Die 1-Mrd.-Fundraising-Masterclass & die nächste große Startup-Chance
mit Julian Teicke, Gründer von wefox und The Delta
Zusammenfassung

Ein Jahr nach seinem Comeback sitzt Julian Teicke bei Feliks. Bevor er wefox gründete, hat er als Praktikant bei Groupon mit 23 ein Sales-Team übernommen, in London die „Crying Staircase“ erlebt und daraus gelernt, dass Leistung aus Verbindung entsteht und nicht aus Druck. Bei DeinDeal in der Schweiz sank trotz einer Million Kunden die Kundenzufriedenheit. Julian setzte sich drei Monate in den Kundenservice, warf die Regeln weg und machte den Kundendienst zum Herz der Firma.
Dann die wefox-Geschichte: 300.000 Euro für 10 Prozent von einem Versicherungsprofi, noch bevor es eine Idee gab. Das erste Modell als digitaler B2C-Makler scheiterte am Widerstand von Maklern und Versicherern. Der Pivot zu B2B2C brachte pro Makler rund 300 Bestandskunden auf die Plattform und im ersten Jahr 5 Millionen Außenumsatz. Später wurde wefox zum eigenen Versicherer und kaufte Makler in Deutschland, der Schweiz, Italien und den Niederlanden.
„… ich habe aber auch gleichzeitig bewiesen: die Zielsetzung ist das Wichtigste.“
Der Kern der Folge ist Julians Fundraising. Seine Regel: die größte Insurtech-Runde der jeweiligen Stage weltweit mal zwei. So wurden es 30 Millionen in der Series A, 240 in der Series B, 650 Millionen in der Series C. Für die 240 Millionen flog er zu Masayoshi Son, der beim ersten Pitch einschlief. Beim zweiten Termin pitchte Julian nach seinen eigenen Regeln, mit Whiteboard und seinem Co-Founder als Cheerleader hinter Masa. Heute sagt er: Die Formel funktioniert, aber das Ziel war falsch, und jede Absage bedeutet im Kern „ich glaube nicht an dich“.
Zum Schluss geht es um die dunkle Seite: eine 400-Millionen-Runde mit doppelter Liquidation Preference, unabhängige Board-Mitglieder, ein neuer Chairman und schließlich Julians Abgang. Er spricht offen über die Identitätskrise danach, über Trauma-Arbeit mit seinem Coach Thomas Hübl und über The Delta, seinen Campus in Berlin-Neukölln. Seine These für die nächste Gründergeneration: Performance aus Präsenz statt aus der Wunde, und mit Vertical AI ist gerade jede Industrie wieder eine grüne Wiese.
Zahlen aus der Folge
4 weitere Zahlen
Worüber am meisten gesprochen wurde
Kapitel
- 00:00Trailer & IntroIntro
- 01:03Julian ist zurück: Ein Jahr nach dem wefox-AbgangWerdegang & Kultur
- 02:03Von Groupon zu Burnout: Was Rocket Internet wirklich lehrtWerdegang & Kultur
- 11:43Customer Service als Wachstumsbremse und wie man ihn zum Herzstück machtWerdegang & Kultur
- 15:41Die Versicherung, die Julian nie machen wollte: Wie wefox entstandwefox & Geschäftsmodell
- 22:22Der Pivot, der alles geändert hat: Von B2C-Makler zu B2B2Cwefox & Geschäftsmodell
- 34:37Das falsche Ziel: Warum immer das Doppelte raisen ein Fehler warFundraising & Investoren
- 41:11Der schlafende Masa Son und wie Julian trotzdem 240 Millionen raisedFundraising & Investoren
- 47:38Fundraising ist Energie: Warum jede Absage dasselbe bedeutetFundraising & Investoren
- 53:49Toxische Investoren. Warum Julian den Millionen-Deal beim Dinner platzen ließFundraising & Investoren
- 01:05:29Der Rauswurf: Wie Julian sein Baby aus den Armen gerissen wurdeKrise, Fehler & innere Arbeit
- 01:08:33Die drei größten Fehler bei wefox und eine ehrliche AnsageKrise, Fehler & innere Arbeit
Key Learnings
- 1
Verbindung bringt mehr Leistung als Druck
Bei Groupon hat Julian mit 23 ein Team von 20 Field-Sales-Leuten übernommen, die er nicht kannte. Er hat gemerkt, dass jeder anders motiviert wird: Der eine braucht eine persönliche Ebene, der andere eine klare Ansage, die Dritte Smalltalk. Selbst im rauen Hochdruck-Umfeld von damals hat nicht die Drohung die beste Leistung gebracht, sondern die Verbindung zu den Menschen.
02:03 · Von Groupon zu Burnout: Was Rocket Internet wirklich lehrt - 2
Setz dich selbst in den Kundenservice
Als bei DeinDeal die Kundenzufriedenheit sank, hat Julian drei Monate lang selbst Tickets beantwortet. Er fand Prozesse, die auf dem Papier schön waren, die Mitarbeiter aber einschränkten. Das Team entwickelte eine gemeinsame Vision, alle Regeln flogen raus und die Mitarbeiter entschieden selbst, wie sie Kunden entschädigen. Danach saß in allen wichtigen Entscheidungsmeetings jemand aus dem Kundendienst.
11:43 · Customer Service als Wachstumsbremse und wie man ihn zum Herzstück macht - 3
Pivotiere, wenn dein Modell keinen Rückenwind hat
Als digitaler B2C-Makler hing wefox an zwei Stakeholdern, die das Modell hassten: Die alten Makler verloren ihre Provisionen, die Versicherer verzögerten das Umhängen der Mandate. Statt dagegen anzurennen, wechselte wefox konsequent auf B2B2C und machte die Makler zu Partnern, mit Leads, Tools, CRM und Abrechnung. Pro Makler kamen rund 300 Bestandskunden auf die Plattform.
22:22 · Der Pivot, der alles geändert hat: Von B2C-Makler zu B2B2C - 4
Schau mit Beginner's Mind auf deine eigene Firma
Julian hat sich regelmäßig am Wochenende eingeschlossen und am Whiteboard auf das Unternehmen geschaut, als hätte er keine Erfahrung und keine Insights. Die Frage dahinter: Wenn wir die Firma heute auf einem weißen Blatt Papier neu gründen würden, wie würden wir es machen? Oft lautete die Antwort: nicht so, wie es gerade ist.
22:22 · Der Pivot, der alles geändert hat: Von B2C-Makler zu B2B2C - 5
Leite dein Ziel aus der Firma ab, nicht aus Rekorden
Julian wollte jedes Jahr den Umsatz verdoppeln und nahm für jede Runde die größte Insurtech-Runde der Stage weltweit mal zwei. Er hat beides geschafft und sagt heute trotzdem: Es war das falsche Ziel. Frag dich bei deiner Runde zuerst, was deine Organisation wirklich braucht, statt dir externe Zahlen als Maßstab zu nehmen.
34:37 · Das falsche Ziel: Warum immer das Doppelte raisen ein Fehler war - 6
Glaub selbst an deine Zahl, bevor du sie pitchst
Julians Formel: Ziel setzen, einen Plan und ein Team haben, die dich überzeugen, dir vorstellen, wie es sich anfühlt, darüber reden und dann handeln. Je größer das Ziel, desto mehr Widerstand kommt. Er hat jeden Abend vor dem Einschlafen untersucht, wo Zweifel auftauchen, denn Investoren spüren genau diese Zweifel. Eine Absage heißt im Kern immer: Ich glaube nicht an dich.
47:38 · Fundraising ist Energie: Warum jede Absage dasselbe bedeutet - 7
Pitche zu deinen Bedingungen
Den ersten Pitch bei Masayoshi Son hielt Julian übermüdet, mit einer im Flugzeug umgebauten Präsentation und ohne Klicker. Son schlief ein. Beim zweiten Termin bestand Julian auf seiner eigenen Präsentation, einem Whiteboard und seinem Co-Founder, der hinter Son saß und jedes Wort abfeierte. Am Ende zeichnete Son mit am Whiteboard und sagte zu.
41:11 · Der schlafende Masa Son und wie Julian trotzdem 240 Millionen raised - 8
Hör auf dein Bauchgefühl und versteh die Terms
Einmal ließ Julian einen fast fertigen Deal platzen, weil ihm beim Dinner mit den Investoren körperlich schlecht wurde. Sein größter Fehler war nach eigener Aussage, dass er solche Signale bei Hires und Investoren zu oft überschrieben hat. Dazu kamen Entscheidungen, deren Folgen er nicht kannte: eine doppelte Liquidation Preference und unabhängige Board-Mitglieder, die das Vertrauen im Board veränderten.
53:49 · Toxische Investoren. Warum Julian den Millionen-Deal beim Dinner platzen ließ
Meistgesehener Clip zur Folge
Absagen sind immer dieselben: „Ich glaube nicht an dich.“
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„Also es ist nicht der Druck, es ist nicht die Drohung. Sondern es ist die Connection.“„… ich habe aber auch gleichzeitig bewiesen: die Zielsetzung ist das Wichtigste.“„Sondern es ist immer eine Absage, in der gesagt wird, ich glaube nicht an das, was du mir erzählt hast. Ich glaube nicht an dich.“„Mit viel Geld kommt viel Druck.“„Und das ist eben nicht Performance aus Wunde, sondern es ist eben Performance aus Präsenz.“Über den Gast

Julian Teicke
Julian Teicke ist Berliner Gründer. Mit 23 wurde er als Praktikant bei Groupon nach dem Burnout seines Chefs ins kalte Wasser geworfen und führte plötzlich 20 Field-Sales-Leute mit zwei Millionen Umsatz pro Monat. Danach übertrug er mit DeinDeal das Groupon-Modell in die Schweiz, gewann dort eine Million Kunden und verkaufte die Firma. 2015 gründete er wefox: erst digitaler B2C-Makler, dann Plattform für Makler, dann eigener Versicherer, später mit Zukäufen in Italien und den Niederlanden. In seiner Zeit sammelte wefox rund eine Milliarde ein, wuchs auf 800 Millionen Umsatz und 1.500 Mitarbeiter, bevor Julian das Unternehmen auf Betreiben des Boards verlassen musste. Heute baut er in Berlin-Neukölln The Delta auf: Venture Studio, Campus und Programme für persönliches Wachstum von Gründern.
Häufige Fragen
Wer ist Julian Teicke?
Julian Teicke ist Gründer von wefox und The Delta. Vorher hat er bei Groupon gearbeitet und mit DeinDeal das Groupon-Modell in die Schweiz gebracht und verkauft. wefox hat er 2015 gegründet und auf 800 Millionen Umsatz und 1.500 Mitarbeiter gebracht. Heute baut er mit The Delta in Berlin-Neukölln ein Venture Studio mit Campus auf.
Wie viel Geld hat wefox eingesammelt?
Insgesamt rund eine Milliarde. Julians Regel war, die größte Insurtech-Runde der jeweiligen Stage weltweit zu verdoppeln: 30 Millionen in der Series A, 240 Millionen in der Series B, 650 Millionen in der Series C 2021. 2022 folgten 400 Millionen bei einer Bewertung von 4,5 Milliarden, allerdings mit doppelter Liquidation Preference.
Was ist beim Pitch bei Masayoshi Son passiert?
Beim ersten Termin in Japan war Julian übermüdet, die Präsentation im Flugzeug umgebaut, und Son sagte nach kurzer Zeit, er habe nur noch drei Minuten, weil er alles schon wisse. Dann schlief er ein. SoftBank lud Julian erneut ein. Diesmal pitchte er mit eigener Präsentation, Whiteboard und Co-Founder als Cheerleader. Son bot 200 Millionen Dollar, Julian verlangte 240 Millionen Dollar, und Son sagte okay.
Warum hat Julian Teicke wefox verlassen?
Ab 2022 stiegen die Zinsen, der eigene Versicherer hatte höhere Schadenquoten als erwartet und brauchte immer mehr Kapital. Vor dem geplanten IPO kamen unabhängige Mitglieder ins Board, später ein neuer Chairman. Laut Julian hat dieser im Hintergrund seinen Exit vorbereitet. Julian beschreibt es so, als sei ihm sein Baby aus den Armen gerissen worden.
Was ist The Delta?
The Delta ist Julians aktuelle Firma in Berlin-Neukölln. Im Zentrum steht ein Venture Studio, darum herum ein Campus mit Events und Hackathons, ein Services-Bereich für Tech und Product und Programme für persönliches Wachstum mit Coaches. Der Name kommt aus einem Modell von Alpha (Komfortzone) über Beta (Irritation) und Gamma (Chaos) zu Delta, einem neuen Erwachen.
Welche Startup-Chance sieht Julian Teicke gerade?
Julian vergleicht die Lage mit den Anfängen des Internets: Jede Industrie lässt sich gerade neu denken. Du kannst dir jede Branche anschauen und eine Vertical-AI-Lösung bauen, die Effizienz, Kundenzufriedenheit und Produktivität massiv steigert. AI-native Firmen haben dabei einen großen Vorteil gegenüber Konzernen und Startups aus der Zeit vor AI.
Erwähnt in der Folge
- wefoxFirmaJulians Insurtech, 2015 gegründet, um das sich der Großteil der Folge dreht.
- The DeltaFirmaJulians Venture Studio mit Campus in Berlin-Neukölln.
- GrouponFirmaHier hat Julian als Praktikant mit 23 ein Sales-Team übernommen.
- Rocket InternetFirmaCompany Builder, bekannt für aggressives Wachstum; Feliks fragt, was die Zeit Julian gelehrt hat.
- DeinDealFirmaJulians erste Firma, die das Groupon-Modell in die Schweiz brachte und verkauft wurde.
- SoftBankFirmaInvestor der 240-Millionen-Dollar-Runde von wefox.
- Masayoshi SonPersonKopf hinter SoftBanks Vision Fund, der beim ersten Pitch einschlief und beim zweiten zusagte.
- LemonadeFirmaUS-Insurtech mit eigener Bilanz; seine Series B über 120 Millionen war Julians Maßstab.
- Oscar HealthFirmaUS-Krankenversicherer, Beispiel für den Hype um voll integrierte Versicherer.
- Warren BuffettPersonFeliks erklärt mit ihm den Float, der Versicherungen für Investoren attraktiv macht.
- Jeff BezosPersonFeliks erinnert an Bezos' Pappaufsteller, der den Kunden in jedes Meeting holt.
- Thomas HüblPersonJulians Coach, mit dem er ein zweijähriges Programm zu Trauma-Arbeit macht.
- DreamforceSendungSalesforce-Konferenz in San Francisco, auf der Julian trotz Angst vor Publikum sprach.
Transkript
00:00 Trailer & Intro
00:00 Julian Teicke: Dann kam ich in diesen Raum und es war einfach ein Raum mit einem Tisch, der wirklich 50 Meter lang war. Nur Masa saß an diesem Tisch. Dann habe ich angefangen zu pitchen. Dann meinte der, du hast jetzt noch drei Minuten, weil alles, was du mir erzählst, weiß ich schon. Und dann ist er eingeschlafen Da habe ich mich total verrannt. Da habe ich mir einfach ganz klar die falschen Ziele gesetzt. In jeder Runde schaue ich, was war die größte Insurtech-Runde in der Stage war und dann habe ich diese Zahl einfach mal zwei genommen. Ich war die Firma und deshalb war es auch schwer für mich. hat mich auch in eine komplette Identitätskrise reingeworfen. Eine Absage ist der Zweifel, den die Leute spüren, dass das, was du erzählst nicht voll von dir selbst geglaubt wird. Es war dann so, dass die relativ schnell angerufen haben. Es tut ihm total leid, könntest du noch mal kommen. Dann sind wir da hingeflogen in dem gleichen Raum. Dann ist Masa aufgestanden, ist zu dem Whiteboard gegangen und hat mit mir gemalt. Oh, it's a massive opportunity. Er hat sich hingesetzt. I invest 200 Millionen Dollar. Und dann habe ich gesagt, nee, 240 Millionen Dollar.
01:00 Feliks Eyser: Weil das war ja meine Zahl.
01:02 Julian Teicke: Und man meinte so, okay.
01:03 Julian ist zurück: Ein Jahr nach dem wefox-Abgang
01:03 Feliks Eyser: Der hat in dem Raum okay gesagt. And that was it. Julian, welcome back. Ja, schön hier zu sein. In der Businesswelt. Wusstest du, dass dein Comeback genau ein Jahr her ist? Kann sein, ja. Junge, äh, es gibt den Artikel, Julian Teicke ist zurück. Okay. Am 28. 01. 2025. Wir recorden hier am 28. 01. 2026.
