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Das ist der Founder Mode Friday, dein wöchentlicher Nachhilfeunterricht in Street Smartness.

Ich will wissen, welcher Gedanke aus dieser Ausgabe dich in deinen Träumen verfolgen wird. Wenn dir keiner einfällt, war sie nicht gut genug.

Antworte einfach auf diese E-Mail und erzähl mir davon!

LG, Feliks

Yilmaz Köknar hat die erste Million Umsatz mit einem Wischmopp reingeholt. 2020 habe ich als einer der Ersten in Superchat investiert, da gab es ein paar LOIs von Elektrikern und Autohäusern und sonst nicht viel. Heute laufen laut Yilmaz gut 1 Mio. Nachrichten am Tag über die Plattform für 10.000 Kunden, vom Apotheker bis zu Auto1.

Das Content-Marketing-Setup, das die erste Mio. Umsatz reingebracht hat.

Diese Street Smartness hat einen Ursprungsort: der allererste Jahrgang der Code University. 88 Studenten, ein nicht beheizter Space in der Factory. In einer Marketingvorlesung mit zehn Leuten kommt Roland Fassauer rein (Intershop-Mitgründer, Business Angel, Professor) und lässt seine Kreditkarte durch den Raum wandern. Jeder legt sich einen Google- und einen Facebook-Ads-Account an und schaltet Ads. Vorher war Yilmaz an der TUM und hat gelernt, dass Vorlesungen einem wenig fürs echte Leben beibringen.

Ich bin so 90% Street Smart und 10% Book Smart.

Yilmaz Köknar

Diese Street Smartness hat mir einiges zu denken gegeben:

1. Wer Sales kann, löst Begeisterung aus. 🕺

2. Erzähl von Frank, nicht vom Umsatzziel. 🎪

3. Der Sonntagsspaziergang. 🚶

4. Zwei Chefs, je ein Kaffee. ☕

Hörer in die Hand, rein ins kalte Sales-Wasser! 📞

1. Wer Sales kann, löst Begeisterung aus. 🕺

Yilmaz kommt vom Produkt und ist trotzdem im Vertrieb gelandet. Nicht, weil man Leuten etwas aufschwatzt, sondern weil man Begeisterung auslösen können muss.

Trainiert haben wir das an seiner eigenen Fundraising-Story. Wir saßen zusammen im ersten Office und haben für die Seed-Runde eine Storyline entwickelt: wie Yilmaz sich vorstellt, wie er Superchat pitcht. Geraised wurde nicht mit Lebenslauf, sondern mit Traction.

Die Angel-Runde wurde noch auf Charisma geraised. In 8 Mile haut Eminem im Rap-Battle seine Schwächen selbst zuerst raus, damit der Gegner nichts mehr in der Hand hat. Genau so ist Yilmaz in die Meetings rein: ja, Studenten, kein Bachelor, noch nie gegründet, und trotzdem 10 LOIs in kürzester Zeit.

Die Series A ging dann ohne Deck-Marathon. Alex, damals bei Blossom Capital, hatte in den USA schon zwei Firmen in diesem Markt gesehen. Zwei Kaffees, fertig. „Die Series A haben wir dann nur mit einer Story geraised."

2. Erzähl von Frank, nicht vom Umsatzziel. 🎪

Superchat macht einmal im Monat einen Demo Day. Vor großen Runden zu sprechen war Yilmaz am Anfang unangenehm, und er sagt selbst, er hat viel zu spät verstanden, was das eigentlich ist: eine halbe Stunde, in der er im ganzen Unternehmen etwas auslösen kann.

Ich habe bei RegioHelden erst das Gegenteil gemacht. Im All-Hands habe ich über Umsatzziele geredet, 10 Mio., 20 Mio. Irgendwann kam die Rückmeldung, dass das niemanden interessiert. Für Vertrieb und Customer Success bedeutet eine größere Zahl erstmal mehr Arbeit. Die Zahl hat mich begeistert, nicht das Team.

Also habe ich es umgedreht und über Frank geredet. Frank war unser allererster Kunde: Event-Technik, Schule abgebrochen, um die Firma zu bauen, eigener Name auf dem Schild, angefangen in der Garage seiner Eltern mit einem Privatkredit. Wir haben ihn ins Büro eingeladen, damit er nicht nur eine Folie war. „Für den stehen wir morgens auf" (und sorgen dafür, dass er Kunden kriegt).

Das hat über Jahre gezogen. Diese Geschichte hat viel mehr gebracht als jede OKR-Session und jedes Umsatzziel.

3. Der Sonntagsspaziergang. 🚶

Seit Yilmaz in Berlin wohnt, läuft er jeden Sonntag dieselbe Strecke. Vom Prenzlauer Berg an der Spree entlang bis zum Schloss Bellevue und wieder zurück. Hinweg Podcast, Rückweg nur Musik. Immer dieselbe Bank, immer derselbe Kaffee, vier bis fünf Stunden, Apple Notes offen.

Yilmaz denkt in Bildern und geht Situationen durch, bevor sie eintreten: Meetings, Verhandlungen, Gespräche. Inklusive der Gefühle, die er dabei haben würde.

Für mich lebt die Angst im Vagen. “Meine Firma könnte scheitern” ist ein unlösbares Problem. “Diese eine Person kündigt morgen” kann man mit einem Playbook vorbereiten. Sobald du die Frage nach dem konkreten Worst Case zumindest vorgedacht hast, ist ziemlich viel Druck raus.

