Viva con Agua: Social Business, Spendenkultur und globale Visionen

mit Carolin Stüdemann und Micha Fritz, Geschäftsführerin von Viva con Agua und Mitgründer und kreativer Kopf von Viva con Agua

18. Juli 2025 · 84 Min

Zusammenfassung

Carolin Stüdemann und Micha Fritz erklären, wie Viva con Agua Spenden und Social Business verbindet: rund 85 Prozent der Einnahmen aus Spenden, eine Million Euro Ausschüttung aus dem Wasser und ein 38-Millionen-Hotel am Hamburger Hauptbahnhof.

Micha Fritz im Gespräch (Remote-Aufnahme)
Micha Fritz im Gespräch (Remote-Aufnahme)

Viva con Agua ist ohne Plan entstanden. Micha Fritz erzählt, dass die Gründer vor rund 20 Jahren nur eine Struktur brauchten, um Spenden für sauberes Trinkwasser zu sammeln. Statt Non-Profit stand auf dem ersten Flyer „All-Profit“, weil alle Beteiligten profitieren sollen. Carolin Stüdemann beschreibt, wie diese Leichtigkeit bis heute Marke und Kultur prägt: In ihrer ersten Arbeitswoche gab es keine Präsentation zur Markenstruktur, sondern Pfandbechersammeln beim Reeperbahn Festival.

Dann geht es um die Struktur. Neben dem Verein und der Stiftung gibt es gemeinnützige Vereine in Österreich, der Schweiz, Uganda und Südafrika, gemeinnützige GmbHs wie Goldeimer und die Arts-GmbH hinter der Millerntor Gallery sowie Social Businesses wie das eigene Wasser und die Villa Viva. Die Anteile liegen jeweils mehrheitlich in der Gemeinnützigkeit. Trotzdem stammen bis heute ungefähr 85 Prozent der Einnahmen aus Spenden, aktuell 5 bis 6 Millionen Euro im Jahr. Die Wasser GmbH kann in diesem Jahr eine Million Euro für die Gemeinnützigkeit ausschütten. Die Gründer selbst halten null Prozent, Micha verdient als Angestellter 6.000 Euro brutto.

„Also alle, die Viva Con Agua gegründet haben oder da federführend arbeiten, sind null Prozent beteiligt an irgendeinem dieser Organismen, die wir gebaut haben.“
Micha Fritz
Feliks Eyser im Gespräch mit Carolin Stüdemann und Micha Fritz (Remote-Aufnahme)
Feliks Eyser im Gespräch mit Carolin Stüdemann und Micha Fritz (Remote-Aufnahme)

Ausführlich sprechen die beiden über die Villa Viva Hamburg: 13 Stockwerke direkt am Hauptbahnhof, rund 38 Millionen Euro wert, finanziert mit 6 Millionen Euro Eigenkapital von 19 Investorinnen und einem Kredit der Umweltbank. Die Gemeinnützigkeit hält 67 Prozent der Anteile, ohne selbst Geld eingebracht zu haben, die Investoren bekommen ihr Geld zurück plus eine begrenzte Rendite. Micha hält den Betrieb von Hotels für den am besten international skalierbaren Case im Viva-con-Agua-Kosmos und denkt laut über einen Wasserfonds und das „soziale Unicorn“ nach.

Weitere Themen: wie 10.000 bis 15.000 Ehrenamtliche über eine eigene Plattform und offizielle Crews organisiert werden, warum „Freiware keine Brunnen baut“, wie Micha mit seiner Frau den Mental Load der Familie in Stunden erfasst und neu verteilt hat und warum die Purpose Economy gerade in einer Krise steckt. Zum Schluss sagen beide, wie du Viva con Agua unterstützen kannst, als Ehrenamtliche, Fördermitglied oder Investorin.

Zahlen aus der Folge

ca. 85 %
Anteil der Spenden an den Gesamteinnahmen
5 bis 6 Mio. €
Spenden pro Jahr, inklusive institutioneller Förderung
1 Mio. €
Ausschüttung der Wasser GmbH an die Gemeinnützigkeit in diesem Jahr
19
Investorinnen für die Villa Viva Hamburg, mit 6 Mio. € Eigenkapital
4 weitere Zahlen
67 %
Anteile der Gemeinnützigkeit an der Villa Viva Hamburg
10.000 bis 15.000
Ehrenamtliche, bei knapp 40 Vollzeitstellen in der Gemeinnützigkeit
ca. 500.000
gesammelte Pfandbecher pro Jahr, je rund 2 € Spende
0 %
Anteile der Gründer an Viva con Agua

Worüber am meisten gesprochen wurde

Anteil an der Gesprächszeit, berechnet aus den Kapitel-Längen (ohne Intro).
Social Business & Finanzierung
32 % · 27 Min
Ehrenamt & Community
22 % · 19 Min
Purpose Economy
19 % · 16 Min
Familie & Unternehmertum
10 % · 8 Min
Anfänge & Marke
9 % · 8 Min
Villa Viva & Skalierung
7 % · 6 Min
Gesprächsverlauf

Kapitel

  1. 00:00Die Anfänge von Viva con Agua: Von der ersten Pfandbecher-Aktion zur globalen BewegungAnfänge & Marke
  2. 07:46Social Business: Wie Viva con Agua Spenden und Geschäftsmodelle kombiniertSocial Business & Finanzierung
  3. 21:03Herausforderungen: Vertrauen, Transparenz & Vorurteile gegenüber NGOsSocial Business & Finanzierung
  4. 24:22Villa Viva: Soziale Hotels als skalierbares GeschäftsmodellVilla Viva & Skalierung
  5. 30:15Business-Learnings: Was Startups von Viva con Agua lernen könnenSocial Business & Finanzierung
  6. 40:34Ehrenamt & Community: Wie Viva con Agua 10.000 Freiwillige organisiertEhrenamt & Community
  7. 55:41Familienleben & Unternehmertum: Tipps für Balance und PriorisierungFamilie & Unternehmertum
  8. 01:03:52Purpose Economy: Warum nachhaltige Geschäftsmodelle die Zukunft sindPurpose Economy
  9. 01:20:06Wie man Viva con Agua unterstützen kannEhrenamt & Community

Key Learnings

  1. 1

    Verankere das Soziale in der Eigentümerstruktur

    Bei Viva con Agua liegen die Anteile jedes Social Business mehrheitlich beim Verein oder der Stiftung. So ist rechtlich abgesichert, wohin die Gewinne fließen und wer die Geschäftsführung bestimmt. Carolin sieht genau darin den Unterschied zwischen Social Entrepreneurship und einer einmaligen Charity-Aktion.

    07:46 · Social Business: Wie Viva con Agua Spenden und Geschäftsmodelle kombiniert
  2. 2

    Bau den sozialen Anteil von Anfang an ein

    Micha rät Gründerinnen und Gründern, Gemeinwohl gleich bei der Gründung in die Struktur zu schreiben, so wie Personio-Gründer Hanno Renner, der selbst ein Prozent zugesagt hat und seine Investoren ebenfalls ein Prozent hat zusagen lassen. Später einen Investor zu fragen, ob er ein Prozent abgibt, funktioniert aus seiner Sicht praktisch nie.

    30:15 · Business-Learnings: Was Startups von Viva con Agua lernen können
  3. 3

    Trenne Spenden und Geschäftsmodelle sauber und erklär es

    Spender fragen oft, wie viel ihres Geldes in das Hotel fließt. Die Antwort: nichts. Villa Viva ist mit Investorenkapital und Bankkredit finanziert, mit eigener Kalkulation und Buchhaltung. Weil das schwer zu verstehen ist, musst du die Trennung immer wieder aktiv erklären, sonst leidet das Vertrauen.

    24:22 · Villa Viva: Soziale Hotels als skalierbares Geschäftsmodell
  4. 4

    Biete Investoren ein faires, aber begrenztes Angebot

    Bei der Villa Viva Hamburg haben 19 Investorinnen das gesamte Eigenkapital gestellt und bekommen ihr Geld plus eine moderate, begrenzte Rendite zurück, obwohl die Gemeinnützigkeit 67 Prozent hält. Das spricht Menschen an, die sich lieber unternehmerisch als mit einer Spende engagieren.

    24:22 · Villa Viva: Soziale Hotels als skalierbares Geschäftsmodell
  5. 5

    Mach Ehrenamt attraktiv und digital skalierbar

    Ehrenamtliche bekommen bei Festivals ihr Ticket umsonst und haben dafür eine sinnvolle Aufgabe. Organisiert wird das über eine eigene, offene Plattform, nachdem Micha in der zweiten Saison 600 Menschen noch über Word-Dokumente verteilt hatte. Feste Crews mit Finanz- und Aktionsverantwortlichen und hauptamtliche Ansprechpersonen sichern die Qualität beim Umgang mit Bargeld.

    40:34 · Ehrenamt & Community: Wie Viva con Agua 10.000 Freiwillige organisiert
  6. 6

    Bleib bei deinen Regeln, auch im Vertrieb

    Viva con Agua gibt keine Freiware, zahlt keine Listungsgebühren und keinen Werbekostenzuschuss. Das kostet im Vertrieb mehr Zeit, weil du jedem Kiosk und jeder Gastro erklären musst, warum es keine Schirme gibt, dafür aber Brunnen. Micha: „Freiware baut keine Brunnen.“

    21:03 · Herausforderungen: Vertrauen, Transparenz & Vorurteile gegenüber NGOs
  7. 7

    Führ deine Familie mit denselben Werkzeugen wie dein Unternehmen

    Micha und seine Frau haben alle Familienaufgaben, vom Müll bis zur Steuererklärung, in einem Workshop mit Stunden hinterlegt. Ergebnis im ersten Jahr: 700 Stunden bei ihr, 200 bei ihm. Danach wurde neu verteilt, nach Stärken. Außerdem macht er nach 15:30 Uhr keine Meetings mehr.

    55:41 · Familienleben & Unternehmertum: Tipps für Balance und Priorisierung

Zitate

Carolin Stüdemann lacht (Remote-Aufnahme)
„… dieses Gefühl zu geben, die Welt besser machen ist super easy und du kannst dabei eine richtig gute Zeit haben.“
Carolin Stüdemann
„Also alle, die Viva Con Agua gegründet haben oder da federführend arbeiten, sind null Prozent beteiligt an irgendeinem dieser Organismen, die wir gebaut haben.“
Micha Fritz
„Freiware baut keine Brunnen.“
Micha Fritz
„… dass das vollständig eigene Kalkulationen, Buchhaltungen sind und dass die Gemeinnützigkeit von diesen Projekten zusätzlich profitiert.“
Carolin Stüdemann
„… du heiratest gegen die Scheidungsquote.“
Micha Fritz

Über den Gast

Carolin Stüdemann und Micha Fritz

Carolin Stüdemann und Micha Fritz

Geschäftsführerin von Viva con Agua und Mitgründer und kreativer Kopf von Viva con Agua · Viva con Agua, Villa Viva Hamburg

Micha Fritz hat Viva con Agua vor rund 20 Jahren mitgegründet, ohne Businessplan und mit zwei Regeln: nur Dinge machen, die Spaß machen, und den Stars nicht auf die Nerven gehen. Aus dem Spendensammeln mit Pfandbechern auf Festivals ist ein Geflecht aus gemeinnützigen Vereinen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Uganda und Südafrika und mehreren Social Businesses geworden, darunter das eigene Wasser, Goldeimer, die Millerntor Gallery und die Villa Viva. Micha gehört an keiner dieser Organisationen ein Anteil, er ist ganz normal fest angestellt. Carolin Stüdemann kam vor sieben Jahren zu Viva con Agua und hat die Geschäftsführung übernommen, als die Organisation schon 13 Jahre alt war. Heute treibt sie unter anderem die Professionalisierung der Organisation voran und sucht Investoren für weitere Villa-Viva-Projekte.

Häufige Fragen

Was ist Viva con Agua?

Viva con Agua ist eine gemeinnützige Organisation aus Hamburg, die Spenden für sauberes Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene sammelt. Zum Viva-con-Agua-Kosmos gehören neben dem Verein und der Stiftung gemeinnützige Vereine in Österreich, der Schweiz, Uganda und Südafrika sowie Social Businesses wie das eigene Wasser, Goldeimer, die Millerntor Gallery und die Villa Viva.

Woher kommt das Geld von Viva con Agua?

Laut Carolin Stüdemann stammen ungefähr 85 Prozent der Einnahmen aus Spenden, aktuell 5 bis 6 Millionen Euro im Jahr inklusive institutioneller Förderungen. Dazu kommen Ausschüttungen der Social Businesses: Die Wasser GmbH kann in diesem Jahr eine Million Euro für die Gemeinnützigkeit ausschütten.

Fließen Spenden in die Villa Viva?

Nein. Die Villa Viva Hamburg ist mit 6 Millionen Euro Eigenkapital von 19 Investorinnen und einem Kredit der Umweltbank finanziert und hat eine eigene Kalkulation und Buchhaltung. Die Gemeinnützigkeit hält trotzdem 67 Prozent der Anteile und profitiert langfristig von den Gewinnen.

Gehört den Gründern ein Teil von Viva con Agua?

Nein. Micha Fritz sagt, dass alle, die Viva con Agua gegründet haben oder dort federführend arbeiten, an keiner der Organisationen beteiligt sind. Er ist ganz normal fest angestellt und verdient 6.000 Euro brutto.

Wie organisiert Viva con Agua so viele Ehrenamtliche?

Über eine eigene Plattform, auf der du dich für Aktionen wie Festivals anmeldest, und über Crews, die sich offiziell als Teil des Vereins zusammenschließen, mit einer Finanz- und einer Aktionsansprechperson. Hauptamtliche Ansprechpersonen kontrollieren die Zahlungswege. Viva con Agua ist auf ungefähr 100 Festivals und zusätzlich vielen Konzerten im Jahr unterwegs.

Wie kann ich Viva con Agua unterstützen?

Du kannst dich ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel beim Pfandbechersammeln, Fördermitglied werden (Carolin nennt 5 Euro im Monat als Beispiel), Wasser, Klopapier oder Kunst aus dem Viva-con-Agua-Kosmos kaufen oder dich als Investorin oder Investor für weitere Villa-Viva-Projekte melden.

Erwähnt in der Folge

Firmen, Personen und Produkte aus dem Gespräch
  • Villa Viva HamburgFirmaSoziales Hotel am Hamburger Hauptbahnhof, mehrheitlich im Besitz der Gemeinnützigkeit.
  • GoldeimerFirmaGemeinnützige GmbH aus dem Viva-con-Agua-Kosmos, bekannt für soziales Klopapier.
  • Millerntor GalleryFirmaKunstfestival der Viva con Agua Arts für sauberes Trinkwasser.
  • UmweltbankFirmaHat den Kredit für die Villa Viva Hamburg zu besonderen Konditionen gegeben.
  • Robert Bosch StiftungFirmaBeispiel für Verantwortungseigentum: Die gemeinnützige Stiftung hält den Großteil der Anteile an Bosch.
  • Carl ZeissFirmaFür Micha ein weiteres Beispiel für Purpose Economy, das zu wenig darüber kommuniziert.
  • PatagoniaFirmaInternationales Beispiel für ein Unternehmen, das den Weg in die Gemeinnützigkeit gegangen ist.
  • Hanno RennerPersonPersonio-Gründer, der laut Micha selbst ein Prozent zugesagt und seine Investoren ebenfalls ein Prozent hat zusagen lassen.
  • Founders PledgeFirmaInitiative, über die Gründer einen Teil ihrer Exit-Erlöse für Impact zusagen.
  • Entrepreneurs PledgeFirmaDeutsche Initiative mit ähnlichem Ansatz, von Feliks ins Gespräch gebracht.
  • Hurricane FestivalFirmaNach einem Treffen mit dem Festival sagte Viva con Agua eine ganze Festival-Saison zu, noch ganz ohne Ehrenamtliche.
  • Fridays for FutureFirmaFeliks' Beispiel für einen klugen Anreiz, sich zu engagieren.
  • Albert WengerPersonFrüherer Founder-Mode-Gast, den Moritz zum Thema Designfehler des Kapitalismus zitiert.

