TikTok Shop, China Speed und Learnings: der E-Commerce der Zukunft

mit Damian Maib, Gründer und CEO von Genuine

27. Juni 2025 · 74 Min

Zusammenfassung

Damian Maib baut von Shanghai aus mit über 100 Leuten E-Commerce für europäische Marken in China. Er erklärt, warum Taobao und Tmall von 70 auf 38 Prozent Marktanteil gefallen sind, wie Klosterfrau auf TikTok von 7 auf über 50 Millionen Euro gewachsen ist und was TikTok Shop für Deutschland bedeutet.

Damian Maib im Gespräch (Remote-Aufnahme)
Damian Maib im Gespräch (Remote-Aufnahme)

In dieser Folge spricht Moritz Blees mit Damian Maib, Gründer und CEO von Genuine. Die beiden hat ein gemeinsamer Bekannter vorgestellt, der Damian bei einer Reise in dessen Büro in Shanghai besucht hat. Damians Weg nach China beginnt in Köln: Mit 13 entdeckt er eine Lagerhalle voller Importeure, viele davon aus China, und verkauft Mini-Helikopter und Panini-Sticker an Mitschüler und bei eBay weiter. Nach einer China-Reise mit seinem Vater lernt er an der Uni Chinesisch, landet 2014 für ein Praktikum bei einer deutschen Handelsfirma in China und soll dort testen, wie Verkaufen auf Taobao funktioniert. Davon hat er nicht mehr aufgehört.

2017 gründet er Genuine. Heute betreut die Firma mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern aus Shanghai Marken wie Procter & Gamble, entweder als Agentur, bei der der Shop der Marke gehört, oder als Distributor mit eigenem Warenrisiko und höherer Marge. Damian erklärt, warum China ein reiner Plattformmarkt ist: Eigene Websites spielen beim Kauf praktisch keine Rolle, Suche, Social und Performance-Marketing passieren in der App. Taobao ist eher das eBay, Tmall die offizielle Mall mit Flagship-Stores der Marken, JD stärker bei Elektronik. Alibaba hatte lange 70 Prozent des E-Commerce, Tmall und Taobao liegen heute bei 38 Prozent, weil Social-Commerce-Plattformen wie Douyin (TikTok) und Pinduoduo Anteile geholt haben.

„Bei TikTok aber kannst du im zweiten Monat direkt 3 Millionen Euro umsetzen, wenn du willst. Es ist möglich. Auch mit einer Marke, die noch keiner kennt in China.“
Damian Maib
Moritz Blees im Gespräch mit Damian Maib (Remote-Aufnahme)
Moritz Blees im Gespräch mit Damian Maib (Remote-Aufnahme)

Im Kern geht es um Social Commerce. Influencer, in China KOLs, arbeiten dort viel öfter auf Umsatzbeteiligung statt gegen eine feste Gage, weil Kauf und Auszahlung direkt im Backend der Plattform nachvollziehbar sind. Während du dich auf Tmall wie bei Amazon langsam im Ranking hocharbeitest, kann eine Marke auf TikTok über Livestreams von Influencern schon im zweiten Monat 3 Millionen Euro umsetzen. Das Paradebeispiel ist Klosterfrau, die in einem Jahr auf TikTok von 7 auf über 50 Millionen Euro Umsatz gewachsen ist, über einen Creator mit 400 Accounts.

Zum Schluss geht es um Deutschland. Genuine hat in den ersten sechs Wochen ein Dutzend TikTok-Shops eröffnet und auf den OMR zwei Tage lang mit Marken live gestreamt. Damians Fazit: Erfolg hängt daran, ob jemand authentisch vor die Kamera geht und ein klares Angebot wiederholt, TikTok Shop Live sei wie „QVC auf Steroiden“. Shein und Temu sieht er eher im Billigsegment und erwartet Zölle für Cross-Border-Pakete. Als Business-Idee schlägt er vor, ein chinesisches Elektroauto als White-Label vom Hersteller zu beziehen und daraus eine eigene Marke für Europa zu bauen.

Zahlen aus der Folge

etwas mehr als 100
Mitarbeiter von Genuine in Shanghai
zweistelliger Millionenbetrag
Jahresumsatz von Genuine in China
70 % → 38 %
Marktanteil von Tmall und Taobao im chinesischen E-Commerce, heute gegenüber früher
über 1 Mrd. US-Dollar
Umsatz des größten chinesischen Livestreamers an einem Tag
4 weitere Zahlen
7 → über 50 Mio. €
TikTok-Umsatz von Klosterfrau in China innerhalb eines Jahres
3 Mio. €
möglicher Umsatz auf TikTok in China schon im zweiten Monat
knapp 15 %
Marktanteil von Douyin (TikTok Shop) am chinesischen E-Commerce nach fünf Jahren
über 50 %
Anteil von TikTok Shop am Online-Markt für dekorative Kosmetik in China

Worüber am meisten gesprochen wurde

Anteil an der Gesprächszeit, berechnet aus den Kapitel-Längen (ohne Intro).
TikTok Shop
24 % · 18 Min
Social Commerce & KOLs
23 % · 17 Min
Shein, Temu & Business-Ideen
15 % · 11 Min
E-Commerce in China
14 % · 10 Min
Genuine & Markteintritt
13 % · 9 Min
Werdegang
11 % · 8 Min
Gesprächsverlauf

Kapitel

  1. 00:00Damian Maib: Von Köln nach China, der Weg zum E-Commerce-ExpertenWerdegang
  2. 01:50Genuine Asia: Full-Service-Agentur für den chinesischen MarktGenuine & Markteintritt
  3. 05:08Kindheit & Jugend: Wie Damian früh den Unternehmergeist entdeckteWerdegang
  4. 08:05Erste China-Reise: Wie Damian den Markt für sich entdeckteWerdegang
  5. 11:31Chinesische E-Commerce-Plattformen: Taobao, Tmall & JD im VergleichE-Commerce in China
  6. 16:08Social Commerce: TikTok Shop und die Macht der InfluencerSocial Commerce & KOLs
  7. 17:30KOLs vs. Influencer: Unterschiede zwischen China und DeutschlandSocial Commerce & KOLs
  8. 23:40China Speed: Warum Innovationen in China so schnell umgesetzt werdenE-Commerce in China
  9. 29:06Markenaufbau in China: Wie Genuine Asia europäische Marken skaliertGenuine & Markteintritt
  10. 35:12TikTok Shop Strategien: Erfolgsfaktoren für MarkenTikTok Shop
  11. 39:00Erfolgsbeispiele: Wie Klosterfrau in China durchstarteteSocial Commerce & KOLs
  12. 48:33TikTok Shop in Deutschland: Erste Erfahrungen und LearningsTikTok Shop
  13. 59:31TikTok Shop vs. Amazon: Wer wird den Markt dominieren?TikTok Shop
  14. 01:02:30Shein & Temu: Disruption durch Cross-Border-E-CommerceShein, Temu & Business-Ideen
  15. 01:06:05Business-Ideen aus China: Was in Deutschland funktionieren könnteShein, Temu & Business-Ideen

Key Learnings

  1. 1

    In China kaufst du auf Plattformen, nicht auf Websites

    Laut Damian liegt der Anteil von Käufen über eigene Marken-Websites in China im Bereich von 0,0 Prozent. Shop, Markenauftritt, Keyword-Bidding und Performance-Marketing baust du direkt in Apps wie Taobao, Tmall, JD oder Douyin auf, und zwar auf jeder Plattform neu. Eine Shopify-Logik wie in Europa gibt es dort praktisch nicht.

    11:31 · Chinesische E-Commerce-Plattformen: Taobao, Tmall & JD im Vergleich
  2. 2

    Prüf die Nachfrage, bevor du in den Markt gehst

    In China gibt es eine hohe Datentransparenz: Genuine sieht in Tools, wie viel Marken und Kategorien zu welchen Preispunkten umsetzen. Ein gutes Signal sind sogenannte Daigou, also Leute, die eine Marke schon auf eigene Faust aus dem Ausland nach China bringen. Je mehr davon, desto eher gibt es natürliche Nachfrage. Danach entscheidet Genuine, ob ein bestehender Shop übernommen oder neu gestartet wird.

    29:06 · Markenaufbau in China: Wie Genuine Asia europäische Marken skaliert
  3. 3

    Plan für China einen langen Atem ein

    Niemand in China hat auf eine deutsche Marke gewartet, nur weil sie „Made in Germany“ ist. Der Markt ist hart umkämpft, besonders in der Kosmetik, und die Marketing-Investments in den ersten Jahren sind beachtlich. Für die meisten Marken sind 2 Millionen Euro Umsatz im ersten Jahr laut Damian mehr als zufriedenstellend, viele liegen realistisch im mittleren sechsstelligen Bereich.

    29:06 · Markenaufbau in China: Wie Genuine Asia europäische Marken skaliert
  4. 4

    Bezahl Influencer am Umsatz, wenn die Plattform es messen kann

    In China arbeiten KOLs viel stärker auf Umsatzbeteiligung als auf feste Gagen, weil jeder Kauf in der Plattform nachvollziehbar ist. Rabattcodes braucht es dafür nicht. Auf TikTok Shop gibt es dafür zwei Modelle: einen offenen Plan, bei dem jeder Creator zum Beispiel 5 oder 8 Prozent bekommt, und einen gezielten Plan, bei dem du einzelnen Creators etwa 10 oder 15 Prozent bietest. Ausgezahlt wird über das TikTok-Backend, das Vertrauensproblem fällt weg.

    17:30 · KOLs vs. Influencer: Unterschiede zwischen China und Deutschland
  5. 5

    Auf TikTok zählt Menge vor Perfektion

    Während auf Instagram eher wenige, perfekt retuschierte Inhalte funktionieren, setzt TikTok laut Damian auf Authentizität und viele Inhalte. Auch ein Creator mit 30.000 Followern kann signifikant verkaufen, teils besser als jemand mit einer Million Followern, die nichts kaufen wollen. Gute TikTok-Marken haben eigenen Content, hohe Margen und ein Produkt, das sich an tausende Influencer als Sample verschicken lässt.

    39:00 · Erfolgsbeispiele: Wie Klosterfrau in China durchstartete
  6. 6

    Behandle einen Livestream wie Teleshopping

    Zuschauer bleiben laut Damian meist nur 30 Sekunden bis anderthalb Minuten im Stream, also wiederholst du das Angebot alle paar Minuten. Kündige den Livestream vorher mit einem Preheat-Video an und lass Follower sich registrieren, denn die ersten 15 Minuten entscheiden darüber, wie viel Traffic TikTok dir danach gibt. Damian empfiehlt, mit günstigeren Produkten zu starten, um früh eine gute Conversion-Rate zu haben.

    48:33 · TikTok Shop in Deutschland: Erste Erfahrungen und Learnings
  7. 7

    Geh als Gründer selbst vor die Kamera

    Auf den OMR hat Genuine Marken jeweils 90-Minuten-Slots im Livestream gegeben. Am besten verkauft haben Marken, deren Gründer selbst TikTok-affin ist und authentisch vor die Kamera tritt. Eine Marke hat in 90 Minuten über 5.000 Euro umgesetzt, also mehr, als Tarek Müller nach eigener Aussage mit dem TikTok-Shop von About You in der ganzen Testphase gemacht hat.

    48:33 · TikTok Shop in Deutschland: Erste Erfahrungen und Learnings
  8. 8

    Der 50-Euro-Warenkorb ist auf TikTok Shop kein Muss

    Die Faustregel, dass E-Commerce unter 50 Euro Warenkorb nicht nachhaltig ist, gilt auf TikTok Shop laut Damian nicht. Genuine verkauft dort etwa Essence-Produkte für 3 Euro. Aktuell subventioniert TikTok den Versand, und über Fulfillment by TikTok lassen sich Produkte aus verschiedenen Shops bündeln, um auf den Mindestbestellwert zu kommen.

    48:33 · TikTok Shop in Deutschland: Erste Erfahrungen und Learnings

Zitate

Damian Maib lächelt (Remote-Aufnahme)
„Also China ist basically the fitness center of the world für die Firmen.“
Damian Maib
„Bei TikTok aber kannst du im zweiten Monat direkt 3 Millionen Euro umsetzen, wenn du willst. Es ist möglich. Auch mit einer Marke, die noch keiner kennt in China.“
Damian Maib
„Also basically TikTok Live, TikTok Shop Live ist wie QVC auf Stereoids.“
Damian Maib
„Ich finde, das ist jetzt momentan die wahnsinnige Opportunity für Brands oder auch für neue Marken.“
Damian Maib

Über den Gast

Damian Maib

Damian Maib

Gründer und CEO von Genuine · Genuine (Genuine Asia)

Damian Maib ist in Köln aufgewachsen und hat schon mit 13 Jahren Produkte chinesischer Importeure aus einer Kölner Lagerhalle auf dem Schulhof und bei eBay weiterverkauft. Nach einer ersten China-Reise mit seinem Vater um 2007/2008 hat er an der Uni in Vallendar Chinesisch gelernt und 2014 bei einer deutschen Handelsfirma in China seine ersten Produkte auf Taobao verkauft. 2017 hat er seine eigene Firma gegründet: Genuine ist eine E-Commerce- und Social-Media-Agentur, die internationale Marken in China als Agentur oder als Distributor betreut, vom Shop-Aufbau über Influencer-Marketing bis zu Logistik und Kundenservice. Mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern in Shanghai macht Genuine laut Damian einen zweistelligen Millionenumsatz im Jahr. Seit dem Start von TikTok Shop in Deutschland am 31. März 2025 bietet die Firma ihre Services auch in Deutschland und Europa an. Damian ist außerdem Co-Host des Podcasts „Made in China“.