01:28 Julian Teicke: Hört sich fast an wie so eine Drohung.
01:31 Feliks Eyser: Du hast fast das gleiche Hemd an, heute ist grün. Dann war es blau. Du bist ein neuer Mensch.
01:37 Julian Teicke: Ich hab mich komplett selbst neu erfunden. Das ist jetzt ein grünes Shirt. Wie fühlt es sich an? Ein Jahr zurück zu sein. Es fühlt sich ganz gut an. Ich glaube, es sind sehr viele Themen, die irgendwie brodeln und sich entwickeln und Auch noch sehr unklar sind. Aber insgesamt fühlt es sich gut an. Die meisten assoziieren dich mit wefox?
02:03 Von Groupon zu Burnout: Was Rocket Internet wirklich lehrt
02:03 Feliks Eyser: War eine sehr öffentliche Geschichte. Hast du gegründet, 2015, skaliert auf hunderte von Millionen, 1500 Mitarbeitern, du hast eine Milliarde gerased. Nicht Unicorn, eine Milliarde Bewertung, sondern du hast eine Milliarde gerast. Dann kam es zum Zerwürfnis, dann können wir drüber sprechen. Aber was viele gar nicht wissen, ist, du hast ja davor schon eine Firma gemacht, du warst bei Rocket Internet, du hast Groupon mit aufgebaut, dann hast du quasi das Groupon-Modell in die Schweiz übertragen und mit deinem Deal. nochmal quasi in der Schweiz aufgerollt und verkauft. Mich interessiert da ein Aspekt aus der Zeit. Rocket Internet ist bekannt für aggressives Wachstum, Hypergrowth, Sales, Sales, Sales. Das ist so ein Aspekt, den du da erlebt hast, und auf der anderen Seite hast du den Aspekt Mental Health, glaube ich, auch erlebt. Es gibt die Geschichte, dass dein Chef, glaube ich, einen Burnout hatte. Also du hast quasi auch die Schattenseite von Wachstum erlebt. Und so nehme ich dich heute wahr. So auf der einen Seite irgendwie aggressiv im positiven Sinne im Business und auf der anderen Seite aber conscious, sehr bedacht, was Mental Health angeht, Persönlichkeitsentwicklung angeht, Spiritualität angeht. Wie hat die Rocket und dein Deal Zeit dich in den Aspekten unternehmerisch geprägt?
03:10 Julian Teicke: Ja, also ich muss sagen, also bevor ich irgendwie in die Unternehmerwelt gesprungen bin, mit, das war ein Praktikum bei Groupon. war ich selber irgendwie im Leben auch ziemlich lost. Also ich hatte so einen erfolgreichen Vater, Unternehmer und hatte immer Kein Plan, was ich mit meinem Leben wirklich so anstellen soll. Hatte auch kein großes Selbstbewusstsein. Und es war alles irgendwie ziemlich unsicher für mich. Und dann habe ich da als Praktikant eben bei Groupon angefangen. Und an Tag 2 ist der Chef irgendwie nicht mehr gekommen, hatte einen Burnout. Und dann meinte irgendjemand: hey, ähm Du warst doch an dieser guten Uni. Willst du nicht Chef sein? Klar, ich bin Chef. Blitzkarier. Und dann wurde ich einfach ins kalte Wasser geschmissen. und habe einfach dadurch, dass ich dann irgendwie 20 Field Sales Leute, die ich alle nicht kannte, die mir auch nicht vorgestellt wurden, und hatte auf einmal eine Verantwortung für zwei Millionen Umsatz pro Monat. Wie alt warst du da? Da war ich 23. Okay. Und dann habe ich einfach angefangen zu telefonieren mit denen Und hab gemerkt, dass ich mit dem einen so reden muss, also den unterstützen muss wirklich auf einer persönlichen Ebene mit dem connecten muss, damit der versteht, irgendwie, was gebraucht wird, dass der andere irgendwie eine klare Ansage braucht. Dass die Dritte irgendwie einfach Chit-Chat braucht und dass sie alle irgendwie ganz anders motiviert werden. Und das war für mich eine totale Faszination. Zu sehen, wie man mit unterschiedlichen Leuten auf unterschiedliche Art und Weise. Um mit denen etwas gemeinsam zu erreichen. Also, was sind die Knöpfe? Die gedrückt werden müssen, damit ihr Potenzial so richtig zur Entfaltung kommt und sie Spaß haben an der Arbeit und durch den Spaß auch was leisten. Und das hat mir einfach krasses Selbstbewusstsein gegeben, dass ich irgendwie gemerkt habe, ich kann das. Und dann Waren dann natürlich auch andere Erfahrungen, wo ich gesehen habe, es war in London im Groupon-Büro, da gab es so ein Treppen-Haus. Und da saßen einfach zu jeder Zeit immer Leute drin, die einfach geweint haben. Wir haben es so The Crying Staircase genannt. Ja, der Ton war schon ziemlich rau. Also die Leute wurden angeschrien, es wurden einfach Leute links und rechts vor dir gefeuert. Es war schon ziemlich traumatisch, was da passiert ist. Und gleichzeitig habe ich irgendwie gemerkt, dass innerhalb dieses High-Pressure Environments die Verbindung zu Menschen zu der besten Leistung führt. Also es ist nicht der Druck, es ist nicht die Drohung. Sondern es ist die Connection. Und das war für mich irgendwie so ein komplettes Aha-Erlebnis, was ich dann auch mit dem Selbstbewusstsein irgendwie, was ich dann bei Groupon Gesammelt habe, dann in die nächste Firma mitgebracht habe. Und das so ein bisschen zu meiner Mission gemacht habe. Also immer gesagt habe Für mich ist die zwischenmenschliche Beziehung extrem wichtig. Für mich geht es darum, den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu sehen. und mich wirklich auf diesen Menschen einzulassen, egal in welcher Rolle, egal was dieser Mensch tut, ob jetzt im Customer Service, in der Logistik oder im Management. Und dann zu schauen, wie können wir uns gemeinsam entwickeln. Also, was kann ich von dir lernen, was kannst du von mir lernen Und wie können wir daraus eine aufregende gemeinsame Entwicklungsreise machen? Also, das war immer irgendwie der Kern von dem, was ich getan habe.
07:18 Feliks Eyser: Und das ist aber nicht der Kern von dem Für das Rocket Internet bekannt ist, kulturell.
07:23 Julian Teicke: Nein. Und gleichzeitig hat es mir unglaublich viel gelehrt, weil Wachstum Kann eben aus Schmerz heraus entstehen, weil du musst, oder eben aus einem Umfeld was Wachstum fördert und unterstützt und das Ganze weniger gewaltvoll und nachhaltiger macht.
07:48 Feliks Eyser: Wie hast du das bei deiner zweiten Firma oder bei deinem Firma, die du selber gegründet hast, nach Groupon Umgesetzt, ihr habt quasi das Groupon-Modell genommen und in die Schweiz transferiert. So damals gab es eine große Landkarte, wo Groupon überall unterwegs war, die waren überall Nummer 1 oder Nummer 2 im Markt. Aus irgendeinem Grund in der Schweiz nicht. Jewarte sozusagen das Dorf über Asterix und Obelex. Wie hast du es geschafft? Dich gegen Groupon durchzusetzen.
08:11 Julian Teicke: Naja, also wir sind, das Modell hat ja funktioniert und wir hatten dann vor allem im Vertrieb sehr viel bessere Leute. und sind dann sehr viel schneller gewachsen. Und dann muss ich auch sagen, waren wir in so einer Art von Trans, wo es einfach nur noch um Hyper Gross, Hyper Growth, Hyper Growth ging. Und wo ich auch, glaube ich, so ein bisschen dann mich selbst verloren habe. Und nicht gemerkt habe, was dieser Hyper Growth. Also vorne sehr viel verkaufen. Wir hatten dann eine Million Kunden in der Schweiz und das ist für die Schweiz recht viel. haben wir im Endeffekt die Prozesse und den Customer Service nicht professionell genug aufgestellt, damit es sauber gemanagt werden kann. Und wir haben Letztendlich auf der einen Seite extrem gute Traction gehabt und auf der anderen Seite immer geringeren Net Promoter-Score, also Kundenzufriedenheit. Das war für mich dann irgendwann mal so ein Wake-Up-Point, wo ich gesagt habe, das kann so nicht weitergehen. Ich muss da tiefer rein. Ich muss verstehen, warum unsere Kunden Immer unzufriedener werden und wie kann ich es besser verstehen, als mich jetzt komplett nur auf den Kundendienst zu fokussieren. Und dann habe ich mich drei Monate lang nur in diesen Kundendienst reingesetzt. Dann hast du Tickets beantwortet. Ich habe Tickets beantwortet und saß mit den Kundendienstmitarbeitern zusammen. Und hab einfach gemerkt, dass wir letztendlich Prozesse entwickelt haben, die auf dem Papier irgendwie schön waren, die aber die Mitarbeiter komplett Einschränken und begrenzen. Also es gab Probleme, die die Mitarbeiter selber nicht lösen konnten. Weil sie ein sehr, sehr enges sozusagen Gerüst hatten, wie sie Entscheidungen zu treffen haben, mit wem sie sich noch absprechen müssen und so weiter. Und das Erste, was ich dann gemacht habe, war, dass ich mich mit jedem Einzelnen hingesetzt habe und ihn gefragt habe, warum steht der morgens auf und kommt hier zur Arbeit? Was ist der Unterschied zwischen, er bleibt im Bett liegen und er kommt hierher? Was hast du da für Storys gehört? Und da haben wir, naja, es war im Endeffekt einfach nur Ich muss Geld verdienen und ich hasse es hier. Und wenn ich die Schaffen habe. Ja, wenn ich die Möglichkeit habe zu gehen, wenn die Arbeitszeit vorbei ist, dann bin ich auch sofort weg. Und da habe ich gemerkt, okay, wir kreieren hier ein schlechtes Umfeld für unsere Mitarbeiter und wir kreieren ein extrem schlechtes Umfeld und Service für unsere Kunden. Und dann haben wir erstmal irgendwie eine Vision entwickelt gemeinsam als Team. Hast du das gemacht? Ich habe mich mit jedem hingesetzt, verstanden, okay, warum Kommt er zur Arbeit oder auch nicht? Und was ist der Unterschied zwischen, wenn er bei der Arbeit ist, versus er kommt nicht zur Arbeit? Und der Unterschied ist Dass Familien am Abendessenstisch sitzen in der Schweiz, irgendwo in der Schweiz, und darüber sprechen, was sie heute für ein tolles Erlebnis hatten mit einem anderen Menschen. Eine andere Leitung. Und dass wir diese positiven Erlebnisse ins ganze Land bringen. Und dass sie das.
11:37 Feliks Eyser: Dass sie sagen: Guck mal, wir verkaufen hier keine Gutscheine, sondern wir machen die Die Family ist happy, dass sie abends eine Geschichte hat.
11:43 Customer Service als Wachstumsbremse und wie man ihn zum Herzstück macht
11:43 Julian Teicke: Dass sie abends beim Abendessen eine Geschichte erzählt, über was sie heute Tolles erlebt haben, was sie heute für einen tollen Menschen kennengelernt haben und was sie heute für einen tollen Service erlebt haben. Und dann haben wir das konkreter gemacht. Und dann haben wir angefangen, dass wir die Leute empowered haben und alle Regeln, alles weggeschmissen und gesagt, ihr Geht in euch und ihr trefft die Entscheidung, letztendlich, wie ihr den Kunden für das, was passiert ist, kompensieren wollt. Und da sind verrückte Sachen passiert. Also ich kann mich erinnern, da bin ich einmal Irgendwie die Treppe runtergelaufen und dann kam einer der Mitarbeiter. Nee, das war bei uns dann nicht in Stein Deal, den gab es nicht. Dann bin ich einmal runtergelaufen, da kam mir ein Kundienmitarbeiter entgegen. Mit einem riesigen Lächeln. Und dann war ich so, was hast du gemacht? Und er meinte, so, ja, du, das war wirklich ein riesiger Fuck-Up von uns. Da haben wir, hat jemand ein Bett gekauft und es ist erstens zu spät gekommen. Und dann kam es an und dann waren die Schrauben falsch und der hatte Gäste und da musste auf dem Boden schlafen und es ging wochenlang so und Ich hab jetzt einfach entschieden, ich fahre in den Baumarkt. Ich kaufe die richtigen Schrauben und ich fahre hin und repariere das mit dem. Und das habe ich jetzt gerade gemacht und jetzt ist er super happy. Und das heißt, es sind solche extrem tollen Sachen entstanden.
12:58 Feliks Eyser: Und das ist eine Story. Also, ich meine, kannst du jetzt sagen, gut, so der CFO würde jetzt sagen, das ist jetzt nicht so effizient, wenn die Customer Service Leute rausfahren und das Bett installieren. Auf der anderen Seite Prägt es ja auch die Kultur im Sinne von, da entsteht eine Geschichte, die wird weitererzählt und es ist ein gutes Exempel dafür zu sagen, was es heißt, go above and beyond und kreier diese Geschichten, worüber wir Leute am Abend Brottisch sprechen. Wenn dann der Typ da auftaucht und das Bett zusammenschraubt, darüber reden die Leute.
13:21 Julian Teicke: Genau. Und dann haben wir das weitergeführt und haben letztendlich dann immer. Ein Kundendienstmitarbeiter in allen wichtigen Meetings dabei gehabt, Entscheidungsmeetings, um die Position, die Sicht des Kunden zu vertreten. Und haben die Rolle von so einem Kundendienst als quasi Mülleimer, der einfach nur irgendwie den ganzen Dreck abbekommt, hin zu einem richtig strategischen Driver innerhalb der des Unternehmens und der Strategie positioniert und es ist immer mehr auch irgendwie so zum Herz des Unternehmens geworden. Und hat die Kultur enorm geprägt, und wir haben die Leute nicht ausgetauscht. Es waren die gleichen Leute Und die Zufriedenheit im Team und die Zufriedenheit mit den Kunden und in der gesamten Organisation ist den Norm gestiegen.
14:12 Feliks Eyser: Okay. Also ich nehme mit auf der einen Seite, mach das Praktikum im Customer Care, dann lernst du die Leute gut kennen, deren Probleme und die Perspektive der Kunden. Nimm die in ihr die Management-Meetings mit? Da gibt es, glaube ich, diese Amazon-Geschichte von Jeff Bezos, der irgendwann mit so einem Pop-Aufsteller gekommen ist und in jedes Meeting diesen Papp-Aufsteller gesetzt hat, was der Kunde war. Und er sagt, ich kann sich in jedes Meeting einen echten Kunden mitnehmen, aber ich will, dass der Kunde Am Tisch sitzt quasi. Und das hast du gemacht mit den Mitarbeitern quasi. Und das Dritte ist, gib den Leuten eine tangible Geschichte mit. Sagt nicht, ja, wir bearbeiten hier Tickets, sondern wir kreieren die Geschichte für einen Abendbruttisch. So ein bisschen dieses Bild: Der Typ geht auf die Baustelle, sieht da drei Leute, die schleppen alle Steine, fragt den ersten, was machst du? Er sagt: Ja, ich schleppe Steine. Fragt den zweiten, was machst du? Sagt, ich baue eine Mauer, schon besser. Fragt den dritten, sagt, ich bin hier Teil des Teams, der die größte Kathedrale der Welt baut. Dann sagst du: Okay, du würdest natürlich die dritte Kategorie von Mitarbeitern, die verstehen, was Das größere Bild sozusagen ist. Und das hast du mit einer konkreten Geschichte herbeigeführt.
15:13 Julian Teicke: Ja, die Menschen wollen nicht als Ressourcen gesehen werden, sondern die wollen als Menschen gesehen werden.
15:17 Feliks Eyser: Und die Menschen beitragen. Versicherung. Du wolltest nie Versicherung machen? Mhm. Dein Dad war im Versicherungsbusiness. Meine Eltern waren Lehrer, das Einzige, was ich wusste, früher, dass ich nicht Lehrer werden will. Mhm. Wobei ich mir auch so denke, jetzt mit Podcasting und Entrepreneurshipwissen, also irgendwie bin ich jetzt doch Lehrer geworden auf eine Weise. Du wolltest keine Versicherungen machen. Mhm. Hast eins der größten Versicherungsunternehmen aufgebaut. Mhm.