Transkript

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00:00 Die Anfänge von Viva con Agua: Von der ersten Pfandbecher-Aktion zur globalen Bewegung

00:00 Micha Fritz: Hier ist gerade ein Podcast.

00:02 Benni: Ey, was soll denn, was ist das hier für ein Podcast? Servus!

00:05 Micha Fritz: Habt das alles recht? Kommt dazu. Ja, wir kennen uns. Benni, gib uns mal einen Shoutout in den Foundermode-Podcast.

00:14 Benni: Achso, okay, du sollst einen Shoutout geben in den Foundermode-Podcast.

00:19 Micha Fritz: Wenn er schon da ist, oder?

00:20 Benni: Ja, das ist hier Foundermode-Podcast, aber nicht nur irgendeiner, ein ganz besonderer. Mit Carolin Schülmann und mich, ja, Fred von Viva con Agua hat eine Wasserinitiative, würde sich dafür einsetzen, dass alle Menschen auf dieser Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Gehostet von Felix und Moritz. Stay tuned.

00:36 Feliks Eyser: Willkommen bei Foundermode, dem Entrepreneurship-Podcast mit mehr Tiefgang als ein Brunnenprojekt in Uganda. Wir sprechen heute mit Micha Fritz, dem Gründer von Viva con Agua, und Carolin Stüdemann, der Geschäftsführerin von Viva con Agua, darüber, wie man ein Social Business aufbaut, möglichst viel Impact hat und die Welt ein Stückchen besser macht. Viel Spaß beim Pod. Caro, du hast eben von der Art gesprochen, wie Viva con Agua Spenden denkt und Social Entrepreneurship denkt. Gab es irgendwann mal so einen Moment, wo ihr gesagt habt, da und dafür steht die Marke und so wollen wir sein? Oder war die Erfahrung wirklich, dass ihr gesagt habt, Greenpeace, WWF, wie sie alle heißen, kommen eher aus dem Negativen raus und unsere Idee ist, einfach eine positive Spendenkultur zu zeigen? Kann man das so zusammenfassen?

01:16 Carolin Stüdemann: Du kannst es so zusammenfassen, aber ich würde trotzdem auch sagen, dass es sich auch organischer entwickelt hat. Es war eher, wofür stehen auch die Gründungspersönlichkeiten sehr stark? Was sind so deren Werte, so die Kern-DNA der Organisation? Und da spricht man ja auch ganz häufig davon, dass das auch unfassbar prägend für eine Kultur ist. Wie sind wirklich die ursprünglichen Anfänge, die ersten Ideen, auch so die Impulse, die in diese Gründungszeiten auch einfließen? Und das hat sehr stark auch die DNA beeinflusst, wie wir auch bis heute kommunizieren, wie die Marke wahrgenommen wird im Innen und Außen und wie wir auch unsere Kultur leben. Deswegen, glaube ich, war es deutlich weniger strategisch, aber hat sich jetzt gerade rückblickend gesehen, schon gezeigt, dass wir, wenn wir jetzt über Kommunikation sprechen, wie wollen wir Menschen ansprechen, welche Zielgruppen erreichen wir eigentlich wie, dass wir uns dann auch sehr stark auch rückbesinnen, was ist der Kern der Marke? Und genau diese Begeisterung, die mich ja von den Aktionen mit den Ärzten berichtet hat oder diese anfängliche Energie von totaler Leichtigkeit, also auch so dieses Gefühl zu geben, die Welt besser machen ist super easy und du kannst dabei eine richtig gute Zeit haben. Das hat damals den Zeitgeist getroffen und war aber auch so eine Sehnsucht, die viele Menschen hatten, die eigentlich sich schon engagieren wollten oder irgendwo teil sein wollten einer Gemeinschaft, aber manchmal auch nicht so richtig wussten, wie kann das denn gehen? Und ich erinnere mich tatsächlich an meine erste Arbeitswoche vor sieben Jahren. Damals war unser Büro noch direkt auf St. Pauli, also es war auch jahrelang genau da, direkt gegenüber vom Millantor-Stadion, also man konnte immer direkt nach dem Feierabend auch rübergehen zum Pfandbecher sammeln, wenn es ein Spiel war. Aber meine erste Woche war tatsächlich so, dass es dann hieß, so heute Abend spielt Querbeat bei uns direkt vor dem Büro, weil Reeperbahn-Festival ist. Und natürlich ist das ganze Team da und wir sammeln auch dort Pfandbecher, schwenken unsere Pfannen und erreichen Menschen. Und da habe ich schon total früh direkt gespürt, was ist denn VivaConAqua-Kultur oder was macht uns im Kern aus? Und da gab es jetzt nicht einen ausführlichen Onboarding-Prozess, wo mir jemand die Markenstruktur erzählt hat oder Micha mir eine 20-Slides-Präsentation gehalten hat, wie kommunizieren wir oder was macht VivaConAqua aus?

03:23 Carolin Stüdemann: Sondern es war direkt dieses Erlebnis, wo ich echt dachte, okay, wow, das ist das, wo jetzt zukünftig natürlich einerseits so viel in meiner Zeit reinfließen wird, aber auch direkt so ein Gespür für die Menschen und die Gemeinschaft. Weil das Schöne ist natürlich auch, wenn du direkt mit vor Ort bist, Menschen sprechen dich an, wenn sie spenden oder kommen zu dir, stellen Fragen, was macht ihr genau für Projekte? Und dann ist es natürlich viel direkter und stärkt ganz doll diesen Community-Aspekt. Und ich glaube, das hat dann auch natürlich sehr stark unsere gesamte Kommunikation als NGO beeinflusst und tatsächlich auch alle unsere weiteren Gründungen durch diese Kern-DNA auch immer wieder. Also wenn ich auch an andere Social-Business-Gründungen jetzt denke, da ist dieser Spirit immer enthalten gewesen und auch ein Grund dafür gewesen, dass dieser Zauber am Anfang auch immer inne wohnte, weil immer diese Begeisterung von, wir schaffen gemeinsam etwas Neues und es ist aber Teil der großen Vision Wasser für alle.

04:18 Micha Fritz: Ja, ich würde gerne eine Sache ergänzen. Ich glaube, man muss es natürlich schon ein bisschen betrachten, weil ihr ja auch sehr aus dieser Start-up-Tech-Bubble und so weiter kommt und auch wahrscheinlich viele von den Hörerinnen daraus kommen. Als wir vor 20 Jahren gegründet haben, da gab es keinen Plan. Und wir haben ja auch nicht gegründet, um etwas zu werden oder zu kreieren, sondern wir haben einfach eine Struktur gebraucht, um Spenden zu sammeln für sauberes Trinkwasser. Und wenn du heute gründest, dann hast du eine Kalkulation im besten Fall, also einen Businessplan, weil im anderen Fall ist es sehr schwierig. Du hast einen Kommunikations-Rollout, du stellst dein Team konzeptionell zusammen. Ah, wenn ich schon die Front-Sau habe da draußen, den Außenministerinnen oder whatever, dann brauche ich jemanden, der im Hintergrund das sauber macht etc. Du machst genau einen Plan für dein Backend etc. Wie stellst du dich techmäßig, digital auf? Wer sind deine Angel-Investoren und so weiter? Und ich könnte jetzt ewig so weitermachen, weil dieser Prozess ist relativ für viele da draußen mittlerweile sichtbar, durch die vielen Gründungen, die wir auch verfolgen durften oder selbst mitgemacht haben. Bei uns war das anders. Wir hatten null Plan, wir hatten zwei Regeln. Das eine ist, wir machen nur Sachen, die uns selber Spaß machen und wir sind die Geh den Stars nicht auf dem Sack Charity Organisation. Das waren diese zwei fundamentalen Regeln und dann hatten wir auf ein paar Flipcharts irgendeinen Quatsch geschrieben und haben auf dem Flyer, das weiß ich noch, Benni, anstatt Non-Profit, All-Profit, weil er gesagt hat, es macht doch keinen Sinn, wenn keiner profitiert. Ohne zu wissen, was wirklich zum Besten aller Wesen bedeutet, was Gemeinwohlökonomie ist, was Verantwortungseigentum, all diese ganzen Sachen und Passwords und so weiter. Also ich glaube, es ist nur wichtig, wenn man Viva Con Agua so verstehen will, dass sich eben ganz viel organisch durchs erst mal einfach machen, ohne auch zu wissen, was und außerhalb der Komfort- oder Lernzone oder nicht Lernzone, sondern gelernten Zone, also Dinge, die du einfach gar keinen Plan hast. Als wir, ne, den ersten Business Case ist ja das Wasser gewesen, 2007 war so die Idee, 2010, ne, wir haben drei Jahre allein gebraucht, um irgendwie mit Freunden, Unterstützern, Partnern einen Businessplan zu schreiben.

06:35 Feliks Eyser: Um euer eigenes Wasser rauszubringen.

06:36 Micha Fritz: Genau, unser eigenes Wasser, aber in welchem Modell? Das ist ja ein Lizenzmodell mit der Husumer Quelle, diesen Abfüller, so, weil auch da wir an Kernkompetenz und Komplementärverteilung glauben und nicht selber jetzt eine Abfülleranlage für 5 Millionen kaufen wollen und dann Wasser abfüllen, so, sondern ja nur, in Anführungszeichen, eine soziale Alternative auf dem Wassermarkt sein wollen und den Leuten sagen, ey, eigentlich muss der Wassermarkt kleiner werden, ja, trinkt alle Leitungswasser und der Anteil von Viva Con Agua kann aber gerne größer werden, weil es ist immerhin ein soziales Wasser. Das ist ja auch so ein bisschen der Spagat, den wir oft gehen, ne, dass du Dinge den Leuten auch sagst, wie trink unser Wasser nicht, was ein normales Unternehmen oder ein normales Produkt eher erstmal nicht sagen würde, weil die sagen, kauf unser Produkt, weil dann wirst du noch geiler, noch sexier, noch irgendwas,

07:25 Feliks Eyser: aber ich habe es probiert, also ich habe sehr viel Viva Con Agua Wasser getrunken, und bin immer noch nicht so sexy und...

07:32 Carolin Stüdemann: Wir mögen dich trotzdem.

07:35 Micha Fritz: Du, du siehst, für mich siehst du... Ich stelle dein Lichtmein nicht in den Schaffern. Für mich ist allein dein Akzent, dass du aus dem Süden kommst und so schwer besprichst, das ist für mich Sexiness pur, muss ich sagen.

07:42 Feliks Eyser: Schaffe, schaffe, Brunnenbauer.

07:44 Micha Fritz: Said no one ever.

07:46 Social Business: Wie Viva con Agua Spenden und Geschäftsmodelle kombiniert

07:46 Feliks Eyser: Said me. Ich glaube, da war insofern schon viel drin, wo ich mir darauf einhaken will. Also es gibt ja einmal Viva Con Agua, die Idee, die würde ich jetzt mal so verstehen, dass es heißt, okay, es soll Spaß machen, es soll niederschwellig sein und es sollen irgendwie alle, die daran teilhaben, profitieren. Und dann gibt es Viva Con Agua als quasi Firmengeflecht oder Aktionsgeflecht. Nehmt mich doch da mal kurz mit oder die Zuhörer mit, für diejenigen, die jetzt nicht alles kennen, was ihr tut, wie äußert sich das denn?

08:20 Carolin Stüdemann: Ja, ich kann einmal die strukturelle Perspektive noch mal drauflegen, weil tatsächlich über die Jahre diese eine Gründung, die Micha gerade beschrieben hat, die Wasser GmbH, ist sozusagen unser erstes Social Business gewesen und eine Ausgründung. Mit der Besonderheit fällt auch von der Struktur dahinter, die Anteile sind mehrheitlich in der Gemeinnützigkeit. Das heißt, Viva Con Agua als Verein, der die Spenden sammelt, der ist Gesellschafter in der Wasser GmbH, genauso wie die Viva Con Agua Stiftung, die zum Beispiel Zustiftungen erhalten kann, die ist auch Gesellschafter. Und dadurch ist natürlich ein großer Einfluss auch auf die Ausrichtung der Wasser GmbH, weil mehrheitlich gemeinnützig gesteuert in der Gesellschafterstruktur hat natürlich einen großen Einfluss auf die Gewinnausschüttung, weil die wiederum jedes Jahr verwendet werden können, dann wieder für Wasserprojekte, aber auch in der Steuerung. Wer wird als Geschäftsführung ausgewählt? Wie ist das Team ausgerichtet? Was sind die Ziele dort in der GmbH? Das richtet sich sehr stark dann nach, also wirklich nach der Viva Con Agua Ausrichtung. Ansonsten gibt es noch insgesamt tatsächlich weitere gemeinnützige Vereine in Österreich, der Schweiz, Uganda und Südafrika, die auch alle gemeinnützig aktiv sind, vor allem in dem Spendenfokus und in der Projektumsetzung dann jeweils mit den Spenden. Und dann aber auch noch weitere gemeinnützige GmbHs, also die Goldeimer GmbH. Da muss mich ja auf jeden Fall gleich nochmal die Gründungsgeschichte erzählen. Das ist zu spannend, um das vorzuenthalten. Aber auch zum Beispiel die Arts GmbH, die die Millantor Gallery organisiert und viel für das gesamte Thema Kunst als universelle Sprache, also Menschen mobilisiert, aber das ist alles in der Gemeinnützigkeit verankert. Und dann gibt es sozusagen noch weitere Social Business. Da müssen wir aber auch ein bisschen Zeit jeweils für einräumen. Nämlich die Villa Viven, die gegründet wurden, also soziale Gasthäuser, die es in Hamburg gibt und das allererste tatsächlich in Kapstadt gegründet wurde. Ein weiteres wir werden sehen. Aber da passiert auf jeden Fall auch sehr viel und das folgt auch immer wieder der gleichen Logik.

10:27 Carolin Stüdemann: Es ist zwar ein Business-Modell, aber immer ein soziales, wo wir die Gemeinnützigkeit in der Anteilseignerschaft haben, mehrheitlich. Und gleichzeitig natürlich immer zusätzlich Investoren auch brauchen, dieses Geschäftsmodell ermöglichen zu können. Aber der Fokus liegt da immer auch, langfristig die Gemeinnützigkeit dann auch finanziell zu stärken.

10:46 Feliks Eyser: Okay, das heißt, ihr habt angefangen, einfach nur Spenden zu sammeln. Einfach nur, ist schwer genug. Aber gesagt, gut, wir sammeln Geld und schicken es zum Beispiel nach Uganda. Und dann gesagt, gut, wie können wir noch mehr Revenue generieren? Hab gesagt, wir starten Businesses, wie zum Beispiel das eigene Wasser-Business. Da sind Leute angestellt, die kriegen Gehalt, irgendjemand arbeitet in der Abfüllanlage und so weiter. Die werden ganz normal bezahlt. Aber der Profit, der da entsteht, wird in die gemeinnützigen Vehikel reingeschoben sozusagen, um einfach noch mehr Brunnen zu bauen. Habe ich es richtig verstanden?

