
Das ist der Founder Mode Friday, dein fractional Chief Strategy Officer.
Welches der 3 Learnings heute bringt dir am meisten? Antworte einfach auf diese E-Mail, eine Zahl reicht. So weiß ich, wovon du nächste Woche mehr willst.
LG, Feliks
Alexander Müller hat mit Greator eine Plattform für Coaching und Persönlichkeitsentwicklung der Premiumklasse aufgebaut. Ein eigenes Festival mit 16.000 Besuchern pro Tag, dazu exklusiver Veranstalter von Tony Robbins’ Europa-Event mit rund 13.000 Besuchern.
Ein klassischer Overnight Success, nur dass die Nacht 13 Jahre gedauert hat: als deutsches TED gestartet, 2019 zum VC-Case umgebaut, Mios geraised und wieder verbrannt, den Insolvenzanwalt schon am Telefon gehabt und wieder aufgestanden.
Diese Achterbahn haben wir in 2,5 h Podcast unter die Lupe genommen. Für die Ungeduldigen unter euch hier die 5-Minuten-Version:
When in doubt, zoom out. 🔭
Coaching ist keine Goldgrube! ⛏️
Das perfekte Starter-Business? 🥪

Das ergibt später mehr Sinn…
Anschnallen, es wird rasant! 🏎️
1. When in doubt, zoom out. 🔭
Die Grundidee hinter Coaching ist bessere Selbstwahrnehmung. Alex beschreibt das im Podcast mehrfach: sich selbst von außen beobachten, darüber ein Gefühl fürs eigene Innenleben bekommen und sich wieder einnorden.
Sein erstes Seminar hat er mit 15 (!) besucht. Da ging es nicht um die Französischvokabeln, sondern um seine Einstellung zum Unterricht und den Konflikt mit der Lehrerin. Seine innere Haltung stand im Fokus. Bis heute zieht sich Alex mindestens einmal im Jahr eine Woche raus, Handy aus, und nordet sich neu ein.
Mein Coaching sind die EO-Meetings. Die sind mir bis heute heilig. Dort bringe ich meine Probleme hin, bekomme 8 Perspektiven darauf und stelle meistens fest: Mein Weltuntergang ist für die anderen ein ganz normaler Dienstag. Und ich kann ganz offen mit den Gefühlen dahinter umgehen.
2. Coaching ist keine Goldgrube! ⛏️
Der Coachingbranche wird gern Geldmacherei nachgesagt. Alex wünscht sich manchmal, da wäre mehr dran. Nur wer was bietet, kann langfristig überleben. Und wer was bieten (und am Markt bleiben) will, muss investieren, findet er: in Experten, Team, Event- und Videoproduktion. Daher ist Greator bei 35 Mio. € Umsatz auch froh über 10 % Rendite, wenns gut läuft.
Deswegen war das VC-Geld so interessant. 2019 hat Greator 8 Mio. € eingesammelt, um wie kein anderer zu skalieren und die Firma mit digitalem Angebot international aufzustellen. Die Idee: eine App, die Calm, Headspace, masterclass.com und Co. in einem Abo vereint. So weit sind sie nie gekommen. Dann kam Corona, die Events waren komplett tot, und zeitweise ging 1 Mio. € pro Monat drauf. In Summe hat Greator laut Alex rund 15 Mio. € verbrannt. Die digitalen Coaching-Ausbildungen haben die Firma über Wasser gehalten.
Und was ist mit AI? Alex, Chef einer Coaching-Plattform, lässt sich selbst von Claude coachen. Das ist, als würde der Bäcker morgens Toast vom Discounter frühstücken. Und er findets super. Konkurrenz für sein Modell sieht er darin nicht. Für ihn bahnt sich eher ein goldenes Zeitalter des Coachings an:
KI wird die Technologie sein, die Coaching demokratisieren wird.
Wie geht das auf? Aus Alex’ Sicht wird menschlicher Kontakt dadurch nur noch beliebter, weil es einfach eine andere Erfahrung ist. Mittelmäßige Coaches sind halt zuerst raus. Die Kunden kaufen eine Transformation, und die hat eine persönliche, emotionale Komponente, die ohne menschliche Verbindung und Vertrauen einfach fehlt.
3. Das perfekte Starter-Business? 🥪
Nach der Ausbildung hat Alex einen Subway aufgemacht. Mit 19, zusammen mit einem Freund. Subway war damals der heiße Scheiß, und den wollte er in die Weltstadt Bocholt bringen. Er hält es bis heute für ein miserables Franchise-System, bei dem man sich eher den eigenen Arbeitsplatz kauft. Wertvoll waren die Jahre als Franchisee trotzdem. Ihm war klar, dass er selbstständig sein wollte, für die eigene Idee hat ihm aber noch der Mut gefehlt. Beim Franchise war das anders:
30.000 Menschen haben das vor mir geschafft.
2.000 € im Dispo, 12.500 € vom Vater geliehen, dazu 100.000 € von der Sparkasse. Für Sandwiches. In Bocholt. Mit 19. Ich hatte in dem Alter Respekt vor meinem Handyvertrag. Für Alex war das nebensächlich. Entscheidend war zu lernen, dass am Ende des Tages alles möglich ist. Vermieter, Bank und Franchisegeber musste er erstmal überzeugen, und jedes Hindernis fühlte sich für ihn nur wie eine Hürde an. Davon gabs genug: Subway wuchs damals so aggressiv, dass Support und Strukturen vor Ort laut Alex katastrophal liefen. Nach 2 Jahren hat er den Laden verkauft. Den gibts bis heute.
Verkauf den Leuten mehr Euros 🪙
Diese Woche war auch Leon Szeli im Podcast, Gründer von Presize. Presize sagt dir per KI, welche Kleidergröße du im Onlineshop brauchst. Verkaufen wollten sie das erst als Kosteneinsparung: weniger Retouren. Gekauft haben die Kunden aber lieber Umsatz. Wer sicher ist, dass M passt, bestellt nämlich überhaupt erst. Ich hätte damals investieren können…