15:41 Die Versicherung, die Julian nie machen wollte: Wie wefox entstand
15:41 Julian Teicke: Ja, das war so, dass wir im Exit waren. Es war klar, okay, wir wollen irgendwie gemeinsam was wieder starten mit dem Dario. Zusammen damals. Und weil das hat irgendwie gut funktioniert zwischen uns. Das war einer deiner Ko-Funde von DeinDeal in der Schweiz. Genau. Und dann kam der Dario an und meinte irgendwie: Lass uns mal den Versicherungspace anschauen. Und ich habe auch so einen Typen, der sich da super auskennt, dass wir mit dem hinsetzen. Du bist gesagt, oh Gott. Das kenne ich. Da haben wir uns irgendwie in diesem DeinDeal-Büro getroffen und dann kam der Bora Kirkali heißt er da rein. Der hat eine Versicherungskarriere hinter sich, kennt sich aus im Vertrieb hauptsächlich. Und dann haben wir ein bisschen darüber gesprochen, was jetzt Technologie Und Versicherung letztendlich wie sich das gegenseitig unterstützen kann, was die Probleme in der Versicherungsindustrie sind Haben vielleicht eine halbe Stunde gebrainstormt und dann meinte der, ich bin dabei. Und dann, der Dario, der beste Vertriebler, den ich kenne, hat dann einfach gesagt: Okay, für 300. 000 kriegst du 10%. Und dann hat er die Hand drauf gegeben und dann hatten wir Geld, aber keine Idee und kein Team. Und rückblickend. Sehe ich deshalb sozusagen meinen Einstieg in die Versicherung eher als Schicksal. Also ich wollte das nie. Mein Vater ist in der Versicherungsbranche. Ich erinnere mich, wie ich als Kind Einfach diese Oberflächlichkeit von diesen Veranstaltungen, diesen Incentive, Reisenden. Da warst du dabei, wenn die auf der Bühne geklatscht haben und einen Rolex gekriegt haben. Diese goldenen Uhren, ja. Das Waren jetzt irgendwie nicht so meine Welt, da habe ich nicht mit resoniert. Und deshalb war das irgendwie für mich nichts, was. Irgendwie interessant war. Und dann habe ich das aber als ein Zeichen gesehen. Da ist vielleicht was zu tun in dem Bereich.
17:42 Feliks Eyser: Als Zeichen, weil ihr diesen Typen kennengelernt habt und der quasi aus dem Stegreif gesagt hat, ich will euch becken, ich gebe euch 300k.
17:48 Julian Teicke: Genau. Genau. Und habe dann gesagt, ich nehme diese Herausforderung an. Und versuche in diesem Thema, was mich erst mal irgendwie abstößt. doch auch Sinn zu finden für mich. Was war der Sinn? Der Sinn war für mich, dass ich mich Intensiver mit diesem Produktversicherungen auseinandergesetzt habe und eigentlich die Schönheit in diesem Produkt dann für mich auch gefunden habe.
18:14 Feliks Eyser: Muss man ja auch sagen, ich meine, ist ja ein Thema, was also ist irgendwie Ein Stück weit negativ konnotiert, weil man immer denkt, so ein sleasy Sales Guy will einem irgendwas verkaufen. Auf der anderen Seite ist es ja ein extrem cleveres Produkt, ein extrem cleverer Service, der die Gesellschaft ein Stück weit zusammenhält, der Risiko ermöglicht, der viele Arbeitsverhältnisse ermöglicht. Also eine Versicherung ist ja. Per Definition erstmal nichts Schlechtes, sondern was sehr Gutes für eine Gesellschaft.
18:35 Julian Teicke: Ja, also es würde eigentlich nichts gebaut werden ohne Versicherung. Also wir Auto fahren ein ziemlich irgendwie ödes Leben. Und vor allem, ähm, unterstützt Versicherung Menschen in den dunkelsten Momenten ihres Lebens, wenn sie wirklich Hilfe brauchen. Und das Die eine Geschichte, die mich dort immer inspiriert hat, war dieser Mann, der mitten im Leben stand und dann einen Gehirnsschlag hatte und im Krankenhaus war und eigentlich die Maschinen abgestellt wurden, weil er so schlimm betroffen war. Und dann die Frau gesagt hat, nein, nein, auf keinen Fall Und da ist dann so eine Charity eingesprungen, weil die nicht versichert waren und hat ihn unterstützt, wieder ins Leben zurückzukommen. Der hat gelernt, wieder zu laufen, der hat gelernt, wieder zu kommunizieren. Die Frau war immer an seiner Seite und dann am Ende des Videos sagt die Frau, Wir werden jetzt zehn Jahre nach unserer ersten Hochzeit nochmal heiraten. Und dieser Unterschied zwischen Tod Und nochmal heiraten, also das Leben neu geschenkt bekommen. Über ein Produkt wie Versicherung war für mich so powerful. Und das war dann für mich genau dieses Thema: immer wenn ich dann geschaut habe: okay, wie viele Versicherungspolicen verkaufen wir? So, hatte ich immer dieses Bild im Kopf. Und dass wir etwas tun, was dann, wenn es wirklich schlecht läuft, da ist für unsere Kunden. So, das war irgendwie der Sinn, den ich für mich da in der Versicherungs Was war das erste Produkt? Wie habt ihr angefangen? Ja, wir haben angefangen als B2C-Digitalmakler.
20:23 Feliks Eyser: Ich gehe auf eine Webseite und kann da direkt selber, ohne mit jemand zu sprechen, eine Versicherung abschließen.
20:27 Julian Teicke: Genau. Also der erste Schritt war, dass du dieses Maklermandat unterzeichnest. Und über das Unterzeichen des Maklermandats hatten wir dann sozusagen das Mandat an alle Versicherungen heranzutreten. und die Policen einzufordern.
20:45 Feliks Eyser: Sagen was, wogegen ist diese Person denn schon versichert und wie sind die Tarife?
20:49 Julian Teicke: Genau, und das dann zu digitalisieren Und dann auch die laufenden Provisionen für die Versicherungsverträge zu erhalten Das war das Modell.
21:02 Feliks Eyser: Der hat die Versicherung woanders abgeschlossen, aber durch dieses Mandat, was euch jemand gegeben hat, was diese Person erstmal nichts gekostet hat, konntet ihr Zugriff auf diese Provisionen kriegen.
21:10 Julian Teicke: Wieso kriegt man Zugriff auf diese Provisionen? Weil das ist ein Maklermandat, was man einem Makler jeweils immer geben kann. Zugeordnete Makler erhält die laufenden Provision.
21:23 Feliks Eyser: Und waren die alten Makler dann pisst?
21:25 Julian Teicke: Genau, das war das Problem von dem Geschäftsmodell am Anfang, dass die anderen Makler dann Pisst waren und die Versicherung auch keinen Bock hatten. Für die Versicherung ändert es nichts. Genau, es hat.
21:38 Feliks Eyser: Kein Aufwand, die muss ich coloanders hinzahlen, schafft für die jetzt erstmal keinen Wert, ist Aufwand und der Markt hat das ursprünglich abgeschlossen, hat das erstmal
21:45 Julian Teicke: Genau. Nicht so gut drauf. Also zwei Stakeholder von uns fanden das wichtige Stakeholder von uns fanden das Modell richtig scheiße. Und das Gute war, dass wir das äh bei einer anderen Company schon gesehen hatten, die da richtig viel Geld in dem Bereich versenkt hat. Unglaublich hohe Kundenakquisitionskosten und Dadurch, dass die Versicherungsgesellschaften keinen Bock drauf hatten, haben die sozusagen das Übersenden, ähm also das Umhängen Von dem Mandat haben die auch verzögert.
22:14 Feliks Eyser: Die sind verpflichtet, das zu machen, aber sie können es dann administrativ sagen: die kannst du keine E-Mail schicken, so muss ein Fax machen oder was weiß ich.
22:22 Der Pivot, der alles geändert hat: Von B2C-Makler zu B2B2C
22:22 Julian Teicke: Nur wenn du eine Brieftaube hierher schickst, so kommt es mal. Persönlich vorbeikommen. Genau, die haben es einfach verzögert. Und dann haben wir gesehen, okay, das Modell wird nicht funktionieren. Hat keinen Rückenwind. Genau, und dann sind wir sehr konsequent auf das B2B2C-Modell geswitcht.
22:40 Feliks Eyser: Ihr habt den Makler wieder zu eurem Freund gemacht.
22:42 Julian Teicke: Genau, also dass wir letztendlich heute würdest du das Business in the Box Modell nennen. Also wir haben dann den Maklern Leads. Zur Verfügung gestellt. Wir haben denen dann die Tools zur Verfügung gestellt, sich digital mit den Kunden zu connecten. Und wir haben dann das gesamte CRM zur Verfügung gestellt und die Provisionierung, also die Abrechnung. und haben einen Cut an der Gesamtprovision genommen.
23:08 Feliks Eyser: Man würde sagen, Maklerpool quasi. Also es gibt eine Reihe an Maklern, die schließen sich zusammen und ihr stellt denen verschiedene Sachen zur Verfügung. Auf der einen Seite marketingmäßig die Leads, dann Tech quasi eine Oberfläche, um diese ganzen Sachen zu managen und vor allem den Access zu den Versicherungen, zu den Produkten, weil der Makler eben nicht nur bei einer Versicherung einreicht, sondern bei mehreren. Und genau Visionen zu managen, die zurückfließen.
23:27 Julian Teicke: Und das war dann eine tiefere Integration als ein Maklerpool, weil wir eine exklusive Beziehung mit den Maklern haben jeweils hatten. und dass und wir im Endeffekt die Kundenakquisitionskosten drastisch reduzieren konnten, weil pro Makler Haben wir dann ungefähr 300 existierende Kunden auf unsere Plattform bekommen. Die schon hatten, okay. Die die schon hatten. Und Hatten dann auch direkt die Provision. Und so haben wir ein Modell aufgebaut, was sehr, sehr schnell skaliert ist. Und was dann auch Also im ersten Jahr hatten wir 5 Millionen Außenumsatz.
24:09 Feliks Eyser: Was ist Außenumsatz im Fall?
24:11 Julian Teicke: Das war dann die komplette Provision. Von der wir dann ca. 30 Prozent behalten haben.
24:17 Feliks Eyser: Okay, also sagen wir ein Makler reicht eine Provision ein, ein Kunde zahlt dann, weiß ich nicht, 100 Euro im Monat. Die Versicherung weiß, okay, der ist über viele Jahre dabei, so hat für die Versicherung Ein Lifetime-Value wahrscheinlich von mehreren 10. 000. Dafür zahlen sie den Markt dann eine Provision von, sagen wir, ein paar tausend. Und das ist der Außenumsatz, und von dieser Provision nehmt ihr dann 30% zum Beispiel.
24:39 Julian Teicke: Ja, und da sind wir einfach extrem schnell skaliert.
24:43 Feliks Eyser: Heißt der Engpass war, diesen Makler zu finden? Und ihr musstet in kurzer Zeit möglichst viel von den Maklern onboarden, um an diese Provisionen.
24:51 Julian Teicke: Der Engpass war in allererster Linie, die Leads zu generieren. mit denen Neuumsätze für unsere Makler generiert werden können, weil bei den Neuabschlüssen Viel, viel höhere Provisionen, gerade so im Lebens- und Krankenversicherungsbereich. Das war die Hauptchallenge. Was kriegst du in Massen für eine Lebensversicherung, wenn du eine verkauft? Also, wir haben ja angefangen in der Schweiz und da wahrscheinlich richtig viel so ca. 2000 Franken pro Lebensversicherung. Hätte ich jetzt gedacht. Und das Wichtige ist halt, dass du dort Mit deinem Volumen ja bessere Konditionen mit den Versicherern verhandelst. Also je größer dein Volumen desto mehr Prozente bekommst du. Das heißt, wir konnten immer bessere Deals aushandeln, sodass die 30%, die der Makler abgegeben hat, Am Ende gar nicht 30 Prozent weniger waren, sondern er gleich viel bekommen hat wie vorher.
25:48 Feliks Eyser: Das ist quasi wie eine Einkaufsgemeinschaft nur andersrum, in dem Fall eine Vertriebsgemeinschaft sozusagen, ihr handelt bessere Konditionen raus bei den Partnern. Können Produkte, die Makler verkaufen. Und später seid ihr eine eigene Versicherung geworden, ihr habt einen eigenen Risikoträger aufgebaut und hab gesagt: gut, jetzt wir verkaufen diese ganzen Fremdprodukte sozusagen Wie Amazon, über den Marktplatz kannst du alle möglichen Brands kaufen. Irgendwann fängt Amazon an, quasi Eigenbrands zu launchen. Stelle ich mir das richtig vor.
26:12 Julian Teicke: Ja, das war auch einer der Bilder, die wir immer benutzt haben. Okay. Und letztendlich war es für uns so, dass die Integration In die Versicherer einfach eine Herausforderung war. Also sowohl im Bereich von Underwriting, also dem Abschluss des Produktes. Als auch im Bereich von Anpassungen von den Policen, wenn jetzt bestimmte Policen mal pausiert werden müssen oder kleine Anpassungen, wenn jetzt ein Umzug stattfindet, aber auch die Integration für Schadensmeldungen. Es war für uns einfach dann letztendlich, um wirklich kundenzentriert agieren zu können, die größte Blockade. Dass wir in diesem Prozesse nicht voll kontrolliert haben. Also das Und, Anpassungen, Schadensmeldungen. Sondern wir haben ja nur als Vertrieb gearbeitet und die Integrationsmöglichkeiten waren einfach super limitiert.
27:10 Feliks Eyser: Dann nehme ich euch mit in das Meeting, wo ihr saßt und gesagt habt. Wieso gründen wir denn nicht eine eigene Versicherung? Wie lief diese Entscheidung ab? Also ist ja schon eine signifikante Änderung des Geschäftsmodells von ich unterstütze die Makler, ich mache Software, ich mache Lidschen für die zu. Ich baue eine eigene Versicherung. Fundamentaler Unterschied.
27:25 Julian Teicke: Also es gab sozusagen zwei Bereiche, die mit in die Entscheidung eingeflossen sind. Das eine war die Kundenzentriertheit. Also wir können ein Produkt entwickeln, was Sehr schnell abzuschließen ist und super einfach abzuschließen ist. Produkt ist eine Pflichtversicherung zum Beispiel, oder was sind die Produkte? Genau, wir sind dann erstmal ins Sachbereich gegangen. Das heißt, Sachverband. Also wir haben angefangen mit einer Hausrathaftpflichtversicherung. Und sind dann im Bereich Kfz gegangen. Aber sehr einfach abschließbar, sehr einfach zu managen und super einfache Schadensmeldung. Das war aus der Kundensicht die eine Perspektive. Und auf der anderen Seite Die Perspektive aus der Margensicht. Das heißt, du bist als Vertrieb, bist du gekappt bei der Marge. Da kriegst du die Vertriebsmarge. Als Versicherer kannst du dann auch noch in die Marge von der Schadensquote mit reingehen. Das heißt, wenn du besonders gute Schadensquoten hast, dann steigt Deine Marge. Und deshalb haben wir gesagt, okay, wir haben ja jetzt die Daten. Wir wissen, in welchen Bereichen wir Produkte vermitteln, die besonders gute Schadensquoten haben. Und in diesen Bereichen bieten wir jetzt unsere eigenen Produkte an. Um unsere Gesamtmarge zu erhöhen.
28:45 Feliks Eyser: Also nicht nur die Vertriebsmarge zu haben, sondern auch noch letztendlich sozusagen. Und wie ist jetzt dein mentales Modell? Dahingehend ein Geschäftstunnell weiterzuentwickeln. Weil du bist gestartet, Versicherung D2C, hat nicht so gut funktioniert, das gemerkt kriegst du Gegenwind, dann hast du quasi Tools im Liedschend für Makler gebaut, dann die eigene für sich. Also Wann entscheidest du, dass man das Geschäftsmodell weiterentwickeln muss? Entweder weil es nicht funktioniert oder weil du eine größere Chance siehst. Wie gehst du da dran?
29:12 Julian Teicke: Also, ich glaube, dieses Beginners Mind war für mich immer das Wichtigste, dass ich versucht habe, jeden Tag quasi auf das Unternehmen zu blicken und auf das, was wir tun, und versuche das einfach ohne Ohne Erfahrung, ohne Insights nochmal zu bewerten und zu anzuschauen.