11:14 Carolin Stüdemann: Richtig. Und das Spannende ist tatsächlich, bis heute sind die Einnahmen aus Spenden, ungefähr machen die ungefähr 85% der Gesamteinnahmen aus.

11:23 Feliks Eyser: Ist das so?

11:24 Carolin Stüdemann: Genau. Und das ist super spannend, weil die Social Businesses natürlich total mit viel Strahlkraft wahrgenommen werden und auch super wichtig sind, weil sie niedrigschwelliges Engagement auch ermöglichen. Eine Übernachtung, die quasi was Gutes tut, der Kauf des Wassers auf dem Konferenztisch, was ein Statement setzt. Aber insgesamt, so von dem gesamtfinanziellen Revenue, ist es momentan noch so, dass Spenden die wichtigste Einnahme sind. Aber alle Einnahmen am Ende, sollen ja der Vision dienen. Von daher ist es gut, wenn alle Einnahmen wachsen.

11:52 Feliks Eyser: Kannst du es in Größenordnung geben, über wie viel Geld wir da sprechen pro Jahr, was da reinkommt, über Spenden und Sonstiges?

11:58 Carolin Stüdemann: Genau. Also die Spenden sind momentan bei in Summe 5 bis 6 Millionen Euro. Das kommt immer ein bisschen drauf an. Da sind aber auch teilweise dann institutionelle Förderungen mit drin, die ich jetzt mal sozusagen unter den gemeinnützigen Einnahmekanal fassen würde. Und dann in dem Ganzen sozusagen, was eher über die Wasser GmbH generiert wird, also über diese Lizenzmodelle, können wir am Ende in diesem Jahr eine Million Euro für Gemeinnützigkeit ausschütten. Das heißt, da wird schon noch mehr Umsatz in Summe generiert. Aber wenn wir jetzt mal rein auf die Wirkung gucken, sind es ungefähr eine Million Euro, die da ankommen. Und natürlich...

12:37 Feliks Eyser: Weil diese Businesses zusammen zum Beispiel 5 Millionen Umsatz machen, so da ist natürlich viel irgendwie Kosten und zum Beispiel Kredite, die bedient werden und so weiter. Vielleicht bleibt eine Million unterm Strich hängen und die fließt dann nach oben sozusagen.

12:49 Carolin Stüdemann: Die wird ausgedrückt tatsächlich, genau. Aber auch in der Grundstruktur, in der Kostenstruktur eigentlich auch immer so sparsam, wie es geht, um sozusagen bestmöglich dann dem Zweck zu dienen. Wo wir jetzt sogar auch gesagt haben, bei der Wasser GmbH, wahrscheinlich macht es sogar auch mal Sinn, dass die Stärker auch für eine Zeit lang mehr in Wachstum und Investitionen auch gehen, um auch den Markt noch mehr erschließen zu können. Weil wir da auch angefangen, da hatten wir auch keine professionellen Vertriebler, sondern ganz früher waren das einfach Menschen, die ehrenamtlich wie Walker und Aqua cool fanden und dann als Vertriebler bei der Wasser GmbH angefangen haben. Also sehr purpose-driven. Und jetzt haben wir seit drei Jahren da eine deutlich höhere Sales-Expertise drin, auch in der Geschäftsführung, die das viel vertrieblicher auch aufbaut. Und ich glaube, das ist auch so ein Shift, den wir in den letzten Jahren jetzt machen, von rein auch sehr, vielleicht eher aus der ganz starken Vision oder Purpose-Getriebenheit, jetzt noch mal stärker zu gucken, wo brauchen wir auch gewisse Professionalisierung oder wo können wir es größer aufsetzen und mit welchen Partnern müssen wir dafür zusammenarbeiten. Und das ist natürlich auch bei der Villa Viva so.

13:52 Micha Fritz: Ja, ich glaube, ich würde gerne zwei Sachen einmal so als Präambel, weil das viele Leute da draußen gar nicht checken. Also alle, die Viva Con Agua gegründet haben oder da federführend arbeiten, sind null Prozent beteiligt an irgendeinem dieser Organismen, die wir gebaut haben. Das heißt, wir Gründer uns gehört nichts an Viva Con Agua. Ich bin kündbar, ich verdiene 6.000 Euro brutto und wenn ich jetzt hier Scheiße erzähle, dann, also gravierende Scheiße, dann bin ich kündbar. Ich bin ganz normal fest angestellt, habe einen Arbeitsvertrag aus zwei Perspektiven unterschrieben. Aus der einen, wo ich denke, ey, ich verdiene ein bisschen zu wenig, nämlich aus der Arbeitnehmer und aus der Arbeitgeber, Digi, der hat nicht mal ein abgeschlossenes Studium, warum kriegt der 6.000 Euro und macht eh nur Quatsch den ganzen Tag. Das ist, glaube ich, wichtig für die Leute da draußen zu verstehen, weil normalerweise in dieser Unternehmerwelt gehören Unternehmen immer Menschen. Das ist aber nicht immer so und das ist die zweite Ebene, um da auch mal einmal kurz aus Viva Con Agua raus zu zoomen, weil Never Take Yourself Too Seriously und auch Viva Con Agua sollte sich niemals zu ernst nehmen. Es ist nur eine Alternative in diesem ganzen wirtschaftlichen Konstrukt. Das nennt sich Verantwortungseigentum, Purpose Economy. Das hat Robert Bosch, eines der größten Firmen Deutschlands, ich glaube mit 300.000 Mitarbeitenden weltweit, schon Jahrzehnte vorgemacht. Die haben nur meines Erachtens, wenn Robert Bosch CEO, CMO oder wer auch immer zuhört. Ihr habt ein schlechtes Marketing. Das weiß keiner. Genauso Zeiss, Karl Zeiss. Ich habe jetzt vorgestern erst Karl Zeiss, die Marketingchefin, kennengelernt und habe sie gefühlt erst mal kurz angeschrien, weil ich gesagt habe, ich bin ein Riesenfan von euch, aber ihr macht so schlechte Arbeit in der Kommunikation da draußen.

15:35 Feliks Eyser: Wie hat sie reagiert? Jetzt hat sie sich umgedreht oder hat sie noch mit dir geredet?

15:37 Micha Fritz: Nein, sie hat mir auch die Nummer und findet es cool. Wir treffen uns jetzt mal und sagt sie, ja, wir fangen jetzt langsam an und so weiter und so. Und ich sage, warum das so wichtig ist, weil du musst eine Alternative auf Top-Level haben zu einfach Shareholder-Value, Venture-Capital, Aktien und Kohle machen und schneller höher, Amazon und wie sie alle heißen und dann Venedig mieten für deine Hochzeit und komplett eskalieren. Nein, das meine ich genau so. Ich glaube, wir brauchen da zumindest mal eine andere Spielwiese.

16:10 Feliks Eyser: Micha, kurz vielleicht um die Zuhörer abzunehmen. Wenn du von Karl Zeiss und wenn du von Bosch sprichst, dann meinst du ja jeweils vermutlich die Familienstiftung, wo große Teile der Gewinne reinfließen und die diese Gewinne dann ja aber wieder reinvestieren in wohltätige Projekte. Aber es sind gemeinnützige Stiftungen, oder? Es ist nicht die Familienstiftung, das ist eine andere Kategorie?

16:34 Micha Fritz: Genau, da würde ich nämlich auch jetzt bitte gerne einer kurz gegencheck, aber es gibt Familienstiftungen, die sind vor allem dafür da, dass den Familien es ganz lange ganz gut geht. Und dann gibt es gemeinnützige Stiftungen und so viel ich weiß, ist die Robert-Bosch-Stiftung eine gemeinnützige Stiftung und der gehört 96% von dem Unternehmen. Der Familie gehört, glaube ich, noch 4%. Das ist das, was ich weiß. So, gerne korrigieren, immer alles, was ich sage.

17:01 Feliks Eyser: Immer Factcheck nebenbei.

17:02 Micha Fritz: Genau, danke. Und das ist, glaube ich, das Elementare, was man da mal checken muss, ist, dass eben 96% von einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Unternehmen, das seit Jahren am Markt ist und auch in vielen Bereichen Marktführer war, etc., auch eben in dieser Gemeinwohlökonomie leben kann. Und das andere große Beispiel international ist natürlich Patagonia. Die sind auch den Weg gegangen, erst quasi wirtschaftlich sehr erfolgreich und dann in die Gemeinnützigkeit. Viva Con Agua ist ja, um wieder zu Viva zu kommen, einen ganz anderen Weg gegangen. Wir haben erst gemeinnützig gegründet und dann gesehen und jetzt mache ich auch endlich den Kreis, weil du hast die Verbindung aus Gemeinnützig und Wirtschaft hat einen Vorteil, weil du nimmst auch Vorteile der Wirtschaft mit, nämlich skalieren, schnell, effizient, etc., pp. Das sind oft NGOs nicht gewesen in ihrer Vergangenheit. Die lernen das auch dazu, die steppen ab, auch ihr Game up und so weiter. Aber früher war das halt, als wir angefangen haben, durftest du dir die Achselhaare nicht rasieren, musstest ein Hippie sein, ob du es wolltest oder nicht sozusagen und weißt du, so jetzt ein bisschen in Klischees, aber so, aber dieses, was, wenn du dir die Pfandbecher anguckst, das ist ein skalierbarer Case, wenn du dir das Wasser anguckst, skalierbarer Case, etc., solche Cases haben natürlich einen ganz anderen Impact und auch wenn das immer noch nur 15% macht, musst du ja 42 Millionen Flaschen, die ja ein flüssiger Flyer sind, wo Angela Merkel getrunken hat, der Dalai Lama, George Clooney und wie sie alle heißen, auch wenn er Nestle-Testimonial ist, haben wir ihm die Flasche untergejubelt, aber das sind ja alles so Punkte, die da reinspielen und deswegen ist, glaube ich, auch Viva Con Agua letztlich wie so ein Klavierstück von Mozart, das ganz viele Tasten hat und eben nicht nur eine verkauft, ein Produkt oder whatever, sondern eben auch die universellen Sprachen, Kunst, Musik, Kultur, Schabernack, Inspiration, Aktivierung, etc. und es wird vor allem dann geil, wenn du alle Tasten spielst und nicht nur eine.

19:03 Feliks Eyser: Wir können gleich über die Challenges sprechen, die damit einhergehen. Ich stelle mir das auch sehr komplex vor, was ihr macht. Fact-Check, du hattest völlig recht, Robert Bosch, der gemeinnützige Stiftung gehören 94% der Anteile. 94%. Die ist gemeinnützig, investiert das in Bildung, internationale Verständigung, Gesundheit und so weiter. Interessant ist, die hat 0% der Stimmrechte, also eben aufgeteilt, dass die Stimmrechte woanders liegen, nämlich bei der Robert-Bosch-Industrie-Treuhand und da ist ein Gremium drin von ehemaligen Führungskräften, Familienvertretern, externen Leuten und so weiter, also auch eine interessante Struktur, wo die Familie und die Mitarbeiter und Personen aus der Gesellschaft quasi die Entscheidungen treffen können und der Familie gehören nochmal 5%. Etwa, da fließen jedes Jahr so knapp 200 Millionen raus, also das ist für die Familie jetzt auch nicht so schlecht, die kriegen dann da irgendwie genau so 10 Millionen überwiesen oder so jedes Jahr, da können ein paar Urenkel auf jeden Fall ein gutes Leben führen und das ist ja genau der Punkt zu sagen, wie viel Geld brauchst du denn so? Du willst dir vielleicht für deine Nachkommen sorgen und sagen, ich habe da was aufgebaut und ich will irgendwie, dass die finanziell frei sind, aber brauchen die jetzt 200 Millionen im Jahr? Wahrscheinlich nicht und wahrscheinlich gibt es Orte auf der Welt, wo das Geld besser angelegt ist und daher diese Struktur.

20:12 Carolin Stüdemann: Ja, das ist super spannend. Zum Beispiel in Deutschland gibt es auch für die Social Entrepreneurship oder Social Business gibt es gar keine richtig gesicherte Definition oder etwas, wo man sagt, das versteht man immer darunter und gerade diese Governance-Komponente, die ihr jetzt beschrieben habt, dass du wirklich bis in die Rechts Form abgesichert ist, wie die Gewinne verwendet werden, wo die Stimmrechte liegen. Ich glaube, das sind eigentlich genau die Besonderheiten, wann man von Social Entrepreneurship sprechen kann, wenn es wirklich diese tiefe Verankerung hat und nicht sozusagen nur ein kurzfristiger Charity-Case ist, wo man in diesem einen Jahr spendet, weil es ein gutes Jahr war und das stark für die Kommunikation nutzt, vielleicht das Marketing-Budget in der Kommunikationskampagne das noch deutlich überschreitet, was wirklich am Ende bewirkt wurde und dann aber in den nächsten Jahren rückt das wieder in den Hintergrund, weil ein anderes Thema dran ist und ich glaube, das ist diese Besonderheit bei Social Entrepreneurship.

21:03 Herausforderungen: Vertrauen, Transparenz & Vorurteile gegenüber NGOs

21:03 Feliks Eyser: Ja, und die Vorteile liegen auf der Hand, nicht so eine starke Abhängigkeit rein von Spenden, es gibt Möglichkeiten, Leute anzustellen, die sich quasi über ihr Arbeitsverhältnis da auch nochmal einbringen, es gibt die Aktivierung und Möglichkeiten, mit Brands zusammenzuarbeiten, die Außenwirkung von all den Produkten, dem flüssigen Flyer zum Beispiel. Was sind die Challenges? Was sind die Herausforderungen, die das mit sich bringt, diese Welten ein Stück weit zu verbinden?

21:25 Micha Fritz: Naja, dass du andere Regeln hast, andere Paradigmen, du kommst mit einer Gemeinnützigkeit, ich kriege allein, ich muss es einfach, ich muss es die Tage auch mal wirklich posten, ich kriege bestimmt die Woche zehn Anfragen, ob jemand Freiware haben kann und meine Standardantwort ist, Freiware baut keine Brunnen. Wenn du eine normales Wasserfirma oder Getränkefirma bist, dann haust du die ganze Zeit Freiware raus, dann machst du die ganze Zeit Sponsoring etc. Wir machen das nie, weil Sponsoring, Freiware baut keine Brunnen, das wäre völlig Quatsch und wo gibst du es etc. Es geht weiter über über Listungsgebühr und das perfide ist ja sogar noch, dass die Unternehmen auch am geilsten sind, wenn es Global Players sind, auch das ist schon passiert, ich muss mir einfach genau die Anfrage genau so posten, aber wirklich, ja, es wäre ja auch gut für euch dann im, und wir würden euch gerne unterstützen, indem ihr auf unserer Veranstaltung dann wahrgenommen werdet, ja, und dafür will der Global Player das Wasser umsonst, checkt aber gar nicht, dass wir ein gemeinnütziges Ökosystem sind und dann natürlich also finanziell erst mal denen das Leben leichter machen, dieser Firma, dem Global Player etc. Das passiert zum Beispiel immer im Rahmen von der Berlinale, wo wir lange schon Partner sind oder so, dass dann die Großen, die da alle Empfänge machen und so weiter und oder Listungsgebühren in großen Supermarktketten, ist es normal, dass du, wenn du da rein willst, eine große Summe auf den Tisch legst und weißt auch, dass du damit natürlich über den Verkauf das alles wieder zurückbekommst und so, aber das machen wir halt nicht. WKZ, genau das Gleiche, ist komplett üblich in der Gedanke.

23:03 Feliks Eyser: Werbekosten Zuschuss.

