit, also alleine schon durch die Logistik dahinter, hast du nur eine begrenzte Möglichkeit überhaupt Events stattfinden zu lassen. Jetzt kannst du natürlich noch ein Kit dazunehmen und ein Kit dazunehmen, aber du brauchst dann ja auch immer wieder die Leute, die dann diese Events alle vor Ort umsetzen.
1:01:21 Feliks Eyser: Und deswegen sagst du, lieber die Events, die schon groß sind, noch größer machen, lieber Berlin ausweiten von vier Tagen auf sieben oder neun oder?
1:01:27 Moritz Fürste: Genau, deswegen ist die Strategie das, also es geht uns eigentlich um HYROX Race Days. Also wir haben im letzten Jahr die Anzahl an Event Tagen mehr als verdoppelt.
1:01:37 Feliks Eyser: Ohne die Anzahl der Events zu verdoppeln.
1:01:40 Moritz Fürste: Genau, und wir haben die Anzahl der Events, also ich glaube, wir sind da von 60 auf 90 gewachsen, aber sind von 120 Event Tagen auf 160 Event Tage gewachsen. So, und in diesem Jahr, in der kommenden Saison sieht es genauso aus. Wir wachsen, glaube ich, von 90 auf 110 Events. Wir wachsen aber von 200 auf 350 Event Tage. und das heißt also, das Wachstum wird sehr dadurch bestimmt, dass wir eben einfach Tage addieren zu den Events und dann, aber jetzt nicht, nicht noch Standorte addieren. Das, das ist natürlich auch wieder business-technisch, die dann doch etwas smarter entscheiden.
1:02:20 Feliks Eyser: Ja, ist ja super für das Business, oder? Wenn die, wenn die Fläche einmal aufgebaut ist, die Trucks da einmal ausgeladen haben, die Leute einmal da sind.
1:02:26 Moritz Fürste: Ja, die Economies auf Kosten sind natürlich riesig und keine neue Venue-Miete komplett und so weiter, also das hat schon Skaleneffekte, ja.
01:02:34 HYROX als Plattform: Gyms, Brands & Partner
1:02:34 Feliks Eyser: Smart. Du hast über HYROX als Plattform gesprochen, dass andere darüber auch groß werden. Was sind Beispiele von Brands oder anderen Produkten, die gerade auf eurer Plattform wachsen? Wir hatten neulich im Podcast darüber gesprochen, über RxBar, ich weiß nicht, ob du die Story kennst, Proteinbar aus den USA, so und der ist groß geworden über die Crossfit-Bewegung, weil er die in Crossfit-Boxen verkauft hat. Gibt es Pendants von Brands, die heute schon erfolgreich sind, weil sie voll in eurer Community und auf eurer Plattform wachsen?
1:03:02 Moritz Fürste: Ja, definitiv. Also ich will da jetzt nicht irgendwie spezielle nennen, aber es gibt gerade in dem Segment, was jetzt ganz konkret sich auf den Sport bezieht, gibt es eine Menge Produkte, die entstanden sind, die da in irgendeiner Form endemisch ja Mehrwert liefern, aber auch in dem Bereich Digital, also so alles, was Race Analysis und diese Themen angeht, sind einige Firmen entstanden, die sich da sehr mit unseren Daten beschäftigen und die aufbereiten für die Community und natürlich ganz extrem das Thema Gym. also wir dürfen nicht vergessen, dass am Ende, wir jetzt nicht sagen, dass alle Gyms, aber von den 8000 Gyms, da sind schon einige dabei, die die Plattform wirklich nutzen, um ihr Business nochmal ganz anders zu leveragen und da auch ganz anders Revenues zu fahren in dem Segment durch Trainings, Special Angebote, so kleinen Race Challenges und solchen Geschichten und natürlich auch Mitgliedergewinnung, also das ist schon ein Portfolio an verschiedenen Themen, die da auf der Plattform entstanden sind, die wir richtig, also total feiern und auch unterstützen.
1:04:07 Feliks Eyser: Was ist THG Commerce? Die hast du genannt öffentlich? Was ist das? The Hut Group, nehme ich an.
