Realität nach dem Millionen-Deal, Psychedelika als Gründer-Hack & warum KI dein Coach wird

mit Kimberly Breuer, Psychologin, Mitgründerin und Ex-Co-CEO von Likeminded (heute nilo), Angel-Investorin

10. April 2026 · 98 Min

Zusammenfassung

Kimberly Breuer hat ihre Firma mit dem stärksten Wettbewerber fusioniert, ihre eigenen Anteile in einem seltenen Secondary verkauft und siebenstellig rausgenommen. Sie erklärt, warum ihr Nervensystem trotzdem fünf Monate brauchte, wie du negative Antreiber in Stärke verwandelst und wie du Claude zu deinem Coach prompst.

Kimberly Breuer im Gespräch im Founder-Mode-Studio

Kimberly Breuer kommt frisch aus einem Post-Exit-Sabbatical zu Feliks: drei Wochen allein auf Bali, ein Mini-Festival mit 80 Gästen auf Formentera, Reisen von Japan bis Argentinien und zuletzt San Francisco im KI-Goldrausch. Davor war sie fünf Jahre Gründerin und Co-CEO von Likeminded. Ihr Weg begann mit einer Familienkrise als Kind, einem Coaching-Wochenende mit 14 und der Entscheidung, Psychologie zu studieren, um Menschen von null auf eins zu bringen statt von minus eins auf null. Nach Praktika bei BMW, FreightHub und Rocket Internet war klar: Eine Praxis reicht ihr nicht, sie will Skalierung.

Als Psychologin erklärt sie, warum der Antreiber Ich zeig's allen zwar enorm viel Kraft freisetzt, aber meist nach zehn Jahren in sich zusammenbricht, und wie du mit Coaching, Meditation und einem freundlicheren inneren Dialog einen nachhaltigeren Motor baust. Dann geht es um den Pivot: Likeminded startete 2020 mit Online-Gruppensessions, fand aber keine Zahlungsbereitschaft, weil in Deutschland die Kasse zahlt und ein Präventions-Mindset fehlt. Kimberly wollte früh pivotieren, ihre Mitgründer nicht. Die Lösung war ein Pakt mit harten Dreimonatszielen. Ende 2021 ging es zu B2B, verkauft wurde zunächst nur ein Pitch-Deck mit Mockups, und im ersten Jahr wuchs die Firma von null auf eine Million ARR.

Feliks Eyser im Gespräch mit Kimberly Breuer

Der zweite große Block ist die Konsolidierung. Nach einer Series A von fünf bis sieben Millionen hatte Likeminded noch Geld auf dem Konto, als ein Wettbewerber per WhatsApp fragte, ob man nicht über einen Zusammenschluss sprechen wolle. Es folgten Gespräche mit mehreren Parteien, am Ende der Merger mit nilo.health, dem Berliner Wettbewerber mit den größten Synergien. Brandname und Teamentscheidungen wurden mit Daten getroffen, auch wer von zwei Head of Marketings bleibt. Kimberly selbst wollte nur in einem Szenario bleiben: maximal zwei Co-Founder, ein klarer Entscheider. Als das nicht kam und ihr Anteil unter zehn Prozent lag, verhandelte sie das Recht, einen Investor für ihre Anteile zu suchen. Am Ende kauften die Bestandsinvestoren sie heraus: 95 Prozent der Anteile verkauft, ein siebenstelliger Betrag, ohne dass die Firma verkauft wurde.

Zum Schluss wird es wieder psychologisch. Kimberlys Oura-Ring zeigte erst fünf bis sechs Monate nach dem operativen Ausstieg wieder gute Werte, das Nervensystem braucht länger als der Kopf. Sie empfiehlt mindestens zwei Wochen Offline-Break auch während des Gründens, weil sich der Körper fünf bis acht Jahre durchprügeln lässt, nicht länger. Mit Feliks diskutiert sie Internal Family Systems als inneres Boardmeeting, Marc Andreessens Absage an Introspektion, Burnout-Symptome und den 996-Trend. Dann erklärt sie, wie sie Claude mit Ray Dalio, Esther Perel und Brené Brown als systemischen Coach prompt, warum sie Psychedelika nur im begleiteten Setting für sinnvoll hält und was als Nächstes kommt: Angel-Investments, KI-Agents mit OpenClaw, ein Zahnarztkonzept mit ihrer Schwester und ein eigener Podcast.

Zahlen aus der Folge

0 → 1 Mio. ARR
Wachstum im ersten Jahr nach dem B2B-Pivot
12 bis 13
Mitarbeitende zum Zeitpunkt des Pivots
5 bis 7 Mio.
Series A, neun Monate vor den Konsolidierungsgesprächen
unter 10 %
Kimberlys Anteil nach der Verwässerung, der ausschlaggebende Punkt für den Ausstieg
4 weitere Zahlen
95 %
ihrer Anteile, die sie verkauft hat
siebenstellig
Betrag, den Kimberly persönlich herausgenommen hat
10 Mio. Umsatz
Jahresumsatz der fusionierten Firma, fast profitabel
5 bis 6 Monate
bis der Oura-Ring nach dem Ausstieg wieder gute Werte zeigte

Worüber am meisten gesprochen wurde

Anteil an der Gesprächszeit, berechnet aus den Kapitel-Längen (ohne Intro).
Psychologie & Mindset
24 % · 23 Min
Exit & Erholung
23 % · 22 Min
Psychedelika & Substanzen
18 % · 17 Min
Merger & Secondary
17 % · 16 Min
Pivot & Produkt
14 % · 13 Min
KI als Coach
5 % · 5 Min
Gesprächsverlauf

Kapitel

  1. 00:00Trailer & IntroIntro
  2. 01:40Das Leben nach dem Millionen-ExitExit & Erholung
  3. 08:41Von der Psychologin zur GründerinPsychologie & Mindset
  4. 10:41Innere Antreiber richtig nutzenPsychologie & Mindset
  5. 15:51Der Pivot: Wie du rechtzeitig und smart die Richtung wechselstPivot & Produkt
  6. 28:58Konsolidierung: Die kluge Fusion mit dem stärksten KonkurrentenMerger & Secondary
  7. 40:52Der Secondary-Deal: So verkaufst du erfolgreich deine eigenen AnteileMerger & Secondary
  8. 45:27Die essenzielle Erholungsphase: Richtiges Reset nach dem ExitExit & Erholung
  9. 01:00:06CEO deines Lebens: So meisterst du dein inneres Board-MeetingPsychologie & Mindset
  10. 01:16:02KI als Mentor: So baust du dir das perfekte digitale GegenüberKI als Coach
  11. 01:20:40Psychedelika im therapeutischen Rahmen: Neue Ansätze für mentale Klarheit!?Psychedelika & Substanzen

Key Learnings

  1. 1

    Nutze die Kraft negativer Antreiber, aber wandle sie um

    Der Antreiber Ich zeig's allen kommt oft aus einem alten Schmerz und setzt enorm viel Energie frei. Kimberly beobachtet aber, dass dieser Motor meist nach etwa zehn Jahren in sich zusammenbricht, weil es anstrengend ist, ständig vor etwas wegzulaufen. Gründer, die mit ihrem inneren Kritiker in den Dialog gehen und liebevoller mit sich sprechen, halten länger durch. Ihr Startpunkt: ein Coach als Spiegel, der die Patterns aufdeckt, die du selbst nicht siehst.

    10:41 · Innere Antreiber richtig nutzen
  2. 2

    Mach einen Pivot-Pakt mit harten Dreimonatszielen

    Likeminded plätscherte ein halbes Jahr mit dem Gruppenmodell, Kimberly wollte pivotieren, ihre Mitgründer noch weiter probieren. Der Ausweg: Ziele, die in drei Monaten knallhart erreicht werden müssen, mindestens drei von fünf auf Grün. Als das nicht gelang, hatte jeder wieder tausend Gründe, aber der Pakt zwang das Team an einem Samstag zur Entscheidung für B2B. Rückblickend sagt Kimberly, sie würde heute viel schneller pivotieren: Wenn kein Sog entsteht, ist es nicht der Product Market Fit.

    15:51 · Der Pivot: Wie du rechtzeitig und smart die Richtung wechselst
  3. 3

    Nimm das Team in die Entscheidung mit, statt sie zu verkünden

    Montags ins Office zu gehen und zu sagen Leute, wir pivoten, kam schlecht an: Das Team fand es doof, dass die Entscheidung gefühlt schon gefallen war. Also nahm das Gründerteam den Mittwoch raus und ging den Prozess in einem Tagesworkshop gemeinsam durch. Kimberlys Learning: diesen Workshop direkt am Montag machen, damit die Leute das Gefühl haben, mitentschieden zu haben. Feliks nennt es den Ikea-Effekt.

    15:51 · Der Pivot: Wie du rechtzeitig und smart die Richtung wechselst
  4. 4

    Verkaufe das neue Produkt, bevor es existiert

    Nach dem Pivot riss das Team innerhalb von drei Monaten das Produkt komplett ab und baute es neu. Verkauft wurde trotzdem sofort: mit einem Pitch-Deck voller Mockups, klassischem Vertrieb über LinkedIn und E-Mails und ein paar Pilotkunden. Im Oktober wurden Mockups verkauft, bis Januar musste ein digitales Produkt stehen. Es hat funktioniert, im ersten Jahr ging es von null auf eine Million ARR.

    15:51 · Der Pivot: Wie du rechtzeitig und smart die Richtung wechselst
  5. 5

    Bleib mit deinen Wettbewerbern auf gutem Fuß

    Die Konsolidierungsgespräche starteten mit einer WhatsApp eines Wettbewerbers, den Kimberly kannte. Weil vier bis sechs starke Player in Europa sich schwertaten, in Nachbarmärkte zu expandieren, lag ein Zusammenschluss nahe. Wer sich raushält, während alle anderen konsolidieren, hat einen Nachteil. Deshalb ihr Appell: Stell dich gut mit deinen Competitors, man weiß nie, ob man irgendwann zusammenarbeitet. Feliks hat selbst so das Deutschlandgeschäft eines US-Vorbilds übernommen.

    28:58 · Konsolidierung: Die kluge Fusion mit dem stärksten Konkurrenten
  6. 6

    Verhandle deinen eigenen Ausstieg gleich mit

    Kimberly sagte früh und offen, dass es nur ein Szenario gab, in dem sie bleiben würde: maximal zwei Co-Founder und ein klarer Entscheider. Als das nicht kam und ihr Anteil unter zehn Prozent lag, verhandelte sie in der Merger-Verhandlung das Recht, selbst einen Investor für ihre Anteile zu suchen. Ihr Pitch für den Mini-Secondary: eine Firma mit Geld auf dem Konto, fast profitabel, zehn Millionen Umsatz, die zum Consolidator im Markt wird. Am Ende kauften die Bestandsinvestoren sie heraus.

    40:52 · Der Secondary-Deal: So verkaufst du erfolgreich deine eigenen Anteile
  7. 7

    Plane Erholung ein, dein Nervensystem ist träge

    Kimberlys Oura-Ring zeigte erst fünf bis sechs Monate nach dem operativen Ausstieg wieder gute Werte, obwohl sie längst keinen Stress mehr hatte. Der Körper lässt sich fünf bis acht Jahre durchprügeln, nicht länger. Deshalb rät sie, auch während des Gründens zwei bis drei Wochen komplett offline zu gehen: In der ersten Woche erholst du dich, in der zweiten kommen die guten Ideen zurück. Im Alltag helfen ein oder zwei Me-Time-Abende pro Woche, 20 bis 30 Minuten Meditation, expressives Schreiben gegen Schlafprobleme und Sport gegen Cortisol.

    45:27 · Die essenzielle Erholungsphase: Richtiges Reset nach dem Exit
  8. 8

    Prompte deinen KI-Coach so, dass er dich herausfordert

    Kimberly nutzt Claude als gepromptetem Coach: Er soll wie ein systemischer Coach agieren, in Richtung Ray Dalio, Esther Perel und Brené Brown denken, challenging sein, ihre Aussagen hinterfragen, Patterns aufdecken und hart mit ihr sein. Sie schreibt alle Zweifel und Gedanken hinein. Ihre Warnung: Wer sich nicht schon ein bisschen kennt, bekommt sonst eine KI, die ihn nur bestätigt. Deshalb gehört ein echter Coach weiterhin dazu.

    01:16:02 · KI als Mentor: So baust du dir das perfekte digitale Gegenüber

Meistgesehener Clip zur Folge

Die meisten Founder pivoten zu spät. Nicht weil sie es nicht sehen. Sondern weil sie hoffen, dass es sich noch dreht. Kimberly Breuer (Founder nilo, exited & Angel Investor) über den Moment, in dem du als Founder handeln musst — in der neuen Folge Founder Mode.

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Zitate

Kimberly Breuer lacht
„Also ich würde heute sagen, ich würde viel schneller pivoten.“
Kimberly Breuer
„… Das motiviert mich nicht mehr ausreichend, um die Firma jetzt nochmal in das nächste Jahrzehnt zu bringen.“
Kimberly Breuer
„Weil ich würde sagen, fünf bis acht Jahre können wir unseren Körper durch sowas durchprügeln.“
Kimberly Breuer
„Ich habe Emotionen, aber ich bin nicht meine Emotionen.“
Kimberly Breuer
„… man kann Menschen mehr Wahrheit zutrauen, als man glaubt.“
Kimberly Breuer

Über den Gast

Kimberly Breuer

Kimberly Breuer

Psychologin, Mitgründerin und Ex-Co-CEO von Likeminded (heute nilo), Angel-Investorin · nilo

Kimberly Breuer ist Psychologin und hat schon neben dem Studium als Coach gearbeitet, mit Klienten vom 18-Jährigen bis zum Manager bei BMW. Nach Stationen bei FreightHub (heute Forto) und Rocket Internet gründete sie 2020 in Berlin Likeminded, eine Plattform für Mental Health. Gestartet mit psychologisch geleiteten Gruppensessions für Privatkunden, pivotierte das Team Ende 2021 zu B2B und wuchs im ersten Jahr von null auf eine Million ARR. 2024 fusionierte Likeminded mit dem Berliner Wettbewerber nilo.health zu nilo; Kimberly verließ die Firma 2025 und verkaufte ihre Anteile in einem Secondary an die Bestandsinvestoren, ein persönlicher siebenstelliger Exit ohne Firmenverkauf. Heute unterstützt sie Gründer als Mentorin und Angel, baut KI-Agents, entwickelt mit ihrer Schwester ein Zahnarztkonzept und startet einen eigenen Podcast über Psychologie und Business.

Häufige Fragen

Wer ist Kimberly Breuer?

Kimberly Breuer ist Psychologin und hat 2020 in Berlin Likeminded mitgegründet, eine Plattform für Mental Health. Nach dem Pivot zu B2B wuchs die Firma im ersten Jahr auf eine Million ARR, 2024 fusionierte sie mit nilo.health zu nilo. 2025 verließ Kimberly die Firma und verkaufte 95 Prozent ihrer Anteile an die Bestandsinvestoren. Heute ist sie Mentorin, Angel-Investorin und baut KI-Agents.

Warum hat Likeminded von B2C auf B2B gepivotet?

Likeminded startete mit psychologisch geleiteten Online-Gruppensessions für Privatpersonen. Das Modell lief nur mediocre, vor allem weil in Deutschland keine Zahlungsbereitschaft für Prävention besteht: Die Krankenkasse zahlt, wenn man krank ist, und selbst präventiv interessierte Kunden fragten, ob die Kasse das übernimmt. Nach einem Pakt mit harten Dreimonatszielen entschied das Gründerteam Ende 2021 den Pivot zu Unternehmenskunden.

Wie hat Kimberly Breuer ihren Exit ohne Firmenverkauf gemacht?

Beim Merger von Likeminded und nilo.health wären sechs Founder am Tisch gesessen, und Kimberlys Anteil lag nach der Verwässerung unter zehn Prozent. Sie verhandelte das Recht, einen Investor zu suchen, der ihre Anteile kauft, und pitchte eine Firma mit Geld auf dem Konto, fast profitabel und zehn Millionen Umsatz. Am Ende kauften die Bestandsinvestoren sie heraus. Sie verkaufte 95 Prozent ihrer Anteile und nahm einen siebenstelligen Betrag mit.

Wie lange dauert die Erholung nach einem Exit?

Länger als gedacht. Kimberly stieg im August operativ aus, die Verhandlungen liefen bis Oktober, und erst im Januar zeigte ihr Oura-Ring wieder gute Werte, also fünf bis sechs Monate später. Das Nervensystem braucht viel länger als der Kopf, um aus dem Dauercortisol herauszukommen. Ihr Rat an Gründer: Pausen nicht erst nach dem Exit, sondern auch währenddessen zwei bis drei Wochen offline gehen.

Wie nutzt Kimberly Breuer Claude als Coach?

Sie hat Claude als systemischen Coach gepromptet, der in Richtung Ray Dalio, Esther Perel und Brené Brown denkt, challenging ist, ihre Aussagen hinterfragt, Patterns aufdeckt und hart mit ihr ist. Sie chattet und schreibt alle Zweifel hinein. Wichtig ist ihr, vorher mit echten Menschen Coaching gemacht zu haben, sonst bestätigt die KI einen nur in allem.

Was sagt Kimberly Breuer zu Psychedelika?

Bis 29 war sie als Psychologin komplett dagegen, hat dann wegen der wachsenden Studienlage selbst mit Microdosing und Retreats experimentiert und ihre Meinung gedreht. Psilocybin und LSD könnten im begleiteten Setting Erkenntnisse beschleunigen, die sonst Jahre Therapie brauchen. Klar ist für sie aber: Menschen mit Depressionen oder emotionaler Labilität sollten niemals allein experimentieren, sonst droht ein noch tieferes Loch.

Erwähnt in der Folge

Firmen, Personen und Produkte aus dem Gespräch
  • LikemindedFirmaKimberlys 2020 gegründete Mental-Health-Plattform, gepivotet von Gruppensessions zu B2B und 2024 mit nilo.health fusioniert.
  • niloFirmaBerliner Wettbewerber, mit dem Likeminded fusioniert hat; der Brandname wurde per Datenanalyse entschieden.
  • Heartcore CapitalFirmaVC, der die Seed-Runde auf das Gruppenmodell investiert hatte, kurz bevor das Team pivotierte.
  • FortoFirmaKimberlys erstes Startup-Praktikum, damals noch unter dem Namen FreightHub.
  • Rocket InternetFirmaKurze Station, in der Kimberly als Forscherin die Antreiber hinter dem Hustle beobachtete.
  • Oura RingProduktDamit trackt Kimberly ihre Werte; erst fünf bis sechs Monate nach dem Ausstieg waren sie wieder gut.
  • ClaudeToolKimberlys geprompteter Coach, mit Ray Dalio, Esther Perel und Brené Brown als Denkrichtung.
  • OpenClawToolDamit hat Kimberly angefangen, KI-Agents zu bauen; Claude Code und Cursor stehen als Nächstes an.
  • Dario AmodeiPersonAnthropic-Gründer, mit dem Kimberly am liebsten eine Stunde über Mental Health und KI sprechen würde.
  • Marc AndreessenPersonSagte im Interview mit David Senra, Introspektion sei nichts für ihn; Aufhänger für Kimberlys Kritik an schlechtem Coaching.
  • Harry StebbingsPersonInvestor, dessen These vom Investieren in Ruthless Psychopaths Kimberly für gefährlich hält.
  • Internal Family Systems (IFS)ToolTherapieansatz mit inneren Anteilen; Feliks und Kimberly nennen es das innere Boardmeeting.
  • HyroxFirmaKimberlys Beispiel dafür, dass echte Offline-Communities wieder wachsen.
  • PluribusSendungFeliks' Serientipp auf Apple TV vom Macher von Breaking Bad.
  • The Diary of a CEOSendungVorbild für den Kettenbrief, bei dem jeder Gast dem nächsten eine Frage stellt.

Transkript

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00:00 Trailer & Intro

00:00 Kimberly Breuer: Ich selbst schaue auch kritisch auf Therapie und Coaching, weil ich glaube, es gibt viele Formen da draußen, die gar nicht hilfreich sind. Und es ist leider sehr gefährlich und ich beobachte auch, dass das passiert.

00:10 Feliks Eyser: Marc Andreessen, einer der erfolgreichsten Investoren der Welt, setzt sich dahin und sagt, Introspection mache ich nicht, weil ich lebe ja in der Zukunft.