Wie gut das trägt, hat ein Freitagabend gezeigt. Ein wichtiger Infrastruktur-Partner kündigte nach Feierabend an, die Preise zu verzehnfachen, von rund 20k auf 200k im Monat. Im Büro liefen gerade Pizza und Wochenrückblick. Die Lösung: wochenlang nicht antworten und die andere Seite im Ungewissen zu lassen. Im Hintergrund ein spezielles Team mit nur einem Ziel: 6.000 Unternehmen weg von diesem Partner migrieren. Viel Arbeit, saubere Execution.

„Ruhe hat die andere Seite sehr krass verunsichert und uns halt einfach Zeit erkauft."

Yilmaz Köknar

Abends saß er trotzdem im Panikmodus da. Und ging sonntags wieder spazieren. In Minute 51 beschreibt er die Route und was er dabei im Kopf durchgeht. 🚶

4. Zwei Chefs, je ein Kaffee. ☕

In der Firma davor wollten Yilmaz und sein Co-Founder Mika beide dasselbe machen. Beide kamen vom Produkt, beide wollten Produkt bauen. Genau daran gab es Konflikte, weil ständig unklar war, wer was entscheidet.

Bei Superchat haben sie hart getrennt. Go-to-Market, Sales, Marketing und Fundraising liegen bei Yilmaz. Produkt, Design und Engineering bei Mika. Jeder führt seine eigene Reporting-Line, und laut Yilmaz gibt es seitdem keine Co-Founder-Konflikte mehr.

Dazu ein Ritual, das seit Firmengründung steht. Freitags 16 Uhr verlassen die beiden gemeinsam das Office, holen Kaffee bei Five Elephants in der Kollwitzstraße, laufen die Straße einmal durch und zurück. Was lief gut, was lief schlecht, wo sind gerade Sorgen.

Weil wir halt einfach jeden Freitag 16 Uhr versuchen, unser komplettes Herz einmal auszuschütten.

Yilmaz Köknar

Damit sich nichts ansammelt. Ohne das Ritual, sagt Yilmaz, gehst du mit Problemen in dein eigenes Department und redest dort darüber statt miteinander.

Nach außen ist die Truppe eng, aber es ist keine Familie. Yilmaz beschreibt sie als Sportmannschaft: flache Hierarchien, alle miteinander befreundet. Aber gleichzeitig klare Quotas, Konsequenzen und Performance-Gespräche. Sein Framing gegenüber dem Sales-Team: mein Ziel ist, dass du möglichst viel Geld verdienst, deshalb gibt es Regeln und Struktur.

Fazit der Woche: Der wichtigste Teil deines Go-to-Market-Stacks kostet vielleicht nur 4,99 € im Baumarkt. 🧹

„Das wäre natürlich absolut unrocket." 🚀

In der Folge erzähle ich Yilmaz von einem Buddy, der ein Resort in Indonesien betreibt und dessen komplettes Betriebssystem WhatsApp ist. Der Buddy heißt Florian Holm, und ich habe diese Woche auch mit ihm gesprochen. Er kam über Rocket Internet und Lazada nach Südostasien, Exit an Alibaba, ist geblieben und baut heute modulare Tiny Houses und Resorts auf Bali.

Ab ins Grüne!

Ich habe ihn gefragt, welche Rocket-OS-Apps er aus seinem Hirn löschen musste. Daten und Tracking sind geblieben. Raus musste „KPI hier, KPI da, drück, drück, drück". Das trägt kurzfristig, und für Lazada hat es gereicht. Aber für ein Produkt, das über Jahrzehnte laufen soll, ist das nicht haltbar.

Trotzdem haben wir in der Folge extrem viel über Zahlen und Ops-Details geredet. Reinhören lohnt sich!

Community Event

Am Dienstag, den 15. September, macht SUPERPUBLIC seinen ersten Live Pitch Day in Berlin. Aus über 100 Bewerbungen sind acht Startups übrig: lyfeads, Lucid, Meisterpfad, Gasolina, Sauccy, Sun Matters, nouxx und Snackl. Drei Minuten pro Pitch, vier Plätze im ersten Batch, und eine Jury aus Christian Miele, Diana zur Löwen, Carsten Puschmann und Lilly Vogelsang. Das Ganze wird live gestreamt. 👀

Ihr entscheidet mit. Seit dieser Woche stellt SUPERPUBLIC alle acht auf Instagram vor. Die vier Startups, deren Videos bis zum Pitch Day die meisten Views gesammelt haben, bekommen jeweils eine zusätzliche Stimme in der finalen Auswahl. Wer einen Favoriten hat, kann also tatsächlich mitentscheiden: anschauen, teilen, weiterschicken.

🦁 Dreimal abgelehnt, heute selbst auf dem Stuhl

Heute ist Johannes Kliesch da, der neue Löwe in der Höhle der Löwen. Die Show hat ihn mit SNOCKS dreimal abgelehnt. Die Begründung: Socken sind zu langweilig. SNOCKS macht laut Johannes dieses Jahr zwischen 130 und 140 Mio. € Umsatz und wächst dabei um rund 20 %. Seine Gage für die Show hat er komplett gespendet, mit der Produktionsfirma verhandelt hat er trotzdem drei bis vier Monate. Über etwas ganz anderes.

Wir reden darüber, warum er genau das nicht will, was die Show garantiert liefert („Ich möchte nicht bekannt werden."), wie er insolvente E-Commerce-Marken einsammelt und wieder profitabel bekommt, und warum SNOCKS an jedem Neukunden erstmal 20 € verliert.

Hier gehts zur Folge in Bewegtbild. 🎭️

… und hier gibts sie in Old-School Audio-Format. 🎧️

GaLiGrü

Feliks

Das war's für heute!

P.S.: Superchat hat btw auch einen neuen Super Fan nach der Folge gewonnen:

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