23:03 Micha Fritz: Werbekosten Zuschuss. Genau, machen wir nicht. Das heißt, und dann normal, du machst eine Gastronomie auf, ja, wir hätten gern zehn Schirmständer und 20 Biertischgarnituren. Alter, von mir, von uns kriegst du einen Kuss, aber that's it, aber den auch nur von mir, weil alles andere wäre übergrifflich, wenn das unsere Kolleginnen machen müssten. Aber das ist, glaube ich, zum Beispiel einfach mal, wo du, die Leute müssen verstehen, dass sie Teil von etwas Sozialem sind, sozusagen, und das ist schon auch eine Arbeit, weil du musst ja auch bedenken, in diesem Sales, und das weiß jeder, der Sales gemacht hat, es geht um, hey, wie viele Ansprachen kann ich in der Stunde machen, in der Minute, ja, wie viele Kioske kann ich besuchen, wie viele bam, bam, bam, bam, bam, und dann musst du den Leuten sagen, ja, warte, nee, ihr kriegt kein Geld, nee, ihr kriegt keine Schirme, nee, aber wir bauen Brunnen, hä, wie ihr baut Brunnen, alles klar, ah, dahinter stecken Gemeinde zu gefeiern, also du brauchst viel mehr Zeit, um die Geschichte, sauber, differenziert zu erzählen, und das sind zum Beispiel Herausforderungen, die, die kommen, oder Leute verstehen den Business Case nicht, auch ein Teil der Wahrheit, jetzt gerade in Bezug auf die Villa Viva, was für viele Leute nicht so klar ist, wie kann man so ein, ich meine, das Haus ist 40 Millionen fast wert, ja, 38 Millionen, direkt am Hauptbahnhof, 13 Stockwerke, in Hamburg,

24:22 Villa Viva: Soziale Hotels als skalierbares Geschäftsmodell

24:22 Feliks Eyser: in Hamburg, wäre jetzt nämlich auch meine Frage, so, das sind ja schon relativ große Räder, die ihr da dreht,

24:27 Micha Fritz: genau, und das, ne, und dann gebe ich auch gern wieder ab, um nicht so viel Raum einzunehmen, was Gründer immer gerne machen, deswegen abgeben Gründer, ihr seid auch nicht, nur weil ihr Gründer wart, ein guter Geschäftsführer, muss es nicht sein, kann sein, ist oft deckungsgleich, oft aber auch nicht, aber was ich eigentlich sagen wollte, ist ja, die Leute verstehen dann gar nicht, dass da gar keine Spendengelder von Viva Con Aqua drin sind oder dass die Cases komplett getrennt sind und wenn Villa Viva erstmal keinen Profit macht, gehört uns trotzdem ein Teil von dem Haus, ja, und irgendwann wird das toi, toi, toi in 16 Jahren, wenn es abbezahlt ist und so weiter, sehr viele Profits machen, aber eben in 16 Jahren langfristiger Business Case, das ist nicht kurzfristig, beim Wasser sind wir ja nach 3, 4 Jahren Break-Even gegangen, ganz anderer Case, Villa Viva Kapstadt ist jetzt schon Break-Even, ganz anderer Case und diese Komplexitäten und Differenzierung ist für Menschen, die jetzt vielleicht im normalen Job nicht im Accounting sind oder Business Pläne schreiben oder, weißt du, so wie ich auch im normalen Leben habe ich mit Business Plänen nichts zu tun, für mich ist das auch kompliziert, ich kann dir ganz offen und ehrlich nicht alle Business genau auf den Dings runterrechnen, so, sondern, das ist ja das Geile am Team, du kannst, arbeitest mit Menschen, wo die was können, was ich niemals lernen werde. Okay, also ich sage dir, es macht die Wahrnehmung schwieriger, die Leute, die sehen aus, die machen da so viel, die haben da irgendwie in Kapstadt irgendwie ein Hotel, dann bauen sie da 13 Stockwerke, 40 Millionen, unfassbar große Zahlen, sozusagen.

25:55 Feliks Eyser: Und die soll ich jetzt noch spenden.

25:57 Micha Fritz: Und die soll ich jetzt spenden, damit die Karo und der Micha noch reicher werden.

26:01 Carolin Stüdemann: Genau, das passiert wirklich, auch wenn ich hier Spendenchecks entgegennehme, dann kommt ein Firmenchef und ganz stolz, überreicht mir 10.000 Euro hier in der Villa Viva für den gemeinnützigen Verein und die Wasserprojektarbeit. Und die allererste Frage, die er stellt ist, und wie viel meines Geldes fließt jetzt in dieses Haus? Weil es sehr schwer für Menschen zu trennen ist, dass das vollständig eigene Kalkulationen, Buchhaltungen sind und dass die Gemeinnützigkeit von diesen Projekten zusätzlich profitiert. Und dass das natürlich, dass wir auch darüber Investoren gewinnen können, weil es gibt ja ganz unterschiedliche Menschen, die sich ganz anders engagieren wollen. Es gibt Menschen, die wollen gerne zum Beispiel dauerhaft spenden und Projektberichte bekommen, aber es gibt auch Menschen, so wie ihr zum Beispiel, die wollen sich eher unternehmerisch einbringen und für die ist natürlich Villa Viva ein total spannender Case, weil sie sagen, ich kann Viva Can Aqua unterstützen, aber mit dem, wo ich mein Skillset habe, unternehmerisch, ich kann ein Investment beitragen, weil wir brauchten auch, um dieses Projekt zu ermöglichen, jetzt in Hamburg, für Hamburg gesprochen, 19 Investorinnen, die dieses Eigenkapital von 5,5 Millionen, das haben wir dann nochmal aufgestockt auf 6 Millionen, reingegeben haben, damit wir überhaupt den Kredit bei der Umweltbank aufnehmen konnten, der dann dieses Gesamtvolumen ermöglicht hat. Und für die ist es ein For-Profit-Investment.

27:17 Feliks Eyser: Also wenn jetzt jemand eine halbe Million investiert, das Geld ist für die Person nicht weg, sondern die kriegt dann irgendwann einen Teil der Einnahmen.

27:22 Carolin Stüdemann: Ja, genau.

27:23 Feliks Eyser: Für den ist es wahrscheinlich okay, nicht Marktrendite zu machen, aber er will sein Geld.

27:27 Carolin Stüdemann: Genau, der bekommt das Geld definitiv zurück und bekommt auch eine moderate Rendite, aber die ist begrenzt, weil Stand jetzt, müssen wir auch nochmal schauen, ob wir da nochmal irgendwann das überarbeiten, aber Stand jetzt ist es so, dass die Gemeinnützigkeit 67% der Anteile des Geschäftsmodells hält. Das heißt, das ist natürlich auch ein interessanter Investment Case. du gibst das gesamte Eigenkapital, aber hast einen anderen Shareholder, der deutlich größere Anteile hält und selber 0 Euro reingegeben hat. Aber natürlich über die Brand und die Community ganz stark und diese Gemeinnützigkeit, da auch diese Strahlkraft für das Haus erzeugt, na klar, aber das rein Finanzielle liegt dann schon bei den Investoren und natürlich auch bei die Umweltbank, die uns besondere Konditionen ermöglicht hat, auch einige in der gesamten Historie der Projektentwicklung, das ging ja auch über sieben Jahre, natürlich auch sehr einfach große Unterstützung in der Bauplanung, in der Architekturplanung, die überhaupt nur ermöglicht hat, zu besonderen Sätzen, dass das so realisierbar war. Also es hat schon auch viel Unterstützung gebraucht, aber es ist trotzdem ein spannender Investment Case, der andere Menschen anspricht, die eben 500.000 Euro Lust haben zu investieren und tatsächlich, es geht auch weiter für alle, die jetzt zuhören. Wir sind da auch an wirklich sehr konkreten Planungen, das noch größer aufzusetzen und sind da auch wieder am Raisen, also meldet euch gerne bei uns, wenn ihr da Interesse habt, auch in einem Social Business Case mit einzusteigen.

28:55 Feliks Eyser: Wie viel dürft ihr da schon drüber sprechen?

28:58 Micha Fritz: Naja, guck mal, das Ding ist, also ich darf ja alles, weil ich bin freis integriertes Radikal. Das Ding ist, ich glaube, es gibt keinen Case im Viva Con Agua Kosmos, der so gut international skalierbar ist, weil das Wasser ist ziemlich kompliziert. Wir haben ja auch Viva Con Agua in Kalifornien gegründet, wir haben dann geguckt, kann man da eine Wassermarke machen, kann man da eine Klopapiermarke machen. Fun Fact, es gibt das meiste Klopapier in ganz USA, kommt aus China, muss man sich mal überlegen, ökologisch, natürlich ein Desaster, ja, ich meine, es hat gar kein Gewicht, der Container, ja, quasi federleicht, aber halt Füllmenge, ne, kann sich jeder ausrechnen. Es gibt eine Produktionsstätte nur in Arizona und da waren wir kurz dafür, Klopapier zu starten, weil wir gedacht haben, ist eigentlich nachhaltiger. Aber eine andere Geschichte, aber selbst dort ein Wasser oder ein Klopapier ist relativ kompliziert, dort ein Hotel zu machen, gar nicht so. Das heißt, potenziell ist aus unserer Perspektive das der skalierbarste Case.

29:56 Feliks Eyser: Ein Hotel zu bauen in Kalifornien ist einfacher, Altersagklopapier herzustellen oder Wasser abzufüllen?

30:01 Micha Fritz: Nicht Hotel zu bauen, sondern Hotel zu betreiben. Das heißt, in Hotels oder in Locations reinzugehen, der Bau von Hotels ist super kompliziert und macht eigentlich für die NGO auch gar nicht so viel Sinn, weil, guck mal, selbst wenn uns 66% von dem Haus gehört und das ist 40 Millionen wert, dann gehört es der Stiftung super und gibt ein paar Zinsen, aber letztendlich ist es gebundenes Kapital, mit dem wir keine Brunnen bohren können. Das heißt, für uns ist eher der Case interessant, die ganze Zeit kommen Revenues rein durch die Vermietung von den Hotelzimmern und dadurch kommt die ganze Zeit Geld rein und wir können die ganze Zeit laufen Brunnen bohren. So, das ist eigentlich das Interessante und deswegen glaube ich schon, dass wenn wir es jetzt nicht verkacken, was wir nicht machen, weil wir haben wir noch nie so richtig, dann ist das aus meiner Sicht der Case, der am erst mal stabilsten dasteht und Viva Konakka, guck mal, wir machen das jetzt 20 Jahre und wir haben schon was hingebaut, das weltweit, ohne Arroganz zu sein, seinesgleichen sucht. Es gibt nicht viele so Sachen, die Gemeinnützigkeit und Social Business so verbinden und trotzdem mit Weltstars zusammenarbeiten, sehr niedrigschwellig, sehr vielschichtig und so weiter. wir müssen das jetzt langsam hochfahren. Wir müssen jetzt so nochmal ein bisschen erwachsener werden, noch effizienter werden, noch mehr. Einfach gucken, wie wir das Ding auf ein anderes Level hieven, weil wir haben auch die Verantwortung. Weißt du, in all die Leute, die uns unterstützt haben, von Becherspenderinnen über BLAB, über Nense, bringen uns auch in die Verantwortung, dass so vielen Menschen wie möglich den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu sichern. Und dann eben müssen wir auch unser Game upsteppen und überlegen, okay, brauchen wir vielleicht irgendwann einen Wasserfonds? Und wer wären die perfekten Partner mit denen Wasserfonds?

30:15 Business-Learnings: Was Startups von Viva con Agua lernen können

31:51 Feliks Eyser: Was ist ein Wasserfonds?

31:52 Micha Fritz: Naja, du könntest ja einen relativ schnellen Fonds aufsetzen, wo du sagst, ey, du investierst nur in Projekte, die mit Wasser irgendwas zu tun haben und alle Profits, die gemacht werden oder ein Teil der Profits, da ich keine Ahnung vom VC-Game habe, brauche ich da einen Sparingspartner, mit dem man das baut. Aber das VC-Game ist das Game, wo am meisten Geld umgesetzt wird. Das heißt, natürlich muss als großdenkender, impactgetriebener Mensch, musst du in das VC-Game gehen, dort aber die sozialste Alternative und sagen, pass auf, dein normales VC-Game ist so, wir haben jetzt ein anderes und B steht für Viva Con Agua. So, das ist der new VC-Game quasi. Und da eine soziale Alternative, weil ich glaube, es ist elementar, dass die Menschen, die am Kapital sitzen und wir reden darüber, dass 1% das gleiche hat wie 50% dieser Welt, dass die Menschen Angebote kriegen, wirkliche Angebote, die aus ihrer Perspektive sinnvoll sind, wo sie Geld sinnvoll einsetzen können und erstmal kein Geld verlieren. Allein wenn das schon mal kommen würde, so wären viele dabei.

33:04 Feliks Eyser: Okay, du sagst, Venture Capital, traditionell VC investiert in Startups, die sind in der Regel nicht profitabel, du hoffst darauf, dass die wachsen und irgendwann verkauft werden, dann kriegt der VC hoffentlich mehr Geld zurück, als er reingesteckt hat oder sie. Und du sagst, lass uns Alternativen schaffen, in Businesses zu investieren, die einen sozialen Aspekt mitbringen, wie bei euch, bei der Viva Villa Viva, dass Investorinnen ihr Geld investieren können, eine Rendite kriegen, die überschaubar ist, aber gleichzeitig eben das Projekt unterstützen, was Gutes tut.

33:34 Micha Fritz: Und ich weiß auch gar nicht, ob das der Viva Con Agua unbedingt machen muss. Ich möchte nur, dass es überhaupt diese Alternativen gibt und ich möchte, dass es soziale Unicorns, also ich mit Hanno, hier Renner von Personio, das erste Mal so richtig wollen wir wandern, den kennengelernt habe, hat er mir Unicorn erklärt und Business Angel und diese ganzen Begrifflichkeiten. Ich so, wo ist das soziale Unicorn? Und das werde ich ihn fragen, bis es existiert. Also warum gibt es kein soziales Unicorn? Und ich meine, Hanno hat 1% geplätscht selber und 1% seine Investoren plätschen lassen. Das ist mehr, wenn du die Villenbieben rausnimmst, ist es mehr, wie Viva Con Agua an Spenden gesammelt hat, an Wasser verkauft hat, etc. Also über bei einer 2% Bewertung von 8 Milliarden. Das heißt, es gibt diese Ansätze schon und ich glaube, die weiterzuentwickeln und dort wirklich, dass jede Gründerin, die hier diesen Founders Podcast hört, sagt, na klar und du musst es am Anfang machen, weil wenn du es nicht systemisch in die Struktur reinbaust, sag mal deinem Investor später, hey, wie wäre es, wenn du einen Prozent plätschst, würde er nicht machen, niemals. Das heißt, du musst es am Anfang bei der Gründung integrieren in die Struktur deiner Organisation, deiner Vision und das Soziale gleich integrieren und damit absichern.

34:51 Feliks Eyser: Okay, das heißt, du sagst, Beispiel von Personio, Anu hat gesagt, ein Prozent meiner Anteile und die der Investoren, wenn die Firma irgendwann verkauft geht, an die Börse geht, wie auch immer, sollen in soziale Projekte reinfließen. Das siehst du quasi als Weg zu sagen, ich baue ein For-Profit-Unternehmen, ich raise am Kapitalmarkt Geld und so weiter und bestimme aber über die Eigentümerstruktur, dass ein Teil davon am Ende zum Beispiel gespendet wird.