Häufige Fragen

Was macht Genuine?

Genuine ist eine E-Commerce- und Social-Media-Agentur, die Damian Maib 2017 gegründet hat. Die Firma bringt internationale, vor allem europäische Marken nach China: Sie baut die Shops auf den Plattformen auf, betreibt sie im Alltag, kümmert sich um Logistik und Kundenservice und bespielt Social Media und Influencer. Genuine arbeitet entweder als Agentur, wobei der Shop der Marke gehört, oder als exklusiver Importeur und Distributor mit eigenem Warenrisiko.

Was ist der Unterschied zwischen Taobao, Tmall und JD?

Taobao und Tmall gehören beide zu Alibaba. Auf Taobao verkaufen eher kleine Händler, vergleichbar mit eBay. Tmall ist die offizielle Online-Mall, auf der es pro Marke nur einen offiziellen Flagship-Store gibt, damit Kunden sicher Originalware kaufen. JD ist stärker auf Elektronik und Haushaltselektronik ausgerichtet und hat dadurch mehr männliche Kunden.

Was sind KOLs?

KOL steht für Key Opinion Leader, so heißen Influencer in China. Daneben gibt es KOCs, Key Opinion Customers mit weniger Followern. Laut Damian arbeiten KOLs in China viel häufiger auf Umsatzbeteiligung, weil die Plattformen genau abbilden, welcher Kauf über welchen Creator zustande kam.

Seit wann gibt es TikTok Shop in Deutschland?

TikTok Shop ist seit dem 31. März 2025 in Deutschland und weiteren europäischen Ländern verfügbar. Du kaufst Produkte direkt in der App, ohne TikTok zu verlassen, und zahlst etwa per Kreditkarte, PayPal oder Apple Pay. TikTok bekommt laut Damian in der Regel rund 5 Prozent Kommission, dazu kommt die Provision für den Creator.

Wie schätzt Damian Shein und Temu ein?

Damian sieht Shein und Temu als Cross-Border-Modelle mit günstigen Produkten für eine sehr preissensible Zielgruppe, die gekommen sind, um zu bleiben. Er erwartet aber, dass Europa die Zollfreigrenze für Pakete aus China anpasst, und hält Zölle für fair, weil China umgekehrt auch Abgaben erhebt. TikTok Shop setzt dagegen auf lokalen Handel und will eher in Richtung Premium.

Erwähnt in der Folge

Firmen, Personen und Produkte aus dem Gespräch
  • TaobaoFirmaAlibabas Marktplatz, auf dem Damian 2014 seine ersten Produkte in China verkauft hat.
  • TmallFirmaAlibabas Online-Mall mit offiziellen Flagship-Stores der Marken.
  • JDFirmaGroßer chinesischer Marktplatz mit Fokus auf Elektronik.
  • DouyinProduktDer chinesische Name von TikTok, dessen Shop in fünf Jahren knapp 15 Prozent Marktanteil gewonnen hat.
  • PinduoduoFirmaSocial-Commerce-Plattform, die Alibaba Marktanteile abgenommen hat.
  • Austin LiPersonLaut Damian der größte Livestreamer der Welt, mit über einer Milliarde US-Dollar Umsatz an einem Tag.
  • HuaweiFirmaBringt laut Damian ein dreifach faltbares Telefon und eigene Autos auf den Markt.
  • KlosterfrauFirmaDeutsche Marke, die auf TikTok in China in einem Jahr von 7 auf über 50 Millionen Euro Umsatz gewachsen ist.
  • EssenceFirmaKosmetikmarke, für die Genuine auf TikTok Shop Produkte für 3 Euro verkauft.
  • About YouFirmaTarek Müller berichtete von nur 5.000 Euro Umsatz im TikTok Shop, ein prominentes Negativbeispiel.
  • Online Marketing Rockstars (OMR)SendungAuf dem Festival in Hamburg hat Genuine zwei Tage lang mit Marken live gestreamt.
  • QVCSendungDamians Vergleich für TikTok Shop Live: „QVC auf Steroiden“.
  • SheinFirmaCross-Border-Händler aus China, den Damian im Billigsegment verortet.
  • TemuFirmaCross-Border-Plattform aus China, für die Damian Zölle für fair hält.
  • Made in ChinaSendungDamians Podcast, der den chinesischen Markt für Deutsche verständlicher machen soll.

Transkript

Automatisch erstellt und nur leicht korrigiert, kann einzelne Fehler enthalten.
00:00 Damian Maib: Von Köln nach China, der Weg zum E-Commerce-Experten

00:00 Damian Maib: Tmall und Taobao sind von 70 % Market Share auf 38 % gefallen. … die ganzen Social-Commerce-Plattformen, die direkt auf der Social Media App das Einkaufen ermöglichen, haben den Market Share innerhalb von fünf Jahren so brutal geklaut.

00:15 Moritz Blees: Das heißt, ich muss es schaffen, acht Stunden lang alle 30 Sekunden die Hook zu hauen und das Offer zu wiederholen. … Ja, und man muss ja auch sagen, also ich mache jetzt seit zwölf Jahren mindestens E-Commerce so und seit mindestens sechs Jahren davon wird mir gesagt, dass live das nächste große Ding ist.

00:28 Damian Maib: Also basically TikTok Live, TikTok Shop Live ist wie QVC auf Stereoids.

00:32 Intro: Willkommen bei Founder Mode, heute im China Commerce Deep Dive mit Damian Maib. Damian hat früh seine Liebe für China entdeckt, lebt mittlerweile da und hat eine E-Commerce-Vertriebsagentur aufgebaut, die unter anderem über TikTok Shop europäische Marken in China vertreibt. Es ist ein sehr kurzweiliges Gespräch geworden, wo ich persönlich auch sehr viel gelernt habe. … in die Zukunft, was mit TikTok Shop auch in Deutschland passieren kann. Ich wünsche euch viel Spaß dabei. Bis dann.

00:59 Moritz Blees: Damian, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst. Vielleicht kurz, wie bist du überhaupt hierher gekommen? Ein gemeinsamer Bekannter von uns, Andre Kanya, hat uns vorgestellt. Andre hat die beneidenswerte Angewohnheit, im Jahr mittlerweile fast, so eine Inspirationsreise, würde ich es nennen, zu machen. Mal durch Silicon Valley, mal durch irgendwie den arabischen Raum. Diesmal ist er nach China gegangen und hat in China dich kennengelernt. Du bist da seit geraumer Zeit und das wirst du uns gleich selber erzählen. Du machst da mittlerweile sehr erfolgreich eine Vertriebsagentur, die für hauptsächlich europäische Marken den chinesischen Markt mit hauptsächlich Online-Marketing-Kanälen. Öffnet und gespielt habe ich das richtig zusammengefasst

01:50 Genuine Asia: Full-Service-Agentur für den chinesischen Markt

01:50 Damian Maib: Genau, hast du ganz richtig zusammengefasst, Moritz. Vielen Dank erstmal, dass ich hier sein darf. Es ist mir eine Ehre und eine Freude, dir heute hier nett über die spannenden Themen zu sprechen. Andre hat uns gegenseitig vorgestellt. Er hat uns hier in Shanghai in unserem Office besucht. Sind auch beide Kölner. Also ich komme auch aus Köln, Andre auch. Von daher hatten wir da auch schon mal eine Paradele. Und was wir mit unserem Unternehmen machen, mit Genuine. sind, wie du richtig sagst, man könnte sagen Vertriebsagentur, wir sind eine E-Commerce und Social Media Agentur. Hier und da haben wir auch noch etwas strategisches Beratungsgeschäft. Aber eigentlich liegt der Fokus unserer Tätigkeit wirklich in der Execution, also in der Umsetzung, dem Aufbau von E-Commerce Shops und dem täglichen Management und dem Betreiben dieses E-Commerce Shops und auch der Logistik und des Kundenservice dahinter. Alles aus einer Hand als Full-Service-Modell in China für internationale Marken. Ich schon gesagt, die meisten Marken sind tatsächlich europäisch, einfach weil ich auch deutsch bin. Dadurch haben wir auch viele deutsche Marken, erstmal ein paar europäische, aber auch amerikanische, wie beispielsweise Procter & Gamble. Und gleichzeitig bespielen wir auch die Social-Media-Kanäle für die Marken. Denn ohne Social Media-Buzz, ohne Influencer oder auch KOLs, Key Opinion Leader, wie wir sie hier gerne in China nennen, kommt auch der Umsatz nicht. Von daher, genau das mache ich jetzt heute mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern aus China heraus, aus Shanghai.

03:19 Moritz Blees: Und vielleicht gibst du mal einen kurzen Überblick. So einmal vielleicht, wenn du darüber sprechen möchtest, was macht ihr so ungefähr an Umsatz und dann auch, was macht denn so eine Marke mit euch an Umsatz, wenn es bei ihr gut läuft?

03:30 Damian Maib: Ja, wir machen derzeit einen vernünftigen zweistelligen Millionenbetrag am Umsatz im Jahr hier in China. Für unsere Kunden haben wir immer zwei verschiedene Geschäftsmodelle. Das eine ist, wir sind Distributor, also wir kaufen und verkaufen und haben den Umsatz dann auch in unseren Büchern. Und das andere ist, wir sind Agentur, das heißt der e-Commerce Shop gehört der Marke selbst und wir betreiben das Geschäft. E-Commerce Umsätze können, wenn die Marken gerade erst in den Markt reingehen, von mehreren hunderttausend Euro im Jahr sein. Das sind dann die kleinen Kunden, gerade erst mit uns starten, bis hin zu größeren Jobs, die die 30 Millionen Euro im Jahr umsetzen mit uns hier in China.

04:11 Moritz Blees: Und kurz, weil wir werden immer wieder gebeten, mehr Futter dazu zu geben. Der Unterschied zwischen einem Distributor und einer Agentur ist ja, dass der Distributor zu verhörern, Cut, also mehr Marge bekommt, aber auch das Warnrisiko übernimmt. Also du kaufst ihm die Ware ab, legst sie dir aufs Lager und sollte das Zeug nicht aus dem Regal fliegen, ist das auch dein Problem.

04:31 Damian Maib: Genau, richtig. Im Distributionsgeschäft ist das Warenrisiko komplett bei uns. Wir kaufen und verkaufen, brauchen deswegen auch eine höhere Grossmargin. Wir importieren die Produkte auch und wir sind dann in dem Fall in der Regel der exklusive Importeur und der exklusive Distributor für diese Marke im chinesischen Raum, sodass wir auch die Preise so gestalten und so setzen können, wie wir es wollen. Und dass es nicht da ganz verschiedene Distributeure gibt, die unterschiedliche Preissetzungen haben, auf verschiedenen Kanälen verkaufen und das Bild dann einfach nicht mehr einheitlich ist.

05:02 Moritz Blees: Da ist schon ganz viel drin und ich freue mich auch ehrlicherweise sehr auf dieses Gespräch, weil ich da viel von lernen kann und möchte. Bevor wir da jetzt tiefer in den chinesischen E-Commerce-Markt einsteigen, ich gerne mal, vielleicht mal, gibt es eine Standardfrage, die wir hier unseren Gästen immer stellen, nämlich was ist irgendwie etwas aus deiner Jugend oder Kindheit, wo du sagst, das hat dich als Mensch geprägt, so wie du heute bist und wie du heute auf die Welt guckst?

05:08 Kindheit & Jugend: Wie Damian früh den Unternehmergeist entdeckte

05:24 Damian Maib: Puh, ja, gute Frage. Mich hat sicherlich einiges geprägt. glaube, mein Vater hat immer versucht, mich hungrig zu halten, in Anführungsstrichen. Also mir nicht immer alles gegeben, was ich wollte. Und gesagt, hey, wenn du irgendwann dein eigenes Geld verdienst, dann kannst du dir das alles kaufen, aber nicht von meinem. Ich glaube, das ist ja dann schon eine Art Erziehungssache und Erziehungsfrage. Ich glaube, hat mich geprägt und wahrscheinlich auch den Ansporn gegeben, mich selbstständig zu machen irgendwann.

05:53 Moritz Blees: Und hattest du dann bezüglich Selbständigkeit so einen Jugendzeithussell?