29:34 Feliks Eyser: Ich finde das auch eine super spannende Übung zu sagen. Mit allem, was wir jetzt wissen, wenn wir das Unternehmen heute neu gründen würden, auf einer weißen Seite Papier Wie würden wir es machen?
29:42 Julian Teicke: Und oft ist es nicht so, wie es ist. Und das habe ich zu so einer Regular Practice gemacht.
29:49 Feliks Eyser: Mit dem Team zusammen? War das mehr für dich alleine? War das mit den Co-Foundern? Wie ist das konkret abgelaufen?
29:53 Julian Teicke: Ich habe viel Zeit wie immer gebloggt, um so Whiteboard-Sessions für mich selbst zu machen. Das war dann meistens das Wochenende. Okay. Was jetzt meine Frau nicht so toll fand. Aber am Wochenende habe ich mich dann immer eingeschlossen und habe wirklich versucht, von außen auf das zu blicken, was wir dort aufgebaut haben.
30:13 Feliks Eyser: Dann bist du in den Keller gegangen, da war ein Whiteboard an der Wand, da hast du ein bisschen Mad Scientist-mäßig, hast du dann deine Diagramme gemalt? Wie kann ich mir das vorstellen? Ich nehme dich so wahr, wenn wir zusammen sitzen, wir machen auch ein paar Business-Themen zusammen. Die ersten zehn Minuten im Meeting sitzt du noch, dann stehst du auf, du bist immer bewaffnet mit so einem Adding und dann gehst du ans Whiteboard.
30:33 Julian Teicke: Und dann versuche ich, halt so viele Datenpunkte wie möglich irgendwie zu integrieren. Und das sind Datenpunkte, die aus der Organisation kommen, die von unseren Kunden kommen. Die aber auch von Investoren kommen. Und ich glaube, dieser letzte Punkt war in der Zeit auch nochmal super relevant. Also es war die Zeit des billigen Geldes.
30:57 Feliks Eyser: Ich habe 2015 angefangen, da ging es dann so langsam los, 16, 17, 18, so die VC-Szene hat sich professionalisiert, weiterentwickelt, es war immer mehr Geld verfügbar.
31:05 Julian Teicke: Ja.
31:06 Feliks Eyser: Dann gab es einen kurzen Break, als Covid angefangen hat, aber dann ging der Staudamm erst richtig auf.
31:12 Julian Teicke: Genau. Und es gab immer Modelle. Die halt dann super krass gehypt waren. Und gerade bei dieser Entscheidung hin zu einem Versicherer, ja, war einer der Einflussfaktoren auch. Dass letztendlich Investoren das ganze Thema Own Balance Sheet maximal gefeiert haben. Da gab es ein paar Player in den USA, die eine eigene Versicherung gegründet haben. Und die Massiv bewertet wurden und super erfolgreich unterwegs waren, also aus Investorensicht in allererster Linie.
31:55 Feliks Eyser: Weil sie eine voll integrierte Versicherung. Genau. Waren es gibt sowas wie, wie heißen die Oscar Health oder sowas, so solche Unternehmen in den USA oder was waren da so?
32:03 Julian Teicke: Das war im Krankenbereich, genau, und dann gab es Lemonade im Sachbereich. Und das waren Modelle, die sind echt total durch die Decke gegeben.
32:10 Feliks Eyser: Die Investoren lieben Versicherungen, weil die einen Riesenvorteil haben, dass die Kunden abfront bezahlen, die Schäden später reguliert werden. Das heißt, eine Versicherung per Definition hat immer. Viel Geld auf dem Konto, float. Das war auch der große Hack von Warren Buffett in seiner Karriere, als er irgendwann verstanden hat, wenn ich ein normales Unternehmen kaufe, vs. eine Versicherung, habe ich bei der Versicherung. Eine riesige Schatztruhe an Geld sozusagen, was ich wiederum investieren muss, sozusagen. Deswegen Versicherungen sind beliebte Businesses bei Investoren.
32:35 Julian Teicke: Ich glaube, die waren für einen kurzen Zeitraum beliebt bei Venture Capital Investoren, bis letztendlich rausgekommen ist, dass die Komplexität Enorm ist durch die Regulierung. Und dass es letztendlich nicht besonders kapitaleffizient ist, riesige Balance Sheets aufzubauen. Und dass the cost of capital einfach viel, viel, viel, viel höher ist für Player, die gerade starten. Als Player wie auch hunderte Milliarden, weil die sich Geld viel günstiger leihen können. Und das ist halt ein extrem schwerer Markt, um da reinzukommen und wirklich zu wachsen. Nur über präferierten Vertriebsaccess.
33:23 Feliks Eyser: Wie seid ihr gewachsen in der Zeit? Also war das Marketing-Spending gerichtet, dahin die Makler zu akzeptieren? Akquirieren oder Lidschend für die zu machen? Oder was war so das Flywheel, wo ihr geknackt habt in dieser Zeit, wo ihr sagt, ihr könnt da Geld reinstecken und es kommt auf der anderen Seite Wachstum raus?
33:36 Julian Teicke: Genau, es war der Fokus auf Akquise von Maklern und es war der Fokus auf Akquise von Kunden. Und ein besseres Matching von Kunde zu Makler.
33:46 Feliks Eyser: Und Makler akquirieren heißt, ihr könnt sagen: Hey, hier, wir sind ein Text-Service, Makler, bitte kommt zu uns. Oder ihr könnt auch Bestände kaufen. Also hat das auch eine MA-Komponente, dass ihr sagt, ihr kauft so einen Vertrieb, wo schon 50 Makler drin sind. Später, auch das war dann die nächste Entwicklungsstufe.
33:58 Julian Teicke: Also, wir haben angefangen als B2C-Makler, sozusagen dann gepivotet zum B2B2C. Makler, dann B2B2C-Makler mit einer eigenen Produktpalette, mit eigenem Balance Sheet. Und dann war der nächste Schritt letztendlich inorganisches Wachstum. Und dann haben wir angefangen, Makler zu kaufen. Und haben angefangen in Deutschland und in der Schweiz. Und haben dann sehr große Transaktionen in Italien und in den Niederlanden gemacht. Und sind so insgesamt dann Ja, innerhalb von acht Jahren von Null auf 800 Millionen Umsatz gewachsen. 100 Millionen Umsatz. Und letztendlich Geb es, glaube ich, zwei Punkte, die ich rückblickend sage, da habe ich mich total verrannt. Da habe ich mir einfach ganz klar die falschen Ziele gesetzt. Und das Erste, das habe ich fast religiös für mich verkörpert, war, ich möchte jedes Jahr den Umsatz verdoppeln. Und das war auch immer einer der Aspekte, die mit eingeflossen sind in okay, wie muss ich mein Geschäftsmodell anpassen? Und das zweite war. Letztendlich mein Approach zum Fundraising. Wo ich einfach gesagt habe: in jeder Runde schaue ich was hat was war die größte Insurtech-Runde in der Stage weltweit bislang Und dann habe ich diese Zahl einfach mal zwei genommen.
34:37 Das falsche Ziel: Warum immer das Doppelte raisen ein Fehler war
35:41 Feliks Eyser: Also sagen wir, wenn die größte Series A weltweit damals 20 Millionen war, hast du gesagt, ich will 40 Millionen raisen.
35:45 Julian Teicke: Genau, also die größte Series A aller Zeiten war 15 Millionen, ich habe 30 gerased. Die größte Series B war 120 Millionen, ich habe 240 gerased.
35:54 Feliks Eyser: Series C geht's weiter. Ich hab hier, guck mal, ich habe es hier mal rausgesucht. Series C 650 Millionen In 2021, Peak Zurb-Era, also können wir gleich drüber sprechen, wie diese Craziness auf dich gewirkt hat. 2022 400 Millionen gerast auf eine 4,5 Milliarden Bewertung.
36:15 Julian Teicke: Und Genau, das war einfach ein Fehler. Ich glaube, irgendwie beides sehr gute Beispiele für Was möglich ist, wenn man sehr konsequent seine Ziele verfolgt.
36:29 Feliks Eyser: Du hast es geschafft in beiden Fällen. Du hast den Umsatz immer verdoppelt und du hast die doppelt so großen Runden abgeschlossen. Genau. Aber es war im Endeffekt das falsche Ziel.
36:37 Julian Teicke: Genau, es war das falsche Ziel. Also im Endeffekt hast du diese eine Formel, du setzt dir ein Ziel, du schaffst es, dass du komplett davon überzeugt bist, dieses Ziel zu erreichen, weil du zum Beispiel einen Plan hast. Weil du zum Beispiel genau die Schritte hast, wie du das erreichst. Weil du weißt, du hast ein Team, was das schaffen kann. Also du bist total überzeugt davon, dass du dieses Ziel erreichen kannst. Dann fängst du an, dir vorzustellen, wie fühlt es sich an, wenn ich dieses Ziel erreicht habe. Und das ist ja das Coole, wir können uns ja wirklich irgendwie alles vorstellen. Das ist so ein bisschen wie so Sportler. Die irgendwie, bevor sie in den Wettkampf gehen, visualisieren, das kannst du ja auch machen. Dann fängst du an, darüber zu reden. Und der Unterschied ist, wenn du diese Arbeit gemacht hast. Und dann hingehst du und sagst, ich raise 650 Millionen, dann merkt es gegenüber, okay, das ist jetzt nicht irgendwie nur aus dem Mund gefurzt, sondern der meint es ernst. Und das ist der Unterschied. Und der weiß, was es bedeutet, und der glaubt wirklich daran. So, das ist der Unterschied.
37:49 Feliks Eyser: Und der weiß, was es erfordert, und er hat seine Hausaufgaben gemacht.
37:51 Julian Teicke: Genau. Und dann gehst du ins Handeln und folgst deinem Plan. Und je größer das Ziel ist, was du dir setzt, desto mehr Widerstand kommt. Desto mehr wird getestet, wirst du getestet, ob du wirklich Dran glaubst, ob du wirklich das Selbstbewusstsein hast. Je mehr du große Ziele setzt, desto mehr versucht die Welt irgendwie Cracks zu finden. Und deshalb ist es sehr wichtig, in diesem Prozess dann immer wieder zum zweiten Schritt zu gehen und daran zu arbeiten, an dich zu glauben und das Selbstbewusstsein. Hochzuhalten. Wie sieht es konkret aus?
38:31 Feliks Eyser: Was hast du dafür konkret gemacht?
38:32 Julian Teicke: Ich habe wirklich super viel meditiert darauf. Also, ich habe diese Arbeit dann jeden Abend gemacht vom Einschlafen. Immer wieder mein Ziel nochmal klar ins Bewusstsein geholt. Dann für mich zu checken, dann Fühlt es sich an, als ob ich in der Lage bin, das zu erreichen? Oder kommt irgendwo so ein bisschen Zweifel rein? Ja, also spüre ich irgendwie, dass ich doch nicht ganz daran glaube. Und auf so eine Entdeckungsreise zu gehen und zu sagen. Das ist spannend. Da möchte ich mehr drüber erfahren, woher kommt dieser Zweifel? Was waren die Störgefühle, was waren die Zweifel, die dann hochgekommen sind? Aus welcher Ecke kamen die? Nein, das hatte ganz häufig mit meinem Selbstbewusstsein zu tun. Das hatte häufig mit Feedback zu tun, was ich bekommen habe über mich. Über meine Firma, auch von intern. Das hatte häufig auch zu tun mit operativen Herausforderungen. Das hatte häufig auch zu tun mit Herausforderungen rund um Teams und Mitarbeiter, die vielleicht nicht performt haben oder die gegangen sind. Also, das passieren ja jeden Tag unglaublich viele Dinge.
39:57 Feliks Eyser: Und das ist ja meistens die faune Realität, dass du tausend Sachen siehst, die nicht funktionieren, dass du genau weißt. im Produkt gibt es noch drei Bugs und der Vertrieb ist nicht so toll, wie er sein könnte, und so weiter. Und dann kommen die Zweifel hoch, die creepen ja langsam rein. Das ist ja viel eher die Realität, als zu sagen Kein Problem. Ich race die doppelte größte Runde der Welt.
40:17 Julian Teicke: Genau. Und dann halt zu sagen, okay. Doch, ich glaube an mich. Dann irgendwie in diese Vorstellung zu gehen, und zwar mit allen Sinnen. Ich habe dann immer mir überlegt, wie fühlt es sich an, vor den Mitarbeitern zu stehen und zu announcen, dass wir jetzt irgendwie in die nächste Phase gehen und dass Leute echt an uns glauben. Und Und dann einfach selbstbewusst in die Welt und darüber reden. Und das habe ich dann jeden Abend für mich wiederholt. Und ich glaube, das krasseste war die Series B. Wo ich gesagt habe, eben 240. Weil die größte Runde ist.
41:02 Feliks Eyser: Das ist ja der Riesensprung. Ich meine 30 Millionen Series A, das ist ja auch schon eine krasse Ansage, auch für die Zeit. Aber da ist eine Null dran gehängt. Das war der größte Sprung, relativ gesehen, auf jeden Fall.
41:11 Der schlafende Masa Son und wie Julian trotzdem 240 Millionen raised
41:11 Julian Teicke: Und dann war die größte Runde zu dem Zeitpunkt eben die Series B von Lemonade 120 Millionen. Dann war ich so, okay, also wer könnte denn überhaupt so viel Geld investieren? Und dann ist mir eigentlich nur eine Person in Kauf gekommen und das war eben der Masayoshi Son, der Gerade dieser Vision Fund, diese 100 Milliarden da. Genau, da war ich so: Okay, wie komme ich denn an den Typen jetzt ran? Und sechs Monate später saß ich bei dem im Büro. Wie hast du dich darauf vorbereitet? Ja, das ist eine lange Geschichte. Wir haben Zeit. Naja, also das war jetzt nicht so straightforward, dass ich irgendwie gesagt habe, ich will jetzt irgendwie. Du hast jetzt keine kalte E-Mail geschrieben? Nee, also. Ich bin mit denen in Kontakt gekommen mit SoftBank, wie ich damit eingesprochen habe. Dann habe ich ein Meeting gehabt, dann habe ich ein zweites, dann habe ich ein drittes In London, dann haben die gesagt, okay, du musst zu Masa fliegen. Der ist in Japan. Dann bin ich zu Masa geflogen. Alleine und das war dann irgendwie ein sehr humiliating Experience. Also das war dann sehr Klares Feedback, was ich dann auch erstmal verarbeiten musste in Schritt zwei. Also, wie komme ich damit klar an das zu glauben? Naja, also ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen im Flieger und saß neben jemandem von Softbank und der hat mich dann die ganze Zeit einfach nur gebrieft und Hat auch meine Präsentation die ganze Zeit ab angepasst und gemeint, Masa mag so, Masser mag so.
42:52 Feliks Eyser: Was ja schon mal ein guter Hack ist, also dass du dir so einen, ich sag mal, so eine Art Maulwurf auf deine Seite geholt hast. Der weiß, wie das gegenüber tickt. Das ist ja schon mal besser, als quasi nur mit seiner eigenen Vorbereitung reinzugehen.
43:02 Julian Teicke: Dann kam ich an und wir sind direkt ins Büro von ihm gefahren, irgendwie in den 23. Stock. Dann haben die Leute gesagt, ey, es wird super warm da, weil die Heizungen sind voll aufgeredt, weil er mag es warm. Und dann hatte ich nicht geschlafen, dann kam ich da an, habe ich da rumgeschwitzt. Dann kam ich in diesen Raum. Und es war einfach ein Raum mit einem Tisch, der wirklich 50 Meter lang war. Und nur Masa saß an diesem Tisch, an der einen Seite. Und dann meinte der so, okay, start. Und dann sollte ich zwischen ihn und die Wand gehen Und habe auf diesen 50 Meter langen leeren Tisch geschaut, hatte keinen Klicker. Das heißt, ich musste dann immer irgendwie so meinen Flow unterbrechen und sagen, und es war ja auch nicht meine Präsentation, es war ganz schrecklich, also es war auch eine ganz schreckliche Performance.
43:54 Feliks Eyser: Das war eine Frankenstein-Präsentation war, die du im Flugzeug mit dem Input. Von dem anderen Typen nochmal nochmal angepasst hast, okay?