1:04:13 Moritz Fürste: The Hut Group, ja, die sind, glaube ich, einer der größten Retail-Läden der Welt, die machen eine sehr, sehr, sehr, sehr große Firma aus Manchester, machen ganz viel auch, also komplett nur E-Commerce, Retail-Bereich, viel Klamotten, haben wir auch ganz viel Dinge gehört, wie gesagt, Myprotein, unser Hauptsponsor.
01:04:33 Markenaufbau & Medienstrategie: Von Insta bis ESPN
1:04:33 Feliks Eyser: Das war jetzt Partnerships, es gibt nochmal das andere Thema mit den Monetarisierungsströmen. Ihr habt aus meiner Sicht ja HYROX im Sinne von medial noch ein bisschen unterkommerzialisiert, also nach meinem Verständnis gibt es ja noch keine verkauften Fernsehrechte und es gibt auch noch kein Pay-Per-View oder so, also ich hätte sofort 10 Euro dafür gezahlt, Felix beim Leiden zuzusehen und Dann hätte ich was in der Kasse für mein Sponsorship, um dich in die E-Fifteen zu bringen.
1:05:05 Moritz Blees: Ja, und ich wette, Felix hätte mindestens in 10 Euro auch dafür gezahlt, um mich leiden zu sehen.
1:05:10 Feliks Eyser: Insofern wäre das so eine Frage, ist das was, was kommt oder und eine angeschlossene Frage ist, wie kriegt man es hin, HYROX noch mehr zum Zuschauersport zu machen?
1:05:23 Moritz Fürste: Zur zweiten Frage, ich glaube, dass wir schon relativ, also jetzt musst du wieder unterscheiden, ist dem Massensport, also dem Everybody, der Raced und dem Profi. Bei dem Everybody sind wir schon relativ nah dran, weil näher kommst du eigentlich an das Race eines Freundes, Familienmitglieds, also nicht ran, in keiner anderen Sportart, ne, also in der Nord-Triathlon-Marathon vergleichst. Die Art und Weise, wie du hier so ein Rennen begleiten kannst, ist schon extrem. Für die Elite arbeiten wir tatsächlich an Konzepten, wir werden jetzt in Hamburg, da wird das erste Major der kommenden Saison stattfinden, Anfang Oktober, werden wir zum ersten Mal in einer komplett eigenen Halle, also nebenan, quasi in der Halle, das reine Elite-Rennen aufbauen, inklusive Zuschauerszenario, also wie ein Stadion eigentlich, ne, und ich glaube schon, dass, also die Vision ist schon, dass irgendwann in der nahen Zukunft die Elite-Rennen eher so in der Lanxess-Arena oder in solchen Basketball-Arenen oder Hallen stattfinden, völlig unabhängig von dem eigentlichen HYROX Race, was natürlich sehr hohen Impact auf das Zuschauererlebnis haben wird, bei den Top-Rennen. Aber das vielleicht zu der zweiten, zweiten Teil der Frage. Und zum ersten Teil der Frage, ich bin da, das habe ich in dem Sinne, ich komme ja jetzt nicht aus der Welt, aber ich habe da einen sehr, sehr straighten Ansatz immer für mich gehabt oder für HYROX gehabt und den ziehe ich auch eiskalt durch und zumindest auch noch dieses Jahr. Ich halte überhaupt nichts von diesen Pay-Per-View-Ideen, Sportarten aufgrund von kurzfristigen Kommerzialisierungserlösen hinter irgendeine Paywall zu packen. Für uns geht es nur um Reach. Ich will die Sportart vor die größtmögliche Anzahl an Eyeballs bringen und wir wachsen da echt stark in Bezug auf die Reichweite von unserer Elite-Serie bei YouTube. Das WM-Rennen haben in den ersten 24 Stunden 150.000 Leute gesehen live auf YouTube oder zumindest in der zählbaren Länge auf YouTube. Das sind so Zahlen, mit denen ich mich gerade beschäftige. Mir ist da ehrlicherweise, also das weiß ich auch und es gibt die Hardcore-Community, wir würden bestimmt 10.000 Leute finden, die uns 10 Euro zahlen,