05:56 Damian Maib: Ja, genau. habe tatsächlich, als ich in Köln aufgewachsen bin, mit 13 Jahren, bin ich rein, also recht zufällig in eine größere Lagerhalle in Köln gestolpert, in Anführungszeichen. Ein Freund hat gesagt, jetzt musst du dir anschauen, da sind super coole Produkte zu extrem guten Preisen.

06:16 Moritz Blees: Du bist dann in so eine Discount-Lagerhalle gegangen quasi.

06:19 Damian Maib: Genau, es war so eine Importeurlagerhalle. Da waren ganz viele verschiedene Importeure, viele auch aus dem asiatischen Raum, davon viele aus China. Und die alles Mögliche verkauft und importiert. Von Mini-Headicop zum Rumfliegen, bis Fahrrädern, Panini-Sticker, die du sonst am Kiosk kaufen kannst für 10 Euro. Das das Pack, aber dort dann für 5. Und da habe ich natürlich gemerkt, hey, da kannst du Geld verdienen. Hier einkaufen und dann an Klassenkameraden auf dem Schulhof erstmal. verkaufen für die Taschengeldaufbesserung und dann auch auf eBay. Das war so mein Zeithustle mit 13, 14, 15.

06:55 Moritz Blees: Okay, das heißt, du bist dann quasi in diese großen Discounthallen gegangen, hast dann da irgendwie Sachen gekauft und hast dann angefangen, die irgendwie erst an Mitschüler und dann perspektivisch auf eBay weiter zu verkaufen. Das heißt im Grunde hast du dasselbe gemacht, was du heute machst. Und ich gehe davon aus, dass diese Discounthallen ja sehr viel chinesische Produkte waren. Also und das heißt, du hast den Weg umgekehrt genommen.

07:21 Damian Maib: Ja, genau, tatsächlich. Das war ein absolut umgekehrter Weg zu dem, was wir heute viel machen. das Topprodukt war der kleine Mini-Helikopter zum Rumfliegen. Der bei Condral Electronics. Da war genau dieselbe Marke zu kaufen. Dort für 35 Euro und bei dem Händler für 10. Genau. Das habe ich mich auch gefragt. Eben, Also du und ich, wir kennen das noch, ne?

07:45 Moritz Blees: Ja, ja klar. Ja, natürlich. Die hatten auch immer so ganz wilde Gadgets für so Nerds, mit denen man auf dem Schulhof spielen konnte. Ja, okay, verstehe ich. Das heißt, da frühgang und dann bist du ja über den Umweg von Fallender dann am Ende nach China gelandet. Nimm mich da mal mit auf die Reise. Wie passiert sowas?

08:05 Erste China-Reise: Wie Damian den Markt für sich entdeckte

08:05 Damian Maib: Ja. Ja genau, ich hatte ja so den ersten China-Touchpoint mit den chinesischen Produkten, die ich dann in Deutschland verkauft habe. Dann hatte ich auch das erste Mal eine China-Reise unternommen mit meinem Vater, der mir dann ein Flugticket geschenkt hat. Er hat selber beruflich gar nichts mit China zu tun gehabt. Er einfach nur gesehen, hey, ich verkaufe da Produkte, die aus China kommen. Ich dachte, made in China, wo ist China eigentlich und wie ist China? Und dann haben wir uns das... Ja, genau, genau, das haben wir dann uns echt so zwei, drei Wochen haben wir uns dann China angeguckt in Sommerferien. Shanghai, Peking, Hangzhou und noch so ein paar Städte. Und das hat mich total beeindruckt. Die Dynamik, die du hier siehst und spürst und dieser Kontrast zwischen Geschichte und wirklich viel History, aber auch extrem, gleichzeitig extrem modern. Das habe ich so in noch keinem anderen Land gesehen und dann war für mich irgendwie stand fest, hey, ich muss mit China mehr machen.

08:56 Moritz Blees: Nämlich mal mit zeitlich, wo sind wir jetzt hier gerade?

08:58 Damian Maib: Ja, das waren 2007, 2008, so um den Dreh.

09:03 Moritz Blees: Okay, also vor der wirklich so Hoch-Boom-Phase China, alles geht ab.

09:09 Damian Maib: Genau, genau, das war gerade so, so ich würde sagen, ja knapp davor bis irgendwie mitten drin. Aber das war noch vor dem vor der Zeit, wo man als E-Commerce Marke, wo jeder nach China wollte. Da waren schon ein paar größere Unternehmen hier, aber danach ging es dann erst tatsächlich vor allem E-Commerce technisch richtig ab 2728. Genau, da war das erste Mal, ich hier war. Und dann wusste ich, ich muss auf jeden Fall noch mal zurückkommen. Und dann hast du schon richtig gesagt, dann ging es quasi von Fallender nach China. Und zwar mussten wir an der Uni noch eine Fremdsprache belegen, neben Englisch. Und dann habe ich natürlich Chinesisch genommen.

09:46 Moritz Blees: Das heißt, du warst schon so strategisch. Du hast gesagt, das ist mein Sehnsuchtsort. Ich glaube, da werde ich auf die eine andere Reise landen. Deswegen nehme ich jetzt Chinesisch.

09:55 Damian Maib: Ja, genau. Das ich auf jeden Fall... Mich hat das auch am meisten interessiert. Wir konnten wählen zwischen Russisch, Französisch, Spanisch etc. Und für mich war dann einfach Chinesisch das Naheliegendste, weil ich wusste, das hat mich begeistert und da möchte ich noch mal hin. Und ich hatte auch ein Gap hier gemacht tatsächlich, wenn man nochmal in die Zeit zurück schaut zwischen dem Abitur und dem Studium. Das hatte ich in Malaysia gemacht. Da sind auch 30 % Chinesen. und chinesische Kultur. Das hat mir auch gut gefallen. Von daher wusste ich eigentlich, in die Richtung möchte ich nochmal zurück. Und bei uns an der Uni war es dann auch verpflichtend, dass man in das Land geht, von dem man gerade die Sprache lernt, für ein Praktikum, für ein Sommerpraktikum. Das heißt, zwangsläufig wusste ich dann schon, es geht wieder nach China, zumindest für die Sommerpause.

10:42 Moritz Blees: Und bis dann wahrscheinlich wieder zum Praktikum? Oder war es dann auch ein Auslandssemester in China?

10:49 Damian Maib: Ja genau, war ein Praktikum tatsächlich und das habe ich dann auch über das Netzwerk irgendwie gefunden. Das war eine deutsche Handelsfirma, die hier in China eben deutsche Produkte verkauft hat, überwiegend offline. Und da kam das Online-Game gerade erst so, das fing da gerade erst richtig an. Das war 2014 und da gab es Taobao, also von Alibaba die Taobao-Plattform und der Geschäftsführer von der Handelsfirma sagte, Damian, guck mal, dass du auf Taobao da ein paar Sachen verkaufst. Guck mal, wie das funktioniert. Und dann war das mein Hauptprojekt. Und das habe ich dann auch de facto dann fast nicht mehr aufgehört.

11:31 Chinesische E-Commerce-Plattformen: Taobao, Tmall & JD im Vergleich

11:31 Moritz Blees: Krass. Und Taobao, für diejenigen, es nicht kennen, ist ja von Alibaba, der innerchinesische Marktplatz. Richtig? Und was unterscheidet ein Taobao von einem, vielleicht ist das ein guter Moment, insgesamt mal einen Überblick zu geben über die chinesische E-Commerce-Landschaft? Mein Verständnis ist, es gibt Taobao, es gibt JD, Und dann gibt es irgendwie noch angrenzend halt irgendwie Tencent mit einigen Shoppingfunktionen und Social Media Marketing ist extrem wichtig. Wie unterscheidet sich das irgendwie jetzt von so einem Amazon und so Shops, wie wir sie in Europa kennen?

12:14 Damian Maib: Ja, ja, gute Frage. Also da weißt du schon mal mehr als die meisten Leute. Du hast das richtig gesagt. Da gibt es Tauber und T-Mall. Die gehören beide zu Alibaba, zu dem E-Commerce und Digital Ecosystem Giganten und JD. Die teilen sich eben den größten Marktanteil. Und dann haben wir andere Plattformen, die eher dann jetzt in die Richtung Social Commerce gehen. Der größte Unterschied hier zu dem was wir in China sehen im Vergleich zu Deutschland ist zum ersten, dass es generell ein kompletter Plattformmarkt ist. Also keiner, es ist im 0,0 % Bereich. Der Käufe findet hier auf daimond, einer eigenen .com Brand Website statt. Das ist alles plattformgegeben.

12:58 Moritz Blees: Das heißt, ganze Shopify-Infrastruktur, gibt es nicht. Es gibt keine eigenen Websites, sondern die werden direkt in der Plattform geprüft.

13:05 Damian Maib: Genau. Genau, Diese eigenen Websites sind komplett irrelevant und es wird alles in der Plattform gebaut und in der Plattform hast du halt auch eine große Bandbreite an Freiheit, wie du deine Marke präsentierst. Also jeder Shop, wenn du auf Tmall oder Taobao gehst, das ist die gleiche App tatsächlich, öffnest also die Taobao App von Alibaba und dann sieht das schon so aus wie so ein Pinterest und eine Mischung aus Pinterest und Instagram. Diese Frontpage ist dann komplett Interessen gerichtet. Die kennen also schon deine Vorlieben, zeigen dir dann die Produkte und dort hast du die Chance als Marke Performance Marketing zu betreiben. Wie wir das eben auf Meta kennen, also Facebook, Instagram und so weiter in Deutschland und dann auf dein Shopify Shop leitest, machst du so eigentlich alles in der App. Das komplette auch Keyword Bidding, Brand Keyword Bidding, Functional Keyword Bidding und auch Performance Marketing Banner Ads, das passiert alles auf den jeweiligen Plattformen. Also du musst das auf jeder Plattform nochmal neu aufsetzen und bespielen.

14:09 Moritz Blees: Okay, das heißt, Search und Social passieren quasi beides auf der Plattform selber. Also es als würde Amazon jetzt quasi Instagram integrieren und die ganzen Werbeformen von Amazon, Google und Facebook in eine machen.

14:27 Damian Maib: Ja, genauso kann man sich das tatsächlich in etwa vorstellen, ja, das hast du gut beschrieben.

14:32 Moritz Blees: Und wo ist der Unterschied jetzt? Jetzt gezielt immer noch Taobao, T-Mall und JD. Wenn ich jetzt irgendwie sage, ich würde gerne nach China kommen und verkaufe irgendwie ein Produkt, welche Produkte und Videos genau, da gehen wir gleich drauf ein. Welche dieser Plattformen tut was für mich? Wo sind die strukturellen Unterschiede?

14:48 Damian Maib: Ja, also du kannst auf T-Mall, T-Mall hatte T-Mall und Taobao, also gehören basically zusammen auf Taobao, ist es so, dass da eher so C2C Händler sind, das ist so bisschen das eBay. Da kann eigentlich jeder verkaufen, kann der One Man schon einen Shop aufmachen. Also es hat nicht so viel Trust, aber trotzdem kannst du da kaufen und da wird auch gekauft und da wird auch gut verkauft. Und T-Mall ist dann wirklich diese Offizielle Online Mall in Anführungszeichen, es nur Markenstores gibt. Also den offiziellen Brand Flagship Store. heißt der Kunde weiß, kauft auf jeden Fall von der Marke und das Produkt ist authentisch und das Produkt ist original. 2014 hatte man ja bis 2016, 2017, 2018 noch auch viel so Thema wie Produktfälschungen. Das haben wir heute nicht mehr. Aber dadurch kam eben Tmall und diese ganzen authorized shops. Ja, dass es nur ein Shop pro Marke geben kann auf jeder Plattform. Damit der Kunde weiß, hier kaufe ich direkt bei der Marke ein. Dadurch kam das eigentlich alles so ins Leben. Tmall und JD sind die beiden größten Player. Tmall ist aber etwas breiter von der ganzen Produktkategorie und JD ist etwas mehr fokussiert auf, sagen wir mal, Electronics und Haushalt Electronics hat dadurch auch mehr männliche Kunden. Tmall ist etwas mehr ausgeglichen, hat etwas mehr weibliche Kunden, aber generell eigentlich geht es durch die komplette Zielgruppe. Und was wir gesehen haben, den letzten vor allem letzten fünf Jahren während und nach Covid ein extremen Change in Market Chairs. Damals, wir haben unsere Firma 2017 gegründet, kannst du eigentlich sagen, ist ein relativ safe bet, dass du immer auf die Alibaba-Plattform gehst. Also immer auf T-Mall. T-Mall-Shop machst du immer, weil allein Alibaba 70 Prozent des gesamten E-Commerce-Anteils ausgemacht hat. Und dann, wenn dein Produkt Elektronik sind oder gut für die C Group, für JD passen, vielleicht noch ein JD-Shop dazu. Der ganze Rest von Tencent, also WeChat-Shops oder TikTok-Shops, es nämlich seit 17, 18 gar nicht.

