Das ist der Founder Mode Friday, dein Höhentraining für den Mount Cap Table.

Zu lang, zu kurz, genau richtig? Tim hat mir 110 Minuten geliefert, du kriegst die Espresso-Version. Wie gut ist die Röstung? Ich lese alle Antworten auf diesen Newsletter!

LG, Feliks

2016, Kilimandscharo, Gipfeletappe. 6 Jungs, rund 20 Helfer, 2 davon tragen nur die Küche. Abmarsch um 1 Uhr nachts, 4 bis 5 Stunden bergauf, stockdunkel, keine Pausen.

Jeder hatte seinen eigenen Boss Fight. Bei Tim Stracke war die Trinkwasserzufuhr eingefroren, sein Magen lag im Clinch mit geliehenen Koffein-Snacks. Ich: Handschuhe zu eng, Kopfschmerzen, Blutzucker im Keller, null Höhentraining.

Meine Strategie: bis 10 zählen. 10 Schritte. Nochmal 10. Nochmal 10. Irgendwann ist man oben, war auf jeden Fall ein Ritt.

Tims Version davon: „noch mindestens 3 Jahre“. Hat er sich bei Chrono24 jedes Jahr gesagt. 15 Jahre lang. Ergebnis: ein Uhren-Unicorn, über 200 Mio. € eingesammelt, kumuliert unter 10 Mio. € verbrannt. Company Building im Bergsteiger-Tempo: Schritt für Schritt, stetig vorwärts.

Die 15 Jahre Chrono24 haben sich für mich besonders in einigen Leadership-Lektionen kristallisiert:

  1. Greif dich selbst an, mit 100 Mio. €. 💣

  2. Raus zu den Kunden, auch das Middle Management. 🚪

  3. Wer oben gleich tickt, übersieht TikTok. 🕺

  4. Hol Geld, wenn du es nicht brauchst. 💰

  5. Cofounder müssen sich blind vertrauen. 🤝

Stirnlampe an, wir gehen auf Business-Entdeckungsreise! 🔦

Basislager: Wie Tim an Chrono24 kam ⛺

Plan A war, eBay anzugreifen. Bei der Recherche stieß Tim auf Chrono24. Name schrecklich, Business lief aber, Firmensitz Bad Homburg, 30 Autominuten von ihm. Also Kaltakquise. Antwort am Telefon: Investment uninteressant, kauft uns oder lasst es. In der Plattform steckten laut Tim rund 6 Mannwochen Arbeit, und so sah sie auch aus. Der Kaufpreis lag bei dem 6- bis 7-Fachen von Tims Schätzung. Einer der Verkäufer war hauptberuflich M&A-Berater.

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Das ist natürlich der Worst Case, eine Company von einem M&A Berater abzukaufen.

Tim Stracke

9 Monate Verhandlung. Tim wollte irgendwann nachbauen und angreifen, Mitgründer Dirk fand das zu zeitintensiv. Tim hat beide Szenarien in Excel durchgerechnet, Kaufen gewann. Gezahlt haben sie ziemlich genau den Wunschpreis.

Die 24 klang für Tim nach Preisvergleich. In DACH steht sie für Schnäppchen. In Asien und den USA heißt sie: Uhr, 24 Stunden, perfect match. Zahlen im Namen bringen in Asien teils sogar Glück. Tims Regel: „der Name muss ja zum Kunden passen und die Kunden müssen den gut finden.“ Heute kommen laut Tim nur noch 12 bis 13 % der Nutzer aus Deutschland, Nummer 1 sind die USA.

Marketing-Budget der ersten Jahre: 0 €. Nur SEO. Google Ads gab’s laut Tim nur ganz oder gar nicht, mit 300.000 € im Monat. Stattdessen kauften sie die Länder-Domains zusammen und lösten sie „wie eine chirurgische Operation“ einzeln aus chrono24.com heraus. Hat funktioniert. Hat auch einen blinden Fleck hinterlassen, siehe Lektion 1.