1:07:24 Moritz Fürste: um so ein WM-Rennen zu sehen. Das ist für mich aber gar nichts wert. Also da habe ich lieber 150.000 Leute, die sich das Ding angucken und das teilen und weitergeben und darüber sprechen als die 100.000 Euro Revenue für das Event. Der erste Teil von der Frage ist trotzdem 100% richtig. Der nächste Schritt ist jetzt das Thema Medialisierung. Wir werden jetzt dieses Jahr auch nochmal ganz anders in die TV-Produktion investieren, aber ich verfolge da eher das Vorbild NFL. Ich will eigentlich gerne die gesamte Mediaproduktion unter dem eigenen Haus behalten und dann die Distribution gerne global mit einem oder mit mehreren Partnern spielen, sei es im OTT-Bereich oder auch im linearen Bereich. Meine Gedanken gehen eher so Richtung Produktion. Wie geht man da weiter? Wir haben jetzt so eine ganz kleine Produktionsfirma, mit der wir zusammen gewachsen sind die letzten vier Jahre. Vielleicht kaufen wir die und bauen das selber aus und kümmern uns wirklich so um diese einzelrechte Situation, dass wir da wirklich die volle Hand drauf haben auf die TV-Production und dann bin ich sehr sicher, dass der Medialisierungszweig das eins der nächsten großen Themen sein wird, weil ich fest daran glaube, dass HYROX ein sehr medialer Sport ist und dass die Rennen auch spannend sind im Fernsehen oder wo auch immer zu schauen. Aber deswegen, das ist so gerade die Reihenfolge.
01:08:44 Sport-Dokus und das Vorbild Drive to Survive
1:08:44 Feliks Eyser: Wie siehst du diese Sport-Dokus? Das ist ja auch so ein Thema, was in den letzten Jahren groß geworden ist über Formel 1, Tour de France, nochmal die Athleten im Mittelpunkt zu stellen. Polo, war jetzt das neue Ding. Heute Morgen saß ich auf dem Peloton und habe mir eure Doku angeschaut über Las Vegas, wann war das? 20?
1:09:00 Moritz Fürste: Ja, vor 22.
1:09:01 Feliks Eyser: 22 mit diesem Hunter McIntyre, diesem Typen, der da in Kalifornien im Wald ist und die Baumstämme da bearbeitet mit einer Kettensäge. Moritz, das wird dir gefallen, wenn du den Typen anguckst, einer eurer Athleten. Ich finde es mega geil. Also nochmal den Hintergrund über die Leute in so einem Doku-Format zu sehen. Ist das ein Thema, wo du das so nachdenkst oder wie priorisierst du sowas?
1:09:19 Moritz Fürste: Ja, klar. Also das war 2022, haben wir da schon in diese Doku investiert und das haben wir ja auch selbst gemacht zusammen mit einer Hamburger Produktionsfirma, aber alles selbst narratiert und das haben wir auch seitdem häufiger gemacht. Ich halte da sehr viel von. Ich mag die Dokus gerne. Jeder will das neue Drive-to-Survive bauen in unserer Welt, weil das einfach gut funktioniert hat und es gibt auch ein paar andere, die sehr gut funktioniert haben. Ja, ich glaube, der einzige Vorwurf, den wir uns machen müssen, ist, dass wir nicht seit zwei, drei Jahren ständig eine Kamera mitlaufen lassen, um auch so Behind-the-Scenes alles mitzudrehen. Da hätte man sicherlich vielleicht mal drüber nachdenken können, aber nee, da wird auch was passieren und da wird auch was kommen in diesem Doku-Bereich.