35:14 Micha Fritz: Das ist der Ein-Prozent-Weg und ich finde, allein den schon mal, wenn den schon mal jeder machen würde, wenn jeder die Geilheit von Hanno Renner besitzen würde, wäre ja schon geiler, als wenn die eben 100% Profit gehen. So, das macht ja einen riesen Unterschied. So, ich meine, wir reden ja wirklich über, wenn wir jetzt bei den Globals oder Unicorns gehen, reden wir über massive Kohle. Also, guckst dir an, Bill Gates, was der gerade wieder macht, ja, so, der kann fast die Kohle von USAID ausgleichen, weil er so viel Geld umgesetzt hat und dieses Geld auch bereit ist abzugeben und seine Familie ist trotzdem safe.

35:49 Feliks Eyser: Ja, ein Hinweis auf Entrepreneurs Pledge, ich glaube, das ist in dem Kontext auch relevant, oder?

35:55 Micha Fritz: Founders Pledge. Ja, die haben 10 Milliarden, ich hatte mit hier David Goldberg, Wahnsinnsgeschichte auch, persönliche Geschichte, wo du denkst, so krass, Alter, wie der es geschafft hat. Der hat 10 Milliarden geraced für Impact, einfach nur mal so zu sehen, was da von Money Game ist, dass man dadurch in die Impact-Seite reinholen kann.

36:15 Feliks Eyser: Ja, ja, und Entrepreneurs Pledge ist eine deutsche Initiative, ich glaube, ursprünglich von dem Waldemar Zeiler und der Philipp Siefer mal gestartet, die Einhornkondome gemacht haben, die was Ähnliches anbieten.

36:25 Micha Fritz: Ah, das kannte ich nicht.

36:26 Feliks Eyser: Ich kann mal auf die Webseite gehen, das ist ein Foto von mir, das war irgendwie 15 Jahre alt, das glaube ich, habe ich da gerade gesehen, also wer sich den Spaß machen will, geht auf die Webseite und kann dann diesen Pledge abgeben, zu sagen, wenn ich ein Unternehmen verkaufe, dann plätsche ich x Prozent, ich glaube, man kann sich das aussuchen, ich weiß nicht, ob es ein fester Betrag ist, aber quasi mach eine Vereinbarung mit sich selber oder mit der Welt, wenn man da öffentlich auftaucht, das zu tun, was du gerade gesagt hast. Also quasi das extreme Beispiel hatten wir mit Bosch, da sind 94 Prozent geplätscht worden über die Zeit, war wahrscheinlich auch keine Sache von einem Jahr, sondern über die Jahrzehnte und du sagst, komm, lieber Startup-Gründer, mach doch sowas und plätscht selber einen Teil des potenziellen Exit-Erlöses oder einen Teil der potenziellen Gewinne. Und ist das der einzige Weg, Gutes zu tun, Geld verdienen zu können, das zu kombinieren, quasi nur über die Eigentümerstruktur oder wie seht ihr diese Hybrid-Modelle in Firmen zu investieren, die in ihr Geschäftsmodell auch was eingebaut haben, was sozial Gutes tut?

37:21 Carolin Stüdemann: Genau, also ich glaube, das sind genau diese zwei Unterscheidungsebenen. Das eine ist wirklich rein über die Kapitalsteuerung, was natürlich einen großen Einfluss hat, aber auch Geschäftsmodelle, sei es wirklich die Kreislaufwirtschaft verfolgen, also wirklich dass sie gar keinen Müll am Ende produzieren, sowas zu integrieren oder sich fragen, welches gesellschaftliche Problem möchte ich eigentlich mit meinem Business lösen? Weil irgendwie gibt es so viele Herausforderungen lokal und global und sich da dann eher zu fragen, was ist wirklich der tiefere Sinn meines Unternehmens und wo kann ich hier auch einen Mehrwert stiften, weil ich entweder CO2 einspare oder ich habe jetzt tatsächlich ein neues Feld auch entdeckt, wo ich dachte, das könnte auch nochmal wirklich richtig spannend sein, das gesamte Thema Kühlwasser-Innovation klingt erstmal super unsexy, aber wir verbrauchen so heftig viel Kühlwasser und das wird natürlich auch mit AI jährlich ansteigen, also die großen Tech-Konzerne haben jetzt schon jährliche Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent des Wasserverbrauchs, nur durch die...

38:18 Feliks Eyser: Ich glaube, Op-Mai, der Sam Ortman hätte ja nicht gesagt, jede Anfrage bei ChatGPT kostet so ein Achtel Esslöffel Wasser oder so, also klingt irgendwie nicht viel, aber man kann sich vorstellen, wie viel...

38:28 Carolin Stüdemann: Ich habe tatsächlich in meinen Recherchen gefunden, eher so neun Liter. Es kommt natürlich ein bisschen auf die Komplexität der Anfrage an, werden dann noch mehr Daten verarbeitet, will ich noch Bilder generieren lassen oder arbeite sogar mit Videos und so, es kommt immer ein bisschen drauf an wahrscheinlich. Das sind ja auch so Mittelwerte, aber alleine die Programmierung von ChatGPT 3.5 hat, glaube ich, auch nochmal 30 Millionen Liter Wasser gekostet.

38:55 Feliks Eyser: Okay, denken viele nicht dran. Wir reden über Energieverbrauch und dass die USA, dass da Microsoft irgendwie Atomkraftwerke kauft, um die Rechenzentren zu powern, aber reden gar nicht so sehr über den Wasserverbrauch, um die ganzen Dinger zu kühlen, weil Rechenzentren sind halt einfach scheiße heiß.

39:08 Carolin Stüdemann: Total. Da musst du irgendwie runterkühlen. Und alleine in Deutschland ungefähr 85 Prozent des Kühlwassers oder des generellen wirtschaftlich genutzten Wassers ist eigentlich für die Kühlung von Produktion, Stromerzeugung muss ja auch immer gekühlt werden.

39:20 Feliks Eyser: Ja, krass.

39:21 Carolin Stüdemann: Und das ist eigentlich ein Riesenfeld und momentan ist das Kühlwasser ja immer mit Mineralöl-basierten Zusätzen zugesetzt, damit halt keine Salmonellen-Erkrankungen oder so entstehen. Und in dem Feld gibt es spannende Initiativen, die zum Beispiel sagen, wir haben Innovationen entwickelt, die über Bakterien oder bakterielle Lösungen gehen. Das heißt, das Wasser ist danach noch verwendbar. Gleichzeitig brauchen die deutlich weniger Kühlwasser und es lohnt sich sogar ökonomisch. Und ich glaube, dann ist es irgendwie ein total spannender Case, wenn es einerseits ökonomisch sinnvoll ist, du dadurch zum Beispiel einen Anreiz schaffst für den CEO, dadurch Kosten einzusparen durch eine gewisse Investition oder auch das Geschäftsmodell auch wirklich finanziell stabil ist und eben nicht abhängig ist immer von ganz viel externem Kapital oder Goodwill oder Spenden, weil das ist ja dann auch nicht nachhaltig im Sinne von wirklich nachhaltiger langfristiger Unternehmerschaft, sondern wirklich unternehmerisch sinnvolles Geschäftsmodell, was sich aber stärker darauf konzentriert, welche wirklichen Probleme in der Welt kann ich eigentlich angehen mit direkten, auch skalierbaren Lösungen und in dem Bereich Wasser sehe ich unfassbar viele Innovationen, die da auch zukünftig richtig viel verändern können.

40:34 Ehrenamt & Community: Wie Viva con Agua 10.000 Freiwillige organisiert

40:34 Feliks Eyser: Okay, kann ich nachvollziehen. Ich würde gerne auf ein Thema zurück, was mich brennend interessiert und was ich bei VivaCon Aqua wahnsinnig faszinierend finde und zwar, wir haben jetzt viel darüber geredet, wie man, wenn man irgendwas gründet, da irgendwie Teile von diesem Geld dann in der, ja, wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen kann, wie man sein eigenes Geld wohltätigen Zwecken oder seinen Konsum wohltätigeren Zwecken zur Verfügung stellen kann, aber bei VivaCon Aqua gibt es ja auch wahnsinnig viele Menschen, die ihre Arbeitszeit unentgeltlich zur Verfügung stellen. Also du hast eben gesagt, ihr habt 85 Prozent quasi NGO-Spenden versus die Sachen, die aus den Firmen kommen und mein Verständnis ist aber, dass der Schlüssel von wie viele festangestellte bezahlte Mitarbeiter gibt es bei VivaCon Aqua zu wie viele Freiwillige noch mal viel dramatischer ist. Also das ist ja, ich glaube, ein festen Mitarbeiter so 50, 100 Freiwillige gekommen.

41:28 Micha Fritz: Ja, 1000 gefüllt.

41:29 Carolin Stüdemann: Kann man schon so rechnen. Also wir haben jetzt gerade in der Gemeinnützigkeit von VivaCon Aqua in Summe ungefähr knapp 40 FTE. Wenn man dann überlegt, wie viele Menschen sich auch wirklich ehrenamtlich engagieren, das sind einmal natürlich die, die wirklich regelmäßige Aktionen mitmachen, aber vorhin und Michael ja auch beschrieben, es gibt auch über die Jahre Menschen, die einfach nur bei zwei, drei Konzerten mal mit dabei sind und Pfandbecher sammeln, das ist ja auch schon eine ehrenamtliche Unterstützung. Und alleine in diesem Pfandbecher-Thema, da kommen über diese gesamten Aktionen, da sammeln wir wahrscheinlich so ungefähr 500.000 Pfandbecher im Jahr. Wenn einer ungefähr zwei Euro Spende ist, dann in den verschiedenen Fußballstadien, bei Tourneen, Konzerten, jetzt für alle Hamburger oder nee, generell die gesamte Ed Sheeran Tour werden wir jetzt begleiten. Das heißt, da passiert eigentlich die ganze Zeit super viel und 10.000, 15.000 Personen ist immer ein bisschen schwer zu sagen, wie viele sind es jetzt wirklich, weil es natürlich auch eine Fluktuation gibt, Drop-in, Drop-out Engagement, aber auch einige Engagierte, die seit zehn Jahren dabei sind und auch immer mehr, die sich eher aus einer Expertise heraus engagieren wollen. Zum Beispiel Personen, die sagen, ich bin super gut in Content Creation, ich habe Lust, mich ehrenamtlich zu engagieren und eure Videos zu schneiden oder richtig coolen Content für euch zu produzieren oder ich habe IT-Entwickler-Skills und ich unterstütze beide, wir haben so eine große IT-Plattform, worüber man sich dann für das Engagement anmelden kann und das ist Open Source. Langfristig denken wir auch darüber nach, ob das nicht vielleicht noch andere NGOs nutzen können, weil die auch ihr Ehrenamtsmanagement machen müssen. Das könnte auch ein super spannender Case sein, dass man das halt anderen auch zur Verfügung stellt und da gibt es dann Menschen, die unterstützen als Entwickler oder auch Firmen, die sagen, immer freitags stelle ich meine Mitarbeitenden frei und die können sich bei euch engagieren mit entweder einem Thema, jetzt zum Beispiel entweder bei der Millantor Gallery nochmal durch aktuelle Kunstaktionen oder das Stadion weiß streichen oder aber wirklich durch ihr Know-how.

43:29 Feliks Eyser: Wie organisiert man 10.000, 10.000, 15.000 Ehrenamtliche? Also ihr habt ja wahrscheinlich da jetzt nicht 100 Recruiter und Recruiterinnen sitzen, nehme ich an, wie so ein Corporate Unternehmen das machen würde. Wie wählt ihr die Leute überhaupt aus und wie funktioniert dann so ein Management von so einer riesigen Organisation, die auch noch überall verteilt sind?

43:46 Micha Fritz: Ich würde gerne die Genese davon erzählen. Also wir müssen zurück zu diesem Meeting mit Hurricane Festival und dann haben wir ja quasi eine komplette Festival-Saison zugesagt, ohne Ehrenamtliche zu haben. Und dann haben wir wirklich einfach unsere Freunde angerufen und gesagt, ey, du musst mit auf Summer Jam kommen, du musst mit auf Splash Festival kommen, du kriegst das Ticket for free, komm mit. Dann hat ein Freund vielleicht nochmal einen Freund mitgebracht und so weiter und so haben wir irgendwie die erste Festival-Saison geschafft. Und die zweite Festival-Saison war dann schon die, wo ich gemerkt habe, fuck, Alter, ich komme ans Ende meiner Possibilities, weil ich habe 600 Menschen quasi gematcht durch Word-Dokumente, wo die mir geschrieben haben, ich will auf Southside, ich könnte nicht auf Splash, auf Smelt könnte ich zur Not und Highfield wäre auch wieder okay. Und das als Word-Dokumente. Aber Wacken mache ich nicht.

44:38 Carolin Stüdemann: Und ihr wisst jetzt, warum es jetzt eine Geschäftsführung gibt, die sich um das Thema Professionalisierung kümmert.

44:45 Micha Fritz: Genau, und dann kam Ansgar Holtmann zum Glück, der in absoluter IT-Verständnis und Algorithmus und einfach ein smarter Typ, der gesagt hat, ey, so wird das nicht groß und hat quasi angefangen, Matchmaking-Projekt zu bauen, nämlich diesen Pool, wo im Prinzip ist ein Tinder-Date. Ey, ich will aufs Meld-Festival, so, ich melde mich da an mit meinen Kontaktdaten und dann wird aus den 60 Bewerbungen 35 genommen, das sind die Tickets so und dann kriegen die alle Infos darüber etc. Und die haben aber ein Incentive, dass die da umsonst hin können, das ist ja auch ein wichtiges Argument zu sagen, mein Ticket ist for free, dafür bringe ich mich da ein, aber ich studiere vielleicht und will die Kohle jetzt nicht ausgeben. Das ist genau All-Profit, das Festival hat eine geile soziale Aktion, die Menschen, die aufs Festival gehen, kriegen das Ticket for free und ein sinnhaftes Engagement. Wir feiern ja genauso. Ich habe neun Jahre war ich auf Musikfestivals liebevoll gesagt besoffen und habe Party gemacht und habe Pfandbecher gesammelt und jede Band gesehen. und das ist auch Teil der Wahrheit so, dass man da eine geile Zeit hat. Aber am Ende hast du halt einen Brunnen in Äthiopien finanziert und hast irgendwie 35 Menschen, mit denen du erstmal für immer verbunden bist. Weil auch das ist Teil der Wahrheit ist ja, dass dieses Engagement dazu führt, dass du tiefgehende Verbindungen mit Menschen hast, weil du geile Erlebnisse hast. Also das Engagement macht glücklich. Ich glaube, das ist ja auch, was Leute checken müssen, warum ehrenamtliches Engagement und du hast vorher gefragt, was man machen kann mit seinem Geld und bla bla bla. Aber das Erste, was ihr machen könnt, ihr könnt euch engagieren. Und egal, ob es für eure Oma ist, für eure Freundin, für Freunde, für Menschen, die ihr nicht kennt, für Menschen im Mittelmeer, für egal wen jetzt erstmal, der gerade Engagement braucht. Weil die Chance, dass es dir gut tut, ist sehr, sehr, sehr hoch. Das sagen zumindest alle wissenschaftlichen Studien und in Deutschland gibt es allein 18 Millionen Ehrenamtliche.