00:15 Kimberly Breuer: Zwar ist Introspektion insofern wichtig, als dass ich einmal verstanden habe, da kommt mein Pattern her. Makes sense. Aber neben dem inneren Kritiker gibt es vielleicht auch den inneren Perfektionisten, den inneren Forscher, diese ganzen verschiedenen Persönlichkeiten, die sie haben. wir in uns tragen, die auch mal an einen Tisch zu holen und zu sagen, jetzt machen wir ein Boardmeeting internally.

00:35 Feliks Eyser: Was kann ich als Founder machen, um aktiv in ein positiveres Mindset zu kommen, ohne die Introspektion komplett auszublenden? Kim ist zurück. You're back. Richtig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

00:50 Kimberly Breuer: Ja, nach einer kleinen Weltreise sozusagen.

00:53 Feliks Eyser: Eine kleine Gründungsreise, eine kleine Weltreise. Ich habe hier deinen LinkedIn-Post dabei. In letzten zwölf Monaten, was wirklich passiert ist. Sechs Monate intensive Verhandlungen geführt, mich von einem Herzensprojekt verabschiedet. Muss man sagen, du bist aus deiner eigenen Firma rausgegangen, in einem Millionendeal. Können wir doch gleich drüber sprechen. Seitdem nie vor 8. 30 Uhr aufgestanden, sehr sympathisch. Kein einziges Mal morgens meditiert, trotz viel Zeit kaum ins Gym. Die besten Netflix-Serien identifiziert. Das machen wir ganz am Ende, dass du mir sagst, was du geschaut hast. So viel gefeiert wie noch nie. In Klammer bei Longevity. Freunde, Party und Schlaf über alles andere priorisiert. Greis, gereist, gereist. Muss ich auch mal erzählen, mein LinkedIn-Ziel von 30. 000 Followern nicht erreicht. Und trotzdem, dafür hätte ich so viel Spaß. Wie lange nicht mehr. Wie geht's dir?

01:40 Das Leben nach dem Millionen-Exit

01:40 Kimberly Breuer: Ja, das ist ein sehr guter Einstieg. Mir geht's extrem gut. Also ich fühle mich so. entspannt und ausbalanciert wie wirklich schon lange nicht mehr. Ich habe die Zeit nach meinem Exit intensiv für mich selbst genutzt und mal ganz absichtlich keine Ziele gehabt, mal ganz absichtlich keine Routine aufgebaut, die ich jeden Tag irgendwie verfolgen musste. Und habe mir einfach mal all das gegönnt, was ich mir in den fünf Jahren davor nicht mehr erlaubt hatte, aufgrund des Gründens. Und das hat richtig, richtig gut getan. Und jetzt bin ich zurück. Und ready.

02:11 Feliks Eyser: Und greif wieder an. Was war das Interessanteste, was du erlebt hast in deinem in deinem Mini Post-Exit? Sabbatical, kann man es so nennen?

02:20 Kimberly Breuer: So viele Sachen, aber ich versuche mal die Highlights rauszunehmen. Ein Highlight war für mich definitiv, dass ich. Das erste Mal in meinem Leben alleine gereist bin. Ich bin nach Bali für drei Wochen, direkt nach, nachdem ich meine Firma operativ verlassen hatte. Da waren zwar die Verhandlungen noch nicht vorbei, aber ich habe trotzdem Trotzdem gesagt, ich bin jetzt erstmal weg.

02:37 Feliks Eyser: Wirklich? Du hast die Vollmacht hinterlegt in Deutschland oder was?

02:39 Kimberly Breuer: Genau, ich hatte quasi für meine Anwälte eine Vollmacht für die drei Wochen hinterlegt. Ich war halt trotzdem erreichbar, aber es war eh die Sommerzeit. Da passiert dann auch meistens bei den anderen nicht so viel. Und bin dann drei Wochen gereist durch Bali alleine. Und ich glaube, die schönste Erkenntnis daran war, dass ich das allererste Mal einfach nur das machen konnte, worauf ich Lust hatte. Es gab niemanden. Auf den ich mich irgendwie einlassen musste oder einstellen musste. Es gab niemanden, der, wo ich aufpassen musste. Da sind jetzt gerade alle Bedürfnisse gedeckt. Man merkt erstmal in so einem Moment, wie man als Gründer und CEO Immer unter Beschuss steht und eigentlich diejenige ist, die für alle da ist und für alle stark ist und in dem Moment mal alleine zu reisen, das war so befreiend. Also, ich würde es wirklich jedem empfehlen, vor allem jedem Gründer. Das war das eine. Das zweite war, ich habe meinen Geburtstag, meinen 33. extrem großer Formentera gefeiert. Tatsächlich auch mit meinem Freund zusammen, der kurz vor mir Geburtstag hat. Und wir haben dann 80 Leute auf die Insel eingeladen. Eine riesige Art Mini-Festival auf Formentera gemacht, kleine Insel bei Ibiza. Das war auch mega cool. Und danach bin ich sehr, sehr viel Reisen gewesen in verschiedensten Ländern. Wirklich von Japan bis hin zu Argentinien, Costa Rica, Panama und auch wieder USA. Und habe da für mich einfach so ganz viel nachgeholt an Reisen, was ich in den Jahren davor nie gemacht habe.

04:01 Feliks Eyser: Und gerade kommst du aus San Francisco. Wie ist die Stimmung da?

04:03 Kimberly Breuer: Die Stimmung ist richtig gut. Also man muss echt sagen, da sind alle on fire. Man merkt so richtig, dass AI, ja, dass gerade alle im AI Gold Rush sind. Und jeder Einfach nur am Bauen ist, weil jeder sagt, ich will dabei sein, KI wird die nächste oder vielleicht auch letzte Revolution, wie so viele sagen. Und da sind wirklich alle Heads down und am Bauen. Und ich war auf ein paar Founders-Dinners und das macht so viel Spaß, weil du die ganze Zeit eigentlich nur inspirierende Gespräche darüber hast.

04:32 Feliks Eyser: Weil die Energie ansteckend ist.

04:33 Kimberly Breuer: Ja, die Energie ist so ansteckend und alle sprechen darüber, wie könnte die Zukunft aussehen, was sind die Modelle, die jetzt kommen. Also, das hat schon richtig Spaß gemacht. Das war der perfekte Abschluss zu meiner entspannten Travel.

04:43 Feliks Eyser: Um dich mit Bali angefangen, dass du das Anti-San Francisco geendet bist du wieder in der 996-Businesswelt.

04:51 Kimberly Breuer: Genau, also wirklich mal alle Extreme mitgenommen.

04:54 Feliks Eyser: Okay, okay. Und bevor du gegründet hast, warst du Psychologin. Das ist ja auch interessant. Das ist ein Lebenslauf, den man nicht so super oft hört. Nimm mich mal ganz kurz mit in deine Teenager-Jahre. Was ist passiert dafür, dass du dich für Psychologie interessiert hast?

05:05 Kimberly Breuer: Ja, also da hole ich mal ganz kurz ein bisschen weiter aus. Wir hatten, ähm, angefangen hat, glaube ich, mein Interesse für Psychologie damals Ich würde sagen, so als ich um die zehn oder elf Jahre alt war, da ist in unserer Familie eine kleine Krise passiert, die uns, sage ich mal, so alle so ein bisschen rausgerissen hat aus dem normalen Flow und mich auch als Kind, ich war da neun oder zehn Jahre. natürlich eine Art von Unterbrechung dargestellt hat, die mich damals sehr traurig gemacht hat und mich einfach vieles hat hinterfragen lassen. Also wie das Leben, wie ich das kannte, was worauf man sich verlassen kann, dass die Familie immer stabil ist. Das war plötzlich nicht mehr gegeben. Und das war für mich ein Moment, in dem ich, glaube ich, das erste Mal wirklich so angefangen habe, Dinge zu hinterfragen. Warum sind wir hier? Was ist eigentlich stabil? Was ist eigentlich Liebe? Was ist eigentlich Familie? Und das Schöne war, dass meine Eltern aus dieser Krise heraus selbst angefangen haben, sich das erste Mal mit Therapie und Coaching und der ganzen Selbstarbeit zu beschäftigen. Und dann quasi uns auf deren Reise mitgenommen haben. Also meine Schwester und mich sozusagen auch uns die Chance gegeben haben, zu einem Art Coaching zu gehen für Jugendliche. Als ich in das Coaching gegangen bin, 14 und es war ein Coaching-Weekend, so richtig, man ist dann von zu Hause weg gewesen, nur mit irgendwie, ich glaube, 15 anderen Jugendlichen und hat da, sage ich mal, so die ersten Grundzüge überhaupt für Persönlichkeitsentwicklung und Psychologie kennengelernt. Also sowas wie, wir haben Gefühle, aber sind nicht unsere Gefühle und unsere Inneren Glaubenssätze, die wir so geschlussfolgert haben bis hierher, die bestimmen auch unsere Ergebnisse im Leben oder unser Verhalten. Also das, was ich über die Welt denke, so werde ich die Welt auch vorfinden. Also so richtige Grundsätze Und ich bin damals da rausgegangen und dachte so, warum lernen wir das nicht in der Schule? Das war ja so life-changing für mich zu diesem Zeitpunkt.

06:53 Feliks Eyser: Hat dir das Spaß gemacht oder war das auch ein Zwang?

06:55 Kimberly Breuer: Nee, mir hat das total Spaß gemacht. Aber das Interessante, dass du das fragst, weil meine Schwester war ja auch dabei und ich glaube, die hat das gar nicht so sehr im Moment gecatcht wie mich. Also, ich glaube, das hängt auch ein bisschen wieder von der Persönlichkeit ab. Aber für mich, ich hatte so das Gefühl, ich habe so viele Antworten auf meine Fragen dort gefunden. Und auch vor allem auf diese Fragen, warum sind wir eigentlich hier? Also die Frage habe ich mir schon sehr, sehr früh gestellt in meinem Leben und das hat mich immer sehr verzweifelt zurückgelassen. Es gibt irgendwie kein greater sense of humanity. Und ich habe damals aus diesem Wochenende mitgenommen, okay, wenn es schon nicht den größeren Sinn gibt, wenn wir einfach alle einfach nur so hier sind Dann möchte ich mich wenigstens oder mein Leben einem Sinn verschreiben, den ich für sinnvoll halte. Das war so mein größtes Takeaway. Und das war auch der Moment. Indem ich entschieden habe, ich möchte selbst Psychologie studieren, ich möchte Coach werden, ich möchte das, was ich hier erfahren habe, anderen Menschen weitergeben. Und das ist der Sinn, dem ich mich sozusagen verschreibe.

07:48 Feliks Eyser: Und am Ende bist du Gründerin geworden.

07:50 Kimberly Breuer: Und am Ende bin ich Gründerin geworden. Ich dachte ganz lange, ich werde jetzt halt Psychologin und Coach und.

07:55 Feliks Eyser: Du hast eine Praxis und dann kommen da irgendwelche Leute.

07:57 Kimberly Breuer: Genau, ich habe schon immer so ein bisschen gedacht, ich möchte mehr in die Wahrscheinlich in die Wirtschaftswelt, weil ich für mich gesagt habe, ich will nicht erst anfangen oder ansetzen, wenn Menschen schon bei minus eins stehen und dienst. Ihnen helfen, sie auf Null zu bringen, das ist auch sehr wichtige Arbeit, das ist die klinische Therapeutenarbeit, sondern ich habe gesagt, ich möchte Menschen von 0 auf 1 bringen. Ich möchte eigentlich viel früher ansetzen und Menschen schon jetzt die Werkzeuge an die Hand geben, damit sie gar nicht erst sozusagen depressiv werden oder in die Krankheit reinrutschen. Und deswegen war für mich recht klar, ich mache eher GR in Richtung Coaching, in Richtung Wirtschaft. Und das habe ich dann neben meinem Studium schon angefangen, habe eine Trainerausbildung zum Coach gemacht, habe im Master schon Klienten gehabt, wirklich auch von 18-Jähriger bis hin zu 60-jährigem Manager von BMW.

08:41 Von der Psychologin zur Gründerin

08:41 Feliks Eyser: Der Manager von BMW, der kam zu dir und du warst da irgendwie Anfang Mitte 20 oder wie?

08:45 Kimberly Breuer: Ich war tatsächlich im Praktikum bei BMW und die haben halt mitbekommen, dass ich auch als Coach arbeite und dann hatte ich plötzlich Klienten.

08:50 Feliks Eyser: Okay, cool.

08:51 Kimberly Breuer: Und es war eine total tolle Zeit, aber gleichzeitig habe ich in der Zeit gemerkt, Das reicht mir nicht. Ich habe gemerkt, in diesen One-on-One-Settings jetzt 100 oder 500 Menschen im Jahr zu helfen, das geht mir nicht schnell genug und das ist nicht der Impact, den ich bewirken möchte, sondern ich möchte einen globalen Mindset-Shift bewirken. Und das geht nicht alleine aus meiner Praxis heraus.

09:12 Feliks Eyser: Wieso war dir das wichtig?

09:15 Kimberly Breuer: Weil das der Sinn ist, den ich mich verschrieben habe.

09:17 Feliks Eyser: Du hast den Sinn gesucht aus der Frage, wieso sind wir eigentlich hier? Und dass du gesagt hast, okay, wenn ich was mache, dann soll's aber auch bitte eine große Skala haben.

09:23 Kimberly Breuer: Genau, also wenn dann warum Wir hier ein Global Mindset Shift und da habe ich dann für mich entschieden, es muss irgendwie anders gehen, es muss skalierbarer gehen. Und bin parallel dazu in meinem ersten Startup-Praktikum gelandet, damals bei FreightHub, heute heißen sie Forto. Es hat mich total gecatcht und ich war so okay. Das erste Mal in meinem Leben macht mir Arbeiten Spaß. Ich muss auch einen Startup gründen.

09:44 Feliks Eyser: Du hast ja kurz bei Rocket, oder?

09:45 Kimberly Breuer: Ich war auch noch kurz bei Rocket, kurz nach Forto sozusagen.

09:48 Feliks Eyser: Lieber deine Sicht kommt aus dem Psychologiestudium auf die menschliche Komponente bei Rocket.

09:55 Kimberly Breuer: Naja, ich wusste ja schon so ein bisschen, worauf ich mich einlasse. Und ich würde sagen, ich fand das eher spannend. Also ich bin da eher wie so eine. Forscherin reingegangen, die gesagt hat: Okay, ich schaue mir jetzt mal an, warum sind die Leute denn hier eigentlich alle so am Hustlen? Was treibt die an? Sind das positive Antreiber oder negative Antreiber? Und kann das vielleicht auch funktionieren? Und wohin führt mich das? Und ich habe auch immer gesagt, wenn ich ein Mindset-Shift in dieser Welt bewirken will, muss ich ja auch die andere Seite verstehen. Ich muss verstehen, warum Menschen sich manchmal aufopfern, warum sie sich so lange aufarbeiten oder aufopfern und. Ich sage jetzt mal zu Tode arbeiten, dass sie irgendwann krank werden. Das will ich verstehen. Woher kommt das? Was sind die Antreiber dahinter? Und Rocket hat mir eigentlich total viel Spaß gemacht. Aber es war ja auch schon.

10:36 Feliks Eyser: Was hast du herausgefunden über die Antreiber? In deiner klinischen Feldstudie?

10:41 Innere Antreiber richtig nutzen

10:41 Kimberly Breuer: Ja, das ist ja ein Thema, bei das wir auch zuletzt ja viel, ich sag mal, unsere Startup Bubble gehört haben mit diesem ganzen Thema, was auch Harry Stebbings anspricht. I invest into Ruthless Psychopath oder viele Investoren. Ich höre immer wieder, ich möchte eigentlich in Gründer investieren, die irgendwie auch Trauma haben. weil die gehen sozusagen viel weiter, die gehen sie extra Meile. Und ich denke, da steckt ein bisschen Wahrheit drin, aber das bedeutet auf der anderen Seite nicht, dass ein positiver Antreiber nicht genauso viel Wirkung erzielen kann und viel, viel nachhaltiger ist. Und den haben wir alle irgendwo. Negativer Antreiber ist. Wir haben vielleicht in unserer Kindheit eine Erfahrung gemacht, die uns sehr geprägt hat. Eben auch im Negativen, im Sinne von das will ich nie wieder erleben, also einen Schmerz, den wir empfunden haben, und um diesen Pain nie wieder zu spüren, laufen wir davon weg. Und dieses davon weglaufen kann extrem viel Macht und extrem viel Power auslösen.

11:35 Feliks Eyser: Ich zeig's jetzt allen.

11:36 Kimberly Breuer: Ich zeig's allen, ja. Und wir wissen alle, das kann enorm powervoll sein. Und im Endeffekt haben wir wahrscheinlich auch alle solche Momente erlebt. Und das sind natürlich auch gute Gründer oder Unternehmer, weil die einfach mit so einer Power und mit diesem Ich zeig es jetzt allen Mindset losgehen. Nur, das ist das, was ich immer wieder beobachte, meistens Ist das eben ein sehr kurzfristiger Motor, der irgendwann im Zweifel in sich zusammenbricht, der irgendwann dazu führt, dass man so nach zehn Jahren von diesem doch eher negativen Antreiber, der ja so ein bisschen auf sowas angespannten kommt, vielleicht dann doch dazu führt, dass wir irgendwann uns selbst ausgebrannt haben. Dass wir irgendwann einfach merken, wow, das ist einfach auch anstrengend, die ganze Zeit von einem Schmerz wegzulaufen. Und die ganze Zeit zu denken, ich komme noch nicht an und ich muss es noch mehr beweisen und noch mehr zeigen. Also diese Anstrengung in sich, die kann einen weit tragen, aber die führt im Zweifel irgendwann mal zu einem Zusammenbruch. Und da sage ich halt als Psychologin, das wäre cool, wenn wir diesen inneren Antreiber wandeln können. Wir sollten schon die Power daraus nutzen, aber trotzdem lernen, positiver mit uns zu sein, anders mit uns dabei zu sprechen. Auch mal liebevoller, glüitiger mit uns selbst zu sein auf dem Weg.

12:51 Feliks Eyser: So ein innerer Kritiker ist natürlich auch ein guter Antreiber, Du musst jetzt hier noch mehr und es ist zwar 1 Uhr morgens, aber ich kann auch noch bis drei Uhr morgens durchziehen.

12:58 Kimberly Breuer: Genau, und das, wie gesagt, das kann uns auch weit bringen, aber ich beobachte trotzdem, die Menschen, die lernen, mit diesem inneren Kritiker dann eher in den Dialog zu gehen, halten halt länger durch. Die irgendwann merken, okay, ich höre den inneren Kritiker und ich nutze den auch, ich nutze dessen Stärke und verletze halt irgendwo. Aber ich fange an, mit mir heute anders umzugehen, als ich es vielleicht früher gemacht habe.

13:18 Feliks Eyser: Was ist der Weg dahin? Was müssen Gründer machen, um vom inneren Sklaventreiber zum positiven inneren Coach zu kommen?

13:28 Kimberly Breuer: Ich glaube, ganz oft ist es tatsächlich auch einfach mal die Erfahrung zu machen. Also ich weiß gar nicht, ob es eine krasse Abkürzung gibt, aber was ich auf jeden Fall jedem Gründer mit an die Hand geben kann und würde, ist, Mit Coaching zu starten, also einfach mal jemanden zu haben, der objektiv einspiegelt, der die richtigen Fragen stellt, der vielleicht so ein paar Patterns aufdeckt, die man selber nicht erkennt, weil wir alle den blinden Fleck bei uns selbst haben. Und sich da einfach wie so ein Supporter an der Seite zu holen. Bei Gründen alleine ist eh schon schwer genug. Ich kann es mir so ein bisschen leichter machen und ein Support-System aufbauen. Was mir vielleicht hier und da schneller hilft, ans Ziel zu kommen oder die Erkenntnis zu haben.

14:05 Feliks Eyser: Ich glaube, man braucht diesen Spiegel. Wenn du in ein Tanzstudio reinläufst, das erste, was du siehst, ist ein Riesenspiegel. Weil wenn du tanzen lernen willst, dann kannst du dich nicht selber beobachten. Deswegen hängt da immer dieser Spiegel an der Wand und im Unternehmertum ist es ja ähnlich. Du kannst nicht objektiv von außen auf dich drauf schauen. Du baust jemanden, der. Der diesen Spiegel mitbringt.