1:10:00 Feliks Eyser: Weil dieses Drive-to-Survive, da muss ich auch dran denken, wenn ich HYROX sehe, weil ich finde, ehrlicherweise, Formel-1-Rennen, wenn man sich das einfach anguckt, relativ langweilig. Es fahren dauernd Leute im Kreis, auch immer im selben Kreis. So, man sieht auch eigentlich von den Menschen, wenn ich aber in dem Moment, wo das Ganze quasi die menschliche Geschichte dahinter erzählt worden ist und diese verschiedenen Konflikte, die da drin sind und so weiter, wer jetzt gerade sich wieder reinkämpft, wer sich da rauskämpft, wird das Ganze auf einmal oder für mich als nicht Formel-1-Wenn viel, viel spannender und ich würde davon ausgehen, dass etwas Ähnliches ja passiert, wenn ich HYROX-Athleten zusehe, wer kommt gerade von der Verletzung zurück, wer hat gerade sonst, das ist ja spannender als acht Runden lang im Kreis zu laufen.
1:10:45 Moritz Fürste: Ja, jein, also ich glaube, das kann man so oder so sehen, aber auf jeden Fall hat Drive to Survive Millionen Fans zurück zur Formel-1 gebracht, die sich sonst per se nicht für Autorennen interessieren, ich gehöre dazu, aber das Storytelling da hat mich interessiert und das habe ich mir auch angeschaut, ich schaue mir jetzt deswegen trotzdem am Wochenende kein Formel-1-Rennen an, also so der Switch hat noch nicht geschafft, aber zumindest, habe ich mich für die Serie interessiert und für die Sportler dahinter und das ist ja auch fein, mal viele hat es zum Sport zurückgezogen, manche haben sich nur an der Doku ergötzt, aber es ist spannender und interessanter und relevanter Content und das würden wir auch gerne kreieren für HYROX.
01:11:26 HYROX langfristig: Die Vision einer neuen Sportart
1:11:26 Feliks Eyser: Jetzt gibt es im Sportbereich immer so das neue große Ding, was gerade en vogue ist, wir haben alle mal bei irgendeiner Tough Mother Race mitgemacht und sind da durch den Schlamm gekrabbelt und haben es dann nie wieder getan danach, weil es sich abgenutzt hat, wie sorgst du dafür, dass HYROX über die nächsten Dekaden nicht so einem Halbcycle unterliegt?
1:11:44 Moritz Fürste: Du hast im Grunde genommen die Definition, warum das nicht passiert, im Nebensatz gesagt, also Tough Mother ist ein Beispiel, es gibt auch andere Obstacle Races, das sind hauptsächlich so entweder Community Events oder Bucket List Events, also wo du sagst, ich mache das mal, aber sie definieren sich nicht als Sport, also bei Tough Mother ist es egal, ob du über die Obstacles läufst oder zum Not, wenn du dran vorbeiläufst, da steht jetzt keiner, der sagt, nee, sorry, du musst nochmal zurück.
1:12:10 Feliks Eyser: Ist sogar ein Antisport, die sagen ja sogar, wir messen die Zeit nicht, ich glaube, das ist natürlich die größte Challenge.
1:12:16 Moritz Fürste: Ja, und das ist aber genau der Punkt, es ist, weil jeder Sport definiert sich immer durch Messbarkeit und wenn dein Kumpel zum ersten Mal einen Marathon läuft, wird die erste Frage sein, die du ihm danach stellst, was war deine Zeit? So, und weil das Witzige ist, die Antwort auf die Frage ist völlig egal, weil wenn dein Kumpel dir sagt, zwei Stunden 38, dann sagst du, Alter, wow, krass. Wenn er dir sagt, drei Stunden 38, dann sagst du, Alter, krass. Und wenn er dir sagt, vier Stunden 38, dann sagst du auch, Alter, krass. das ist ja völlig individuell definiert, aber es geht um seine oder ihre persönliche Bestzeit und dann macht die Person vielleicht wieder einen Marathon, weil sie sagt, ich habe 3.38 gebraucht, jetzt bin ich mal unter 3.30, jetzt schauen. Und bei HYROX ist es genau andersrum als bei diesen Bucket List Events. Die meisten, die bei uns mitmachen, überlegen sich danach, wie sie besser werden können und was sie machen müssen, um beim nächsten Mal besser zu sein. Und die meisten Leute, die in Tough Mudder laufen, finden es cool, mal diese Matchfotos zu posten und das zu haben, aber die sagen sich nicht, oh, davon muss ich jetzt aber drei im Jahr machen. Und das ist der Unterschied zwischen einer Sportart und einem Bucket List Event. Und wir definieren uns nicht nur so, sondern wir glauben auch, dass wir es wirklich sind, nämlich eine Sportart. Und ich glaube, deswegen habe ich überhaupt keine Sorge vor diesem High-Life-Cycle oder wie das beschrieben ist.
