Das ist der Founder Mode Friday, dein Übersetzer für Startupanglizismen.

Ich will wissen, welches der Learnings unten es bei dir bis Montag in die Praxis schafft. Das ist die einzige Zahl, die mir bei diesem Newsletter wirklich etwas sagt. Von Öffnungsraten kann ich mir auch nichts kaufen.

Antworte einfach auf diese E-Mail mit deinem wichtigsten Founder Mode Learning. (Ja, das landet direkt in meinem persönlichen Postfach.)

LG, Feliks

Moritz Holländer hat sich mit 12 vorgenommen, mal was Eigenes zu machen, mit 18 dann direkt nach dem Abi gegründet. Ihm gehören heute 90 % von Almedia. 24 Jahre alt, rund 150 Leute in Berlin, nie eine Runde geraist. Letztes Jahr 320 Mio. $ Umsatz, seit ein paar Wochen liegt die Runrate laut Moritz über 1 Mrd. $. Die anderen 10 % der Firma gehören seinem CTO. Ein Höhrer hats so zusammengefasst:

Meine wichtigsten Learnings aus dem Gespräch mit Moritz über Almedia:

  1. Im Krisenmodus arbeitet der Rest der Firma ganz normal weiter. 🍎

  2. Limiting Factor Prinzip. 🧱

  3. Krasse Company = krasse Leute. 🧲

  4. Reference Calls sind nur so viel wert wie deine Beziehung zum Anrufpartner. 📞

  5. Ein Angelschein fängt keinen Fisch. 🎣

Ab in Die Learnings hinter den Anglizismen! 🧮

1. Im Krisenmodus arbeitet der Rest der Firma ganz normal weiter. 🍎

Am 13. April 2026 lag Moritz mit Fieber im Bett. Er war zwei Jahre nicht krank gewesen, hatte sich fürs Büro fertig gemacht und sich dann doch wieder hingelegt. Gegen 15 Uhr rief sein CTO an: Apple hat die App gelöscht.

Freecash war danach 63 Tage aus dem App Store raus. Bei Apple, sagt Moritz, kommt 1 % oder weniger der gelöschten Accounts überhaupt wieder rein. Gerettet hat sie die Web-Plattform: Wer die App nicht mehr laden konnte, ging auf freecash.com. Parallel lief die Eröffnungsfeier fürs neue Berliner Büro, mit Staatssekretär.

Moritz Herangehensweise: fünf Leute machen das Apple-Problem, der Rest macht weiter wie vorher. Nicht die halbe Firma auf das eine Problem, sondern die wichtigsten Leute, und für alle anderen ändert sich nichts. Kein Stress im Team, kein Krisenmodus als Dauerzustand. Für Moritz selbst war genau das der harte Teil:

[…] jeden Tag ins Büro zu kommen und an unnötigen Sachen zu arbeiten, weil man weiß, das Wichtigste vom Business ist gerade not intact.

Moritz Holländer

Dazu 14-Stunden-Tage, die sich nicht wie eine Entscheidung anfühlten, sondern wie Pflicht,während rund 150 Advertiser eingeordnet werden wollten und Wettbewerber seine Kunden anschrieben.

2. Limiting Factor Prinzip. 🧱

Was ist das eine High-Level-Thema, das gerade bremst? Nicht ausreichend effiziente User Acquisition, der nicht genug Budgets von Partnern, unbesetzte Schlüsselrollen,…

Deshalb gibt es kein UA-Data-Team und kein Ads-Data-Team. Es gibt ein Team mit den stärksten Leuten, und das wird umgewürfelt, wenn sich der Engpass verschiebt. Alle paar Wochen werden die Opportunities neu bewertet: Welche Projekte liegen an, was bringt jedes, wer müsste dran arbeiten, wie lange dauert es.

In der Strategy Session sitzt nicht das Senior Leadership Team. Moritz sagt explizit, dass sie das nicht mehr wollen. Er, sein CTO und je nach Thema drei, vier Leute aus dem Bereich, um den es geht. Bei einem Produktthema also die Produktleute, nicht die C-Suite.

Danach tägliche Checkins. Für die wichtigsten Projekte gehen fünf Leute jeden Tag in einen Call und schreiben Action Items für den Tag auf. Früher: Frontend-Projekt, zwei Wochen geplant, drei geworden. Heute, so Moritz: „Und am Ende des Tages ist alles dreimal schneller."

Den teuersten Beleg dafür hat er selbst bezahlt. Vor rund vier Jahren machte Almedia 25 Mio. Umsatz mit Umfragen und Offerwall-Geschäft und stagnierte ein Jahr lang, weil sie sechs Dinge parallel machten. Der Ausweg war, All-in auf Gaming zu gehen und zu akzeptieren, im Allrounder-Geschäft nicht mehr die Besten zu sein. Aus demselben Grund bleibt Non-Gaming bis heute bewusst ein Side-Project.

Für sich selbst führt er eine Liste. Eine Notion-Textdatei mit ungefähr sieben Punkten, in die er täglich schaut, plus drei Top-Projekte pro Woche: „Wenn ich das nicht schaffe, war die Woche ein Fail." Er sagt selbst, er könnte den ganzen Tag in Slack hängen und sich dabei produktiv fühlen.

In Minute 46 erklärt Moritz, wie er den Limiting Factor überhaupt erkennt. 🧱

3. Krasse Company = krasse Leute. 🧲

Als Gründer musst du 80 % deiner Zeit ins Hiring stecken. Moritz hat diesen Rat jahrelang belächelt. Heute ist ihm klar, dass an einzigen offenen Rollen der nächste Wachstumshebel hängt.