14:20 Kimberly Breuer: Was würdest du denn sagen, Jane, du hast ja auch schon einige Gründerjourneys hinter dir und arbeitest ja auch derzeit mit vielen Gründern. Was würdest du sagen ist Ist das, was dir schon viel geholfen hat? Hast du das genutzt? Wann hast du damit gestartet?

14:32 Feliks Eyser: Ja, total. Also mir haben verschiedene Sachen geholfen. Coaches auch, wirklich mit psychologischem Background, teilweise mit wirtschaftlichem Background oder auf der Schnittmenge. Mir haben Mentoren geholfen, die einfach quasi Unternehmer waren, die den Weg schon gegangen sind, irgendwie vielleicht 10, 15 Jahre weiter waren. Mir haben Peers total geholfen, also Founder, die in einer ähnlichen Phase waren und gar nicht unbedingt weiter, aber in einer anderen Situation. Von denen ich lernen konnte. Und für mich war das immer ein Buffet aus verschiedenen Maßnahmen. Und ich habe jetzt auch nicht diesen einen Coach, mit dem ich jetzt seit 15 Jahren zusammenarbeite. Ich hatte in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche. Leute. Manche waren auch eher so auf der körperlichen Ebene zum Beispiel so, also auf dem sportlichen Bereich und andere eher total psychologisch. Und ich habe immer so ein bisschen, also ich habe das, ich habe immer irgendeine von diesen Sachen gemacht, aber auch so probiert, das zu variieren, weil ich auch nicht glaube, das ist für mich der eine Antwort oder ein Werkzeug irgendwie.

15:21 Kimberly Breuer: Das würde ich genauso bestätigen. Also ich mache ja auch seit mehr als 15 Jahren die Arbeit und ich habe nie immer nur denselben Coach. Und ich würde auch sagen Jeder Ansatz hat seine Daseinsberechtigung. Und manchmal ist es auch körperlich, manchmal ist es Fitness, manchmal ist es auf der kognitiven Ebene. Manchmal ist es das Gruppensetup mit Peers, um mitzukriegen: Okay, es geht anderen auch so. Ich bin ja gar nicht alleine damit.

15:42 Feliks Eyser: Die Firma, die du gegründet hast, hieß Likeminded, heißt Nilo heute. Erklär mal, womit habt ihr angefangen? Und wieso hat es nicht funktioniert?

15:51 Der Pivot: Wie du rechtzeitig und smart die Richtung wechselst

15:51 Kimberly Breuer: Naja, ich würde nicht sagen es hat nicht funktioniert, aber das erste Jahr also wir mussten pivoten Das erste Modell hat nicht funktioniert. Und das ist eine schöne Brücke zu dem, was wir gerade mit den Peers angesprochen haben, denn wir haben mit Gruppensessions online gestartet. Und zwar genau aufbauend auf der eigenen Erfahrung, wir alle, also mein Co-Founder und ich, wir hatten schon Erfahrungen gemacht mit wie es Wie cool es sich anfühlt, in einer Gruppe von Peers zu sein und mitzukriegen. Man ist ja gar nicht alleine mit seinem Thema. Und genau diese Magie wollten wir eigentlich dann als Geschäftsmodell aufbauen und sagen, wir bringen Menschen in Gruppen zusammen. Und helfen denen, dass sie sich gegenseitig eigentlich helfen, also Peer Support Groups, die allerdings auch von Psychologen geleitet waren. Okay. Und ich würde nicht sagen, es hat gar nicht funktioniert, aber es hat für einen VC-Kontext, für ein Startup, das bereits VC-Geld eingesammelt hat. Einfach nicht schnell genug funktionieren.

16:46 Feliks Eyser: Du wolltest Größe, du wolltest Skalierung. Im Bund.

16:48 Kimberly Breuer: Wir brauchten Impact Skalierung. Es musste schneller gehen und Dann muss man auch noch dazu sagen, dass das Ganze, solche Gruppen haben sehr viel Magie auch im Offline-Bereich. Und wir haben es natürlich online gemacht.

17:00 Feliks Eyser: Wann seid ihr gestartet?

17:01 Kimberly Breuer: 2020, also tatsächlich war die Idee schon vor Covid da, aber dann kam Covid, während wir gegründet haben. Und ich erinnere mich noch mit an Interviews, die ich mit Therapeuten vor Covid geführt habe, wo alle sagten nee. Also online, online-Sessions klappen Auf gar keinen Fall. Und wenn du heute mit Therapeuten sprichst, sagt dir eigentlich jeder, Online-Sessions sind super. Die sind super.

17:26 Feliks Eyser: Weil da kann ich übrigens von Bali arbeiten als Therapeut arbeiten. Das haben die dann auch irgendwann gemerkt. Haben die da auch verstanden.

17:31 Kimberly Breuer: Ja, auf jeden Fall. Diese Gruppensessions haben dann eben nicht schnell. Genug Fahrt aufgenommen und einer der größten Faktoren, warum wir das Modell dann geswitcht haben, war, dass einfach keine Zahlungsbereitschaft dafür bestand.

17:44 Feliks Eyser: Erkläre das mal, weil das finde ich schon interessant, wenn man in die USA schaut, da gibt es Eine Reihe von Mental Health Startups, die haben hunderte von Millionen gerast, die sind Milliarden wert, und es ist nicht so eine Company, sondern so zehn oder so gefühlt. Ich habe mir den Space mal von außen angeschaut, was mich interessiert hat. Was macht den deutschen Markt oder den europäischen so schwierig bei diesen Geschäftsmodellen? Ist es nur die Zahlungsbereitschaft? Ist es was Kulturelles? Was sind die Gründe? Dass es schwieriger ist als woanders.

18:07 Kimberly Breuer: Also, ich würde sagen, das ist was Kulturelles, was aber auf das System zurückzuführen ist. Und zwar haben wir in Deutschland, slash Europa, wir sind es gewohnt, dass sozusagen unsere Krankenkassen unsere Gesundheit bezahlen. Aber ja nur in dem Moment, wo wir krank sind. Wir sagen, okay, wir gehen zum Arzt, wenn es mir schlecht geht Und dann bezahlt auch jemand anderes für mich. Das heißt, erstens sind es jetzt nicht gewohnt, überhaupt Geld für unsere Gesundheit auszugeben. Und zweitens haben wir eben dieses sehr krankheitsfokussierte Mindset. Und mit Prävention kann man in Deutschland, also Dass es, dieses Mindset existiert, einfach gefühlt nicht. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt mit Fitness so langsam an dem Punkt angekommen sind, dass Menschen verstehen, ah, ja, okay, ich sollte Fitness machen, damit es mir auch langfristig gut geht oder auch mit Longevity so langsam Kommt das Verständnis, wenn ich jetzt schon in meine Gesundheit investiere, habe ich länger was davon.

18:58 Feliks Eyser: Und da ist auch klar, dass ich selber bezahle.

18:59 Kimberly Breuer: Und da ist dann irgendwie klar, dass ich auch selber bezahle. Beziehungsweise Ja und nein, weil wir haben eben damals die Erfahrung gemacht, dass wir immer wieder die Frage bekommen haben, ja, aber übernimmt das denn jetzt meine Krankenkasse? Also selbst da ist das deutsche Mindset so. Ja, ich will schon präventiv arbeiten, aber ich finde, das sollte auch die Kasse bezahlen. Also, wir haben einfach nicht dieses Mindset, das wir selbst dafür bezahlen, weil wir es nie mussten. Und in den USA ist es ja ganz anders. Da ist es ja eher so, also du siehst besser zu, dass du gesund bleibst, weil die Kosten, die auf dich zukommen in den USA, wenn du zum Arzt gehst. Die sind halt so enorm.

19:33 Feliks Eyser: Okay, interessant, ja, du hast beides. Du hast so die Angst vor dem Niedergang quasi, wenn dann irgendwann die 20K Krankenhausrechnung. Kommt, aber sicherlich auch so ein Growth-Mindset zu sagen, ja, ich klar, Education, da muss ich Geld reinstecken in mich, so die Unis sind ja auch teuer. So entsprechend ist die Zahlungsbereitschaft für so einen Retreat, eine Mastermind-Gruppe, da mal 5000 Dollar für ein Wochenende auszugeben. Geben, was für viele Deutsche ja undenkbar ist, ist da ja eher gang und gäbe. Also deine Freundin an San Francisco kann ich mir vorstellen, dass sie easy viel Geld dafür ausgeben.

20:03 Kimberly Breuer: Und auch allein, wenn du dir schon die Fitnessstudio-Beiträge vergleichst, da zahlst du so 300 Dollar im Monat für dein Fitnessstudio. Und das ist ja dann eine Sache von den ganzen Dingen, die die bezüglich Wellness machen. Und in Deutschland ist eher so, oh, 50 Euro im Monat, muss ich mir jetzt nochmal dreimal überlegen. Ja, also dementsprechend leider gibt es kein Prevention Mindset in Europa, was ist für mich. Auch, also meine Schlussfolgerung ist tatsächlich, ich weiß nicht, ob ich nochmal Healthcare in Europa mache. Also, wenn ich wieder neu gründe, will ich wahrscheinlich wieder in den Healthcare Bereich gehen und würde wahrscheinlich auf dem US-Markt starten. Weil es dir hier einfach doppelt schwierig gemacht wird. Und du kannst leichter innovieren in einem Umfeld, wo auch Geld in Prävention fließt. Ja, ganz klar. Das heißt ja nicht, dass man das nicht irgendwann dann hier hinbringen kann. Aber skalieren in Europa slash Deutschland ist in Healthcare nicht einfach.

20:55 Feliks Eyser: Was ist das psychologische Element von einem Pivot? Weil du sagst. Wir haben damit gestartet, es hat so ein bisschen funktioniert, aber nicht so die Traktion aufgebaut, die wir uns gewünscht haben. Und jetzt sind ja viele Founder in der Situation, die sagen, ja, ich hab da so ein Ding. Das funktioniert nicht besonders gut, aber auch nicht schlecht genug, um es sofort zu killen, und sind so stuck in the middle, das sehe ich sehr oft. Also so zu gut zum Sterben, zu schlecht zu leben quasi. Wie schaust du da als Psychologin auf diesen Moment, wo man loslassen muss, um was Neues zu erschaffen, was aber auch schmerzhaft sein kann?

21:24 Kimberly Breuer: Ja. Also ich würde heute sagen, ich würde viel schneller pivoten. Und in dem Moment, wo ich merke, es ist eben kein Hell yes. Ich komme da gerade nicht weiter und es läuft einfach nur so mediocre, plätschert es vor sich hin. Das ist eigentlich der Moment, wo man sagen muss, wir müssen eine radikale Veränderung vornehmen.

21:42 Feliks Eyser: Okay, es plätschert, es sprudelt nicht.

21:44 Kimberly Breuer: Ja, genau. Dafür ist man ja ein Startup, dafür ist man ja jung zu experimentieren und zu sagen, okay, wir haben jetzt die Möglichkeit, die Ressourcen, die Agilität, mal eben drei verschiedene Experimente auszuprobieren. Und es muss irgendwo was richtig kleben bleiben. Also es muss einfach irgendwo dieses Gefühl kommen von wow, jetzt geht's nach vorne. Plötzlich haben wir so einen Sog, so einen Zug. Da gibt es Kunden, die das Produkt wollen. Und das bedeutet natürlich nicht, dass man nach drei Wochen direkt sein ganzes Produkt sozusagen wegschmeißen sollte. Man darf schon ein bisschen experimentieren, aber man, meiner Meinung nach, sollte auf diesen Sog oder diesen, ja. Dieses Gefühl von da kommt jetzt was, da passiert was, das zieht mich. Darauf sollte man achten. Und wenn das nicht eintritt, dann ist es noch nicht das Richtige und dann ist das noch nicht der Product Market Fit.

22:29 Feliks Eyser: Und rational hört sich das total plausibel an und dann hast du aber so Loss Aversion, so wir haben ja auch keinen Bock, was zu verlieren. Und die Idee, die wir uns selber ausgedacht haben, da haben wir uns ja ein Stück weit rein verliebt, so dieser Ikea-Effekt. So, ich habe es selber gebaut, deswegen gefällt es mir auch besonders gut. Und man hat ja auch schon andere Leute. Oder sich selber zumindest überzeugt. Ist da rumgelaufen und hat gesagt, guck mal hier, Gruppentherapie online ist der neueste Shit und dann hat vielleicht sogar jemand investiert oder Mitarbeiter angefangen auf Basis der Idee. Wie gehst du damit um, dann zu sagen, äh ups Das ist es irgendwie doch nicht.

22:56 Kimberly Breuer: Ja, das war ja bei uns genau der Fall. Wir hatten auch gerade eine Seed-Runde damals mit Heartcore gemacht, die auf das Gruppenmodell investiert hatten.

23:03 Feliks Eyser: Heartcore ist ein VC.

23:04 Kimberly Breuer: Genau, sind wie sie und die hatten sich total auch in die Gruppenidee verliebt. Das heißt, auch in den ersten Wochen, wo wir immer mehr gemerkt haben, irgendwie fliegt das hier nicht, so wie wir uns das vorstellen. Haben wir natürlich auch gedacht, wie können wir das denn jetzt unserem Investor erklären, der gerade darauf investiert hat? Und natürlich auf unserem Team und uns selbst, weil man hat sich eben in die Idee verliebt. Und ich erinnere mich, dass wir die Entscheidung, wir haben die Entscheidung dann ein halbes Jahr Zeit gelassen und haben wirklich nochmal Experimente aufgestellt. Und am Anfang war auch die Diskussion mit meinen Co-Foundern, also ich war schon so ein bisschen mehr auf Pivot. Ich war schon so. Let's just pivot. And meine Co-Founder waren so, nee, wir müssen das noch weiter versuchen. Wir haben nicht alles probiert. Und irgendwann habe ich dann gesagt, okay, aber dann lass uns jetzt. Ziele stellen stecken, die wir in drei Monaten knallhart erreichen müssen. Wenn wir die in drei Monaten nicht erreicht haben, dann schauen wir uns hier tief in die Augen und müssen eine harte Entscheidung treffen.

23:57 Feliks Eyser: Also diesen Automatismus zu bauen.

23:59 Kimberly Breuer: Genau, weil in den ersten Monaten und Wochen haben wir immer gesagt, ja, okay, versuchen wir noch, versuchen wir noch, aber haben nicht so richtig harte Measurements.

24:05 Feliks Eyser: Und es kann ja auch sein, irgendwie denkst du, ja gut, die Marketingkampagne war nicht gut, okay, vielleicht war die Person die Gruppe angeleitet nicht gut. Es gibt ja tausend Sachen, die auch nicht gut laufen. Denkst du, gut, wenn ich die erst gefixt habe, Dann funktioniert.

24:14 Kimberly Breuer: Genau, genau. Und dann haben wir uns wirklich hingesetzt und gesagt, okay, was müssen wir in drei Monaten und auch vielleicht in sechs Monaten sehen, damit wir sagen, das ist hier, steht hier auf Grün. Und zwar nicht nur bei einer Sache, sondern mindestens bei drei von five, so ungefähr. And diese harten Ziele haben uns am Ende geholfen, die Entscheidung zu treffen, weil dann saßen wir da, und zwar hatte jeder wieder tausend Begründungen, warum wir die Ziele nicht erreicht haben, aber wir hatten ja so eine Art Pakt gemacht, wenn wir die das nächste Mal nicht erreichen, dann sitzen wir hier und treffen eine neue Entscheidung. Und wir haben die Entscheidung erst dann im Founderteam in so einer Art strategischem Nachmittags-Workshop an einem Samstag getroffen. Sind wirklich nochmal alles durch, Pros und Cons und haben dann eigentlich am Ende gesagt, okay, we have to pivot to B2B. Wir sind dann ja an den B2B-Markt gepivetet.

24:59 Feliks Eyser: Dann waren die Kunden nicht mehr die Privatpersonen, sondern die Unternehmen.

25:02 Kimberly Breuer: Und dann haben wir gesagt, wir müssen jetzt die Leute mitnehmen. Und wir haben auch ein paar Fehler gemacht, weil wir sind erstmal montags ins Office und haben gesagt, Leute, wir pivoten. Und alle waren so, what? waren überhaupt nicht amused und fanden es auch total doof, dass gefühlt die Entscheidung schon getroffen war. Dann sind wir aber so ein bisschen zurückgerudert und haben gesagt, okay. Lasst uns gemeinsam nochmal durch den Prozess gehen. Haben den ganzen Mittwoch rausgenommen, haben einen Tagesworkshop gemacht, haben quasi.

25:27 Feliks Eyser: Warte mal, wir püwetten doch nicht. Wir machen erstmal einen Workshop und hören uns eure Meinung an.

25:30 Kimberly Breuer: Nee, genau, aber haben dann einfach die nochmal in den Prozess und reingenommen und gesagt, Leute, lasst. Wir wollen euch zeigen, was wir denken.

25:35 Feliks Eyser: Und rückblickend würdest du den Mittwoch-Workshop zuerst machen.

25:39 Kimberly Breuer: Würde ich den einfach direkt am Montag machen und sagen: So, Leute, wir haben ein paar Gedanken am Wochenende gehabt und lass uns das mal kurz gemeinsam durchgehen. die dann einfach mit in diesen Prozess reinnehmen, sodass sie schon das Gefühl haben, ich habe das ein bisschen mit entschieden.

25:51 Feliks Eyser: Auch das ist wieder der Ikea-Effekt, so quasi, wenn das Team die Idee mitbaut oder die Meinung zumindest äußern kann und versteht, was hinter den Kulissen passiert. ist dabei, in Höher das umzusetzen.

26:00 Kimberly Breuer: Genau, und zu dem Zeitpunkt waren wir so zwölf oder dreizehn Leute, das war alles noch super machbar. Aber trotzdem ist er auch noch Und das hat sehr gut funktioniert und dann haben wir wirklich innerhalb von drei Monaten das komplette Produkt runtergerissen und neu aufgebaut. Also wir konnten fast gar nichts vom einen Tech-Produkt nutzen. Das war sehr traurig, haben dann das Portfolio als Produktportfolio erweitert, auch Einzelsessions hinzugenommen und haben in den ersten drei Monaten schon Kunden An Kunden verkauft, obwohl wir noch kein Produkt hatten. Was habt ihr dann verkauft? Wen habt ihr angerufen? Eine digitale Plattform und wir hatten dann einfach nur ein Pitch-Deck mit Mockups. Und haben gesagt, das ist unser Produkt, aber das Produkt gab es.

26:39 Feliks Eyser: Hast du die Allianz angerufen und gesagt, hey, wir helfen irgendwie euch, das Mental Health eurer Mitarbeiter zu verbessern? Oder was war das?

26:44 Kimberly Breuer: Genau, wir hatten ein paar Pilotkunden, die wir schon davor angefangen hatten zu evaluieren. Das heißt, mit denen sind wir weitergelaufen und dann. Haben wir einfach Werbung gemacht und Leute angeschrieben auf LinkedIn, E-Mails rausgeschickt. Also so ganz klassischen Vertrieb und dann kamen immer mehr Anfragen. Das war zu der Zeit 2021, Ende 2021. Wo ja auch Covid-technisch einfach viele Unternehmen so in einer Krise stecken.

27:06 Feliks Eyser: Ja, und wo das Thema natürlich auch top of mind war, bei denen sagen, okay, shit, das sind meine Leute, da alle im Homeoffice und sind einsam, ich kann keine Teame-Events mehr machen, irgendwie geht es denen nicht so gut. Was kann ich denn da eigentlich machen?

27:15 Kimberly Breuer: Genau, und dann haben wir immer zu Januar, Start Januar verkauft und sozusagen im Oktober irgendwie Mockups verkauft und wussten, bis Januar muss irgendein digitales Produkt stehen, aber es hat dann funktioniert. Und im Jahr eins haben wir dann auf eine Million direkt skaliert, ne? Von null auf eine Million ARR im Jahr eins.

27:31 Feliks Eyser: ARR, annual recurring revenue, also habt dann auch wiederkehrende Verträge mit den Unternehmen gemacht. Genau.

27:36 Kimberly Breuer: Okay.

27:37 Feliks Eyser: Gib rückblicken, was du anders machen würdest mit einem Produkt oder mit einem Pivot oder mit dieser ersten frühen Skalierung.