1:13:35 Feliks Eyser: Und ich finde auch smart, also die Granularität in der Messbarkeit, du siehst ja nicht nur die Gesamtzeit, du kannst ja online bei jedem Athleten von jedem Race, du kannst da ganz genau nachgucken, wie lange hat der für die Wall Balls gebraucht, wie lange war der Sled-Push? Ich bin so stolz bei meinem HYROX-Event in Berlin, waren wir beim Sled-Pull unter dem Top 5%. Das war auch das Einzige, der Rest war nicht so gut. Aber jetzt überlege ich mir, okay, wie kann ich jetzt besser werden in den, weiß ich nicht, Burpees oder so? Oder guck mir an bei meinem Kumpel, dem Georg oder Moritz, wo war der schnell, wo war der langsam?
1:14:04 Moritz Fürste: Genau. Ja, das ist aber ein ganz wesentlicher Faktor. Also wir sehen das ja auch in den Daten. Die Leute verbringen eine unglaubliche Zeit auf unseren Ranking-Pages. also im Vergleich. Wir hatten schon relativ früh, da waren wir noch verhältnismäßig, kleiner mit einer Million Website-Hits im Monat. Das ist schon fast zwei Jahre her, weil die Leute, wie die Wahnsinnigen wieder zurückgekommen sind auf ihre Race-Times und die nochmal wieder angeguckt haben, doch nochmal verglichen haben, mit anderen, sich in Excel-Listen gezogen haben oder weiß ich nicht.
1:14:35 Feliks Eyser: ChatGPT. Ich habe die Ergebnisse alle runtergeladen in ChatGPT gesagt, mach mir einen Trainingsplan, sorg mal dafür, dass meine Lunges besser werden.
1:14:42 Moritz Fürste: Ja, zum Beispiel, genau.
1:14:44 Moritz Blees: Ich auch. Ich auch. Bei mir ging es weniger um die Lunges als ums Laufen. Deswegen hat ChatGPT gesagt, zieh neben die Tartanbahn. Das ist direkt umgesetzt. And here I am.
1:14:52 Feliks Eyser: And here I am, genau. Okay, verstehe ich. Das bedeutet eigentlich, die Transparenz, also dieser Data-Aspekt ist ein bisschen addiktiv und damit sticky.
1:15:04 Moritz Fürste: Voll. Total addiktiv. Also ich sehe ja sogar Leute im Ziel schon die Handys rausholen und sich die Split-Zeiten angucken und genau schauen. Oh, der erste Kilometer, 4,12, scheiße. Wir wollten den noch in 4,20 angehen. Andere waren es zu schnell. Das ist so, funktioniert Sport. Die Leute, jeder will sich verbessern, jeder will optimieren und dafür sind diese Split-Times sehr wichtig.
01:15:26 46 Prozent Frauen und Mixed Doubles
1:15:26 Feliks Eyser: Und ist das bei Männern und Frauen gleich? Also meine Freundin zum Beispiel, die nimmt noch nicht mal eine Laufuhr mit, wenn sie joggen geht. Ich persönlich hätte das Gefühl, warum geht man überhaupt laufen, wenn man keine Uhr dabei hat. Aber sie sagt so, ja, sie macht das ja für sich.