15 Jahre Chrono24 Leadership lassen sich für mich auf 5 wesentliche Themen fokussieren:

1. Greif dich selbst an, mit 100 Mio. €. 💣

Einmal im Jahr: Red-Teaming im Leadership-Team. Die Frage: Ihr habt 100 Mio. €, wie macht ihr Chrono24 platt? Pre-Mortem mit Budget. Irgendwann wurde das Format aber eingestellt. Mit 100 Mio. € kam keiner mehr durch, die Moats waren zu tief.

Eine Antwort lautete: „ich würde auf TikTok setzen“. Reaktion der Geschäftsführung: TikTok? Das ist doch keine ernsthafte Plattform. Damit hat Chrono24 den zweiten schweren Social-Media-Fehler begangen. Bei Social hatten sie davor schon auf Facebook statt Instagram gesetzt, laut Tim „auch so ein bisschen unser Alter bedingt“.

In diesem Abschnitt könnt Ihr hören, wie das 100-Mio.-Format lief. 💣

2. Raus zu den Kunden, auch das Middle Management. 🚪

Einen Kanal verpassen ist Pech. Ihn aus Kundenferne verpassen ist ein arger Fehler. 1.000 andere Vorschläge wurden zu Recht abgelehnt. TikTok hätten sie mit mehr Kundenkontakt erkannt.

Tim war der Außenminister. Nach jedem Termin mit Händlern, Kunden oder Investoren ging ein Protokoll an den erweiterten Führungskreis. Sein Mitgeschäftsführer saß regelmäßig in Kundencalls. Nur ein Problem:

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Die Ebene darunter, die hat's halt nicht getan.

Tim Stracke

Tims Fix: Kundengespräche in den Kalender der Führungskräfte. Bei Endkunden mithören, bei Geschäftskunden selbst anrufen: Was machen wir gut, was nicht? Einzelmeinungen filtern, jeder Uhrenhändler hatte seine eigene Agenda. Signal ist, was du mehrfach hörst.

3. Wer oben gleich tickt, übersieht TikTok. 🕺

Der TikTok-Vorschlag kam aus dem großen Team. In der Geschäftsführung galt TikTok als Jugendkanal. Ende der Diskussion.

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Da sieht man, wie fehlende Diversity in Teams zu Fehlentscheidungen führt.

Tim Stracke

Gesamtteam 50/50, Führung fast nur Männer. Je höher, desto männlicher. Tim sieht darin auch einen Grund für die extrem männerlastige Userbase und einen Auftritt, der vor allem Männer anspricht. Ein Führungskreis, der Uhren nach Kaliber sortiert, schlägt halt selten vor, mal zu tanzen.

Conviction bleibt Pflicht. Gründer müssen Nein sagen können, sagt Tim. Mit mehr Diversity ganz oben hätten sie bei TikTok laut ihm anders entschieden.

4. Hol Geld, wenn du es nicht brauchst. 💰

200 Mio. € rein, unter 10 Mio. € Burn. Wo ist die Kohle? Über 100 Mio. € gingen laut Tim in Secondaries an Gesellschafter, die raus wollten. Ein größerer Batzen lag für eine M&A-Strategie auf dem Konto. Testlauf mit 2 kleinen Zukäufen, beide enttäuschend. Die großen Targets blieben liegen.

Dann der 300-Mio.-$-Deal. Insight Partners, größter Investor, wollte ihn unbedingt und kannte den CEO des Targets persönlich. Ansage: Investmentbank holen, abhaken, weiter. Tim: Due Diligence machen wir selbst. Banken mit reiner Erfolgsprovision raten selten von Deals ab. Ergebnis der Prüfung: abgesagt. Für Tim „die wichtigste und größte Entscheidung meiner […] Zeit als Gründer“.

Das Playbook:

1/ Nie unter Druck raisen. Chrono24 hat das Geld in keiner Runde wirklich gebraucht. Entsprechend entspannt saß Tim am Tisch.