27:44 Kimberly Breuer: Ich glaube, wie gesagt, rückblickend würde ich die Entscheidung noch früher treffen, weil man eben sehr gut da drin ist, sich psychologisch selbst die ganze Zeit zu erzählen: ja, wir haben ja das noch nicht ausprobiert und vielleicht lag es an der Marketingkampagne. Und Da würde ich, wie gesagt, viel mehr darauf hören, okay, wenn es nicht, wenn wir nicht irgendeinen Weg finden, wo es einfach so richtig zieht, wo so richtig Euphorie und Begeisterung entsteht, bei allen Anwesenden, den Kunden, als auch den Mitarbeitenden, als auch uns selbst. dann ist es einfach nicht der richtige Weg und da wäre ich heute viel radikaler. Viel früher.

28:15 Feliks Eyser: Ja, ich glaube, es ist auch so eine Frage von wie viele Referrals gibt es? Also Kunden empfehlen es weiter, irgendwelche Anfragen, wo man gar nicht weiß, wo die herkommen, sind so ein Anzeichen. Dafür Kunden, die einen chasen, die sagen, Hey, wann kommt es denn jetzt endlich? Genau, also quasi, dass man das Produkt nicht zum Markt reindrücken muss, sondern dass man diesen Sog so leicht schaffen.

28:32 Kimberly Breuer: Und den haben wir dann halt bei B2B gehabt. Plötzlich waren die Kunden uns hinterher und haben uns angesprochen, könnt ihr das nicht für unsere Kunden, für unsere Mitarbeiter machen.

28:39 Feliks Eyser: Wenn man ein bisschen Vorsprung gab, ist eine spannende Situation, ihr habt das Unternehmen gemercht mit einem anderen Startup, auch im Bereich Mental Health, jetzt nicht aus einer Position der Schwäche heraus, sondern weil es gut gelaufen ist, aber ihr. die These entwickelt habt, in dem Markt wird es eine Konsolidierung geben und ihr wolltet es vorantreiben. . .

28:54 Kimberly Breuer: Nimm mich mal mit in den Moment.

28:55 Feliks Eyser: Wie kamst du zu dieser These überhaupt?

28:58 Konsolidierung: Die kluge Fusion mit dem stärksten Konkurrenten

28:58 Kimberly Breuer: Genau, also man muss so ganz grundsätzlich sagen, dass der Mental Health Markt insgesamt ja noch ein neuer ist. Also wenn man sich Europa insgesamt anschaut, die ganzen Mental Health Startups sind so vor fünf, sechs, sieben Jahren entstanden. Und dementsprechend mussten wir diesen ganzen Markt überhaupt erstmal educaten. Das heißt, es war ganz viel Vorarbeit zu leisten, bis man überhaupt die Lösung so richtig An den Mann und die Frau gebracht hat. Die ersten Kunden waren natürlich die Text-Startups, die irgendwie schon viel weiter waren. Aber bis man dann den deutschen Mittelstand da hatte, in Mental Health zu investieren, hat es einfach gedauert. Das heißt, ich würde schon sagen, es ist ein Produkt, was man länger in den Markt reinbringen musste, was viel mehr Investment gebraucht hat, als vielleicht, ich weiß nicht, wenn ich jetzt eine coole neue neuen Kaffee entwickeln und in den Markt bringen. Ja, weiß ich, es gibt schon ein Product Market Fit, ja, aber bei uns gab es ja, wir mussten erstmal herausfinden, wie lassen wir die Leute verstehen, dass das, was wir hier verkaufen, wichtig ist. Und dementsprechend haben viele Mental Health Startups in dem Markt einfach auch gemerkt, es ist nicht nur einfach. Es war schon einfach sehr, sehr viel Arbeit, diese Education zu schaffen und Dann haben wir uns gleichzeitig das auch leichter vorgestellt, in andere Märkte zu gehen. Aber dann gemerkt, relativ schnell, weil wir haben auch immer mal wieder so kurze Experimente gemacht, wie schaffen wir es in Niederlanden, in Frankreich, wie auch immer.

30:13 Feliks Eyser: Nicht ja an der Stage auch, wo ihr siebenstellige, also niedrige siebenstellige Umsätze gemacht habt, das schon überlegt.

30:18 Kimberly Breuer: Genau, noch nicht so richtig. Also wir haben immer so angetestet, wir haben aber auch bei Wettbewerbern mitbekommen, die es schon mal so richtig ausprobiert hatten, mit einem Office eröffnen und allem. Und da haben wir sehr schnell alle gemerkt, das ist gar nicht so einfach, weil jeder das europäische Land nochmal unterschiedlich tickt und Culturally nochmal ganz anders drauf ist. Und da ist dann für uns immer mehr klar geworden, das wird wahrscheinlich ein Konsolidierungsgame irgendwann. Weil wir haben einfach vier, fünf, sechs richtig starke Player mittlerweile in Europa, aber die tun sich alle schwer, sozusagen in den angrenzenden Markt zu gehen. was es dann nahelegt, zu sagen, warum tun wir uns nicht einfach zusammen, ihr habt den, Marc schon, wir haben den.

30:54 Feliks Eyser: Und war das eine schwierige Diskussion, nämlich in das Boardmeeting, wo ihr es entschieden habt.

31:00 Kimberly Breuer: Es war, es war nicht easy, vor allem, weil wir hatten irgendwie erst ein Neun Monate vorher unsere Runde, unsere letzte Runde geraced, die Series A. Da hatten wir, glaube ich, knapp sieben, zwischen fünf und sieben Millionen geraced. Und dementsprechend hatten wir auch noch Geld auf dem Konto. Es war jetzt nicht so obvious, dass man sowas hätte machen müssen. Aber der Hauptgrund, warum wir das angestoßen haben, war, dass einen Wettbewerber im Markt gab. Die eben die Gespräche angefangen haben. Also die waren gerade im Fundrace und die haben wohl immer das Feedback bekommen, ihr solltet doch konsolidieren, sozusagen vom Markt. Und die haben dann die Gespräche gestartet. Und in so einem Moment bist du als Gründer natürlich in der Situation zu sagen, ja, wenn jetzt alle über Konsolidierung sprechen, alle Wettbewerber, dann kannst du ja nicht derjenige sein, der sich raushält. Was ist, wenn alle deine Wettbewerber konsolidieren? Dann hast du auf jeden Fall einen Abteil.

31:48 Feliks Eyser: Und du willst ja, ich meine, zumindest willst du die Informationen, willst mal in den Gesprächen drin sitzen, weil du dann weißt, was abgeht. Und dann ruft dich jemand an, also deinen Competitor kanntest du dir davor und melden sich per E-Mail, trifft man sich dann im Hinterzimmer in der Torbar? Oder wie läuft das auch?

31:59 Kimberly Breuer: Ja, so ungefähr ist es schon. Also wir waren über WhatsApp alle, ich kannte meinen Competitor und dann bekam ich halt irgendwann die Nachricht: so, hey Sollen wir nicht mehr über Konsolidierung sprechen? Also auch ziemlich straight. Und dann ist so, okay, then let's do this. Und dementsprechend, wir wussten in den ersten drei Monaten nicht, würden wir am Ende wirklich den Schritt gehen. Haben uns das quasi erstmal angeschaut, haben dann aber auch angefangen, mit allen Parteien zu sprechen. Und das ist schon ein interessantes Spiel, was man so ein bisschen aufrechterhalten muss, weil du musst eigentlich mit allen in Gesprächen sein und Gucken, wie könnte ein Opfer zustande kommen mit allen, gleichzeitig, bis natürlich ein Termsheet liegt. In dem Moment schreibt man sich eine Exklusivität. Und trotzdem war es bis zuletzt wirklich sehr aufregend und angespannt, weil keiner so richtig wusste, wer geht jetzt eigentlich mit wem zusammen.

32:45 Feliks Eyser: Aha. Wie viele waren da in diesem Merger-Diskussion? Waren da wirklich alle fünf, sechs Anbieter unterwegs?

32:51 Kimberly Breuer: Ja, also insgesamt haben wir mit Parteien haben insgesamt schon an diesen Gesprächen auch teilgeholt. Oh mein Gott, man. Manche weniger aktiv als andere. Ja, ja, ganz genau. Nee, und am Ende haben wir uns dann eben entschieden, mit Nilo Health, heute Nilo als Brandname, entschieden zu mergen, weil die Synergien einfach am größten waren. Es war auch eine Berliner Startup. Wir waren sozusagen fast Also, wir waren in sehr vielen Dingen identisch. Gleichzeitig hatten wir einen stärkeren Fokus auf Gruppen. Wir hatten noch von früher so eine sehr starke B2C-Brand auch irgendwo und die hatten ein stärkeres B2B-Auftreten, mehr HR-fokussiert. Und sehr starken Fokus auf Einzelsessions und da hat sich das halt einfach wie so eine perfekte Synergie angefühlt. Plus, wir haben dann einfach unsere Offices zusammengelegt, so ungefähr, und es musste. Die Integration war deutlich leichter, als wir uns das alle vorgestellt haben am Ende.

33:45 Feliks Eyser: Das ist ja interessant, das hört man selten. Aber nochmal zur Verhandlung: Was war da das Schwierigste in der Anbahnung von dem Deal? War noch gerade psychologisch für dich?

33:52 Kimberly Breuer: Ähm. Also zum einen, also psychologisch als Gründer ist es einfach erstmal natürlich schwer zu sagen, okay, ich gehe hier jetzt mit meinem Wettbewerber zusammen, gegen den ich zu letzten drei, vier Jahre irgendwo ja versucht habe, über Gegenden anzukommen. Also von diesem, wir sind gegeneinander zum Miteinander zu kommen, ist, glaube ich, so psychologisch der größte Schritt oder schwerste Schritt aus Gründerperspektive. Und natürlich hast du auch in den Gesprächen gemerkt, dass einfach auf beiden Seiten beide sehr an ihren Brands hängen, beide sehr an ihren Produkten hängen, beide sehr auch an ihren Mitarbeitern hängen. Wir haben natürlich auch ein paar Leute leider gehen müssen in dem Prozess, gehen lassen müssen. Weil wir einfach, wir hatten dann Redundanzen, wir brauchten natürlich nicht zwei Head of Marketings als Beispiel. Und die Gespräche waren extrem schwer.

34:39 Feliks Eyser: Und die führst du vor dem vor dem Merger? Also ist es schon klar, welcher Head of Marketings am Ende ist?

34:44 Kimberly Breuer: Ja. Das führst du vor der Merger. Weil das ist ja auch am Ende des Tages dein größter Hebel. Wie fühlt sich das an?

34:49 Feliks Eyser: Du brüst ja quasi, gehst in so eine Ehe, man muss einen Bauernopfer mitbringen.

34:53 Kimberly Breuer: Es fühlt sich nicht leicht an und wir haben dann wirklich versucht, die Emotion, so weit es geht, rauszunehmen, was nicht immer gelungen ist, aber so weit wie so gut wie möglich wirklich auf Fakten und Datenbasis zu arbeiten. Also wirklich zu sagen, okay Dann lass uns doch mal unsere Marketing-Performance-Zahlen anschauen. Hört sich hart an, ne? Aber wirklich zu sagen, okay, wie performt welche Brand? Wie performt welches Team? Was glauben wir, was das Team in der Zukunft braucht? Wer bringt dafür das Skillset und die Personality mit? Und das sind nicht einfache Diskussionen, aber ich glaube, wir haben unser Bestes getan, die bestmögliche Lösung zu finden und auch einen fairen Abgang für diejenigen, die dann nicht mit auf die Reise gehen konnten.

35:32 Feliks Eyser: Wir wollen Founder Mode gemeinsam zum besten Entrepreneurship Podcast in Deutschland machen. Und ihr könnt uns helfen, indem ihr den Channel abonniert und eine Bewertung abgebt. Das hilft uns ungemein, weil die Episoden dadurch häufiger ausgespielt werden und wir noch spannendere Gäste einladen können. Danke euch und viel Spaß. Wie entscheidet man, welcher Name genommen wird? Ist es das Nilo, nicht like-minded?

35:53 Kimberly Breuer: Wir haben da wirklich Brand-Analysen gemacht und versucht, das auf Daten zu basieren und zu sagen, hey. Wer hat wie viele Follower auf LinkedIn als Beispiel? Was sind die Impressions auf der Website? Wie sieht die Wachstumsrate aus? Und Nilo Health hatte sozusagen ja fast anderthalb Jahre vor uns auf dem B2B-Markt gestartet. Und dann muss man einfach sagen, Klar wäre, hätte ich gerne Likeminded behalten. Behalten ist ein schöner Name und es ist auch sicherlich schwer, sich davon zu trennen. Aber am Ende muss man die Zahlen entscheiden lassen. Am Ende ist es auch so, die Brand ist am Ende so wenig entscheidend. Das ist auch was, was man als Gründer dann, glaube ich, irgendwann lernt, auch wenn man dran. Auf jeden Fall, ich glaube, für mich mit am schwierigsten, weil Ich natürlich stand ja mit dem Gesicht für die Brand. So, ich habe bei meinen Co-Foundern gemerkt, für die war das nochmal ein bisschen unemotionaler, weil wir waren ja whatever. welcher Brand Brandname auch immer. Und bei mir, ich war ja Kim von Likeminded. Ich habe ja meine Brand auf Basis dessen aufgebaut. Das war natürlich nicht easy, aber auch da habe ich für mich immer wieder gesagt, es geht ja hier am Ende um das Unternehmen und den Erfolg des Unternehmens. und da müssen wir uns einfach die Daten anschauen. Period.

37:00 Feliks Eyser: Haben wir noch was, über das wir sprechen sollten zu Pivots, Mergers und der frühen Phase?

37:06 Kimberly Breuer: Nee, ich glaube nicht. Ich glaube, das Einzige, was ich dazu noch sagen kann, dass man sich als Gründer immer klar sein sollte, es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie diese F. Firma sozusagen zu Ende geht und häufig ist es eben nicht das, was man sich vielleicht irgendwann mal am Anfang ausgemalt hat. Also ich glaube, die meisten von uns starten und sagen, ich will irgendwann auf diesen IPO hinarbeiten und halten dann vielleicht manchmal zu lange an einem schon An einem Pferd fest, was vielleicht irgendwie nicht mehr in die richtige Richtung läuft, und dazu sagen, ich bleibe flexibel, ich bleibe kreativ, ich bleibe offen Für jegliche mögliche Ausgänge. Und auch zu sagen, ja, und ich bleibe auch in gutem Kontakt mit meinen Wettbewerbern. Man weiß nämlich nie, ob man nicht doch irgendwann mal zusammenarbeitet. Ich glaube, das ist ein gutes Learning.

37:48 Feliks Eyser: Ja, total. Das war bei mir auch so, wir werden so mit mehreren US-Vorbildern, ich habe die dann auf so Konferenzen getroffen, ich dachte, irgendwann kaufen die vielleicht meine Firma an. Dann hat es sich aber gedreht, weil die irgendwann Probleme in den USA gekriegt haben, die hatten so ein Deutschland-Geschäft und dann. Habe ich den Anruf gekriegt von denen, die gesagt haben: Hey, willst du nicht unser German Business übernehmen? . Da dachte ich, das ist halt interessant. Und da haben wir das tatsächlich auch gemacht für ein Ablunden Ei. Da so eine 10-Millionen-Kompanie gekauft, im Grunde und bei uns rein gemerged. Hätte ich nie gedacht, dass das der Outcome sein könnte, aber deswegen ist es glaube ich gut, da in Kontakt zu sein.

38:17 Kimberly Breuer: Total. Also da immer der Appell: stellt euch gut mit euren Competitern, man weiß nie.

38:23 Feliks Eyser: Und jetzt hast du gesagt, Integration war einfacher als gedacht. Wie war es im Grunde? Team. Also da sind ja viele Gründer und auch da ist dann die Frage, okay, Head of Marketing mussest für eine Person entschieden. Wie viele Founder saßen dann da plötzlich am Tisch von diesen beiden Companies?

38:36 Kimberly Breuer: Also tatsächlich wären wir eigentlich sechs Founder gewesen. Und das ist, glaube ich, auch nochmal ein interessanter Punkt auch für andere Gründer, wenn man an so einer Stelle steht, dass man sich selber wirklich nochmal fragt. Was treibt mich am meisten an? Was brauche ich auch um motiviert zu sein? Und glaube ich, dass ich in diesem Future Setup wirklich meine 120% abliefern kann. Oder ist das auch vielleicht nicht mehr das richtige Setup für mich? Und das ist eine Frage, die ich mir selbst sehr früh gestellt habe und eigentlich auch sehr klar von Anfang an mit allen Beteiligten und auch meinen Investoren darüber gesprochen habe. Es gibt Wahrscheinlich nur ein Szenario, in dem ich mir vorstellen könnte, zu bleiben, und wenn wir das nicht hinbekommen, dann würde ich.

39:15 Feliks Eyser: Was war das Szenario in deinem Kopf?

39:17 Kimberly Breuer: Das Szenario war, dass ich halt gesagt habe, ich finde, wir sollten maximal zwei Co-Founder sein, wir sollten nicht so ein großes Co-Founder-Team sein. Es sollte einen klaren Entscheider in der Firma geben. Und das hätte für mich eigentlich vorgesehen, dass von beiden Seiten gleich viele Leute das Founderteam verlassen sozusagen und dass vielleicht einer von beiden Seiten bleibt. Weil ich einfach daran glaube, es ein leanes Setup viel besser funktioniert als Zwei Founder-Teams, die vorher ja auf ihre Art und Weise zusammengearbeitet haben, zusammenzuschmeißen und dann von denen zu erwarten, dass die das jetzt alle gemeinsam. Also es sind einfach zu viele Köche, die dann im Rührtopf rumrühren. Und ein zweiter großer Faktor war für mich aber auch der Equity-Anteil.

39:56 Feliks Eyser: Wie hattest du noch?

39:57 Kimberly Breuer: Also weniger als 10 Prozent. Und das war für mich einfach ein Anteil, wo ich gesagt habe. Das motiviert mich nicht mehr ausreichend, um die Firma jetzt nochmal in das nächste Jahrzehnt zu bringen. Plus, es fühlt sich nicht mehr an, als wäre man am Steuerrad. Und das ist was, was ich.

40:12 Feliks Eyser: Was war der ausschlaggebendere Punkt?

40:14 Kimberly Breuer: Schon das Equity für mich. Das war definitiv der aufschlaggebende.

40:17 Feliks Eyser: Waren da eine Anteile gevestet? Also, Vesting heißt, du musst welche abgeben, wenn du rausgehst?

40:23 Kimberly Breuer: Das heißt, du durftest sie behalten. Genau, ich durfte sie behalten. Und ich habe sie ja am Ende auch zu 95% verkauft.

40:29 Feliks Eyser: Und jetzt wird es spannend. Das finde ich jetzt super interessant, weil das hört man ja selten. Also, bis jetzt, die Geschichte, die gibt es ein paar Mal, so Firmen werden gemerkt, Founder geht raus. Meistens läuft es ja dann so ab, dass die Person die Anteile einfach behält. In deinem Fall gab es die Situation, dass du die verkauft hast. Du hast deinen persönlichen Exit gemacht in einem Millionendeal, ohne dass die Firma verkauft wurde.

40:52 Der Secondary-Deal: So verkaufst du erfolgreich deine eigenen Anteile

40:52 Kimberly Breuer: Erzähl mal. Ich weiß, das ist nicht so häufig. Das ist auf jeden Fall auch das Feedback, was ich so von anderen Gründern bekommen habe.

40:59 Feliks Eyser: Warum eigentlich nicht?

41:00 Kimberly Breuer: Ja, für mich war es so. Why not? Also, warum sollte es nicht die Möglichkeit geben, rausgekauft zu werden, wenn ich einen Investor finde, der meine Anteile kaufen möchte? Und deswegen, als wir dann in die Verhandlungen reingegangen sind, wie das Ganze strukturiert wird, wer eigentlich in der Firma bleibt, wer rausgeht, habe ich natürlich für mich einfach verhandelt und gesagt, es gibt Bedingungen, unter denen ich mir vorstellen kann zu gehen.

41:21 Feliks Eyser: In der Merger-Verhandlung hast du gesagt, okay, ich will hier bleiben, ist meine Firma und wir wollen die Merge und ich glaube da drin, aber es gibt ja auch ein Szenario, dass es irgendwie nicht klappt und da will ich jetzt Klarheit.