1:15:42 Moritz Fürste: Ja, aber das Spannende ist, wir haben ja tatsächlich, das haben wir jetzt nicht darüber gesprochen, aber wir haben tatsächlich so 46 Prozent der Teilnehmer global sind Frauen. Das ist völlig crazy von der Anzahl her. Also Marathons, Triathlons haben so 80, 20 Ratio ungefähr. 70, 30, wenn es ganz hoch kommt. 46 Prozent Frauen und das zeigt ja einfach nur, dass diese Competitiveness absolut da ist, dass sie nur nicht so richtig die Formate haben, um das zu embracen. Und das Beispiel, was du gesagt hast, das ist das Schöne. Sie ist jetzt vielleicht dann noch nicht oder nicht hooked, aber ganz, ganz viele Frauen entdecken in HYROX zum ersten Mal so die Möglichkeit, auch auf diesem Performance-Challenging-Segment sich wirklich der eigenen Aufgabe zu stellen. Die sind nicht diejenigen, die, wie wir das machen würden, zu 10, wer ist der Schnellste und mit den Buddies, wer hat die beste Sled-Pull-Zeit. Aber die challengen sich mit sich ganz selber, die meisten. Die wollen einfach nur ihr Rennen machen. Meine Frau ist Gym-Gowerin gewesen, auch ihr Leben lang. Keine Sportart in dem Sinne. Die hat das total für sich entdeckt. Die trainiert nur auf das eine Zielin. Sie hat das alleine im Einzelne gemacht, hat 1,26 gebraucht und will unbedingt unter 1,20 jetzt laufen. Das ist ihr Ziel, darauf trainiert sie hin, das ist ihr Ding. Und das geht ganz, ganz vielen so offensichtlich, weil sonst wäre das bei Frauen nicht so erfolgreich mit der prozentualen Anzahl an Teilnehmerinnen.
1:17:02 Feliks Eyser: Und ein cooles Feature ist auch, dass man es ja männlich-weiblich gemischt machen kann, dass ihr die Mixed-Teams habt.
1:17:08 Moritz Fürste: Ja, und das ist super populär. Also die Doubles sind sowieso ja die größte und populärste Kategorie bei uns. Und das Mixed-Double ist, ich habe das auch schon häufig gesagt, es gibt nicht viele Sportarten, die du kompetitiv mit deiner Frau zusammen machen kannst, ohne dass einer sich jetzt komplett zurücknehmen muss. Oder, ne? Also, wenn man so am Tennis spielt, wenn jemand nicht zufällig gleich gut ist, wird das echt schwierig. So, und das ist bei allen anderen Thema auch, selbst Laufen gehen. Wenn du nicht zufällig gleich gute Läufer bist, dann nimmt sich einer zurück oder einer muss overpowern. Bei HYROX kannst du als Team deine Stärken und Schwächen genau austandieren. Dann spart der eine vielleicht ein bisschen mehr beim Laufen. Dafür kannst du, mach dann sie mehr bei den Burpees und dann kannst du dich wieder ein bisschen erholen und so weiter und so fort. Also da, das ist ein richtig, richtig cooles Couple-Ding.
1:17:55 Feliks Eyser: Okay, Moritz, blaze an dich die Frage, wenn du es mit deiner Freundin machen würdest und sie bei den Wallballs zusammenbrechen würde, bis die Sanitäter kommen, würdest du dich um sie kümmern oder würdest du über die Ziellinie und die Zeit einlocken?
1:18:05 Moritz Blees: Ich würde sie natürlich in die Ziellinie tragen.
1:18:07 Feliks Eyser: Ah, das ist die richtige Antwort. Gerade in Sydney gab es doch diese Pressegeschichte, oder? Modus?
1:18:13 Moritz Fürste: Ja, wobei ich weiß von den beiden Athleten, dass sie das vorher abgesprochen haben. Von daher ist der Case ein bisschen, das federt ihnen so ein bisschen ab. Sie faintet sehr häufig unter der hohen Belastung, das passiert ihr. Und die haben vorher besprochen, dass wenn sie faintet bei den Wallballs, dass er ins Ziel läuft, um die Zeit einzuloggen. Und das hat natürlich die Presse...
1:18:32 Feliks Eyser: Nein, da gab es ein Protokoll.
