Von Franken nach New York: Mit Visionen die Welt verändern
mit Albert Wenger, Partner bei Union Square Ventures und Autor von „Die Welt nach dem Kapital“
Zusammenfassung

Albert Wenger ist ein Franke aus Oberasbach, der mit einem Apple II und viel Freiheit aufgewachsen ist. Ein Austauschjahr in Rochester, Minnesota, zeigt ihm den Kontrast zwischen amerikanischem Optimismus und deutscher Vorsicht. Er studiert in Harvard, weil nur Harvard ihm ein bezahlbares Finanzpaket bietet, geht später für einen PhD ans MIT und gründet 1996 eine Firma. Sein Fazit: Gründer brauchen Fokus über lange Zeit, Investoren vor allem Neugier. Bis er bei Union Square Ventures landet, vergehen noch zehn Jahre.
Mit Feliks und Co-Host Moritz Blees spricht Albert über das Modell von USV: ein Team von insgesamt rund 20 Leuten, thesengetriebene Investments, das Ziel von 3x Cash on Cash pro Fonds und ein flaches Carry ohne Deal-Attribution. Product-Market-Fit erklärt er mit dem Fahrrad: Ohne PMF strampelst du bergauf, mit PMF rollst du bergab. Wer dorthin will, braucht A/B-Tests und Kundenbeobachtung zugleich.

Danach geht es um die großen Themen: Klimafonds mit Nuklear-, Batterie- und Simulationsfirmen, Web3 als erste Technologie für dezentralen Konsens und ein Grundrecht auf eine eigene, loyale KI. Bei KI denkt USV in Szenarien statt in einer einzigen These. In seinem Buch „Die Welt nach dem Kapital“ argumentiert Albert, dass Kapital nicht mehr knapp ist, Aufmerksamkeit aber schon.
Zum Schluss sprechen die drei über das bedingungslose Grundeinkommen, das Albert mit einem eigenen Pilotprojekt in Hudson testet, über Europa als demokratischen dritten Weg zwischen China und den USA und über Achtsamkeit: Sein Telefon steht dauerhaft auf Nicht stören, und jeden Morgen und Abend macht er Atemübungen.
Zahlen aus der Folge
4 weitere Zahlen
Worüber am meisten gesprochen wurde
Kapitel
- 00:00Von Franken nach Harvard: Alberts erste Schritte in die Tech-WeltWerdegang
- 07:26Der Wechsel ins Venture Capital: Warum Albert kein guter Gründer istWerdegang
- 10:04Die Strategie von USV: Thesengetriebene Investments und kleine FondsVenture Capital
- 14:06Product-Market-Fit: Warum PMF das Wichtigste für Startups istProduct-Market-Fit
- 20:52Climate Tech: Nuklearenergie, Simulationen und innovative LösungenKlima, Web3 & KI
- 28:20Web3 & Krypto: Dezentrale Datenbanken als fundamentale InnovationKlima, Web3 & KI
- 36:45Künstliche Intelligenz: Szenarien, Herausforderungen und ChancenKlima, Web3 & KI
- 43:11Die Welt nach dem Kapital: Warum Aufmerksamkeit die neue Währung istGesellschaft & Wissenszeitalter
- 50:33Bedingungsloses Grundeinkommen: Experimente und ErkenntnisseGesellschaft & Wissenszeitalter
- 01:03:30Achtsamkeit & Aufmerksamkeit: Wie wir unsere Zeit zurückgewinnenAchtsamkeit & Aufmerksamkeit
Key Learnings
- 1
Du musst nicht erst gründen, um Investor zu werden
Albert hat 1996 am MIT mit zwei Professoren eine Firma gegründet und dabei vor allem gelernt, dass er kein guter Unternehmer ist. Gründer müssen lange auf dasselbe Problem fokussiert bleiben und gut mit Menschen umgehen, Investoren müssen vor allem neugierig sein und neue Dinge verstehen wollen. Die verbreitete Regel, man müsse erst gründen, um investieren zu können, hält er für falsch.
- 2
Bleib klein und thesengetrieben, wenn du nicht jedem Hype hinterherlaufen willst
Ein sehr großer Fonds muss in fast allen guten Deals stecken, um Returns zu erzeugen. USV will diesen Druck nicht und investiert nur, was das Team versteht. Das Modell: etwa zwei Dutzend Investments pro Fonds, ein Fund-Returner, drei, vier weitere Deals, die den Fonds noch einmal zurückzahlen, und am Ende 3x Cash on Cash. Rein ökonomisch wären größere Fonds wegen der Gebühren rationaler, doch Albert will die Freiheit, das zu tun, woran er glaubt.