46:46 Feliks Eyser: Ja. Und ich glaube, man merkt es dann, wenn man das macht und gleichzeitig ist es geil, diese Trigger zu haben, zu sagen, es ist eine Marketing-Message, zu sagen, bewirb dich hier und wenn es gut läuft, dann kriegst du noch dieses Ticket. Ich denke da an Fridays for Future. Ich glaube, das Genialste bei denen ist, dass sie das auf Freitag gelegt haben, zu sagen, du musst nicht mehr in die Schule, wenn du dich hier engagierst. Dann kannst du Schule, wenn Fridays for Saturdays hätte glaube ich nicht, Saturdays for Future hätte glaube ich nicht funktioniert, zu sagen, ich muss mein Wochenende opfern, aber Fridays, den letzten Schultag, super. Aber jetzt nochmal, also ihr habt es angerissen, aber ich versuche es mir nochmal vorzustellen, so diese schiere Menge an Freiwilligen über verschiedene Länder und so, das klingt für mich ja, als müsstet ihr das irgendwie dezentral organisieren. Also wie sieht dann so eine Organisationsstruktur aus für sowas?

47:34 Carolin Stüdemann: Ja, weil diese Plattform, von der Micha gesprochen hat, die wurde halt immer weiterentwickelt und das ist sozusagen eigentlich so diese digitale Verwaltung, die das überhaupt skalierbar macht und total leicht abzubilden. Das ist einerseits das User Experience, ich möchte mich engagieren, ich finde relativ schnell, was gibt es überhaupt für Angebote, ich kann mich dann schnell anmelden bekommen, eine automatisierte Rückmeldung, auch gerade für das Hurricane musst du dich dann ja auch richtig akkreditieren, musst dein Ausweis, Dokumente und so, damit du dieses Ticket dann zugestellt bekommst. Also das ist ansonsten, wenn man es über ein Word-Dokument handeln würde, überhaupt nicht machbar. Das ist sozusagen einmal so die digitale Infrastruktur, aber dafür braucht es halt auch einfach immer Menschen und gerade im Engagement, wo es auch viel darum geht, persönliche Beziehungen zu pflegen, einfach auch Vertrauensansprechpersonen, die auch hauptamtlich angestellt sind und verlässlich sich um die Anliegen kümmern. Tatsächlich sind wir sogar strukturell so weit gegangen, dass auch diese Ehrenamtsgruppen sich offiziell als Teil des Vereins anmelden können, indem sie sich als Crew sozusagen offiziell zusammenschließen und dafür müssen sie so gewisse Dinge in ihrer Gruppe berücksichtigt haben. Sie brauchen eine Finanzansprechperson, sie brauchen eine Aktionsansprechperson und das sind Menschen, die wirklich mehr Verantwortung übernehmen, den Überblick behalten über die Finanzen. Die bekommen dann auch so Einzahlkarten, die regelmäßig die Spenden auch einzuzahlen, und dann sind sie richtig Teil des Vereins und sind dann auch eingeladen für die Mitgliederversammlung. Und in der Mitgliederversammlung ist es wirklich sehr stark nach unserer Vereinssatzung so, dass die Mitglieder sogar unseren Aufsichtsrat wählen und der Aufsichtsrat bestellt die Geschäftsführung. Und dadurch haben wir schon eine sehr hohe partizipative Komponente mit drin. Die Mitglieder können auch Rückfragen natürlich nochmal viel mehr stellen für den Haushalt. Ich erinnere mich, in meinen ersten zwei Jahren in der Geschäftsführung war ich immer echt aufgeregt vor der Mitgliederversammlung, weil da so kritische Fragen kamen, warum sind die Reisekosten hier 1,5% gestiegen, wo habt ihr das Geld ausgegeben? Und dann habe ich immer sehr genau erklärt, wie haben sich bestimmte Kosten oder Einnahmen entwickelt. Und da war aber auch schon dieser Anspruch, es ist auch unser Verein als natürlich Vereinsmitglied und als Engagierte für die total wichtig.

49:44 Carolin Stüdemann: Die haben auch viele immer mal wieder kritische Punkte eingebracht, wenn wir eine Kooperation machen wollten, wo die das Gefühl haben, das passt eigentlich nicht zu uns, ist vielleicht zu weit entfernt von dem Kern unserer Marke. Dann kamen auch kritische Punkte immer wieder aus dem Engagement. Und das heißt, einerseits ist, glaube ich, diese Partizipation eine Möglichkeit für die, die wirklich tiefer involviert sind, sich auch langfristig zu engagieren und auch mehr Verantwortung zu übernehmen, weil das lässt sich gar nicht hauptamtlich alles planen. Sonst, du hast es gesagt, riesen Recruitment-Strukturen, sonst brauchst du halt wirklich auch richtig viele hauptamtliche Personen, die du bezahlst, die mit den gesamten Veranstaltungslocations sprechen. Wann ist denn Ed Sheeran bei euch? Können wir mit 10 Personen Tickets bekommen? Wann dürfen wir da sein? Wann müssen wir weggehen? Was müssen wir noch berücksichtigen bei eurer Anreise? Können wir da parken? Da sind ja tausend logistische Fragen, wenn wir überlegen, auf wie vielen Konzerten. Wir sind auf ungefähr 100 Festivals im Jahr, nur die Festivals, und dann auch bestimmt noch mal 400 Konzerten oder so. Das heißt, pro Anreise und Ehrenamtskoordination ist das ein riesiger Aufwand. Das heißt, das muss dezentral sein, aber muss natürlich auch trotzdem diesen Qualitätsstandards folgen, weil es ist ja immer ein Handling mit Bargeld, mit Spenden. war es da deswegen auch immer vertrauensvolle Ansprechpersonen und eine extrem gute Dokumentation. Und dafür haben wir dann halt immer so ein Pendant auch im Hauptamt, die das immer noch mal nachprüfen und nachkontrollieren, wie die gesamten Zahlungswege sind. Und die gehen dann auch, zum Beispiel suchen die auch bei Social Media. Ehrenamtscrew Lübeck hat gerade gepostet, dass sie letzte Woche bei dem Konzert waren und 1.000 Euro Spenden gesammelt haben. Haben sie diese 1.000 Euro denn schon eingezahlt? Wenn nicht, wird noch mal hinterher gefragt.

51:25 Feliks Eyser: Micha, wenn deine Kipps dich in ein paar Jahren fragen und sagen, Papa, ich würde auch gerne eine NGO gründen, was gibst du denen mit auf den Weg?

51:33 Micha Fritz: Das Gleiche, was ich jetzt auch allen Gründerinnen und so weiter mit auf den Weg gebe, dass Gründen wahrscheinlich das Schönste für die Selbstwirksamkeit ist und das größte Arschloch für dein eigenes Leben. Auch. Also das ist halt beides und ich finde halt gerade in diesen ganzen Start-up, LinkedIn, bla bla bla, Buzzworld-Ebenen wird Gründen sehr gerne glorifiziert. Wie viele Dinge glorifiziert wird und es ist wunderschön und ich will jetzt auch nicht auf Opferrolle. Ich profitiere wahrscheinlich von Viva Con Agua am meisten. Ich habe eine brutale Lernkurve, ich habe Menschen getroffen, die ich niemals treffen durfte, hätte getreffen, sonst bla bla bla. Ihr versteht meine Semantik. Ich habe Dinge ausprobieren dürfen, ich habe mich in ganz vielen Sachen kennengelernt, ich habe unfassbar einen geilen Freundeskreis etc. pp. Trotzdem habe ich natürlich auch, neulich zum Beispiel hatte ich mal kurz zwei Stunden frei und ich wusste gar nicht, wen ich anrufe. Also, weil alle meine Freunde, mit denen arbeite ich zusammen. Also, ich hatte jetzt nicht mal so, ne, ich hätte jetzt irgendwo Sport machen gehen können für mich alleine oder so. Also, auch das ist Teil der Lebenswirklichkeit. Du gehst halt dann sehr schnell in so einen Workaholic-Modus. Es gibt, so, wenn ich nicht, also, wenn ich nicht arbeite, dann mache ich eigentlich was mit meiner Familie, hänge mit meinen Kindern ab, so. Das ist auch mein Job als Vater so. Das ist ja nicht so, dass ich nur Teilzeitvater bin, sondern ich bin 24-7-Vater. Und so bist du aber auch 24-7-Gründer. Eigentlich kannst du Kinder mit Gründen komplett gleichsetzen. Und das ist das Schönste der Welt, aber es ist auch das Anstrengendste. Und wenn dir jemand erzählt, dass die zwei Kinder miteinander spielen, ja, zehn Minuten, die Rest der Zeit hast du Double Time. Und wenn du dann nämlich zwei Organisationen hast, dann hast du auch Double Time. Und die Probleme nehmen halt zu. Auch die, weißt du, ich sage immer Meditation im Hamsterrad. Du hast halt mehrere Hamsterräder. Die Milan Togel ist ein Hamsterrad. Villa Viva ist ein Hamsterrad. Viva Con Agua ist ein Hamsterrad. Und je größer die Hamsterräder werden, umso herausfordernder auch.

53:36 Micha Fritz: Und dann gilt es halt, dein eigenes Verständnis, Mindset und wie man es nennen will, abzusteppen und klar zu kommen. Und wirklich zu sagen, Grenzen ziehen, ey, das kann ich leisten, dafür bin ich nicht verantwortlich. Bam, bam, bam. Und trotzdem, wenn Viva Con Agua schlecht geht, dann ist jeder von allen Gründerinnen und wahrscheinlich auch, oder ich weiß nicht, wahrscheinlich auch alle aus der Geschäftsführung und etc. sind am Start. Und das ist halt etwas, was du halt auch Teil der Wahrheit ist. Und es, weißt du, wir machen das 20 Jahre, wir haben Corona mitgemacht, wir haben Ukraine, wir haben jetzt gerade eine Purpose Economy-Krise, Weltwirtschaftskrise, das ist ja nicht so, dass es die ganze Zeit tiefenentspannt ist. Auf Social Media sieht es so aus, ja, weil die Leute dazu tendieren, immer die Erfolge zu posten und so weiter. Aber glaubt mir, es ist ein Hustle und der Hustle, der wird auch nicht weniger. Und ich kenne niemanden da oben, egal welche erfolgreichen Unternehmen, die nicht auch hustlen und die Phasen haben, wo sie richtig hustlen und gerade erst mit einem Kumpel telefoniert, der gerade richtig viele Menschen entlassen muss, weil er sonst in ein paar Jahren sagt er, das Risiko ist zu groß, dass wenn er jetzt keine Menschen entlässt, das ganze Unternehmen gegen die Wand fährt. Das sind einfach Verantwortungen, weißt du, bei uns sind es 140 Mitarbeitende weltweit, die ganzen Ehrenamtlichen, die ganzen Leute, die Biber Con Agua-Logo auf dem Arm haben, die Verantwortung ist einfach riesengroß. So, und das ist auch Teil der Wahrheit, ja, und deswegen würde ich denen genau das so liebevoll sagen, meinen Kindern, ey, das Geilste, was ihr machen könnt, ist Gründen und das Anstrengendste, was ihr machen könnt, ist Gründen und es ist auch total geil, einfach ein 9-to-5 oder 9-to-2-Job zu haben und 4-Tage-Woche und ein geiles Leben zu führen und in diesem Leben sich zu engagieren, kreativ zu sein und versuchen, kein Arschloch zu sein, das kann auch eine geile Variante für euer Leben sein.

55:32 Feliks Eyser: Bro, was für ein Plädoyer. Und nächstes Mal, wenn du die zwei Stunden frei hast, dann rufst du mich an.

55:37 Micha Fritz: Ja, und dann fahre ich nach Berlin und dann sind die zwei Stunden auch schon wieder rum.

55:41 Familienleben & Unternehmertum: Tipps für Balance und Priorisierung

55:41 Feliks Eyser: Und dann müssen wir vielleicht hervorragend über Business reden. Aber sag mir mal, ich picke mir jetzt nochmal eine Sache raus. Ich habe ein Kind, wir kriegen jetzt ein zweites. wie kann man denn ein guter Unternehmer sein in so einem anspruchsvollen Umfeld mit so vielen Bällen in der Luft und gleichzeitig ein guter Dad. Gib mir mal ein paar Tipps. Ich habe noch zwei Monate.

55:59 Micha Fritz: Das Erste ist, alle deine unternehmerischen Skills in die Familienorgane mit reinpacken. Das machen nämlich die wenigsten Leute, die denken, die romantisieren die Beziehung sozusagen. Jeder, der schon mal in der Beziehung war, weiß, dass erstmal diese Blumen kommen, nach einem halben Jahr stinken die Furze. Und dann checkt man erstmal so den Gegenüber, der hat auch ein Paket, ah krass, der ist auch nicht perfekt, ah krass, okay, und so weiter. Ich hatte das Glück, dass ich eine sehr wundervolle Frau getroffen habe, die mir wirklich ja auch ein paar Dinge um die Ohren gehauen hat. Also und nicht nur einmal, sondern mehrfach, weil wegen ADHS muss sie es leider mehrfach haben, was ja eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. Was wir gemacht haben, ist, wir haben einfach alle Jobs, dank ihr, die wir jährlich, halbjährlich, vierteljährlich, monatlich, wöchentlich, täglich haben analysiert und in einem Workshop quasi mit Stunden hinterlegt, also Müll rausbringen, so der Klassiker, Bildungssystem, also Kita, Schule, Gesundheitssystem, wer bringt wann zum Arzt, etc. Kleider, wer gibt dann die Kleider, die geliehenen Kleider zurück und organisiert das die neue, weil sonst laufen die immer mit so kleinen Klamotten rum und so weiter, äh Klamotten, ja, genau diese, diese ganzen Jobs, Steuererklärung, etc. Das haben wir im ersten Jahr erstmal analysiert, dann kam raus, sie hatte 700 Stunden, ich hatte 200 Stunden. dann haben wir es neu aufgeteilt. Dann im zweiten Jahr hatten wir horrende Steuerschulden, dann haben wir die Skills draufgepackt, ja, deswegen mache ich die Steuern nicht mehr, ja, so einfach gucken, gesundheitlich.

57:35 Feliks Eyser: waren sie 900 Stunden und du warst im Knast.

57:38 Micha Fritz: Nee, genau, genau. So, und ich glaube da einfach wirklich mal diesen ganzen Mental Load, wie es so schön heißt, irgendwie wirklich sichtbar machen und zu verteilen, so, plus ich habe rigoros, nach 15 Uhr, 30, mache ich keine Meetings mehr, keine Workshops mehr, etc. das heißt, ich arbeite dann meistens, wenn die Kinder schlafen, wieder später, so, aber eine maximale Struktur reinbringen, weil du musst in der Zeit, eine Psychologin, eine super smarte Sabe, ich liebe dich über alles, die hat mir mal gesagt, Micha, Kinder haben ist wie eine durchgängige Produktionszeit, also sowas wie ein Festival organisieren, an die Börse gehen oder ein Launch oder ein Relaunch, also einfach brutale, und genau so ist Kinder haben durchgängig. Das heißt, alle auch Unternehmerinnen, für alle Unternehmerinnen ist auch das wichtig in der Empathie, wenn ihr mit Eltern arbeitet, die haben gerade konstant eine Produktion laufen und die denken natürlich an fünf Schritte voraus, weil im anderen Fall fliegt deren Familiensystem komplett durcheinander, also gebt ihnen die größtmögliche Freiheit, weil ich bei mir so, wenn das Telefon klingelt, die Kita anruft, weiß ich, ich gehe, nicht Agi, die ist Geschäftsführerin, die kann nicht so einfach gehen, die kann nicht aus jedem Meeting, ich habe den Luxus aus jedem Meeting, ich würde aus dem Podcast jetzt rausgehen, sagen, sorry, Kinder abholen, tschüss, wäre weg, gar keine Diskussion und ich glaube, diese, das transparent zu machen gegenüber deinen Kolleginnen und so weiter, auch gerade, wenn du in einer Führungsposition bist, weil dann, wenn du es machst, können die es auch einfordern und so und einfach da auch den Wert der Familie höher halten wie alles andere, das wird dir die Fluktuation runterschießen von allen Eltern, weil die werden dir das für immer danken, die werden für immer danken, egal wann, die irgendwas sagen, ey scheiße, ich muss mit meinem Kind kümmern, klar, geh, komm und ruf mich von unterwegs an, gib mir Feedback, dass deinem Kind gut geht und wenn ich irgendwas abnehmen kann, bin ich da. Genau das ist der Vibe, den du gegenüber Eltern haben solltest und die werden sich immer danken, weil, auch don't get me wrong, aber die meisten Unternehmen, das ist auch alles nicht so relevant, ob die Präsentation jetzt so aussieht oder so oder das so oder so, also worüber geht es denn? Es geht darum, dass da Menschen arbeiten und denen soll es in erster Linie gut gehen und das ist auch eure erste gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmer, ist, dass es euren Mitarbeitenden gut geht.