1:18:34 Moritz Fürste: Ja, ja, die haben das... Sie hat das danach auch bestätigt auf Social. Aber da war natürlich der Artikel schon raus und der globale Shitstorm war schon getan. Und der Content schon viral. Tat mir für die beiden ein bisschen leid, weil er da wirklich als der große schlechte Mensch hingestellt wurde. Und ich weiß gar nicht, ob das wirklich so ist, aber ja, ihr wisst ja, wie es ist.
1:18:56 Feliks Eyser: Es gibt keine schlechte Presse, es gibt nur Presse.
1:18:58 Moritz Fürste: Es gibt nur Presse und Engagement, ja. Und wenn es den beiden gut geht, das ist ja auch was.
01:19:06 Exit? Warum Mo und Christian nicht verkaufen wollen
1:19:06 Feliks Eyser: Mal eine Hardcore-Business-Frage. Also 2015 wurde Ironman von Providence Equity gekauft für 650 Millionen. Du hast vorhin gesagt, ganz lange hat sich niemand aus Kapitalsicht für euch interessiert. Mittlerweile sehr viele. Haben die alten Kollegen deines Mitgründers, schon angerufen bei euch und unter welchen Bedingungen wärt ihr ready für einen Exit?
1:19:32 Moritz Fürste: Also angerufen haben alle, glaube ich, die irgendwo in der Welt unterwegs sind. Wir wollen nicht verkaufen. Wir werden auch nicht verkaufen. Das wird eher andere Bewegungen geben, als dass wir verkaufen. Ich sage nicht nie, aber nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren.
1:19:53 Feliks Eyser: Also nicht vor der Olympiade? vor 32.
1:19:58 Moritz Fürste: Nee, nein. Also es ist überhaupt nicht auf der Agenda. Im Gegenteil, die aktuelle Shareholder-Situation ist etwas komplex, weil das ist ja auch öffentlich bekannt, unser Investor steht zum Verkauf und da wird eine Menge passieren und wir haben nicht die Intention, HYROX zu verlassen, Christian und ich.
01:20:19 Tipps für Gründer:innen: Was zählt wirklich?
1:20:19 Feliks Eyser: Wenn du bei null nochmal anfangen würdest in deiner Gründerkarriere, was für Themen würdest du dir anschauen?
1:20:25 Moritz Fürste: Du meinst jetzt, wenn ich jetzt raus wäre und wieder was Neues machen wollen würde?
1:20:30 Feliks Eyser: Ja, oder wenn, was gibt es jemanden auf dem Weg? Vielleicht auch eine Sportlerkarriere hat, da rausgeht und sagt, er startet seine zweite Karriere und startet bei null in der Gründung oder ein anderer First-Time-Founder, First-Time-Founderin. Was würdest du dir anschauen?
1:20:41 Moritz Fürste: Ja, ihr habt ja vorhin schon gemerkt, ich bin sehr vorsichtig mit Ratschlägen, weil ich glaube, das beste Beispiel ist eigentlich die Ratschläge, die man bekommt, wenn man irgendwie zum ersten Mal Eltern wird. Damals habe ich schon immer gesagt, hört auf damit, ich will nichts hören, das muss jeder für sich selber machen, es gibt nicht den einen richtigen Weg und ich glaube, wenn, dann geht es eher so um Mindset-Themen, so um diese Resilienz, irgendwie aufzubauen, dieses Thema, einfach auch dabei zu bleiben, daran zu glauben, sich selber treu zu bleiben in Bezug auf das, was man bereit ist zu investieren auf allen Ebenen und das dann auch voll durchzuziehen, sich nicht durch Rückschlägen, also es sind so ein bisschen so Plattitüden, die ich fast schon, das sind so Phrasenschwein-Dinger, aber die alle wahr sind, also deswegen, es ist manchmal so back to the basics, ich würde mir anschauen, wie eine Teamstruktur funktioniert, ich glaube, da hatte ich einen großen Vorteil durch den Mannschaftssport, ich glaube, das darf man nicht unterschätzen, wie wichtig Teamdynamiken sind, gerade beim Gründen, wie wichtig Augenhöhe ist, das war auch nicht von Anfang an gleich, durch den unterschiedlichen Business-Background, das war das auch logisch, das war mir am Anfang nicht so klar, das weiß ich auch, jetzt wieder rückwärts erzählt, besser, wie wichtig das war, das dann irgendwann zu erreichen und dann glaube ich, kann man sehr gut auf sich selber hören, wenn man dieses Feuer selber spürt und ich hatte das als Sportler und als Gründer habe ich das nicht sofort gehabt, das hat auch gedauert, aber wenn man so dieses Feuer spürt, so dieses, warum gehe ich, stehe ich morgens auf und gehe ins Büro und will auch da bleiben und ich beschäftige mich nicht schon den halben Tag damit, wann ich wieder abhauen kann, ich glaube, das sind so Indikatoren, die dazu führen oder die zeigen, ob man auf dem richtigen Weg ist.