41:31 Kimberly Breuer: Genau, genau, genau. Und am Anfang war ja auch niemandem so richtig klar, wer bleibt eigentlich, wer geht vielleicht und wer nicht. Dementsprechend war das alles schon auch eine insgesamt große Verhandlung. Und man muss ja auch dazu sagen, wenn einer der Core-Gründ geht, ist es ja einfach schon auch Einfach eine heikle Situation, ja. Also da sagt jeder in der Runde, wir wollen, dass das hier irgendwie glatt läuft, wir wollen, dass das gut auseinander geht, wir wollen auch, dass alle mitgenommen werden und dass es nicht zu viel Chaos an der Company auslöst. Und genau, ich habe dann zu dem Zeitpunkt gesagt, dann lasst mich doch ein Investor finden, der meine Anteile abkauft. Und wenn ich den nicht finde. Dann können wir immer noch darüber sprechen, wie das hier auseinander geht. Dann behalte ich im Zweifel meine Anteile.

42:12 Feliks Eyser: Und das war eine Regelung, das war ein Paragraf, den du reinverhandeln konntest. Wenn dich. Und normalerweise darfst du die Anteile nicht im Markt verkaufen, muss man auch sagen. Es gibt eine Regelung, dass du sagst, gut, das kann jetzt nicht jeder an irgendjemandem seine Shares verkaufen, sonst weißt du ja nicht, wer da plötzlich Gesellschafter ist.

42:26 Kimberly Breuer: Genau, also die erstens war die Vereinbarung schon auch, dass alle gesagt haben, gut, aber wir wollen auch, dass der Investor zu uns passt. Also es kann jetzt nicht irgendwer sein. Und dementsprechend war das natürlich auch gar nicht mal so ein leichter Fundrace rauszugehen, an jemanden zu finden, der meinen Shareholdern gefällt, aber auch jemanden zu finden, der eine der Chor-Gründerinnen rauskauft. Also was ist das für ein Case? Wie setzt man den auf? Aber es hat am Ende geklappt und ich habe einen Investor gefunden, wo eigentlich am Ende fast alle gesagt haben, das können wir uns gut vorstellen. Hast du das gemacht? Ich habe so eine Art, Mini-Fundraise, also was heißt Fundrace, ist es ja nicht, aber so eine Art Mini-Secondary Race betrieben und habe einfach mit Investoren gesprochen. Genau, und es war ja auch eine coole Opportunity für andere Investoren jetzt in diese Veränderung. Firma reinzugehen, die sich jetzt zum Consolidator in den Markt macht und damit irgendwie zum stärksten Player in Europa wird. Wir sind

43:20 Feliks Eyser: Und wie hast du das gepitcht? Weil normalerweise sagen Investoren, na gut, ich investiere in eine Firma, dann ist das Geld da drin und damit können die dann irgendwie wachsen und irgendwas machen. Und ich investiere in ein Team, das setzt es dann um. Jetzt sagst du denen. investiere in die Firma, ich krieg die Kohle und übrigens, ich bin gar nicht mehr dabei, weil ich gehe raus. Wie verkaufst du das?

43:35 Kimberly Breuer: Es ist ja eine mega coole Opportunity, in eine Firma reinzukommen, die jetzt so gut dasteht, die erstens Geld auf dem Konto hat, das ist eine schöne Situation to be in. Also wir hatten Geld. Plus sind fast an der Profitabilität, machen 10 Millionen Umsatz im Jahr. Also das sind ja alles Faktoren, wo viele gerade am Markt sagen, das ist ja eine super coole Company. Und man muss schon auch sagen, viele haben Verständnis dafür gehabt, dass nach einem Merger eben Veränderungen im Founderteam stattfinden.

43:59 Feliks Eyser: Weil das die kritische Frage ist, wie kommt, wenn das alles so toll ist, wieso gehst du raus? Ist klar. Aber dann hast du gesagt, gut, ja, es ist halt einfach hier.

44:05 Kimberly Breuer: Genau, und ich habe auch gesagt, für mich persönlich Ist jetzt hier einfach der Weg zu Ende. Es gibt Gründer, die genau meine Rolle übernehmen. Die Company ist super gut aufgestellt, auch ohne mich.

44:13 Feliks Eyser: Wahnsinn. Und der Investor hat es dann gekauft oder wie ging es weiter?

44:16 Kimberly Breuer: Tatsächlich war es dann final so, dass meine Bestandsinvestoren am Ende dann doch mich rausgekauft haben.

44:22 Feliks Eyser: Okay. Was hast du persönlich rausgenommen?

44:24 Kimberly Breuer: Ein siebenstelligen Betrag, der auf jeden Fall für mich persönlich life-changing war.

44:29 Feliks Eyser: Congrats! Ja. Nächste Formentera-Party steht.

44:32 Kimberly Breuer: Ja, auf jeden Fall. Und es gibt einem natürlich extrem viel Freiheit. Den Unterschied merke ich jetzt schon. Es gibt einem extrem viel Freiheit im Denken und auch, wie ich jetzt meine nächsten Schritte angehe, wie viel Zeit ich mir lasse, das nächste zu starten. Das ist schon sehr cool.

44:45 Feliks Eyser: Was ist die emotionale Schattenseite von einem Exit?

44:50 Kimberly Breuer: Also, ich war erstaunt. Ich habe immer allen gesagt, die gefragt haben, was machst du jetzt als nächstes? War immer meine Antwort. Ja, ich bin kurz auf Bali. Und dann mache ich direkt weiter. Und als ich dann kurz auf Bali war, habe ich erstmal gemerkt: wow, mein Körper hat so viel nachzuholen in Form von Schlaf, in Form von Entspannung. Ich habe gar nicht gewusst, dass ich doch irgendwie ausgelaugter bin, als ich gedacht habe, weil ich natürlich immer in diesem Always-on war. High Adrenaline, ne, High Cortisol. Man kennt es, gell?

45:22 Feliks Eyser: Du hast irgendeine Situation, du bist auf Adrenalin, am ersten Urlaubstag wirst du krank.

45:27 Die essenzielle Erholungsphase: Richtiges Reset nach dem Exit

45:27 Kimberly Breuer: Ja, genau so ist es. Dieses Krankwerden im Urlaub, so ein Stress-Hangover, sagt man in der Psychologie am Ende, was halt auch wirklich sein kann, wenn du zu lange in diesem Stresslevel warst. Und dann von jetzt auf gleich eigentlich in den Entspannungsmodus gehen kannst, dann bricht dein Körper erstmal ein, dann fährt dein Immunsystem runter, dann brauchst du extrem viel Schlaf. Also ich habe wirklich. Ich bin keinen Morgen vor 8. 30 Uhr aufgestanden. Mittlerweile stehe ich wieder um 7. 30 Uhr auf und kriege das auch ganz gut hin. Aber zu der Zeit, in den ersten Wochen danach, brauchte ich wirklich erstmal Ruhe und habe das auch sehr genossen. Und ich würde sagen, der zweite Punkt ist schon, man denkt sich dann, ja cool, jetzt habe ich was erreicht, jetzt habe ich irgendwie diesen Erfolg. Aber das Gefühl von megageiler Erfolg hält leider gar nicht so lange an. Und ich glaube, das ist häufig bei Gründern. Ich glaube, das ist auch so eine Persönlichkeitssache, dass man dann immer denkt, ja, aber jetzt ja weiter. Jetzt das nächste, jetzt noch größer, die nächste Company noch größer, der nächste Exit noch größer, jetzt muss ich weitermachen, um sich da selber immer wieder zu zügeln und zu sagen, warte mal ganz kurz. Gönn dir mal kurz diese Pause und reflektiere. Ich glaube, das war so für mich mit das Schwerste in den letzten Monaten auch wirklich zu sagen, ich springe jetzt nicht auf die next beste Opportunity. Sondern ich erlaube mir mal ganz kurz inne zu halten. Das war gar nicht so einfach.

46:45 Feliks Eyser: Und es ist ja auch eine. Es ist ja auch produktiv zu recovern, oder? Also ich glaube, Nico Rosberg hat noch nicht auf LinkedIn sowas gepostet, wo er gesagt hat, früher dachte er, die Erholung ist die Belohnung dafür, dass er davor so viel Gas gegeben hat, aber eigentlich ist es die Zeit, wo er persönlich als Sportler am meisten Gewachsen ist ein bisschen auch das, ist auch das, was Profisportler oft sagen, dass du sagst, die Recovery ist das Wichtige und nicht das, was du vernachlässigen solltest. Und wir fanden das, glaube ich, genau das Gleiche.

47:11 Kimberly Breuer: Und ich glaube halt, die Schwierigkeit ist, sich dann auch wirklich in dieser Recovery für eine Zeit zu halten. Und zum Glück habe ich aber mit vielen anderen Gründern, die auch schon ein Exit gemacht haben, gesprochen und die haben mir das eigentlich so gesagt, Kim. Es werden jetzt tausend Opportunities auf dich einprasseln, du musst Nein sagen. Sag nein. Oder auch Gründer, die gesagt haben, ich hätte eine Pause machen sollen. Mach du sie.

47:32 Feliks Eyser: Sehr interessant. Da hast du quasi so eine Umfrage gemacht unter Post-Exit-Foundern. Was war nächste Feldstudie? Was sind die Top 3 Learnings im Paper über die Post-Exit-Phase? Erzähl mal, was hast du daraus gefunden bei deinen Gesprächen?

47:46 Kimberly Breuer: Ja, wirklich dieses, glaube dir, eine Pause zu nehmen. Sag erstmal Nein zu Opportunities, weil jeder wird irgendwas danach von dir wollen und es wird tausend Sachen geben, die sich irgendwie exciting anhören. Aber wäre dir erstmal wirklich klar darüber, unter welchen Bedingungen willst du das nächste Mal gründen? Und mit welchem Mindset und mit welcher Energie. Und da haben sie total recht gehabt. Also das kann ich nur unterschreiben. Und ich habe interessanterweise gemerkt, mein Nervensystem, also ich track ja hier meine ganzen Werte mit dem Oura-Ring. Die sind nach, also ich bin im August operativ raus, bis Oktober gingen zwar noch die Verhandlungen, aber erst im Januar, also fünf bis sechs Monate später, hatte ich das erste Mal gute Werte.

48:28 Feliks Eyser: Ah ja, oh mein Gott.

48:29 Kimberly Breuer: Obwohl ich wirklich auch im November, Dezember, ich war so, aber ich habe doch keinen Stress. Warum sind meine Werte so schön?

48:34 Feliks Eyser: Ich sitze mit meiner Smoothie Bowl, aber es ist trotzdem okay. Der Hangover dauert länger als man denkt.

48:40 Kimberly Breuer: Das Nervensystem braucht viel länger, um zu adaptieren an diese neue Realität, so umzuswitchen von wir dürfen jetzt mal aus dem Fight-and-Flight-Modus rausgehen. Wir sind hier nicht mehr im Dauerkortisol.

48:51 Feliks Eyser: Das ist ja interessant, das Gehirn hat es verstanden, die Pressemitteilung gab es, du bist raus, du weißt jetzt da, dein Konto ist irgendwie voll, aber das Nervensystem, das ist träge.

49:00 Kimberly Breuer: Genau, also das war eine interessante Erkenntnis für mich. Und ich glaube, mein Learning daraus ist, wenn ich wieder was mache, ich habe jetzt wieder richtig viel Bock und richtig viel Energie. Gleichzeitig würde ich mir während des Gründens öfter mal eine richtige Break erlauben. Also wirklich mal zwei, drei Wochen zu sagen, ich bin offline. Und das machen, glaube ich, viele Gründer nicht. Aber du brauchst du brauchst diese Recovery-Phase in between. Und ja, ich weiß, es gibt viele Gründer, die sagen, ja, ich mache jetzt 996 und früher habe ich 100 Stunden gearbeitet, aber da würde ich die kritische Challenge und Frage stellen. Seit wie vielen Jahren machen die das denn? Weil ich würde sagen, fünf bis acht Jahre können wir unseren Körper durch sowas durchprügeln.

49:40 Feliks Eyser: Das ist schon lang.

49:41 Kimberly Breuer: Und das ist genau und ich würde sagen, ich bin froh, dass ich jetzt nach fünf Jahren so ein Natural Break hatte, zu dem ich gezwungen wurde, ja mehr oder weniger. Weil ich weiß nicht, wo ich in drei Jahren mit meinem Körper gestanden hätte, wenn ich einfach so weitergemacht hätte. Und ich glaube, da Sich als Gründer selber zu challengen und zu sagen, ja, okay, vielleicht kann ich zwei, drei Jahre richtig durchpushen, aber es ist einfach unnatürlich. Der menschliche Körper wird es nicht mitmachen. das fünf oder acht oder zehn Jahre ohne Break zu tun.

50:09 Feliks Eyser: Und ich finde es auch interessant, also man kann es ja auch positiv framen. Ich glaube, bei vielen ist ja der Glaubenssatz, ja, wenn ich da rausgehe, also erstens bricht alles zusammen, weil ich bin ja die schlauste Person. im Unternehmen. Und ich darf es mir ja nicht gönnen, eine Pause zu machen. Ich muss ja auch ein Vorbild sein für die Leute und am härtesten arbeiten. Also das sind oft die Glaubenssätze, die kursieren. Auf der anderen Seite kann man es umformulieren und sagen, ja gut, aber die Aufgabe von einem Unternehmerinnen und Unternehmerin Ist ja auch ein System zu bauen, was ohne ihn oder sie klarkommt. Und quasi die Kompanie nicht so sehr um den Founder rum zu zentrieren. Und so ein Break von zwei Wochen kann ja auch eine gute Übung sein, dieses System mal zu stresstesten. Das ist, glaube ich, eine Formulierung. Und die andere ist. Dass viele gute Ideen ja oft in diesen Off-Times kommen, also in diese Recovery kommen. Also bei mir ist immer so, wenn ich dann irgendwie mal keine Termine habe den ganzen Tag, ein Buch lese, und was seit Jahren auch nicht mehr vorgekommen ist, jetzt mit Kindern ist ein anderes Thema, aber in den Zeiten, in diesen Ruhephasen, da kamen mir immer gute Ideen, die ich dann wieder umsetzen konnte.

51:05 Kimberly Breuer: Und was würdest du sagen?

51:12 Feliks Eyser: Nicht lang, ein paar Tage bei mir. Also es hat schon gereicht. So ein Mini-Break zu machen und dann auf eine Konferenz zu fliegen, was ich vorhin erzählt habe, in die USA und da irgendwie die meine Competitor zu treffen. So neue Eindrücke, neue Stadt, dann bist du dann also. Allein keine Termine im Kalender zu haben und räumlich getrennt zu sein für meine Firma hat schon dazu geführt, dass ich ein Stück weit mehr von außen drauf schauen konnte.

51:31 Kimberly Breuer: Ja. Ich würde persönlich sagen, also meine Erfahrung ist, ich würde sagen, mindestens zwei Wochen. Und klar, wenn du wieder sagst, ich kann jetzt gar nicht erreichbar sein, dann sagst du, Sagst du deinen Leuten halt, ich bin im Notfall telefonisch erreichbar, aber ich habe halt keine Termine und ich muss jetzt hier einmal runterkommen, weil deine Woche kannst du nutzen für Recovery und ich habe so die Erfahrung: in der zweiten Woche kommen die guten Ideen zurück. Und du brauchst das als Gründer, weil wir müssen ja die wichtigsten strategischen Entscheidungen treffen. Wenn du jeden Tag in diesem Dauerstressmodus und im Day-by-Day-Business bist, dann siehst du halt den Wald voll lauter Bäumen nicht mehr. Das ist meine Sicht darauf.

52:09 Feliks Eyser: Zeit für strategische Entscheidungen und ein Stück weit Zeit auch für diese Introspection. Wie würdest du das in den Busy Founder Alltag integrieren mit dem, was du heute weißt?

52:21 Kimberly Breuer: Ich glaube, also ich bin viel besser darin geworden, ich kann auch immer noch besser drin werden, Nein zu sagen zu Sachen, sprich, ähm zu Events auch Nein zu sagen, zu Dinner-Einladungen Nein zu sagen, weil ich für mich gesagt habe, okay, ich brauche mindestens ein oder zwei Abende pro Woche, wo ich komplett einfach Me-Time habe. Und für mich bin und meine Gedanken strukturieren kann. Das sind so Sachen, die man in einem Alltag, finde ich, gut einbauen kann.

52:45 Feliks Eyser: Machst du das mit einem Journal, hast du eine gewisse Routine, sitzt du einfach da, meditierst du, was ist praktischer zu sagen, was du dann machst an so einem Abend?

52:51 Kimberly Breuer: Es kann von Biss sein. Es gibt auch Abende, wo ich mir einfach was zu essen bestelle, auf was ich richtig Bock habe und erstmal nur chille. Aber dann gibt es auch Tage, wo ich wirklich, also ich nutze gerne Meditation für mich. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber für mich funktioniert das gut, wirklich eine Meditation zu machen, zu journalen. Also ich schreibe sehr gut.

53:09 Feliks Eyser: 10 Minuten, eine Stunde oder was ist da so deine Routine?

53:12 Kimberly Breuer: 20 bis 30 Minuten Meditation. Und dann journal ich und schreibe. Das war übrigens auch eins meiner großen Learnings. Ich habe während meiner Gründerzeit ja Schlafprobleme entwickelt gehabt und irgendwann habe ich nachts angefangen zu schreiben. Ich habe irgendwann einfach gesagt, okay, wenn meine Gedanken mich nicht schlafen lassen, dann schreibe ich sie jetzt auf. Und es ist tatsächlich auch eine Psychologie ein Tool, expressives Schreiben nennt sich das.

53:32 Feliks Eyser: Einfach was im Kopf ist.

53:34 Kimberly Breuer: Alles runterschreiben. Es geht raus, es bringt Ruhe ins System. Und man hat so das Gefühl, ich habe sie ja abgegeben. Ich brauche es nicht weiter zu denken, ich habe es abgegeben. Das hat für mich super gut funktioniert. Das sind jetzt so ein paar Tools und Hacks. Und für mich persönlich Sport. Also ohne meinen Sport funktioniere ich gar nicht und für den räume ich auch Zeit ein.

53:54 Feliks Eyser: Ja, interessant. Dann ist Sport also auch eine, also quasi A-körperlich eine Aktivität, aber für dich hat es auch ein psychologisches Element.

54:01 Kimberly Breuer: Genau, und baut ja auch Cortisol ab, ne? Also Cortisol ist ja das Stresshormon und wir wissen, Bewegung baut Cortisol ab. Das sind so Sachen. Und genauso auch ein spannendes Learning. Früher habe ich immer brav Intermittent Fasting gemacht. Keine gute Idee für Menschen, die sowieso unter viel Stress stehen, denn. Wenn wir zu lange fasten, also dem Körper sozusagen Essen vorenthalten, dann steigt das Cortisol-Level an. Und für jemanden, der eh schon ein hohes Cortisol-Level hat unter Dauerstress steht, ist es eigentlich besser zu frühstücken. Also es sind so simple Hacks, über die ich nie nachgedacht habe.

54:33 Feliks Eyser: Trackst du das? Also wie kann man kurz die Cortisol-Level tracken?

54:36 Kimberly Breuer: Genau, es gibt einen Speicheltest. Also ich habe damals wegen der Schlafprobleme dann so einen Speicheltest gemacht beim Arzt. Und darüber haben wir halt gesehen, dass mein Cortisol sozusagen zu den komplett falschen Zeiten spiked. Also mitten in der Nacht ist dann meins Cortisol hochgegangen. Und ähm Das zeigt einfach, dass dein Cortisol Haushalt oder Rhythmus sozusagen außer Balance ist.

54:56 Feliks Eyser: Es gab gerade ein Interview mit Marc Andreessen, hier ist Silicon Valley Investor mit David Senra zusammen. Und die sitzen da beide und sagen: Ja, Introspektion ist eigentlich gar nichts für mich. sagen, hält mich zu sehr in der Vergangenheit, ich bin da sowieso zukunftsgewandt. Und ich fand die Perspektive erstmal interessant. Also ich will das gar nicht judgen, aber ich denke mir, so einer der erfolgreichsten Investoren der Welt, der setzt sich dahin und sagt, nö Introspection mache ich nicht, weil ich lebe ja in der Zukunft.

55:19 Kimberly Breuer: Also ich finde immer diese ganzen Aussagen, sowohl von Dim <unk> Reason als auch jetzt vom Harry Stebbings, die sind natürlich so super black and white. Und dann wird dann so ein Satz rausgenommen. Und im Zweifel, wenn ich mich jetzt mit dem an den Tisch setzen würde, würde er es vielleicht nochmal differenzierter darstellen. I don't know, ich hätte gerne dieses Gespräch.

55:34 Feliks Eyser: Ich habe mir das Long vom Intro angeschaut. Es war nicht sehr differenziert, muss ich sagen. Es war sehr klar.