- 3
Teile das Carry flach, damit alle an einem Strang ziehen
Bei USV verdient jeder GP an jedem Deal das Gleiche, egal wer ihn gefunden hat oder betreut. Die Analysts sind zeitlich begrenzt dabei und konkurrieren deshalb nicht um eine Associate-Stelle, und alle Mitarbeitenden bekommen einen Teil des Carrys. Wenn etwas schiefgeht, sagt niemand „das habe ich ja gleich gesagt“, sondern das Team löst das Problem gemeinsam.
- 4
Product-Market-Fit ist das Einzige, was wirklich zählt
Ohne PMF fährst du mit dem Rad bergauf: Sobald du aufhörst zu strampeln, bleibst du stehen. Mit PMF rollst du bergab und musst nur aufpassen, nicht zu schnell zu werden. Dann bringen Kunden andere Kunden mit, wie bei Etsy, wo Verkäufer von eBay wechselten und ihre Käufer mitnahmen. Twitter war laut Albert nie gut gemanagt, aber hatte vom ersten Tag an so viel PMF, dass es nicht kleinzukriegen war.
- 5
Miss Zahlen und beobachte Kunden
Die quantitative Schiene mit A/B-Tests und Cohort-Retention brauchst du, aber sie reicht nicht. Dazu gehört Kundenbeobachtung: Menschen können schlecht beschreiben, was sie wollen, reagieren aber gut auf etwas, das sie ausprobieren. Albert empfiehlt dafür das Buch „Customers Included“ von Mark Hurst. Erfolgreiche Firmen beherrschen beides, auch wenn das schwer ist, weil es oft verschiedene Typen Mensch braucht.
- 6
Schau Fear und Greed zu, statt auf jeden Kurs zu reagieren
Wie hält man an einer langfristigen These fest, wenn ein Markt wie Krypto ständig hoch und runter geht? Albert würde seinem jüngeren Ich raten, eine Achtsamkeitspraxis zu haben. Dann kannst du deine eigene Angst sehen, wenn der Preis fällt, und deine Gier, wenn er steigt, tief durchatmen und dich auf das konzentrieren, woran du langfristig glaubst.
- 7
Denk bei unklaren Zukünften in Szenarien und baue ein Portfolio
Bei KI sagt USV offen, dass niemand weiß, wie die Zukunft aussieht. Das Team denkt deshalb in zwei Achsen: Wie schnell geht es Richtung Superintelligenz, und wie viel Macht haben einige wenige Modelle? Investiert wird in Firmen, die in verschiedenen Szenarien funktionieren können, zum Beispiel in eine Geothermie-Firma, deren KI auf Daten aus echten Bohrungen beruht, die nicht öffentlich sind. Genauso ist das Klimaportfolio breit gestreut: Carbon Drawdown, Nuklearenergie, Batterien.
- 8
Schütz deine Aufmerksamkeit mit festen Hacks
Alberts Telefon steht die ganze Zeit auf Nicht stören, nur seine Frau und seine drei Kinder kommen durch. Dazu kommen bewusste Atemübungen jeden Morgen und Abend, mit geschlossenen Augen und einem warmen Waschlappen darauf. Meditation, Yoga und Laufen haben für ihn nicht funktioniert. Sein Argument: Apps und Feeds sind auf unsere Aufmerksamkeit optimiert wie Lebensmittel auf Zucker, also braucht es persönliche Disziplin.
Über den Gast

Albert Wenger
Albert Wenger ist in Oberasbach bei Nürnberg aufgewachsen. Seine Eltern kauften ihm früh einen Apple II, nach einem Jahr in Rochester, Minnesota, studierte er in Harvard Computer Science und Economics. Nach einigen Jahren in der Unternehmensberatung ging er für einen PhD ans MIT, merkte dort aber, dass er kein Akademiker werden will, und gründete 1996 mit zwei Professoren eine Firma. Seine wichtigste Lehre daraus: Er ist eher Investor als Gründer. Heute ist er Partner bei Union Square Ventures in New York, unterrichtet an der NYU einen Kurs zu Product-Market-Fit und schreibt auf seinem Blog Continuations und in seinem Buch „Die Welt nach dem Kapital“ über den Übergang ins Wissenszeitalter.
Häufige Fragen
Wer ist Albert Wenger?
Albert Wenger ist Partner bei Union Square Ventures in New York und Autor von „Die Welt nach dem Kapital“. Er stammt aus Oberasbach bei Nürnberg, hat in Harvard Computer Science und Economics studiert, einen PhD am MIT begonnen und 1996 eine eigene Firma gegründet, bevor er zum Venture Capital kam. Er unterrichtet an der NYU einen Kurs zu Product-Market-Fit und bloggt auf Continuations.