01:21:37 Persönlicher Blick: Unternehmertum als Teamsport
1:22:31 Feliks Eyser: Was hat bei dir das Feuer entfacht, gerade wo es vom Anfang an nicht komplett da war?
1:22:36 Moritz Fürste: Ja, ich glaube, ich brauchte einfach ein bisschen Zeit, um mich von diesem alten Leben zu verabschieden. Ich habe mal so, weil du die Analogie, Moritz vorhin gesagt hast, mit dem als Sportler stimmt man zweimal, was ich da auch nicht gesagt habe, das Witzige ist, dass man bei dem ersten Tod bei seiner eigenen Beerdigung dabei ist und das wirklich so normalerweise ja nicht und schon gar nicht bei dem zweiten und hier bist du halt dabei, wie deine Karriere beerdigt wird, sozusagen. Also, es gibt keine Presseanfragen mehr, du bist nicht mehr der Hotshot in der lokalen Presse oder auch in der überregionalen und so weiter. Es fadet so aus und das muss man auch erst mal so für sich verarbeiten und für sich auch bereit sein, zu sagen, okay, das war jetzt der erste Teil und das hat schon so ein gutes Jahr gedauert, vielleicht sogar ein bisschen länger, bis ich dann wieder so voll bereit war zu sagen, okay, du bist jetzt nicht mehr der Sportler, der warst du mal. Das war schon nicht leicht und ehrlicherweise ist es witzig, weil heute, heute ist es fast andersrum. Heute bin ich dann fast so angefasst, wenn jemand sagt, ja, guck mal, hier ist der ehemalige Hockey-Nationalspieler. Heute will ich eher als was anderes wahrgenommen werden, weißt du, das hat sich total gedreht. Ich bin der Gründer von HYROX und der ehemalige Nationalspieler.
01:23:54 Abschluss: Einladung zur Community & letzte Gedanken
1:23:54 Feliks Eyser: Mo, es war uns eine Ehre, vielen Dank, dass du dabei warst. Wo können Leute dich online finden? Hast du noch einen Call to Action? Soll jemand sich bei dir bewerben? Sollen die alle teilnehmen bei Events? Soll jemand den Truck fahren, um die 13. Kolonne auf die Straße zu bringen?
1:24:10 Moritz Fürste: Ich habe gestern mit unserer HR-Chefin gesprochen. Ich glaube, wir haben gerade 36 Stellen ausgeschrieben. Also wenn sich jemand bewerben will, dann könnt ihr gerne auf der HYROX vorbeischauen und mal gucken, ob was für euch dabei ist in einem der Länder, in einem der Märkte. Ich glaube, ein paar sind auch in Deutschland von den Stellen. Ja, ansonsten, ne, bitte, macht alles, was ihr für richtig haltet und zieht es durch.
1:24:37 Feliks Eyser: Vielen Dank, dass du dabei warst.
1:24:39 Moritz Fürste: Vielen Dank.
1:24:39 Feliks Eyser: Und deine spannenden Learnings geteilt hast. Von der Goldmedaille im Sport zur Goldmedaille im Business. Ich glaube, du knackst sie dieses Jahr.
1:24:46 Moritz Fürste: Schauen wir mal.
1:24:47 Feliks Eyser: Ciao, ciao.