1:00:03 Feliks Eyser: Okay, okay, ich nehme mit, die Unternehmer-Skills reinbringen, die Inventur, wer macht was, auf die Skills mappen, finde ich auch gut und radikale Priorisierung. Also Moritz, wenn du irgendwann alleine übernehmen musst im Podcast, dann stelle ich drauf ein, finde ich gut. So wie Michael das erklärt und klang es so, als würde er seine Familie immer mehr wie eine Firma strukturieren, aber irgendwie seine Firma auch mehr wie eine Familie.

1:00:28 Micha Fritz: Naja, es ist ja auch the best of both worlds und letztendlich, was viele nicht checken, ist halt, also aus meiner Perspektive, erstens, du heiratest gegen die Scheidungsquote. Also wir reden über 50% Scheidungsquote. So, also strukturier dein scheiß Familiensystem natürlich so smart wie möglich. Wie wollen wir kommunizieren? Welche Rituale haben wir? Wer kümmert sich um was? Etc. Dass du, wenn du streitest, über die wesentlichen Dinge streitest. Die DNA, deine Satzung, dein Purpose, die Vision, aber klar ist, wo sehen wir uns? Okay, und wir sehen uns in 50 Jahren zusammen. Okay, das heißt aber auch, dass du in 50 Jahren ein komplett anderer Mensch sein darfst und ich dich auf dieser Reise begleite. Und ich glaube, das ist schon aus meiner Sicht elementar, da so professionell wie möglich ranzugehen und nicht mit einer romantisierten Brille. Weil im anderen Fall fliegt dir das ganz schnell um die Ohren und jeder weiß, wenn dir die Beziehung um die Ohren fliegt, fliegt dir dein Business um die Ohren. Wenn dir dein Business um die Ohren fliegt, fliegt dir die Beziehung um die Ohren. Diese Balance, die gilt die ganze Zeit so. Und deswegen so sauber wie möglich und so langfristig wie möglich irgendwie das Ding aufbauen, dass es deinen Familien und deinen Kindern gut geht. Weil, ey, und du kriegst die Zeit auch nicht zurück. Also Felix, apropos, nimm krass Elternzeit. Wenn deine Kinder zwölf Jahre sind, scheiß auf diesen Podcast. Der ist völlig irrelevant für die Glückseligkeit deiner Kinder. Alle mal chillen, ja. Wenn deine Kinder zwölf Jahre sind, dann hast du 75 Prozent der Zeit. Das ist auch eines unserer gesellschaftlichen Herausforderungen. 75 Prozent der Zeit, mit der Lebenszeit quasi, mit denen schon verbracht.

1:02:12 Feliks Eyser: Genau. Weil die irgendwann ausziehen und dann verbringst du viel weniger Zeit.

1:02:14 Micha Fritz: Natürlich. Wie viel Zeit verbringst du jetzt noch mit deinen Eltern? Also nur statistisch. Und das Brutale ist, du wirst jetzt zweitemal Vater. Du bist jetzt 36, 37. Jetzt kommt die Zeit, wo du eigentlich im Unternehmerischen am meisten arbeiten musst. So. Jetzt kommt die Zeit, wo du als Vater am meisten am Start sein solltest. Und, das heißt, der Druck, gesellschaftlich, familiär, business-wise, ist jetzt am größten. Völliger Schwachsinn. Du lebst, du kannst ja ein alter, weißer Mann werden.

1:02:46 Feliks Eyser: Ja.

1:02:47 Micha Fritz: Und ich wünsche es dir, weil du im Gesundheitssystem lebst, Zugänge zu allem hast, etc. pp.

1:02:52 Feliks Eyser: Ja.

1:02:52 Micha Fritz: Also auch das Narrativ des alten weißen Mannes, erst mal dankbar sein, dass ihr so alt werden könnt. Gibt in ganz vielen Ländern nicht. Zurück zum eigentlichen Thema. Eigentlich müsste man es entsperren. Nicht 30 Jahre Ausbildung, 30 Jahre Ballern und dann 30 Jahre Rente, sondern, jo, 30% deines Lebens lernen, 30% deines Lebens arbeiten oder irgendwas tun. 30% chillen. Und das aber aufs ganze Jahr gesehen, also aufs ganze Leben gesehen. Ja, und so. Und dieser Druck, den du jetzt hast, der ist halt auch für eine Gesellschaft scheiße. Weil die Familie ist die kleinste Zelle und der muss es immer gut gehen, sozusagen. Und da ist viel zu viel Druck drauf.

1:03:31 Feliks Eyser: Moritz, wir müssen über meine Elternzeit reden.

1:03:33 Moritz: Ja, Mann! That's the why!

1:03:36 Feliks Eyser: Du kannst mal ein paar Folgen alleine aufnehmen. Du machst es auch gut.

1:03:39 Moritz: Ja, wir können ja auch vorproduzieren.

1:03:40 Feliks Eyser: Auch das?

1:03:42 Micha Fritz: Einfach clever sein.

1:03:45 Feliks Eyser: Okay, ich nenne nur, du heiratest gegen die Scheidungsquote. Finde ich auch phänomenal. Du gründest, du gründest aber auch gegen die Sterberate.

1:03:50 Micha Fritz: Genau.

1:03:50 Feliks Eyser: Oder gegen die Insolvenzquote.

01:03:52 Purpose Economy: Warum nachhaltige Geschäftsmodelle die Zukunft sind

1:03:52 Micha Fritz: Genau.

1:03:52 Feliks Eyser: Du gründest, du gründest gegen die Statistik, du heiratest gegen die Statistik. Und in beiden Fällen musst du dir überlegen, warum es eigentlich bei dir funktioniert. Das finde ich im Übrigen auch ein schönes mentales Modell, was ich häufig, also, warum sollte es bei dir funktionieren? Na, also, was tust du denn eigentlich dafür, wenn du davon ausgehst, dass es auch nicht klappen kann, dass es anders ist als bei anderen. Vielleicht ein kleiner Cut, Themenswitch, aber ich würde gerne nochmal zu einer Sache, Michael, die du eben in so einem Nebensatz gesagt hast, zurückkommen. Nämlich, dass du sagst, dass die Purpose Economy steckt in der Krise. Also, ich habe ja selber mal mit Ehrlich Textil eine nachhaltige Unterwäschemark gemacht und damals auch verkaufen dürfen. Und meine Beobachtung ist, dieser Markt, den es damals gab, also, dass es Menschen gibt, die willens sind, die ein Preisprämium zu zahlen für Nachhaltigkeit, der ist nicht mehr so, wie er mal war. Und wenn du jetzt sagst, die ist in der Krise, gehst du denn davon aus, dass das zurückkommt, ist das temporär, sind wir jetzt quasi in der Post-Sustainable, Ich habe letztens den Begriff Post-Veganismus gehört und ich hoffe nicht, dass wir jetzt in der Post-Sustainable-Smus sind. Wie siehst du das? Oder Caro, du?

1:05:00 Carolin Stüdemann: Ja, also, ich habe da tatsächlich ein paar Gedanken zu. Ich habe jetzt nämlich auch kürzlich so eine repräsentative Umfrage gesehen. Wer wäre überhaupt bereit, mehr Geld für zum Beispiel umweltfreundliche Produkte auszugeben oder die nachhaltige Alternative? Und tatsächlich über 50 Prozent wären nicht bereit, das zu machen, laut dieser Umfrage. Und ich glaube, dass es teilweise für Menschen manchmal zu abstrakt war. Was ist wirklich der Impact davon? Und natürlich sie auch festgestellt haben, wir sind gerade eigentlich in so einem Trend von Individualisierung von Verantwortung. Auf der einen Seite wird vom Individuum ganz viel abverlangt. Du musst viel nachhaltiger leben, du musst deinen CO2-Fußabdruck reduzieren, du musst in allen Bereichen was verändern, während viele große Konzerne eigentlich wenige grundlegende Veränderungen haben und die Konzerne eigentlich dann eher auf so eine Externalisierung der Kosten gehen. Also bei denen ist es dann so, sie haben ihre Erfolgskennzahlen nach innen, aber gewissen Impact, den sie auf die Natur haben oder die Ressourcen, die sie nutzen, die müssen sie nicht zahlen, sondern das landet am Ende dann eigentlich bei den Steuerzahlern. Und das ist, glaube ich, so ein Kernkonflikt oder einfach so ein Spannungsfeld, das auch bei Individuen zu so einer, ja auch zu so einer fast Engagementmüdigkeit führt oder zu so einem Gefühl, was kann ich denn, was bedeutet schon mein Beitrag? Ich habe jetzt auch in meinem Wasserbuch wieder einfach krasse Fakten herausgefunden, wo ich wirklich dachte, das ist einfach so große Energiekonzerne, die verbrauchen dann halt so viel wie so eine 11 Millionen Stadt von Bürgern für Wasser im Verhältnis. Und dann kann ich mich natürlich als Individuum fragen, ah, setze ich mir noch so einen Wassersparaufsatz auf und wenn ich einen vegetarischen Tag die Woche mache, dann spare ich ja auch 54.000 Liter im Jahr. Also es sind schon, man kann schon was tun und gleichzeitig hat man aber das Gefühl, es gerät so aus dem Verhältnis und ich glaube, deswegen ist es aus meiner Sicht wie sozusagen so eine kurze Erschöpfung, wo eigentlich aber auch neue Kraft gesammelt wird, weil es braucht so grundlegende systemische Veränderungen und was wir ja schon sehen, dass sich auch Unternehmen umstrukturieren.

1:07:05 Carolin Stüdemann: Wir haben jetzt von diese Beispiele ja auch schon gehabt, ich meine, ich glaube gerade Patagonia so als sehr strahlendes Beispiel, aber auch viel, was wir mit Viva und Agua versuchen, halt wirklich diese Nachhaltigkeit vollständig im Geschäftsmodell zu integrieren und auch stärker an den Lösungen zu arbeiten, auch schon unternehmerisch und ich glaube, das ist die große unternehmerische Verantwortungsphase, die jetzt auch ansteht. In der Handelskammer, in der ich auch bin, da wird irgendwie auch mal viel darüber geredet, wir müssen die Wirtschaft stärken und das ist jetzt gerade so zentral, dass die Wirtschaft wieder wachsen kann und sich weiterentwickeln kann und ja, das ist auch wichtig, aber dann auch nochmal Wirtschaftswachstum einfach auch neuer zu denken, nämlich so, weil die Kosten kommen eh auf uns zu, die kommen dann vielleicht in drei, fünf oder zehn Jahren, wenn sich Klimaveränderungen so drastisch zeigen, dass dann auch Unternehmen vollständig sich umbauen müssen und diese Rechnung schon gleich viel größer zu machen, die planetaren Grenzen zu berücksichtigen, ich glaube, das ist das, wo es hingehen wird, auch in Zukunft, aber natürlich mit den gesamten Veränderungen, die gerade sind, brauchen wir auch sehr viele resiliente Individuen, die irgendwie merken, okay, ich komme mit diesen ganzen Einschlägen von außen irgendwie auch zurecht, deswegen beginnt es, glaube ich, auch aus einer unternehmerischen Perspektive schon auch da drin, Selbstreflektionsfähigkeit im Team zu stärken, immer wieder zu gucken, was ist, wo reagiere ich auf den Trigger, was eigentlich nichts mit mir zu tun hat, warum ist mir dieser Ero-Erfolg meines Unternehmens so wichtig, warum fällt es mir schwer, da noch stärker auch vielleicht einen größeren Kontext mit einzubeziehen und da, glaube ich, sehe ich auch eine super reife Entwicklung auch in unserer Gesellschaft, wo sich Menschen auch wirklich nochmal deutlich weiterentwickeln können und werden, um dann auch ganzheitlicher ihre Businesses aufzubauen.

1:08:46 Feliks Eyser: Was sind Businesses, die man aufbauen sollte, was sind Geschäftsmodelle, wenn jetzt eine junge Gründerin zu euch kommt, junge Gründer sagt, ey, ich würde gerne was starten, vielleicht sogar in eurem Kosmos, vielleicht kommt da jemand und sagt, ich will die Villa Viva in Buenos Aires aufmachen oder sowas oder außerhalb eures Kosmos, was gibt dir jungen Leuten mit auf den Weg, was sollte man denn heute starten?

1:09:04 Micha Fritz: Ja, ich würde da gerne einen Schritt noch anknüpfen an Caro, ich glaube, es macht nur noch Sinn, etwas Soziales, Ökologisches zu gründen, das kombiniert ist, weil wenn du, es ist eine Behauptung, es gibt diverse Firmen, die Profits machen, ja, in Wirklichkeit machen sie eben keine Profits. Wenn du die ganzen ökologischen Impact mit reinrechnen würdest oder wie manche sagen, ökologischen Genetid, dann und die Kosten wirklich um, also runterrechnen würdest, dann würden sie keinen Profit machen. Das muss man einfach mal einmal so für sich checken, weil diese Wirtschaftssysteme, das wir gebaut haben, dadurch keine wirklichen ehrlichen Parameter ansetzt. Und ich glaube, Nachhaltigkeit beginnt erstmal mit Ehrlichkeit. Also Coca-Cola, wenn ihr das hört und ihr jedes Jahr an eure Aktionäre Profits ausschüttet, wenn du rechnest, wie viel es kosten würde, die ganzen Einweg-Plastikflaschen zurückzuholen etc., dann macht ihr keinen Profit. Also so, Behauptung, gerne mich eines Besseren widerlegen. Das heißt, ich glaube, wir müssen dieses System komplett neu denken. Das ist zu alt um den Komplexitäten des 21. Jahrhunderts. Wir haben auch andere Lösungen. Wenn du dir anguckst, Morgan Freeman, 70er Jahre, kommt das Wirtschaftssystem her. Damals gab es kein Internet. Da hatten sich ein paar Sachen verändert, Leute, von Screentime über alles etc. So, deswegen long story short, ich glaube, wir müssen es komplett neu denken, um auf ein anderes Level zu kommen, weil sonst wirst du nicht diese Herausforderungen tacklen können. Du musst es wirklich integrieren. Und wenn du dir so große wie Blackrock zum Beispiel, eine der größten, muss ich nicht erklären, glaube ich.

1:10:49 Feliks Eyser: Vermögensverwalter der Welt.