43:59 Julian Teicke: Dann meinte der, okay, du hast jetzt noch drei Minuten, weil alles, was du mir erzählst, weiß ich schon. Und dann ist mir erstmal das Herz in die Hose gerutscht. Das hat jetzt irgendwie meine Performance nicht verbessert. Und dann ist er eingeschlafen.
44:17 Feliks Eyser: Er ist eingeschlafen.
44:19 Julian Teicke: Vor dir. Und ist doch nicht wieder aufgewacht. Und ich bin dann einfach. Ich bin einfach aus dem Raum rausgelaufen. ins Hotel. Oh mein Gott. Und dann hat natürlich meine Co-Founder mich ganz exact angerufen und meinten, wie war's, wie war's? Und dann meinte ich so, du, der ist halt eingeschlafen nach fünf Minuten. Und wahrscheinlich nicht aus Excitement. Und dann bin ich wieder nach Hause geflogen, weil es war ja auch das einzige Meeting, was ich in Japan hatte. Und das ist dann schon irgendwie so ein ziemlicher Downer. Also war ich jetzt nicht irgendwie der selbstbewussteste Mensch auf der Welt. Wie bist du dann damit umgegangen? Es war dann so, dass die relativ schnell angerufen haben und gesagt haben: hey, Masa war total müde. War wahrscheinlich zu warm. Der hatte Bordwoche, ne? Und der war ja irgendwie komplett platt. Es tut ihm total leid. Könntest du nochmal kommen Und dann habe ich gesagt, okay, ich komme nochmal, aber jetzt under my terms. Also es ist meine Präsentation. Ich brauche ein Whiteboard. Und ich möchte, dass mein Co-Founder mitkommt. Und dann sind wir da hingeflogen. Dann habe ich angefangen zu pitchen In dem gleichen Raum. Und hinter Masa saß eben mein Co-Founder. Und meine Instruction an ihn war: jedes Wort, was ich sage, muss er komplett abfeiern. Ja. Und dann saß er die ganze Zeit hinter Masa und als Cheerleader und hat mich die ganze Zeit angefeuert. Hat dich angefeuert. Und Masa konnte den nicht sehen. Und so war ich dann so voll on fire. Und dann habe ich das Whiteboard genommen und habe angefangen, meine Vision aufzumalen, und dann ist Masa aufgestanden. und ist zu dem Whiteboard gegangen und hat mit mir gemalt. Du hast ihn auf deine Seite geholt. Wow, it's a massive opportunity. Er hat er sich hingesetzt. I only invest in the best founders of the world. I invest 200 Millionen Dollar. Und dann habe ich gesagt, nee, 200 Millionen Euro, also 240 Millionen Dollar, weil das war ja meine Zahl. Und dann hat er kurz so gerechnet und meinte so, okay. And that was it. Genau das, was ich mir irgendwie sechs Monate vorher. Sechs Monate vorher vorgestellt habe, ist dann Realität geworden.
46:59 Feliks Eyser: Das ist schon krass. Ich meine, auf der einen Seite, also Wir reden ja nur über Mindset. Mindset der Vorbereitung, diese Visualisierung, das Ziel zu erreichen. Aber auch in der Präsentation selber redest du über Mindset, diesen Cheerleader da quasi reinzusetzen. Es gibt ja. Das ist ein Public Speaking-Hack, wenn du im Raum stehst, vor vielen Leuten eine Rede hältst, es gibt ja meistens im Publikum die eine Person, die irgendwie total mit fiebert, die voll hyped ist. Und die schaust du die ganze Zeit an, kriegst positives Feedback. und kannst dadurch lockerer werden und du hast dir die Person selber sozusagen kreiert und deinen Co-Founder gebrieved. Ja.
47:28 Julian Teicke: Das habe ich noch nie gehört. Ja, und neben, also super Beispiel dafür, dass diese Formel Halt, echt funktioniert.
47:38 Fundraising ist Energie: Warum jede Absage dasselbe bedeutet
47:38 Feliks Eyser: Die Formel stell's dir vor, setz dir das Ziel, schaff die Zweifel aus dem Weg, visualisierst und bring dich in die richtige Stimmung, in die richtige Energie. Dass du es rüberbringst.
47:46 Julian Teicke: Und egal was passiert, geh immer wieder zurück zur Eliminierung von Zweifeln. Ist Fundraising Energie? Nur. Ja. Am Ende des Tages investiere ich in einen Menschen, der das, was er erzählt, schon erreicht hat. Und nicht erst erreichen will. Und das ist reine Energie. Und wenn wir es hier nicht in Zweifel.
48:15 Feliks Eyser: Die Zweifel schrecken ab.
48:16 Julian Teicke: Genau.
48:18 Feliks Eyser: Weil du weißt, wenn jemand an der Story, die er oder sie erzählt, schon jetzt zweifelt, dann wird es wahrscheinlich in der Umsetzung mit allen Problemen, die kommen werden in den nächsten Jahren schwierig.
48:25 Julian Teicke: Und je besser der Investor, desto besser seine Fühler für diese Zweifel. Desto sensibler ist der Darin sind die extrem gut. Und deshalb ist eine Absage auch nie eine Absage wegen diesen langen E-Mails und den Punkten, die die da bringen. Sondern es ist immer eine Absage, in der gesagt wird, ich glaube nicht an das, was du mir erzählt hast. Ich glaube nicht an dich.
48:50 Feliks Eyser: Die Absage ist immer die gleiche. Egal, was sie in die E-Mail reinschreiben, egal ob sie fünf Gründe ableiten und sagen, der Markt ist zu klein oder das. Produkt oder dies, das, die Metrik passt nicht. Immer. Es ist immer Conviction. Es ist überzeugt.
49:01 Julian Teicke: Immer, ich glaube, nicht an dich. Das ist immer jede Absage. Also, es ist der Zweifel. Den die Leute spüren, dass das, was du erzählst, nicht voll von dir selber geglaubt wird.
49:20 Feliks Eyser: Wenn der Investor dich das nächste Mal fragt, was ist dein unfairer Vorteil, dann sagst du einfach die Founder Mode WhatsApp-Community. Da bist du umgeben mit 500 anderen Foundern und Entrepreneurship-Interessierten, kannst Fragen stellen, kriegst Antworten und lernst in einer Community von ambitionierten Bildern. Also tritt der WhatsApp Community von Foundermote bei unter www. foundermode. show slash WhatsApp. Wir sehen uns in der Community. Gib mir mal den Rest von der Masterclass im Fundraising. Wenn man sagt, Founder, die jetzt zum Beispiel ihre erste Runde machen, sagen wir wollen, lass uns die 200 Millionen mal ausklammern, aber eine 5 Millionen Zietrunde. Wollen viele Founder raisen in den ersten paar Jahren, haben schon ein Produkt, ein bisschen Traction, haben ein paar Kunden, haben das vielleicht noch nie gemacht und sagen: 5 Millionen Seedrunde, das ist mein Ziel. Was ist die Masterclass in der Vorbereitung? Wie Würdest du da rangehen? Was empfiehlst du First Time, Founder?
50:14 Julian Teicke: Naja, erstmal würde ich jetzt erstmal wirklich sagen, diese Zielsetzung ist das Wichtigste. Also, was ist denn wirklich sinnvoll? Und was ist richtig für dich und deine Firma? Ja. Und ich glaube, das habe ich halt falsch gemacht. Ich habe bewiesen Die Formel funktioniert, ich habe aber auch gleichzeitig bewiesen: die Zielsetzung ist das Wichtigste. Und bei dem Ziel viel mehr in sich reinzugehen und zu sagen: Was braucht denn diese Organisation gerade von mir? Und nicht irgendwie irgendwelche externen bescheuerten Gründe zu nehmen.
50:56 Feliks Eyser: Du würdest bottom-up rangehen, was braucht die Firma und nicht, wie du es gemacht hast, top-down. Ich will einfach das Doppelte und dann werde ich schon ausgeben können? Genau. Okay. Dann sagen wir, ich komme da auf eine Zahl, die für mich Sinn macht, die sich gut anfühlt.
51:07 Julian Teicke: Ja. Dann ist für mich erstmal genau dieses Testen, ähm, so. Hast du da die Arbeit gemacht? Also glaubst du daran und weißt, was die Implikationen sind? Oder ist es eher was, was du irgendwie rausforzt? Und das macht für mich den Unterschied. Also die Leute, manche Investoren nennen das das Sparkle in the Eye, ja. Andere sagen halt irgendwie Die haben das so gefühlt oder die haben gleich gemerkt, das ist eine Aura irgendwie so.
51:44 Feliks Eyser: Und wie können Founder das produzieren. War übrigens auch eine Publikumsfrage von Maxi Keller, Gründer von Halutara, wo wir gemeinsam investiert. Also ich habe ein paar Publikumsfragen dabei, ich habe noch ein paar mehr. Aber Maxi fragt genau das, wie Hast du es geschafft, dieses Leuchten in den Augen bei dir selber zu haben und bei anderen zu injizieren?
52:04 Julian Teicke: Ja, also wirklich, wirklich, wirklich dran zu glauben und wirklich, wirklich begeistert zu sein. Und diese Begeisterung kann man nicht spielen, ja, die kann man nicht vorgeben. Und man muss halt irgendwie, glaube ich. Die Arbeit machen zu spüren, was die Aufgabe ist in deinem Leben. Und ich glaube, wenn du das gefunden hast, wenn du gefunden hast, was ist mein Purpose im Leben. So, was ist der, wo führt der Fluss des Lebens mich hin? Weil im Fluss des Lebens, der ist vorgegeben, wenn ich da drin bin, dann kann ich den Strom nutzen, da muss ich nicht nur meine eigene Energie nutzen, dann kann ich den Strom Nutzen und viel, viel mehr Geschwindigkeit aufnehmen, als wenn ich irgendwie sage, ich möchte dem Weg nicht folgen, ich halte mich an einem Ast fest. Oder versuche mich zu wehren oder sogar, und das habe ich häufig gemacht, ich versuche die Richtung vom Fluss zu verändern. Indem ich irgendwie buddel. Und unglaublich viel Energie investiere. Das heißt, mein Fehler war, dass ich bei der Zielsetzung zu wenig auf das gehört habe, was eigentlich mein Calling ist. Und was das Calling der Organisation ist. Und ich glaube, alles andere habe ich super executed Ja. Aber an dem Punkt habe ich Fehler gemacht, die letztendlich zu Schaden geführt haben.
53:44 Feliks Eyser: Was war der negativste Aspekt von zu viel Geld?
53:49 Toxische Investoren. Warum Julian den Millionen-Deal beim Dinner platzen ließ
53:49 Julian Teicke: Mit viel Geld kommt viel Druck. Und kommen auch Leute ins Spiel, die das Gefühl haben, sie können da selbst von profitieren. Und die vielleicht nicht nur in deiner Umgebung sein wollen, weil sie fühlen, sie wollen diesen Purpose unterstützen und irgendwie die Firma toll machen, sondern die wollen in allererster Linie für sich selbst optimieren. Mhm. Hast du Investoren auch nicht reingenommen? Ja, ja. Ich habe da schon immer versucht, wirklich auf mich zu hören und auf mein Bauchgefühl. Also es gab diese eine Geschichte, wo wir kurz vor Abschluss von einem Investment waren. Und wir bei einem Dinner mit den Investoren waren und das hat sich einfach, also mein Körper hat einfach gesagt, nein. Beim Dinner? Beim Dinner. Wir waren im Restaurant und ich habe unglaubliche Bauchschmerzen bekommen. Und wirkliche Bauchschmerzen und es war wirklich total unangenehm, einfach in Dieser Präsenz von diesen Investoren zu sein. Und ich bin auf die Toilette, muss mich übergeben. Und dann habe ich irgendwie mein Co-For-Anufe und habe gesagt, wir können. Die kein Geld von denen nehmen. Hattest du Alternativen? Wir verkaufen unsere Seele. Und ja, wir haben dann einen anderen Investor genommen
55:27 Feliks Eyser: Ich meine, du kannst so einen Move ja nur bringen, wenn du, also wenn du kurz davor bist, abzuschließen, du weißt, okay, vielleicht ist meine Burn Rate zu hoch, irgendwann ist das Konto leer. Also zu dem selber haben wir keine Alternative.
55:35 Julian Teicke: Wir haben dann eine Alternative entwickelt, ja. Aber Genau, es war für mich, der Körper hat einfach gesagt, nein. Und ich glaube, das ist das Wichtigste: da einfach auf seine Intuition zu hören und zu spüren, okay, was sagt der Körper? So nicht nur, also irgendwie zwei von acht Datenpunkten sind im Kopf so zugänglich, und acht von zehn sind irgendwie so einfach im Körper.
55:59 Feliks Eyser: Aber auch da muss ja das Selbstbewusstsein haben, also die erstmal zu hören und dann dem Ruf auch zu folgen. Weil du es im Zweifel auch gar nicht so gut beschreiben kannst, gerade wenn es eine körperliche Erfahrung ist. Dann fragen deine Kofern ja, warum sollen wir es denn nicht machen? Sagst du, ja, keine Ahnung, mein Bauch hat sich irgendwie so ändert. Also eine schwierige Diskussion.
56:17 Julian Teicke: Ja, aber mein größter Fehler bei wefox war, dass ich diesem Bauchgefühl zu selten zugehört habe. Dass ich. Sowohl bei Hires als auch bei Investoren häufig das einfach überschrieben habe. Deinen Kopf hat es überschrieben. Und wenn ich zurückblicke, dann hätte ich solche Moves. Viel häufiger machen müssen. Der Körper hat nicht immer so hart und intensiv reagiert Aber ich habe immer schon ein Gefühl gehabt, was jetzt nicht irgendwie faktenbasiert war, was sich dann später als Problem rausgestellt hat.
56:57 Feliks Eyser: Und wenn du so eine Runde abschließt, 240 Millionen, 650 Millionen, die Headline kommt, alle lesen die, Julian Teicke, Race Hunde von Millionen, Milliarden Bewertung. Wie ist so dein Inner State of Mind nach so einer Runde? Wie fühlt sich das an? Übrigens auch Publikumsfrage von Basti Meyer, nächster Schau dort an Handy, fragt: Wie fühlt es sich denn an, diese Unicorn-Headline zu haben? Ist es so geil, wie man denkt, von außen? Oder ist es eigentlich irgendwie eine Lehre?
57:25 Julian Teicke: Naja, zunächst mal kreiert es natürlich sehr viel Erwartung. Und the pressure is on. Also eigentlich ist es nicht ein Moment, den du oder ich konnte den nicht entspannt irgendwie feiern. Für mich ging es einfach darum, wie verdoppel ich meinen Umsatz jetzt? Wie schaffen wir dieses gigantische Wachstum? Ich hatte das Ziel, 100 Milliarden Umsatz zu erreichen. Hast du auch mal öffentlich gesagt? Auch Stichwort. Genau. Ziel setzen, manifestieren, drüber reden. Genau. Und das Ziel, eine Generational Company aufzubauen. Das heißt, ich war kein Urlaub nach Tunnel, nach dem Closing Dinner. Ich war einfach in einem Tunnel und habe auch ganz, ganz viele Zeichen links und rechts ignoriert. Und eigentlich selten mich gut gefühlt oder gefeiert.
58:25 Feliks Eyser: Was war der Moment, wo die Stimmung sich gedreht hat, wo du gemerkt hast, hoppla, da ändert sich was im Markt? Und die Zeiten, wo Leute im Meeting hunderte von Millionen investiert haben, sind vorbei und wir brauchen eine Kurskorrektur?
58:40 Julian Teicke: Erst war ein Boardmeeting, das war kurz vor dem Krieg in der Ukraine. 2022. Die Zinsen sind schon hochgegangen. Und Die Public Peers sind schon massiv gecrashed. Und ich habe einfach gemerkt, okay, jetzt ähm Bewegen wir uns hier in eine potenzielle tödliche Downward-Spiral. Und hab dann. Und du hast es festgemacht am Markt. Genau. Also ich meine, wir waren ein super kapitalintensives Modell. Wir haben uns nicht fokussiert auf Profitabilität, wir haben uns fokussiert auf Wachstum. Und Ich habe für mich gesehen oder gesagt, okay, hier entwickelt sich jetzt für unser Business eine potenziell tödliche Spirale. Und in diesem Board-Meeting habe ich dann gesagt, Leute, während alle abkratzen, zeigen wir der Welt, wie geil wir sind und wir gehen in die komplett andere Richtung Und ich gehe jetzt raus in dem Zeitpunkt. Es hat sich in dem Zeitpunkt für mich, weiß ich nicht, ich glaube, ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht so richtig connected zu mir.