16:08 Social Commerce: TikTok Shop und die Macht der Influencer

16:50 Damian Maib: Und diese ganze Social-Commerce, das war total, also konnte man eigentlich total ignorieren. Und das Geschäft war dahingehend dann etwas simpler. Und heute ist es deutlich komplexer, denn Tmall und Taobao sind von 70 % Market Share auf 38 % gefallen. Also fast halbiert. Und wo ist der ganze Share hin? An Social-Commerce-Plattformen wie Pinduoduo, wie TikTok. TikTok heißt hier in China Douyin, wie Qishuo, also die ganzen Social-Commerce-Plattformen. die direkt auf der Social Media App das Einkaufen ermöglichen, haben den Market Share innerhalb von fünf Jahren so brutal geklaut.

17:30 KOLs vs. Influencer: Unterschiede zwischen China und Deutschland

17:30 Moritz Blees: Und das ist ja deswegen möglich, noch mal im Verständnis, und da mal so ein bisschen zurück zu eurem Geschäftsmodell zu kommen, weil das Online-Marketing in China ja schon immer auf sogenannten KOLs basiert hat, was Key Opinion Leader, also im Deutschen würde man sagen Influencer sind. Kannst mir vielleicht einmal erklären, was ist der Unterschied zwischen Influencer-Marketing, wie ich es kenne aus Deutschland? und KOL Marketing in China? Und wie verändert sich das gerade durch Social Media?

18:03 Damian Maib: Ja, gute Frage. Genau, KOLs oder KOCs, Key Opinion Customers, sehr wenig weniger Follower haben und in Deutschland ist das Influencer Game in China absolut nicht wegzudenken und nochmal etwas wichtiger als in Europa, wobei es ja Europa auch kaum wegzudenken ist mittlerweile. Der große Unterschied, wir sehen, ist eigentlich auch in der Form der Kooperation. Denn Du hast auf der Plattform, weil du auch die Möglichkeit hast, da direkt einzukaufen, kannst du viel besser nachvollziehen, ist der Kauf zustande gekommen, weil dieser Influencer gepostet hat, ja oder nein. Das heißt, du brauchst kein Discount Code, irgendwie, Moritz 20, dann hast du 20 % Rabatt.

18:45 Moritz Blees: weil alles direkt in der Plattform stattfindet. Aber auch auf allen Plattformen, auch ein Tau, äh, sorry, ein T-Mall macht das ja so, richtig?

18:53 Damian Maib: Genau, Tmall, Taobao gibt es eben auch Influencer. Und dort gibt es Influencer, die ein paar Bilder posten. Da gibt es aber auch Influencer. Und das ist das viel größere Geschäft dort auf Taobao und Tmall, die Livestreamen. Wir haben den größten Livestreamer der Welt. hier in China, der Austin Li. Und innerhalb von einem Tag hat er mehr als eine Milliarde US-Dollar umgesetzt. Das ist total crazy.

19:23 Moritz Blees: Das ist auch brutal, was einfach in diesem Markt für Mengen möglich ist. Okay, krass. Aber dann erzähl mal weiter. einmal Live-Shopping ist ein Thema, was in Deutschland nicht so existiert. Es wurde ein paar Mal versucht, aber gibt's nicht. Und dann... Was noch?

19:43 Damian Maib: Also dass man einfach viel mehr über Umsatzbeteiligung geht und weniger über Fixed Fees. Wir gehen ja auch gerade in den deutschen Markt seit dem 31. März, auch seitdem jetzt TikTok in Deutschland gestartet ist, bieten wir auch unsere Services von unserer Firma in Deutschland und Europa an. Und dort sprechen wir auch mit vielen Influencern. Und da merkt man, der Markt ist etwas anders. Aber man merkt auch schnelle Veränderungen, also dass auch Influencer in Deutschland auf diese Umsatzbeteiligung aufspringen. Manche tun sich damit noch bisschen schwerer und möchten trotzdem lieber eine Fixed Fee und gar keine Umsatzbeteiligung, weil die einfach noch nicht wissen, was steht da eigentlich für ein Umsatz hinter und wie funktioniert das System. Aber der große Unterschied ist eben, dass wir hier in China sehr viel mit Umsatzbeteiligung arbeiten und arbeiten können, weil die Plattformen und die Systeme und auch die Influencer das abbilden können und da absolut dran gewohnt sind.

20:32 Moritz Blees: Für mich klingt das so, als wäre eine der Hauptunterschiede die Selbstwahrnehmung des Influencers. Also in Deutschland, ich habe ja selber relativ viel Influencer-Marketing machen dürfen in meinem Leben, weil ich ja selber aus dem Konsumgüterbereich komme, sieht sich der Influencer als Medienmarke. Und so versteht er auch das, was er tut für dich. Du buchst quasi bei ihm, der Content erstellt, eine Werbeleistung. Und für den Erfolg oder Misserfolg deiner Werbeleistung und deiner kann er keine Verantwortung übernehmen. Genauso wie dir ein Manager-Magazin nicht für die Anzeige von Porsche, die sie da gestaltet haben, irgendwie Rechenschaft ablegen wird. Während jetzt in China, so wie du es beschrieben hast, sich der Influencer eher wie so eine Art Promoter sieht. die dann eben auch variabel vergütet wird und wenn er eben einen guten Job macht auch überproportional daran partizipieren kann.

21:28 Damian Maib: Ja, absolut. Doch absolut richtig. Genau. Und wir unterteilen in China die Influencer, mit denen wir arbeiten, tatsächlich auch in so bisschen diese beiden Kategorien, die du gerade genannt hast. Wir haben hier nämlich die, in Anführungszeichen, Hardcore-Sales-Influencer, die wirklich verkaufen können mit ihren Postings und mit ihren Livestreams. Aber wir haben auch die, die du gerade beschrieben hast, die extrem stark über Content gehen, über Lifestyle und wo dann vielleicht der Sale am Ende gar nicht das große KPI ist, sondern eher Brand Awareness und Branding. Das haben wir in China auch, das machen wir auch, nur wir sehen eben, wir natürlich umsatzgetrieben und AOI getrieben sind, deswegen gefällt uns das mit der Umsatzbeteiligung ganz gut und das haben wir hier im Ausmaß, was wir in Deutschland zumindest Stand heute noch nicht haben, was aber auch kommen könnte.

22:19 Moritz Blees: Also es gibt auch einige jüngere Firmen, die darauf aufspringen. Also wir hatten es auch schon. Christian Wolf von der Quality Group und More Nutrition im Podcast. Die gehen auch sehr über variable Incentivierung und sehr wenig über fixed fees. Das heißt, das ist etwas, was wir sehen. Okay, finde ich sehr spannend. Und vielleicht einmal funktioniert Influencer slash Key Opinion Leader Marketing in China für jede Produktkategorie, weil in Deutschland zum Beispiel sagt man, je im Durchschnitt weiblicher ein Produkt und je weniger man von außen sehen kann, ob das Produkt gut oder nicht gut ist, umso besser funktioniert es. Also Kosmetik, Supplements, Fitnessprodukte und so weiter. Wenn man mal drüber nachgedacht hat, macht es ja auch Sinn irgendwie, so dass du dann jemanden haben möchtest, der dir sagt, ob das gut oder schlecht ist. Aber mein Verständnis ist, dass in China es für alles geht.

23:11 Damian Maib: Ja, genau. Also vor allem die Produkte, die du angesprochen hast, die laufen natürlich besonders gut. Aber es gibt auch Influencer, die haben hier schon Autos verkauft. Es gab eine Influencerin, die hat hier innerhalb von einer Stunde, glaube ich, 20 Porsche verkauft. In einer besonderen Farbe, die nur für sie gemacht wurde. Also auch sowas geht hier. Total verrückt. Da ist der Fantasie eigentlich freien Lauf gelassen.

23:40 China Speed: Warum Innovationen in China so schnell umgesetzt werden

23:40 Moritz Blees: Und was ist deine Sicht darauf? Warum funktioniert das? Und warum funktioniert das in Deutschland nicht? Fangen wir so einen. Weil man könnte ja auch sagen, okay, komm, jetzt machen wir einen Spezial-AMG Mercedes mit Capital Bra für die Hip-Hop Crew in Neon Gelb. Und der macht da irgendwie eine Aktion. Warum klappt das bei uns nicht?

23:58 Damian Maib: Genau. Ja, gute Frage. ich meine, wenn man das versuchen würde, könnte ich mir vorstellen, dass es dafür auch Käufer gibt. Nun war ich jetzt in fünf Jahren überwiegend in China. bin vier, fünfmal, vier, fünf, sechsmal im Jahr jetzt doch in Deutschland. jetzt ganz den Blick auf Deutschland verloren habe ich nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass so was funktioniert. Nur ich glaube, ist einfach die Dynamik der Teams und die Schnelligkeit im Markt in China einfach nur mal eine ganz andere ist. chinesische Markt ist so wettbewerbsintensiv und auch so schnell. Man hört ja auch oft das Wort China Speed und das siehst du dann auch bei den Marketing Aktionen und bei den ganzen Prozessen der Unternehmen, die hier arbeiten. Also China ist basically the fitness center of the world für die Firmen. Wenn man das hier in China schafft, unserer Meinung nach, dann ... Dann hat man auch gute Chancen es anderswo zu schaffen, denn der Markt hier ist extrem schnell und extrem wettbewerbsintensiv.

24:55 Moritz Blees: Die Frage, die ich mir stelle, vor so 10, 15 Jahren sah man ja China als die, in Anführungszeichen, Plastikpipeline der Welt, aus der dann irgendwie die Sachen auch mit Dunia angefangen hast damals. Also irgendwie niedrigpreisige Waren, die man dann irgendwie bei einem Konrad verkauft hat. Und das hat sich ja, zumindest sprichst du ja so, ein Stück weit geändert, dass die Produkte viel, viel qualitativ hochwertiger geworden sind. Was glaubst du, warum liegt das? Woher kommt diese Kraft?

25:27 Damian Maib: Ja, das hat sich komplett geändert von den 2010er Jahren jetzt in die 2020er Jahre hinein. Also basically von der Werkbank der Welt zum richtigen Innovationstreiber. dadurch, dass China ja nach wie vor in Anführungszeichen die Werkbank der Welt ist, eigentlich sehr viel hergestellt wird für alle internationalen Märkte, liegt hier einfach ein extremes technisches Know-how. vor noch gar nicht lange her, 10-20 Jahre, wurde eigentlich viel mehr kopiert. Wie gesagt, der China Made in China ist gleich billig und Plastikrahmen und Qualität ist minderwertig. Das hat sich jetzt absolut gewandelt, denn die chinesischen Unternehmen haben es geschafft innovativ zu werden und die Produkte nicht einfach zu kopieren in günstiger Qualität. Also das können sie immer noch, das gibt es auch noch. Aber das Produkt zu nehmen und es wieder besser zu machen. Wir es an die Kundenbedürfnisse anzupassen, die Qualität zu steigern. Und jetzt sehen wir auf einmal, dass wir hier viel innovativer sind im chinesischen Markt als beispielsweise ein Apple. Huawei bringt ein Telefon raus, was du dreifach falten kannst, bringt Autos raus, alles Mögliche. Das ist total crazy. Und auch der chinesische Konsument, ist ja über die Jahre viel wohlhabender geworden. In China haben wir ja erst seit den 80er Jahren eine, in Anführungszeichen, freiere Marktwirtschaft, in der man auch als Unternehmer Geld verdienen kann. Und dadurch ist die Mittelschicht in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen. Der Chinese, wenn man das allgemein an kann, hat dadurch einfach deutlich mehr Geld, hat eine höhere Bildung, hat selber auch höhere Ansprüche. Und das ist einfach alles. Hand in Hand in den letzten Jahren gewachsen. Und es gibt auch Unternehmen in China, die sich sehr stark auf den chinesischen Kunden fokussieren und auf deren Ansprüche, auch im Premium- und Luxusbereich. Und die werden es bald, ich denke in den nächsten zehn Jahren, auch mal in die Welt schaffen. Mal gucken, wer davon weltweit erfolgreich wird.

27:35 Moritz Blees: Okay, das heißt, du gehst davon aus, dass es nicht nur so sein wird, dass wir eben Luxusprodukte und Premiumprodukte aus Europa eben in die Welt, weil das ist ja eine der letzten Sachen, die wir als Europäer wirklich herausragend machen, sondern dann aber auch der umgekehrte Weg, dass wir dann chinesische Luxusautos in Deutschland haben oder chinesische Modemarken gegebenenfalls.

27:56 Damian Maib: Ja, genau, 100%. Ich glaube eher, also wer die Mode mag, ist tatsächlich noch so eine Industrie, wo vor allem im Luxusbereich natürlich noch viel von LVM Arsch und Frankreich, Italien und so weiter kommt. Ich glaube, wird, genau, ist schwieriger, diese Statussymbole da so bisschen aufzubrechen. Aber im Automarkt hat man es in China definitiv schon geschafft. Also man braucht jetzt nicht mehr den Porsche oder den Bentley. sondern kann sich auch überlegen, chinesisches Auto zu kaufen. Einen tollen SUV, ein Elektro-SUV von der chinesischen Marke, Luxus-Ausführung 130.000 Euro. Also auch kein günstiges Auto, aber ein Auto, was im Vergleich zum Wettbewerb extrem performt. Oder von Huawei den MU9 für, was ist das, Vollausstattung 80.000 Euro. Toller SUV, vergleichbar. besser als die Top SUVs von Mercedes und BMW. Das ist total verrückt. Ich lade dich sehr herzlich mal hier ein nach Shanghai und dir das mit mir mal anzuschauen.