2/ Früh anfangen. Auf Konferenzen redete Tim mit den Investoren, die in 2 bis 3 Jahren relevant werden. Kein Deck, kein Plan, nur Ist-Zahlen. Planzahlen landen im CRM und verfolgen dich. Tims Bild: Investoren sollen einen Film sehen.

3/ 3x überzeichnen, unverbindlich. Erste Frage: Grundsätzlich Interesse? Wie viel könntest du dir vorstellen? Summe notieren, nächster Kaffee. Bei der dreifachen Summe zurück an alle: Wir müssen jetzt auswählen. FOMO goes brrr.

4/ Brand vor Bewertung. Chrono24 nahm nie das höchste Termsheet. Insight Partners aus New York war der Qualitätsstempel für alle folgenden Runden. Als ich mal im Insight-Büro war, dachte ich, ich wäre im Aufzug im Callcenter ausgestiegen.

In diesem Abschnitt erklärt Tim dir das komplette Playbook. 💰

Plot Twist: Profitabilität macht feige. Früh profitabel, Kontostand steigt jeden Monat, Risikoappetit sinkt. Content, Büros in Asien und Amerika: oft besprochen, nie gemacht. Erst ein früher, überschaubarer Secondary für die Gründer nahm privat Risiko raus. Danach wurde wieder investiert, mit Burn, den sie binnen 3 bis 6 Monaten auf null drehen konnten.

5. Cofounder müssen sich blind vertrauen. 🤝

Tims Gründung davor: 5 Gründer, Spitzname Karlsruher Debattierclub. Alles im Plenum. Danach wusste er, was er nie wieder will.

Chrono24: 3 Gründer, komplett unterschiedlich. 2 Geschäftsführer, 1 technischer Mitgründer. Patt bei zweien? Der Dritte entscheidet. Termine macht einer allein, jeder fokussiert sein eigenes Thema. Maximaler Execution Speed.

Die Insight-Runde hat Tim fast allein gemacht. Vertrag: dreimal gelesen. Dirk vermutlich gar nicht, schätzt Tim. Dirk hat derweil das Geschäft geschmissen und Leute eingestellt, die Tim nie sehen musste. Vertrauen, gemessen in ungelesenen Seiten.

Zu guter Letzt: Fleiß, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen. Laut Tim neben einem klugen Kopf die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

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Die allermeisten Gründungen sind nicht über Nacht erfolgreich geworden.

Tim Stracke

Fazit der Woche: Bis zum Gipfel sind es immer noch mindestens 3 Jahre, durchhalten! 🏔️

🌺 Heute: 0-€-Bestellungen und 70 Mio. € Umsatz

Heute sind Alisa und Frederik Jahnke da, verheiratet und Mitgründer von Purelei. Alisa fing als Verpackerin im Handyhüllen-Shop von Freddy und Etienne an. 3-Monats-Test für ihren Hawaii-Schmuck, Ziel 75.000 € Umsatz, geschafft 65.000 €. Gegründet wurde trotzdem, mit 500 € Stammkapital. Am Black Friday 2019 dachte Alisa dann, die letzte Stunde von Purelei hätte geschlagen.

Dieses Jahr peilen sie 70 Mio. € Umsatz an, gebootstrapped, 100 % bei den drei Gründern. Wir reden über Zehntausende 0-€-Bestellungen und über die „Todeszone“ unter 5 % EBIT.

Hier geht’s zur Folge in Bewegtbild. 🎭️

… und hier gibt’s sie in Old-School Audio-Format. 🎧️

Danke an unsere Partner 🫶

Qonto: Mein Geschäftskonto für alle Firmen, Gründungsservice bis zum Handelsregistereintrag inklusive. Code FOUNDERMODE = 6 Monate kostenlos. Papierkram ist kein Moat.

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Das war's für heute!

Bis Freitag. Pausen sind was für Flachländer. 🥾

Lektion: Kauft nix von M&A-Beratern!

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