1:00:01 Feliks Eyser: Also kann ich das schwer sagen. Aber du hast gesagt, bei Sonnenscheinen kann man niemanden überholen, aber bei Regen kann der Rennfahrer Plätze gut machen, sozusagen. Genau. Die Krise bahnt sich an. Ich gebe jetzt richtig Gas.
1:00:12 Julian Teicke: Und hab dann gesagt, Leute, wir raisen jetzt einen Upround. Ich gehe raus. Und die haben alle gesagt. Das ist wirklich das Bescheidste, was ich je gehört habe. Guckt dir doch mal deine Peers an und so. Und da war ich so, ey, ich beweis euch Und hatte dann ein paar Wochen später einen Termsheet, 400 Millionen bei einer 6 Milliarden-Bewertung von einem USVC. Und dann war alles schon so, wow. Und dann kam der Ukraine-Krieg, und dann haben wir aber parallel schon eine sehr, sehr große Akquisition verhandelt. Und dieser USVC ist dann last minute rausgepult, weil er gesagt hat, hier in Amerika, da geht gar nichts mehr, ist over. Und dann habe ich halt trotzdem diese 400 Millionen Runde gerased, aber da habe ich einen großen Fehler gemacht. Was war der Fehler? Und zwar. Wollte ich unbedingt diese Transaktion durchziehen? Ähm. Und die Exclusivity ist ausgelaufen Und letztendlich kam dann ein Investor hat gemeint, okay, wir investieren das Geld. Zu einer viereinhalb Milliarden Bewertung. Aber es gibt eine Zweix League Pref.
1:01:40 Feliks Eyser: Die Prev Heiß im Verkaufsfall kriegen die die Kohle zuerst zurück und zwar nicht nur einmal, was sie investiert haben, sondern zweifach.
1:01:46 Julian Teicke: Und ich hatte überhaupt kein Gefühl dafür, was das auslöst irgendwie im Captable unter den Investoren, in den Beziehungen unter den Investoren und in den Incentives.
1:02:02 Feliks Eyser: Das heißt, diese eine vertragliche Regelung, die erstmal nicht so super kritisch klingt, wenn alles gut läuft, dann sollen die halt ihr Geld zurückkriegen, okay, doppelt, okay, die hat später starke negative Effekte gehabt.
1:02:15 Julian Teicke: Mhm. Ja, und dann ist es halt einfach nicht besser geworden. Die Zinsen sind weitergestiegen. Und wir hatten. Wachsende Probleme mit unserem Versicherer. Das heißt, wir haben höhere Loss-Ratios als erwartet. Okay. Wir mussten immer mehr Kapital reinschießen in unseren Versicherer. Okay.
1:02:46 Feliks Eyser: Das heißt, du hast drei Quellen, wo du drei Töpfe, wo du Geld reinstecken musst. Das eine ist das operative Geschäfte, Marketing-Ausgaben und so weiter. Dann hast du MA und die Deals, wo du Firmen kaufst. Dritte ist aber das eigentliche Produkt, wo du merkst: Ah, okay, wenn ich Kfz-Versicherung verkaufe und mehr Leute mit Autounfällen kommen, dann brauche ich mehr Geld in der Bilanz und muss es danach schießen. Genau.
1:03:06 Julian Teicke: Und ähm Dann haben wir uns angefangen vorzubereiten auf dem IPO und haben dort dann auf Empfehlung von dem Chairman damals. Unabhängige Mitglieder ins Board geholt. Und das war dann wahrscheinlich der zweite Move, wo ich nicht wusste, was die Implikationen davon sind. So. Wir waren irgendwie eine Gruppe von Leuten, die sich wirklich mochten, die sich auch entschieden haben, miteinander arbeiten zu wollen, die sich vertraut haben. Und auf einmal hattest du jetzt unabhängige Member, die auch ganz andere Incentives hatten. Und da bin ich auch zu naiv reingegangen. Weil das hat die Borddynamik massiv verändert. Und immer mehr ist Sozusagen die Zusammenarbeit von einem sehr vertrauensvollen Miteinander zu so einem skeptischen Irgendwie Forum geworden. Und ich hatte dann irgendwann das Gefühl, ich stehe da und ich erzähle. meine Sicht auf Dinge und da meine Worte, die kommen überhaupt nicht mehr an. Das ist wie so eine Wand Weil das Vertrauen gesunken ist. Genau. In der Gruppe. Genau. Und dann haben die gesagt, okay, wir wollen jetzt hier einen Chairman, der irgendwie. was von Versicherung versteht. Und dann haben die da quasi einen Chairman irgendwie Reingesetzt. Und die Art und Weise irgendwie für mich war dann schon so, alright, ihr weht jetzt ein anderer Wind. Und hatte sich dann nicht mehr so partnerschaftlich angefühlt. Und dann habe ich aber auch relativ schnell gemerkt, irgendwie, okay, was ist hier los? Dieser Chairman hat dann sozusagen eine eigene Agenda gehabt und Hat dann quasi da im Hintergrund sozusagen mein Exit vorbereitet.
01:05:29 Der Rauswurf: Wie Julian sein Baby aus den Armen gerissen wurde
1:05:29 Feliks Eyser: Das war ein Mandat, was der hatte, quasi, oder eine Agenda, die von Anfang an nicht klar war.
1:05:34 Julian Teicke: Ja, ich glaube, es ging in allererster Linie darum, in einer breiten Shareholder-Base das Vertrauen nicht zu erschüttern. Ähm, und ja, ich glaube, das hat er gut gemacht. Und dann wurde ich dann eines Tages eigentlich mit den Mit der Realität einfach konfrontiert. Und es war jetzt nicht irgendwie so, da hatte ich jetzt noch viel Raum zu manövern, sondern der Ball wurde einfach auf den Elfmeter-Punkt gelegt. Und da mussten die nur noch verwandeln. Also es war da nicht irgendwie ein Prozess oder so.
1:06:12 Feliks Eyser: Wie war dein innere Monolog in der Zeit? Was steht in deinem Tagebuch?
1:06:18 Julian Teicke: Ja. Also, es ist ein Baby, wie ein Kind, was man halt in die Welt setzt. Und was man wirklich krass liebt, so. Ähm und hat sich halt schon so angefühlt, wie als ob Dein Baby, ähm, dein Kind, dir aus den Armen gerissen wird. So? Und du jetzt Quasi einfach hoffen musst, dass es ein gutes Leben hat.
1:07:02 Feliks Eyser: Und gleichzeitig ohnmächtig bis du merkst, du kannst gar nicht mehr viel machen.
1:07:05 Julian Teicke: Ja. Und das hat mir schon so richtig krass so das Herz aufgerissen, so. Und ja, ich glaube, dass ich einen Plan hatte. Ähm, für die Zukunft. Ähm und dass ich ne das, dass dieses Baby eine tolle Zukunft hatte, so Und ich war davon total überzeugt. Es ging um die Entwicklung von unserer Tech-Plattform. Wir waren einer der absoluten Pioniere, wenn es um AI im Insurance Space ging. Also wir haben Schon 2019 ein AI Research Hub in Paris aufgebaut. Wir hatten die besten Ingenieure in ganz Europa und waren sehr, sehr früh dabei. Und um wir waren auf einem sehr, sehr guten Weg. Ja, es war schmerzhaft.
1:08:29 Feliks Eyser: Was waren deine größten Fehler?
01:08:33 Die drei größten Fehler bei wefox und eine ehrliche Ansage
1:08:33 Julian Teicke: Also, falsche Ziele gesetzt, habe ich gesagt. nicht auf mein Bauchgefühl gehört bei Mitarbeitern als auch bei Investoren Nicht offen genug in den ehrlichen Dialog zu gehen. Mit dir oder mit den Investoren und den Bordmitgliedern. Ich glaube Dass da irgendwie viel in mir getriggert wurde, was auch dann in diesem Prozess das Aufrechterhalten von einer richtigen Beziehung Sehr schwer gemacht hat. Ja, also ich glaube, der größte Fehler war, einfach in dieser Krise all in zu gehen, anstatt. Quasi komplett auf die Bremse zu treten und so viel Geld wie möglich auf der hohen Kante zu behalten. Und. Du hast gegambelt. Ja. Ja, ich glaube, ich bin im falschen Moment einfach all hingegangen.
1:09:42 Feliks Eyser: Hätte auch gut laufen können. Diese Krisen sind ja auch Zeitpunkte, wo du dann günstige Deals machen kannst, Unternehmen kaufen kannst, die alle die gleichen Probleme haben.
1:09:51 Julian Teicke: Ja, aber am Ende neun gute Jahre, 800 Millionen Umsatz. Wir hatten 1500 Mitarbeiter. Es war eine unglaubliche Experience. Viele, viele Erfahrungen gesammelt. Also ich bin da krass dankbar für.
1:10:08 Feliks Eyser: Was hat dir in der Zeit, in dieser schwierigen Zeit, was hat dir da persönlich noch Kraft gegeben? Oder was konntest du außerhalb vom Business machen, was geholfen hat? Dein Mental Health unterstützen, dein Kopf zu unterstützen?
1:10:22 Julian Teicke: Nein, ich war einfach, ich war die Firma so und da gab es nicht viel anderes. Und deshalb war es auch schwer für so schwer für mich. Und hat mich auch in eine komplette Identitätskrise reingeworfen.
1:10:36 Feliks Eyser: Es gibt ja auch immer diesen Spruch: es ist nicht persönlich, es ist ja nur Business. Aber Business ist halt persönlich. Es ist halt genau das: man ist die eigene Firma. Meine Laune hing immer in der Umsatzkurve.
1:10:47 Julian Teicke: Ja, und ich habe auch Schwierigkeiten damit. Also ich will eigentlich nur mit Leuten arbeiten, irgendwie deren Werte ich teile. Und mit denen ich eine gute Zeit habe. Und ich kann da irgendwie nicht so unterscheiden zwischen. Also, das fällt mir total schwer. Und Genau, das war dann für mich eine sehr schwere Zeit, ähm, mit sehr, sehr viel Zweifeln. Und ich habe da probiert, einfach jeden Tag irgendwie mich aufzuraffen und stark zu sein für meine Familie. Ich habe zwei kleine Töchter, präsent zu sein und In mich zu gehen und zu gucken, sozusagen, was löst denn eigentlich diesen Schmerz in mir aus? Also Dieser Schmerz, der ist ja nicht von außen irgendwie auf mich jetzt letztendlich Gesteuert, sondern der kommt ja von aus mir heraus. Das ist ja meine Erfahrung, die ich habe in dieser Situation. Und dann einfach auf eine Reise zu gehen, sozusagen mich persönlich sozusagen viel, viel besser kennenzulernen. Nicht unbedingt Weil ich jetzt nur wollte, sondern weil ich musste. Weil einfach der Schmerz so unerträglich war, dass ich einfach diese Arbeit machen Musste.
1:12:35 Feliks Eyser: Da hast du verschiedene Optionen. Kannst du probieren, den Schmerz zu ignorieren. Andere fangen an, irgendwie Alkohol zu trinken, sich irgendwie abzulenken, irgendwie sowas. Deine Antwort war: nee, ich gehe in diesen Schmerz rein. Und probier, den besser kennenzulernen.
1:12:49 Julian Teicke: Genau. Zu verstehen, ähm, sozusagen, wie hat mich die Beziehung zu meiner Mutter geprägt? Wie hat mich die Beziehung zu meinem Vater geprägt? Wie hat mich die Beziehung zwischen meinen Eltern geprägt? Wie stand das in Beziehung zu der Situation? Also letztendlich ist es ja so, wir kommen mit einem sehr sensiblen Nervensystem auf die Welt. Und je jünger wir sind, desto einfacher ist dieses Nervensystem überlastet. Und wenn das Nervensystem überlastet ist, dann entwickelt es eine Kompensationsstrategie zum Überleben. Und diese Kompensationsstrategie, die kann Dissoziation sein, die kann Rückzug sein, die kann Aggression sein. Und die ist super hilfreich in dem Moment. Und das Problem ist aber, dass Als Erwachsener, wenn dieser Bereich des Nervensystems berührt wird, dass diese Kompensationsstrategie Aktiviert wird und die emotionale Intelligenz sozusagen auf das Alter von dem Kind geht, in dem diese Kompensationsstrategie entwickelt wurde. Und das heißt, meine Biografie und was in meinem Leben passiert ist. Und was mich geprägt hat und was mich traumatisiert hat, das ist Ja, also diese Gefühle, die ich habe, die gehören ja nicht zu der Situation, die ich dort erlebt habe. Sondern die kommen von früher. Das ist eine Reaktion, eine Kompensationsstrategie, Reaktion auf frühkindliche Traumata. Und ich erlebe die einfach nochmal wieder. Und deshalb ist die Lösung auch nicht jetzt heute in der Situation zu finden, sondern die Lösung ist in der Integration und der Heilung. Von diesen Schatten traumata Wunden zu finden.
1:15:12 Feliks Eyser: Und mit der Arbeit hast du angefangen während wefox. Und es verstärkt wahrscheinlich in der Zeit Dieser persönlichen Krise?
1:15:22 Julian Teicke: Genau. Also ich habe einen Coach gehabt, mit dem ich schon bei wefox zusammengearbeitet habe. Thomas Hübl, und mit dem habe ich dann sehr intensiv weiter zusammengearbeitet und bin mittlerweile auch In einem zweijährigen, sehr, sehr intensiven Programm mit ihm, wo es genau darum geht, sich selbst besser kennenzulernen. Sozusagen auch generationale Themen besser zu verstehen, weil Trauma wird bis zu sieben Generationen weitergegeben. Okay. Das heißt, viele von den Konversationsstrategien, die wir im Leben sehen und spüren, die kommen gar nicht aus unserem Leben. Die kommen aus Traumate aus der Vergangenheit. Und aber auch das kollektive Thema, also was auf gesellschaftlicher Ebene sozusagen Uns zurückhält. Was sind kollektive Wunden? Das sind so die Themen, die wir dort tief anschauen. Und das ist ein Riesenabenteuer. Das ist auch echt harte Arbeit. Weil da auch kein Stein letztendlich umgedreht wird. Jedes Thema nach und nach angeschaut. Und ja, ich empfinde das als krasses Geschenk, irgendwie diese Arbeit machen zu können. Und gleichzeitig ist es schon echt heftige Arbeit. Echt hart.
1:17:12 Feliks Eyser: Wenn du auf die wefox-Zeit nochmal zurückschaust, um das abzuschließen, fühlt sich das für dich wie ein Erfolg an oder wie eine harte Lektion oder wie was ganz anderes?
1:17:25 Julian Teicke: Naja, also ich glaube immer mehr daran, dass das, was im Leben passiert, auch passieren soll. So. Und Und aus der Perspektive kann ich irgendwie mit einer großen Dankbarkeit auf diese Zeit schauen. Auch Vertrauen darin, dass diese Zeit mich vorbereitet Auf was kommt und mich stärker macht. Und vielleicht nicht nur mich, sondern auch Meine Familie und meine Töchter.
1:18:16 Feliks Eyser: Die das auch miterlebt haben.
1:18:18 Julian Teicke: Genau. Und deshalb bin ich da dankbar eigentlich für die Zeit.
1:18:26 Feliks Eyser: Ich glaube an Karma im Business und wenn man was Gutes tut, dann kommt es irgendwann zurück und deswegen probiere ich immer alles zu teilen, was ich habe: Kontakte, Erfahrungen, Content und Du kannst dein Karma heute erhöhen, auf ganz einfache Weise, indem du eine Bewertung abgibst bei Spotify oder bei Apple oder wo du den Podcast gerade hörst. Drück kurz Pause, nimm dir 5 Sekunden Zeit, lass ein Review da und investiere. Noch heute in dein Karma. Das Universum wird es dir danken. Und ich auch. Was sind die Lessons learned, sozusagen, wenn du unter die Bilanz zwei Striche machst und sagst, okay. Wenn ich jetzt diese zehn Jahre, neun gute Jahre, ein beschissenes Jahr in die Schublade packe und reflektiere, das sind die Sachen, die ich jetzt in die neue Ära mitnehme. Was steht auf dem Settel drauf?