Also haben sie das Pricing umgebaut. Kein Abo pro Monat mehr, sondern ein permanenter A/B-Test: Eine Nutzergruppe sieht Presize, die andere nicht. Vom nachweislichen Mehrumsatz gingen 10 % an Presize. Der Pitch: garantiert 10x Return on Investment, und wenns nicht funktioniert, kostets nichts. Beim Exit lagen sie damit bei rund 1,5 Mio. € ARR.
Leon war schon als Kind sehr aktiv. Mit 14 fand er eine Open-Source-Software, die auf eBay Auktionen mit Tippfehlern im Markennamen aufspürt und in der letzten halben Sekunde bietet. Typo-Arbitrage also. Ein Jahr später kamen Bierpong-Trickshot-Videos, inklusive Sponsoring vom größten Tischtennisballhersteller. 1.000 Versuche pro Trickshot, ins Video kam nur der eine Treffer. Im Grunde LinkedIn. Mit 17 erstellte er ein Facebook-Event namens Oktoberfest, sammelte 3 Mio. Zusagen und bot den Biermarken an, allen mitzuteilen, wessen Bier am besten schmeckt. Seine Wunschwährung: freier Eintritt ins Zelt und Bier.
Bei Meta ist er nicht per Bewerbung gelandet. Presize.ai entstand aus einem Projekt am CDTM. Meta meldete sich per Cold-E-Mail, die erstmal im Spam-Ordner landete, und kaufte die Firma. Heute steckt die Größenberatung in Facebook Shops und Instagram Shopping.
Auf allen Stationen hat ihm Interesse die Türen geöffnet. Seinen Forschungsaufenthalt in Cambridge hat sich Leon mit einer einzigen E-Mail gesichert. Er hatte alles gelesen, was die Professorin veröffentlicht hat, brachte ein Stipendium mit und lieferte ihr das Thema fürs nächste Paper gleich dazu. Ein klares Angebot statt einer Bitte. Masse bringts nicht.
Fazit der Woche: Wenn du 3 Mio. Leute aufs Oktoberfest einlädst, lass dich nicht (nur) in Freibier bezahlen. 🍻
⌚ Preview: 200 Mio. € geraised, kaum was gebraucht
Heute ist Tim Stracke da, Gründer von Chrono24. 2016 standen wir zusammen auf dem Kilimandscharo, seitdem hat er aus einem Marktplatz für Luxusuhren ein Unicorn gebaut: 9 bis 10 Mio. Nutzer im Monat, über 1 Mrd. € Transaktionsvolumen. Dabei fand er den Namen Chrono24 anfangs überhaupt nicht gut und wollte lieber gegen das Original antreten, statt es zu kaufen.
Über 200 Mio. € hat er eingesammelt, obwohl die Firma in Summe keine 10 Mio. € verbrannt hat. Das ist, als würdest du für ein Wochenende in Bocholt 20 Koffer packen. Wir reden darüber, wohin mehr als die Hälfte davon geflossen ist und warum aus einem 300-Mio.-$-Zukauf, den sein größter Investor unbedingt wollte, nichts wurde.

Hier gehts zu der Folge auf YouTube 📹
Und hier findet ihr die Folge auf Spotify 🎧
Übrigens 🥨: Auf YouTube findest du auch alle Highlights von der Bits & Pretzels 2026, also die besten Momente aus meinen Gesprächen mit Top-CEOs und Gründern.
Das war’s für heute!
Nächsten Freitag gibts die nächste Dosis. Bis dahin: When in doubt, zoom out. 🔭

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