55:38 Kimberly Breuer: Perfekt. Aber dann sollten wir vielleicht mal mit ihm sprechen und noch ein paar andere Fragen stellen. Aber grundsätzlich, ich verstehe, woher er kommt. Also ich würde gar nicht dieser Aussage komplett widersprechen. Denn und auch aus einer psychologischen Perspektive ist es nicht hilfreich, sich die ganze Zeit mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Und ich glaube auch, also ich selbst schaue auch kritisch auf Therapie und Coaching, weil ich glaube, es gibt viele Formen da draußen, die gar nicht hilfreich sind und vielleicht sogar manchmal negativ wirken. Das wird leider nicht gemessen. Wenn wir uns den ganzen Tag damit beschäftigen, welche Kindheitstraumata wir hatten und wie wir jetzt unser Verhalten erklären aufgrund von irgendeiner vergangenen Experience, Dann sind wir zu sehr in der Vergangenheit und dann fangen wir schon fast an, das wie so eine Rechtfertigungsstory für uns herzutragen. Ja, ja, ich verhalte mich ja so oder ich fühle mich ja so, weil mein Trauma. Und das ist eigentlich genau das, was Therapie oder Coaching nicht bewirken soll. Zwar ist Introspektion insofern wichtig, als dass ich einmal verstanden habe, ah. Da kommt mein Pattern her. Makes sense. Aber der nächste Schritt ist, das dann aufzubrechen und zu sagen, jetzt, wo ich verstanden habe, dass es irgendwie echt eine unlogische Schlussfolgerung ist. Wie kann ich das aufbrechen und ein neues Mindset entwickeln? Wie kann ich jetzt darüber nachdenken? Und als Beispiel, was nehme ich jetzt? Ich bin nur geliebt, wenn ich leiste. Gibt es Momente in meinem Leben, in denen ich auch geliebt wurde, obwohl ich nicht geleistet habe? Wahrscheinlich ja. Kann ich also auflösen. Kann also für mich sagen Vielleicht werde ich auch einfach so gelebt, ohne zu leisten, und muss mir diesen ganzen Druck innerlich die ganze Zeit nicht machen. Und dann arbeite ich an meiner Gegenwart und an meiner Zukunft und fange bewusst an, diesen alten Glaubenssatz einfach nicht mehr weiter mitzunehmen. Aber wo ich ihn verstehen kann, ich glaube, es gibt viele Menschen, die starten mit dieser Introspektion und bleiben dann hängen in der Vergangenheit.

57:24 Feliks Eyser: Und suchen sich dann in Ihrem Elend.

57:26 Kimberly Breuer: suheln sich so ein bisschen im Elend und das ist dann die Rechtfertigungsstory und es ist ja auch irgendwie nett, manchmal in der Opferhaltung zu bleiben und ja, ich bin ja so, weil das ist mir früher passiert. Aber da würde ich dann sagen, wenn man da mit einem Coach und Therapeut arbeitet und der einem dann nicht hilft, aus dieser Opferhaltung rauszukommen und zu sagen, so, jetzt ist aber gut, jetzt konzentrieren wir uns auf das, was wir jetzt brauchen in der Zukunft. Dann ist das einfach kein gutes Coaching, keine gute Therapie. Und es ist leider sehr gefährlich und ich beobachte auch, dass das passiert. Daher verstehe ich, woher er kommt, wenn er diese Aussage trifft.

57:56 Feliks Eyser: Was kann ich als Founder machen, um aktiv in ein positiveres Mindset zu kommen, ohne die Introspektion komplett auszublenden.

58:03 Kimberly Breuer: Genau, also ganz kurz: Introspektion ist meiner Meinung nach wichtig, weil wir lernen ja aus unseren vergangenen Fehlern und es wäre blöd, wenn wir uns gar nicht mehr damit reflektieren und beschäftigen. Was kann ein Gründer machen? Also meine Erfahrung ist, einmal wirklich mit Coaching oder sowas zu starten, um einmal die Einsicht zu haben, ah ja, da war was, was mich getriggert hat. Und dann, sobald die Erkenntnis da ist, kommt das Training eigentlich, dafür bewusster zu werden. Also im Alltag mitzubekommen, ah, jetzt springt gerade irgendwie dieses alte System wieder an. Und dann innerlich zu sagen, danke für die Info, aber ich brauche das ja eigentlich nicht, weil ich habe mir ja überlegt, Heutzutage gehe ich damit anders um. Also wirklich einen neuen Glaubenssatz zu formulieren, ein positives Mindset.

58:42 Feliks Eyser: Und es klingt einfach, wenn das Nervensystem gerade jetzt nicht in einem State ist, der Auf Alarmbereitschaft steht jetzt.

58:49 Kimberly Breuer: Genau, es ist natürlich nicht so einfach, es ist komplex und ich würde auch sagen, es ist ein Training, das wir unser Leben lang eigentlich machen. Aber für mich ist der erste Schritt Mit sich selbst liebevoller umzugehen. Also nicht zu sagen, ah scheiße, jetzt war ich wieder in einem System. Und dann ist das ja genau das. Und zu sagen, ah, interessant, jetzt habe ich gerade vielleicht Wieder ein altes Pattern gelebt, muss ja nicht sein. Also, da erstmal mit sich selbst ein bisschen geduldiger zu sein. Das Thema Meditation kann wirklich helfen, weil Meditation hilft uns sozusagen Die Pause zwischen Stimulus, Reiz und unserer Reaktion größer werden zu lassen. Also wenn uns was triggert, kurz innezuhalten und zu sagen, ah, nee, ich reagiere heute anders. Da hilft Meditation extrem. Aber es können auch andere Sachen sein. Für manche ist es auch mehr Sport. Für manche ist es, mit Freunden draußen unterwegs zu sein, mal loszulassen, Kontrolle abzugeben. Also all das, was uns hilft Unser Stress und unser Nervensystem zu regulieren, ist gut dafür und hilfreich. Und wir brauchen die kognitive Ebene mit einem Coach, um uns einmal so ein bisschen selber zu verstehen. Aber daneben auch verstehen, was bringt unseren Körper in Ruhe, was lässt uns runterfahren und dafür Zeit einzuräumen. Und das ist eine Kombination und es gibt nicht den perfekten Weg. Aber man kann mit diesen beiden, sag ich mal, Ebenen sehr gut starten, damit anzufangen. Macht das Sinn?

01:00:06 CEO deines Lebens: So meisterst du dein inneres Board-Meeting

1:00:06 Feliks Eyser: Ja, total. Du hast mir mal geholfen, da kennst du IFS, Internal Family Systems. Sagt ihr das was? Das ist ja so eine. Praxis von einem, ich glaube, Amerikaner, der das entwickelt hat, und der hat ja familient therapiert, also Gruppen von Menschen, hat aber auch in seiner Einzelpraxis, wo er nur mit Einzelpersonen gearbeitet hat, gemerkt Die verhalten sich ja oft wie eine Gruppe, die sind gar nicht so konsistent. Also, ich habe das Gefühl, ich rede da mit verschiedenen Personen, also so jetzt nicht wie eine klinische Schizophrenie, aber es wirkt so, als hätten diese Menschen so unterschiedliche Persönlichkeitsanteile. In sich. Und das ist so das Framework, es gibt diese Anteile.

1:00:39 Kimberly Breuer: Genau, es gibt diese Anteile, nämlich neben dem inneren Kritiker, den du ja heute schon angesprochen hast. Gibt es vielleicht auch den inneren Perfektionisten, den inneren Forscher, den inneren Romantiker, also diese ganzen verschiedenen Persönlichkeiten, die wir in uns tragen und die auch mal an einen Tisch zu holen und zu sagen: So Jetzt machen wir hier mal einen Dialog.

1:00:59 Feliks Eyser: Jetzt machen wir mal ein Boardmeeting.

1:01:00 Kimberly Breuer: Jetzt machen wir ein Boardmeeting internally. Wie wollen wir hier eigentlich weitergehen?

1:01:04 Feliks Eyser: Also mir mein Couch hat gesagt, Feliks ist wie ein Boardmeeting. Okay, damit kann ich was anfangen. Genau, genau. Ich habe abgeholt, wo ich war. Weil dann kannst du überlegen, okay, woher kommen die denn eigentlich? Du hast ein bisschen Introspektionsarbeit, dann denkst du, okay, die sind da irgendwie stecken geblieben, als sie sechs Jahre alt waren, weil da vielleicht irgendwas passiert ist oder seitdem haben die sich nicht mehr entwickelt. Aber will ich mich jetzt verhalten wie so ein Sechsjähriger? Wahrscheinlich nicht. Und dann kann man quasi mit diesen Anteilen in Dialog gehen. Fand ich total faszinierend.

1:01:30 Kimberly Breuer: Und dafür ist es dann ja auch gut, so ein Coaching zu haben und einmal auf der kognitiven Ebene, sozusagen auf dieser, ne, auf der Verstandesebene. Konzepte oder Begriffe dafür zu finden, also was eigentlich in unserer Inwelt passiert, dass wir verschiedene Anteile haben dass die miteinander kommunizieren.

1:01:48 Feliks Eyser: Alleine diese Begrifflichkeit zu sagen, nee, ich bin jetzt nicht der da da, sondern ein Teil von mir war gerade wütend und hat die E-Mail vielleicht ein bisschen zu scharf formuliert. Ich bin kein Choleriker. Also quasi sich da auch ein bisschen abzugrenzen, so lange diese Rhetorik zu haben, ist ja ein Werkzeug.

1:02:02 Kimberly Breuer: Und das, was du da ansprichst, ist ja eigentlich einer der Grundsätze, auch in der Psychologie zu verstehen. Ich habe Emotionen, aber ich bin nicht meine Emotionen. Ich habe Verhalten und ich zeige Verhalten, aber ich bin nicht mein Verhalten. Das ist mal so als erste Erkenntnis. Wenn ich das voneinander trennen kann, bin ich ja wieder viel mehr am Steuerrad. Weil ich sagen kann, ah, okay, das bin ich nicht per se. Ich bin nicht per se die Person, die cholerische E-Mails schreibt, sondern es ist ein Teil von mir, der sich durch irgendwas getriggert gefühlt hat. Weil wenn ich das so sehe, dann habe ich ja plötzlich die Macht Und das Steuerrad in der Hand, was anders zu machen. Und das ist das Coole. Das ist eigentlich der Ursprung oder der Grundsatz in der Psychologie, dem Menschen zu zeigen, ich kann Selbstverantwortung für mich übernehmen. Ich kann was verändern.

1:02:45 Feliks Eyser: Ich bin nicht ausgeliefert. Ja. Und am Ende ist auch meine Aufgabe, da ein bisschen Ruhe reinzubringen, weil in einem echten Board-Meeting würdest du auch nicht den Head of Sales alle Entscheidungen treffen lassen. Wenn du das machst, dann wird halt alles Geld ausgegeben und Umsatz um jeden Preis. generiert, dann musst du sagen, nee, du brauchst ja schon einen CEO, der da quasi ausgewogen so versteht, was der Head of Sales braucht, versteht, was der Controller braucht. Der hat natürlich irgendwie stärkeres Kontrollbedürfnis und so weiter. Und das fand ich interessant bei dieser Arbeit quasi zu probieren, wie kann ich in meinem Selbst wieder mehr in diese ruhige CEO-Rolle kommen, ohne dass da irgendein hysterischer Marketingleiter nur alle Entscheidungen trifft.

1:03:23 Kimberly Breuer: Und würdest du auch sagen, dass das für dich so ein Außerdem den Shift mitgebracht hat, dass du anders mit dir selbst auch umgegangen bist oder anders mit dir selbst auch gesprochen hast danach, also seit du das so siehst.

1:03:35 Feliks Eyser: Ja, total. Also, dass es einfach ein bisschen differenzierter betrachtet habe. Und ich muss sagen, ich bin da jetzt auch nicht jahrelang eingetaucht. Ich habe da vielleicht so fünf, sechs Sessions gemacht oder so. Das hängt auch schon an. Genau, das alleine, diesen Anker zu haben, zu wissen, wie war das Gefühl, da drin zu sein und Das ist auch so eine Sache, die nur geführt geht. Also, das kann ich selber nicht machen. Ich kann mich nicht hinsetzen und so eine IFS-Session mit mir selber machen. Da brauche ich einen Coach.

1:03:55 Kimberly Breuer: Genau, der dann auch dich beobachtet und hört, was du sagst, und dann nochmal ein paar gute Fragen stellt. Und ich glaube, das nochmal abzuschließen. Ein großer Stressfaktor, der viele Gründer vielleicht am Ende doch ausbrennen lässt, ist der Stress, den wir uns halt selbst machen. Also ganz, ganz vieles meiner Meinung nach, Mindset. Es ist natürlich auch dieses Nehme ich Pausen und so weiter, aber woher kommt denn überhaupt das Ich nehme keine Pausen? Nämlich weil ich innerlich sage, nee. Ich muss jetzt allen zeigen, ich muss es der Welt beweisen, ich muss es meinem Vater beweisen oder wem auch immer oder mir selbst und ich bin hart mit mir. So diese innere Härte. Und die bringt uns natürlich auch ein ganzes Stück lang ganz schön weit. Aber diese innere Härte ist auch das, was uns irgendwann echt exhaust sein lässt. Also echt angestrengt, müde werden lässt. Und ich glaube, das ist was, wo viele Gründer ansetzen können, diese innere Härte mal ein bisschen aufzulockern und zu sagen, warum spreche ich eigentlich so mit mir? Kann ich ein bisschen verständnisvoller mit mir selbst sein, kann ich nicht so mit mir reden, wie ich vielleicht auch mit meinen Mitarbeitern oder mit meinen Freunden spreche.

1:04:56 Feliks Eyser: Das ist ein guter, das ist ein guter Benchmark. Also behandle dich selber, wie du deinen besten Kumpel behandeln würdest. Und Den würdest du ja auch nicht anschreiben, nur weil er gerade irgendwie den Rechtskapfe auf die Landingpage gemacht hat.

1:05:08 Kimberly Breuer: Woran man, und wenn man sich jetzt denkt, weiß ich gar nicht, ob ich das mache, ich glaube immer ein guter Marker ist, sich zu fragen, wie angestrengt bin ich gerade. Immer wenn so ein extremes Gefühl von Anstrengung kommt, das ist immer ein gutes Zeichen für, ich bin gerade im Beweiserites-Modus. Ich versuche es gerade mir, der Welt, meinen Mitarbeitern, meinen Investoren so richtig zu beweisen und das ist so richtig hart und angestrengt. Das sind, glaube ich, ein guter Marker, um sich selbst auf die Schliche zu kommen.

1:05:34 Feliks Eyser: Was sind sonst Anzeichen dafür, dass man als Founder kurz vorm Burnout steht oder schon drin ist?

1:05:41 Kimberly Breuer: Viel, wahrscheinlich viel zu vergessen, nicht mehr präsent, present sein zu können, ja, mit anderen. sich zurückzuziehen aus sozialem Leben, ganz viel zu sagen, nee, ich mache jetzt Arbeit, Arbeit, Arbeit und ich und Fokus. Und ich lösche eigentlich alle guten Dinge aus meinem Leben. So eigentlich die, die mir Energie geben, lösche ich immer mehr raus. Also, das ist auch ein guter Marker, weil das ist eigentlich ein Zeichen von wir sind maximal überfordert Und glauben dann, wenn wir alles andere, was uns sonst noch Zeit stiehlt, in Anführungszeichen rauslöschen, was uns aber eigentlich Energie geben könnte und uns nur noch auf die Arbeit fokussieren. Und diese Anstrengung immer höher wird, das sind schon so Zeichen, wo man aufhören, also aufhorchen konnte und sagen könnte: Wow, ist das eigentlich der richtige Weg gerade? Und es darf ja auch Phasen geben, ne? Es darf Phasen des Sprints geben. Wir alle waren in Fundrace-Zeiten, wo es einfach nicht anders ging. Aber sich da auch immer wieder selber zu reflektieren, wie lange geht die Phase jetzt eigentlich schon? Also, weil wenn wir die drei Monate machen, vielleicht sechs. Wenn wir die ein Ja machen, ist das im Zweifel einfach zu lang. Schlafprobleme gehören dazu, dass ich keinen Appetit mehr habe, dass ich Schwierigkeiten habe, morgens aus dem Bett zu kommen. Das sind alles so Symptome. Die auch darauf hinweisen.

1:06:59 Feliks Eyser: Und wenn sich jemand wiederfindet, was ist deine Empfehlung?

1:07:02 Kimberly Breuer: Sich Support suchen. Ich würde wirklich sagen, man muss es nicht alleine lösen, also wirklich mal mit dem Coach sprechen, mit dem Therapeuten sprechen.

1:07:11 Feliks Eyser: Wie findet man da einen guten, der zu einem passt? Die sind ja alle ausgebucht, das ist ja ein Problem, an dem du gearbeitet hast.

1:07:16 Kimberly Breuer: Das ist auch ein Thema, mit dem ich mich wahrscheinlich als nächstes noch mehr beschäftigen will. Wie findet man eigentlich wirklich was, was zu einem passt? Leider ist das aktuell noch nicht so einfach. Im Zweifel wäre da mein aktueller Rat, andere Gründer oder Bekannte, Freunde fragen und auf Empfehlungen gehen. Das ist gerade mein bester Rat, den ich habe.

1:07:34 Feliks Eyser: Im Zweifel selbst zahlen oder über die Company zahlen?

1:07:37 Kimberly Breuer: Auf jeden Fall über die Company zahlen. I mean, das ist ja für die Company, würde ich immer sagen. Coaching auf jeden Fall über die Company zahlen und Sonst alleine.

1:07:48 Feliks Eyser: Der hat wirklich mal so eine, der hat so einen Prozess gemacht und hat dann so zehn angeschrieben, sich dann mit acht von denen getroffen und sich wirklich Aufwand gemacht, um rauszufinden, wer match denn eigentlich Mit ihm hat sich ihn auch gefragt, ist für mich eine Frau besser oder ein Mann? Und wusste er nicht und hat das ausprobiert quasi und am Ende eine Person gefunden, wo er das Gefühl hatte, dass das funktioniert und das ist ja auch die halbe Miete.

1:08:06 Kimberly Breuer: Eben, also das Investment lohnt sich schon, die Zeit haben halt nicht alle. Und deswegen würde ich immer sagen, ähnlich wie beim Recruiting ist in dem Fall ein Referral wahrscheinlich mit der beste Weg. Weil wenn dein guter Freund, der ähnlich tickt wie du, auch diesen Code schon genutzt hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es für dich auch kaputt ist.

1:08:23 Feliks Eyser: Ja, und es gibt ja, wenn man umfragt, ist es auch interessant, wie viele Leute schon so eine Erfahrung hatten. Und da gibt es ja auch, es gibt dann Berlin-Therapeuten, die haben die halbe Gründerszene schon bei sich in der Praxis gemacht.

1:08:33 Kimberly Breuer: Nee, und ich finde es auch ehrlicherweise voll schön, dass das mittlerweile so ist. Ich kenne auch immer mehr Gründer, die sich auch erlauben, einen Coach zu haben. Und ich würde es auch wirklich mehr wie so ein Support-System sehen. Genauso wie man sich ja auch ein Personal Assistant holen kann, um die Admin-Tasks leichter zu machen und zu delegieren, kann ich mir auch einen Coach holen. Der mir einmal ein bisschen mit meiner Mentalebene hilft, damit ich nicht ganz allein auf mich gestellt bin.

1:08:53 Feliks Eyser: Was sind ansonsten Ressourcen, die dir geholfen haben?

1:08:58 Kimberly Breuer: Also eine Sache, die es auch wieder auf der Mindset-Ebene, die mich, glaube ich, immer gut durchs Leben trägt und auch in den stressigsten Phasen hat weitermachen lassen. Also dieser Gedanke, ich nenne das mal rauszoomen. Yeah, zoom out, um nochmal so zu realisieren: erstens, this is not about me, sondern this is about so my mission, my vision, zu der ich beitragen möchte aus freien Stücken. Und dann nochmal so sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Also immer wenn dieses Innere anfängt, ich muss noch mehr, ich muss besser und vielleicht hat das nicht allen gefallen und viele Gründer kennen das, Imposter-Syndrom. Immer wieder zu sagen, so, warte mal ganz kurz, es geht hier gar nicht um mich, geht hier um die Sache. Das hat mir extrem geholfen. Und zweitens, ich habe immer wieder gesagt, Kim. Du könntest heute die Entscheidung treffen zu gehen. Du hast freien Willen. Don't forget.