1:10:51 Micha Fritz: Genau. Die natürlich jetzt anfangen und ich glaube, das ist die einzige Chance und sie werden es nicht aus dem Gutmenschentum, don't get me wrong, machen, sondern sie machen es aus einer ökonomischen Betrachtung. Eines der größten Risiken ist der Klimawandel. Und die haben es schon lange gecheckt. Und die werden das integrieren in alle ihre strategischen Überlegungen der nächsten Jahre, weil es geht nicht anders. Es wird die größte Herausforderung, auch um ökonomisch erfolgreich zu sein. Und deswegen musst du jetzt anfangen, Unternehmen auch komplett langfristig aufzubauen, weil irgendwann sind sie weggefegt oder müssen sich komplett umorganisieren, wie Nokia, vom Handy weg und dann machen sie halt Netze oder whatever, aber in der Sichtbarkeit dieser Handy abserviert worden. Und ich glaube, das Gleiche passiert mit ganz vielen Unternehmen, die sich jetzt nicht ökologisch oder sozial aufstellen werden. Es ist so ein letztes Aufbäumen dieser Jeff Bezos, Trumps und Co. Das ist meine Hoffnung. Das ist wirklich meine Hoffnung, dass es ein letztes Aufbäumen und die Dekadenz so übernehmen, mit Venedig dort heiraten, Privatschats und so weiter, auf so ein Level, das war schon wie das Rom. Das alte Rom ist genau in so einer Dekadenz untergegangen. Und ich glaube, so eine Analogie sehe ich auf jeden Fall jetzt. Die drehen alle nochmal durch und zeigen, wer den größten Penis hat am Tisch und dann wird rasiert. Schönes Bild, oder?

1:12:21 Feliks Eyser: Sehr schönes Bild.

1:12:23 Micha Fritz: Sorry.

1:12:25 Moritz: Wir hatten Albert Wenger hier bei uns im Podcast, der Betreiber von einem sehr großen Union Square Ventures, einem sehr großen Fund in den USA. Und der hat im Grunde auch gesagt, dass der Nachhaltigkeit oder andersrum, dass der Kapitalismus sehr gut funktioniert, dass er nur Designfehler hat, dass die ökologische Nachhaltigkeit bis dato einfach nicht eingefaktiert wurde. Und dass aus seiner Sicht das nach vorne raus jetzt einfach besser getan werden muss. Und aus dem zweiten Aspekt auch die soziale Nachhaltigkeit in dem Sinne, als dass er gesagt hat, dass wenn das System, wie es gerade läuft, so weiterläuft, dann kommt es irgendwann auch an die Grenze des sozialen Kids. Nochmal auf die konkrete Frage von Felix zurück, nämlich welche Geschäftsmodelle könnte man auf Basis dessen dann gründen? Fällt euch da was ganz Konkretes ein, wo ihr sagt, wenn ich darüber nachdenke, dann müsste man eigentlich jetzt das machen?

1:13:24 Micha Fritz: Jede Industrie hat ein soziales, mindestens eine soziale Alternative verdient. Also ein soziales Autobauen gibt es das noch nicht, wo die Profits in irgendwas Soziales schließen. Abseits davon, dass das Ding 96% der Zeit still steht, 50% der Städte dafür designt sind für die Autos und du mit Carsharing Faktor 10 reduzieren würdest die Autos weltweit. Diese Industrie gehört einfach Faktor 10 gekürzt, sorry. Und das sage ich mit vollem Wissen, dass dort Lobbyarbeit bis der Arzt kommt, passiert. Das heißt, ich glaube, du brauchst in jeder Industrie eine soziale Alternative und El Hotzo hat es mal so schön gesagt, wenn es sozialen Wohnungsbau gibt, warum gibt es denn dann asozialen Wohnungsbau? Und warum gibt es denn die ganzen asozialen Alternativen und warum ist das eigentlich der Normalfall? Ja, und müssen wir nicht das hinterfragen, so zu sagen, warum gibt es denn immer noch so viele asoziale Business Cases, die vollkommen okay ist? Und es ist ja auch sogar so, auf so einer, wenn ich 200.000, 300.000, 400.000 Euro im Jahr verdienen würde, würden alle challengen. Mit Scheiße? Kein Problem. Also ich meine, Coca-Cola-Manager, was verdient der? Mindestens 2-3 Millionen vermute ich im Jahr in Deutschland. Gar kein Problem mit Einweg und so und mit Abpumpen von Wasser, Privatisierung von Wasser. Das ist auf einer moralischen Ebene natürlich nicht geil. Aber damit kannst du reich werden. Auch das ist ein systemischer Bug, den wir verändern müssen, weil warum soll, das hat dieser eine TED-Talk, Wahnsinns-TED-Talk, ich weiß nur seinen Namen nicht, aber der Argumentation ist, warum soll ein Harvard-Absolvent bei einer NGO anfangen? Harvard, durchschnittliches Einstiegsgehalt zwischen 200 und 400k. Wenn der die Hälfte davon spendet, hat er nach Steuern immer noch mehr, wie ich habe. Warum soll der bei einer NGO anfangen? Ist gar keine, also wenn er nicht intrinsisch motiviert ist oder total dumm oder Idealist einfach nur, dann fängt der nicht bei uns an. Das heißt aber, du kriegst auch nicht die High-Skilled-People, die das Ding vielleicht disruptieren oder auf ein neues Level bringen.

1:15:31 Feliks Eyser: Ist das denn so? Also Caro, warum machst du es denn?

1:15:35 Carolin Stüdemann: Ja, ich glaube tatsächlich, es ist nur teilweise so, weil wir haben ja schon auch wirklich High-Skilled-People, die echt schlucken, die sind bei uns im Recruiting-Gespräch und wissen, okay, sie halbieren jetzt gerade ihr Gehalt, indem sie bei uns anfangen. Das ist dann schon oft nochmal, dass sie sagen, okay, darüber muss ich jetzt nochmal kurz nachdenken und die dann trotzdem anrufen und sagen, doch, ich sehe den Mehrwert und ich glaube, dass das eine Möglichkeit für mich ist, auch diese systemischen Veränderungen auch anzustoßen und so geht es mir auch. Ich fühle mich einerseits, natürlich, ich habe persönliche Mehrwerte, weil ich mich total selbstwirksam fühle, unternehmerisch. Das Spannende, ich fühle mich eigentlich wie die Gründerin, obwohl ich ja erst nach sie, also sozusagen nach, als die Existenz schon 13 Jahre da war, die Geschäftsführung übernommen habe. Trotzdem fühle ich mich so stark als Gründerin und identifiziere mich mit dem, was wir tun und sehe auch, wie wir sozusagen internationale Effekte erzielen. Und ich glaube, dieses Gefühl von auch innerer Zufriedenheit, die Zeit in etwas zu investieren, was wirklich tiefgreifende Veränderungen hat, ich glaube, das ist schon ein Gefühl von Glück und innerer Erfüllung, was sich schwer in anderen Bereichen finden lässt. Und das ist halt natürlich besonders dann groß, wenn es einen hohen Match gibt, was sind so die Skills und meine Stärken, die ich einbringe und aber auch wirklich einer größeren Sinnorientierung dahinter. Und was ich schon beobachte, wir sind auch gerade in der Gesellschaft auch in einer Sinnkrise teilweise. Also wir bekommen unfassbar viele Bewerbungen von Menschen, die sagen, ich habe eigentlich einen super Job, ich kann das machen, was mir Spaß macht. Ich bringe, ich bekomme ein super Gehalt und ich merke, ich fühle mich leer am Ende des Tages. Und ich glaube, das ist schon etwas, wo gerade Social Entrepreneurship eigentlich genau diese Sehnsucht auch stillen kann, weil auf einmal die eigene Wirkung sich nochmal ganz anders anfühlt. Das ist, glaube ich, auch so ein Tipp, den ich auch generell Gründerinnen und Gründer mitgeben möchte, eigentlich sich wirklich zu fragen, was ist eigentlich der Mehrwert, für den ich stehen möchte und wo ich vielleicht auch dann irgendwann, das klingt immer dann so poetisch, aber so am Ende meines Lebens auch wirklich zurückgucke und denke, wow, die Zeit habe ich wirklich sinnvoll genutzt und das war wirklich wichtig, wie ich meine Zeit investiert habe, weil am Ende haben wir ja auch nur diese begrenzte Lebenszeit und da die persönlichen Mehrwerte, aber auch wirklich diese gesellschaftlichen, sozialen oder auch ökologischen Mehrwerte, glaube ich, dass das schon eine starke Erfüllung bringt.

1:18:02 Carolin Stüdemann: Wenn wir mal schauen, wie viele Entscheidungen, gibt es auch eine sehr spannende Harvard-Studie, die guckt, wie viele unserer Entscheidungen treffen wir eigentlich doch emotional, das sind nämlich mindestens 86 Prozent.

1:18:15 Feliks Eyser: Das glaube ich ja.

1:18:16 Carolin Stüdemann: Aber wir sind super stark darin, das im Nachhinein rational zu begründen, da sprechen ja auch die Argumente dafür oder so, aber eigentlich leben wir dann in einer dauerhaften Dissonanz, weil wir spüren in unserem Bauchgefühl in unseren tiefen Emotionen, es ist eigentlich etwas anderes, was zu mir passt und rein rational habe ich aber jetzt irgendwie diese Zwänge und bin halt in diesem System und habe das Gefühl, na, was kann ich schon bewegen und ich glaube, dass diese tiefgreifenden Veränderungen auch bei uns persönlich einfach nochmal eine richtig große Transformation auslösen können, die vielleicht ein bisschen Unsicherheit auslösen, weil wir noch nicht genau wissen, wie sieht das genau aus, aber uns tiefe Erfüllung bringen können.

1:18:52 Feliks Eyser: All right. Okay. Micha, hast du was zu ergänzen?

1:18:55 Micha Fritz: Ja, ich hoffe, mein Schwager hört jetzt nicht zu, aber mein Schwager verdient wahrscheinlich das Zehnfache von mir, arbeitet in der Automobilbranche und wäre aber am liebsten Zimmermann. So. Und ist, weil er genau in diesem Rattenschwanz des Schaffe-Schaffe-Häusle-Baue und in diesen vielleicht auch alten Narrativen und Vorstellungen, was ist erfolgreiches Leben und so weiter und wie viele Leute kennt ihr, die schon mal gesagt haben, eigentlich würde ich gerne das machen, aber ich muss das. So. Und genau denen sage ich immer, ey, kündige. Kündige. Kündige jetzt. Ich gratuliere allen Menschen, die kündigen. Immer. Das ist eine selbstgewählte, geile Entscheidung und es ist ein anderes Leben möglich. Nur, danach seid ihr nicht mehr resozialisierbar. Also ich könnte nie wieder für eine Corporate arbeiten. Auf gar keinen Fall irgendwas verkaufen, was am Ende gar keinen Sinn macht, zum Beispiel, wäre ich raus. Kriegst du mich keine Minute motiviert, irgendwie mir dafür was Kreatives, Geiles einfallen zu lassen. Ich bin nur noch, wenn du, stell dir Obelix vor im Körper von Asterix. That's me.

1:20:02 Feliks Eyser: Ich glaube, wir sind alle nicht mehr so kompatibel mit der Konzernwelt.

1:20:05 Micha Fritz: Nee.

01:20:06 Wie man Viva con Agua unterstützen kann

1:20:06 Feliks Eyser: Vielleicht zum Abschluss ein kleiner Call to Action von eurer Seite aus. Wenn es Menschen da draußen jetzt gibt, die sagen, sie hätten gerne mehr Purpose im Leben oder sie wollen irgendwie jetzt den Switch machen, sie wollen sich mehr gemeinnützig einsetzen und sie würden das gerne bei euch tun. Wie können die auf euch zukommen? Was können die für euch tun? Wie dein Schwager, Micha. Shoutout an deinen Schwager.

1:20:25 Micha Fritz: Häng deinen Job an Nagel. Hau den Nagel in die Wand. Wer Zimmermann. Und zwar für Viva Con Agua. Alle Profits fließen hoch.

1:20:32 Carolin Stüdemann: Ja, das Coole ist ja, es gibt ganz viele unterschiedliche Sachen. Jetzt gerade kürzlich habe ich mit Kitesurfern telefoniert, die machen regelmäßig Downwinder for Water und die sagen, ey, meine Passion fürs Kitesurfen nutze ich, um für Wasserprojekte Aufmerksamkeit und Spenden zu generieren. Es gibt ganz viele kreative Sachen natürlich, die ihr selbstständig machen könnt. Die ganzen Musiker, Musikerinnen, die uns unterstützen, Künstler bei der Millantalk Gallery. Also je nachdem, was deine Stärken, was kannst du gut, das kannst du eigentlich einbringen bei Viva Con Agua und ansonsten regelmäßige Spenden, vielleicht 5 Euro im Monat, sich den einen Cappuccino verkneifen, stattdessen Fördermitglied werden, ist ansonsten auch immer etwas, was sehr willkommen ist. Und für die Investorinnen unter euch, wie wir ja schon beschrieben haben, auch das Villa Viva Thema, wollen wir skalieren, wollen wir ausbauen, das sozialste gemeinnützige Hotel, wenn es da Interesse gibt, auch eher im Bereich Investment aktiv zu werden, ist das auf jeden Fall auch sehr willkommen.

1:21:29 Micha Fritz: Dazu gilt natürlich Clubpapier kaufen, unser Wasser kaufen, Leitungswasser trinken, Kunst kaufen in der Millantalk Gallery, sich engagieren auf den Musikfestivals und sich ordentlich einen reinstellen. Mein Tipp ist ja immer, nur volle Becher sammeln, leere Becher kann jeder sammeln und sich melden auf jeden Fall, weil irgendeine Lösung finden wir mit jedem, auch wenn es nicht immer der einfachste Case ist, erstmal eine Lösung zu finden. Aber wenn ihr irgendeinen Skill habt, meldet euch. Und wenn ihr gründet, weil das ist ja der Founders Mode Podcast, dann gründet sozial. Und da geht es gar nicht um Viva Con Agua in der ersten Ebene, sondern natürlich könnt ihr auch gerne 1% Viva Con Agua gleich donaten von Anfang an, aber auch eben, wenn ihr gründet, etwas Soziales, Gemeinwohlorientiertes zu integrieren, gleich am Anfang. Später wird es viel schwieriger.

1:22:15 Feliks Eyser: Mega. Ich habe viel mitgenommen. Einfach mal starten. So ein Unternehmen kann auch total organisch wachsen. Man kann For-Profit-Business und Non-Profit-Business kombinieren. Das All-Profit-Prinzip, so gesagt hast, dass alle davon profitieren, habe ich mitgenommen. Marketing mit der Kippe, den Marathon laufen, was auch ungewöhnliche Sachen machen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und auch keine Angst zu haben in andere Welten einzutauchen. Also genau wie ihr keine Angst habt, quasi in diese For-Profit-Investoren-Welt, Real Estate-Developer-Welt, das ist ja das größte Heifelspecken der Wirtschaft wahrscheinlich, so diese Leute. Und da habt ihr keine Berührungsängste. Und andersrum kann man gleichzeitig auch sagen, dass Founder aus der Start-Up-Welt auch keine Berührungsängste haben sollten, euch zu kontaktieren und zu überlegen, was kann man zusammen machen. Das habe ich mitgenommen. Und man heiratet gegen die Scheidungsquote. Das war auch nochmal mein Personal-Life-Coaching und Beziehungs-Coaching heute von Micha. Fand ich überragend. Moritz, zum Abschluss, was hast du mitgenommen?

1:23:11 Moritz: Ich bin Viva Con Agua Fanboy seit Jahren. Ich liebe die Niederschwelligkeit von den Angeboten. Ich liebe den Spaß dahinter. Ich finde es sehr inspirierend, dass eine gemeinnützige Organisation sich traut, so große Projekte in die Hand zu nehmen, so große Sachen anzufassen. Und ich bin da auch bei Micha. Ich würde da gerne mehr von sehen.

1:23:30 Feliks Eyser: All right, Caro. Micha, danke für eure Zeit.

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