Wie investiert Union Square Ventures?
USV ist thesengetrieben und hält Team und Fonds bewusst klein, insgesamt arbeiten dort rund 20 Menschen. Pro Fonds macht USV etwa zwei Dutzend Investments mit dem Ziel 3x Cash on Cash. Es gibt ein flaches Carry ohne Deal-Attribution: Jeder GP verdient an jedem Deal das Gleiche. Albert betont aber, dass auch andere VC-Modelle erfolgreich sein können.
Woran erkennt man Product-Market-Fit?
Albert vergleicht es mit dem Fahrradfahren: Ohne PMF strampelst du bergauf, mit PMF rollst du bergab. Du spürst Market Pull, Kunden kommen von selbst und vermarkten dein Produkt teilweise für dich, wie die Verkäufer bei Etsy. Um dorthin zu kommen, brauchst du Zahlen wie Cohort-Retention und echte Kundenbeobachtung.
Worum geht es in „Die Welt nach dem Kapital“?
Albert beschreibt den Übergang vom Industriezeitalter ins Wissenszeitalter. Seine These: Märkte waren so erfolgreich, dass Kapital nicht mehr knapp ist, knapp ist jetzt Aufmerksamkeit. Er schlägt drei Freiheiten vor, die sich gegenseitig stärken: wirtschaftliche Freiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, informationelle Freiheit durch eine eigene, loyale KI und psychologische Freiheit durch Achtsamkeit. Das Buch hat er öffentlich auf GitHub geschrieben und Feedback eingearbeitet.
Was hält Albert Wenger vom bedingungslosen Grundeinkommen?
Er unterstützt es seit vielen Jahren und betreibt mit seiner Frau ein eigenes Pilotprojekt in der Kleinstadt Hudson: 128 per Lotterie ausgewählte Menschen erhalten fünf Jahre lang 500 Dollar im Monat. Die Experimente zeigen laut Albert, dass es den Menschen körperlich und geistig besser geht und sie oft in ihre Karriere investieren. Das bestehende Sozialsystem, das Leistungen streicht, sobald jemand arbeitet, hält er für das eigentliche Problem.
Warum glaubt Albert Wenger weiter an Web3?
Weil dahinter eine fundamentale Innovation steckt: Mit Bitcoin gab es zum ersten Mal ein System, das dezentral einen Konsens herstellen kann, also eine Datenbank, die niemandem allein gehört. Die großen Plattformen wie Amazon oder Facebook sind im Kern zentrale Datenbanken. Damit dezentrale Systeme sich durchsetzen, braucht es aus seiner Sicht aber rechtliche Veränderungen, etwa ein Recht, Plattformen programmatisch mit einer eigenen KI zu nutzen.
Erwähnt in der Folge
- Union Square VenturesFirmaAlberts VC-Firma in New York, in Sichtweite des Union Square.
- EtsyFirmaFrüher USV-Erfolg: Verkäufer wechselten von eBay und brachten ihre Käufer mit.
- Twitter (X)FirmaAlbert: nie gut gemanagt, aber Product-Market-Fit vom ersten Tag.
- Customers IncludedBuchBuch von Mark Hurst über Kundenbeobachtung, das Albert empfiehlt.
- RadiantFirmaPortfoliofirma mit einem kompakten Reaktor, der in einen Shipping-Container passt.
- SimScaleFirmaSimulationsplattform aus München, auf der ein CAD-Modell mit vielen Physik-Solvern läuft.
- TransmutexFirmaEuropäische Nuklearfirma im USV-Klimaportfolio, arbeitet am Thema Atommüll.
- FarcasterProduktDezentrales Social Network, in das USV investiert hat.
- DuolingoFirmaErfolgreiche USV-Investition aus der These „Access to Knowledge“.
- BrilliantFirmaSTEM-Lernplattform im Portfolio, nutzt KI-Modelle, um Inhalte schneller zu erstellen.
- GiveDirectlyFirmaOrganisation mit einem Grundeinkommens-Pilot in Kenia, den Albert unterstützt.
- LumaToolKostenloses Einladungstool als Beispiel für Produktivität, die in keiner Statistik auftaucht.
- Star TrekSendungFür Albert eine der positivsten Zukunftsvisionen, im Gegensatz zu späteren Dystopien.
- Project EuropeFirmaGründerinitiative für die nächste Generation, die Albert spannend findet.