29:05 Moritz Blees: Okay, mache ich. Vielleicht wir haben jetzt viel über China als Markt und über chinesische Marken gesprochen. Ich würde einmal gerne nochmal zurückkommen zu dem, was ihr eigentlich macht, nämlich ihr Hälfte ja europäischen Marken in China Fuß zu fassen. Wir haben jetzt eben einmal darüber geschrieben, welche Möglichkeiten es gibt. einmal es gibt einmal diesen Weg TikTok, TikTok Shop, Social Media Marketing und dann die Plattform. ⁓ am Ende sind es ja alles Plattformen, wenn man ehrlich ist, aber diese unterschiedlichen... Und jetzt sagen wir mal, ich bin ein deutscher Kosmetikersteller so und mache, sagen wir mal, Barbour so. Und mache deutsche Naturkosmetik und habe jetzt die Idee, die auf dem chinesischen Markt zu verkaufen. Trete an euch ran. Erstens, wonach screen-tea, ob das funktioniert oder nicht? Und zweitens, wie baut ihr es dann auf?

29:06 Markenaufbau in China: Wie Genuine Asia europäische Marken skaliert

29:54 Damian Maib: Ja, genau, gute Frage. Wir haben natürlich in China hier auch eine sehr hohe Datentransparenz. Also wir haben Tools, in denen wir genau schauen können, wie ist der Umsatz von verschiedenen Marken und in verschiedenen Kategorien und davon auch wieder Subkategorien, in welchen Preispunkten in den letzten Jahren und Monaten. Das heißt, wir schauen, ist der Markt gut, ist der wachsend, wie ist der Wettbewerb. ist die Marke, in dem Fall beispielsweise Babor, sind die schon in China vertreten. In der Regel gibt es immer irgendeine Art von Aktivität von der Marke im chinesischen Markt. Wenn sie nicht selbst gemacht ist, dann ist sie schon von irgendjemand anderem gemacht, der das irgendeinen Kunde sagt, ich habe Babor in Deutschland gesehen, ich verkaufe das jetzt auf Taobao. Je mehr es von denen gibt, die Leute nennt man hier in China Daigo, also sie bringen das dann von dem Land nach China. Daigo heißt Man bringt etwas aus einem Land wieder nach China zurück. Also man entdeckt quasi etwas. Genau, Herbringer. Genau, Herbringer. Und je mehr Traffic und Aktivität eigentlich schon für die Marke aufgebaut wurde, umsonst, ist für uns eigentlich erst mal gutes Zeichen. Das Produkt kommt an. Das Produkt hat irgendwie schon einen natürlichen Demand. erst mal positiv. Dann schauen wir uns an, wie viel wird da eigentlich verkauft. Natürlich, je mehr das gewässert, dann machen wir für uns einen einfachen Start. Und teilweise übernehmen wir auch e-commerce-Shops, wenn die Marke nämlich schon einen Shop hat, dass wir uns den anschauen. Und der Shop ist vielleicht vom Umsatz her eher stagnierend oder geht sogar runter. Dann gucken wir uns den an, fragen auch nach den Locking-Details, schauen was können wir besser machen und wenn wir meinen, dass wir es besser machen können. Dann machen wir ein Angebot, dass wir den Shop übernehmen. Wir haben zwei Modelle in der Regel und zwei Situationen. Entweder Shopübernahme, wenn schon Aktivitäten wirklich offiziell in China sind, oder wir gehen komplett neu in den Markt rein. Und da kommt es uns wirklich darauf an, hat die Marke schon Traffic, möchte die Marke investieren, hat die Marke auch einen langen Atem. Denn in China ist es nicht so, dass man sagt, ich bin eine tolle Marke made in Germany. Jeder hat auf mich gewartet. Und wenn ich meinen Shop aufmache, mache ich direkt Millionen umsetzen und habe einen tollen ARI.

32:03 Damian Maib: So ist es in China auf jeden Fall nicht mehr. Es ist ein harter Markt, extrem umkämpft, vor allem in der Kosmetikindustrie. Das heißt, die Marketing Investments sind in den ersten Jahren beachtlich und da sollte man dann auch mit einem vernünftigen Businessplan und mit realistischen Erwartungshaltungen rein gehen. Und das ist uns wichtig und das machen wir in der Regel für und mit jeder Marke. mit der wir ernsthaft überlegen in den Markt zu gehen.

32:30 Moritz Blees: Das heißt, zum Ersten habt ihr einfach dadurch, dass es sehr viele Plattformen gibt und die Plattformen diese Daten teilen am Ende oder man die bei denen kaufen kann. Eine sehr hohe Datentransparenz, ihr seht, wie verhält sich der Markt. Das sind Competitor und gibt es schon irgendwas, was da verkauft wird? Zweitens sagst du, es gibt eigentlich fast nie die Situation, dass eine Marke wirklich gar nicht in China ist, sondern es gibt irgendwo, irgendwen, dem du sehen kannst, funktioniert das im Grundsatz. Und drittens ist es dann so, dass wenn ihr diese Datentransparenz dann habt, ihr dann einmal aber auf die Marke zugeht und der dann sagt, okay Leute, hier ist der, sagen wir mal, drei Jahresplan. Und dann gehe ich davon aus, dass im ersten Jahr Was ist denn ein guter erstes Jahr? 2 Millionen Umsatz? 5 Millionen Umsatz?

33:18 Damian Maib: Ja, du und das kommt wieder genau auf die Marke drauf an. Für manche Marken ist 2 Millionen Umsatz ein tolles erstes Jahr. Für manche Marken ist das kein tolles erste Jahr. Das kommt so bisschen darauf an, wie viel Awareness ist in der Marke. Wir haben hier Marktlaunches gesehen, wo es Marken gibt. Da hat der Chinese tatsächlich drauf gewartet. Genau, im Endeffekt gibt es tatsächlich Marken, haben so eine starke Marke aufgebaut, aber den chinesischen Markt für Jahre eben noch ignoriert, weil die Marke in anderen Märkten einfach noch schneller wächst. Das heißt, der chinesische Kunde muss eigentlich viele Umwege gehen, das Produkt zu kaufen. Beispielsweise auf der internationalen Website und sich das dann selber nach Chile schicken lassen. Und solche Marken Wenn die dann auf einmal einen Teamworkshop aufmachen, die können im ersten Jahr direkt 10, 15, 20 Millionen Euro umsetzen. Das ist natürlich ein gigantischer Start. Die meisten Marken sind aber eher, sagen mal, realistischerweise im sechsstelligen Bereich. Im mittleren sechsstelligen Bereich. Da sind so Marken, schon ein bisschen Traction haben und dann den ersten Shop aufmachen im ersten Jahr. Denn der Algorithmus Du kannst nicht von jetzt auf gleich x-beliebig Traffic kaufen, sondern du wirst als Store auch eingerankt. Und je länger du schon aktiv bist, je mehr Kunden du hast, je mehr Bewertungen hast, desto mehr Traffic bekommst du. Ist ähnlich wie bei Amazon, also ein Store alter und viele Videos haben dann auch einen Wert. Das muss man sich halt erstmal aufbauen. Also von daher ... ist für die meisten Marken ein Umsatz von 2 Millionen Euro im ersten Jahr durchaus mehr als zufriedenstellend. Aber es gibt auch Marken, es gibt zum Beispiel Shops wie Die ⁓ die mittlerweile aber nicht mehr in China sind, wo damals viele Leute Milchpulver gekauft haben für ihre Kinder oder Balea, Kosmetik, genau. Die haben im ersten Jahr schon diese höheren Umsätze erreicht.

35:12 TikTok Shop Strategien: Erfolgsfaktoren für Marken

35:12 Moritz Blees: Und wenn wir jetzt mal die Brücke schlagen zu TikTok und TikTok Shop, wie baue ich denn jetzt, bleiben wir mal bei Baboer, weil es schön plastisch ist. Gehen wir mal davon aus, Baboer hat irgendwie in China stattgefunden. Ich weiß gar nicht, wie die Baboer-China-Strategie ist, aber jetzt nicht so richtig. So und jetzt sagt ihr, okay, ihr werdet Distributor, also ihr macht alles. Und jetzt wollt ihr... TikTok Shop aufbauen und das irgendwie so. Wie sieht das erste Jahr aus? Was macht ihr in welche Reihen?

35:41 Damian Maib: Ja, wenn wir TikTok Shop für China aufbauen, ja, für zum Beispiel Baboar, brauchen wir erstmal die ganzen Authorization Letter Verträge, die holen wir uns von der Marke, lassen die unterschreiben und laden die dann auf die Plattform hoch, sodass wir diesen offiziellen Baboar TikTok Flagship Store aufmachen können. Dann ist der Store offen, dann haben wir da unsere Produktdetailseiten, die sind in der Regel deutlich ausführlicher als die Produktdetailseiten, die wir aus Europa kennen. Und es ist eine Zusammensetzung aus vielen Bildern. Es ist eine sehr visuelle Produktdetailseite, in der du eigentlich eine Minute runter scrollen kannst. Geschichte über die Brand, Geschichte über die Brand, USPs des Produktes und so weiter.

36:21 Moritz Blees: Das heißt, gibt keine Texte, also schon Texte, aber die Texte sind immer in Bildern integriert.

36:28 Damian Maib: Genau, Texte sind immer in Bilder integriert. machen wir bei TikTok Shop Deutschland jetzt auch eigentlich verstärkt, dass wir das in Bilder integrieren. Texte komplett in Bilder integrieren, das heißt wir haben erstmal einen Aufwand das alles zu vorstellen und dann sprechen wir unsere Influencer an. Unsere K-Balls, entweder K-Balls mit denen wir schon vorher zusammenarbeiten und die in unserem Netzwerk sind oder mit neuen. Und hier gibt es dann eigentlich zwei Wege. Das eine ist ein bisschen Bass kreieren mit Short Videos. Plus Shoppe Belink in dem Video, das ist aber nicht der größte Umsatztreiber in China. Und das zweite ist dann, dass wir die Influencer versuchen dazu zu bewegen, uns in deren Livestreams mit aufzulegen. Und das ist eigentlich das Wichtige. Denn hier, und das ist auch gut, dass du noch mal gefragt hast, und es gibt einen Unterschied von wo mache ich jetzt den Umsatz und wie kann ich wo schnell explodieren. Das kann man nämlich auf TikTok viel schneller und viel eher als auf Plattformen wie Tauber und Tmall. Also Tauber und Tmall, da musst du dich mit Walgorithmus hocharbeiten, Kunden kaufen, Rezession pflegen. Bei TikTok aber kannst du im zweiten Monat direkt 3 Millionen Euro umsetzen, wenn du willst. Es ist möglich. Auch mit einer Marke, die noch keiner kennt in China. Das geht aber nur über die Kraft des Influencers und über einen Livestream. Beispielsweise haben wir tolle Influencer, zum Beispiel Chinesen, die in Europa leben, in dem Fall in Österreich, haben, let's say, vier Millionen Follower. Und sie kann dann an einem Tag im Livestream, und das sind in der Regel acht Stunden, die streamt also fast den ganzen Tag live. die wiederholt sich dann auch oft, weil die Zuschauer, bleiben ja in der Regel 30 Sekunden bis anderthalb Minuten in deinem Stream. Das heißt, es ist oft auch eine Wiederholung. Kaufe das Produkt, du hast bei mir den besten Preis. Also, musst mit dem KOL, und das kontrolliere ich natürlich auch, du musst dem den besten Preis bieten. Das heißt, wenn der Kunde dann auf T-Mall geht und auf anderen Plattformen die Preise höher, bei dem KOL im Leistungssinn niedriger. Das wird ja auch viel über Preis im Leistung verkauft oder über GWPs, also Gift with Purchase, dass man einfach ein besseres Angebot hat.

38:41 Damian Maib: Sehr aufergetrieben. Und damit kannst du natürlich, wenn du die richtigen KOLs überzeugst, entweder weil deine Relationship mit denen super stark ist und die das machen, weil sie dich gut kennen und dich mögen oder weil sie total hinter der Marke stehen, dann kann man auf TikTok in China und auch in Deutschland richtig erfolgreich umsetzen. Beispielsweise haben wir uns gerade einen tollen Case angeschaut. Ich weiß nicht, ob du die Marke Klosterfrau kennst. So Leberkraft und so weiter. Also ich würde mal sagen, ist nicht the most... Genau, genau. Es ist ein Produkt, was nicht unbedingt mega sexy ist. Und die haben es hier in China geschafft. Innerhalb von einem Jahr. einen Umsatz von 7 Millionen Euro auf TikTok auf mehr als 50 Millionen Euro zu skalieren. In einem Jahr 7 Millionen auf 50 das musst du auch erstmal logistisch hinbekommen, ja mit der ganzen Lieferkette und der Produktion.