Ihre Zielgruppe sind Founder von morgen. Wenn Almedia auf 2, 3, 4 Mrd. will, braucht es laut Moritz Leute, die auf dieser Größe selbst eine Firma führen könnten. Extrem selbstständig, mit Bock auf Ownership, Generalisten, die von Projekt zu Projekt springen. Teilweise wurde neuen Hires auch ein Angel-Ticket für das spätere eigene Start-up zugesagt. Dutzende Leute sind über Founder’s Associate Stellen bei Almedia eingestiegen.

Und Almedia ist auch aktuell auf der Suche…

Das Kriterium: High Agency. Leute, die Sachen einfach angehen, statt zu planen und rumzueiern. Erkennen tut er das, indem er zwei-, dreimal nachbohrt: Was genau war dein Beitrag? Wer hat entschieden? Hast du das gechallenged, oder hat dir jemand gesagt, was zu tun ist? Da merkst du ziemlich schnell, wer nur Beifahrer war.

4. Reference Calls sind nur so viel wert wie deine Beziehung zum Anrufpartner. 📞

Ich bin mit der Lehrmeinung ins Gespräch gegangen. Der beste Interviewer der Welt sagt vielleicht 20 bis 30 % der späteren Job-Performance vorher. Case Studies und Reference Calls korrelieren deutlich besser. Wenn du also nur eine Sache machen kannst, mach die Reference Calls, dann die Case Study, dann das Interview. Die meisten machen es genau andersrum.

Moritz sieht das kritisch. Erstens: Würde ich die Person, die ich da anrufe, selbst einstellen? Wenn nein, warum sollte mich ihr Urteil interessieren? Zweitens: Am Telefon sagt praktisch jeder etwas Positives. Du musst also genau die Fragen stellen, die diese Höflichkeit aushebeln, und das ist alles andere als trivial.

Wir haben uns in der Mitte getroffen: Der Reference Call ist ein Beziehungsspiel. Nur wer dir wirklich vertraut, erzählt dir auch die unangenehme Hälfte. In den USA kommt dazu, dass jeder Angst hat, für ein falsches Wort verklagt zu werden.

Was bei Moritz zuverlässiger funktioniert: schon mal zusammengearbeitet haben. Aus der Uni, aus einem gemeinsamen Projekt, oder von der anderen Seite des Tisches, als User-Acquisition- oder Advertising-Partner. Da weißt du nach kurzer Zeit, ob jemand hinterher ist und checkt, was er tut.

5. Ein Angelschein fängt keinen Fisch. 🎣

Almedia gehört zu 90 % Moritz, und trotzdem gibt es ein Beteiligungsprogramm. Vor zwei Jahren haben sie VSOPs mit der Gießkanne verteilt. Jeder bekam Anteile, alle fanden das erstmal geil.

Aber nicht jeder bewertet Anteile gleich. In Deutschland fehlen die Erfolgsgeschichten, also haben viele die Sache innerlich abgehakt, obwohl die Anteile heute viel wert sind. Inzwischen gehen VSOPs vor allem an Senior-Leute, und beim Hiring darf man oft selbst wählen zwischen Cash oder Stock.

Ich musste dabei an einen Vertriebler von mir denken. Ich habe ihm 0,1 % der Firma angeboten und fand mich großzügig. Er sagte mir: Das ist für mich wie ein Angelschein, damit fange ich noch keinen Fisch. Mit 10k mehr Gehalt im Jahr wäre er deutlich glücklicher gewesen. Wenn jemand lieber Cash nimmt und dich das am Ende weniger kostet als Anteile, ist das für beide der bessere Deal.

Wer sollte sich bei Moritz melden? Leute mit Bock auf Ownership, die nicht in einem Thema kleben wollen: drei Monate Support auseinandernehmen, dann User Acquisition, dann Creatives. Alter egal, Hauptsache motiviert und mit Drang nach vorne. Auf der Engineering-Seite braucht es zusätzlich technische Erfahrung. Am besten über die Website, sonst direkt per LinkedIn bei ihm.

Fazit der Woche: Geld verdienen geht immer! Wenn du heute Abend Monopoly Go spielst, wirst du dafür vielleicht von einem 24-Jährigen aus Berlin bezahlt. 🎲

🤝 Der Gründer, in den ich vor 6 Jahren investiert habe

Heute sitzt mir Yilmaz Köknar gegenüber, und diese Folge ist für mich eine besondere: 2020 gehörte ich zu den ersten Investoren von Superchat. Damals gab es kein Produkt, nur einen Figma-Prototypen, mitten in Corona. Yilmaz hatte schon 2 Startups mit demselben Team an die Wand gefahren. Heute laufen über 8.000 Unternehmen in 64 Ländern über die Plattform, von der Zahnarztpraxis bis McDonald's.

Wir reden darüber, warum seit der Series A im Januar 2022 keine Runde mehr dazugekommen ist, über den Umbau vom Messaging-Tool zur KI-Workforce und ob Superchat die Jobs seiner eigenen Kunden ersetzt.

Hier gehts zur Folge in Bewegtbild. 🎭️

… und hier gibts sie in Old-School Audio-Format. 🎧️

GaLiGrü

Feliks

Das war's für heute!

Manchmal ist weniger einfach mehr…

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