1:19:13 Julian Teicke: Auf dem Zettel steht drauf, dass letztendlich das Wichtigste Ähm, bei einem Gründer ähm eben die Arbeit an sich selbst ist. Und das Anerkennen, dass man blinde Flecken hat. Und dass diese blinden Flecken die größte Gefahr für dein Unternehmen sind. Und dass deshalb deine Aufgabe ist, deine Sicht auf die Dinge ständig zu verbessern. Und deinen Blick klarer zu machen.
1:19:56 Feliks Eyser: Die Brille zu putzen.
1:19:58 Julian Teicke: Die Brille zu putzen.
1:19:59 Feliks Eyser: Durch die du die Welt siehst.
1:20:00 Julian Teicke: Genau. Und dass eben Performance aus der Wunde, und das ist ja so, wie die Venture Capital-Welt funktioniert. Das ist ja letztendlich eine Exploitation Von Trauma von Gründern, das sagen ja auch viele VCs.
1:20:25 Feliks Eyser: Wir haben gerade mit Christian Mermann gesprochen von Cherry, auch um die Frage, wie wählst du Founder aus, wie erkennst du, ob du mit investieren willst, und er hat auch klar formuliert, ja, Childhood Trauma ist Ein Datenpunkt, auf den wir schauen, klingt so ein bisschen nüchtern, aber führt ja im Grunde auch dazu, dass Menschen resilienter sind. Also wenn in der Vergangenheit Probleme hattest, ein Umfeld hattest, was vielleicht nicht so supportive war. Und es gibt zwei Möglichkeiten. So brichst ran oder du bist stärker Und VCs probieren die zu finden, die stärker geworden sind. Are real, wie das klingt.
1:21:00 Julian Teicke: Genau, und das Problem damit ist es. Die Energie kommt aus dieser Kompensationsstrategie. Die Kompensationsstrategie ist ja entwickelt, um zu überleben. Und deshalb ist da ganz viel Kraft. Und diese Kraft, ja Die kann genutzt werden, um andere Leute auszustechen, andere Unternehmen auszustechen. Das Problem damit ist aber, dass Gründer, und ich glaube, wir müssen auch klar sagen, dass Leute, die Technologieunternehmen führen, immer mächtiger werden. Viele sind heute schon mächtiger als Staaten. 100 Prozent. Also das ganze Thema von Tech-Oligarchen. Und dass mit diesem Ansatz einfach nur der Schmerz Des Gründers skaliert wird. Und mehr und mehr Menschen in Geiselhaft Von dem Gefängnis des Gründers, aus dem er heraus agiert, gefangen genommen werden. Und letztendlich der gesellschaftliche Wert, der generiert wird. Ja, meistens negativ ist. Und ich glaube eben, dass es eine andere Art von Unternehmertum geben kann. Und das ist eben nicht Performance aus Wunde, sondern es ist eben Performance aus Präsenz. Dass wenn man diese Wunden integriert und immer mehr Zugang bekommt zu diesem Fluss des Lebens und von diesem Fluss gezogen wird und in seiner Kraft sitzt, Dass man viel mehr Datenpunkte sieht und diese Datenpunkte einem dann helfen Bessere Entscheidungen für sein Unternehmen und die Menschen und den gesellschaftlichen Impact zu treffen. Es bedeutet nicht, dass man langsamer wird. Ich glaube, dass man durch die Arbeit sehr viel schneller wird, weil man sehr viel klarer sieht und sehr viel klarere, bessere Entscheidungen treffen kann. Und ich glaube, da bin ich jetzt einer von wenigen, der diese Meinung vertritt. Aber das ist genau die Hypothese, die ich gerne beweisen möchte. Weil ich eben glaube, dass Unternehmer eine riesige Verantwortung haben, vor allem jetzt in den nächsten 10, 20 Jahren. Und ich einfach glaube, dass Unternehmer nur so auch ihrer Verantwortung, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden können.
1:23:53 Feliks Eyser: Was waren die Wunden? Aus der du bisher seine Stärke geschöpft hast, also gerade in der wefox-Zeit?
1:24:02 Julian Teicke: Ja, das ist auf der einen Seite Verlassen zu werden von meiner Mutter, als ich recht jung war, und alleine bei meinem Vater aufzuwachsen Das ist auf der anderen Seite dann ein sehr schwieriges Umfeld, auch bei meinem Vater. Mit letztendlich Viel Druck und auch Gewalt. Und daraus entstehen letztendlich Der Wunsch ganz, ganz unabhängig zu werden. Das ist der Wunsch. Nach finanziell ganz unabhängig zu werden.
1:24:52 Feliks Eyser: Oder nach Kontrolle oder nach Macht.
1:24:54 Julian Teicke: Nicht mehr sozusagen in einer Position sein zu können. Keine Abhängigkeit. In der Menschen ihre Macht missbrauchen können, um mich zu schädigen. Und das ist genau passiert mit der wefox-Sache Es ist einfach quasi eins zu eins eine Retraumatisierung.
1:25:18 Feliks Eyser: Jemand anders hat Macht über dich.
1:25:21 Julian Teicke: Genau. Und das hat genau all diese ganz existenziellen jungen Ängste, Zweifel, Sorgen in mir aktiviert. Und klar, diese Wunden, die kreieren viel Kraft. Aber die sorgen auch für viel Schmerz so. Die können unheimlich viel Kraft produzieren. Und schau dir die Leute an. Die haben viel Schmerz. Das sind keine glücklichen Menschen. Was machst du für dich, um das zu integrieren? Naja, also ich meditiere. Ich habe Therapie, wo ich halt an allererster Linie nicht so sehr über den Kopf gehe, sondern vielmehr einfach im Gefühl bleibe. ähm und versuche an diese Punkte ranzukommen, ähm, die eben schmerzhaft sind. Und das ist, glaube ich, ganz wichtig, diese Erkenntnis, dass man diese Arbeit nicht alleine machen kann. Also man braucht für diese Arbeit ein anderes Nervensystem. Mhm. Ähm was ähm koreguliert. Das heißt, du kannst selber nicht einfach an Themen, an so existenzielle Themen für dich selbst rankommen.
1:26:51 Feliks Eyser: Weil du sofort überhitzt, emotional, weil dein Nervensystem in Overdrive ist.
1:26:56 Julian Teicke: Also diese Traumata sind entstanden in Beziehungen. Und die können auch nur integriert werden in Beziehung. Die können integriert und geheilt werden in Beziehungen. Das heißt, was man braucht, ist ein anderes Nervensystem, was präsent ist. was sozusagen fühlt, wo du bist, mit dir zusammen im Fahrstuhl an diesen Ort fährt, Und dann einfach bezeugt, dass du an diesem Punkt stehst gerade und nicht alleine bist. Nicht so wie damals.
1:27:34 Feliks Eyser: Nicht wie der vierjährige Julian, der irgendwas widerfahren ist, wo er sich damals nicht wehren konnte.
1:27:40 Julian Teicke: Genau. Und dass du diese Präsenz von mir wahrst. Und So für eine Teilung statt. Nur so. Und das finde ich halt auch einfach toll, weil ich glaube, das ganze Wissen. Und die ganze Weisheit, wie Menschen heilen, ist da. Die Frage ist einfach. Wie kann man dieses Wissen und diese Weisheit mehr und mehr Menschen wirklich verfügbar machen? Weil der Schmerz. Der ausgelöst wird von Kriegen, von Politik, von Folgen des Klimawandels. Der entsteht ja nicht dadurch, dass reife Erwachsene sich miteinander an den Tisch setzen und miteinander Lösungen entwickeln Sondern der entsteht ja dadurch, dass kleine Kinder, kleine verletzte Kinder Und sich wie im Sandkasten die Schaufel über den Scheitel hauen. Die getriggert sind und deren Eku auf das Alter Indem sie verletzt wurden und dann reagieren wie ein 2-, 3-, 4-jähriges Kind. Auf der Weltbühne. In der Verhandlung um das Leben von Hunderttausenden von Menschen. Millionen von Menschen. Vielleicht Milliarden von Menschen. Einzelne Leute, die in ihrer Kindheit verletzt wurden. So. Und Ich glaube, dass das alles gar keine Herausforderungen sind für uns. Also Implikationen auf den Arbeitsmarkt durch KI, Folgen von Klimawandel oder Klimawandel an sich, Kriege. Das sind alles Themen, die wir, wenn wir Zugang haben zu dieser Weisheit und dem Wissen, vielleicht durch skalierbare Technologie. Die wir alle lösen können. Ja, und das ist das, was mich krass motiviert. Ja. Und mich auch richtig glücklich macht, wenn ich meine Kinder anschaue und mir auch total Hoffnung gibt.
1:30:07 Feliks Eyser: Und eine Manifestation dessen ist das Vehikel, mit dem du arbeitest, The Delta. Was du schon vor wefox gestartet hast, muss man sagen. Also es ist keine neue Erfindung, sondern es ist jetzt auch zehn Jahre plus in the making sozusagen. Was bedeutet Delta? Genau, du hast mir damals die Grafik hier gezeigt, Alphabeta, Gamma, Delta. Können wir einblenden auf YouTube?
1:30:32 Julian Teicke: Wieso Delta? Genau, also Alpha ist so diese Komfortzone. Kennen wir, fühlen wir uns wohl. Dann hast du Beta, das ist irgendwie so die kognitive Dissonanz, die so anklopft und sagt. Vielleicht ist jetzt irgendwie die Welt nicht so, wie du sie dir vorgestellt hast. So ein blinder Fleck, der irgendwie anklopft und sagt: Da erforscht mich mal so. Und die meisten Menschen leben halt ihr Leben so, dass sie sagen: Hey, Schrecken davor zurück. Ich möchte in meiner Komfortzone bleiben. Viele Leute verbringen ihr ganzes Leben damit alles. Was in irgendeiner Art und Weise eine kognitive Dissonanz auslöst, wegzudrücken und eigentlich ihr ganzes Leben nur im Eifer zu bleiben. Ähm. Und wenn man da sich drauf einlässt, auf diese kognitive Dissonanz, auf diese leichten Irritationen, dann kommt man zu Gamma. Und das ist irgendwie der Punkt der Verwirrung, wo vieles infrage gestellt wird. wo vielleicht Freundschaften in Frage gestellt wird, wo vielleicht Lebensentscheidungen in Frage gestellt werden, wo Identitätsfragen hochkommen. Also eine sehr unstabile, unklare, unsichere Zeit. Chaos. Chaos. Und dann geht es zum Delta, und das ist der Name von unserer Firma. Und das ist sozusagen dann The New Awakening, also Dankbarkeit für diesen Prozess zu haben, der sehr schwierig war, der viel offenbart hat. der letztendlich aber zu einer Integration geführt hat und dann zu sagen, ich möchte nie wieder bei Alpha sein. Und Das Problem ist, Delta wird einfach wieder zum neuen Alpha. Und dann geht es weiter so. Aber das ist genau unsere Philosophie. Wir glauben eben, dass Die wichtigste Aufgabe von Unternehmern, das Investment in das innere Wachstum ist. Und wir glauben eben, dass es dafür ein Umfeld braucht. was dieses Wachstum ermöglicht und unterstützt. Und das bauen wir. Was ist eine Ausprägung dessen? Wir haben im Zentrum ein Venture Studio, wo wir Unternehmen gründen. Und alles, was wir da rumgebaut haben, soll die Unternehmer auf ihrer Reise als Unternehmer Unterstützen. Also wir haben einen Campus, und dieser Campus soll eben dazu führen, dass Zugang zu Talent, zu Kapital, zu Mentoren Ähm, erleichtert wird.
1:33:17 Feliks Eyser: Das ist ein physischer Ort in Neukölln, in Berlin, aktuell, vielleicht zukünftig mehrere Locations.
1:33:23 Julian Teicke: Genau. Und dann haben wir einen Services-Bereich, der dafür da ist, dass die Firmen sehr, sehr schnell Zugang bekommen zu Tech und Product-Ressourcen. Dann haben wir einen sehr krassen Fokus auf eben Personal Growth und haben dort Programme mit Coaches entwickelt. Die genau dieses Umfeld schaffen. Und eine Ausprägung davon ist, dass wir sicherstellen, dass die Unternehmer, die wir unterstützen wollen, Dass die halt offen sind für diese Arbeit. Also dass die offen sind, auf Beta zuzugehen, durch Komma und nicht zurückschrecken, sobald sie Beta sehen.
1:34:13 Feliks Eyser: Wie findest du das raus? Das haben die Leute in der Regel nicht in ihrem Pitchstack drin stehen. Ob sie da offen sind? Wie entwickelst du dafür ein Gefühl, wenn du mit Faunen dann sprichst
1:34:22 Julian Teicke: Also, wir haben so ein paar Tools, also zum Beispiel Tests, die wir machen. Aber am Ende ist es einfach das Bauchgefühl. Und wichtiger als das Geschäftsmodell, was wir backen, die Idee, die wir unterstützen, ist eben das Potenzial des Gründers zu wachsen. Weil wir sagen, der Gründer ist das Limit des Potenzials der Organisation. Ein Gründer hält seine Organisation in einem Käfig. Und dieser Käfig kann nur größer werden und verschwinden, wenn der Gründer in diese Arbeit investiert.
1:35:04 Feliks Eyser: Weil alle Limitationen von einer Firma auf direktem oder indirektem Weg auf den Gründern, auf die Gründerin zurückzuführen sind. Genau.
1:35:11 Julian Teicke: Was für Founder sind völlig falsch bei euch? Ich glaube, jeder ist halt auf seiner Reise irgendwie. Und ähm. Ich glaube, keiner ist falsch. Also am Delta Campus ist auch jeder willkommen. Ich glaube, was wir einfach generell anbieten wollen, ist, dass wir Sachen auch am Campus anbieten die Leute sehen, die bereit dafür sind.
1:35:41 Feliks Eyser: Also so ein bisschen wie dieses: Wenn der Schüler bereit ist, dann wird der Lehrer schon auftauchen.
1:35:46 Julian Teicke: Genau. Und wir haben da viele Angebote. Mhm. Ja. Und die werden dann halt nur genutzt von Leuten, die auf ihrer Reise an den Punkt ankommen, an dem sie bereit sind, das zu sehen. Mhm. Und deshalb ist jeder willkommen. Und die Leute, mit denen ich dann sehr intensiv in diesem Studio-Setup arbeite. Bei denen ist mir dann einfach so ein sehr, sehr hohes Alignment auf diesem Thema wichtig.
1:36:18 Feliks Eyser: Muss dieses persönliche Wachstum immer aus einem Schmerz geboren sein? Wie im deutschen Gesundheitssystem, ich gehe zum Arzt, wenn ich krank bin? Oder kann man das präventiv regeln? Ist deine Aufgabe auch, Founder dabei zu unterstützen, nicht erst in dieses krasse Tal zu fallen? Oder braucht es dieses Tal?
1:36:36 Julian Teicke: Nee, also du hast ja immer die Möglichkeit, letztendlich, also du hast immer Sachen im Leben, die Schmerz auslösen. Also jeder. Und das ist dieses Beta. Das Beta ist so das Signal dafür. Und der Punkt ist einfach: gehst du darauf zu oder entfernst du dich davon? Und wir haben einfach einen Bias für Leute, die entscheiden, auf diesen Schmerz zuzugehen und das als Chance zu sehen. Bessere Unternehmen aufzubauen. Und ich glaube, der Unterschied ist, suchst du aktiv danach oder probierst du dich aktiv davor zu schützen und wegzurennen? So. Aber nein, es muss nicht immer eine existenzielle Situation passieren, um letztendlich ins persönliche Wachstum zu gehen. Es braucht aber die Offenheit. Auf den Schmerz zu suchen und auf ihn zuzugehen und ihn zu untersuchen. Also, Beispiel, ich hatte immer Angst, ähm So, Public Speaking zu machen. Also in der Schule bin ich immer rot geworden, habe angefangen zu schwitzen, meine Lippen haben aufeinander geklebt. Auch bei meiner ersten Company konnte ich das nicht. Da habe ich irgendwann einen Anruf bekommen, irgendwie von Salesforce willst du auf der Dreamforce in San Francisco vor Tausenden von Leuten sprechen. Und dann habe ich gesagt ja und wusste gleichzeitig, es wird der schlimmste Tag meines gesamten Lebens. Und das war auch schlimm, weil ich mich da total zum Affen gemacht habe. Und gleichzeitig hat es mein Wachstum enorm gefördert. Und ich glaube, viele Leute sagen in dem Moment einfach: Nein, ich möchte das nicht.