39:00 Erfolgsbeispiele: Wie Klosterfrau in China durchstartete

39:44 Moritz Blees: Jaja, und das ist jetzt auch nicht die größte Pharmafirma, Also das ist, ja. Okay, spannend. Und wie? Also was macht das dann aus?

39:52 Damian Maib: In dem Fall ist es tatsächlich so, wir haben das rauf und runter analysiert, weil das natürlich ein total crazy Case ist. Als wir den in unseren Daten gesehen haben, haben wir gedacht, hey, pass auf, das ist ein Datenfehler. Guck mal nächsten Monat nochmal rein. Weil die auf einmal dann von ein paar Hunderttausende im Monat auf einmal, in einem Monat fünf Millionen, und dann war es im nächsten Monat sechs, sieben, acht und wo ist das? Das muss ein Fehler sein. Aber nein, das haben wir uns dann mit unserem Team genauer angeschaut. Und das liegt daran, dass die mit einem Influencer der ungefähr 30 Millionen Follower hat in China und auf TikTok 400 verschiedene Accounts. Also er hat ein Team und die haben dann 400 verschiedene Accounts, was aber alles nur er ist, worüber die Videos posten. Also in dem Fall TikTok Quantity Matters. Viel Video Output, Follower auf verschiedenen Kanälen und dann gleichzeitig live gehen über 400 verschiedene Kanäle mit dem guten Angebot. mit dieser Strategie hat er für ein paar Marken extreme Umsätze erzielt und eine davon ist eben Cluster.

40:53 Moritz Blees: Okay, also ich nehme mit, während die T-Mall in so einer Amazon-ähnlichen Logik funktioniert, Reviews aufbauen, Rankings aufbauen, sukzessive, little by little da irgendwie hocharbeiten, ist TikTok ähnlich wie das in Deutschland vermutlich auch ist. Ein Hit-Business, so. Du kannst mit einem Content-Piece, das viral geht, oder und oder ... die halt viel Reichweite haben und die dann über viele Accounts, viele Videos generieren, die dann gegebenenfalls auch irgendwie viral gehen, sehr viel schneller deine Mark eskalieren. ⁓ Meine Beobachtung ist die, also ich komme ja so aus, ich wurde ja sozialisiert in dieser Instagram-Welt. Also ich bin jetzt 37 Jahre alt, für mich ist TikTok eigentlich viel zu schnell. So, ich merke richtig, dass ich alt werde. bei TikTok und während bei Instagram es ja eigentlich viel mehr Qualität als Quantität ging, geht es bei TikTok nach meinem Verständnis ja, weil jedes Video ja ein Hit werden könnte, mehr ⁓ einfach die von viel Content mit der Hoffnung, dass irgendwas hittet. Hab ich das richtig zusammengefasst?

42:00 Damian Maib: Ja, ja, das ist eigentlich absolut richtig. Instagram bist du eher weniger Content dafür, bist du bei Quality gegebenenfalls noch ein bisschen retuschiert und alles perfekt gemacht. Und auf TikTok ist es eigentlich mehr Authenticity und viele Inhalte. Also tatsächlich in dem Fall Quantity Overquality.

42:19 Moritz Blees: Und wofür brauche ich dann eigentlich diesen Key-Opinion-Lieder? Weil theoretisch könnte doch jetzt jeder dieses Content-Piece produzieren, was viral geht. Aber du sagst mir jetzt, ja, mit so Key-Opinion-Lieder ist es schon ... Das ist schon der Way to go eigentlich.

42:33 Damian Maib: Ja, aber das stimmt, was du sagst. Du kannst auch selber das virale Content-Peace kreieren. Wir haben also weniger über die Marken gekauert, weil die einfach immer so bisschen unauthentisch sind. Wer es eigentlich ganz gut hinbekommt, sind die Hitchies. Hitchler-Bäcker, die Süßigkeiten. Die Hitchies, die machen das ganz gut. In China nicht, nein. Aber in Deutschland. In Deutschland. Weil TikTok-Shop hat jetzt ja auch in Deutschland gestartet. Und die machen das tatsächlich gut, sehr authentisch, irgendwie total nahbare Brand. Aber in der Regel würden wir solche Videos eher von den End-User-Accounts sehen. Ob das jetzt ein KOL ist, also Influencer, oder jemand wie du und ich, vielleicht mit weniger Followern auf TikTok. Wir können auch ein virales Video machen und wir können auch gut verkaufen. Und das ist das Tolle an TikTok. Das ist nicht... Unbedingt ist es gibt nur einen erfolgreichen und dann sehr viele long tail KOLs, die nicht erfolgreich sind, sondern du kannst auch wenn du 30.000 Follower hast, dann kannst du auch schon, wenn du gut verkaufen kannst und wenn deine Follower von dir kaufen möchten, kannst du auch signifikant verkaufen. Teilweise besser als jemand der eine Million Follower hat, von dem die Follower aber eigentlich nichts kaufen wollen. und der selber auch kein guter Verkäufer ist. Es kommt wirklich auf den Content an.

43:55 Moritz Blees: Wir hatten ja eben schon das Thema der Influencer als Medienmarker versus der Influencer als Promoter. Für diejenigen, sich mit TikTok shoppen, weil es gibt es ja noch nicht so lange in Deutschland, noch nicht beschäftigt haben, kannst du einmal kurz zusammenfassen, wie funktioniert das denn eigentlich? Also wie ist der Nutzerflow und wie ist auch das Provisionsmodell für denjenigen, irgendwie ein Produkt promotet?

44:14 Damian Maib: Ja, genau, TikTok-Shop funktioniert so, dass das jetzt eben seit dem 31. März 2025 in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern verfügbar ist, dass du Produkte direkt aus TikTok, ohne TikTok verlassest und das kaufen kannst. Also auf TikTok gibst du deine Adresse ein und dann zahlst du ganz einfach mit entweder Kreditkarte, Paypal, Apple Pay, total simpel direkt aus der App und bekommst das Produkt nach Hause geliefert. TikTok bekommt davon eine Commission. In der Regel sind die bei die 5 % also auch deutlich geringer als Amazon und der KOL bekommt auch eine Commission. Die ist aber, die unterscheidet sich quasi von Brand zu Brand und je nach Deal. Es gibt zwei Szenarien. Das eine ist der Open Plan. Da kann man als Marke sagen, gebe auf, egal wer ein Video macht und mich verlinkt, ich gebe jedem 5 % oder 8%. Und dann gibt es noch den Target Plan. wo die Marke sich die Influencer rauspicken kann und sagt, hey, Moritz, dein Profil gefällt mir, möchtest du meine Marke bewerben, ich geb dir 10 % oder ich geb dir 15%. So, da in den Größenordnungen sieht man sich das gerade bewegen. Und man kann davon ausgehen, dass je professioneller dann der Kanal wird und je signifikant dann auch Umsatz generiert wird, werden sich die Commissions. und dann nochmal anpassen.

45:28 Moritz Blees: Okay, also es gibt quasi so ein RFP-Modell, wo du dann nicht Request for Proposals, aber Request for Promoters quasi machst, wo du dann sagst, so hier kann jeder mitmachen, der will. Und ein Modell, wo ich mir jetzt die, mit denen ich arbeiten möchte, raussuchen muss, da muss ich aber kompetitiver in meiner Incentivierungsstruktur sein, wenn ich sage, warum sollten sie es sonst machen?

45:49 Damian Maib: Genau, Würden wir eine Regel empfehlen und dann tritt man ja auch nochmal mit dem Influencer persönlich im Kontakt. Teilweise gibt es auch nochmal eine Fix-Fee mit dazu. Das kommt dann immer auf den individuellen Deal drauf.

45:59 Moritz Blees: Das heißt, ich kann meine Incentivierung pro Person, pro Account, einzeln machen.

46:05 Damian Maib: Ja, genau, genau. Man kann immer wieder eine andere Kampagne basically anlegen im Backend und sagen, okay, die Kampagne nehme ich Moritz und du kriegst die Commission auf das Produkt. Man kann auch die Produkte auswählen.

46:16 Moritz Blees: Ja, und es gab ja in der Vergangenheit, ich erinnere mich zum Beispiel so bei Instagram und so gab es auch einige, die versucht haben, Leute variabel zu incentivieren. Und da hattest du aber immer Vertrauensprobleme. Also der Influencer hat gesagt, naja Marke, ich weiß ja nicht, ob ihr mir die richtigen Zahlen sagt. Und die Marke hat dann gesagt, naja, du hast uns bei deiner Active-Read ja auch angelogen. Insofern müssen wir uns da jetzt irgendwie irgendwie gegenseitig vertrauen. Und das ist aber jetzt ja ausgesetzt, weil alles in TikTok stattfindet und TikTok da einfach niemandem gegenüber beißt ist.

46:50 Damian Maib: 100 % richtig. Ja, da kann man nichts fälschen. Das geht alles direkt übers TikTok-Backend. Der Influencer wird übers TikTok-Backend ausgezahlt und die Marke auch. Und da muss man gar nichts mehr selber machen.

47:03 Moritz Blees: Und was definiert jetzt eine, fangen wir mal mit China an, in China sehr erfolgreiche TikTok-Markt?

47:08 Damian Maib: Eine in China sehr erfolgreiche TikTok-Marke hat A sehr guten eigenen Content, also gute Shortvideos auf ihrem eigenen Brand-Account, hat hohe Margen, damit man mit möglichst vielen Influencern arbeiten kann, hat ein Produkt, was man auch als Sample eigentlich gut rausschicken kann, dass man das an tausende Influencer im Monat rausschickt für die Shortvideos und hat

47:32 Moritz Blees: Also kann jetzt kein Auto sein.

47:35 Damian Maib: Ja, das wäre nicht das perfekte Produkt für TikTok tatsächlich, Also, ähm, doch.

47:38 Moritz Blees: Also irgendwas, was ich mit der Schrottflinte in den Markt besampeln kann.

47:42 Damian Maib: Ja, das wäre tatsächlich eher geeignet. Haben dann auch einen professionellen, vielleicht eigenen, In-Store-Livestream. Du kannst ja auch zwei Arten Livestreamen. Das eine ist der Brand-Livestream. Da hast du einen Stream, der nur im Babo-Account läuft, wo du auch eher so on-brand bist, gar nicht Hardcore-Sales, sondern eher educational Content. und darüber dann auch Follower in dein Account akquirierst und dann halt gleichzeitig auch nur mit KOLs arbeitest für shoppable short videos, mit Shoplink im Video und für Livestreams. Also du musst quasi die komplette Klaviatur vom TikTok Shop spielen und dann auch noch Performance Marketing Netz. Also du guckst, wenn die Videos gut laufen mit Shoppable Link oder die Livestreams gut laufen, dass du da nochmal extra Traffic kaufst mit App Budget, wie man es bei Meta auch macht.

48:33 TikTok Shop in Deutschland: Erste Erfahrungen und Learnings

48:33 Moritz Blees: Und Wenn wir jetzt mal die Brücke schlagen nach Europa, Schrägstrich Deutschland. Ihr habt jetzt etwas über sechs Wochen TikTok Deutschland Shop Erfahrung. Mein Gefühl oder das, was ich so aus dem deutschen Markt höre, ist TikTok Shop ist live. Bislang passiert da relativ wenig. Es gibt relativ wenige, also zumindest kenne ich noch niemanden, der es schafft, damit Geld zu verdienen. Was machen wir falsch?

48:55 Damian Maib: Das ist total gemischte Erfahrung, die man da auf TikTok gerade sieht. Wir haben jetzt schon ein Dutzend Shops auf TikTok offen. Und also auch innerhalb der ersten sechs Wochen. Wir waren auch selber auf den Online Marketing Rockstars jetzt in Hamburg kürzlich Anfang Mai und haben da für zwei Tage jeden Tag wie lange live bestreamt. 10 Stunden waren wir live, jeden Tag so, 8 bis 10 Stunden, mit verschiedenen Marken. Wir haben gesagt, hey Mark A, also Hitchies, dann Kosova, Essence, Nivea, all die Marken waren dabei und haben live gestreamt, das alles auch Showcase, Erfahrungen, Umsatz zu generieren etc. Und da haben wir auch gesehen, es gibt Marken, die können in ihrem eigenen Livestream extrem gut verkaufen und es gibt Marken, denen klappt das halt noch nicht. Und das ist eine Mischung zwischen, haben die eigentlich schon Traction auf TikTok? Ist der Kunde schon da? Haben die einen Account mit einer vernünftigen Followerbase? Und wie authentisch ist eigentlich der Präsenter? Und es ist dann so bei Marken, wo der Eigentümer vielleicht selber TikTok-native ist oder ein bisschen mehr Social Media-affin und auch vor die Kamera tritt, hat den höheren Erfolg als bei Marken, die das eher unauthentisch machen. Zum Beispiel hat ja auch genau Tarek Müller

50:16 Moritz Blees: Ja, also für diejenigen, die es nicht gehört haben, Tarek Müller sagte, er hat mit seinem About You TikTok Shop 5000 Euro Umsatz gemacht und Oton, wenn er sich auf den Flohmarkt gestellt hätte, wäre mehr reingekommen.