1:09:52 Feliks Eyser: Ist ja so.

1:09:54 Kimberly Breuer: Und das einmal so zu entrücken und zu sagen, ich habe mich aus freien Stücken für diesen Weg entschieden und ich kann aus jeder Zeit eine andere Entscheidung treffen. Because Ich bin meine eigene Person. Das hat mir sehr geholfen, um immer wieder zu sagen, okay, so schlimm ist es, glaube ich, gerade gar nicht. Und den Stress mache ich mir eigentlich selber. Also wirklich das nochmal so. Rauszusoomen und sich zu besinnen, worum geht es ja eigentlich gerade. Das war das eine. Und ansonsten sind es für mich persönlich, jetzt wirklich habe ich auch schon gesagt, Sport, meine Freunde, mit denen auch einfach mal ein richtig schönes Wochenende verbringen. Ich gehe unglaublich gerne tanzen in Berlin und mir diese Dinge zu gönnen. Die einfach für mich dazugehören. Weswegen ich auch kritisch auf den 996-Hype-Trend in der San Francisco schaue, weil ich mir so denke.

1:10:38 Feliks Eyser: Wer es nicht kennt, 996 heißt von 9 bis 9 und das sechs Tage die Woche arbeiten, also quasi 72 Stunden arbeiten, inklusive Samstag, vielleicht ab und zu Sonntag. Also sehr viel zu arbeiten.

1:10:47 Kimberly Breuer: Ja, genau. Und witzigerweise ist das ja, das kommt ja aus China, das Konzept, ne?

1:10:52 Feliks Eyser: Bestimmt.

1:10:54 Kimberly Breuer: Ich habe recherchiert und es wurde 2019 rechtlich verboten in China. weil es anscheinend zu viele Suizide und Mental Health Problems gab. Finde ich ganz interessant, und jetzt denkt sich das Silicon Valley Ich verstehe, dass man den die Motivation hat und ich finde es auch richtig cool, wenn man den Drive hat, für sowas so Folge aufzugeben. Und wir alle kennen das Gefühl. Nur ich glaube, man muss sich immer fragen, aus welchen Gründen mache ich das gerade? Mache ich das, um irgendwem was zu beweisen oder mache ich das wirklich, weil ich so viel Spaß an der Sache habe? Ich glaube, sobald es zu so einem Credo wird, ich muss jetzt 996 machen. Dann ist es schon irgendwann nicht mehr gut, weil du wirst nicht immer nur Bock darauf haben. Und ich glaube, es ist auch gut für uns Menschen, wenn wir ab und zu mal die Kontrolle abgeben und wenn wir auch mal ein bisschen Leben genießen zwischendurch.

1:11:39 Feliks Eyser: Stichwort Imposter Syndrome, weil du es gerade angesprochen hast, was sagst du deiner besten Gründerfreundin, wenn die sagt, oh, bin ich eigentlich, schaffe ich das denn eigentlich? Ich glaube, ich bin fake. Was sagst du ihr?

1:11:52 Kimberly Breuer: Dann sage ich, das denkt jeder, und am Ende ist wahrscheinlich auch jeder einfach irgendwie so ein bisschen, jeder kocht mit Wasser und sagt ihr schon: Dieser Gedanke bringt dir halt gar nichts. Der macht's für dich gerade nur schwerer, der behindert dich nur und Du bist jetzt eh schon auf der Journey, also kannst du auch einfach an dich glauben. Weil für beides, wir haben für beides keine Beweise. Weder, dass du nicht gut genug bist, noch dass du gut genug bist im Endeffekt, ja, in dem Moment. So you can also just choose The other side und sagen, okay, dann glaube ich einfach, ich bin gut genug.

1:12:26 Feliks Eyser: Hast du trotzdem einen Anteil in dir drin, der manchmal glaubt?

1:12:30 Kimberly Breuer: 100%, natürlich. Also sowas von ich habe auch auf jeden Fall das Imposter-Syndrom. Aber ich versuche in diesen Momenten immer wieder zu sagen: Okay, wenn ich nicht an mich glaube, wer soll dann an mich glauben? Und ich kann jetzt auch einfach an mich glauben und gucken, wo es mich hinbringt.

1:12:44 Feliks Eyser: Okay, das ist CEO wieder am Entscheidungshebel.

1:12:49 Kimberly Breuer: Ja.

1:12:50 Feliks Eyser: Was glaubst du, was der gefährlichste psychologische Rat ist, der in der Startup-Szene kursiert?

1:12:58 Kimberly Breuer: Dass man keine Introspektion braucht und dass man ein Ruthless Psychopath sein sollte. Die beiden Sachen, die jetzt gerade so kursieren. Ja, und ich glaube grundsätzlich dieser Gedanke oder diese Idee von, ja, wenn du ein Trauma hast, das ist der richtige Antreiber. Also dieses Mindset. Das ist so ein bisschen falsch verstanden. Trauma haben wir eh alle, ja. Und Trauma kann Antreiber sein, aber die Menschen, die verstanden haben, wie sie diesen Antreiber für sich nutzen statt gegen sich, kommen deutlich weiter.

1:13:29 Feliks Eyser: Wenn du mit einem Founder oder mit einer Gründerin eine Stunde über Persönlichkeitsentwicklung sprechen könntest, jede Person der Welt, wer werdest und worüber würdest du sprechen?

1:13:37 Kimberly Breuer: Ich glaube, es wäre der Dario Amodei von Anthropic, der Gründer, weil ich mir gerade sehr viel zu seiner Essays durchlese Und mich ja auch selbst damit beschäftige, was mache ich eigentlich als nächstes. Und eins der großen fünf Themen, die Anthropic lösen will, ist Mental Health und Neuroscience. Der Dario ist ja selbst Neuroscientist. Und er schreibt eben viel darüber, wie AI sozusagen die Mental Health Crisis lösen können wird. Beispielsweise sagt er über die neurowissenschaftliche Seite: Können wir mit KI vielleicht Medikamente entwickeln. unser Brain besser verstehen und dann Wege finden, wie wir Depressionen im Grunde eliminieren, weil wir einfach die Verschaltungen modellieren. Das wäre extrem spannend wäre und ich glaube auch, dass wir In der Zukunft in die Richtung arbeiten können. Man kann ja sozusagen heute schon auch mit Microdosing und Drogen Abkürzungen nehmen. Da gibt es ja viel Forschung zu, dass LSD oder auch Ketamin in Microdosing Therapies Depressionen heilen kann. Das ist extrem spannend, aber meiner Meinung nach, welche Frage er so gar nicht stellt, ist, ja, wir können vielleicht klinisch auf diese Art und Weise Störungsbilder heilen, aber das ändert ja noch lange nichts daran, wie Menschen sich verhalten, mit welchen Grundsätzen, mit welchen Glaubenssätzen Menschen durchs Leben laufen. Und das heißt. Wir können sie vielleicht heilen, wenn sie krank werden, aber auf dem ganzen Weg davor, wo wir noch nicht richtig krank sind, haben ja viele von uns auch ein unzufriedenes Leben, was wir irgendwie nicht so leben, wie wir es wollen. Und sind nicht so richtig bei 100 Prozent. Und diese Frage muss man sich stellen: wie schaffen wir es eigentlich, den Menschen viel früher zu erreichen, ein Betriebssystem sozusagen, ein menschliches Betriebssystem aufzubauen, das Menschen stärkt? Dass Menschen zu sicheren, selbstbewussten, sich selbstvertrauenden Menschen macht, vor allem in einer Zeit, in der wir wahrscheinlich alle in fünf Jahren in einer großen Identitätskrise stecken, aufgrund von KI. Und ich bin der Meinung, wir beschäftigen uns viel zu wenig damit, wie wir eigentlich die Menschen stärken, mit dieser zukünftigen Identitätskrise und diesem Wandel, der jetzt kommt, umzugehen, weil wir so viele Menschen haben. die unzufrieden sind, die nicht an sich selbst glauben, die kein Selbstvertrauen haben, die eigentlich in sich schon so ein bisschen zerbrochen sind. Und da glaube ich, brauchen Menschen Werkzeuge. Da brauchen sie Werkzeuge, sich selbst besser zu verstehen und mit sich selbst und ihrem Leben anders umzugehen.

1:15:58 Feliks Eyser: Und die Tech Pro-Antwort wäre jetzt ja einfach noch mehr AI. Kann die der Coach sein?

01:16:02 KI als Mentor: So baust du dir das perfekte digitale Gegenüber

1:16:02 Kimberly Breuer: Genau, er sagt so ein bisschen: Ja, wahrscheinlich gibt es einen AI-Coach und der hilft dann den Menschen so ein bisschen. Und ich glaube auch total dran, dass KI als Coaching funktionieren kann. Ich selbst nutze Claude als meinen. geprompteten Coach. Wir haben ja drüber gesprochen, ich glaube du auch, ne?

1:16:15 Feliks Eyser: Ja, ich habe ChatGPT, aber ich glaube, ich kriege auch zu Claude. Irgendwie kommt mir Claude sympathischer vor in letzter Zeit.

1:16:20 Kimberly Breuer: Yeah, yeah. But tatsächlich ist, glaube ich, auch das Claude Model gerade besser als das ChatGPT Model.

1:16:33 Feliks Eyser: Speziell für solche Coaching Us. Use Cases?

1:16:35 Kimberly Breuer: Nee, insgesamt ist das Model, das neueste Model gerade, glaube ich, insgesamt besser. Also ich habe gerade beides und die Antworten in Claude sind einfach viel besser. Aber ich glaube, das ist immer so ein Kopf-and-Kopfrennen. In drei Monaten ist wahrscheinlich ChatGPT wieder besser.

1:16:46 Feliks Eyser: Wie hast du dir deinen Coach gepromptet?

1:16:48 Kimberly Breuer: Ähm, ja, ich weiß halt schon, wie man mit mir umgehen muss, weil ich ja schon viel Coaching gemacht habe. Und ich glaube, deswegen ist es auch wichtig, dass man in der Zukunft nicht nur mit KI arbeitet, sondern vielleicht auch mal mit einem echten Menschen, damit man schon so ein bisschen was über sich weiß. Weil sonst hast du im Endeffekt dann nur so eine KI, die dich die ganze Zeit in allen bestätigt und das ist ja wenig hilfreich. Also ich habe zum Beispiel gesagt, ich möchte, dass du wie ein systemischer Coach agierst. Es gibt so ein paar Leute, deren Mindset ich total mag, wo ich gesagt habe, bitte denk auch in die Richtung von Ray Dalio. Von Esther Perel, Brené Brown. Das sind sozusagen so Sachen, die ich mit eingearbeitet habe.

1:17:22 Feliks Eyser: Du hast ja in deinen Mount Rushmore an deinen Vorbildern, hast du dir in deinen Coach gepromptet.

1:17:26 Kimberly Breuer: Ganz genau, ich möchte, dass du challenging bist.

1:17:28 Feliks Eyser: Das ist auch ein Satz, den wir vor fünf Jahren nicht gesagt hätten.

1:17:31 Kimberly Breuer: Und uh dass er challenging ist, dass er immer meine Sachen hinterfragt, dass er meine Patterns aufdenkt und dass er hart mit mir ist.

1:17:37 Feliks Eyser: Und machst dann du chattest mit dem irgendwie auf eine regelmäßige Basis? Rufst du den an? Wie gehst du mit dem um?

1:17:43 Kimberly Breuer: Ich chatte. Also ich chatte meistens, vor allem weil die Sprachfunktion auch bei Claude noch nicht so gut ist.

1:17:47 Feliks Eyser: Und du sagst dann, hey, mein Thema ist gerade so, ich habe jetzt so viele Opportunities und ich will es wieder ins Business, aber dann lässt du dich da challengen, oder wie?

1:17:54 Kimberly Breuer: Genau, ich schreibe da auch meine Zweifel rein, alle meine Gedanken, wirklich so richtig. Full on. Und ich glaube dementsprechend, dass KI auf jeden Fall für Coaching helfen kann. Und trotzdem glaube ich, wir müssen viel, viel früher ansetzen. Also der AI-Coach wird noch nicht alles lösen. Zumal wie gesagt dann auch die Frage ist, was ist das für ein AI-Coach, wie wurde der gepromptet und skaliert der im Zweifel die falschen Approaches. Das muss man einfach dazu sagen, dass es auch viel schlechtes Coaching da draußen gibt. Und da müssen wir wirklich hinschauen, was funktioniert eigentlich. Aber viel früher ansetzen, bei Kids, bei Teenagern. Warum gibt es das nicht wirklich als Fach in der Schule Psychologie, sich selbst mal besser verstehen? Was sind meine Glaubenssätze, wie funktionieren meine Gefühle und meine Gedanken zusammen? Wie baue ich ein starkes Rückgrat auf als Mensch? Wie bleibe ich ein differenzierter Denker? Wie schaffe ich das, so wirklich eine eigenständige Identität aufzubauen? In Zeiten von Social Media ist das ja. Abhanden gekommen. Leider haben wir eine riesige Krise unter den ganzen jüngeren Generationen, die alle keinen Selbstwert haben. Weil die alle mit 14 oder 13 auf Social Media sind und vermeintlich glauben, alle sind ja besser als sie.

1:19:03 Feliks Eyser: Bist du für ein Verbot?

1:19:05 Kimberly Breuer: Ja.

1:19:05 Feliks Eyser: Ab wann? Oder ab wann erlaubt?

1:19:08 Kimberly Breuer: Ich würde sagen, ab 16 oder 17 ist Social Media fein, wenn man so aus dem gröbsten raus ist, aus der Pubertät.

1:19:14 Feliks Eyser: Mhm.

1:19:15 Kimberly Breuer: Ja. Und das gehen ja jetzt auch einige Länder vor, ne? Also Australien macht das.

1:19:19 Feliks Eyser: Ja, ich glaube, das ist total sinnvoll.

1:19:21 Kimberly Breuer: Und ich glaube generell, wir müssen uns fragen, wie sieht die Welt von morgen aus, wenn wir alle nichts mehr am Laptop zu tun haben, wenn so viele Leute ihren Job verlieren? Ja. ihre Beschäftigung dadurch nicht mehr haben, auch wenn gerade ganz viele Menschen ihren Job ja eigentlich hassen, was man ja schon sagen muss, glaube ich trotzdem, dass wenn sie dann zu Hause sitzen und nicht mehr gebraucht werden,

1:19:40 Feliks Eyser: Arbeitslosigkeit hassen auch viele. Also ja, natürlich.

1:19:45 Kimberly Breuer: Und deswegen glaube ich, das wird eine extrem spannende Zeit, gerade was Persönlichkeitsentwicklung und Mental Health angeht, weil immer mehr Menschen diese Frage in der Zukunft stellen werden, wer bin ich eigentlich, was macht mich glücklich, wer will ich sein? Womit will ich meine Zeit verbringen?

1:19:57 Feliks Eyser: Und bevor wir darüber sprechen, wie es bei dir weitergeht, nochmal einen Doppelklick ganz kurz zurück, weil du es im Nebensatz angesprochen hattest: Substanzen. LSD, Ketamin und so weiter, gibt es im therapeutischen Rahmen, interessant, was die Studien da bringen. Gibt's Recreational Use, Startup-Szene, äh, so soll er auch Diverse Gründer geben, die da irgendwie zu viel nehmen oder den Stress des Alltags mit Substanzen bekämpfen. Wie ist dein Take darauf? Und das ist ja auch ein sehr breites Spektrum, wenn wir über LSD sprechen, ist es eine völlig andere Diskussion als Heroin oder Kokain oder was weiß ich, aber Es ist schon interessant in der Startup-Szene, würde ich sagen, dass man ja schon Charaktere hat, die tendenziell rebellischer sind, die an die Grenzen gehen, die Sachen ausprobieren und Das Thema Substanzenleit nicht so fern ist.

01:20:40 Psychedelika im therapeutischen Rahmen: Neue Ansätze für mentale Klarheit!?

1:20:40 Kimberly Breuer: Ja. Ich war bis zu meinem 29. Lebensjahr komplett dagegen. Kompletter Kritiker, weil wir zum Beispiel auch im Psychologiestudium setzt mit diesen chemischen Substanzen auseinander und du lernst quasi, was es mit dem Gehirn macht und was sozusagen die negativen Langzeiteffekte sind. Dementsprechend war ich immer extremer Kritiker und irgendwann habe ich gesagt, okay, jetzt gibt es immer mehr Studien dazu, dass diese Drogen vielleicht sogar hilfreich sein könnten und einen Unterschied machen. Und als Psychologin muss ich das verstehen. Ich muss verstehen, warum ist das so, warum ist das vielleicht nicht nur schädlich und habe dann mir selbst erlaubt auch sozusagen zu experimentieren, so mit Microdosing zu experimentieren, das mal auszuprobieren, Retreats mitzumachen und so weiter. Und habe meine Meinung danach sehr gedreht, weil ich halt selber fühlte.

1:21:27 Feliks Eyser: Welche Substanzen?

1:21:29 Kimberly Breuer: Genau, also jetzt nicht alles, sondern halt, wir sprechen dann eher über Psilocybin, das sind ja so Pilze, genau, und auch LSD. Die ja psychedelisch wirken und wo man wirklich nachweisen kann und wenn man die Erfahrung auch selber macht, vor allem auch wenn man das in einem guten Setup macht, das vielleicht ein bisschen begleitet ist und vielleicht sogar ein Therapeut dabei ist, dass du einfach viel schneller zu Erkenntnissen kommst, die sonst vielleicht drei Jahre oder fünf Jahre lang Therapie gebraucht hätten. Und gleichzeitig halt in einem Setup, in dem sich die Menschen aber sicher fühlen können, ja, in dem sie sozusagen aufgefangen werden und Das finde ich hochspannend und ich glaube, wir wissen auch, dass LSD zum Beispiel dazu beitragen kann, neuronale Verknüpfungen, also wie so ein, wie so eine, wie so eine. Man kann sich vorstellen, wie so ein Trampelfad, ja, der so jahrelang gegangen wurde, so ein richtiger Trampelfad, ja, dass sozusagen diese Drogen dazu beitragen könnten, diesen Trampelfad wie so zu erasen, also zu eliminieren. Einmal drüber zu mähen und dann einen neuen Pfad einzuschlagen.

1:22:31 Feliks Eyser: Den du besser bestimmen kannst, von deinem heutigen Wissen.

1:22:34 Kimberly Breuer: Genau, der einem hilft, dass man danach wieder sich besser fühlt, dass man weniger mit depressiven Gedanken zu tun hat. Und da sind wir halt mitten in der Forschung, aber ich glaube total daran, dass das extrem viel Potenzial hat. Und mit KI können wir halt viel schneller diese ganzen Berechnungen jetzt machen und können ja unstrukturierte Datensätze wirklich analysieren. Also, KI wird in der Forschung einen riesigen Fortschritt ermöglichen. Riesig, viel schneller als früher.

1:23:00 Feliks Eyser: Und es gibt ja auch die Möglichkeit, sowas in Deutschland auf eine legale Weise zu machen. Ich war hier bei einem Arzt und habe so eine Ketamin-Session gemacht. Das wusste ich davor gar nicht, das war mir überhaupt nicht klar. Cool.

1:23:09 Kimberly Breuer: Das habe ich zum Beispiel noch nicht gemacht. Das war deine Erfahrung.

1:23:12 Feliks Eyser: Können wir sagen, wer das ist? War super. Ich habe das einmal gemacht. Der hat seine Empfehlung, mach sechs Sessions, um so tief reinzugehen. Für mich war es dann mit einer okay. Ich war auch. Eher neugierig, als dass ich jetzt wirklich ein Riesenthema hatte, was ich bearbeiten wollte, aber es war unter medizinischer Aufsicht und unter psychologischer Aufsicht. Also da waren zwei Leute im Raum. So und der Typ, der einem die Infusion setzt und der, der das Vorgespräch führt, daneben sitzt, fragt uns, wo man da gerade so ist. Das guidet und begleitet und danach eine Nachbesprechung macht. Also das hat überhaupt nichts damit zu tun, im Club da irgendwie zu stehen oder irgendwie sondern das war hochprofessionell und das kannst du hier machen. Das ist eine Leistung, die du privat bezahlst. Das war jetzt Das auch nicht probiert bei der Kasse einzureichen, aber fand ich faszinierend, dass das geht.