1:38:25 Feliks Eyser: Bleibe in meiner Komfortzone. Was bedeutet radikale Resilienz für dich? Das erwähnst du häufiger?
1:38:32 Julian Teicke: Naja, es bedeutet einfach nur, dass du eben bereit bist, durch diesen Prozess zu gehen. No matter what. Und dass du auch einen Wert daran siehst, da durchzugehen. Und dass du Dann dich da nicht als Opfer drin siehst, irgendwie. Sondern die positive Seite rausziehst. Sondern Agency auch in den Prozess spürst. Also auch wenn es hart ist. Du bist so der Kapitän, ne? Und it's all part of the journey, right? So enjoy the journey. Ich glaube sogar, Eifer Better, ich glaube, Gamma kann auch sehr enjoyable sein. Wie hast du das hingekriegt?
1:39:15 Feliks Eyser: Das finde ich einen interessanten Aspekt an deiner Persönlichkeit. Wir sprechen ja mit einigen Leuten aus dem Umfeld von Gästen, was Leute über dich sagen. Ist zum einen Kopf durch die Wand, Julian akzeptiert keinen Nein. Wenn der sich was im Kopf setzt, dann passiert es auch, dann ziehst du das durch. Und es gibt auch einen anderen Aspekt, und den fand ich interessant, ich habe mit deiner Frau gesprochen, gefragt: Wie hast du denn Julian denn eigentlich wahrgenommen in der Zeit? Wie hat der diesen ganzen Shit denn eigentlich ausgehalten? Dann hat sie gesagt. Aushalten ist, glaube ich, gar nicht das richtige Wort. Der hat es irgendwie hingekriegt, das geil zu finden, diese ganzen Probleme und daran zu wachsen. Und wie kriegst du das hin? Aus den ganzen Shit, dir den Weg geschmissen wird, kleine Diamanten rauszusuchen, kleine Nuggets rauszusuchen und alles gut zu finden.
1:40:02 Julian Teicke: Ja, ich glaube, am Ende des Tages ist es schon irgendwie so eine Überzeugung, dass ich irgendwie eine Aufgabe habe im Leben. Und dass diese Aufgabe vor allem darin liegt, ähm, die Ketten. Sozusagen meiner Familie und der Dynamik in der Familie zu brechen. Und damit auch eine neue Zukunft für meine Kinder und deren Nachfahren zu ermöglichen. Also ich spüre schon, dass Dass alles das, was passiert, einen Sinn hat. Und das ist auch das, was mich so motiviert, da immer weiterzumachen. Also, das ist in allererster Linie die Zukunft meiner Kinder. Und dann finde ich daran auch irgendwie was richtig enjoyable. Und was auch Spaß machen kann, ja. Und es ist ja auch irgendwie eine total spaßige Reise, weil es ist ja so ein bisschen wie so ein Wissenschaftler, der einfach das Innenleben erforscht und dann auf Sachen stößt und neugierig ist und Also die Arbeit ist eigentlich ziemlich cool.
1:41:29 Feliks Eyser: Und ich glaube, so kann man es auch sehen. Also, ich meine, gerade auch unternehmerisch, so wenn Rückschläge kommen, so ist das die Möglichkeit wert zu kreieren. Das ist glaube ich auch so eine Jeff Bezos-Analogie, der sagt: Klar, gib mir alle Probleme der Welt, wenn ich die Löst, dann stifte ich Wert. Also dann schaffe ich was. Ist doch super. Ohne Probleme würde ich keinen Wert stiften.
1:41:43 Julian Teicke: Genau, also das ist, glaube ich, auch irgendwie so die Message. Wenn irgendwas passiert, was dich komplett aus der Bahn wirft, dann sei fucking dankbar dafür. Ja, weil das ist ein Signal, auf das du doppelt klicken kannst. Und was sich besser und stärker macht. Ja. Als Unternehmer, als Ehemann, als Vater, als Freund, ja. Und deshalb ist die Unternehmerreise ja so eine geile Reise. Weil du so viele Situationen bekommst, in denen du getriggert wirst, weil du unter so einem Druck bist. Also, du kannst eigentlich dem gar nicht entkommen als Unternehmer. Und deshalb macht Unternehmer sein, dich zum besseren Vater, Ehemann, Freund und so weiter. Also, und das ist schön.
1:42:34 Feliks Eyser: Möchtest du eine Legacy hinterlassen? War eine Community-Frage von Juan.
1:42:40 Julian Teicke: Ähm, Legacy. Ich weiß es noch nicht. Also, ich weiß noch nicht, was jetzt wirklich ganz klar Sozusagen mein Purpose ist. Ich kriege immer mehr Signale. Und das hat sicherlich auch viel zu tun mit dem, was ich jetzt irgendwie bei Delta mache. So ein neues Unternehmerbild mitzukreieren, auch gesellschaftlich aktiv zu sein und zu unterstützen. Und beizutragen, dass ähm meine Töchter ein schönes Leben haben, so. Aber ganz konkret weiß ich das noch nicht.
1:43:25 Feliks Eyser: Wie sollen sich deine Töchtern dich als Vorbild erinnern?
1:43:31 Julian Teicke: Also ich glaube. Das war ein richtig lustiger Papi, so. Also man konnte richtig viel Quatsch mit dem machen. Ähm, und Gleichzeitig hat er uns irgendwie auch beigebracht, ähm, auf uns und unseren Körper zu hören und einfach präsent zu sein und das Leben zu genießen.
1:44:03 Feliks Eyser: Wenn du es deiner Inner Journey und all dem, was du gelernt hast, ein Geschäftsmodell machen würdest, wie würde das aussehen? War auch eine Frage aus der Community. Ich habe den Namen gerade leider nicht erheben.
1:44:11 Julian Teicke: Du, also da arbeite ich auch an Themen gerade. Also ich glaube, viele von den Sachen, die mich da so begeistern, ist einmal diese Arbeit mit den Gründern, und da steht vor allem der Gründer, die Gründerin irgendwie im Zentrum. Da geht es für mich gar nicht so sehr um das Geschäftsmodell und was die da so machen. Das soll Returns abwerfen, es soll groß sein, aber vor allem Impact, positiven Impact generieren durch eben das Wachstum. Aber eins der Themen, die mich wirklich begeistern, ist, wie können wir Technologie entwickeln, die die Koregulierung des Nervensystems skaliert. Weil, was ich vorher gesagt habe, das Wissen und die Weisheit ist da. Was es für die Heilung braucht, ist ein anderes, integriertes Nervensystem. Welche Rolle kann Technologie dabei spielen? Weil Nervensysteme, die in dem Bereich geschult sind, sind eine Scarce Resource. Ja. Also, wie kann Technologie dabei unterstützen, Milliarden von Menschen Zugang zu dieser Heilungserfahrung zu machen?
1:45:30 Feliks Eyser: Glaubst du, das geht remote? Das war so eine Frage, die ich mir gestellt habe in Covid. Ich habe auch viel solche Arbeit gemacht mit Coaches, Psychologen, Therapeuten gearbeitet. Und ich fand es erstaunlich positiv, dass es in einem Zoom-Call auch gut funktioniert hat, was ich nicht gedacht hätte. Hattest du auch die Erfahrung gemacht?
1:45:45 Julian Teicke: Total. Also es hat damit nichts zu tun. Also die diese Arbeit kann remote gemacht werden. Mhm. Ja. Trotzdem hast du dieses limitierte. eine limitierte Anzahl von geschulten Leuten. Das wird es immer geben. Du hast Milliarden von Menschen Die durch Schwierigkeiten gehen werden, ob jetzt über Jobverlust durch AI, Folgen von Klimawandel, Krisen, Kriege. Ja, also es gibt ja so viele Krisen, Dass eins davon in den nächsten zehn Jahren hunderte Millionen, wenn nicht Milliarden, existenziell bedroht. Also es wird ja passieren. Und zu dem Zeitpunkt dann Eine Technologie zu haben, die diese Menschen auffangen kann. Ja, das ist schon was, was mich echt. Über das du nachdenkst. Ja. Ja. Also mehr als nur nachdenken, ich arbeite an dem Thema.
1:46:39 Feliks Eyser: Erzähl mir noch ein bisschen von dem Space. Ich habe hier auch noch mal ein Bild mitgebracht von einem der Hackathons. Das hattest du gepostet, sieht aus wie das Berghein, stehen 500 Leute vor der Tür. Wollen zum AI-Hackathon, glaube ich. Erzähl mal, was passiert im Delta Space in Neukölln?
1:46:53 Julian Teicke: Na, ich glaube, das Spannendste ist einfach zu sehen, was AI jetzt Letztendlich jungen Menschen schon ermöglicht. Also junge Menschen können aus ihrem Kinderzimmer quasi jetzt schon Technologien bauen, die global Nutzen stiften. Und das ist toll. Und dieser Ort, den wir da gebaut haben, der ist für junge Leute, die sich für Technologie und Unternehmertum interessieren und die Bock haben, was zu reißen. Und eben potenziell irgendwann auch mal offen sind für andere, tiefere Themen. Aber in allererster Linie erstmal für letztendlich Leute, die echt Bock haben, was zu reißen. Da sind viele Hackathons. Das heißt, es ist jetzt gerade so eine Re-emergence von Hackathons. Du kannst jetzt innerhalb von zwei, drei Tagen auch wirkliche Lösungen bauen, die echt Wertstiften durch AI. Das heißt, da entstehen tolle Sachen.
1:47:54 Feliks Eyser: Das heißt, du siehst quasi wieder eine Mehrzahl an diesen Events, an Hackathons durch, Vibecoding und so weiter, weil du einfach schneller in der Lage bist, ein MVP-in Produkt zu bauen. Ja, was echtes zu bauen, was auch echt
1:48:05 Julian Teicke: Hilft und nutzt. Und das sehen wir. Das ist mega. Und dann versuchen wir an diesem Ort junge, super talentierte Leute zusammenzubringen mit total erfahrenen Mentoren. Und ich glaube, diese Mischung gerade ist echt ein Schlüssel. Und das sieht man auch im Silicon Valley irgendwie. Da sind erfahrene Serial Entrepreneurs sind echt zugänglich und offen. Und ich versuche mich auch jeden Tag in diesem Space zu setzen und offen zu sein für sämtliche Leute, sämtliche Anfragen. Und ich glaube, dieses Weitergeben ist auch ein ganz existenzieller Teil von diesem Space, dass erfahrene Leute da sind und weitergeben wollen. Dass wir damit so ein Momentum schaffen, um auch Berlin und Europa wieder in seine Kraft zu bringen. Ja, und dafür haben wir diesen Ort kreiert.
1:48:58 Feliks Eyser: Und du ziehst auch immer wieder gute Leute an. Ihr habt diese Event-Reihe, du hast Zalando Founder da, äh, Delivery. Hero Founder war da, also jeden Monat holst du da krasse Leute ran zu Events, die public sind, wo man sich, glaube ich, bewerben kann oder einfach hingehen kann. Und die Leute haben eine Offenheit, oder? Berlin zu supporten.
1:49:15 Julian Teicke: Voll. Also ich sehe immer mehr Offenheit von erfahrenen, tollen Unternehmern, die zurückgeben wollen, und ich sehe immer mehr tolle. Junge Gründer, die echt was reißen wollen und super smart und toll unterwegs sind. Und das zusammenzubringen ist so die Mission.
1:49:33 Feliks Eyser: Okay. Kann man sich mal im Kalender merken und mal zum Event vorbeigehen. Du bist ein ganz guter Ratzenbürgermeister in Berlin. Hier sehe ich, dass du ihm so einen Hoodie überreicht hast. Du glaubst voller in Berlin? Ich bin Berliner.
1:49:47 Julian Teicke: Mein Großvater hat nach dem Krieg als Busfahrer bei der BVG angefangen. Und war dann Chef von der BVG tatsächlich. Meine Familie hat eine große, lange Historie irgendwie in Berlin. Und ist meine Heimat. Und ich habe wahrgenommen in den letzten Jahren, dass Berlin in so eine Identitätskrise gerutscht ist. Dass irgendwie Berlin nicht so richtig mitgespielt hat in diesem AI-Boom, weil glaube ich auch, dass die Fragen rund um Sozusagen, wie sieht die Infrastruktur aus, wie sehen die Modelle aus? Was ist hier eigentlich die Innovation, dass irgendwie nicht so Berlins Grundstärken sind? Aber jetzt, wo wir sehen, dass die Innovation im Application Layer liegt und es jetzt um den Rollout von AI in die echten Businesses und die in die echte Wirtschaft Geht.
1:50:50 Feliks Eyser: Und dadurch auch wieder um Sales geht und Kunden verstehen geht, was ja Funktionen sind, die.
1:50:54 Julian Teicke: Da gibt es ein Revival von Berlin, das spüren wir jetzt wieder. Und was ich glaube, was auch wichtig ist, sind halt so Narrative. Und dieses Narrativ von dem sinkenden Stern von Berlin ist schädlich für Deutschland für Europa. Es führt dazu, dass ein sehr substanzielles, starkes Ökosystem geschwächt wird. Und junge, talentierte Gründer oder Engineers, wenn sie dann entscheiden, irgendwie nach Deutschland oder Europa zu kommen, dann nicht wie vor zehn Jahren sagen, klar, Berlin. Sondern jetzt vielleicht irgendwie sich da verteilen. Und ich glaube, es braucht eben für die technische Souveränität von Europa, braucht es ein Hub. Und weil wir nicht die Zeit, jetzt über dezentrale Hubs resilient zu werden. Was es jetzt braucht, ist ein Clustering von Talent. Ist ein Clustering von Kapital, was wir im Silicon Valley sehen. Ja. Und ich glaube, dafür eignet sich Berlin tatsächlich, um dann letztendlich so die Zukunft von Europa mitzugestalten. Und dafür müssen wir dieses Narrativ drehen, damit die talentiertesten Gründer und talentiertesten Engineers Berlin auswählen, wieder
1:52:13 Feliks Eyser: Überhaupt in Europa bleiben, nicht nach San Francisco abwandern, aber auch innerhalb von Europa vielleicht nicht alle nach Stockholm oder London gehen und innerhalb von Deutschland sich auch nicht verteilen an fünf verschiedene Orte. Okay.
1:52:25 Julian Teicke: Genau.
1:52:25 Feliks Eyser: Verstanden. Was würdest du starten als junger Gründer? Was sind Themen, die du im Bench-Studio gerade interessant findest? Was sind Problemstellungen, die du cool findest, wo würdest du näher reinschauen?
1:52:34 Julian Teicke: Naja, du hast jetzt gerade die Möglichkeit, also quasi wie als das Internet irgendwie entstanden ist, erstmal zu sagen, okay, was passiert? Da gerade in der echten Welt und wie kann man das online schalten? Also, wie kann man jetzt irgendwie hier Tierfutter online verkaufen und wie kann man jetzt irgendwie Keine Ahnung, Mobilität, irgendwie Neudenken. Das war ja eine grüne Wiese und diese gleiche grüne Wiese haben wir jetzt auch wieder. Also, du kannst dir eigentlich jede Industrie gerade anschauen und schauen, wie kann ich eine Vertical AI Solution bauen, die letztendlich die Effizienz Und die Kundenzufriedenheit und die Produktivität in diesem Vertical, in dieser Industrie massiv steigert. So. Und Da sollte man sich anschauen, was die Themen sind, die ihn auch wirklich selber irgendwie auch interessieren und begeistern. Zu welchen Themen hat man irgendwie einen Bezug? Aber im Endeffekt hast du eine grüne Wiese. Wo du derzeit eigentlich fast freie Hand hast, weil alle Industrien werden durch AI komplett neu gedacht. Und AI-Native Businesses haben einen riesigen Vorteil vor. Natürlich Konzernen, aber auch Startups, die in einer Non-AI-Era gegründet werden. wurden und da kannst du heute mit sehr wenig Kapital recht schnell große Player schon überholen Also die spannendste Zeit, wirklich die spannendste Zeit.
1:54:01 Feliks Eyser: Also junge Gründer, junge Gründerin meldet euch. Wer auf der einen Seite eine Offenheit hat, persönlich zu wachsen, so ich glaube, das ist großes Thema und auf der anderen Seite sich mit diesen AI-Themen, Application Layer und und Vertical-Themen beschäftigen will, dann ist der Delta Campus auf jeden Fall ein guter Ort und Julian ein guter Ansprechpartner. Vielen Dank, dass du dir die ganze Zeit genommen hast, Julian.