50:30 Damian Maib: Ja genau, ich glaube das Problem ist, dass er sich nicht auf den Flohmarkt gestellt hat. vielleicht hätte er auch mal vor die Kamera gehen sollen. Lustigerweise hat er ja über viele verschiedene Szenarien im Livestream ausprobiert, aber der Erfolg ist eben ausgeblieben. Wir haben den Marken immer so einen 90 Minuten Slot gegeben bei uns auf den OMR. Und die Marken haben die zweite Marke Es war das Dienstag- oder Mittwochmorgen ⁓ 10 Uhr morgens. in 90 Minuten mehr umgesetzt als Tarex Müllers TikTok-Shop über diese ganze Trial-Periode. Also in 90 Minuten über 5000 Euro. Und von daher ...

51:10 Moritz Blees: weil ein authentischer Gründer sich hingestellt hat und verstanden hat, dass er jetzt im Teleshopping-Modus ist und dann einmal das Offer klar erklärt hat und dann mehrfach was dann irgendwie gemacht hat.

51:22 Damian Maib: Genau, der Tat, in der Tat.

51:24 Moritz Blees: Und ist es fair zu sagen, dass die guten TikTok Marken oder die guten TikTok Live Marken so ein bisschen wie QVC funktionieren? Weil QVC ist ja auch eigentlich immer, du hast ein Offer, du hast eine Person, die anderthalb Stunden über dieses Offer redet und dann irgendwie noch versucht, diese, keine Ahnung, diese beschichtete Pfanne zu zerkratzen, was nicht geht oder was auch immer, und dann wirklich regelmäßig wieder wiederholt. Du musst in der Lage sein, acht Stunden lang dasselbe zu sagen.

51:54 Damian Maib: Ja, im idealen Fall schon. Also es muss jetzt in Deutschland nicht die 8 Stunden sein, da werden wir aber hinkommen, definitiv. Wir sehen das auch in der UK und in USA, dass in Großbritannien ein Livestreamer 8 Stunden live geht und dann 2 Millionen British Pounds umsetzt, in 8 Stunden. Der Case ist da, der Case ist real, in der UK. In Deutschland haben wir das natürlich noch nicht, da ist das alles zu jung. In der Regel sind die Live-Zeiten in Deutschland gerade so alles zwischen ein und drei Stunden. Also so zwei Stunden ist eine gute Zeit für irgendjemanden live zu gehen. Und wie du sagst, der muss diese QVC-Qualität mitbringen, sich auch teilweise wiederholen, sich schneller zu wiederholen, weil die Kunden bleiben gar nicht so lange drin, wie bei QVC, also noch schneller.

52:35 Moritz Blees: Also wie lange bleibt jemand im Livestream in Durchschnitt? Drei Minuten? Fünf Minuten? Ja, Und ich muss, um Gottes Willen, das heißt ich muss es schaffen, acht Stunden lang alle 30 Sekunden die Hook zu hauen und das Offer zu wiederholen.

52:50 Damian Maib: Ja alle paar Minuten alle paar Minuten. Du kannst natürlich auch also du kannst natürlich auch leichtes anders aufbauen hast du ein verschwindes Produktportfolio also nicht jeder wird in den 30 Sekunden in den da drin ist das komplette Angebot kennenlernen das geht nicht manche werden das einfach nicht kennenlernen du hast natürlich auch auch irgendwie Leute die bleiben 10 Minuten 20 Minuten in deinem stream aber ein average ist es halt so dass die das die durchschnittliche TikTok ist ja auch mehr als live. live war im ersten Monat bei TikTok jetzt extrem im Mittelpunkt und im Fokus, weil du noch gar keine Performance-Marketing-Sachen machen konntest, weil die shoppable Videolinks erst ein paar Tage und Wochen später funktioniert haben. Deswegen, weil ich gesagt, macht lives, das ist für euch... Game Visitors zu bekommen und zu verkaufen und TikTok geht nur bei Live-Shopping. Das stimmt aber gar nicht. Also jeder, jetzt den Kopf in den Sand steckt und sagt, ich verkaufe beim Live nicht und TikTok-Shop ist scheiße, hat das auf jeden Fall zu früh abgeschrieben.

53:54 Moritz Blees: Ja, und man muss ja auch sagen, also ich mache jetzt seit zwölf Jahren mindestens E-Commerce so und seit mindestens sechs Jahren davon wird mir gesagt, dass live das nächste große Ding ist. davon gesehen habe ich jetzt wenig in Deutschland bislang. Mir ist vollkommen bewusst, dass das in China extrem wichtig ist. Aber selbst in den USA hat das noch nicht so richtig Traktion bekommen. Also gehst du jetzt davon aus, dass in dem Moment, dass jetzt mit TikTok Shop auch Live-Shopping nach Deutschland kommt.

54:22 Damian Maib: Ja, da gehe ich schon von aus, definitiv. Du hast recht, man hat das schon vor sechs Jahren gehört. Warum? Weil, also vor allem auch bei Covid, weil viel auch aus China getrieben kam. Wir hatten da auch dutzende Interviews mit Handelsblatt und sonstigen oder teilweise auch online Marketing-Medien. Hey, wie funktioniert das Live-Shopping in China? Wir müssen das unbedingt für Deutschland bringen. Es ist Covid, man muss einkaufen können und das hat nicht funktioniert. Oder nicht vom Umsatz her. Douglas macht das ja teilweise selbst und so weiter und so fort. dass es wirklich auf einer Plattform passieren kann wie TikTok, in der du noch kaufen kannst. Das ist absolut neu. Und ich glaube definitiv, dass das erfolgreich wird. Also basically TikTok Live, TikTok Shop Live ist wie QVC auf Stereoids. Und wir sehen, dass es in der UK funktioniert. Und die UK ist gar nicht mehr so weit weg vom Markt wie Deutschland. Und in Deutschland ist es auch teilweise gut angelaufen. Das Tarek Müller-Example ist zwar jetzt prominent und ist jetzt auch ein prominentes schlechtes Beispiel. Und ich glaube, werden in der nächsten Woche noch paar gute, prominente Beispiele geben.

55:23 Moritz Blees: Ja, also ich verstehe das Problem von Tarek. Gleichzeitig, dass ein About You, die ja ein sehr breites Produktportfolio haben, nicht der ideale erste Case ist, weil sie jetzt nicht ein konkretes Offer schnüren können, wie jetzt zum Beispiel das eine Mornutrition machen könnte, wenn sie jetzt irgendwie das Eismatchalatte-Proteinpulver raushauen. Das verstehe ich. So, ne? Also Ich glaube, es gäbe viele Marken, die sich eher fühlen würden. glaube, was hilft, ist dieses mentale Modell zu haben von... So, glaube, was hilft ist, das mentale Modell zu haben von Teleshopping. Zu sagen, ich brauche einen Offer und dieses Offer muss ich klar promoten und nicht den Shop im Ganzen, die Marke im Ganzen vorstellen, sondern das alles wichtig. Aber was vor allem wichtig ist, ist, dass es ein konkretes Angebot gibt.

56:12 Damian Maib: Ja. Ja, das ist in der Tat richtig. Und was man auch machen sollte, eben ein Preheat Video. Also ein Short Video auf deinem TikTok-Kanal, wo du sagst, in zwei Tagen gehe ich live und ich habe die Produkte für euch. Und in dem Livestream mache ich euch das beste Angebot. Und die ersten 10 Käufer bekommen nochmal das umsonst obendrauf. Registriert euch heute für meinen Livestream am Freitag. damit ihr den auf keinen Fall verpasst. Und dann kannst du dich quasi auch schon für den Livestream registrieren in der TikTok-App und bekommst dann ein Pop-up und ein Reminder, hey, Moritz ist jetzt live. Also, da musst du auch die Follower schon mal darauf vorbereiten, dass du guten Start hast. Denn die ersten 15 Minuten sind extrem wichtig. Wenn die ersten 15 Minuten guten Traffic hast, gute Statistiken, also gute Conversion-Rates, vielleicht anfängst du mit Produkten, die etwas niedrigpreisiger sind, damit du schon mal auf die Conversion-Rate kommst. Dann, so ist es auch von TikTok belohnt, bekommst du immer mehr Traffic rein. Also man kann, man kann muss solche Leistungszeichen eigentlich strategisch aufbauen.

57:16 Moritz Blees: Okay, verstehe. Und was ist denn so ein guter, weil eine andere goldene Regel ist E-Commerce, ist ja, dass du unter 50 Euro Warenkorb nicht sustainable E-Commerce betreiben kannst. Deine Logistikkosten sind zu hoch, Retourenquoten und so weiter. Ist das in der TikTok-Welt anders oder bleibt das? Also muss ich quasi, wenn ich jetzt so Kosmetiker habe, die so bundeln, dass ich diese Warenkorbhöhen erreiche?

57:42 Damian Maib: Ja, ich glaube, dass es spannend ist, diese Warenkorbhöhen muss man nicht erreichen. Wir haben zum Beispiel auch im Kunden, wir machen das für Essence, Essence Kosmetik, da kostet ein Pula und ein Lipgloss drei Euro. Und trotzdem schaffen wir es, TikTok Shop zu verkaufen. Tempo her gibt es derzeit Subventionen von TikTok. Das ist das Teil beim ersten Kauf. Wenn du jetzt das erste Mal einkaufst, dann ist alles ab fünf Euro für dich versandkostenfrei. TikTok zahlt den Versand. zweiten Kauf sind es dann 10 Euro, beim dritten Kauf sind es dann irgendwie 15, vielleicht irgendwann mal 20 Euro.

58:19 Moritz Blees: Und das funktioniert, vielleicht, weil wir darüber nicht gesprochen hatten, gibt es so Art Firmament bei TikTok dann, dass die das dann irgendwie selber hinbekommen?

58:28 Damian Maib: Richtig. gibt absolut, es gibt Fulfillment bei TikTok genauso wie Fulfillment bei Amazon. Man muss das nicht machen. Man kann es aber machen. Wir haben bereits viele Marken bei Fulfillment bei TikTok, weil es eben auch die Möglichkeit gibt, dass du über verschiedene Shops hinweg bundelst, ⁓ dann auf deinen Mindestbestellwert zu kommen. Das heißt vielleicht auf TikTok Shop generell 20 Euro Mindestbestellwert Versandkosten frei. einzukaufen und dann kannst du ein Produkt nehmen aus dem Essence Shop, dann kannst du ein Produkt nehmen aus dem Hitchi Shop und irgendwie More Nutrition, ESN, alles zusammen schmeißen und dann über die 20 Euro kommen und dann ist wieder schon versandkostenfrei. Das heißt, man muss diesen 50 Euro Warenkorb definitiv nicht erreichen, damit TikTok Shop für einen Sinn machen kann.

59:17 Moritz Blees: Ok, aktuell, weil es weil es subventioniert wird von TikTok, in den Markt zu kommen. Perspektivisch, weil ich verschiedene Marken, deren Vertriebler ich bin, zusammenlegen kann, das dann irgendwie da hinzukommen. Ok, verstehe ich. Was ist denn vielleicht mal ganz allgemein dein Blick auf, welche Rolle TikTok Shop im deutschen E-Commerce spielen wird?

59:31 TikTok Shop vs. Amazon: Wer wird den Markt dominieren?

59:40 Damian Maib: Ja, es ist eine spannende Frage, denn wir haben das hier in China ja gesehen, wie stark sich das entwickelt hat, vor allem in den letzten fünf Jahren. Und das ist wirklich so ein Platzfälschen wie T-Mall. Den können wir ja gerne vergleichen mit Amazon, ja, im deutschen Markt. Absolut Marktanteile gekostet hat. Und das Gleiche, das werden wir auch erwarten für den deutschen Markt. Wenn man sich den kompletten E-Commerce-Markt anguckt hier in China, hat TikTok Shop, also Douyin, wie es hier heißt, innerhalb von fünf Jahren etwas weniger als 15 % Marktanteil gewonnen. Also schon beeindruckend. Du konntest wirklich in Quartalen sehen, wie der Marktanteil signifikant gewachsen ist. Und dann gibt es davon natürlich wieder Subindustrien, bei denen der Marktanteil schon höher ist. im Messmarket-Color-Kosmetik-Bereich, einer Dekorativen Kosmetik in China. sehen wir, dass TikTok schon die Hälfte des gesamten Marktes ausmacht. Und wir glauben, dass das in Deutschland definitiv gut ankommen wird. Wir haben ja die ersten Zahlen bei uns. Bei ein paar Shops sind wir deutlich übertroffen. Also generell ist das Thema TikTok Shop da, ⁓ zu bleiben. Und ich glaube, dass das ernstzunehmender Wettbewerb für Amazon ist und auch ernstzunehmender Wettbewerb für die eigenen Dotcom Shops, die zum Beispiel auf Shopify gehostet werden.