1:23:55 Kimberly Breuer: Ja, ich finde das auch extrem faszinierend und interessant und gleichzeitig glaube ich, dass man Eben gerade wenn es darum geht, dass wir hier über klinische Sachen sprechen, also wirklich über Depressionen und so weiter, muss man auch wiederum dazu sagen Diese Menschen sollten jetzt nicht auf eigene selber experimentieren.

1:24:15 Feliks Eyser: Das ist schon ein großer Unterschied, ob du da wirklich unter medizinischer Aufsicht hast.

1:24:17 Kimberly Breuer: Genau, weil wenn die jetzt einfach große Dosen zu sich nehmen, um sich einmal kurz richtig gut zu fühlen und danach alle Serotoninspeicher und Dopaminspeicher einmal ausgelöst, Dfallen die im Zweifel ein noch tieferes Loch, weil es natürlich maximal kontraintuitiv ist und kontraproduktiv und im Worst Case zu den schlimmsten Sachen führen kann. Also daher ganz wichtig zu sagen. Ja, Microdosing-gestützte Therapien werden in der Zukunft wahrscheinlich funktionieren, aber man sollte die niemals, vor allem wenn man eher emotional habil ist. alleine machen. Und ja, aber gleichzeitig muss ich schon sagen, diese Erfahrungen für mich selber haben mein Bild darauf total verändert und ich glaube, da gibt es Große Chancen, ja.

1:24:53 Feliks Eyser: Ja, total. Und wir promoten das nicht, aber ich glaube, das Wichtige ist also zu wissen, dass es im medizinischen Rahmen gehen kann, dass Länder sich da unterscheiden in ihrer Gesetzgebung. Manche sind da offen, manche sind da weniger offen, aber ich glaube, gerade mit einer Mediziner drüber zu sprechen.

1:25:05 Kimberly Breuer: Und ich würde mal sagen, so im neuenmedizinischen Umfeld kriegt man ja trotzdem in Berlin immer viel in die Richtung mit. Und was ich da schon beobachte, ist, dass ich das Gefühl habe, dass einige Substanzen bei Menschen dazu geführt haben, dass sie sich ihren Emotionen irgendwie besser öffnen konnten. So als hätten sie vorher diese Emotionen gar nicht erst zugelassen in ihrem Leben. Wir haben ja auch alle gelernt, immer kontrolliert zu sein und bloß nicht emotional. Und da habe ich schon interessante Veränderungen bei Menschen, also wirklich zum Positiven gesehen, die danach so richtig aufgebrochen sind und nicht mehr so gefangen in sich selbst waren. Das fand ich schon spannend zu beobachten. Also ja. Abschließend, ich glaube, da liegt viel Potenzial.

1:25:42 Feliks Eyser: Siehst du auch so Performance Enhancement? So, ich meine, das ist in den USA auch ein Thema, da sind die auf irgendein oder Modophinyil oder solchen Sachen, um Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen, länger zu arbeiten. Also Ist ja auch ein Trend, den man sehr kritisch sehen muss. Vor allem ist es auch ein Thema, was bei Jugendlichen teilweise in der Schule schon anfängt, dass die Adderal Name und solche Sachen. Siehst du sowas in der deutschen Startup-Szene?

1:26:03 Kimberly Breuer: Wenig, aber vielleicht kriege ich das auch nicht mit. Ich habe schon das Gefühl, dass wir hier sehr stark verstanden haben, dass so Ritalin und Adderall einfach einen hohen Abhängigkeitsfaktor hat. Das Problem ist ja. Soweit ich informiert bin, wenn du das zu oft nimmst, dann kannst du dich irgendwann von alleine gar nicht mehr gut konzentrieren. Und das haben, glaube ich, hier ist es viel, also wir sind hier viel, sag ich mal, gebildeter über diese Nach- oder Spätfolgen, als das anscheinend in den USA der Fall war.

1:26:29 Feliks Eyser: Wir haben ja auch nicht so eine Kultur, dass es sofort verschrieben wird.

1:26:32 Kimberly Breuer: Nee, nee, genau. Also das ist ja ein riesiges, ist ja auch eine riesige Krise in den USA. Das wird ja gerade versucht zurückzudrehen. Ist halt nur extrem schwierig. Und Performance Enhancement, ich weiß nur, dass ihr immer mehr auch über so Microdosing bei Pilzen sozusagen sprechen, dass das Performance Enhancing sein kann, weil man sich besser fokussiert. Aber da habe ich mich mit selbst mit der Studienlage noch zu wenig beschäftigt. Das Einzige, was man relativ gut sagen kann, ist, dass diese, das ist halt nicht so schädigend. Also, das ist jetzt keine chemische Bombe, die extrem schädigend ist. Aber ich glaube, da muss man auf jeden Fall jetzt noch die Forschungsergebnisse warten, ob diese ganzen Dinge wirklich funktionieren.

1:27:11 Feliks Eyser: Wie geht's bei dir weiter? What's next?

1:27:14 Kimberly Breuer: What's next? Also, ich werde auf jeden Fall wieder gründen, das ist für mich ganz klar. Und ich beschäftige mich gerade mit, ehrlicherweise mit ganz vielen Projekten gleichzeitig. Gerade genieße ich noch sehr diese Phase dazwischen, in dem ich. Genau, ist dein Schreibtisch voll. Einfach mal mit ganz vielen verschiedenen Opportunities auseinanderzusetzen, um zu schauen, was inspiriert mich eigentlich gerade am meisten und was zieht mich am meisten. Das heißt, was mache ich gerade? Ich unterstütze ein paar angehende Gründer dabei, was zu gründen. So sehe mich da eher so in so einer Mentoring, Advisoring, Angel Investoren-Rolle. Die zu unterstützen, loszugehen, die ersten Schritte sozusagen gemeinsam zu machen. Dann schaue ich gerade in das ganze Thema Zahnarztpraxen rein, weil meine Schwester Zahnärztin ist. und wir schon lange darüber gesprochen haben, da einfach nochmal ein richtig, richtig cooles Zahnarztkonzept auf die Beine zu stellen. Das sind so Sachen, das sind aber für mich alles gerade irgendwie Side Hustle. Ich Selbst versuchen wir gerade ganz viele AI-Agents zu bauen, um da einfach auch.

1:28:14 Feliks Eyser: Wie baust du die?

1:28:15 Kimberly Breuer: Ich habe jetzt erstmal mit OpenClaw gestartet.

1:28:18 Feliks Eyser: Okay.

1:28:18 Kimberly Breuer: Und danach steht für mich Claude Code oder auch mit Cursor auf dem Plan, also da wirklich mal rumzuprobieren.

1:28:25 Feliks Eyser: Es ist auch so geil, Zeit zu haben. Aber ich denke mir, jetzt, also junge Leute haben mit so einem Vorteil Wenn du heute 18 bis, 19 bist in der Schule, du hast so viel Zeit, dich mit diesem ganzen Zeug zu beschäftigen und abends sechs Stunden lang in OpenClaw rumzunörden oder in Cursor irgendwas zu bauen oder mit Paperclip einer Agent-Organisation. Zu bauen. Ich bin neidisch. Ich hab die Zeit nicht, mein Kalender ist voll mit Terminen. Und ich denke mir, die jungen Leute haben so einen Vorteil, den ganzen Tag dieses Zeug zu machen. So geil.

1:28:51 Kimberly Breuer: Und ich finde es auch spannend, wie süchtig man davon wird. Also, du hast es vielleicht auch selbst schon erlebt, du hast ja auch, glaube ich, schon ein paar Bots gebaut. Ja, man sitzt dann davor abgestürzt acht Stunden und denkt so, ist noch nicht perfekt und ich will es noch weitermachen. Und ja, ich bin auch gerade sehr dankbar, dass ich die Zeit dafür habe und gleichzeitig glaube ich, dass jeder Gründer sich einmal damit beschäftigen sollte. Weil Dann versteht man auch erstmal, was kann RKI eigentlich schon und was nicht.

1:29:14 Feliks Eyser: Wie gehst du davor? Schaust du YouTube-Videos? Redest du mit Leuten? Wie machst du das?

1:29:18 Kimberly Breuer: Ähm, also tatsächlich, ich schaue YouTube-Videos und lese mir auch viele, sag ich So Newsletter und Podcasts und alles dazu durch und höre ich mir an. Und am meisten mache ich mit Claude selbst. Also dass ich einfach reintippe, okay, ich will eigentlich genau das machen, wie gehe ich vor, was sind die verschiedenen Optionen. Und das ist dann relativ No-Brainer. Also man kommt schon relativ easy voran. Genau, das sind so die Sachen, mit denen ich mir gerade meine Zeit vertreibe. Also es macht schon richtig viel Spaß. Und gleichzeitig die Dinge, mit denen, also meine Fragen, mit denen ich mich viel beschäftige, ist. Wie können wir denn jetzt eigentlich die Mental Health-Krise wirklich lösen?

1:29:53 Feliks Eyser: Du musst schon in dem Bereich drin bleiben.

1:29:56 Kimberly Breuer: Ich will im erweiterten Healthcare wahrscheinlich bleiben, aber auch da, ich bin nicht fest, Also für mich ist es so, wenn sich eine richtig geile Opportunity ergibt, die vielleicht gar nicht mehr so obviously mit Mental Health zu tun hat, ist das auch für mich fein. Aber Dinge, die mich beschäftigen, sind, wie sieht unsere Welt in fünf Jahren aus? Was machen wir dann, wenn KI wirklich so viel übernimmt, wenn sich unsere Welt so wandelt? Was brauchen wir dann auch für Geschäftsmodelle? Was brauchen die Menschen? Und natürlich werde ich immer diesen psychologischen Engel haben: von was brauchen wir Menschen eigentlich, damit es uns gut geht? Und damit wir diesen ganzen Wandel mitgehen können. Und da schaue ich mir, zum einen bin ich sehr kritisch über das Mental Healthcare System, habe ich ja schon gesagt. Ich weiß gar nicht, ob Therapie und Coaching der Holy Grail sind oder ob es nicht noch ganz andere Bereiche. Gibt, ob wir viel mehr darüber verstehen müssen, was tatsächlich wirkt und was nicht. Dass es eher so eine sehr datengetriebene Infrastrubene Aber auf der anderen Seite denke ich auch, dass wir immer mehr offline gehen werden. Also, es ist auch eine Hoffnung, aber ich glaube es auch. Ich glaube, die Zukunft ist offline und Hardware. Software wird irgendwann nichts mehr wert sein. Und sich da auch dann zu fragen, okay, was kann ich vielleicht im Offline-Bereich machen? Was sind eigentlich geile Offline-Approaches, Ansätze, die wirklich funktionieren? Immer mehr Menschen wollen wieder mehr emotionale Beziehungen aufbauen, wollen im Hier und Jetzt sein, wollen weg vom Handy, wollen weg vom Laptop. Ich glaube schon, dass es ein Wandel ist, der auch außerhalb unserer Bubble immer größer wird.

1:31:18 Feliks Eyser: Ich glaube auch, das nächste soziale Netzwerk wird keine App, sondern irgendwas, was in der realen Welt stattfindet. Wer weiß, wie das aussieht, aber man merkt ja heute schon mit Running Clubs und all diesen Sachen. Buchclubs kommen zurück. Also Leute haben das Bedürfnis, sich wieder zu treffen. Es ist müde geworden von dem ganzen Scrollen und Vergleich.

1:31:32 Kimberly Breuer: Echte Communities. Warum ist Hyrox so groß geworden? Leute treffen sich einfach zum Sport zusammen und haben die beste Zeit. Das hat gar nichts mit digital zu tun. Das ist ein Bereich, mit dem ich mich gerade auseinandersetze. Und ich denke mir jedes Mal, what a time to be alive.

1:31:45 Feliks Eyser: What a time to be alive. Hast du so ein Framework, nach dem du Opportunities auch wieder weglegst? Also im Sinne von, naja, du kannst jetzt alles machen, aber das ist ja auch eine Bürde.

1:31:53 Kimberly Breuer: Ja. Tatsächlich, mein Kriterium number one ist, fühlt sich das, zieht mich das, zieht mich das Thema.

1:32:02 Feliks Eyser: Wie fühlst du eine Magnetwirkung?

1:32:03 Kimberly Breuer: Genau, viel mehr als früher, wo ich noch viel mehr so rangegangen bin. Wie groß ist der Markt? Ist das ein Geschäftsmodell? Das sind die Unit Economics, bin ich heute viel mehr, vertraue ich viel mehr auf meine Intuition und sage, nee. Es muss sich richtig gut anfühlen, es muss richtig Spaß machen, da muss ein Sog entstehen. Und das ist das, nach dem ich an allererster Linie tatsächlich heute entscheide. Und aus meiner Erfahrung ist das auch das, wo dann am Ende auch ein Geschäftsmodell entstehen kann, wo auch Geld reinfließt. Weil wenn die Gründer richtig begeistert sind und das um sich herum immer mehr so aufbaut und die dem folgen, was sich ein bisschen mehr nach Flow anfühlt, dann entsteht da auch was.

1:32:42 Feliks Eyser: Das ist vielleicht auch eine bessere Umformulierung als dieses Ruthless Psychopath und Kindheitstraumen. Also du willst ja in Leute investieren, die schon obsessed sind. So, das ist, glaube ich, ein Kriterium, wo man sagen kann, ja, das hat eine gewisse Neutralität. Also ich kann auch positiv obsessed sein. Du bist offensichtlich obsessed mit der Frage, wie entwickelt die Menschheit sich? Und Da weiß ich, du wirst dich auch in fünf Jahren, in zehn Jahren damit noch beschäftigen, egal was da auf dem Weg passiert. Und ich glaube, das ist eine bessere Investmentthese.

1:33:05 Kimberly Breuer: Genau. Und das heißt ja, und ich bin obsessed und ich werde auch durch man geht durch harte Zeiten, ist natürlich nicht immer alles happy und leicht. Aber trotzdem weniger von diesem, ah, ist es jetzt genau das richtige Businessmodell und ist der Markt groß genug, mehr hin zu dem, wo entsteht denn eigentlich Resonanz? Wo zieht sich der Markt? Wo zieht dich der Markt? Wo sagen Leute, wow, das ist interessant? Wo habe ich das Gefühl, ich kann meine Stärken einbringen? Also, wo entsteht dieser Sog? Und das ist ja dann auch diese Welle, die man surfen will.

1:33:34 Feliks Eyser: Naja, und auch dafür muss man sich selber spüren, weil viele sagen ja, keine Ahnung, was mich interessiert. Aber ich glaube, wenn man ein bisschen Ruhe hat und in sich reinhört, man kann das schon spüren.

1:33:42 Kimberly Breuer: Genau dafür ist diese kurze Auszeit, glaube ich, auch Gut gewesen.

1:33:45 Feliks Eyser: Podcast machst du auch? Willst du den noch promoten? Was machst du da?

1:33:48 Kimberly Breuer: Ja, ich bin gerade dabei, einen eigenen Podcast aufzusetzen.

1:33:51 Feliks Eyser: Living the Dream. Firmaverkauf, Bali, eigener Podcast. Du bist ein Founder-Klischee.

1:33:57 Kimberly Breuer: Ja, sag ja der richtige Feliks. Ich weiß. Bald folge ich dir noch nach Mallorca, also dann können wir uns auch zusammensetzen und die ganzen Ideen weiter durchdenken.

1:34:06 Feliks Eyser: Das ist das nächste Level.

1:34:06 Kimberly Breuer: Genau, nee, ich mache einen Podcast mit einer guten Freundin, die auch Psychologin und Gründerin ist. Wir haben schon zusammengearbeitet in der Vergangenheit und wollen quasi. Die Intersection zwischen Psychology und Business besprechen und werden da viele Themen aus der Businesswelt mal von der psychologischen Perspektive auseinandernehmen. Sprich, 996, ja, wie lange kann das eigentlich gut gehen? Oder auch KI, werden wir jetzt alle dümmer oder nicht. Was bedeutet das eigentlich für die Gehirnentwicklung? Also schon wirklich mal so all diese technischen Business-Themen nehmen und die psychologische Seite davon beleuchten. Und das starten wir wahrscheinlich im April offiziell. Und machen den Lounge.

1:34:43 Feliks Eyser: Sehr gut. Können wir promoten. Wir hatten hier bei den Aufnahmen jetzt die letzten Tage so eine Art Kettenbrief angefangen, wie bei Diary of a CEO, dass quasi der eine Gast eine Frage stellt, den nächsten, ohne zu wissen, wer das ist. Eine Frage an dich kam vom letzten Jahr. Und er hat aus einer Meme-Seite ein Business gemacht. Dann hat es die ersten Mitarbeiter, so eine Handvoll. frag dich so, was ist für dich das wichtigste konkrete Learning, was du über Mitarbeiterführung, vor allem beim ersten kleinen Team, gelernt hast?

1:35:15 Kimberly Breuer: Ich würde sagen. Also das, was mir gerade als ich hatte, ich hatte viele Landings, aber das, was mir als erstes gerade hochkam, man kann seinen Mitarbeitern mehr Wahrheit zutrauen. Als man glaubt als Gründer. Und was ich damit meine ist, am Anfang in meiner Gründerzeit habe ich immer gedacht, das kann ich jetzt nicht mit den Teilen. Wenn die wissen, wie es gerade um unser Geld aussieht oder wenn die wissen, wie schwierig es gerade ist, dann kriegen die ja alle Panik. Und in dem Moment, als ich angefangen habe, diese Dinge einfach transparent zu teilen, sind die so gewachsen und so Verantwortung mit übernommen Also für mich ist, man kann Menschen mehr Wahrheit zutrauen, als man glaubt.

1:35:55 Feliks Eyser: Super. Hast du eine Frage für den nächsten Gast, ohne zu wissen, wer das ist?

1:35:58 Kimberly Breuer: Mhm. Wenn du wüsstest, dass Finanzielles nicht mehr relevant ist für dich, ja, weil du hast alles, was du brauchst finanziell, was würdest du ab heute anders machen?

1:36:13 Feliks Eyser: Das ist eine exzellente Frage. Weil der Typ seinen letzten Euro auch schon verdient hat.

1:36:19 Kimberly Breuer: Na dann. Ich bin gespannt, ich werde einschalten.

1:36:23 Feliks Eyser: Muss aber ein kleiner Cliffhanger sein. Und um den Bogen von ganz am Anfang zu schließen, sehr weit gespannt. Aber was waren deine Netflix-Entdeckungen?

1:36:31 Kimberly Breuer: Meine Netflix-Entdeckungen Also es ist jetzt auch schon wieder fast ein bisschen her, aber ähm, tatsächlich habe ich ähm sehr viel so Ein bisschen Science Fiction-mäßig oder auch irgendwie action-mäßig vieles geschaut von Night Agent über The Recruit fand ich mega cool. Bis hin zu Game of Thrones.

1:36:53 Feliks Eyser: Ah. Du bist in die Klassiker zurückgegangen.

1:36:55 Kimberly Breuer: Ich habe es noch nie geschaut gehabt und ich fand es richtig gut.

1:36:58 Feliks Eyser: Okay, okay. Ich habe Pluribus, das gibt es nicht auf Netflix, sondern auf Apple entdeckt. Kennst du das?

1:37:03 Kimberly Breuer: Habe ich schon gehört, aber noch nicht geschaut. Vielleicht sollte ich das noch auf meine Liste en Gott.

1:37:06 Feliks Eyser: Ich glaube, es ist Apple. Ist auch so ein bisschen Sci-Fi. Zombie-Ap-

1:37:10 Kimberly Breuer: Apokalypse, aber komplett anders als du denkst. Ah, okay, spannend. Ich liebe es Science Fiction.

1:37:15 Feliks Eyser: Von dem Typen, der Breaking Bad gemacht hat. Der hatte damals schon highest-rated Series und jetzt bricht das Ding auch alle Rekorde. Ja, dann kommt auf meine Liste. Sehr gut. Wo finden Leute dich, wenn sie entweder da einen Podcast hören wollen oder mit dir in Kontakt kommen wollen und wer sollte sich melden?

1:37:30 Kimberly Breuer: Definitiv auf LinkedIn. Ich bin ja sehr aktiv auf LinkedIn, also gerne mir auf LinkedIn folgen, einfach unter KimberlieBreuer und da mit mir in Kontakt treten.

1:37:38 Feliks Eyser: Let's do it. Schön, dass du da warst. Danke für deine Zeit und die spannenden Einsichten und Erfahrungen.

1:37:43 Kimberly Breuer: Vielen Dank. Danke dir, Feliks, für die spannenden Fragen.

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