1:01:05 Moritz Blees: Mhm, okay, ich verstehe. Und ... Wie? können Marken sich dafür jetzt positionieren. Also würdest du jedem empfehlen zu sagen, versucht es mal mit TikTok oder würdest du sagen, naja, wenn ihr Nahrungsergänzungsmittel, Food, auch Kosmetika, also wenn historisch, vielleicht kann man es zusammenfassen, wenn historisch Influencer-Marketing für euch funktioniert hat, wird TikTok Shop für euch funktionieren.

1:01:29 Damian Maib: Ja, das definitiv, das stimmt. Man müsste nur gucken, auch da müsste man bisschen unterscheiden, welches Influencer Marketing hat gut funktioniert. Ist es eher ein komplettes Instagram Produkt, wo auch die Zielgruppe ja momentan ein bisschen älter ist. TikTok ist dann doch schon mal noch etwas jünger, wobei wir auch merken, dass das TikTok jetzt total divers wird, also auch über alle Altersgruppen hinweg genutzt wird. Also per se Würde ich das nicht unterschreiben aber in die Richtung geht es schon mal wenn du eine influencer brand bist oder ein produkt was sich gut mit influencer vermarktet hat auf anderen plattformen dann solltest du auf jeden fall auch ticktok ausprobieren und nicht ernüchternd sein wenn Ist in den ersten zwei monaten jetzt noch keinen durchbruch gegeben hat denn da ist wirklich viel überprobieren probieren welche content pieces gut funktionieren und dann eben wieder auf die notwendige quantity kommen dass man überhaupt wirklich ausschlaggebende Erfahrungswerte hat.

01:02:30 Shein & Temu: Disruption durch Cross-Border-E-Commerce

1:02:30 Moritz Blees: Mhm. Okay, also dranbleiben. Und ... Wir haben jetzt viel über ... TikTok und TikTok Shop geredet. Ich glaub, ich hab relativ gut verstanden, was da ... jetzt, ähm ... aus deiner Sicht zu tun ist. Es gibt ja noch zwei andere Player, über die sehr viel gesprochen wird im Hinblick auf E-Commerce und China. Und nämlich Shein und Temu. Die sind ja jetzt auch nach Deutschland gekommen. Und jetzt gab es über längerem Zeitraum ... viele Berichte darüber, dass die sehr viel disrupten werden in Deutschland. Was ist da deine Einschätzung?

1:03:02 Damian Maib: Ja, gut, ich glaube, Temu und Shiiin sind natürlich sehr, sehr unterschiedlich zu dem, TikTok jetzt vorhat, wo es ja bei TikTok eher darum geht und auf viele andere Plattformen wirklich local to local. Also ich verkaufe etwas von Deutschland an einen Kunden, in Deutschland ist. Und Temu und Shiiin sind ja eher so ein bisschen Cross-Border-E-Commerce-Modell, wo du verhältnismäßig günstige und auch dann tatsächlich eher low-quality-Produkte. aus China, also genau dieses Vorurteil, was wir widerlegt hatten, aus China nach Deutschland und in die Rest der Welt exportiert. Ich glaube, für diese gewisse Zielgruppe, die eben sehr preissensitiv ist oder ein Produkt hat, wo es jetzt nicht unbedingt auf die Qualität ankommt, sondern wirklich nur auf den Preis, hat Tmoo und Shinen auch nach wie vor eine Daseinsberechtigung. Man kann da auch durchaus Marktanteile von anderen Playern... die vielleicht ein großes Portfolio haben und Sachen im ähnlichen Preissegment, aber auch höheren Preissegment, dass die Marktanteile von dem niedrigen Preissegment eben abgraben. Ich glaube, ist auch Themenunschieden auch gekommen, ⁓ zu bleiben. Wird sich allerdings herausstellen und noch zeigen, wie geht Europa mit diesen ganzen Zoll-Thematiken ⁓ Dadurch, dass man auch immer wieder auf das Thema kommt, unfaire Wettbewerb, kein Level-Playing-Field, weil man keine Steuern bezahlt. und die Pakete eben immer unter diese 150 Euro Zollfreigrenze bringt. Das wird sich meiner Meinung nach definitiv ändern und auch ändern müssen. hatte da vor einem Jahr, als Olaf Scholz in Shanghai war, mit einer großen Wirtschaftsdelegation, hatte ich genau über dieses Thema nämlich referiert. Ich denke, die sollte und muss man einführen. Das wäre tatsächlich fair und reziproak. Das machen die Chinesen nämlich auch. Wenn wir was aus Deutschland nach China schicken, zahlen wir auch pauschal einen Betrag auf den Umsatz. Und ich glaube, das sollte man bei Timo und Shin auch machen. Also auch gekommen, zu bleiben, aber wirklich eher in diesen Niedrigpreissegmenten, wobei TikTok eigentlich auch in der Zukunft in die Premiumrichtung geht.

1:05:04 Moritz Blees: Okay, verstehe. Also dein Take ist, Schäin hat sehr hohe regulär-rurische Risiken, würde ich jetzt mal nennen, weil man davon ausgeht, dass das Geschäftsmodell in dem Moment, wo dieser Weltpostvertrag und die Zölle wirklich eingeführt werden, nicht mehr in der Art, das Geschäftsmodell funktionieren kann wie heute. Zweitens sagst du, naja, aber du gehst nicht davon aus, dass so wirklich Name-Brands auf irgendeiner absehbaren Zeit sich zu Chenein oder Tempo verirren werden, sondern die werden eher ihr Glück im TikTok-Shop suchen, wenn sie auf eine chinesische Plattform

1:05:37 Damian Maib: Ja, genau, das hast du so absolut gut zusammengefasst. Ich glaube, Shino und Temu haben einfach noch diesen etwas ramschigeren Ruf. Und TikTok tut alles, das zu vermeiden und das auch erfolgreich. Also wenn man sich jetzt schon anguckt, welche Marken auf TikTok sind und die Nachfrage der Marken, die auf TikTok wollen, das ist ja the hot topic at the moment. TikTok Shop. Und jeder muss gucken, ob er dabei sein möchte. Dann ist das schon mal ganz anderes Game.

01:06:05 Business-Ideen aus China: Was in Deutschland funktionieren könnte

1:06:05 Moritz Blees: Okay, ich verstehe. Ich könnte stundenlang weiterfragen, ehrlicherweise, aber wir müssen langsam auf die Zielgerade kommen. Vielleicht machen wir irgendwann ein Follow-up. Es gibt so eine Standardfrage, die wir hier bei Fondamode gerne unseren Gästen stellen, nämlich welche Businessideen würdest du empfehlen, die man jetzt macht? Und da du ja einen sehr guten Blick auf den chinesischen Markt hast, würde ich mich freuen natürlich, wenn du so ein bisschen So vielleicht Systeme oder Ideen, die dich inspirieren, so aus China, irgendwie vielleicht adaptieren, wo du sagst, das könnte man eigentlich jetzt direkt in Deutschland machen. Kannst aber auch ganz fremd gehen. Kannst auch sagen, mach mal ne Bubble Tea Kette. Fallen dir da so zwei, drei ein?

1:06:43 Damian Maib: Ja, ja, lustigerweise, lustigerweise hatte ich gestern mit jemandem über das Thema gesprochen. Ja, eine T-Kette des Starbucks for Tea. Ja, also das finde ich tatsächlich ganz interessant. Man hat hier in China auch den einen oder anderen Case. Ich finde natürlich, weil ich selber in diesem Social-Commerce-Thema sehr stark drin bin und sehe, wie erfolgreich das sein kann, dass es jetzt nach Deutschland kommt. Ich finde, das ist jetzt momentan die wahnsinnige Opportunity für Brands oder auch für neue Marken. Das ist meiner Meinung nach das Instagram Zeitalter. Wo Instagram 2.14, 2.13, 2.14, 2.15, wo die Instagram Brands rauskamen, ich glaube, jetzt kommen die TikTok Brands. Da sitze ich auch echt große Stücke drauf. Und ansonsten, ich hier in China natürlich super cool finde und convenient, sind, du dir alle fünf Meter kannst du dir Powerbanks ausleihen, um dein Telefon zu chargen. Aber ich weiß nicht, ich in Deutschland ist der Need einfach noch nicht so da. Da sehe ich den Case in Deutschland noch nicht ganz. Leute versuchen das momentan auch schon vereinzelt, wäre aber weniger erfolgreich. In China finde ich das immer nur ganz toll und eine etwas abwegigere Idee oder wo man ein bisschen bolder sein muss. Ich sehe hier tagtäglich wie gut die chinesischen Elektroautos sind und wie gut die herstellen. Die werden alle hergestellt. Qualität ist super, Preis ist gut. Man könnte eigentlich demnächst sagen, komm Man sagt der damir und moritz setzen sich zusammen machen eine eine automarke einfach eine automarke das konntest du dir vor zehn jahren nicht vorstellen aus den riesen investment ich glaube es ist so wenn du heute sagst du machst eine kosmetik marken suchst du eine oem da macht wirklich das kosmetikprodukt so kann das auch bei den elektrik vehicles sein denn im endeffekt sind die alle sehr ähnlich aufgebaut und die manufacturer hier in china die sind eigentlich sehr offen als OEM für dich zu arbeiten. heißt, du tolles Elektroauto, packst deine Marke drauf, kannst die Marke auch deutsch nennen.

1:08:36 Moritz Blees: Also genau, OEM vielleicht kurz ist ein Original Equipment Manufacturer, das bedeutet quasi eine White Label Lösung.

1:08:42 Damian Maib: Genau, einfach eine Whitelabel-Lösung. gehen zur Fabrik, sagen das Auto heißt jetzt das Auto. Keine Ahnung. dann das E-Auto und bauen dann die Marke in Deutschland Europa auf. Das finde ich wirklich extrem spannend.

1:09:01 Moritz Blees: Wow. Also das ist so, wenn man das meiner Mutter erklärt, dass wir jetzt White Label Lösungen für chinesische Autos in Deutschland machen, irgendwie dann wirst du... Aber ich glaube, ich bin mir 100 % bei dir, ich glaube, das würde funktionieren. Ein Volvo ist im Kern auch ein chinesisches Auto mittlerweile. Und da dann die Marke neu aufzubauen. Ich erinnere mich, es gab mal einen Trend vor langer Zeit, wo sehr deutsch klingende Marken, wie Blaupunkt und so weiter, von Chinesen gekauft worden sind, einfach damit sie die Marke hatten, dann ihre eigenen Produkte da irgendwo ran. Sowas könnte man wahrscheinlich auch machen, dass man irgendeine alte Marke, die man noch so ein bisschen kennt, irgendwie der Trabant irgendwie wieder aufleben lässt. Ja, gefällt mir gut. Drei sehr spannende Ansätze. Finde gut. Vielleicht einmal hast du einen Call to Action vielleicht in unserer Community? Also sucht ihr jetzt in Deutschland Leute für TikTok Shop? Suchst du nach Investments? Wer sollte sich definitiv bei dir melden?

1:09:57 Damian Maib: Ja du, wenn du so fragst, wir suchen auf jeden Fall immer tolle motivierte Mitarbeiter für unser Team. Tolle Team-Members im Bereich Influencer-Marketing für TikTok. Da stellen wir gerade sehr viel ein. TikTok Shop-Management, also das ganze Thema rund TikTok, Social-Commerce, wen das interessiert. und da mitarbeiten möchte, der darf sich sehr gerne bei uns melden und genauso auch für Markeninhaber. Wer als Marker auf TikTok Shop möchte, wir machen das, darf sich auch gerne bei mir melden. Also vielen Dank für den Call to Action. Und ansonsten, weil wir auch so viel über China gesprochen haben, würde ich natürlich auch einmal empfehlen, dadurch, dass es gerade auch visafrei möglich ist. Das heißt, du brauchst kein Visum, hier in China gerade einzureisen. Das gab es noch nie. Also es hat jetzt erst vor ein, zwei Jahren angefangen. Einfach mal in den Flieger steigen. sich Shanghai, China angucken und mit einem neuen, anderen Weltbild wieder nach Hause.

1:10:55 Moritz Blees: Schön. Gleichzeitig vielleicht von meiner Seite aus noch, du bist auch Podcaster und machst mit deinem Podcast den chinesischen Markt verständlicher für Deutsche. Wo findet man diesen Podcast und wie heißt der?

1:11:08 Damian Maib: Genau, ja den findet man überall wo es Podcasts gibt, wie zum Beispiel bei Spotify, Apple Podcasts und so weiter und der heißt Made in China.

1:11:17 Moritz Blees: Made in China, wir verlinken es auch in den Show Notes. Damian, vielen Dank für deine Zeit. Ich habe sehr viel mitnehmen können und irgendwann treffen wir uns für einen Follow-Up.

1:11:27 Damian Maib: Absolut, hat mir so viel Spaß gemacht, Moritz. Danke, dass ich dabei sein durfte. Und genau, wir treffen uns jederzeit gerne.

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